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Agrarpolitik und Ernährungssituation in der Schweiz

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Gesundheit - Ernährungswissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Infos zum Schweizer Agrarsektor

3. Ernährungssituation in der Schweiz

4. Agrarpolitik
4.1. Entwicklung der Schweizer Agrarpolitik
4.2. Direktzahlungen und Protektion

5. Aktuelle Situation

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Zusammensetzung des durchschnittlichen Haushaltsbudgets, 2008

Abb. 2: Ausgewählte Haushaltsausgaben

Abb. 3: Kosten von Übergewicht und Adipositas in der Schweiz,

Abb. 4: Schweiz: Erzeuger-SCT nach Produkten, 2006-2008

Tab. 1: Landwirtschaftliche Nutzfläche in der Schweiz 2002

1. Einleitung

Der Agrar- und Ernährungssektor der Schweiz ist seit mehreren Jahren einem enormen Wandel unterworfen. Die einst sehr stark geschützte und nach außen hin fast vollständig abgegrenzte Landwirtschaft steht heute verstärkt dem internationalen Wettbewerb gegenüber und die aktuelle Agrarpolitik strebt eine zunehmende Liberalisierung der Schweizer Agrar- und Lebensmittelmärkte an. Die Ernährungssituation der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren ebenfalls stark verändert. Das reiche Nahrungsmittelangebot führte zu Überkonsum, Fehlernährung und Übergewicht. Übergewichtsbedingte Krankheiten stellen daher heute ein großes Problem für das Schweizer Gesundheitssystem dar.

2. Allgemeine Infos zum Schweizer Agrarsektor

Verglichen mit anderen Ländern kommt der Landwirtschaft in der Schweiz eine besondere Bedeutung zu. Die Schweizer Landwirte produzieren nicht nur Nahrungsmittel, sondern sind auch maßgeblich verantwortlich für Pflege und Erhalt der Schweizer Landschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz betrug 2010 550571 Mio. Schweizer Franken (SFR), davon entfiel ca. 1 % auf den Primärsektor und etwa ein Drittel innerhalb des Primärsektors auf die Landwirtschaft[1]. Der Schweizer Agrarsektor ist seit einigen Jahren deutlich rückläufig. Die jährliche Wachstumsrate des land- und forstwirtschaftlichen Sektors betrug für das Jahr 2010 -2,5 % (vgl. GTAI 2011). Gründe hierfür sind vor allem die erschwerten Produktionsbedingungen, die eine kostenintensive Produktion zur Folge haben, der zunehmende Druck ausländischer Konkurrenz und die hohe Siedlungsdichte. Die engen räumlichen Verhältnisse in der Schweiz lassen eine rationale Bewirtschaftung der Nutzflächen kaum zu. Von 2000 bis 2010 verringerte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von vormals 70537 auf 59065 und auch die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen sank von 203793 auf lediglich 167462 Beschäftigte (vgl. BLW 2011). Vor allem kleine und mittlere Betriebe stellten die Produktion ein (vgl. BFS 2011). Die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebes betrug 2009 ca. 21,5 Hektar (vgl. SWISSWORLD).

Die staatlichen Ausgaben für Landwirtschaft und Ernährung betrugen 2009 3,7 Mrd. SFR, von denen 2,7 Mrd. SFr als Direktzahlungen an die Landwirtschaft gezahlt wurden (vgl. BFS 2011). Damit die Landwirte den geforderten Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen leisten können, ist politische Unterstützung unverzichtbar. Bei der Landschaftspflege, als Teil der landwirtschaftlichen Produktion, handelt es sich um Leistungen zum Wohl der Allgemeinheit, die nicht am Markt vergütet werden. Die anfallenden Kosten müssen vom Bund getragen werden (vgl. BLW 2004).

Tabelle 1: Landwirtschaftliche Nutzfläche in der Schweiz 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: BLW 2004)

Die klimatische und geologische Beschaffenheit des Alpenlandes stellt die Bauern vor besondere Herausforderungen. Aufgrund des Berglandes sind dreiviertel der landwirtschaftlichen Flächen Wiesen und Weiden. Gemüse und Getreide können nur in den flachen Regionen in der Mitte des Landes angebaut werden (vgl. Tab.1).

Die Milch- und Fleischproduktion ist daher der größte Wirtschaftsbereich der Schweizer Landwirtschaft. Der Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft lag im Jahr 2010 bei geschätzt 10 Mrd. SFr. 44% des Produktionswertes entfallen auf pflanzliche Produktion. Die tierische Produktion leistet einen Beitrag von 47 % zum landwirtschaftlichen Produktionswert und besteht zu etwa 50 % aus Milchviehhaltung. (vgl. BFS 2011)

Auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz werden brutto ca. 60 % der von der Bevölkerung benötigten Nahrungskalorien produziert. Der Selbstversorgungsgrad mit pflanzlichen Produkten lag 2009 bei 47,9 %. Bei tierischen Produkten wurde brutto ein Selbstversorgungsgrad von über 95 % erreicht (vgl. BLW 2011). Jedoch schließt der Bruttowert importierte Produktionsfaktoren wie beispielsweise Futtermittel mit ein (vgl. Lehmann 2011). Um eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung sicher zu stellen, ist die Schweiz auf Importe angewiesen. Im Jahr 2008 wurden pro Einwohner 407 kg Nahrungsmittel im eigenen Land produziert und 426 kg Nahrungsmittel pro Einwohner importiert (vgl. BFS 2011). Insgesamt handelt es sich bei der Schweiz um ein Agrarimportland. 2010 wurden Agrarerzeugnisse in einem Gesamtwert von 11,5 Mrd. SFr importiert. Der Wert aller ausgeführten landwirtschaftlichen Produkte betrug hingegen nur 7,8 Mrd. SFr (vgl. BLW 2011).

Wichtigste Handelspartner der Schweiz sind die EU-Staaten, allen voran Deutschland, Frankreich und Italien. Gemessen am Warenwert, bezog die Schweiz 2010 etwa zwei Drittel aller eingeführten landwirtschaftlichen Produkte aus diesen drei Ländern. Ebenso wurde wertmäßig etwa die Hälfte aller ausgeführten Agrarerzeugnisse nach Deutschland, Frankreich oder Italien exportiert. Hinsichtlich der Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist die Milchwirtschaft von besonderer Bedeutung, da sie vor allem exportorientiert produziert. Im Jahr 2010 waren Milch oder Milchprodukte die einzigen Nahrungsmittel, bei denen ein Exportüberschuss verzeichnet wurde[2]. Besonders hohe Importüberschüsse wiesen tierische Produkte/Fisch, Früchte, Gemüse und Fette und Öle bzw. Ölsaaten auf. (vgl. BLW 2011))

Neben zahlreichen politischen Maßnahmen, die in Abschnitt 3 dieser Arbeit erläutert werden, haben auch die demographische Entwicklung und das veränderte Konsumverhalten der Bevölkerung Einfluss auf den Agrarsektor. Zunehmendes Gesundheitsbewusstsein und steigende Ansprüche hinsichtlich der Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln stellen die Produzenten vor neue Herausforderungen. Transparente Produktionsprozesse und ökologischer Anbau gewinnen zunehmend an Bedeutung (vgl. BLW 2004).

3. Ernährungssituation in der Schweiz

Hinsichtlich der Ernährungssituation der Bevölkerung hat die Schweiz mit den typischen Problemen der meisten hochentwickelten Industrieländer zu kämpfen. Statt Hunger und Unterernährung, wie es in Entwicklungsländern der Fall ist, fordern überhöhter Nahrungsmittelkonsum und zu wenig körperliche Aktivität politische Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung. In den letzten Jahren wurden daher zahlreiche Studien zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten durchgeführt, um Prävalenz und Ursachen ernährungsabhängiger Erkrankungen aufzudecken und den politischen Handlungsbedarf zu ermitteln.

Abb. 1: Zusammensetzung des durchschnittlichen Haushaltsbudgets, 2008 (Anteil am Bruttohaushaltseinkommen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an die Daten der Haushaltsbudgeterhebung 2009; BFS 2011a)

Abb. 2: Ausgewählte Haushaltsausgaben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: BLW: http://www.blw.admin.ch/dokumentation/ 00844/ 01171/index.html?lang=de)

Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel und Getränke betrugen im Jahr 2009 in der Schweiz lediglich 7%. Zusammen mit den Ausgaben für Tabak und Außer-Haus-Verpflegung in Gaststätten erhöhen sich die Ausgaben auf 12,8% des Brottohaushaltseinkommens (vgl. Abb. 1). Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit den geringsten Nahrungsmittelausgaben bezogen auf das Gesamtbudget eines Haushaltes (vgl. DESTATIS 2011). Der höchste Anteil der Nahrungsmittelausgaben entfiel auf Fleisch-, Milch- und Getreideprodukte (vgl. BFS 2011a). In den letzten 60 Jahren haben sich die anteiligen Ausgaben für Nahrungsmittel stark verringert (vgl. Abb. 2). Dies ist ein Zeichen für den wachsenden Wohlstand der Schweizer Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bezüglich einer ausreichenden Versorgung mit Nährstoffen bei gesunden Menschen weist die Ernährungssituation in der Schweiz kaum Defizite auf[3], jedoch stellen Überernährung und die damit einhergehenden Gesundheitsrisiken ein zunehmendes Problem dar. Laut 5. Schweizer Ernährungsbericht lag im Jahr 2001 der BMI von 45% der Männer und 29% der Frauen im Alter ab 16 Jahren über einem Wert von 25 (vgl. EICHHOLZER 2006). Dies entspricht mehr als einem Drittel der erwachsenen Schweizer Bevölkerung. Von den 37% übergewichtigen Erwachsenen wurden knapp 20% als adipös eingestuft (vgl. Gallani Berardo et al. 2009). In der Gruppe der 6-13-jährigen Kinder waren 2007 11,3% der Jungen und 9,9% der Mädchen übergewichtig und 5,4 % der Jungen und 3,2% der Mädchen adipös (vgl. SCHNEIDER et al 2009a).

Abb. 3: Kosten von Übergewicht und Adipositas in der Schweiz, 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: BAG in Anlehnung an Schneider et al. 2009)

Gründe für die wachsende Zahl übergewichtiger Personen sind vor allem der steigende Konsum stark zucker- und fetthaltiger Nahrung und mangelnde körperliche Aktivität. 2001 aßen lediglich 67% der Männer und 81% der Frauen täglich Obst oder Gemüse (vgl. EICHHOLZER 2006) und nur etwa ein Drittel der Schweizer Bevölkerung geht derzeit mindestens drei Mal pro Woche intensiver körperlicher Betätigung nach (vgl. SCHNEIDER et al. 2009).

Die Folgen der Überernährung äußern sich vor allem in zunehmender Prävalenz ernährungsbedingter Erkrankungen wie z.B. koronarer Herzkrankheiten, Diabetes Typ2 oder Depressionen und steigenden Gesundheitskosten. 2006 betrugen die Kosten in Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas 5,8 Milliarden SFr (vgl. Abb. 3). Die direkt der Adipositasindikation zurechenbaren Kosten betrugen dabei nur 1%. Die übrigen Kosten entfielen als indirekte oder direkte Kosten auf die Behandlung von Folgeerkrankungen. Die Ge-

samtkosten für die Behandlung übergewichtbedingter Krankheiten betrugen 2006 ca. 11 % der gesamten Gesundheitskosten der Schweiz. (vgl. SCHNEIDERet al. 2009).

Ausgehend von der Entwicklung der letzten Jahre ist ein Rückgang ernährungsbedingter Erkrankungen und damit eine Reduktion der finanziellen Belastung des Gesundheitssystems in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Vergangene Untersuchungen gehen davon aus, dass bis dato bestenfalls eine Stabilisation der Anzahl übergewichtiger oder adipöser Personen erreicht werden konnte (vgl. SCHNEIDER et al. 2009). Aktuelle Studien hierzu stehen allerdings noch aus.

[...]


[1] Zum Vergleich BIP-Anteil nach Sektoren 2010: Primärsektor 1,1%, Sekundärsektor 27,7%, Tertiärsektor 71,5% (vgl. BLW 2011)

[2] Exportüberschüsse gab es außerdem bei Genussmitteln, Tabak und diversen anderen Erzeugnissen (vgl. BLW 2011)

[3] Ausgenommen sind Schwangere, bei denen häufig eine unzureichende Folsäureversorgung verzeichnet werden konnte und Personen, die z.B. an Essstörungen oder konsumierenden Krankheiten leiden oder von anderen Einschränkungen hinsichtlich einer adäquaten Nahrungsaufnahme betroffen sind. Hier finden sich gelegentlich Zeichen von Mangel- oder Unterernährung (vgl. EICHHOLZER 2006).

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656104506
ISBN (Buch)
9783656104216
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187000
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
Schlagworte
agrarpolitik ernährungssituation schweiz

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Titel: Agrarpolitik und Ernährungssituation in der Schweiz