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Essen und Kochen in einer Paarbeziehung

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung ... 3

2. Entwicklung des gemeinsamen Essens ... 3
2.1 Entwicklung allgemein historisch gesehen ... 3
2.2 Entwicklung des gemeinsamen Essens in Familie/Paarbeziehung ... 6

3. Die Realität in der heutigen Zeit ... 8

4. Fazit ... 10

5. Literaturverzeichnis ... 12

Einleitung

Schon die kleinen Kinder können uns erklären, welche Rollen die Natur geschaffen hat. Fragt man zum Beispiel einen Jungen, der gerade die dritte Klasse der Grundschule besucht, wird er auf die Frage: „Warum kochen meistens die Mütter??“ antworten: „Weil die Männer früher jagen mussten und die Frauen das dann gekocht haben. Und jetzt geht Papa arbeiten und bringt Geld mit, Mama kauft davon Essen und kocht es uns dann.“1 Dass die Zeiten sich aber eigentlich längst gewendet haben und die Emanzipation der Frau immer weiter voranschreitet, ist in den meisten Familien nicht zu sehen. Nur vereinzelt hört man, dass der Mann zu Hause für das Kochen zuständig ist und es außerdem noch gern macht. Diese Arbeit soll sich nun mit der historischen Entwicklung des Essens und Kochens in Paarbeziehungen und Familien beschäftigen. Dabei wird zuerst ein Blick auf die allgemeine historische Entwicklung des gemeinsamen Essens geworfen, bevor dann näher betrachtet wird, wie sich Paare vom ersten gemeinsamen Essen zum späteren Familienessen und dessen Alltag wandeln. An Beispielen aus Familien der heutigen Zeit wird das dann genauer betrachtet und schließlich ein Fazit angeführt. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet: Ist es möglich oder schon gelungen, von jahrhundertealten Verhaltensmustern abzuweichen oder herrscht die Frau immer noch ganz allein in europäischen Küchen?

1. Entwicklung des gemeinsamen Essens

2.1 Entwicklung allgemein historisch gesehen

Das gemeinsame Essen wurde nicht schon immer als gemütliches Zusammensitzen und Erzählen betrachtet. Zuerst stand im Vordergrund das brüderliche Teilen, auf dessen Basis dann jeder ein bisschen was zu essen hatte und man absichern konnte, dass jeder aus seinem Kollektiv am Leben blieb. Denn nicht immer war es so natürlich wie heute, dass man nach Hause kommt und einen gefüllten Kühlschrank vorfindet.

In der Religion spielt das gemeinsame Mahl eine große Rolle. In keiner eine Größere, als im Christentum. Brot und Wein gehören zu den wichtigsten Elementen, im alten wie auch im neuen Testament.

Jedoch begann die genaue Norm des Essens erst in den Klöstern der Benediktiner im frühen neunten bis zum zwölften Jahrhundert. Mittags und abends wurde gemeinsam gegessen, jedoch immer nur bei Tageslicht. An die Tischmanieren heutiger Zeit war damals noch nicht zu denken. Noch Ludwig der XIV. nahm sein Essen mit den Händen auf. Nach und nach auf dem langen Weg zum Mittelalter gestalteten und verkomplizierten sich dann doch allmählich die Manieren bei Tisch, so dass jeder wenigstens einen Holzlöffel und eine kleine hölzerne Schüssel besaß, die immer wieder gereinigt wurde.

Im achtzehnten Jahrhundert dann war es Immanuel Kant, der sagte: „ Es ist für einen Philosophen und gesund, alleine zu essen“ und weiter „ Die Form des Wohlbefindens, die am besten mit dem Menschsein im Einklang zu stehen scheint, ist ein gutes Essen in guter und möglichst abwechslungsreicher Gesellschaft“2.

Ein Gräuel war dem Lehrmeister aus Königsberg allerdings Tafelmusik. Sie machte die Zeremonie des bei Tisch Seins zu steif. Selbst die Themen über die bei Tisch gesprochen wurde, waren vorher sorgfältig ausgewählt. Dabei steht laut dem Christentum die Tafel als ein Ort der Verkündigung da. Was nützt die Verkündigung dann noch sinnvolle Zwecke, wenn man nicht einmal alles verkündigen darf?

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aßen die Menschen circa drei- bis viermal am Tag. Vor dem Essen wurde ein Tischgebet gesprochen, welches ganz unverzichtbar war. Das Mahl wurde gemeinsam mit der Familie und mit allen Arbeitern, die sich in Haus und Hof befanden, eingenommen. Es gab recht einfache Sachen wie Kartoffel oder Brotsuppe. Wenn es Obst oder Gemüse gab, stammte es aus dem heimischen Anbau, je nachdem welche Jahreszeit gerade herrschte. Fleisch gab es selten.3

Vor circa einhundertfünfzig Jahren begannen die Menschen dann die Mahlzeiten aus dem Alltag zu verdrängen. Dies ist einerseits auch der fortschreitenden Industrialisierung zur Schuld zu legen. In der Industrie gibt es geregelte Arbeitszeiten und Pausen. Der Rhythmus für die Aufnahme von Essen ist vorgegeben. Mehr als eine halbe Stunde Pause gab es nicht. Gemeinsames Essen mit der Familie zum Mittag war kaum mehr möglich. Man musste sich neu arrangieren, anders planen, sich an neue Formen gewöhnen.

Die Menschen, die ins Ruhrgebiet gegangen waren, um dort zu arbeiten, mussten über zwei Drittel dessen, was sie verdienten, für Lebensmittel ausgeben. Selbstversorgung war schier unmöglich geworden. Das Haus, der Garten waren weit weg, die Familie sowieso. Einige Jahre lang versuchte man die bis dahin ungewohnte Distanz zur Familie zu überbrücken, indem die Frauen zum Mittag Essen in die Fabrik brachten. Die eigentlich gute Idee mancher Unternehmen, Kantinen einzurichten, begegnete großen Protesten. Der Arbeiter wollte selbst entscheiden, was er isst. Er wollte nicht noch mehr seiner Freiheit hergeben, indem er sich während der sowieso schon festgesetzten Essenszeiten auch noch festgesetztes Essen aufzwängen lassen musste. Jedoch setzten sich über kurz oder lang die Kantinen durch. Und auch die damit verbundene Massenversorgung wuchs sehr schnell. Die Geburtsstunde des Imbiss war geboren, als Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts lange Hungerperioden durchzustehen waren und einige Kneipen, auch nur in Großstädten vorzufinden, Kleinigkeiten wie Bockwurst oder Buletten anboten. Immer weiter ging der Trend dazu, sich von zu Hause zu entfernen. Und wer sowieso schon weg war, ging dann eben in der freien Zeit, in der er hätte zu Hause essen können, in die Imbissstube. Dies war dann eine neue Form des gemeinsamen Essens. Die Familie war ausgegliedert, aber man traf sich am Stehtisch des Imbiss mit anderen „Leidensgenossen“ und beging das Mahl trotzdem nicht allein.

Es war aber üblich, zumindest zum Abendessen noch zu Hause zu essen. Dabei gab es fest geregelte Uhrzeiten und strenge Vorschriften. Wer zu spät kam, musste hungrig ins Bett und die Floskel, die manch Familienvater heute noch anwendet „Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst, tust du was ich sage“ wurde noch vollkommen durchgesetzt. Gegessen wurde, was die Mutter kochte.

Erst die Studentenbewegung brachte erstmals eine Bewegung in die heimischen Küchen, wenn auch nicht in Viele. Die Rolle der Frau als „Heimchen am Herd“ galt als überholt, die Macht der Väter am Esstisch wurde gebrochen.

[...]


[1] Dittrich, Linda: eigene Umfrage an einer Schule in Herborn, befragter Junge , 3.Klasse Grundschule

[2] Berger, Max. Gegessen! Ein Essay über die gemeinsame Mahlzeit. In: Badische Zeitung, 27. März 2010

[3] Kleinspehn, Thomas. Warum sind wir so unersättlich?“. 1.Auflage. Suhrkamp. Berlin. 1987

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668191266
ISBN (Buch)
9783668191273
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186953
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Schlagworte
essen kochen paarbeziehung

Autor

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