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Verhandlungsstrategien gegenüber dem Iran in Fragen der Atomwaffenproliferation

Hausarbeit 2007 28 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Atomwaffen(non)proliferation

3 Verhandeln

4 Akteure, Interessen, Ziele
4.1 Iran
4.2 USA
4.3 EU
4.4 Russland, China + weitere

5 Rolle der Gewalt - mögliche Druckmittel

6 Fazit

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Verhandlungenüber Atomwaffenteststops gegenüber autoritativen Systemen gestalten sich in einigen Fällen mehr als schwierig wie die Beispiele Nordkorea oder der Iran gezeigt haben. Dies hängt zum einen mit der höheren Lösungsschwierigkeit eines Konfliktes des „entweder-oder“-Typs im Gegensatz zum „mehr oder weniger“-Typ zusammen1, aber sicherlich auch mit den Staaten an sich. Dennoch muss die internationale Staatengemeinschaft weiterhin den Iran in die Verhandlungen mit einbeziehen, wenn sie eine Verbreitung von Atomwaffen auf nicht militärischen Weg verhindern will. Anhand des Irans sollen aktuelle Strategien mit besonderer Konzentration auf Verhandlungsstrategien auch gegenüber autoritären Systemen in Fragen der Atomwaffenproliferation diskutiert werden. Zwar soll die Rolle der Gewalt als mögliches Druckmittel auch thematisiert werden, allerdings liegt der Fokus auf gewaltarmen Konfliktlösungsmodellen.

Der Iran bildet hier ein äußerst vielfältiges und in gewisser Weise hartnäckiges Beispiel. Problematisch an der Verhandlungsorientierung ist, dass das Interesse des Irans an das Atomprogramm einschränkenden Verhandlungslösungen eher gering ist und es ihnen um eine Stärkedemonstration nach außen, aber noch wichtiger nach innen, geht. Der nachfolgenden Arbeit liegt demnach die Arbeitsthese zu Grunde, dass der autoritäre Staat Iran äußere Feindbilder zur Stabilisation der eigenen Herrschaft (Wegnahme des innenpolitischen Drucks) nutzt. Des Weiteren führt die Bildung des Feindbildes (Im Falle des Iran die USA, bzw. der Westen) zur folgerichtigen Verteidigung gegen diese. Zur wirkungsvollen Verteidigung scheinen demnach nur Atomwaffen adäquat, zumal eine unmittelbare Bedrohung wahrgenommen wird. Dass dadurch die Wahrnehmung wiederum negativ verstärkt wird (ebenso durch iranische Provokationen) macht die Ausgangslage umso schwieriger. Daher stellt sich die Frage, ob die aktuelle Strategie der einzelnen Akteure zielführend ist. Die Fragestellung für die nachfolgenden Zeilen lautet nun: Kann der Iran mit den aktuellen Strategien von seinem Atomprogramm abgebracht werden?

Dem liegt eine liberale und konstruktivistische Theorieeinbindung zugrunde, da als Betrachtungsebene auch die nationalen Vorraussetzungen sowie etwaige Vorstellungen und Identitäten einbezogen werden. Die Analyse erfolgt nachfolgend methodisch per Sekundärliteraturanalyse im Bereich der policy. Der aktuelle Forschungsstand wird unter anderemüber die Werke von Harald Müller, Volker Perthes und Therese Delpesch wiedergegeben. Zunächst wird der Bereich der Atomwaffen(non)proliferation erläutert, ehe verschiedene Verhandelnsarten theoretisch vorgestellt werden. Im Anschluss werden die Interessenlagen der einzelnen Akteure und deren aktuelle Strategien vorgestellt, ehe nach einem kurzen Exkurs zur Rolle der Gewalt ein abschließendes Fazit gezogen wird.

2 Atomwaffen(non)proliferation

Die Nichtverbreitung von Atomwaffen (Atomwaffennonproliferation) basiert auf dem Atomwaffensperrvertrag von 1968 (NPT), der im institutionellen Rahmen der Vereinten Nationen geschlossen wurde2. Hüter dieses Vertrages, den 187 Staaten unterzeichnet haben, ist die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO)3. Die IAEO kontrolliert die Anlagen der Vertragsstaaten um missbräuchliche Anwendung von ziviler Anreicherung zu vermeiden, wobei nur offiziell gemeldete Anlagen kontrolliert werden4. Die friedliche Nutzung der Kernenergie ist nach dem Nichtverbreitungsvertrag, Artikel IV, jedoch ein Recht jedes Vertragsteilnehmers5.

Auch Kernwaffen unterliegen dem humanitären Völkerrecht nach dem inhumane Waffen geächtet sind6. Zwar wird die Inhumanität differenziert betrachtet, allerdings schloss sich auch der Internationale Gerichtshof der Einstufung von Kernwaffen als inhumane Waffen gegen den Willen der Kernwaffenstaaten an7. Transparenzmaßnahmen als vertrauensbildende Form der Rüstungskontrolle (zu der auch die Atomwaffennonproliferation gehört) sind besonders bedeutsam, da sie den für das Sicherheitsdilemma wichtigen „Schleier des Geheimen“über Teilen der militärischen Aktivitäten lüften8. Die Kritik am Nichtverbreitungsvertrag beläuft sich auf die Diskriminierung zwischen Kernwaffenstaaten und Nichtkernwaffenstaaten durch den Vertrag und auf die Herausbildung eines (Schwarz-)Marktes für nukleares Material, der sich aus ausgebildeten Kernphysikern, militärisch und zivil nutzbaren Anreicherungsgütern und Technologie rekrutiert und die staatliche Fokussierung des NPT angreift9. Momentan lässt sich daher nach Harald Müller ein „Stillstand wenn nicht gar Rückschritt bei [der] Rüstungskontrolle“ feststellen10. Sowohl Atomwaffentests in Südostasien als auch eine Ignorierung der Verpflichtungen und letztlich das Scheitern der Überprüfungskonferenz 2005 haben den Nichtverbreitungsvertrag angegriffen und bei vielen Nichtkernwaffenstaaten für Misstrauen gesorgt11. Sollten Terrorgruppen wie Al-Qaida, aber auch Staaten wie der Iran, Atomwaffen in ihren Besitz bringen, sehen viele Autoren ein Ende des Atomwaffenregimes, zumindest aber ein hohes Destabilisierungspotenzial wie im Falle des Iran für die gesamte Region12. Wie Christopher Daase zu Recht hinweist, verbleibt immer noch ein Unterschied zwischen dem Besitz und dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie der Atombombe selbst bei terroristischen Vereinigungen13. Der Iran ist seit 1970 Mitglied des NPT und besitzt seit einiger Zeit ein Atomprogramm14. Nun haben sich in den letzten Jahren die Anzeichen vermehrt, dass der Iran nicht nur Interesse an einem zivilen Nuklearprogramm sondern auch an einem militärischen hat15. So sind die 35 Mitgliedsstaaten des IAEO-Gouverneursrates 2004 zu dem Schluss gekommen, der Iran würde Safeguardabkommen brechen und möglicherweise Einrichtungen vor den Inspektoren verbergen16. Dies verstärkte nun den Problemdruck und damit die Bemühungen einer Lösung des Konfliktes durch Verhandlungen.

3 Verhandeln

Verhandlungen sind zunächst einmal wechselseitige Kommunikationsprozesse zwischen interessenorientierten Akteuren17. Hierbei treten nichthierarchische Formen der Selbstkoordination in den Vordergrund, bei denen ein reflexives Verhältnis zu den eigenen Motiven wichtig ist18.

Allerdings gliedert sich nach Volker von Prittwitz der Verhandlungsbegriff in die Bedeutungen des „Verhandelns“ (englisch „negotiation“) als kommunikative Selbstkoordinationüber Argumentieren („arguing“) und in einen Idealtypus sozialer Kommunikation, der sich mit „Aushandeln“ (bargaining) beschreiben lässt19. Bargaining und Arguing sind beides „modes of communication“ und haben zwar Unterschiede in ihren Ansprüchen („claims“), dürfen jedoch nicht als zwei gegensätzliche Konzepte sondern vielmehr als additive Ansätze gesehen werden20. So werden beim Argumentieren empirische und normative Behauptungen vertreten, die einen Anspruch auf Gültigkeit haben und die im Zweifelsfall widerspruchslos und unparteilich sein müssen21. Bargaining verbindet hingegen Forderungen mit Glaubwürdigkeit, die durch die jeweilige Verhandlungsmacht einer Partei bestimmt werden und den Ausgang der Verhandlungen prägen22. Im Bargaining werden die Ausgangspositionen und Interessen der Beteiligten nicht in Frage gestellt, vielmehr geht es darum, auf Basis dieser Problemlösungen zwischen Tauschgeschäften, Ressourcenforderungen und Kompromissen (distributiven Problemen) zu finden23. Im Arguing steht im Vordergrund, die Ausgangspositionen und Interessen mit Hilfe von Überzeugungskraft in Frage zu stellen und eventuell sogar eine ständige Neubewertung vorzunehmen. Daher ist arguing zeitlich eher vor bargaining angesetzt, gemeinwohlorientiert und näher an den kognitiven Problemen und an sozialkonstruktivistischen Theorien sowie der Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas24. Bargaining gilt hingegen als eng verbunden mit rational choice Ansätzen und dem Konzept kooperativer Spiele25.

Als Formen des Argumentierens lassen sich Diskurs (kooperative Orientierung), Debatte (kompetitive Orientierung) und Disput (konfrontative Orientierung) aufführend, während die Formen des Verhandelns folgende sind: Versprechen (kooperativ), Abwandern (kompetitiv) und Drohung (konfrontativ)26. Bei kognitiven Problemen bieten sich Formen des Argumentieren oder Problemlösens (problem solving) an, während bei rein distributiven Problemen Aushandeln effektiver ist27. Zudem unterscheidet man zwischen einer dyadischen und einer triadischen Grundstruktur.

Im Falle des Iran in Fragen der Atomwaffenproliferation liegt der Grundkonflikt zwischen dem Regime des NPT und dem Iran, der aber durch die Einbeziehung diverser Staaten zu einer triadischen Struktur wird. Durch die internationalen Einrichtungen und die institutionalisierte Diplomatie bietet sich ein Grundgerüst für zwischenstaatliche Beziehungen und Beziehungen zu internationalen Organisationen, die auch im Falle des Iran genutzt werden. Zudem unterscheidet man zwischen öffentlicher und geheimer Mediation, sowie einem offenen und geschlossenen Teilnehmerkreis. Im Falle des Iran lässt sich eine geheime Mediation mit öffentlicher Argumentation zwischen den Staaten feststellen, die grundlegend einen offenen Teilnehmerkreis beschreibt, der sich jedoch zunehmend auf die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und Deutschland sowie die IAEO einschränkt. Welche Handlungsmodi in den Strategien vorherrschend sind soll nachfolgend einbezogen werden.

4. Akteure und Interessen

4.1 Der Iran

Der Iran soll zunächst in seinem Aufbau und in der aktuellen Situation betrachtet werden, ehe außenpolitische Ziele dargestellt und iranische Strategien aufgezeigt werden. Ein Problem in einer internationalen Strategie liegt darin, im Iran den „richtigen“ Ansprechpartner zu finden, da verschiedene Gruppierungen im Prozess beteiligt sind28. Volker Perthes stellt zurecht fest, dass „Teheran kein einheitlicher Akteur“ und von unterschiedlichen Strömungen geprägt ist29. Der eigentliche Machthaber ist nicht Präsident Ahmadinedschad sondern Ayatollah Ali Khamene’i, der in der Vergangenheit einen nur leicht konfrontativen Kurs zum Westen befürwortet hat, jedoch nun das Verhalten Ahmadinedschads und damit einen radikaleren Kurs billigt30. Die einzelnen Gruppierungen lassen sich grob folgendermaßen beschreiben:

Die eine kann man als realistische Konservative um den ehemaligen Präsidenten Rafsanjani bezeichnen. Diese sind gegen die von Ahmadinedschad ausgesprochenen Drohungen und befürworten, dass sich der Iran an internationale Regeln hält31. Das Wichtigste für sie ist jedoch Regimesicherheit, das Atomprogramm ist wichtig und die militärische Nutzung sollte offen bleiben32. Hier finden sich auch Unterstützer für Gespräche mit den USA. Ihre Wähler finden sich in alten Regimepersönlichkeiten und besonders im „Rat zur Herstellung der Interessen des Regimes“ sowie im Nationalen Sicherheitsrat. Letzterer besitzt eine wichtige Rolle in der Formulierung der Außen- und Sicherheitspolitik und sieht die Einmischung der Regierung zunehmend kritisch33.

Als weitere Gruppe lassen sich die Globalisierer identifizieren, die Handelsbeziehungen und Fortschritt als wichtigste Ziele sehen. Sie bestehen aus Exporthändlern und dem Bürgertum und besitzen ein starkes Interesse an der Integration in die Weltgemeinschaft, haben bei den letzten Wahlen jedoch Verluste hinnehmen müssen34. Die dritte Gruppe bilden ideologische Fanatiker oder Islamo-Nationalisten, die von einer Konfrontation profitieren. Sie gewinnen zumindest kurzfristig von der Ablenkung interner Probleme durch die internationale Provokationen Ahmadinedschads und streben nach militärischer Nuklearfähigkeit35. Diese Gruppe setzt sich aus nationalistischen Politikern wie Veteranen des ersten Golfkrieges, Sicherheitskräften oder Revolutionskräften zusammen, werden vom Klerus unterstützt und von Klein- oder Nichtverdienern gewählt36. Mit Ahmadinedschad gibt es einen autoritären Präsidenten, der nicht so schnell bereit ist, Kompromisse einzugehen, gegenüber Israel provoziert und insgesamt nach Einschätzung von Thérèse Delpesch keinen möglichen Verhandlungspartner darstellt37. Im religiösen Milieu gibt es jedoch nicht nur Unterstützung für nukleare Bewaffnung, sondern auch Stimmen von einer Unvereinbarkeit von Islam und Massenvernichtungswaffen38. Der Rahbar (der spirituelle Führer, Khamene’i) versucht die Interessengruppen zusammenzuhalten39.

Eben durch diese Vielfalt auch durch verschiedene kulturelle Einflüsse kann eine auf eine dieser Gruppen fokussierte internationale Antwort problematisch sein40. Die iranische Position, die sich aus der Zusammensetzung der jeweiligen Gruppenstärke ergibt, lässt sich darin zusammenfassen, dass der Iran die Atombombe möchte, aber versucht, dies mit möglichst wenig Beeinträchtigung seiner wirtschaftlichen Situation und seines internationalen Ansehens zu erreichen41. Das Regime in Teheran hat es zudem geschafft die gesamte iranische Nation hinter dem Atomprogramm zu vereinen, das nun als Frage des nationalen Stolzes sowie des Fortschritts aber auch Quelle persischer Vergangenheitsträume gilt42. Somit würde eine Aufgabe des Programms auch als Schwäche des Regimes interpretiert werden, ebenso wie internationaler Druck als absichtliche Entwicklungsbehinderung wahrgenommen werden wird43. Die Sicherheitslage des Iran ist zudem nicht gerade beruhigend und der Nichtverbreitungsvertrag reicht nach Harald Müller nicht aus, da er auf diese Sicherheitslage keinen Einfluss hat44. Die Ziele des Irans liegen zusammengefasst neben dem wirtschaftlichen Fortschritt auch in der Anerkennung als Regionalmacht, die als gleichberechtigter Partner gesehen wird, der Sicherheit vor Angriffen, sowie der Regimesicherheit45. Das Atomprogramm selbst kann nach Ansicht einiger Autoren nicht mehr gestoppt sondern nur verzögert werden, wobei Atomwaffen innerhalb von 3-5 Jahren zur Verfügung stehen könnten46. Der eigenen Bevölkerung gegenüber wird immer wieder die friedliche Absicht des Atomprogramms in Einverständnis mit Artikel 4 NPT bekräftigt47. Die Verletzung des Safeguardabkommens sowie die Ablenkungsmanöver werfen allerdings Zweifel bezüglich der zivilen Nutzung auf, auch wenn man 2003 noch davon ausgegangen war, dass die Festlegung auf ein militärisches Atomprogramm noch nicht getroffen wurde48. Nach den abgelehnten Verhandlungsofferten (siehe besonders 4.3 EU) scheint entweder ein immenser Nationalstolz bezüglich friedlicher Kernenergienutzung oder aber der Wille nach der Atombombe vorherrschend zu sein. Ebenso sollen die inneriranischen Probleme wie die Erwartungen der Jugend, der Wille zur Veränderung und die enormen ökonomischen Reformbedarfe beachtet werden, denn schon jetzt ist das Regime leichten öffentlichen Druck ausgesetzt49. Durch die Verhinderung von Auslandsinvestitionen entstehen weitere Probleme im Lebensstandard, die durch einen „brain-drain“ verstärkt werden. Abgesehen von der starken Ölpreisabhängigkeit der Staatskasse, warnt der Internationale Währungsfond, dass der Iran innerhalb von 2 Jahren ein Defizit haben wird, wenn er keine Reformen durchführt50. Auf Grund der hohen Ölreserven - der Iran besitzt 10% der globalen Ölreserven- und guter Nutzbarkeit von Sonnen-, Wasser- und Windenergie erscheinen weniger energiepolitische Gründe als Prestigegründe für das Atomprogramm als ausschlaggebend51. Es hat sich zusätzlich durch die ökonomische Frustration eine Frustration der Gesellschaft verbreitet, die auch durch Skandale in Justiz und öffentlichen Ämtern verstärkt wurde52.

Daher bieten auch Feindbilder als Produkt des Strebens nach Identität neue Möglichkeiten für die Machthaber. Feindbilder sind das Produkt tiefer sozialer und psychologischer Bedürfnisse und dienen häufig Gruppeninteressen. So ergibt sich die Einteilung in drei Feindbildertypen: Imperiale, Barbaren und Degenerierte. Westliche Führer werden aus iranischer Sicht meist als Imperialisten oder Degenerierte betitelt53. Akteure mit starken Feindbildern - wie es dem Iran unterstellt wird - suchen nur nach Informationen, die ihr negatives Bild bestätigen54. So werden die eigenen autoritären Methoden den Amerikanern zugeschrieben und somit durch ihr Anderssein und ihrer provozierenden hegemonialen Überlegenheit zum besseren Feindbild als die eigenen Unterdrücker erklärt55. So kann gerade eine klare Feindvorstellung Orientierungs- und Perspektivlosigkeitüberwinden. Eine feste nichthinterfragbare Begründung in Form politischer Theologie bildet dann den Boden für Fundamentalismus56. Die Möglichkeit solche Vorstellungen zu ändern, ist bei vielen, stark widersprechenden Verhältnissen zusammen mit vertrauensbildenden Maßnahmen gegeben auch wenn die Gefahr der feindlichen Wahrnehmung besteht57. Diese Feindbilder als Imperiale oder Degenerierte (USA, Israel) werdenüber den „Widerstandsbogen“ (Syrien, Libanon und Palästina) konstruiert58. Die USA wiederum bilden ihr Feindbildüber den Schurkenstaat Iran und den Terrorismus59.

Die Strategie des Iran liegt in Angriff und Reden, um damit die Gesprächspartner zu beschäftigen sowie nach Möglichkeiten gegeneinander auszuspielen60. Diese Strategie läuft momentan darauf hinaus, unabhängige Staaten für ihr Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie zu gewinnen, ohne dabei zu erwähnen, dass dies nicht heißen muss, die Anreicherung im eigenen Land stattfinden zu lassen61. Als weiterer Strategiebestandteil lässt sich gegenüber arabischen Staaten die Betonung der fortlaufenden Bedrohung durch Israel nennen, um von dem eigenen Programm abzulenken62. Betont werden soll auch, dass der islamische Hintergrund in den Außenbeziehungen nur eine geringe Rolle spielt und nur die rhetorische Berufung auf die islamische Republik Iran genutzt wird63. Als Verhandlungspotenzial droht der Iran, die Straße von Hormuz zu sperren, was besonders Auswirkungen auf den Energietransport haben würde64.

[...]


1 Bonacker, Thorsten und Imbusch, Peter: Zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung: Konflikt, Gewalt, Krieg, Frieden, in: Imbusch, Peter und Zoll, Ralf (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung,3.Aufl., Opladen 2005,S. 69-107.

2 NPT, Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, IAEA: History of the IAEA, unter: http://www.iaea.org/About/index.html (14.3.07).

3 Rühle, Michael: Eine nukleare Ordnung ? Wenn wir im „zweiten Nuklearzeitalter“ leben, muss die orthodoxe Rüstungskontrollschuleüberprüfen, ob ihr Ansatz noch zeitgemäß ist, in: Internationale Politik, Jg. 61, H. 10, S. 88f.

4 Häckel, Erwin: Internationale Nuklearpolitik/Proliferation, in: Woyke, Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik [Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Band 404], 9.überarb. Aufl., Bonn 2004, S. 207.

5 Müller, Harald: Kernwaffen und deutsche Interessen: Versuch der Neubestimmung [Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Report 5/1999], Frankfurt am Main 1999, S. 9.

6 Ebd., S. 22.

7 Ebd., S. 23.

8 Müller, Harald: Früherkennung von Rüstungsrisiken in der Ära der „militärisch-technischen Revolution“. Ein Register für militärische Forschung und Entwicklung[Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Report 7/2000], Frankfurt am Main 2000, S. I und 2.

9 Müller, Harald: Kernwaffen und deutsche Interessen, S. 1; Rühle, Michael: Eine nukleare Ordnung ?, S. 88 u. 92.

10 Müller, Harald: Kernwaffen und deutsche Interessen, S. 2.

11 Ebd., S. 3f, 16 u. 19; Rühle, Michael: Eine nukleare Ordnung ?, S. 86.

12 Cirincione, Joseph: „Die Bedrohungsanalyse wird politisiert“. Der Rüstungsexperte Joseph Cirincione über Nordkorea, den Iran, die Bush-Regierung und die Krise des Nichtverbreitungsvertrages, in: Internationale Politik, Jg. 60, H. 3, 2005, S. 98; Schreer, Benjamin: Who’s next? Die USA , Iran und die Präemption, in: Internationale Politik, Jg. 58, H. 6, S. 56; Thräenert, Oliver: Das iranische Atomprogramm, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 48, 2005, S. 10.

13 Daase, Christopher: Terrorgruppen und Massenvernichtungswaffen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 48, 2005, S. 33ff.

14 Vgl. Abb. 4.

15 Delpech, Thérèse: L’Iran, la bombe et la démission des nations, Paris, 2006, S. 15.

16 Vgl. Abb. 4, Cirincione, Joseph: Verhandeln, drohen, belohnen. Wie der Iran vom Atomwaffenkurs abgebracht werden kann, in: Internationale Politik, Jg. 60, H. 2, 2005, S. 65.

17 Prittwitz, Volker von: Verhandeln und Argumentieren. Dialog, Interessen und Macht in der Umweltpolitik, Opladen 1996, S. 8.

18 Ebd., S. 7.

19 Ebd., S. 8.

20 Holzinger, Katharina: Verhandeln statt Argumentieren oder Verhandeln durch Argumentieren ? Eine empirirsche Analyse auf Basis der Sprechakttheorie, in: Politische Vierteljahrschrift, Jg. 42, H. 3, 2001, S.414.

21 Risse, Thomas: „Let’s argue“: Communicative Action in World Politics, in: International Organization, Jg. 54, H. 1, 2000, S. 2ff.

22 Saretzki, Thomas: Wie unterscheiden sich Argumentieren und Verhandeln? Definitionsprobleme, funktionale Bezüge und strukturelle Differenzen von zwei verschiedenen Kommunikationsmodi, in: Prittwitz, Volker von (Hrsg.): Verhandeln und Argumentieren. Dialog, Interessen und Macht in der Umweltpolitik, Opladen 1996, S. 24.

23 Ebd., S. 33; Holzinger, Katharina: Verhandeln statt/durch Argumentieren? S.417 u. 421.

24 Saretzki, Thomas: Wie unterscheiden sich Argumentieren und Verhandeln?, S. 25 u. 33; Holzinger, Katharina: Verhandeln statt/durch Argumentieren?, S.414; Risse, Thomas: „Let’s argue“, S. 8.

25 Gehring, Thomas: Arguing und Bargaining in internationalen Verhandlungen. Überlegungen am Beispiel des Ozonschutzregimes, in: : Prittwitz, Volker von (Hrsg.): Verhandeln und Argumentieren. Dialog, Interessen und Macht in der Umweltpolitik, Opladen 1996, S. 207.

26 Vgl. Abb. 1.

27 Saretzki, Thomas: Wie unterscheiden sich Argumentieren und Verhandeln?, S. 36.

28 Bailes, Alyson: Europeans fighting Proliferation: The Test-Case of Iran, in: Sicherheit und Frieden, Jg. 24, H. 3, 2006, S. 133; Nirumand, Bahman: Iran. Die drohende Katastrophe, 1. Aufl., Köln 2006, S. 29.

29 Perthes, Volker: Gebt dem Nationalstaat eine Chance! Frieden im Nahen Osten: Neue Barrieren eines alten Konflikts, in: Internationale Politik, Jg. 61, H. 9, 2006 , S. 66.

30 Vgl. Abb. 6; Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, in: Midlle East Quaterly, Jg. 14, H. 1, 2007, S. 14.

31 Reissner, Johannes: Europas Beziehungen zu Iran, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 9, 2004, S. 52; Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran. Iranische Interessen und Fraktionen im Atomkonflikt, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 51, H. 7, 2006, S. 833.

32 Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 833.

33 Ebd., S. 833.

34 Ebd., S. 834.

35 Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, S. 20; Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 832; Nirumand, Bahman: Iran, S. 11.

36 Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 832.

37 Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 7ff.

38 Thräenert, Oliver: Das iranische Atomprogramm, S. 12.

39 Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 832.

40 Ansari, Ali: Civilizational Identity and Foreign Policy: The Case of Iran, in: Schaffer, Branda: The Limits of Culture. Islam and Foreign Policy, Cambridge 2006, S. 259.

41 Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 105 ; Cirincione, Joseph: Verhandeln, drohen, belohnen, S. 65; Hroub, Khaled: Ein Sieger, mit dem keiner rechnete. Paradoxerweise ist der größte Gewinner des Irak-Krieges der Iran, in: Internationale Politik, Jg. 61, H. 6, 2006, S. 27.

42 Nirumand, Bahman: Iran, S. 11 u. 20; Meier, Oliver: Das iranische Nuklearprogramm als Herausforderung für den Westen, in: Ehrhart, Hans Georg und Johannsen, Margret (Hrsg.): Herausforderung Mittelost: Übernimmt sich der Westen [Demokratie, Sicherheit, Frieden 176], Baden-Baden 2005, S. 236.

43 Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 830.

44 Mit Turkmenistan liegt noch eine instabile ehemalige Sowjetische Südgrenze am Rande des Iran und sowohl Israel als auch Pakistan besitzen Atomwaffen, sowie die USA, die jetzt in den Nachbarländern Afghanistan und Irak präsent sind; Meier, Oliver: Teheran - auf heimlichem Weg zur Bombe ? Das iranische Nuklearprogramm, in: Sozialwissenschaftliche Informationen, Jg. 34, H. 2, 2005, S. 59; Nirumand, Bahman: Iran, S. 19; Müller, Harald: Warum die Bombe? Über die nuklearen Möchtegerne Iran und Nordkorea, in: Internationale Politik, Jg.59, H. 1, 2004, S. 17.

45 Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, S. 13; Thräenert, Oliver: Das iranische Atomprogramm, S. 12f; Müller, Harald: Warum die Bombe?, S. 13; Perthes, Volker und Wegner, Eva: Black Box Teheran, S. 831; Funke, Hajo: Gott Macht Amerika. Ideologie, Religion und Politik der US- amerikanischen Rechten [Schriftenreihe Politik und Kultur am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, Schrift 7], Berlin 2006, S.206.

46 Hroub, Khaled: Ein Sieger, mit dem keiner rechnete, S. 28; Schreer, Benjamin: Who’s next?, S. 57; Rühl, Lothar: Atomwaffen militärisch verhindern. Nicht nur für den Iran planen die USA die „Gegenproliferation“, in: Internationale Politik, Jg. 60, H. 3, 2006, S. 111; Funke, Hajo, Abdolvand, Behrooz und Adolf, Matthias: Nach dem Libanonkrieg ist vor dem Irankrieg?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 51, H. 10, 2006, S. 1211.

47 Cirincione, Joseph: Verhandeln, drohen, belohnen, S. 65; Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 14; Meier, Oliver: Das iranische Nuklearprogramm als Herausforderung für den Westen, in: Ehrhart, Hans Georg und Johannsen, Margret (Hrsg.): Herausforderung Mittelost: Übernimmt sich der Westen [Demokratie, Sicherheit, Frieden 176], Baden-Baden 2005, S. 234.

48 S. 16; Schreer, Benjamin: Who’s next?, S. 56; Brzoska, Michael und Neuneck, Götz: Verhandlungen und andere Optionen im Atomstreit mit dem Iran, in: Internationale Politik und Gesellschaft, Jg. 39 ,H. 4,2006, S. 13; Gärber, Andrä: Transatlantische Initiativen für den Nahen Osten - die Problemfälle Irak und Iran, in: Ehrhart, Hans Georg und Johannsen, Margret (Hrsg.): Herausforderung Mittelost: Übernimmt sich der Westen [Demokratie, Sicherheit, Frieden 176], Baden-Baden 2005, S. 224.

49 Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 8 ; Nirumand, Bahman: Iran. Die drohende Katastrophe, 1. Aufl., Köln 2006, S. 218.

50 Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, S. 15.

51 Meier, Oliver: Teheran - auf heimlichem Weg zur Bombe ?, S. 56;Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 15; Nirumand, Bahman: Iran, S. 10.

52 Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, S. 15.

53 Nirumand, Bahman: Iran, S. 25.

54 Gross Stein, Janice: Image, Identity and the resolution of violent conflict, in: Crocker, Chester; Hamson, Fen Osler und Hall, Pamela (Hrsg.): Turbulent Peace. The challenges of managing international conflict, Washington 2001, S. 196.

55 Müller, Harald: Amerika schlägt zurück. Die Weltordnung nach dem 11.September, Frankfurt am Main 2003, S.75.

56 Müller, Harald: Amerika schlägt zurück, S.75.

57 Gross Stein, Janice: Image, Identity and the resolution of violent conflict, S. 197 u. 199.

58 Hroub, Khaled: Ein Sieger, mit dem keiner rechnete, S. 30.

59 Reissner, Johannes: Europas Beziehungen zu Iran, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 9, 2004, S. 52.

60 Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 9 u. 29; Gärber, Andrä: Transatlantische Initiativen für den Nahen Osten, S. 225.

61 Delpech, Thérèse: L’Iran, S. 25.

62 Ebd., S. 26.

63 Schaffer, Brenda: The Islamic Republic of Iran: Is it really?, in: Ders.: The Limits of Culture. Islam and foreign policy, Cambridge 2006, S. 237.

64 Clawson, Patrick: Could sanctions work against Teheran?, S. 18.

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783869434537
ISBN (Buch)
9783656991045
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186814
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1.7
Schlagworte
verhandlungsstrategien iran fragen atomwaffenproliferation

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Titel: Verhandlungsstrategien gegenüber dem Iran in Fragen der Atomwaffenproliferation