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Finanzspekulationen an den Rohstoffmärkten für Soft Commodities am Beispiel Kaffee

Hausarbeit 2011 25 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung
1.1. Problemstellung

2. Rohstoffmärkte
2.1. Geschichte und Wesen
2.2. Zusammenhang von Finanz- und Rohstoffmärkten
2.3. Handel an den Rohstoffbörsen

3. Soft Commodities
3.1. Allgemein
3.2. Entwicklung des Kaffeemarktes
3.2.1. Aktuelle Entwicklung
3.2.2. Gefahren für kleine bis mittlere Betriebe am Ende der Wertschöpfungskette
3.3. Rolle von Spekulationen
3.4. Kritik an den Ausmaßen von Spekulationen
3.5. Absicherung durch Finanzinstrumente
3.5.1. Klassischer Gebrauch von Futures
3.5.2. Optionen
3.5.3. Absichern von reinen Finanzinvestitionen

4. Zusammenfassung

5. Anhang
5.1. Charts

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

1.1. Problemstellung

Der Handel mit Rohstoffen weckt in den letzten Jahren stetig das Interesse immer weiterer Kreise. Nachdem institutionelle Anleger seit einiger Zeit steigende Aktivitäten an den Rohstoffmärkten zeigen, rücken diese auch für private Anleger zunehmend in den Fokus. Ins Rampenlicht gelangten die Rohstoffe (englisch commodities ) für ein breites Publikum vor allem während der einmaligen Rally (in der Börsensprache ein rascher, kräftiger Kursanstieg) der Jahre 2007 und 2008. Rohöl, Weizen, Mais und Sojabohnen stiegen auf Rekordwerte und brachen dann Ende 2008 dramatisch ein. Unter Experten wird die Verwendung des Begriffes Blase für diese Entwicklung auf dem Rohstoffmarkt kontrovers diskutiert, eine deutliche Überbewertung der Kurse lässt sich jedoch kaum von der Hand weisen. Vom Begriff unabhängig werden Finanzspekulationen an diesen Märkten zwar keine ursächliche Schuld, jedoch ein großer Einfluss auf den Verlauf und das Volumen dieser historischen Wertentwicklung attestiert. Seitdem wird die Rolle von Spekulanten an diesen Märkten äußerst unterschiedlich bewertet, da sie zum einen für eine signifikante Liquiditätssteigerung der Märkte stehen, vielen dieser Akteure jedoch mangelndes Verständnis für die zu handelnde Ware, bzw. Unerfahrenheit an den Rohstoffmärkten vorgeworfen wird. Ich möchte mich in dieser Arbeit zum einen mit dieser Problematik, aber auch mit den Folgen solch rasanter Wertanstiege und dramatischer Kurseinbrüche befassen. Unter den Rohstoffmärkten gilt mein Hauptaugenmerk den Agrarrohstoffen (englisch soft commodities ). Zunächst gilt es die Verflechtung zwischen Rohstoff- und Finanzmärkten zu verdeutlichen. Am Beispiel Kaffee möchte ich die Folgen extremer Kursbewegungen für Betriebe am Ende der Wertschöpfungskette, unterstützt durch eigene Erfahrungen aus der Perspektive eines kleinen Familienunternehmens, aufzeigen. Beginnen möchte ich jedoch mit einem kleinen Exkurs in die Entwicklung des Rohstoffhandels, denn obwohl das Thema äußerst aktuell ist, besteht Handel mit Rohstoffen seit den ersten Formen menschlicher Zivilisation. Anhand einzelner Episoden aus der Geschichte möchte ich die Funktionsweise des Marktes verdeutlichen. Schon in der Antike gab es Geschäfte, die den heutigen Terminkontrakten verblüffend ähnelten.

2. Rohstoffmärkte

2.1. Geschichte und Wesen

Die ersten überlieferten Termingeschäfte vollzogen Menschen, genauer Griechen, bereits lange vor Christi Geburt. Es ist historisch belegt, dass bereits 500 v. Chr. griechische Olivenernten im Voraus auf einen bestimmten Termin hin gehandelt wurden. Die Motive für diese ersten Terminkontrakte, waren die gleichen wie heute. Der Olivenbauer sicherte sich durch den noch vor der Ernte mit dem Abnehmer vereinbarten Preis gegen einen Preisverfall ab, der Käufer hingegen schützte sich vor Verteuerungen durch Ernteausfälle. Die Parallelen zu den heutigen Marktverläufen gingen aber noch tiefer, denn auch in der Zeit dieser vorchristlichen Terminkontrakte traten die ersten Spekulanten auf. Aristoteles beschrieb in seinem Werk Politik den Mathematiker und Vordenker Thales von Milet . Dieser machte sich seine astronomischen Kenntnisse zunutze, um reichhaltige Olivenernten schon früh zu prognostizieren. So erwarb er, auf eine üppige Ernte im Sommer spekulierend, schon im Winter günstig die Nutzungsrechte an allen Olivenpressen im Umkreis und konnte diese zur Erntezeit zu einem fast beliebigen Preis weitervermieten.1 In diesem Fall handelt es sich um eine gelungene Spekulation, die das Startkapital vervielfachte. Zugrunde liegen ihr realitätsnahe Einschätzungen der Olivenernte und eine profitable Strategie. Abstrahiert: fundierte Kenntnis des Marktes und die korrekte, gewinnbringende Analyse, Auswertung und Anwendung des Wissens.

Doch finden sich in der Geschichte auch andere Beispiele. Der erste dokumentierte Crash eines solchen frühen Rohstoff-Terminmarktes ereignete sich im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. In der sogenannten Tulpenmanie kam es zu einer immensen Überbewertung von Tulpenzwiebeln, die in einem abrupten 95%igen Wertverlust endete.

Der Reihe nach betrachtet, dient die Tulpenmanie als Paradebeispiel zur Bildung einer Blase an Märkten. In den aufsteigenden Niederlanden wurden die damals äußerst exotischen Tulpen rasch zum Luxus- und Statussymbol der Gesellschaft. Die Nachfrage stieg schnell und stark. Die Zucht der Gewächse ist jedoch langwierig, sodass das Angebot nur langsam wuchs und der Nachfrage nicht standhalten konnte. Als logische Konsequenz stiegen die Preise. Die Zwischenhändler erkannten ihre Chance und statt die Tulpen pfundweise zu verkaufen, wurden die Tulpenzwiebeln nun versteigert. Erst gewöhnlich in Kneipen, später mit einem festen Regelwerk, jedoch zunächst stets nur zur Pflanzzeit. Da die Nachfrage jedoch das ganze Jahr über bestand, gingen die Händler einen Schritt weiter. Sie handelten die noch in der Erde befindlichen Tulpenzwiebeln im Voraus. Damit wurde nicht mehr die Blume selbst, sondern das Recht an der Tulpenzwiebel erworben. Diese Rechte an den Tulpenzwiebeln wurden weitergehandelt und wechselten nun teilweise bis zu zehn Mal am Tag den Besitzer. Viele Bürger investierten ihre Ersparnisse in Tulpenzwiebeln, in Hoffnung weiter steigender Tulpenpreise. Von 1634 bis 1637 verfünfzigfachte sich der Preis. Es sind Fälle überliefert, in denen für Tulpenzwiebeln bis zu 10.000 Gulden gezahlt wurden. Ein gewöhnlicher Handwerker verdiente zu dieser Zeit etwa 250 - 500 Gulden im Jahr. Am 3. Februar 1637 kam es jedoch zu einem einschneidenden Ereignis. Bei einer gewöhnlichen Auktion in der Stadt Haarlem fand sich erstmalig kein zahlungswilliger Käufer für ein Tulpenzwiebelpapier. Die Nachricht verbreitete sich schnell und die Besitzer von Tulpenzwiebelrechten gerieten in Panik. Alle Involvierten des Marktes wollten verkaufen. Nur vier Tage später kam der Handel völlig zum Erliegen. Die Preise waren mittlerweile um 95% gefallen und die Zahl offener Kaufverträge übertraf die Anzahl real vorhandener Tulpenzwiebeln um ein Vielfaches. Die holländische Regierung verbot daraufhin den Terminhandel und erklärte Tulpen zum gewöhnlichen Handelsgut, das bar bezahlt werden müsse.2

Der Hype um die Tulpen hatte in den Niederlanden weite Kreise der Bevölkerung infiziert. Die Aussicht auf Profit lockte viele, die sich ohne Kenntnis des Marktes in den Handel stürzten. Unmengen von Teilnehmern, die auf gut Glück spekulierten, auf Gewinn hofften und sich auf den stets steigenden Marktpreis verließen. Durch die Mischung aus Gier und Unerfahrenheit, wurde aus handeln zocken. Den meisten Akteuren ging es nicht um die Tulpen an sich, sondern um den finanziellen Profit durch handeln der Rechte. Rohstoff- und Finanzmarkt waren nicht mehr deutlich zu trennen. Keine der Prinzipien, die noch Thales von Milet auszeichneten, wurden beherzigt. Die Systematik im Ablauf dieser Markttragödie lässt sich bis heute auf viele Crashs an den internationalen Märkten übertragen. Bestes Beispiel hierfür die Dotcom-Blase um die letzte Jahrtausendwende.

Im weiteren Lauf der Geschichte gründeten sich erste Rohstoff-Börsen, um den Handeltreibenden feste Grundlagen für ihre Geschäfte zu geben. Die Festlegung von einheitlichen Standards bezüglich Quantität und Qualität der gehandelten Ware machte den Handel transparenter und berechenbarer. Als erste Börse dieser Art ging die Chicago Board Of Trade (CBOT) 1848 in die Geschichtsbücher ein. Wenn auch der physische Transport der Rohstoffe zumeist längst nicht mehr in den damals üblichen Größen und Formen verläuft, so haben sich viele der damaligen Standards bis heute gehalten. So wird Rohöl immer noch in Barrel und Kaffee in Pfund gehandelt. Viele Statistiken bezüglich Rohkaffees werden auch heute noch in 60Kg Säcken als Einheit erhoben, obwohl ca. 70% des gehandelten Kaffees mittlerweile im Bulk-Container (lose) transportiert und direkt weiterverarbeitet wird.3

2.2. Zusammenhang von Finanz- und Rohstoffmärkten

Die Verflechtung der Finanz- und Rohstoffmärkte ist seit jeher gegeben. Die historischen Beispiele haben aufgezeigt, dass ein Teil der Akteure auf den Rohstoffmärkten stets nur gewinnorientierte Investitionen tätigt und nicht daran interessiert ist, Rohstoffe physisch zu erwerben. Auf der anderen Seite haben Rohstoffe eine wichtige, makroökonomische, Bedeutung für die Entwicklung von Wirtschaften und damit wiederum auch Einfluss auf den Verlauf von reinen Finanzmärkten. Rohstoffknappheit kann Wirtschaftswachstum hemmen und hat damit direkten Einfluss auf die Finanzkraft einer Volkswirtschaft. Eine stark wachsende Wirtschaft, wie das chinesische Beispiel aktuell demonstriert, kann zu einer Verknappung und damit einhergehenden Verteuerung von Rohstoffen auf den Weltmärkten führen. Auf der anderen Seite können auch steigende Aktivitäten mit Spekulations- und Hedging-Motiven an Rohstoffmärkten stark steigende Rohstoffpreise zur Folge haben. Dies kann letztendlich zum Bumerang werden, denn steigende Rohstoffpreise bedeuten in der Regel steigende Kosten für Unternehmen. Sobald diese Kosten an den Endverbraucher weitergegeben werden müssen, führt dies zu einem sinkenden Konsumklima. Daraus resultierend kann sich eine Verschiebung von Vermögenswerten entwickeln, die sich nicht zuletzt in korrigierten Aktienwerten äußert.4

2.3. Handel an den Rohstoffbörsen

Rohstoffbörsen sind in der Regel Terminmärkte. An ihnen werden standardisierte Produkte auf einen bestimmten Termin hin gehandelt. Diese standardisierten Kontrakte nennt man Futures , welche sich in Future-Long-Position und Future- Short-Position unterscheiden. Die Long-Position ist gleichzusetzen mit dem Kauf eines Kontraktes, die Short-Position bezeichnet analog dazu den Verkauf eines Futures.

Dies soll am Beispiel Kaffee veranschaulicht werden. Kaffee wird in New York (Arabica) und London (Robusta) gehandelt. Die Notierungen für Kaffee an der New Yorker ICE ( Inercontinental Exchange ) erfolgen traditionell in USc/lb, also Dollar-Cent pro amerikanisches Pfund. Die Kontraktgröße beträgt 37500 Pfund, gut 17 Tonnen Rohkaffee. Die gehandelten Monate sind März, Mai, Juli, September, Dezember.5 Der Kurs pendelt aktuell auf einem 13-Jahres-Hoch zwischen ca.237 und ca.240 USc/lb. Wenn ein Händler also vier Future-Long- Positions für Mai 2011 eingeht. So verpflichtet er sich zur Abnahme von 68 Tonnen Rohkaffee für Ende Mai, was bei einem Kurs von ca. 239 USc/lb (24.01.11)6 einem Volumen von etwa 358500 $ entspräche. Die Gegenposition geht dabei eine Short-Position ein und Verpflichtet sich zur Abnahme des Kaffees. Nun ist Kaffee bekanntlich nicht gleich Kaffee, sondern die Qualitäten bestimmter Anbaugebiete entscheiden sich signifikant. Dies wird durch die Festlegung von Differentials geregelt, die je nach Qualität, gewisse Ab- oder Zuschläge zum Kurs bedeuten. So wird Kaffee aus Kenya beispielsweise par zum Kurs, Kolumbien mit einem gewissen Aufschlag und Kaffee aus Ruanda mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs gehandelt. Auch diese Differentials werden angepasst, sind jedoch bei weitem nicht so volatil wie der Hauptkurs. Der in London ( NYSE Liffe ) gehandelte Robusta-Kaffee wird näher an der Praxis in US-Dollar je Tonne notiert. Die Kontraktgröße beträgt hier zehn Tonnen.7

[...]


1 Vgl. (Aristoteles, 1998): Politik, Band I, Kapitel VI

2 Vgl. (Dennin, 2010): Lukrative Rohstoffm ä rkte , S. 19-22; (Signer, 2007): Die Geschichte der Strukturierten Produkte ; (Meier, o.A.): Termingesch ä fte sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ;

3 Vgl. (Paschold, 2010): Produkte und Praxisf ä lle des Risikomanagements , S.141

4 Vgl. (Herz & Drescher, 2010): Rohstoffe und wirtschaftliche Entwicklung , S.101

5 Vgl. (Intercontinental Exchange Inc., o.A.): Contract Specificacions

6 (Intercontinental Exchange Inc., o.A.): Coffee “ C “ Future Mai 2011 , abgerufen ca. 15.30 Uhr MEZ

7 Vgl. (NYSE Liffe, o.A.): Contract Specificacions

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656103462
ISBN (Buch)
9783656103172
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187055
Institution / Hochschule
bbw Hochschule
Note
1,3
Schlagworte
finanzspekulationen rohstoffmärkten soft commodities beispiel kaffee spekulationen rohstoffe

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