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Diskursanalyse des deutschen TV-Duells 2009 zwischen den Kanzlerkandidaten Steinmeier und Merkel

Masterarbeit 2011 118 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Das TV-Duell als demokratiekonstitutive Größe und der Ansatz für eine interdisziplinäre Gesprächsanalyse mit Hilfe von Methoden aus der Pragmatik und den Kommunikationswissenschaften

2. Eine pragmatisch orientierte Untersuchung des TV-Duells zwischen Steinmeier und Merkel
2.1. Beschreibung ausgewählter Elemente der Sprechakttheorie, eine Problemdiagnose
2.1. a Theoretische Analyse der Kategorien der Sprechakttheorie und Vorschlag einer komplementären Erweiterung zur besseren Herstellung des Praxisbezugs im Sinne der Verständlichkeit einer Äußerung
2.1. b Der Einfluss der Sprechakttheorie auf die Pragmatik und eine Problemdiagnose
2.2 Die Untersuchung des Handlungszusammenhangs - Konzipierung integrativ- pragmatischer Kommunikationsmodellefür dasTV-Duell
2.3 Die Untersuchung der Interaktion im TV-Duell unter dem Aspekt desjoumalistischen Interviewstils, der Handlungsberechtigung und der Illokution - eine empirische Annäherung an der Grenze zu Journalismus und Pragmatik
2.3. a Analyse der Interaktion unter dem Aspekt desjoumalistischen Interviewstils und der Kooperationsbereitschaft
2.3. b Die Kategorisierung kommunikativer Strategien, sprachlicher Handlungen und der in ihnen versteckten Intentionen
2.4. Inhalts- und Themenanalyse des TV-Duells vor dem Hintergrund des Zusammenhangs ausgewählter Elemente der Sprechakttheorie - eine empirische Annäherung an der Grenze zu Journalismus und Pragmatik
2.4. a Journalistische Inhalts- und Themenanalyse des TV-Duells
2.4. b Analyse des Verhältnisses der Illokution, der Perlokution und der Lokution im Verhältnis zueinander mit Blick auf die Interaktion der primären Akteure
2.4. C Strukturanalyse anhand der Themen mit Blick auf die Illokution und die Perlokution
2.5 Die Relevanz der nonverbalen Kommunikation für die Rezeption des TV-Duells

3. Resümee: die zusammenfassende Bewertung der Sprechakttheorie und des TV- Duells

Vermerk zum Transkriptionssystem

Anhang

Literatur-undQuellenverzeichnis

1. Einleitung: Das TV-Duell als demokratiekonstitutive Größe und der Ansatz für eine interdisziplinäre Gesprächsanalyse mit Hilfe von Methoden aus der Pragmatik und den Kommunikationswissenschaften

Kaum eine Fernsehsendung ist aus politischer Sicht so relevant und populär, wie das TV- Duell, das als Höhepunkt eines Wahlkampfs angesehen wird und kurz vor den Wahlen zwischen den Kanzlerkandidaten stattfindet.

In den USA kämpfen die beiden Präsidentschaftskandidaten, in Deutschland die Kanzlerkandidaten um die Sympathie1 der potenziellen Wähler.

Die politische Relevanz dieser mit Abstand umfangreichsten und spannendsten Wahlwerbung wird von Kommunikationswissenschaftlem besonders hoch eingeschätzt, denn diese Sendung ist sowohl in Nordamerika als auch in Deutschland besonders beliebt und erreicht angesichts der guten Zugänglichkeit zum vermittelnden Medium ein breites Publikum. Insbesondere das zweite deutsche TV-Duell im Jahre 2005 zwischen Angela Merkel (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) löste ein besonderes öffentliches Interesse aus. Das wurde von 20,98 Millionen Zuschauern2 mitverfolgt. Beim dritten deutschen TV-Duell zwischen Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Angela Merkel (CDU) im Jahre 2009 schauten nur noch 14,85 Millionen Personen3 zu, dennoch ist die Zuschauerquote im Gegensatz zu anderen Wahlkampfsendungen besonders hoch. Die Gesamtbevölkerung Deutschlands betrug im Februar 2010, also ein halbes Jahr nach dem dritten deutschen TV-Duell, 81,759 Millionen Einwohner4. Wenn man die beiden Zahlen vergleicht, kann man feststellen, dass sich ein beachtlicher Teil der deutschen Gesellschaft (18,2 %) politisch relevante Informationen über das TV-Duell einholte.

Aus der hohen Zuschauerquote und der Feststellung von Efing - der in seinem Aufsatz hervorhebt, dass die politische Wahlwerbung eine demokratiekonstitutive Größe sei5 - kann abgeleitet werden, dass das Duell nicht nur informierenden, sondern auch entscheidungsbildenden Charakter hat. Auch Fengel und Vestring betonen, dass das Femsehduell starke Wirkung darauf habe, welchen Kandidaten die Zuschauer als „Sieger“ der Debatte wahmehmen. Diese Entscheidung des Zuschauers sei unabhängig von seinen politischen Präferenzen.6

Die stark beeinflussende Kraft und die demokratiekonstitutive Größe des Duells erfordern einen klaren Überblick, denn nur so ist es den Zuschauern möglich, eine kompetente Wahlentscheidung zu treffen. Die Rezeption des Duells für die Zuschauer wird aber dadurch erschwert, dass die entscheidende politische Femsehdiskussion - wie viele Produkte der Medien - als Folge der Vielfalt medialer Kommunikation „innerhalb von Diskursbrüchen erzeugt worden ist“. Umso notwendiger ist die Analyse der Femsehdiskussion also für die verantwortungsbewusste politische Entscheidungsfindung.

Die meisten Arbeiten, die sich mit der Untersuchung der TV-Duelle auseinandersetzen, widmen sich vor allem der Untersuchung der politischen Inhalte. Die Erkenntnis, dass „politisches Handeln vornehmlich sprachliches Handeln ist“ - allerdings begleitet von nonverbalen Handlungen - bezieht sich auch auf das TV-Duell. Problematisch ist die Tatsache, dass es kaum sprachwissenschaftliche Untersuchungen des Duells gibt. Damit das erwähnte Defizit im aktuellen Forschungsstand kompensiert und der Komplexität des Duells Rechnung getragen wird, muss man sich des Inventars interdisziplinärer Forschungsmethoden bedienen. Aus den genannten Gründen setzt sich die vorliegende Arbeit die Analyse des TV- Duells an der Grenze zu Sprach- und Kommunikationswissenschaften zum Ziel.

Da im Zentrum pragmatisch orientierter Forschungen die bereits erwähnte sprachliche Handlung steht, werden die Grenzen zwischen Sprach- und Kommunikationswissenschaften vor allem durch Methoden der Pragmatik überwunden. Emst weist mit seiner Feststellung, dass hinter der Pragmatik die Vorstellung stehe, dass der Sprechende mit Sprache handele7 8 9, auf die Sprechakttheorie, den ursprünglichen Kembereich der Pragmatik, hin.

Der „Gründungsvater der Sprechakttheorie“, John L. Austin, erkannte den Handlungscharakter der menschlichen Äußerungen als erster und legte in seinem breit bekannten, renommierten Werk „How to do things with Words“ das Fundament der Pragmatik im Rahmen einer Vorlesungsreihe an der Harvard-Universität im Jahre 1955. Durch seinen besten Schüler, John R. Searle, wurde ein Buch mit dem Titel „Speech acts“ verfasst, in dem die Ansätze seines Professors erweitert wurden. Die Sprechakttheorie und die Anerkennung des Handlungscharakters der Sprache haben seit den Siebzigern des letzten Jahrhunderts einen starken Einfluss auf die Entwicklung der pragmatisch orientierten Forschungen. In Deutschland kam es zu einem Durchbruch der pragmatischen Theorie durch die Arbeit von Dieter Wunderlich mit dem Titel „Zur Rolle der Pragmatik in der Linguistik“ in den siebziger Jahren.

Das zentrale Element der Sprechakttheorie ist die Intention hinter der vollzogenen Handlung. Außerdem wird auch die durch die Handlung10 ausgelöste Wirkung beim Empfänger neben der Illokution als sekundäres Element der Sprechakttheorie genannt. Nach der Erörterung zentraler sprechakttheoretischer Ansätze im Kapitel 2.1 widmet sich die vorliegende Arbeit vorwiegend der sowohl theorie- als auch praxisorientierten Erforschung der Intentionen sowie der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Intention und Wirkung.

Die zu analysierende Femsehdiskussion hat - wie man das der Benennung entnehmen kann - einen interaktiven Charakter. Die Fragen nach den Charakteristika in der Interaktion und der Hierarchie in der Kommunikation werden an Textbeispielen mit Hilfe eines selbst konzipierten pragmatischen Interaktionsmodells erörtert und unter kommunikationswissenschaftlichen Aspekten untersucht.

Die Konstitution von Wirklichkeit im politischen Sprachhandeln erfolge innerhalb bestimmter situativer und kontextueller Bedingungen11 12 13, deshalb muss bei einer präzisen Untersuchung auf jeden Fall auch das situative Umfeld untersucht werden. Interdisziplinäre Forschungsmethoden werden in der vorliegenden Arbeit häufig eingesetzt. Dieser Herangehensweise liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Pragmatik die Sprach- und die Kommunikationswissenschaften miteinander verbindet, indem sie sich mit dem Verhältnis sprachlicher Äußerungen zu ihrem situativen und kommunikativen Kontext beschäftigt.

Die Feststellung von Schmitz, das Sprachliche verbinde sich infolge der Verbreitung moderner Medien immer enger mit nichtsprachlicher Kommunikation , gilt auch für das TV- Duell. Die nonverbale Kommunikation und ihre Relevanz für die Wirkung werden im Kapitel 2.5 beispielsorientiert thematisiert.

Die zu analysierende politische Femsehdiskussion ist der letzte „Countdown“ der beiden konkurrierenden Parteien, die bei den Wahlen die Kandidaten stellen, deshalb kann man davon ausgehen, dass sich die Politiker im Interesse der Selbstdarstellung der eigenen Person sowie der Partei um einen kompetenten Eindruck bemühen und ihre politischen Pläne besonders attraktiv präsentieren wollen. Das Duell als Teil der persuasiven Kommunikation zielt darauf ab, eine Änderung, Verstärkung und Festigung der Meinung, der Einstellung sowie des Verhaltens seitens der Wähler zu bewirken.

Der Wunsch nach positiver Selbstdarstellung und die Zuordnung des Duells zum Bereich der persuasiven Kommunikation lassen darauf schließen, dass die Teilnehmer während der Diskussion eine Vielfalt an Kommunikationstechniken einsetzen. Auch die Untersuchung der eingesetzten kommunikativen Strategien findet in der vorliegenden Arbeit Beachtung.

Über die kommunikativen Strategien und die Illokutionen hinaus werden zudem strukturelle Analysen durchgeführt. Die Fragen, wie das Duell als Ganzes erscheint und durch welche strukturellen Merkmale es sich auszeichnet, werden durch die Erörterung der Zusammenhänge zwischen Gesprächs- und Handlungsstruktur sowie durch Themenwechsel beantwortet und praxisorientiert dargestellt. Im Interesse der Herstellung des zu erlangenden Zusammenhangs ist es empfehlenswert, manche Methoden der Sprechakttheorie und der Konversationsanalyse miteinander zu verbinden.

Laut Holly ist die Diskursanalyse, auf die auch im Titel der vorliegenden Arbeit hingewiesen wird, das zentrale Beschäftigungsfeld der Pragmalinguistik14.

Das Verhältnis der beiden Disziplinen der Sprachwissenschaft zeigt sich auch am Beispiel des folgenden Zitats:

,,In der Weise, wie die Beteiligten die Turns handhaben, zeigen sie einander auf, wie sie die sich entwickelnden Aktivitäten verstehen, wie sie den vorangegangenen Turn und die entsprechenden Erwartungen der Partner interpretieren...“ 15

Auf den Zusammenhang zwischen den Sprecher- und Höreraktivitäten und ihre Relevanz für die sprachliche Handlung als Koordinatoren des Gesprächs kann anhand des obigen Zitats gefolgert werden. Ob ein Gespräch verstanden werden kann, hängt meiner Meinung nach insbesondere von der Verbindung der Themenstruktur ab. Die Analyse der Themen erfolgt mit Blick auf das Verhältnis der Intention und der Wirkung.

Das geäußerte Ziel setzt selbstverständlich voraus, dass das TV-Duell tatsächlich als Gespräch angesehen werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass das TV-Duell ein medial vermitteltes Gespräch mit einigen Strukturmerkmalen eines Hypertextes ist, was in den nächsten Kapiteln als Grundlage für die Untersuchungen dient. Nun muss kurz erörtert werden, welche Eigenschaften eines Gesprächs und eines Hypertextes für die Analyse des TV-Duells relevant sind.

Das Gespräch als „Grundeinheit sprachlicher Kommunikation“16 ist „eine Folge von sprachlichen Äußerungen“17 und entspricht dem „Aspekt der Mündlichkeit“18. In Duden wird der Anspruch erhoben, dass sich „bei der mündlichen Verständigung mindestens zwei Parteien zur Realisierung spezifischer Ziele und Zwecke in gemeinsamer Situation befinden müssen.“19 Die Anwesenheit von mindestens zwei Beteiligten lässt auf eine Interaktion schließen. Das Gespräch wird zur Gruppe der symbolischen sprachlichen Interaktion zugeordnet. Laut Holly stellt die symbolische sprachliche Interaktion ein komplexes Geflecht von Handlungsmustem dar, das primär auf wechselseitiges Verstehen gerichtet sei 20.

Ein für das TV-Duell relevantes Merkmal des Hypertextes ist die Multimedialität21. Vor allem hinsichtlich der Aspekte der Kohärenz22 und der kommunikativen Funktion23 gibt es prägnante Unterschiede zwischen einem Gespräch und einem Hypertext. Das Kriterium einer strengen Kohärenz wird an das Gespräch im Gegensatz zum Hypertext nicht gestellt. Insbesondere vor der Grundlage der Themenhierarchie wird die Kohärenz in der Forschung häufig analysiert. Ein enges Verhältnis zwischen der Themenhierarchie und der Kohärenz kann man dem folgenden Zitat entnehmen:

„Die Charakterisierung von Hypertext als kommunikative, thematisch-funktional bestimmte Einheit legt nahe, die Kategorie der Themenhierarchie zu gewichten." 24

Eine komplexe und vielseitige Hypertextdefinition kann auf Sandig zurückgeführt werden. Sie definiert den Hypertext als die Gesamtheit aller kommunikativen Äußerungen, die in einer kommunikativen Situation untereinander kohärent sind, ein untrennbares Ganzes bilden und im komplexen Zusammenspiel eine kommunikative Funktion signalisieren bzw. sie für die Rezipienten erkennbar machen.25

In der Einführung wurden bereits einige Aspekte zur Unterscheidung des Gesprächs und des Hypertextes genannt. Es wird angemerkt, dass eine vollständige Analyse des Gesprächs und des Hypertextes aus Sicht der Untersuchung nicht notwendig ist und auch nicht erstrebt wird. Auf diese Unterscheidung wird in den nächsten Kapiteln immer wieder zurückgegriffen.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich jedoch auf eine pragmatische Untersuchung vor dem Hintergrund der Untersuchungsaspekte der Sprechakttheorie und der Diskursanalyse, aber mit dem komplementären Einsatz kommunikationswissenschaftlicher Methoden.

2. Eine pragmatisch orientierte Untersuchung des TV-Duells zwischen Steinmeier und Merkel

2.1 Beschreibung einiger Elemente der Sprechakttheorie, eine Problemdiagnose 2.1.a Theoretische Analyse der Kategorien der Sprechakttheorie und Vorschlag einer komplementären Erweiterung zur besseren Herstellung des Praxisbezugs im Sinne der Verständlichkeit einer Äußerung

In der Einleitung wurde darauf hingewiesen, dass sich die vorliegende Arbeit an Mitteln der Pragmatik orientiert, um das TV-Duell 2009 zwischen Steinmeier und Merkel analysieren zu können. Die Berechtigung, Elemente der Sprechakttheorie vor dem Hintergrund der Pragmatik zu erörtern, erhält man unter anderem durch die Tatsache, dass sie „im Rahmen der linguistischen Pragmatik in den größeren Zusammenhang einer Theorie des sprachlichen Handelns gestellt worden ist“.26

Das vorliegende Kapitel hat zum Ziel, über die Sprechakttheorie einen zusammenfassenden Überblick zu geben und ihre Definitionen zu systematisieren sowie sie im Verhältnis zueinander zu erörtern.

Laut Adamzik umfasst die Sprechakttheorie verschiedenartige Komponenten und zerlegt eine Äußerung bekanntlich in diverse Teilakte, die auch die Verbindung zwischen sprachlichen Aspekten im engeren Sinn und handlungstheoretischen Kategorien modelliert.27

Im Mittelpunkt der Sprechakttheorie steht der Sprechakt als Ganzes, der Basiseinheit sprachlicher Kommunikation ist28 und aus mehreren simultan vollzogenen Teilakten besteht 29, die durch eine Indem-Relation miteinander verbunden sind 30.

Austin differenzierte zwischen dem phonetischen31, dem phatischen 32, dem rhetischen33, dem illokutiven34 sowie dem perlokutiven Akt35. Von seinem Lehrer übernahm Searle den illokutiven sowie den perlokutiven Akt und den Äußerungsakt mit Änderungen.

Im Unterschied zu Austin nannte er aber den rhetischen Akt von Austin36 propositionalen Akt und gliederte ihn in Referenz und Prädikation.

Was man genau macht, wenn man einen komplexen Sprechakt vollzieht, wird im Folgenden anhand einiger oben aufgezählter Begriffe der Sprechakttheorie erörtert. Einzelne grundlegende Definitionen werden zu diesem Zweck eingesetzt, wobei die Beschreibung des lokutionären Aktes als Ausgangspunkt für die folgende Analyse dient.

Linke et al. beschreiben den lokutionären Teil eines Sprechaktes nach Austin wie folgt:

„Man bewegt die Stimmwerkzeuge, gibt Laute von sich - oder man bewegt Schreibwerkzeuge bzw. Tasten. Dabei realisiert man abstrakte Muster eines Sprachsystems: Phoneme, Morpheme/Wörter, Sätze, Texte. Man bezieht sich mit der Sprache auf Dinge in der Welt und sagt über sie etwas aus.“37

Für Austin ist der lokutionäre Akt vereinfachend die gesamte Handlung, „etwas zu sagen“38. Auf eine Hypothese der „Indem-Relation“ der einzelnen Teilakte wurde in diesem Kapitel bereits aufmerksam gemacht. Von der zitierten „Indem-Relation“ kann abgeleitet werden, dass sich zwischen den einzelnen Teilakten Zusammenhänge manifestieren.

Auf ein enges Verhältnis der Lokution und der Illokution wies auch Austin hin:

„Einen lokutionären Akt vollziehen, heißt im Allgemeinen auch und eo ipso einen illokutionären Akt vollziehen, wie ich ihn nennen möchte. So werden wir im Vollzug eines lokutionären Aktes auch einen Akt vollziehen wie etwa: eine Frage stellen oder beantworten; informieren, eine Versicherung abgeben, warnen; eine Entscheidung verkünden, eine Absicht erklären usw.39

Die im Zitat genannte Illokution wird von Austin als „vollzogener Akt“40 bezeichnet und in den Fokus seiner sprechakttheoretischen Überlegungen gerückt. Die Illokution ist vereinfacht der Ausdruck einer bestimmten Absicht des Autors.41 Dem obigen Zitat von Austin kann entnommen werden, dass es keine Äußerung ohne Intention gibt, aber die Hypothese gilt auch umgekehrt, denn ohne Äußerung kommt auch keine Intention zum Vorschein. Die angenommene „Indem-Relation“ kann verifiziert werden, aber es lohnt sich aus logischen Gründen, den zu Beginn des Kapitels zitierten simultanen Vollzug der Teilakte weiteren Überlegungen am Beispiel des TV-Duells zu unterziehen.

PR-Vertreter der Politiker verhandeln im Vorfeld zum TV-Duell mit den Vertretern des Fernsehsenders und vereinbaren die zu diskutierenden Hauptthemen und Regeln der femsehvermittelnden politischen Wahldiskussion. Anschließend werden von den PR- Fachmännem Konzepte zu den einzelnen Statements entworfen, dadurch auch Intentionen und kommunikative Strategien festgelegt, die aber erst mit einer relevanten Zeitverzögerung durch die Politiker während des TV-Duells zum Einsatz kommen. Aufgrund des obigen Gedankengangs kann eine Simultanität der Illokution und der Lokution ausgeschlossen werden, denn die erstere motiviert überhaupt die Entstehung der letzteren. Festgestellt werden kann allerdings, dass die Illokution erst zum Vorschein kommt, indem die Lokution vollzogen wird.

Einen weiteren Zusammenhang zwischen einem weiteren Teil der Sprechakttheorie, dem propositionalen Gehalt und der bereits erörterten Illokution und Lokution, betonte Searle: „Äußerungsakte bestehen einfach in der Äußerung von Wortreihen. Illokutionäre und propositionale Akte sind - wie wir später sehen werden - dadurch charakterisiert, dass Wörter im Satzzusammenhang in bestimmten Kontexten, unter bestimmten Bedingungen und mit bestimmten Intentionen geäußert werden."42

Searle versteht unter Proposition den in der Lokution geäußerten Sachverhalt.43 Metzler definierte die Proposition vereinfacht als Inhalt einer Äußerung44. Ein enger Zusammenhang zwischen propositionalem Gehalt und dem illokutionären Akt wird von Emst verifiziert, der darauf hinwies, dass ersterer den Stand der Dinge beschreibe und letzterer gleichzeitig bestimme, wie die Beschreibung verstanden werden soll.45

Wie zu Beginn des Kapitels erwähnt wurde, differenzierte Austin auch einen weiteren Akt, nämlich den perlokutionären Akt, den man vollzieht, indem man die illokutionären und die lokutionären Akte vollzieht.

In dem angesehenen Standardwerk von Bußmann wird die Perlokution wie folgt beschrieben: „Im Rahmen der Sprechakttheorie Teilaspekt einer Sprechhandlung, der sich auf die kausalen Wirkungen, die der Sprecher durch seine Äußerung absichtlich hervorruft, bezieht." 46 Eine schwerwiegende Inkonsequenz dieser Beschreibung - auch wenn sie auf den Beschreibungen von Austin und Searle basiert - ist, dass die Perlokution als Folge der Sprecherabsicht im Sinne des Sprechers angesehen wird. Der Empfänger, der auch ein souveräner Mensch mit eigenen Entscheidungskompetenzen ist, bleibt in der obigen Beschreibung völlig unbeachtet. Am Beispiel des Duells wird die Perlokution erklärt.

Auch zu Beginn der vorliegenden Arbeit wurde festgestellt, dass das Duell in den Bereich der persuasiven Kommunikation fällt und die Bürger politisch aktivieren will.

Argumentieren ist dementsprechend ein hauptsächlicher Bestandteil der persuasiven Kommunikation. Wenn man zusätzlich die Kommunikationssituation des zu analysierenden Duells beachtet, gibt es in der Femsehdiskussion gleich sechs selbstverständlich nicht parallel aktive Sprecher, die gleichzeitig ihren eigenen Intentionen nachgehen.

Am meisten bemühen sich logischerweise die Politiker um einen überzeugenden Auftritt. Durch die Aussage von Klaus Wowereit, dass im TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier derjenige oder diejenige gewinnt, der/die seine Argumente am glaubwürdigsten herüberbringt47, wird die erwähnte Beschreibung der Perlokution falsifiziert und die Hypothese über eine von den Absichten des Senders kausal abhängige Wirkung widerlegt.

Aus diesem Grund wird eine weitere Definition genannt:

„Ein perlokutionärer Akt hingegen ist von den Äußerungsumständen abhängig und wird somit nicht konventionell, einfach durch das Äußern dieser besonderen Äußerung erreicht; er umfasst alle beabsichtigten oder unbeabsichtigten, oft auch nicht vorhersagbaren Wirkungen, die eine bestimmte Äußerung in einer bestimmten Situation hervorrufen kann.48

Das, was bei der früher zitierten Definition der Perlokution bemängelt wurde, nämlich die geringe Rücksichtnahme auf die Souveränität des Gesprächspartners, wurde in der Definition von Levinson ergänzt. Betont wird aber, dass die Perlokution nicht notwendigerweise unabhängig von der Illokution ausfällt.

Drei für die Analyse des Duells relevante Elemente der Sprechakttheorie wurden behandelt, dennoch kann man feststellen, dass ein zu einer vielseitigen Analyse notwendiger weiterer Aspekt in der Theorie keine Beachtung fand. Indem die Teilnehmer des Duells ihre Äußerungen vollziehen, kommen kommunikative Strategien zum Vorschein. Eine Äußerung ist einerseits das Ergebnis einer Lautfolge und der Kombination verwendeter grammatikalischer Strukturen andererseits das Ergebnis eingesetzter kommunikativer Strategien, die ähnlich wie die Intentionen im Vorfeld zum Duell festgelegt werden. Der operative Akt ist in seiner Eigenschaft die Gesamtheit der kommunikativen Strategien, mit deren Einsatz eine gewisse Intention verfolgt wird, damit die vom Sprecher beabsichtigte Wirkung ausgelöst werden kann.

Emst, der das Verhältnis der Wirkung und der Situation aufgreift, betont, dass die Wirkungen von den Äußerungsumständen abhängig seien.49 Anhand der obigen Erörterungen wird eine adäquate Beschreibung für die Lokution vorgeschlagen. Die Lokution ist die Äußerung, die aufgrund von aufeinander folgenden Lauten durch den Einsatz grammatikalischer Systeme mit Hilfe von kommunikativen Strategien motiviert von der Intention des Senders in einem gegebenen situativen Umfeld zustande kommt und eine Botschaft in sich trägt. Die Äußerung löst beim Empfänger eine gewisse Wirkung aus.

Die diskutierten Definitionen der Sprechakttheorie werden im Überblick wie folgt dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da in der vorliegenden Arbeit viele Analysen vor dem Hintergrund des Zusammenhangs zwischen der Illokution, der Perlokution und der Lokution erfolgen, wird ein Modell zum Verhältnis dieser drei Aspekte eines Sprechakts erstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reflexives Handlungsmodell anhand ausgewählter Elemente der Sprechakttheorie

Das Verhältnis der Absicht, der Wirkung und der Äußerung wurde bereits mit Hilfe der Definitionen erörtert, aber im Interesse des Überblicks ist eine kurze Erklärung des Modells sinnvoll:

Eine Intention entsteht in einer Situation und motiviert die Entstehung einer Äußerung. Sie löst mindestens eine Wirkung aus, die wiederum auf die Absicht, die eine weitere Äußerung beim Gesprächspartner auslöst, Einfluss nimmt. Die Äußerung ist in einem konkreten Sprechakt das Ergebnis des Zusammenspiels der Illokution und der Perlokution. Da die Kommunikation einen interaktiven Charakter hat, zeichnet sich sinngemäß auch ein Sprechakt durch interaktive Eigenschaften aus. Darauf weisen die Pfeile in der obigen Darstellung hin. In einem komplexen Sprechakt ist eine hohe Anzahl von miteinander agierenden Intentionen und Wirkungen möglich. Die Illokutionen und die Perlokutionen entstehen als Ergebnis der ständigen Konkurrenz der Teilnehmer des Sprechakts. Ein Gespräch wird im Alltag normalerweise beendet, wenn die Beteiligten im gegenseitigen Einvernehmen den Kommunikationsprozess, indem das zustande kommt, abschließen. Beim TV-Duell ist dies nicht der Fall. Der Sprechakt des TV-Duells wird beendet, wenn die Moderatoren - gebunden an die Sendezeit und die Rahmenbedingungen der Sendung - die Diskussion abbrechen und sich von den Zuschauern verabschieden. Die Zustimmung der politisch agierenden Kanzlerkandidaten wird dabei außer Acht gelassen.

Die Elemente der Sprechakttheorie aus dem obigen Modell werden in den meisten Kapiteln aus diesem Grund auf ihre „interaktive Eigenschaft“ geprüft.

2.1.b Der Einfluss der Sprechakttheorie auf die Pragmatik und eine Problemdiagnose

Der Versuch, Kategorien der Sprechakttheorie praxisbezogen am Beispiel des TV-Duells zu analysieren, erfolgt von der Überlegung heraus, dass der Sprechakttheorie in vielen Publikationen eine starke Orientierung an der Theorie sowie die Setzung des Schwerpunktes auf die Intention vorgeworfen werden. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass in der pragmatischen Forschungslandschaft bis heute die Herangehensweise dominiert, Äußerungen vor dem Hintergrund der in ihnen versteckten Intentionen zu untersuchen. In diesem Unterkapitel wird erörtert, welche Wirkungen die Sprechakttheorie auf die Pragmatik hat. Außerdem wird der Frage nachgegangen, warum die Herstellung eines Praxisbezugs auf der Grundlage der Sprechakttheorie nur schwer zustande kommen kann.

Eine Wirkung der Sprechakttheorie auf zeitgenössische Forschungen51 52 kann man beispielsweise der folgenden Feststellung von Grice entnehmen:

„A meinte etwas mit x, ist äquivalent mit A intendierte, dass die Äußerung von x eine Wirkung in einer Zuhörerschaft hervorrufen sollte und zwar mittels des Erkennens dieser Intention." Wie oft in der Pragmatik, wurde die Illokution auch im Fall des obigen Zitats in den Vordergrund gestellt und der Perlokution übergeordnet. Der Einfluss der Sprechakttheorie auf pragmatisch orientierte Forschungen manifestiert sich unter anderem darin, dass sich die Theorie auf die Illokution konzentriert und Äußerungen anhand der Absicht klassifiziert werden. Austin und Searle sowie weitere namhafte Wissenschaftler wie beispielsweise Grice und Emst usw. vertreten die Ansicht, dass eine Äußerung am effektivsten verstanden werden kann, wenn man versucht, die Absichten und die Funktionen zu erschließen, wobei alle zwar in unterschiedlichem Maß, aber sinnvoll darauf hinweisen, dass auch der situative Zusammenhang bei einer vielseitigen Untersuchung einer Äußerung eine besondere Relevanz hat.

Die grundlegendste Unterscheidung Searles sieht eine grobe Differenzierung, die auf der Ableitung der Sprecherabsicht basiert, zwischen direkten und indirekten Sprechakten vor. Die Intention kann man beispielsweise aus dem „wörtlichen Sinn“ erschließen. Im Fall des direkten Sprechaktes ist die illokutionäre Kraft in die Satzform eingebaut.53 54 Indirekte Sprechakte haben laut Searle die Eigenschaft, eine andere illokutionäre Kraft zu besitzen als die, die man anhand der Illokutionsindikatoren dem Sprechakt entnehmen würde.55 Die Intention kann man der Äußerung im letzten Fall nicht wortwörtlich entnehmen.

Eine erste Untergliederung der Äußerungen in Subtypen versuchte bereits Austin vorwiegend mit Blick auf die Untersuchung der in einer Äußerung auftretenden Verben vorzunehmen, wobei man diese Absicht noch nicht als Typologie bewerten kann. Mit der groben Unterscheidung zwischen performativen und deskriptiven Äußerungen wies er darauf hin, dass man durch den Vollzug bestimmter Äußerungenstypen etwas tue, indem man sie verwende56 57 58, wobei man mit anderen Äußerungen etwas beschreibe und so keine explizit wahrnehmbare Handlung vollziehe. Zum Typ „deskriptiv“ zählt er beispielsweise konstative Äußerungen (beispielsweise Feststellungen), die entweder wahr oder falsch sind . Performative Äußerungen können glücken oder nicht . Subtypen der performativen Äußerungen sind zum Beispiel expositive (beispielsweise bezeugen, zugeben, prophezeien59 etc.), konduktive60 (Einstellungen und Gefühle ausdrücken) und verdiktive (z.B. urteilen61 ) Äußerungen.

In performativen Äußerungen geben laut Austin hauptsächlich Verben Aufschluss darüber, welche Handlung gerade begangen wird, wobei er erkennt, dass ein Verb kein privilegierter Indikator für die Beurteilung einer Handlung sein kann. Der Theorie anzulasten bleibt aber, dass sie Äußerungen trotz mehrfacher Warnungen jedoch zum größten Teil mit Hilfe von Verben einer Gruppe zuordnen will und andere relevante Aspekte kaum erörtert. Diese Tatsache hat eine verheerende Wirkung für spätere sprechaktorientierte Untersuchungen, denn viele Wissenschaftler versuchen, Typologien zur Illokution vor demselben Hintergrund durchzuführen. Im Gegensatz zu den performativen Äußerungen wird die Absicht der Handlung im Fall der deskriptiven Äußerungen laut Austin nicht direkt den Verben, sondern eher dem Handlungszusammenhang entnommen. Diese Bemerkung halte ich für die Beurteilung der Illokution für besonders aufschlussreich.

In seiner Theorie räumte Austin selbst mehrfach ein, dass er keine scharfen Trennungen zwischen den performativen und deskriptiven Äußerungen vomahm.62 Durch sprachliche Umformulierungen ließ er den einen Typ in den anderen umleiten und umgekehrt. Auch das spricht gegen die Gültigkeit seiner Klassifikationen. Da er sich bewusst war, dass die Beispiele, die er Gruppen zuordnen will, für eine vielseitige Beschreibung der Äußerungen nicht ausreichen, verlieh er dem Handlungsbedarf bezüglich der Klassifikation der Unterscheidung von Subkategorien Nachdruck.

Eine Unordnung entsteht in dem Wissenschaftsdisziplin allerdings dadurch, dass viele Wissenschaftler versuchten, Typologien durch die Herangehensweise von Austin und das Herausgreifen mancher Beschreibungen der Äußerungen nach ihm zu schaffen. Ein Problem beim Versuch einer Zuordnung zu den Äußerungstypen nach Austin stellt sich dadurch, dass er die Beschreibung der Äußerungen meiner Meinung nach nicht auf einer homogenen logischen Ebene festlegt, was wiederum dazu führt, dass eine trennscharfe Klassifikation basierend auf seinen Kategorien erst gar nicht zustande kommen kann. Beispielsweise im Fall der konduktiven Äußerungen fasst Austin eine Gruppe von Intentionen zusammen und erfasst damit eine klar festlegbare Kategorie. Im Gegensatz dazu nennt er in anderen Fällen nur einzelne, aber keine homogenen Beispiele, die einer gewissen Gruppe zugeordnet werden können, schafft aber keine Kategorie dafür. Bei der Nennung der Beispiele ist auch die Tatsache auffallend, dass bei der Unterscheidung nach Austin eher der Grad der Verbindlichkeit und die Stärke der Äußerungen als dominante Zuordnungskriterien zu sein scheinen.63 Durch die geäußerte Erörterung kann in dem Versuch einer Klassifikation der Äußerungen bei Austin ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Illokution und Perlokution entdeckt werden. Man kann daraus folgern, dass der ursprüngliche Gedanke des Wissenschaftlers, Äußerungen zu beschreiben64 65, zwar sinnvoll war, ihm aber ein Ableitungsfehler unterlief.

Zu den sich „überlappenden 'Familien'"65 und der geringen Trennschärfe der Kategorien von Austin äußerte unter anderem Levinson starke Kritiken. Eine Systematisierung der Kategorien66 von Austin wird in der Forschungslandschaft Searle zugesprochen.

Aufgrund gewisser Eigenschaften der Illokutionen unterscheidet Searle fünf Illokutionstypen, die Stenschke wie folgt zusammenfasst:

„Repräsentativa (Behauptungen, Feststellungen), Direktíva (Befehle, Anordnungen, Fragen, Bitten), Komissiva (Versprechen, Drohungen), Expressiva (Danksagungen, Gratulationen, Emotionsausdrücke), Deklarativa (Taufe, Worterteilung, Kriegserklärung)"67

Auch Searle betont bei den Klassifizierungsversuchen, dass in konkreten Sprechsituationen oft dem Zusammenhang entnommen werden könne, welche illokutionäre Rolle der Äußerung zukomme.68

Ähnlich kritische Stimmen wie die von Levinson gibt es nicht nur bezüglich der Trennschärfe der Zuordnungsversuche von Austin, sondern auch bezüglich der gesamten sprechakttheoretisch orientierten Untersuchungen.

Schneider weist darauf hin, dass „sich viele Äußerungen einer Beurteilung vermittels sprechakttheoretischer Beschreibungskategorien entziehen69. Auch Kategorienarmut70 bleibt den Klassifikationen der Sprechakttheorie anzulasten. Meiner Meinung nach verhindert auch diese Tatsache die Entstehung von monotypen Zuordnungen71. Die Monotypieforderung72 wurde insbesondere von Adamzik betont.

Ambivalente Stimmen finden sich auch in angesehenen Lexika, wobei auch die Relevanz einzelner Beobachtungen für die Pragmatik in der Forschungslandschaft immer wieder betont wird:

„Die bisher vorgeschlagenen Klassifikationen thematisieren in der einen oder anderen Weise jeweils relevante Gesichtspunkte; ein Kernproblem liegt in dem noch mangelnden Aufweis der inneren Ableitungsverhältnisse und vor allem in der - bereits bei Austin geforderten, aber noch immer nicht bearbeiteten empirischen Fundierung.“73

Damit ein Sprechakt und somit eine komplexe Äußerung vor dem Hintergrund eines größeren Zusammenhangs analysiert werden kann, lohnt es sich meiner Meinung nach, auf den Grundgedanken des Zusammenhangs zwischen den einzelnen „Akten“ der Sprechakttheorie zurückzugreifen.

Einer Kategorisierung und überhaupt dem Versuch, Typologien von Äußerungen nach der Illokution zustande zu bringen, stehe ich nicht nur wegen der im Kapitel bereits erörterten Gründe kritisch gegenüber. Meine Kritik basiert unter anderem auf der Tatsache, dass durch die Typologie die Möglichkeiten, was man mit einer Sprache tun und ausdrücken kann, stark eingeschränkt werden. Ausgerechnet im Bereich der Wahlwerbung wird eine vielfältige Sprachverwendung eingesetzt, um den unterschiedlichsten Intentionen des Sprechers nachzugehen. Äußerungen können deshalb meiner Meinung nach, wie bereits in einer Fußnote des vorliegenden Kapitels angedeutet, beschrieben, aber vor dem Hintergrund der Illokution nicht klassifiziert werden.

Meiner Ansicht nach bleibt aber der Sprechakttheorie am meisten anzulasten, dass die genannten Akte als in sich geschlossene Einheiten zu stark theorieorientiert untersucht werden. Die gewünschte empirisch fundierte Anwendung der Sprechakttheorie ist meiner Ansicht nach erst möglich, wenn man den Einfluss des Kontexts auf den gesamten Sprechakt beachtet. Außerdem ist die Erweiterung eines Sprechakts um den in der obigen Tabelle komplementär aufgeführten „operativen Akt“ empfehlungswert.

Im Gegensatz zu einigen weiteren pragmatischen Arbeiten konzentriert sich die vorliegende Arbeit nicht vorwiegend auf die Illokutionen, die in den Äußerungen im Duell auftreten, sondern auf den Zusammenhang zwischen den definierten Elementen der Sprechakttheorie sowie dem situativen Umfeld.

2.2 Die Untersuchung des Handlungszusammenhangs - Konzipierung integrativ- pragmatischer Kommunikationsmodelle für das TV-Duell

Auf die Relevanz des Handlungsrahmens, in dem das sprachliche Handeln abläuft, und den Situationszusammenhang, machte Brinker mit seiner Feststellung aufmerksam:

„Nun ist jede sprachliche Handlung in einen Handlungs- bzw. Situationszusammenhang eingebettet; wir haben deshalb auch Kontextindikatoren (z.B. das jeweilige Rollenverhältnis, den institutionellen Rahmen, das Hintergrundwissen usw.) zu berücksichtigen.“74

Damit über das Gesamtkonzept des TV-Duells ein Überblick vermittelt werden kann, werden die relevantesten Kontextindikatoren in diesem Kapitel im Verhältnis zueinander diskutiert und mit Hilfe von auf das Duell angepassten Modellen zusammengefasst.

Als Grundlage der Analyse dient der in der Einführung bereits genannte interaktive Charakter des Gesprächs. Im Fall des zu analysierenden TV-Duells sind an der Kommunikation zwei Kanzlerkandidaten und vier Moderatoren beteiligt. Da aber das zu analysierende Medienprodukt durch das Fernsehen vermittelt wird, sind an der Kommunikation auch weitere Beteiligte involviert, die aber im Duell optisch nicht wahrgenommen werden können. Dennoch darf der Teilnehmerkreis auf keinen Fall nur auf die aufgezählten Akteure reduziert werden. Am folgenden Inszenierungsmodell74 75, das von Strauß entwickelt wurde, wird auf die Mehrfachadressierung76, die die Dynamik aller Politikergespräche im Fernsehen bestimmt77, hingewiesen und der Kreis der Akteure veranschaulicht:

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Inszenierungsmodell von Strauß78

Ein Nachteil des Inszenierungsmodells ist, dass es nur die Bürger und die beiden Politiker als Kommunikationspartner ansieht, aber die Moderatoren missachtet. Auch Bucher teilt eine ähnliche Ansicht wie Girnth in Anlehnung an Strauß und betont, dass die eigentlichen Adressaten der Politiker im Duell die Fernsehzuschauer und die vermeintlichen Adressaten die Journalisten seien.79 Er erklärt seine Annahme damit, dass die Antworten der beiden Kanzlerkandidaten die Journalisten und nicht die Fernsehzuschauer überzeugen sollten.80

Die Interaktionen mit den Fernsehzuschauern und ihre Überzeugung sind aus politischer Sicht selbstverständlich sehr relevant, dennoch sind die Interaktionen mit den Moderatoren nicht unwichtiger. Insbesondere im TV-Duell tragen die Journalisten als Kommunikationspartner der Politiker zur Einhaltung der vorgegebenen Regeln der Diskussion bei und fungieren zusätzlich als Informationsvermittler für das Publikum. Deshalb wird das bereits zitierte Modell unten erweitert:

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Erweitertes Inszenierungsmodell81

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Am Beispiel des deutschen Duells 2009 wird das Modell genau erörtert.

Die Interaktionen manifestieren sich wie von Strauß vorgeschlagen auf zwei Ebenen. Auf der ersten Realitätsebene sind Politiker (,Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier) sowie Journalisten (Maybritt Illner, Peter Kloeppel, Frank Plasberg, Peter Limburg) die primären Akteure. Sie tauschen sich über politische, wirtschaftliche, soziale u. a. Themen im Fernsehstudio face to face aus. Damit wird das in der Einleitung genannte Kriterium der gemeinsamen Situation für das Gespräch erfüllt.

Auf der zweiten Realitätsebene sind die Bürger, die von den Moderatoren und den Politikern durch die Möglichkeit der medialen Inszenierung auf indirekte Weise „angesprochen“ werden, sekundäre Adressaten. Durch die Zwischenschaltung des vermittelnden Mediums ist die gemeinsame Situation der indirekt Kommunizierenden auch auf der sekundären Ebene gegeben. Moderatoren und Politiker sind im Duell aktive Beteiligte, während die Zuschauer infolge der Einschränkungen der Inszenierung scheinbar passiv bleiben und die von den primären Akteuren vermittelten Informationen empfangen.82

Das von mir erweiterte Modell kompensiert die Missachtung der Journalisten als Akteure und weist gleichzeitig durch die Setzung der Pfeile im Gegensatz zu Strauß nicht nur auf die Existenz der Teilnehmenden, sondern auch auf ihre Handlungen und die Art ihrer Beteiligung83 hin. Ein reiner Hinweis auf die Kommunikationspartner reicht allerdings für die Erstellung eines Gesamtkonzepts über das TV-Duell noch nicht aus.

Das folgende Modell fasst auch andere relevanten Faktoren fur die politische Kommunikation zusammen:

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Faktorenmodell der politischen Kommunikation84

Aus der Darstellung des Modells kann abgeleitet werden, dass der Politiker als handelnder Akteur in einer gegebenen politischen Situation den Adressaten gegenüber bestimmte Intentionen verfolgt und zur Verwirklichung seiner Intentionen unter Beachtung der Erwartungen der Kommunikationspartner mit Hilfe des Einsatzes situationsadäquater kommunikativer Strategien gewisse Äußerungen vollzieht. Girnth betont bei der Erörterung des obigen Modells, dass auch die Adressaten gewisse Erwartungen an die Politiker stellten85 Der Faktor „Partnerhypothesen“ auf der Seite des Adressaten deutet auf die Richtigkeit der obigen Feststellung von Girnth hin. Das obige Modell nennt zwar relevante Faktoren fur ein Kommunikationsmodell, jedoch bleibt das Verhältnis der Faktoren und der Kommunikationsteilnehmer ungeklärt.

Die Setzung der Pfeile zwischen den Faktoren, aber vor allem die Richtung des Pfeils auf der Seite des Politikers in die Richtung des Adressaten bringt Inkonsequenzen in dem Modell zum Vorschein. Der Darstellung kann man aus diesem Grund eigentlich trotz der Nennung des Faktors „Partnerhypothesen“ einen relativ einseitigen Kommunikationsablauf entnehmen, bei dem das Verständnis und die Konsequenz im Sinne der Politikerintention zustande zu kommen scheint86. Der interaktive Charakter der politischen Kommunikation wird aufgrund der obigen Darstellung nicht ersichtlich genug. Dem Faktorenmodell bleibt außerdem anzulasten, dass es zwar mehrere relevante Aspekte für die politische Kommunikation nennt, aber zwischen primären und sekundären Adressaten genauso wenig wie Strauß unterscheidet. Die defizitäre Bestimmung des Adressatenkreises kann für das Modell zur Folge haben, dass man sich aufgrund der mangelhaften Darstellung der Tatsache nicht unbedingt bewusst wird, dass die Äußerungen der Politiker bei den jeweiligen Adressaten ein heterogenes Verständnis erzielen und vor allem nach der jeweiligen Gruppe der Adressaten unterschiedliche Wirkungen mit sich bringen, die wiederum den gesamten Situationszusammenhang beeinflussen.

Einige weitere relevante Faktoren, die sich eher an der Kommunikationswissenschaft und weniger an der Pragmatik orientieren und der nächsten Definition nach Bentele und Beck entnommen werden können, liefern über den Kommunikationsablauf ein aufschlussreiches Bild:

„Zusammenfassend kann Kommunikation als intentionale Informationsübertragung zwischen zwei oder mehr Systemen, die der Informationsabgabe und -aufnahme fähig sind, definiert werden. Die Informationsübertragung erfolgt mittels Signalen, die sich in einem Medium bewegen oder dort gespeichert sind.“87

Das von mir entworfene unten stehende integrativ-pragmatische Kommunikationsmodell führt das von mir erweiterte Inszenierungsmodell und das Faktorenmodell sowie die Beschreibung von Bentele und Beck zusammen und ermöglicht dadurch die Überbrückung der Defizite der bisher erörterten Modelle an der Grenze zur Sprach- und der Kommunikationswissenschaft:

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Integrativ-pragmatisches Kommunikationsmodell

Im Gegensatz zum Faktorenmodell erfolgt im integrativ-pragmatischen Kommunikationsmodell die Einbettung der Faktoren, die die politische Kommunikation beeinflussen, in einen komplexen Kontext. Das Modell wird am Beispiel des TV-Duells erörtert.

In der politischen Femsehdiskussion kommen auf der ersten Realitätsebene akustisch und visuell wahrnehmbare Äußerungen der Politiker sowie der Moderatoren nach der Einschätzung der Partnerhypothesen mittels eingesetzter Kommunikationsstrategien und des Einsatzes grammatikalischer Strukturen zustande.

Die Äußerungen, die durch die Intentionen der Akteure motiviert werden, verbergen vielseitige Informationen und erzielen gewisse Wirkungen beim Kommunikationspartner.

In einer gegebenen Situation versuchen die Kanzlerkandidaten und die Moderatoren im Rahmen des TV-Duells mit den Rahmenbedingungen und Regeln88 ihren individuellen Intentionen nachzugehen. Die Intentionen der Akteure verbergen Konfliktpotenziale, da sich „Ziele der Öffentlichkeit, der Adressaten und der Produzenten der Verstehensangebote in der publizistischen Kommunikation überlagern“89.

Auf der zweiten Realitätsebene scheint im Duell eine einseitige passive Kommunikationssituation zu entstehen, da die Zuschauer auf die Äußerungen der primären Adressaten der ersten Realitätsebene direkt nicht eingehen können.

Wie aber an der obigen Darstellung gezeigt wird, ist die Rolle der sekundären Adressaten trotz mancher Annahmen keineswegs passiv, denn auch das Publikum kann im Vor- und Nachfeld in Form von Leserbriefen, Blogeinträgen etc. auf die Gestaltung des Duells und seiner Nachbearbeitung für die Öffentlichkeit Einfluss nehmen. Außerdem werden nicht nur die Erwartungen der primären Adressaten untereinander, sondern auch die des Publikums eingeschätzt, um für das Duell einerseits genügend Zuschauer zu gewinnen, andererseits möglichst breite politische Anerkennung zu finden. Als Folge der politischen Femsehdiskussion werden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Zuschauerhandlungen vollzogen, indem Mitglieder des Publikums eine Entscheidung pro oder contra Wahlbeteiligung treffen und im Fall einer Teilnahme für oder gegen einen bestimmten Kandidaten stimmen.

Aufgrund der Erkenntnisse, die anhand der Ergebnisse des integrativ-pragmatischen Kommunikationsmodells gewonnen wurden, kann man subsumieren, dass das genannte Modell relevante Aspekte für eine komplexe Handlungsanalyse in ein Modell integriert und über das Konzept des TV-Duells einen Überblick liefert. Ein weiterer Vorteil des obigen Modells ist, dass auch einige der im letzten Kapitel erörterten Kategorien der Sprechakttheorie beachtet und zu den „Faktoren“ gezählt werden.

Regeln sind unter anderem, dass die beiden Kanzlerkandidaten nur Papier und Stift, aber keine weiteren Unterlagen dabei haben dürfen und dementsprechend frei sprechen müssen. Eine weitere Regel ist, dass die beiden Kanzlerkandidaten pro Antwort nicht länger als 60 bzw. 90 Sekunden reden dürfen, betont Anne Will in ihrem PolitTalk im Vorfeld zum Duell, vgl. Perrin (2006): S. 124

2.3 Die Untersuchung der Interaktion im TV-Duell unter dem Aspekt des journalistischen Interviewstils, der Handlungsberechtigung und der Illokution - eine empirische Annäherung an der Grenze zu Journalismus und Pragmatik

2.3.a Analyse der Interaktion unter dem Aspekt des journalistischen Interviewstils und der Kooperationsbereitschaft

In der Einleitung wurde die Hypothese aufgestellt, dass das TV-Duell als Gespräch mit Merkmalen eines Hypertextes identifiziert werden kann. Unter dem Begriff „Gespräch“ verstehen Henne und Rehbock „eine sprechsprachliche, dialogische und thematisch zentrierte Interaktion.“90 Der interaktive Charakter des Duells kann dem integrativ- pragmatischen Kommunikationsmodell des letzten Kapitels entnommen werden.

Die Interaktionsstruktur hängt mit der Tatsache zusammen, dass Interviews „strikt geregelte Gesprächsabläufe mit verteilten, komplementären Rollen sind“91. Bei der Untersuchung der verteilten Rollen in einem Interview wird der Fakt oft ignoriert, dass es sich auf der Seite der Produzenten der Texte um mehrere Personen handelt, die in unterschiedlichen sozialen Rollen agieren92 und unterschiedlichen Systemen angehören. Bei der Analyse des Interaktionsverlaufs93 wird davon ausgegangen, dass das TV-Duell Produkt sowohl politischer als auch journalistischer Systeme ist und gleichzeitig unter dem Einfluss der Handlungslogiken beider Systeme steht.94 Die Handlungslogiken werden in Anlehnung an Bucher95 in einer Tabelle wie folgt zusammengefasst:

[...]


1 vgl.Grewening (2005): S. 243

2 http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648794,00.html, Zugriff am 15.11.2010

3 http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648794,00.html, Zugriff am 15.11.2010

4 http://www.statistikportal.de/Statistik-Portal/de_zs01_bund.asp, Zugriff am 15.11.2010

5 vgl. Efing (2005): S. 222

6 vgl. Fengler/Vestring (2009): S. 164

7 Vgl. Schmitz (2004): S. 127

8 Vgl. Girnth/Spieß (2006): S. 7

9 Vgl. Ernst (2002): S. 4.

10 Eine adäquate Handlungsdefinition wird in der Fußnote genannt, da für die vorliegende Analyse eher die Definition der Handlung durch Sprache von besonderer Relevanz ist, dennoch aber die allgemeine Handlungsdefinition sinnvoll ist: „Handlungen sind interpretationsabhängige, sinnhafte, d.h. gerichtete, kontrollierbare und zu verantwortende komplexe Tätigkeiten oder Unterlassungen, die durch Zuordnung zu Handlungsmustern verstanden werden können, weil sie durch soziale Regeln eingespielt sind.“ Holly (2001): S. 12

11 Vgl. Girnth/Spieß (2006): S. 7

12 Vgl. Linke et al. (2004): S. 177

13 Vgl. Schmitz (2004): S. 127

14 vgl. Holly (2001): S. 22

15 Bußmann (2008): S. 373

16 vgl. Henne/Rehbock (2001): S. 12

17 vgl. Brinker/Sager (2010): S. 12

18 vgl. Brinker/Sager (2010): S. 13

19 Duden (2005): S. 1188

20 Holly (2001): S. 15

21 vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann (2004): S. 288

22 vgl. Schwitalla (2006): S. 193

23 vgl. Brinker (2005): S. 17

24 Runkehl et al.: (2005): S. 166

25 vgl. Sandig (2006): S. 310

26 Metzler (2005): S. 636

27 Vgl. Adamzik (2007): S. 94

28 Vgl. Stenschke et al. (2008): S. 217

29 Vgl. Bußmann (2008): S. 675

30 Vgl. Stenschke et al. (2008): S. 217

31 Vgl. Phonetischer Akt: Äußerung von Sprechlauten, vgl. Bußmann (2008): S. 674

32 Vgl. Phatischer Akt: Äußerung von Worten in best, gramm. Struktur, vgl. Bußmann (2008): S. 674

33 Vgl. Rhetischer Akt: Etwas über etwas aussagen. vgl. Bußmann (2008): S. 674

34 Vgl. Illokutiver Akt: Angabe der performativen Verwendung der Proposition, vgl. Bußmann (2008): S. 674

35 Vgl. Perlokutiver Akt: Intendierte Wirkung des Sprechakts. vgl. Bußmann (2008): S. 674

36 Vgl. Ernst (2002): S. 96

37 Linke et al. (2004): S. 186

38 Vgl. Austin (1979): S. 112

39 Austin (1979): S. 116

40 Austin (1979): S. 117

41 vgl. Perrin (2006): S. 142

42 Searle (2007): S. 41/42

43 Vgl. Ernst (2002): S. 97

44 Vgl. Metzler (2005): S. 517

45 Vgl. Ernst (2002): S. 106

46 Bußmann (2008): S. 517

47 Klaus Wowereit im PolitTalk von Anne Will mit einem kleinen Ausschnitt im Vorfeld des Duells zwischen Steinmeier und Merkel

48 Levinson (2000): S. 258

49 Vgl. Ernst (2002): S. 96

50 Die Tabelle hat nicht die Zusammenfassung der Sprechakttheorie nach Austin und Searle zum Ziel. In ihr dienen einige Definitionen der Sprechakttheorie als Ausgangspunkt für genauere Beschreibungen, die des Weiteren als Untersuchungsgrundlage fungieren.

51 Mit „zeitgenössischen Forschungen“ werden die Zeitgenossen von Austin gemeint.

52 Grice (1977): S. 8

53 vgl. Adamzik (2004): S. 232

54 vgl. Ernst (2002): S. 107

55 vgl. Cole et al. (1975): S. 59

56 vgl. Austin (1979): S. 77

57 vgl. Austin (1979): S. 75

58 vgl. Austin (1979): S. 75

59 vgl. Austin (1979): S. 105

60 vgl. Austin (1979): S. 102

61 vgl. Austin (1979): S. 107

62 vgl. Austin (1979): Das gesamte Kapitel „Siebente Vorlesung“ führt solche Fälle auf.

63 Nach dem Grad der Stärke kann eine hierarchische Relation zwischen den Äußerungen wie folgt festgestellt werden: deskriptive Äußerungen < konduktive Äußerungen < expositive Äußerungen < verdiktive Äußerungen. Erklärung: Deskriptive Äußerungen, z.B. Feststellungen, haben keinen verbindlichen Charakter. Konduktive Äußerungen, beispielsweise Entschuldigungen, haben einen gesellschaftlich konventionalisierten Charakter. Expositive Äußerungen wie etwas zugeben sind nicht so stark wie zum Beispiel verdiktive Äußerungen (über etwas urteilen).

64 Bewusst wurde das Verb „beschreiben“ statt „zuordnen“ verwendet. Ausgeführt wird diese Feststellung erst später innerhalb des Subkapitels.

65 vgl. Levinson (2000): S. 259 (Anmerkung: Fußnote)

66 z.B. vgl. Levinson (2000): S. 259

67 vgl. Stenschke et al. (2008): S. 219

68 vgl. Searle (2007): S. 50

69 Schneider (2008): S. 71

70 Vgl. Adamzik (2007): S. 98

71 Im Unterschied zu Adamzik wird die mangelnde Monotypie nicht als separater Aspekt zur Kritik angesehen, sondern als Folge der Kategorienarmut.

72 Vgl. Adamzik (2007): S. 99

73 Vgl. Brinker (2005): S. 96

74 Metzler (2005): S. 636/637

75 eigene inhaltlich konsequente Benennung des Modells von Strauß

76 Vgl. Girnth (2002): S. 34

77 Vgl. Habscheid (2007): S. 17

78 Gimth (2002): S. 34, in Anlehnung an Strauß

79 Vgl. Habscheid (2007): S.17

80 Vgl. Habscheid (2007): S.17

81 eigene Erweiterung des bereits dargestellten Modells von Strauß

82 Auf die Handlungsmöglichkeiten der sekundären Adressaten wird bei der Erörterung des Modells bewusst nicht eingegangen, da sie in weiteren Darstellungen detailliert erörtert werden.

83 Unter „Art der Beteiligung“ werden die Kategorien „direkt“ und „indirekt“ verstanden.

84 Girnth (2002): S.28in Anlehnung an Hannapel/Melenk und Herrgen

85 Vgl. Girnth (2002): S. 32

86 Im letzten Kapitel wurde stark hervorgehoben, dass die Wirkung nicht unbedingt im Sinne der Intention ausfällt.

87 Bentele/Beck (1994): S. 100

88 Regeln sind unter anderem, dass die beiden Kanzlerkandidaten nur Papier und Stift, aber keine weiteren Unterlagen dabei haben dürfen und dementsprechend frei sprechen müssen. Eine weitere Regel ist, dass die beiden Kanzlerkandidaten pro Antwort nicht länger als 60 bzw. 90 Sekunden reden dürfen, betont Anne Will in ihrem PolitTalk im Vorfeld zum Duell,

89 vgl. Perrin (2006): S. 124

90 Henne/Rehbock (2001): S. 255

91 Vgl Jarren et al. (1996): S. 256

92 vgl. Adamzik (2000): S. 95

93 Bei der Erörterung der Beteiligung der Akteure an der Kommunikation wurden zu den Interaktionen zwischen primären und sekundären Adressaten bereits Aussagen getroffen. Da die sekundären Adressaten auf die Dynamik des Gesprächs und seinen direkten Ablauf im TV-Duell keinen Einfluss haben, werden des Weiteren den Interaktionen zwischen den Politikern und Moderatoren und den zwischen ihnen vorhandenen hierarchischen Verhältnissen eine besondere Relevanz zugesprochen.

94 Vgl. Habscheid (2007): S. 17

95 Habscheid (2007): S. 18

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Titel: Diskursanalyse des deutschen TV-Duells 2009 zwischen den Kanzlerkandidaten Steinmeier und Merkel