Lade Inhalt...

Wie Nacht- und Schichtarbeit Krebserkrankungen beeinflusst

Ein Review aktueller Forschungsergebnisse

Bachelorarbeit 2010 55 Seiten

Pflegewissenschaft, Ernährung, Sport, Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Rahmen
2.1 Nacht- und Schichtarbeit
2.1.1 Formen der Schichtarbeit
2.1.2 Nachtarbeit
2.1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1.4 Gründe für Nacht- und Schichtarbeit
2.1.5 Physiologische Grundlagen
2.1.6 Gesundheitliche Risiken
2.2 Krebs

3 Fragestellung und Methodik
3.1 Fragestellung
3.2 Methodik

4 Ergebnisse und Bewertung
4.1 Vorstellung der einzelnen Studien
4.1.1 Schernhammer et al. (2001)
4.1.2 Hansen (2001)
4.1.3 Davis et al. (2001)
4.1.4 Schernhammer et al. (2006)
4.1.5 Lie et al. (2006)
4.1.6 O’Leary et al. (2006)
4.1.7 Pronk et al. (2010)
4.1.8 Pesch et al. (2010)
4.1.9 Kubo et al. (2006)
4.1.10 Conlon et al. (2007)
4.1.11 Schernhammer et al. (2003)
4.1.12 Viswanathan et al. (2007)
4.1.13 Schwartzbaum et al. (2007)
4.1.14 Poole et al. (2011)
4.1.15 Schernhammer et al. (2011)
4.2 Bewertung

5 Diskussion und Interpretation

6 Fazit

Literaturverzeichnis

A Anhang: Zusätzliche Informationen

Verzeichnis der Abkürzungen und englischen Fachbegriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

2.1 Heruntergefahrene Körperfunktionen des Menschen in der Nacht
2.2 Leistungskurve des Menschen

3.1 Fließschema für die Literaturauswahl

4.1 Forestplot über die Zusammenfassung der Effekte von Schichtarbeit und Krebsrisiko

Tabellenverzeichnis

2.1 Bekannte Tatsachen betreffend Länge und Qualität des Schlafs von Schichtarbeitern
2.2 Studien zu Schichtarbeit und kardiovaskulären Störungen

4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse - Brustkrebs
4.2 Zusammenfassung der Ergebnisse - Prostatakrebs
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse - weitere Krebsarten
4.4 Auswertung und Gesamtpunktzahl
4.5 Beurteilung der Studienqualität

1 Einleitung

In den letzten Jahren wurde in der Öffentlichkeit sowie in der Fachwelt die Frage, ob Nacht- und Schichtarbeit Krebserkrankungen beeinflusst, häufig diskutiert. Ausschlaggebend für diese Diskussion war unter anderem eine Auswertung zahl- reicher Studien von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) im Oktober 2007, wonach bestimmte Formen von Schichtarbeit als wahrscheinlich humankarzinogen eingestuft wurden (IARC, Aufgerufen am 27. März 2011).

Weitere epidemiologische Studien geben Hinweise auf eine Beteiligung von Schichtarbeit an der Entstehung von psychischen Belastungen, Herz-Kreislauf- Erkrankungen, gastrointestinalen Beschwerden sowie auf Schlafstörungen, die wiederum zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können, wie zum Beispiel Konzentrationsschwäche oder Nervosität (Beermann, 2010). Für die Gesundheit stellt Schichtarbeit somit eine besondere Belastung dar.

Konträr dazu entwickelt sich unsere Gesellschaft immer mehr zu einer „24-Stunden Gesellschaft“. Anfang des 20. Jahrhunderts beschränkte sich die Schichtarbeit vor allem auf das medizinische Personal und die Beschäftigten der Schwerindustrie sowie der chemischen Industrie. Ökonomische Umstrukturierungen, vor allem im Bereich des Dienstleistungssektors, lassen die Arbeitszeit jedoch nicht länger auf bestimmte Tageszeiten beschränken, sondern fordern eine immer währende Verfügbarkeit. Besonders im Dienstleistungssektor ist in der Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Nacht- und Schichtarbeit zu rechnen.

In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als drei Millionen Erwerbstätige regelmäßig oder ständig in der Nacht (Statistisches Bundesamt Deutschland, April 2010). Weitere 2,4 Millionen arbeiten gelegentlich in Nachtschichten (Statistisches Bundesamt Deutschland, April 2010). Dabei stellt Deutschland keine Ausnahmeerscheinung dar, da sich Schichtarbeit europaweit tendenziell im Aufwärtstrend befindet (Statistisches Bundesamt Deutschland, Dezember 2004).

Der mögliche Zusammenhang zwischen Nacht- und Schichtarbeit und Krebs stellt sich in der Wissenschaft widersprüchlich dar. So wiesen Schernhammer et al. im Rahmen der Nurses Health Study, einer US-Längsschnittstudie, auf, dass langjährig im Schichtsystem arbeitende Frauen ein signifikant höheres Risiko haben, an einem Karzinom der Brust zu erkranken. Ursächlich hierfür sei vermutlich eine verringerte Melatoninkonzentration im Blut, welche durch den gestörten Tag-Nacht-Zyklus der Schichtarbeiter zustande kommt (Schernhammer et al., 2001), (Schernhammer et al., 2003). Gegensätzlich dazu fanden Judith Schwartzbaum et al. in einer Kohor- tenstudie keinen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und der Entstehung von Krebserkrankungen. Weder bei weiblichen noch bei männlichen Schichtarbeitern gab es erhöhte Raten einer Krebserkrankung (Schwartzbaum et al., 2007).

Ziel dieses systematischen Reviews ist es, einen Überblick zu bis dato vorlie- genden Studien zu geben, in denen ein Zusammenhang zwischen Nacht- und Schichtarbeit und der Entstehung von Krebs untersucht wurde. Aufgrund der Aktualität der Studien wurden für die themenrelevante Literaturrecherche über die Internetdatenbanken Scopus und Medpilot nur Publikationen aus den Jahren 2001 bis 2011 herangezogen. Anhand einer kritischen Bewertung dieser Studien soll versucht werden zu klären, ob ein Zusammenhang zwischen Nacht- und Schichtarbeit und der Entstehung von Krebs nach aktuellem Stand der Forschung besteht.

2 Theoretischer Rahmen

2.1 Nacht- und Schichtarbeit

Unter Schichtarbeit werden jene Formen der Arbeitsorganisation verstanden, bei welcher die Arbeit entweder zu wechselnder Zeit (Wechselschicht) oder zu konstanter, jedoch ungewöhnlicher Zeit ausgeführt wird. Prinzipiell wird bei der Schichtarbeit die gleiche Tätigkeit zu verschiedenen Abschnitten des Tages sowie der Nacht von verschiedenen Arbeitnehmern am gleichen Arbeitsplatz ausgeführt. Schichtarbeit ist also eine Arbeitszeitorganisation, die besonders in tageszeitlicher Hinsicht von der Regelarbeitszeit (Normalschicht; in der Regel liegt die Arbeitszeit zwischen 06:00 und 17:00 Uhr) der Durchschnittsbevölkerung abweicht.

2.1.1 Formen der Schichtarbeit

Generell differenziert man permanente Schichtsysteme und wechselnde Schichtsyste- me. In permanenten Schichtsystemen arbeiten die Beschäftigten in nur einer Schicht (zum Beispiel Nachtschicht). Im wechselnden Schichtsystem dagegen arbeiten die Beschäftigten in alternierenden Schichten (Früh-, Spät- und Nachtschicht). Die Schichtarbeit kann sowohl kontinuierlich als auch diskontinuierlich , bzw. teil- kontinuierlich erfolgen. Bei der kontinuierlichen Schichtarbeit wird an sieben Tagen der Woche je 24 Stunden (168h/Woche) gearbeitet, einschließlich der Samstage und Sonntage. Im Gegensatz dazu wird bei der diskontinuierlichen oder teilkontinuier- lichen Schichtarbeit weniger als 168 Stunden pro Woche gearbeitet (zum Beispiel durch freie Wochenenden).

Darüber hinaus unterscheidet man Zwei-Schicht-Systeme und Drei-Schicht-Systeme . Zwei-Schicht-Systeme bestehen zumeist aus einer Früh- und Spätschicht. Im DreiSchicht-System wird sowohl in der Frühschicht, Spätschicht als auch in der Nachtschicht gearbeitet (Rutenfranz & Knauth, 1981).

Im Industriebereich haben sich inzwischen auch Vierschicht- bzw. F ü nfschichtsyste- me etabliert, um einen kontinuierlichen Arbeitsbetrieb über 7 Tage und 24 Stunden zu gewährleisten.

2.1.2 Nachtarbeit

Unter Nachtarbeit versteht man die Arbeit zur Nachtzeit. Nach dem Arbeitszeitgesetz ist Nachtarbeit jede Arbeit, die mehr als 2 Stunden der Nachtzeit umfasst (Paragraph 2 Abs. 4 ArbZG), wobei als Nachtzeit die Zeit von 23:00 Uhr bis 06:00 Uhr zählt (Paragraph 2 Abs. 3 ArbZG).

Nachtarbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes sind Arbeitnehmer, die

1. normalerweise aufgrund ihrer Arbeitszeitgestaltung Nachtarbeit in Wechsel- schicht zu leisten haben oder
2. Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leisten (Paragraph 2 Abs. 5 ArbZG).

2.1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen

Geregelt wird die Arbeitszeitgestaltung insbesondere durch das Arbeitszeitgesetz. Dieses setzt die Rahmenbedingungen für die Arbeitszeiten der Arbeitnehmer fest und ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland verbindlich. Das Gesetz ist darauf ausgerichtet, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeitgestaltung zu sichern, sowie auch die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern. Der Paragraph 6 (ArbZG) regelt die Arbeits- zeit speziell für Nacht- und Schichtarbeitnehmer. Sie ist nach gesicherten arbeits- wissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit einzurichten.

Des Weiteren sind von Bedeutung:

- Mutterschutzgesetz (MuSchG),
- Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG),
- tarifrechtliche Regelungen und
- Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

Da diese jedoch für die vorliegende Arbeit keine tragende Bedeutung haben, wird hierauf nicht weiter eingegangen.

2.1.4 Gründe für Nacht- und Schichtarbeit

Die Gründe für Nacht und Schichtarbeit sind vielfältig.

Technische Gründe: Technische Gründe liegen beispielsweise dann vor, wenn Pro- duktionsvorgänge nicht abgebrochen werden können. So erfordern bestimmte Vorgänge, zum Beispiel in der chemischen Industrie, eine voll kontinuierliche Schichtarbeit.

Soziale Gründe: Da die Versorgung der Bevölkerung in einigen Bereichen, wie zum Beispiel in der Krankenversorgung, rund um die Uhr gewährleistet sein muss, findet die Nacht- und Schichtarbeit auch eine soziale Begründung. Wirtschaftliche Gründe: Bei der wirtschaftlich begründeten Schichtarbeit stehen hauptsächlich Rentabilitätsbestrebungen im Vordergrund. Maschinen und An- lagen werden durch die Unternehmen möglichst optimal ausgenutzt um die Kosten so gering wie möglich zu halten.

2.1.5 Physiologische Grundlagen

Die Erkenntnisse über die zirkadiane Rhythmik bilden den Ausgangspunkt nahezu aller Abhandlungen die sich mit der beruflichen Beanspruchung durch Nachtund Schichtarbeit befassen. Sie bestimmt die menschliche Leistungsfähigkeit und erstreckt sich über einen Zyklus von ca. 25 h (Aschoff, 1998). So steuert der Zirkadianrhythmus nicht nur die Wach- und Schlafbereitschaft, sondern er reguliert auch Körpertemperatur, Hormonspiegel, Stoffwechselvorgänge, Zahl der Leukozyten, Puls und Blutdruck, vegetatives Nervensystem, Reaktionszeit, Stimmungslage und Aufmerksamkeit, und Muskeltonus (vgl. Abbildung 2.1).

Diese physiologischen Prozesse unterteilen sich in eine Phase, die den Menschen in Leistungsbereitschaft versetzt, und in eine Phase, die der Regeneration der verausgabten Leistungen dient. Nachtarbeiter sind jedoch mehr oder weniger dazu gezwungen, asynchron zu ihrer Leistungs- und Regenerationsbereitschaft zu leben (siehe Abbildung 2.2). Der geringeren Leistungsfähigkeit im Nachtdienst geschuldet, liegen verschiedene Studien vor, die darauf hinweisen, dass die Fehlerquote sowie das Unfallrisiko bei Schichtarbeit wesentlich erhöht sind. Wagstaff stellte 2011 in einem Review dazu fest, dass Nacht- und Schichtarbeit zu Anstieg der Unfallzahlen um 50-100 % führen kann (Wagstaff & Lie, 2011).

Generell gilt zu konstatieren, dass eine physiologische Anpassung des Menschen an die Nachtarbeit nicht erfolgt. So ist die Umkehrung des Biorhythmus bei feststehender sozialer Umgebung nicht möglich (Hahn, 1992).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: In der Nacht ruht sich der K ö rper aus und senkt alle seine K ö rperfunktionen auf ein Minimum herab (nach M ü nstermann & Preiser, 1978).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Durchschnittliche t ä gliche physiologische Leistungsbereitschaft in Prozent. Im Nachtdienst liegt die Leistungsf ä higkeit des Menschen unter 40 % des t ä glichen Durchschnitts (nach Korczak, 2002).

2.1.6 Gesundheitliche Risiken

Die gesundheitlichen Risiken finden darin ihre Ursache, dass der Nacht- und Schicht- Arbeitnehmer zu Zeiten Leistungen erbringen muss, in denen seine Körperfunktionen eigentlich nicht auf Aktivität geschaltet sind (Arbeit in der Nacht). Wenn aufgrund der Aktivitäten seiner Körperfunktionen der Zeitpunkt seiner größten Leistungsbe- reitschaft erreicht ist, soll sich der Arbeitnehmer erholen (Schlaf am Tag).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1: Bekannte Tatsachen in Bezug auf L ä nge und Qualit ä t des Schlafs von Schichtarbeitern (vgl. BEST, 2000, Seite 15).

Die Störung des Zirkadianrhythmus von Nacht- und Schichtarbeitern korreliert häu- fig mit den von ihnen häufig geäußerten Beschwerden. Oft genannt werden hier: Gastrointestinale Störungen: So wies beispielsweise Knutsson in einer Studie nach, dass gastrointestinale Störungen (zum Beispiel Verdauungsstörungen) bei Schichtarbeitern weit verbreitet sind und häufiger als bei Tagarbeitern auftreten (Knutsson, 2003). Eine Tabelle der wichtigsten epidemiologischen Studien zu Magen-Darm-Störungen unter Schichtarbeitern befindet sich im Anhang (BEST, 2000, Seite 22).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine Studie wies nach, dass Schichtarbeit ein un- abhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von Bluthochdruck ist (Suwazono et al., 2008). Weitere Studien zu kardiovaskulären Problemen und deren Be- urteilung sind in der Tabelle 2.2 zusammengefasst.

Schlafstörungen: Untersuchungen ergaben, dass die Dauer des Schlafes von Nacht- schichtarbeitern im Durchschnitt nur 4-6 h beträgt, während normale Schicht- arbeiter 6-8 h schlafen. Zudem wurde festgestellt, dass der Erholungswert von Tagschlaf wesentlich geringer ist (Habich, 2006, Seite 11). Eine Auflistung von Faktoren bezüglich der Schlafqualität von Schichtarbeitern erfolgt in Tabelle 2.1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.2: Eine Zusammenstellung ausgew ä hlter Studien zu Schichtarbeit und kar- diovaskul ä ren St ö rungen aus den Jahren 1958 bis 1999 (vgl. BEST, 2000, Seite 27). Die meisten (11 von 18) kamen zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und dem beschriebenen Krankheitsbild gibt. Legende: (Metho- den): ce = klinische Untersuchungen; dc = Totenschein; db = Datenbanken; in = Interviews; is = Versicherungsunterlagen; mr = medizinische Akten; q = Frageb ö - gen; RR = relatives Risiko; OR = relatives Risiko; Zus. = Zusammenhang.

Als weitere Probleme, die mit Schichtarbeit in Verbindung gebracht werden, können genannt werden:

Soziale Probleme: Der normale Rhythmus des sozialen Lebens kann durch Schicht- arbeit negativ beeinflusst werden. Die Organisation von familiären Aktivitäten oder von Freizeitaktivitäten ist für Schichtarbeiter wesentlich problematischer als für Arbeiter ohne Schichtarbeit. Aufgrund der ungewöhnlichen Arbeitszeit stellt zum Beispiel der Besuch einer Familienfeier oder eines Fitnessstudios für den Schichtarbeiter häufig ein Problem dar. Gelingt ihm die Organisation nicht, besteht die Gefahr des Gefühls einer Isolation von der Familie bzw. das Gefühl der sozialen Ausgrenzung.

Probleme der Gesundheit bei Frauen: Studien berichten hierbei häufig über Menstruationsstörungen, sowie über Fehlgeburten bei Schichtarbeitern. So be- richtet Costa (1996) über eine erhöhte Häufigkeit unregelmäßiger Menstruati- onszyklen bei Schichtarbeiterinnen. Über eine höhere Anzahl von Fehlgeburten berichteten Uehata und Sasakawa (1982).

Psychische Erkrankungen: Im Vergleich zu Tagarbeitern leiden Schichtarbeiter häufiger an Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, innerer Unruhe, Angstzu- stände, Kopfschmerzen sowie Depressionen (Habich, 2006, Seite 13). Es gibt eine größere Anzahl von Studien, um die gesundheitlichen Risiken der Nacht- und Schichtarbeitern zu ergründen. Ein bedeutendes Problem stellt hierbei jedoch der „healthy-worker-effect“ dar, wodurch die Probleme der Schichtarbeiter unter- schätzt werden könnten, während die Probleme ehemaliger Schichtarbeiter mögli- cherweise überschätzt werden könnten.

2.2 Krebs

Der Pschyrembel beschreibt Krebs als allgemeine Bezeichnung für eine bösartige Neubildung (Tumor). Dem sollte noch hinzugefügt werden, dass man benigne und maligne Tumoren unterscheidet. Tumore werden als maligne bezeichnet, wenn sie ei- ne Metastasierung in anderen Organen des Körpers auslösen können. Wenige Tumore wachsen ausschließlich an ihrem Entstehungsort und metastasieren nicht. Die Aus- löser für eine Krebserkrankung sind bisher nicht eindeutig zu benennen. Allerdings gibt es viele Risikofaktoren, welche die Bildung von Krebszellen begünstigen kön- nen. Hier sind beispielsweise erbliche Vorbelastung, Rauchen, UV- bzw. radioaktive Strahlung oder auch chemische Substanzen (z. B. Asbest) zu nennen. Wahrschein- lich ist, dass bei der Entstehung von Krebs eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle spielen.

Häufigkeit

Das IARC schätzt, dass im Jahr 2008 weltweit ca. 12,7 Millionen Menschen neu an Krebs erkrankten und ca. 7,6 Millionen Menschen an Krebs verstorben sind (Fer- lay et al., 2010). In Deutschland verstarben im Jahr 2008 215.000 Menschen an Krebs. Das Robert Koch Institut (RKI) schätzt die Anzahl von Personen, die in den letzten fünf Jahren eine Krebserkrankung durchleben mussten, auf 2 Millionen Menschen (Bertz et al., 2010). Häufigster Tumor der Frau ist Brustkrebs (29,9 %). Bei Männern ist der Prostatakrebs mit 26,7 % die häufigste Krebsform (Datenquel- le: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID), Erkrankungszahlen von 2007).

Nacht- & Schichtarbeit und Krebs: Stand der Forschung

Die Langzeiteffekte von Schichtarbeit wurden erstmals von Taylor und Pocock in den Jahren von 1956-1968 in einer Mortalitätsstudie untersucht. Die Studie, an der

8.603 männliche Arbeiter aus England und Wales über einen Zeitraum von 13 Jahren beteiligt waren, fand keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Sterblichkeit zwischen Schichtarbeitern, ehemaligen Schichtarbeitern und Tagarbeitern. Allerdings wurde ein signifikant erhöhtes Gesamtkrebsrisiko bei Schichtarbeitern festgestellt (Taylor & Pocock, 1972).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Rafnsson und Gunnarsdottir. Im Zeitraum 1954 bis 1985 wurde in Island eine Kohorte von 603 Mitarbeitern der Düngemittelindus- trie untersucht. Dabei ist bei Schichtarbeitern ebenfalls eine erhöhte Sterblichkeit an Krebs festgestellt worden (Rafnsson & Gunnarsdottir, 1990). Einige Jahre später fanden Tynes et al. in einer Fallkontrollstudie, die 1996 veröffentlicht wurde, einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs bei Frauen ab einem Alter von 50 Jahren und Schichtarbeit (Tynes et al., 1996).

Doch erst 2007, durch die Einstufung des IARC von Schichtarbeit mit zirkadianer Disruption bzw. Chronodisruption als wahrscheinliches Humankarzinogen, wurde internationale Aufmerksamkeit erzeugt. Dabei basiert die Einstufung jedoch im We- sentlichen auf den Ergebnissen tierexperimenteller Studien. Diesbezügliche Belege für eine Erkrankung des Menschen fanden die Forscher nur im begrenzten Rahmen. Welche aktuellen Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorliegen, wird im Ergeb- nisteil dieser Arbeit geschildert.

Um die aktuellen Forschungsergebnisse zusammenzutragen, wurde als Methode eine systematische Literaturrecherche angewandt. Diese wird im folgenden Kapitel näher beschrieben.

[...]

Details

Seiten
55
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656102847
ISBN (Buch)
9783656102588
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187022
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,2
Schlagworte
Schichtarbeit Nachtarbeit Krebserkrankungen Nachtschicht Krebs Krankenpflege Review

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wie Nacht- und Schichtarbeit Krebserkrankungen beeinflusst