Lade Inhalt...

Bedeutung und Potentiale von Waldflächen und Forstwirtschaft für ein Ländliches Regionalmanagement - am Beispiel des Landkreises Osterode am Harz

Masterarbeit 2010 168 Seiten

Forstwirtschaft / Forstwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Dank

1 Einleitung und Hintergrund

2 Naturraum Harz: Entwicklung, Faktoren und Bedeutung der Ressourcennutzung im Untersuchungsraum
2.1 Der Harz - Genese und klimatische Bedingungen
2.2 Anthropozentrische und ökologische Entwicklung Mitteleuropas und Deutschlands ..
2.2.1 Mitteleuropas Kulturlandschft und dessen menschliche Besiedlung
2.2.2 Mittelalter und Europas Revolutionen
2.2.3 Reichsgründung Deutschlands und Weltkriege
2.3 Menschliche Besiedlung und Ressourcennutzung des Westharzes
2.3.1 Montanindustrie und Gips in der Region um Osterode
2.3.2 Folgen von Bergbauindustrie und Verhüttung im Gebiet
2.3.3 Kulturhistorische Entstehung des Landkreises Osterode am Harz
2.3.4 Demografischer Trend des Landkreises
2.4 Naturraum und Standortbedingungen im Landkreis Osterode am Harz
2.4.1 Geografische Gliederung und ökonomische Bedingungen
2.4.2 Wirtschaftsstruktur des Landkreises Osterode am Harz im Vergleich zu anderen Landkreisen
2.5 Wirtschafts- und Standortfaktor Tourismus im Harz
2.5.1 Destination Harz
2.5.2 Tourismuskonzept "Masterplan Harz"

3 Stellenwert des Waldes für die Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Schutzgebietsma- nagement
3.1 Wald- und Forstgeschichte, Jagd und Tendenzen zur Forstwirtschaft
3.1.1 Historische Nutzung und Erschließung der mitteleuropäischen Wälder
3.1.2 Wissenschaftliche Ökonomisierung des Waldes
3.1.3 Deutschlands hölzernes Zeitalter
3.1.4 Revolution, Krisen und nachhaltige Tendenzen in der Forstwirtschaft
3.2 Nachhaltigkeit: der Blick über den Tellerrand
3.2.1 Globalressource Wald und nachhaltige Sichtweisen
3.2.2 Jagd in Deutschland
3.2.3 Gegenwärtige Funktionen und Netzwerk deutscher Wald
3.2.4 Europas nachhaltige Rohstoffe: Holz und Hirn
3.2.5 Andere Länder, andere Wälder?
3.3 Schutzgebietsmanagement und Nationalpark Harz
3.3.1 Naturlandschaften und Nationalpark Harz
3.3.2 Top-Prädatoren und Gefahren im deutschen Wald

4 Stichprobenartige Befragung von Schlüsselakteuren in der Region Osterode und dem Nationalpark Harz
4.1 Methodik und Vorgehensweise
4.2 Interpretation und Auswertung der Ergebnisse
4.2.1 Auswertung der Befragung
4.2.2 Zusammenfassung der Ergebnisse

5 Ländliche Regionalmanagements in Niedersachsen - Ziele, forstliche Potentiale und Handlungsempfehlungen für die Region
5.1 Europäische Strukturpolitik und niedersächsische ILE-Regionen
5.1.1 Niedersächsische Förderregionen
5.1.2 ILEK-Region Osterode am Harz (OHA)
5.2 Handlungsempfehlungen und Ziele für den Westharz
5.3 Was kommt nach der Nachhaltigkeit?

6 Zusammenfassung

7 Verzeichnisse
7.1 Abkürzungen
7.2 Abbildungen
7.3 Tabellen
7.4 Literatur und Quellen
7.5 Internet

Anhang

Vorwort und Dank

Mein fachlicher wie persönlicher Dank geht an Dr. Thomas Forche, Prof. Dr. Wolfgang Rohe, die befragten Schlüsselakteure des Landkreises Osterode am Harz und der Großschutzgebiete im Harz sowie an alle KollegInnen der Niedersächsischen Landgesellschaft - für die großartige Unterstützung während des Schreibens und die Vernetzung mit der Region. Des Weiteren danke ich allen Freunden, die mich bei meinen Aktivitäten unterstützt und mir stets mit Rat oder Tat zur Seite gestanden haben und weiterhin stehen werden.

Mein ganz besonderer Dank gilt meiner Lebenspartnerin Katharina Bormann, meiner Familie und den Bürgern Bessingens für mentale Unterstützungen in jeder Hinsicht und Situation, um mit folgendem Zitat in die Masterthesis einzuleiten:

"Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt."1

1 Einleitung und Hintergrund

Welche Potentiale haben der Wald, ländliche Räume und seine Akteure für die Zukunft? Wie ist die historische Beziehung zwischen Mensch und Wald in Mitteleuropa und Deutschland entstanden? Was ist eigentlich Wald und wem gehört der deutsche? Was steckt im Prinzip hinter der allgegenwärtigen Nachhaltigkeit und wer hat sie erfunden? Sind wir gar (regionale) Holzköpfe? Was geschieht über die deutschen Grenzen hinaus im Wald? Kann man viel- leicht von der Natur und einer ganz bestimmten Ameisenart etwas lernen? Fragen über Fra- gen, die in dieser Arbeit Antworten suchen, denn die Idee bzw. der Hintergrund zu dieser Masterthesis ist die nachhaltige Entwicklung waldreicher ländlicher Gebiete, die bisher in Deutschland bzw. Niedersachsen noch nicht aus forstlich-regionaler Sichtweise untersucht worden sind. Das Deuten von Sichtweisen ist dabei ein zentraler Aspekt bei der Umfrage an die Schlüsselakteure im beschriebenen Gebiet, das eine geschichtsträchtige, sich stets ent- wickelnde Naturregion und nördlichstes Mittelgebirge im geografischen Zentrum Deutsch- lands ist. Als Teilregion des Harzes wird in dieser Arbeit speziell der Landkreis Osterode am Harz mit seiner Bedeutung, Standortfaktoren, seinen möglichen Potentialen und Handlungs- empfehlungen zwischen der Forstwirtschaft, dem Wald und ländlichen Regionalmanage- ments eingegangen und zielführend hingewiesen.

Der Wald sowie ländlicher Raum werden seit den 1990er Jahren mit integrierten Förderan- sätzen und -strategien (Leader-Regionen, ILEK usw.) finanziell bezuschusst, allerdings oft nur punktuell und projektbezogen. Zeigt sich dies auch im niedersächsischen Landkreis Os- terode am Harz? Ist der ländliche Raum als Ganzes betrachtet mehr als Wald, mehr als Landwirtschaft, mehr als Umwelt und mehr als Dörfer im sich vollziehenden Strukturwandel? Wie ist die strukturelle und demografische Situation in peripheren Gebieten wie dem des Landreises Osterode am Harz? Worüber geben aktuelle Studien und Konzepte Auskunft? Es gilt hiermit neue Impulse und Empfehlungen, auch im Blick auf die nächste Förderperiode (2014 - 2020) speziell für Waldthemen, anzustoßen. Welche Rolle kann dabei das ländliche Regionalmanagement oder die Wirtschaftsförderung einnehmen, um akteursorientiert und das aufgezeigte Potential langfristig umzusetzen?

Diese Masterthesis begibt sich zu diesem Zeitpunkt aus historischer sowie heutiger Entwick- lung heraus auf (wissenschaftliches) Neuland. Das Gesamtziel ist es dabei, einen langfristi- gen Denkprozess anzustoßen und praxisorientiert zu etablieren. So soll die regionale Befra- gung von forstlich-naturwirtschaftlichen Schlüsselakteuren, die mit dem Wald zu tun haben deren Sicht auf den Wald bzw. den Nationalpark Harz mit seinen vielfältigen Funktionen, Aufgaben und Nutzungen aufzeigen. Gleichzeitig werden neben dem forstlichen Blick weite- re Sichtweisen von Entscheidungsträgern aus sozialen, behördlichen und gesellschaftlichen Bereichen des Landkreises Osterode am Harz ergänzt und verglichen, um schließlich mögli- che nachhaltige Netzwerkeffekte abzuleiten. Folgende Fragen sind bspw. durch die Akteure zu beantworten: Welche Bedeutung hat der Wald für sie beruflich und persönlich? Welches Innenimage oder Ansehen hat der Nationalpark Harz bei den Befragten? Wie bekannt sind die Regionalmanagements und wurden diese ländlichen Schlüsselpersonen in Prozesse oder Projekte mit einbezogen? Wie wird derzeit kooperiert bzw. wie ist das "Vernetzungsge- füge" der Befragten im Bezug zur Forstwirtschaft und andersherum? Welche Ideen haben die befragten Schlüsselakteure und wie könnte auch bspw. die Politik zukünftig einen noch stärkeren Beitrag zur integrierten ländlichen Entwicklung leisten? Es dürfen Gedanken ge- äußert werden, die man möglicherweise (noch) nicht ausspricht oder gar umsetzt.

Im Speziellen soll damit für den Landkreis bzw. die Region Osterode am Harz herausgear- beitet werden, wie sie sich möglicherweise aus naturwirtschaftlich-nachhaltiger Sicht heraus nachhaltig positionieren und entwickeln kann. Dazu sind folgende zwei Kernfragen zu stel- len: Ist es sinnvoll, sich als Region zu spezialisieren oder zu generalisieren? Welche inneren Potentiale hat der Landkreis zu bieten und wie kann man methodisch dieses Gebiet zu einer modernen wissensbasierten und dienstleistungsorientierten "Wohlfühlregion" entwickeln? Nach einer genauen Beschreibung des Untersuchungsraums sollen schließlich ganzheitliche Handlungsempfehlungen aus der Wald- und Gesellschaftshistorie, den Ergebnissen der Ak- teursbefragung, den Erkenntnissen aus Recherchen, aktuellen politischen und wissenschaft- lichen Diskussionen, der Nachhaltigkeit sowie eigenen Erfahrungen und Erlebnissen abgelei- tet werden, um praxisnahe und langfristige Impulse, Ideen und Handlungsanweisungen für diese Region (als Gesamtkonzept) anzustoßen. Gegenwärtiges wird daher bewusst in Frage gestellt, überdacht oder aber wissend bestätigt.

2 Naturraum Harz: Entwicklung, Faktoren und Bedeutung der Ressourcennutzung im Untersuchungsraum

Dieses Kapitel beschreibt den Untersuchungsraum als Ganzes: ökologisch, wirtschaftlich, sozial und historisch-kulturell. Dabei soll Ziel führend v. a. auf die Bedeutung der Forstwirt- schaft bzw. den menschlichen Einfluss auf den Harz und die Waldflächen der Teilregion des Landkreises Osterode am Harz eingegangen werden. War Forstwirtschaft für die Montanin- dustrie dienlich oder hat sie das Wirtschaftsleben selbst bestimmt? Wie ist die demografisch- historische Entwicklung und wie zeigt sich die touristische "Destination Harz" heute? Wie steht der Landkreis im strukturellen Vergleich zu anderen administrativen Kreisen dar?

Das Bewusstsein der geschichtlichen Kontinuität lässt die Menschen den inneren Zusammenhang allen Geschehens und des Wandels erkennen, dem alles Leben unterworfen ist. So kann es niemals einen Bruch mit der Vergangenheit geben, sondern sie zeigt uns vielmehr unsere geistigen wie physischen Wurzeln auf. Die Geschichte ist also unumkehrbar, nicht kopierbar und alle Versuche um Restauration, Konservierung und Dokumentation sind lediglich Bemühungen, einzelne Teile davon ungeschehen zu machen.2

Der Name "Harz" entstand höchstwahrscheinlich aus dem Begriff "hart", der für den früheren, mittelalterlichen Begriff eines geschlossenen Bergwaldes mit den Hartholz-Laubbaumarten wie Buche, Eiche, Ahorn, Ulme und Esche stand. Waldgeschichtlich gesehen spricht man seit ca. 8.000 v. Chr. von der Buchenzeit in Mitteleuropa, die klimatisch bedingt bis heute an- dauert, auch wenn die Fichte (noch) als sog. Brotbaum der Forstwirtschaft gilt.3 4 Andere Harz-Historiker gehen davon aus, dass er seinen Namen durch die Köhler bzw. die Montan- geschichte bekommen hat. Fichten nannte man »Dannen« oder »weyk« (Weich-/ Nadelholz) und die zunehmend daraus gewonnene Holzkohle wurde ebenfalls als »hart« bezeichnet (harte Kohle).5

Heute gibt es in der Harzregion neun Landkreise, die in den Bundesländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen.6

2.1 Der Harz - Genese und klimatische Bedingungen

Für die geologische Entwicklung des Harzes muss man weit in die Vergangenheit schauen, ca. 500 Mio. Jahre. Entstanden ist er als Teilstück der variskischen Geosynklinale, das sich ca. an der Wende des Unter-/Oberkarbons durch das gesamte westliche Europa auffaltete.7

8 Durch die tektonischen Bewegungen und klimatischen Veränderungen aus der Urzeit ent- standen aus geologischer Sicht 14 unterschiedliche Bereiche und Faltungen, sog. Geologi- sche Harzeinheiten, wobei der Harz aus Expertenerkenntnissen als Fortsetzung des Rheini- schen Schiefergebirges bzw. Teil der anderen Mittelgebirge gilt und in Ober-, Mittel- und Un- terharz eingeteilt wird. Es lagerten sich im Gebiet des heutigen Harzes durch saure und ba- sische Magmatite über unterschiedliche Zeitepochen entstehend mehrere tausend Meter mächtige tonige, sandige und kalkige Sedimente und Lössdecken ab. Darauf basierend sind auch die forstlichen Wuchsbezirke bzw. Standortstypen als unterer und mittlerer Harzrand (UH), montaner Mittel- und Oberharz (MH) sowie Hochharzlagen (HL) definiert worden. Das Wuchsgebiet als Ganzes ist der sog. Niedersächsische Harz, der die drei Wuchsbezirke ver- eint.9 10 11

In Mitteleuropa herrscht ein gemäßigtes humides Klima vor. Der Westen ist ozeanisch ge- prägt und nach Osten hin nimmt die (Sub-) Kontinentalität zu. Die Sommer überschreiten i. d. R. selten 30° C und auch die Winter unterschreiten - 20° C eher in Ausnahmefällen. Diesen Klimabedingungen zufolge wäre diese Erdregion ohne den Eingriff des Menschen auch heu- te noch fast lückenlos mit Laubgehölzen bewaldet, mit Ausnahme von Sonderstandorten wie Dünen, salzigen Marschen, Hochmooren, Felsen, Steinschutthalden und Lawinenbahnen in den Gebirgen sowie Hochgebirgslagen oberhalb der klimatischen Baumgrenze. Würde der Mensch plötzlich verschwinden, würden sich alle anderen, kulturgeschichtlich erschaffenen Standorte bzw. Gebiete sukzessiv, entsprechend der natürlichen Abfolge der Waldgesell- schaften wiederbewalden. Generell wird daher in zonale (normale), azonale (übermäßige Nässe oder Trockenheit) und extrazonale (Sonderstandort) Vegetationsgesellschaften oder Habitate unterschieden. 12 13 14

Das Mittelgebirge Harz ist ein Südost-nordwestlich gestrecktes Massiv mit landschaftlich markantem Nordrand und weniger auffälligem Südrand. Er ist etwa 90 km lang, 30 km breit (rd. 270.000 ha) und steigt an seinem Nordrand steil aus dem jüngeren mesozoischen Deck- gebirge auf.15 Er liegt im Zentrum Deutschlands zwischen Göttingen und Nordhausen im Süden sowie Hannover und Braunschweig im Norden und Magdeburg im Osten. Die 500 - 600 m über NN gelegenen Hochflächen des Ober- und Mittelharzes werden von dem ca. 1.100 m hohen Brockengebiet überragt. Der Brocken ist mit 1.141 m über NN der höchste Punkt im Harz und liegt im Bundesland Sachsen-Anhalt. Dieser wird nach einer alten Sage auch Blocksberg genannt und ist "Tanzplatz der Hexen zur Walpurgisnacht".16 Zum Südund Ostharz fallen die Hochflächen langsam ab. Besonders der Nordostrand des Harzes ist durch austretende Flusstäler stark zerschnitten. Es treten die elf Hauptflüsse (und viele Bäche) vom Harzgebirge in das Vorland aus: Innerste, Grane, Gose, Oker, Oder, Söse, Selke, Radau, Ecker, Holtemme und Bode.17 18 19

Im späten Tertiär (Erdneuzeit) erfolgte eine erneute Heraushebung des Harzes um mehrere hundert Meter und es entstand endgültig das heutige Mittelgebirge Harz wie die folgende Abb. 1 verdeutlicht:20 21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Geologische Einteilung des Harzes22

Im nördlichen und südlichen Harzvorland fällt meteorologisch bzw. klimatisch gesehen eine relativ geringe Niederschlagsmenge von etwa 500 - 600 mm pro J. (zwischen Braunschweig, Einbeck, Magdeburg und Erfurt). Der deutsche Mittelwert beträgt 800 mm pro J. (zum Ver- gleich). Um die nordwestlichen Harzorte wie Goslar oder Bad Harzburg fallen jährlich um die 800 mm, bei den südwestlichen Städten (Seesen, Osterode, Herzberg) um die 850 mm Nie- derschlag. Östlich der Acker-Bruchberg-Brocken-Linie verringert sich die Niederschlagsmen- ge sowohl im Norden wie ebenfalls im Süden deutlich: um die 550 mm im Norden (Wernige- rode, Gernrode, Blankenburg) und 620 mm (Nordhausen) bis 500 mm (Sangerhausen). In den ca. 350 m hoch gelegenen Talorten, wie bspw. Bad Grund oder Bad Lauterberg, steigt die Jahresniederschlagssumme auf Werte zwischen 900 - 1000 mm. Auf der Clausthaler Hochfläche mit Altenau und Hahnenklee fallen jährlich ca. 1200 mm Regen bzw. Schnee. Die gleiche Menge findet sich auch östlich der Acker-Bruchberg-Brocken-Linie in den hoch gelegenen Orten wie Braunlage und Schierke. Eine der Ursachen für die besonders hohen Niederschläge im Westharz sind Staueffekte, durch die sich die feuchten Westwinde an der Westflanke des Gebirges abregnen. Auf dem Brocken werden rd. 1800 mm jährlich gemes- sen. Je weiter man nach Osten in den Unterharz kommt und damit auch an Höhe verliert, verringert sich die Jahresmenge - bis in den Raum um Harzgerode - wo um die 600 mm ge- messen werden.23 Im Allgemeinen ist der Harz ein regenreiches Mittelgebirge.

Die Temperaturen im nördlichen Harzvorland liegen bei Durchschnittswerten von einheitlich 8,8° C. Im südlichen Harzvorland gibt es ein leichtes West-Ost-Gefälle: 8,8° C in Einbeck, 8,7° C in Göttingen, 8,3° C in Duderstadt und 7,9° C in Erfurt. Der deutsche Jahresmittelwert liegt bei 8,1° C. Die Temperatur auf dem Brocken beträgt im Mittel 2,9° C pro Jahr und stellt damit den kältesten Ort im Harzgebirge dar.24 Es entstand im Mittelgebirge Harz über Jahr- millionen ein vielfältiges Natursystem. Im Folgenden wird der Fokus auf die Waldgesellschaf- ten in dieser Region gelegt. Die ökologischen und realen Höhenstufen und Vegetationsein- heiten des Harzes und seines Vorlands im engeren Sinne reichen von kollin bis hochmontan; dies mit zonalen, a- und extrazonalen Standorten wie die Tabelle verdeutlichen soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Höhenstufung des Harzes und Waldgesellschaften25 26 27 28

Das Mittelgebirge als Ganzes ist für den früheren Bergbau, Industrien, forstliche Standortskunde und das heutige Landschaftsbild von wesentlicher Bedeutung und Prägung, eben v. a. durch seine Mikro- und Markoklimas sowie natürlich entstandenen Gegebenheiten und Nutzungen. Nun wendet sich die Aufmerksamkeit einmal der menschlichen Entwicklung Europas und deren Einfluss auf die Landschaft zu.

2.2 Anthropozentrische und ökologische Entwicklung Mitteleuropas und Deutschlands

Definition Pflanzengesellschaft: Eine Pflanzengesellschaft ist ein standortabhängiges Spektrum von Pflanzenarten, das durch Abhängigkeit, Konkurrenz und mutualistischen Beziehungen aus einem historisch gewachsenen Pool von Arten entstanden ist.29

Der Begriff von Ökosystemen ist keine "neue Erfindung" des Naturschutzes, sondern hat seinen Ursprung bereits im alten Griechenland gefunden: »oikos« bedeutet soviel wie Haus und »systema«, das Verbundene oder Beziehung. Ein verbundenes Haus oder Häusernetz- werk könnte man heute sagen, wobei ein "Haus" wiederum selbst sehr viele Ökosysteme und -nischen beinhaltet. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Begriff durch Ernst Haeckel geprägt und in die biologische Wissenschaft eingeführt. Hierbei geht es um Wechselwirkun- gen und vernetzte Beziehungen zwischen Lebensraum und Lebewesen. Global spricht man von der sog. Öko- oder Biosphere.30 31

Die Worte Umwelt, Naturraum oder auch Habitat beschreiben die Summe aller biotischen (lebenden) wie abiotischen (nichtlebenden) Faktoren, d. h. sowohl Flora, Fauna, als auch Boden, Wasser, Licht, Gase sowie Temperatur und alle damit verbundenen Wechselwirkungen und Eigenschaften - auch mit dem Menschen.32

Jeder pflanzliche und tierische Organismus hat seine eigene sog. Standortsamplitude33, wo er oder sie am Besten wächst und sich fortpflanzt. Diese schwankt je nach Bewegungs-, An- passungs- und Vermehrungsfähigkeit (Dispersion, Mutation, Vagilität) sowie den vorhande- nen Medien Boden, Wasser, Luft, Licht und Temperatur. Ebenfalls spricht man von Kon- stanz, Elastizität oder Resistenz von Organismen. Grundsätzlich wird in der Biologie zwi- schen Spezialisten und Generalisten unterschieden, die sich parallel, mit oder ohne mensch- liches Zutun entwickeln, sich beeinflussen und wieder (aus-) sterben.34 35 36

Nach der letzten Eiszeit, die rd. 1,6 Mio. Jahre andauerte und ca. 8.000 v. Chr. endete, sah Mitteleuropa nicht nur geografisch anders aus, sondern auch pflanzengesellschaftlich. Danach gab es mehrere postglaziale Epochen, welche z. T. die Namen durch die vorherrschenden Baumarten bekommen haben, die sog.:37
- Kiefern-Birken-Zeit (8.000 - 6.600 v. Chr.)
- Mittlere Steinzeit (seit 6.000 v. Chr.)
- Hasel-Kiefern(Eichen-)zeit (ab 5.400 v. Chr.)
- Bronze- und Eisenzeit (ab 2.200 v. Chr.)

Ab 8.000 v. Chr. begann ebenfalls die sog. Buchenzeit, wobei die Rotbuche (Fagus sylvati- ca) nach bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa drei bis vier km pro Jahr biolo- gisch vordrang und es somit Jahrtausende andauerte, bis sie ihre natürlichen Standorte be- siedeln konnte. Eine Buche wird bis zu 400 Jahre alt und ist eine sog. Klimaxbaumart.38 Aus pflanzengeografischer Sicht gehört Mitteleuropa zum Florenreich "Holarktis", das Nordameri- ka, Europa und einen Großteil Asiens umfasst. Im Gegensatz zu Nordamerika und Ostasien ist Europa jedoch verhältnismäßig artenarm, was sich auf die letzten Eiszeiten zurückführen lässt. In Europa konnten sich aufgrund der geografischen Bedingungen (Alpen und Mittel- meer als Barrieren) nur bedingt Baumarten ausbreiten, so dass viele Arten ausstarben, die bspw. in Nordamerika überlebten (z. B. Douglasien - im Tertiär noch in Europa heimisch). Ebenfalls ist die Anzahl endemischer Arten aus diesem Grund in Europa relativ gering, da sie kaum wanderungsfähig sind. Im Gegensatz zu der Baumartenanzahl entspricht die ge- samte Artenanzahl der Gefäßpflanzen in Mitteleuropa in etwa der Nordamerikas. Die Baum- arten nehmen 1,8 % dieser Gesamtanzahl ein, während die krautigen Pflanzen etwa 80 % der Floraarten stellen. Die nichtverholzenden Pflanzen konnten die Eiszeiten aufgrund ihrer geringeren Lebensraumansprüche besser überstehen. Während der letzten Eiszeit war Mit- teleuropa ganz waldfrei.39 Damit mussten alle Baumarten aus ihren Refugien wieder ein- wandern und die Waldgesellschaften mussten sich ebenfalls neu bilden. Wie man aus pol- lenanalytischen Untersuchungen derzeit weiß, wanderte die heute fast konkurrenzlos herr- schende Buche mit als letzte (Schatt-) Baumart wieder ein. Im Norden Mitteleuropas ist sie erst seit ca. 3 000 - 4 000 Jahren bzw. 30 - 60 Baumgenerationen wieder bestandesbildend anzufinden.40 41 42

Artenreichtum, Diversität, Stabilität und ökologisches Gleichgewicht werden oft schlagwortar- tig verwendet und darum sollen sie einmal differenziert betrachtet werden: im Allgemeinen ist eine strukturell stark gegliederte Phtozönose43 i. d. R. auch reich an unterschiedlichsten Pflanzenarten. Nach Thienemann (1956) wurde das "erste biozönotische Grundprinzip" for- muliert, was Folgendes besagt: "Je variabler die Lebensbedingungen einer Lebensstätte, um so größer die Artenzahl der dazugehörigen Lebensgemeinschaft". Diversität bedeutet Vielfalt (nach Whittaker 1975). Oft wird sie gemeinsam mit dem Begriff der sog. ökologischen Nische genannt oder zwischen Artenzahlen mit dem Bezug zur Fläche verwendet. Biodiversität ist die Vielfalt an sich, plus der Wechselbeziehungen und Funktionen unterschiedlichster Orga- nismen in ihrem "System" mit-, gegen- und untereinander. Das sog. ökologische Gleichge- wicht (nach Gigon 1983) ist nach heutigen Erkenntnissen somit ein mehr oder weniger "stabiles Ungleichgewicht" (nach Reichholf 2008).44

Neben der Flora, den Produzenten in der Nahrungskette, bestehen parallel die Tier- und Zersetzergesellschaften als Konsumenten und Destruenten, die das lebende Ökosystem45 vervollständigen. Primärkonsumenten an Land sind bspw. Insekten, die von bestimmten Se- kundärkonsumenten wie z. B. Singvögeln gefressen werden. Endkonsumenten stehen am Ende des Kreislaufs (sog. Prädatoren wie Mensch, Bär, Greifvogel etc.), die nach dem Tode wiederum von den Zersetzern (Destruenten) mineralisiert werden. Man unterscheidet bei Pflanzenverzehrern46 allgemein in Phytophage (pflanzenkonsumierende Kleinlebewesen) und Herbivore (große Pflanzenfresser, z. B. Rot- oder Rehwild). Carnivore (Fleischfresser, wie Wölfe, Katzen usw.), Nekrophage (Aasfresser: Geier, Fliegenlarven etc.) sowie Omnivo- re (Allesfresser, z. B. Wildschweine, Bären etc.) komplettieren das lebende System. So schließt sich ein immer währender dynamischer Kreislauf des Ökosystems, der den abioti- schen Faktoren unterliegt. Er wird auch als Nahrungspyramide bezeichnet.47 48

2.2.1 Mitteleuropas Kulturlandschft und dessen menschliche Besiedlung

Mitteleuropa in der heutigen Ausprägung ist eine Kulturlandschaft, die durch das jahrtausen- delange Handeln des Menschen ihre heutige Oberfläche und Infrastruktur erlangt hat. Voll- kommen unberührte Flecken Natur sind nirgendwo mehr zu finden. Mit dieser Umgestaltung der Landschaft haben sich auch die Standortfaktoren Boden und Mikroklima geändert, so dass heute eine Wiederherstellung der ehemaligen mosaikhaften Urlandschaft, die vor der Besiedlung durch den Menschen bestand, im Grunde nicht mehr möglich ist. Die ersten an- passungsfähigen Siedler in Mitteleuropa waren Jäger und Nomaden, die den sich nordwärts zurückziehenden Eismassen folgten. Starke Einflüsse durch den Menschen gab es aber erst gegen Ende der mittleren Steinzeit49 als dieser zunehmend sesshaft wurde und das Land dichter besiedelte. Gleichzeitig entstand damit zunächst speziell auf Lössgebieten eine Art kleinbäuerliche Wirtschaftsweise durch Ackerbau sowie Viehzucht mit Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Ab 2.000 v. Chr. betrieb man dies mit Pferden und die Jagd verfeinerte sich ebenfalls. In die damaligen Urwälder wurde v. a. durch Brandrodung oder Waldweide (sog. Hutewald) eingegriffen. Hier entstanden zugleich erste Anfänge einer Art Forst- Landwirtschaft im heutigen Sinne: auf den abgebrannten Eichenwäldern befanden sich gute Ackerböden, die insgesamt zwei bis drei ergiebige Ernten mit Wildgetreide erbrachten, spä- ter als Weideland genutzt und danach wieder der natürlichen Sukzession überlassen wur- den. Dies war ein Jahrhunderte langer extensiver Prozess, der sog. Mosaikzyklus50. Durch das menschliche Einwirken veränderten sich nicht nur die Böden, sondern die gesamte "Ur- landschaft" Mitteleuropas (nach Ellenberg 1996) inkl. des heutigen Deutschlands. In den dicht besetzten Altsiedellandschaften Mitteleuropas mag nach historischen Erkenntnissen bereits um Christi Geburt kein Waldstück mehr mensch- und viehlos gewesen sein.51 52

Allerdings gibt es durchaus geteilte Meinungen zur sog. Megaherbivorentheorie (nach Beutler 1996), die fragt, ob und wenn ja wieviel Einfluss die pflanzenfressenden Großsäuger wie Wildpferd, Auerochse, Wisent, Rotwild und Co. auf die natürliche Waldvegetation hatten. Doch Eines ist dabei gewiss: sie alle zusammen hatten nicht annähernd den Einfluss wie der agierende Mensch.53 Historisch leitet sich "Wald" im Übrigen vom urgermanischen »waltus/ walpus« ab, was soviel wie Wildnis/ wild oder ursprünglich bedeutet.54

Während des Mittelalters sind verschiedene größere Rodungsperioden bekannt, die mit der geografischen Ausbreitung der Siedler und Nomaden direkt zusammenhängen:55

- Erste Rodungsperiode etwa zwischen 500 und 800 n. Chr.
- Zweite Rodungsperiode von 800 bis 1300 n. Chr.

Dies geschah trotz der aus heutiger Sicht extrem dünnen Besiedlung von etwa 2,3 Men- schen pro km² auf dem Gebiet der jetzigen BRD.56 Die Urmenschen stammen aus einer Umwelt-Ich-Wir-Einheit mit mystischen Kräften, Erlebnissen und Ritualen ab. Die deutsche Kultur im moderneren Sinne, stammt nach den historischen Überlieferungen von einem ma- terialistisch-mechanistischen (wissenschaftlichen) in Kombination mit einem monotheisti- schen Weltbild (nach Christianisierung) ab. Dabei Ist der Mensch Pendler zwischen der Welt des Konkreten, Besonderen, der Materie und der Welt des Allgemeinen, Universellen und Allumfassenden.57

Die germanische Völkerbewegung vollzog sich als langsames Vorwärtsschreiten in das rö- mische Kolonialland. Damals gab es bereits Ballungen (Siedlungen) und die restliche Ur- landschaft. Die Alemannen, deren nördlicher Bereich von den Franken erobert wurde, muss- ten sich von Oberschwaben bis in die Schweiz niederlassen und dabei ebenfalls Wälder ro- den. Als siedlungsfördernd galten seit jeher die mit Löss bedeckten Börden und Ebenen, wie sie auch heute noch in Tälern und Platten von Hügel- oder Mittelgebirgslandschaften vor- kommen (bspw. Rhein-Main-Gebiet, Mosel, Lahn, Neckar, unteres Weserbergland, Magde- burg, Ostwestfalen etc.). Man nimmt an, dass die Frühformen nordwestdeutscher Dörfer höchstwahrscheinlich aus einem oder wenigen kleinen Höfen, umgeben von einem entspre- chenden Ring von Gärten, Äckern, Wald und Weideland bestanden. Bäuerliche Urproduktion war die Grundlage allen Tuns. Zusammenschlüsse zu größeren Dorfeinheiten, Burgen etc. erfolgten i. d. R. aus Gründen des Schutzes vor Überfällen und Wüstungsprozessen wäh- rend des gesamten Mittelaltertums. Der römische Geschichtenschreiber Tacitus bspw. be- schrieb die Germanen als unruhig und sehr naturverbunden (im jagdlich-mystischen Sinne). Aus römischer Sicht wurde überliefert, dass die fürchterlichen Wälder und das sog. angefüll- te Land von hässlichen Morästen sowie riesigen Eichen und Buchen bedeckt gewesen sei. Im späten Mittelalter (15. - 16. JH) entstand daher erst das "Dorf" im eigentlichen Sinne, was historisch betrachtet eine Erfolgsgeschichte wurde. So wuchsen Dörfer zu Städten und auch die germanisch-keltischen Menschen brauchten neben den Römern mehr Lebensraum.58

Erste schriftliche Erwähnungen finden keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern in der Zeit um 500 v. Chr. Das heutige Süddeutschland war damals keltisch, das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die von den Germanen als sog. Wen- den bezeichnete Ethnie, die in der Antike als eigenständige Volksgruppe östlich der Germa- nen siedelte, ließ sich nach der Völkerwanderung in Norddeutschland nieder.

2.2.2 Mittelalter und Europas Revolutionen

Deutschland war die längste Zeit seiner Geschichte kein einheitlicher Staat, sondern ein lo- ser Verbund vieler kleiner Fürstentümer im Rahmen des "Heiligen Römischen Reiches Deut- scher Nation" und der damaligen Christianisierung.59 Es war ein langer Weg bis zur Grün- dung des Deutschen Reiches im Jahre 1871. Der Begriff "deutsch" (»thiod«) ist dabei erst im 8. - 9. Jahrhundert n. Chr. aufgekommen; König Konrad I. (911 n. Chr.) war bspw. maßgeb- lich daran beteiligt. Er bezog sich auf die Sprache, die im östlichen Teil des Frankenreiches gesprochen wurde und bedeutete soviel wie "so wie das Volk spricht" (nach Societäts- Verlag). Diese stand im Gegensatz zu der Gelehrtensprache Latein, die stark durch die Su- permacht Rom geprägt war. Die Dynastien der Salier, Erbauer des Doms zu Speyer und Staufer, prägten danach die Geschichte Europas im 11. und 12. Jahrhundert. Die Berührung und Überlagerung von deutschen und slawischen Bevölkerungsethnien hatte bis zum Zwei- ten Weltkrieg Bestand. Auch die heutigen deutschen Nach- oder Familiennamen entwickel- ten sich z. B. im Mittelalter, besonders durch die Berufsstände und personell-individuelle Ei- genschaften der Menschen.60 61 62 63

Über die Jahrhunderte galt Deutschland als sog. verspätete Nation.64 Während die Grafen, Herren und Ritter allmählich an Bedeutung im Mittelalter verloren, wuchs die wirtschaftliche Macht der Städte und der Bürgerschaft. So wurde die sog. Hanse als Zusammenschluss der Bünde im 14. Jahrhundert zur führenden Macht, v. a. im Ostseeraum. Textilindustrie und Bergbau wurden neben den Handwerkszünften neue Wirtschaftsformen in Deutschland. Wie beim wachsenden Fernhandel trug ebenfalls die Wirtschaft "frühkapitalistische Züge" und es entwickelten sich verschiedenste Hof-, Flur- und Geländenamen durch die Nutzung des Waldes; Beispiele sind: Schorfheide, Feldberg, First, Hunsrück, Münden, Kirchberg usw.. Zwischen 1500 und 1550 n. Chr. stieg die Bevölkerung im deutschen Raum von ca. 9 auf rd. 12,5 Mio. Menschen an.65 66 67

Geprägt von Renaissance und Humanismus erwachte ein kritischer Geist in Deutschland, der sich v. a. gegen kirchliche Missstände richtete: Martin Luther. Seine Reformation und die 95 Thesen wurden publik.68 Das gesamte soziale Gefüge Deutschlands bewegte sich und kam schließlich im Bauernkrieg 1525 revolutionär zum Ausdruck. Das blutige Niederschla- gen durch den herrschenden Adel war die Folge. Es setzte die Glaubensspaltung ein - ein großer geistlicher Strukturwandel im historischen Kontext. Dieser mündete in den Dreißigjäh- rigen Krieg (1618 - 1648), der seine brutale Spur durch ganz Europa zog und bei dem ca. 50 % der Menschen Mitteleuropas starben. Wüstungen von ganzen Dörfern waren die Folge. In manchen deutschen Orten im ländlichen Gebiet waren von einst 300 nur noch 25 Personen übrig geblieben und so wird verständlich, warum Äcker "für einen Butterweck" oder Häuser "für zwei Laib Brot" (nach Stinglwagner) weggegeben wurden. In den Mittelgebirgen waren die menschlichen Verluste per Überlieferungen wohl geringer, die sich dann nach Not und Elend wieder in die Täler und Niederungen ausbreiteten.69 70 Während der Regierungszeit Friedrichs II. "der Große" stieg Preußen zur europäischen Großmacht auf. Seine Herrschaft gilt als bezeichnend für das Zeitalter des sog. aufgeklärten Absolutismus der Jahre 1740 bis 1786. 1848/49 begann die Märzrevolution oder "Deutsche Revolution" im Großherzogtum Baden. In kurzer Zeit griff sie auch auf die übrigen Staaten des damaligen Deutschen Bun- des über. Die Bevölkerungszahl stieg zwischen 1650 und 1800 stetig an: von ca. 10 Mio. auf über 22 Mio. Ende des 18. Jahrhunderts.71 72

2.2.3 Reichsgründung Deutschlands und Weltkriege

Die Etappen auf dem Weg zur deutschen Einheit folgten: Siege durch Preußens Kriege zwi- schen 1864 bis 1866 und schließlich die Gründung des Norddeutschen Bundes mit 17 Klein- staaten durch Otto von Bismarck als sog. Eiserner Kanzler im Jahr 1867. Am 18. Januar 1871 fand die (zweite) Deutsche Reichsgründung als konstitutionelle Monarchie statt, die sich aus süddeutschen Staaten und dem Norddeutschen Bund zusammenschlossen. Bis- marcks positivste Leistung war die Erfindung der Sozialgesetzgebung (1878 - 1890). Es kam trotz regionaler, innerdeutscher Konflikte zum Wirtschaftsaufschwung: den sog. Gründerjah- ren.73

Danach folgten wieder instabile Jahre: der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) bei dem fast 15 Mio. Danach entstand die Weimarer Republik (1918/19 - 1932), die als Zeitepoche zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg liegt. 1929 brach die Weltwirtschaftskrise aus und 1932 wurde bei den Reichstagswahlen die NSDAP stärkste Kraft. Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ermächtigt und es begann die NS-Diktatur. So folgten wieder dun- kelste Jahre für Deutschland und das sog. Dritte Reich, was im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) endete. Dieser beispiellose Krieg forderte ca. 60 Mio. Opfer weltweit.74

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Deutschland in Besatzungszonen durch die Alli- ierten aufgeteilt und später zusätzlich visuell und politisch in Ost-West-Richtung durch die Berliner Mauer geteilt (1961). Ostdeutschland bzw. die ehemalige DDR wurde kommunis- tisch, unter sowjetischer Ideologie planmäßig geführt und der Westen wurde zur Bundesre- publik (BRD) im Jahr 1949, westlich demokratisiert und stieg ökonomisch bedeutungsvoll auf.75 Nach politischer Stabilität im Westen und Reformresistenz im Osten Deutschlands folgte 1989 der europaweit historische Mauerfall. Seitdem ist Deutschland föderal vereint. Die Staatsform ist eine parlamentarische Demokratie mit 16 Bundesländern.76 Auch der Harz wurde damit als ehemalige Grenzregion von drei Bundesländern wiedervereint. Ebenfalls musste Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erhebliche Reparations- und Kalamitäts- zahlungen leisten - so u. a. in Form der Ressource Holz, worauf später genauer eingegan- gen wird.77

An diese Kenntnisse und den historisch-kulturellen Abriss Deutschlands, schließt sich die Entwicklung des Gebiets an, welches im Fokus dieser Arbeit steht: die westharzer Region und der Landkreis Osterode am Harz.

2.3 Menschliche Besiedlung und Ressourcennutzung des Westhar- zes

Die über Jahrmillionen entstandenen natürlichen Systeme, die wir Menschen u. a. versuchen wissenschaftlich zu analysieren und zu verstehen. Sie sind nicht nur faszinierend sondern auch für uns Menschen die einzige Lebensgrundlage, die wir besitzen. Dabei spielt der Wandel - sei er klimatisch oder strukturell - seit jeher eine sehr große Rolle. Nun soll einmal die Region, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, aus ganzheitlicher Perspektive und im Hin- blick auf die Wechselwirkungen zwischen Mensch und (Harz-) Natur näher beleuchtet wer- den.

Definition Region: Alte Grenzlinien verlieren ihre Bedeutung und neue Zusammenhänge oder -schlüsse entstehen. Prägend ist ein starkes "Wir-Gefühl" eines geografisch-kulturellen (Lebens-) Raumes mit seinen handelnden Akteuren und Eigenheiten.78

Bereits in der Bronzezeit beherrschten die sog. Glockenbecherleute die Kunst des Metall- handwerks und brachten dieses sukzessiv nach Europa.79 Ab dieser Zeit gab es bereits in den östlichen Alpen und südlich von Salzburg bedeutende Kupferbergwerke und -hütten. Eine planmäßige Erschließung und Nutzung der deutschen Landschaft und deren Gebirge begann im Mittelalter um das 14. Jahrhundert, da v. a. die Mittelgebirge erzreiche Regionen sind. Die Himmelsscheibe von Nebra wurde jedoch auf die Zeit um 1600 v. Chr. wissen- schaftlich datiert und dies würde bedeuten, dass Deutschlands geografischer Mittelpunkt bereits in dieser Zeitepoche eine hoch entwickelte Metallkultur besaß. Montanarchäologen haben in den letzten zwei Jahrzehnten eine ständig wachsende Zahl von Hinweisen und Be- legen dafür gefunden, dass in der Bronzezeit Kupfer aus dem Rammelsberger Erz in Goslar gewonnen wurde; d. h. mindestens 2.000 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung die- ses heutigen UNESCO-Kulturerbes. Viele Funde von Werkzeugen und alten Siedlungen be- legen darüber hinaus, dass in vorgeschichtlicher (Bronze-) Zeit die Menschen sogar im In- nern des Harzes sowie im Oberharz gelebt haben sollen. Die frühesten Aktivitäten zur Ver- arbeitung von Eisenerz stellte man in Düna, einem Ort am südlichen Harzrand im heutigen Landkreis Osterode um 350 v. Chr. - 300 n. Chr., fest. So sind alte Thesen über den "unbe- wohnbaren Harzer Urwald" (nach Kortzfleisch) inzwischen mehrfach widerlegt und beweisen, dass sich der Mensch im Harz, bereits weit vor dem Mittelalter seine Ressourcen zu Nutze machte. So entstand auch der lateinisch hergeleitete Name »sivani« bereits ums 12. Jahr- hundert, der soviel wie "Waldleute" bedeutet. Sie waren für die Holzbeschaffung und Rodung zuständig, die in einer Art Genossenschaft organisiert wurde. Die »montani« hingegen hatten mit der Nutzung des Rohstoffs Holz zu tun: Verkohlung, Verhüttung und Abbau der Erze.80 Ein Erz ist im Übrigen ein Gestein, das Metalle enthält. Metalle kommen in der Natur immer in reiner Form vor.81

Zu dieser Zeitepoche entwickelte sich Bergbau und Hüttenwesen rasant, da die Gier nach (Edel-) Metallen wuchs. Im Speziellen waren es die geistlichen Zisterzienserorden, die ab dem 12. Jahrhundert beginnend in Walkenried christlich-missionarisch das Montanwesen als europäische Wirtschaftsmacht erster Ordnung zukunftsweisend und strukturell begonnen. Die Klöster waren das, was man heute als "Global Player" bezeichnen würde. Sie hatten zu der Zeit allein in den Rammelsberger Gruben bereits 25 % der Anteile für sich und viele noch heute bestehende Orte bekamen ihre Namen durch das Wirken der geistlichen Einrichtun- gen, z. B. Bischofstal, Klosterstieg, Möncheberg oder Mönchsklippen etc.. Dem verdanken u. a. auch die sieben Oberharzer Bergstädte Clausthal und Zellerfeld, Bad Grund, Sankt And- reasberg, Lautenthal, Altenau und Wildemann ab dem 16. Jahrhundert ihre ökonomische Blüte. Parallel dazu siedelten sich auch weltliche Kaiser und Fürsten im Harz an, die am Ressourcenreichtum dieses Mittelgebirges teilhaben wollten und wodurch relativ komplizierte Nutzungsrechte entstanden (Kaiserliche Bannforste, Lehnwesen etc.). Die Bergstädte profi- tierten zu dieser Zeit sogar von einer Ansiedlung von fachkundigen Bergleuten aus dem Erz- gebirge, auf die die heute fast ausgestorbene oberharzer Mundart zurückgeht. Weitere rd. 30 Ortschaften im Harzinnern sowie zahlreiche Randorte am Gebirgsfuß lebten wirtschaftlich auf; allen voran die ehemalige Reichsstadt Goslar im Norden, dessen Glanz und Ruhm pri- mär von den Erzvorkommen des Rammelsbergs abhing. Die Berg- und Waldleute schufen so auch das berühmte technische System der Oberharzer Wasserwirtschaft, das sog. Ober- harzer Wasserregal. Von diesem Relikt werden noch heute 70 km Wassergräben und 68 Stauteiche mit 8 Mio. m³ Inhalt genutzt. Ohne deren Energieleistung hätte der Silberbergbau niemals seine hohe wirtschaftliche Struktur erlangen können. Auch Glas war zu dieser Zeit ein begehrter Rohstoff der Herrschenden.82 83 84

Der Bergbau und das Hüttenwesen bestimmten prägend das Harzer Wirtschaftsleben und Landschaftsbild. Wald und Holz diente der Montanindustrie als Primärrohstoff, vor Nutzung des Sprengstoffs und Öls. Die Tabelle 2 gibt eine Übersicht der wichtigsten zeitlichen Abschnitte in der Harzregion bis in die Gegenwart wieder:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Landschaftliche Wandlung im Harz von der ersten Besiedlung des Gebirges bis zur Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung des Bergbaus85 86

Die um 1750 beginnende sog. geregelte Forstwirtschaft brachte v .a. die Gemeine Fichte (Picea abies) in die unteren Lagen des Harzes, da sie dort für die Gewinnung von Erzen (Verhüttung) und den Ausbau von Bergwerken benötigt wurde. Johann Georg von Langen (1699 - 1776) war einer der wichtigsten Akteure unter den sog. holzgerechten Jägern, worauf in Kapitel 3.1 näher eingegangen wird. Vorteile ergaben sich, da die Fichte v. a. schnell wachsendes und stabiles Holz besitzt und man sie ganzjährig schlagen kann. Zwar ist die vorherrschende Rotbuche (Fagus sylvatica) hervorragend zur Verhüttung und -brennung durch ihren sehr guten Heizwert geeignet, allerdings auf Grund ihrer Holzstruktur nicht als Bauholz. So gewann die Gemeine Fichte stetig an Fläche, weil sie multifunktional und praxis- tauglich war und noch immer ist. Die natürlichen Rotbuchenwälder verloren allein zwischen 1700 und 1900 etwa 30 % ihrer Fläche und es traten menschlich erzeugte Fichtenmonokul- turen an deren Stelle, die man über lange Zeiträume im Kahlschlagsbetrieb des Schlagwei- sen Hochwaldes, nutzte. Januar und Februar waren dabei die sog. (Bau-) Holzmonate, um Fichten zu schlagen, damit das Holz keinen Schaden durch die Verkohlung nahm. Der Zusammenhang zwischen Metallen, Wald und Holz war bis weit in das 19. Jahrhundert sehr eng miteinander verbunden.87 88 89 90

Die Abbildung 2 zeigt diese waldbaulichen Eingriffe von der 2. Bergbauperiode im Mittelalter, im Vergleich zur Verteilung der Waldgesellschaften im Jahr 1990. Dies gilt für den westlichen Teil des Harzes, was administrativ heute die Landkreise Goslar und Osterode am Harz sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Zunahme der Fichtenmonokulturen und Abnahme der Buchenwälder im Westharz zwischen 1500 und 199091

Bis in die 90er Jahre waren der Harz und sein Umland zum Großteil mit Fichtenbeständen bedeckt. Übernutzung und sogar erste Versuche zur "Verkohlung von Torf" (nach Schmidt 1958) bei dem Ort Torfhaus wurden im Jahr 1571, im Auftrage des Herzog Julius von Braun- schweig-Wolfenbüttel, erstmals veranlasst. Allerdings rieten Berater des Herzogs, aufgrund ökonomischer Erwägungen (Löhne, Transportkosten) von der Nutzung des Torfs am Bro- ckengebiet ab. Die Fläche der baumfreien Hochmoore um den Brocken betrug im 16. Jahr- hundert, nach den Überlieferungen von Schott, rd. 390 ha. Dies änderte sich im Jahre 1766 grundlegend, da der herzoglich Braunschweig-Lüneburgsche Cammerrath Cramer ein zehn Seiten langes Kapitel zum Thema Torfverkohlung veröffentlichte. Wo Holzmangel war, sollte nun Torf verkohlt werden - mit den entsprechenden Auswirkungen auf das empfindliche Ö- kosystem Hochmoor.92

Die nächste Grafik soll den Holzverbrauch aufzeigen, der im Westharz während des Mittelalters stattfand. Holz wurde fast immer mehr verbraucht, als nachwuchs:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Holznutzung im Westharz vom 16. - 18. Jahrhundert, nach gutachtlich geschätzten Grenzen der Nachhaltigkeit (Grafik: Ließmann nach Steinsiek 1999)93

Die Kalamitätsfolgen (Stürme, Käferfraß, Wasserstress etc.) reiner Fichtenbestände werden hier nicht weiter erläutert, da diese weithin wissenschaftlich und praktisch untersucht worden sind. Auch die Standortskunde und der Einfluss des Wildes auf die Wälder sind mit den heutigen Erkenntnissen wesentlich weiter entwickelt, als noch in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten.94 Nun zur montanen Industrialisierung und der Bedeutung des heute historischen Bergbaus für die westliche Teilregion des Harzes: Osterode am Harz.

2.3.1 Montanindustrie und Gips in der Region um Osterode

Die wenigen in den Tälern gelegenen Harzsiedlungen des Landkreises Osterode am Harz gehen fast alle auf die schon in früherer Zeit betriebene, insbesondere die in der Frühen Neuzeit prosperierende Oberharzer Montanindustrie, zurück. Im Osteroder Kreis sind aller- dings bis heute noch relativ viele Buchenwälder erhalten geblieben (vgl. Abb. 3). Von den Tälern aus konnte man gut die Stollen anfahren und die anfallenden Grubenwässer abfüh- ren. Hier stand dann genügend Wasser für den Betrieb der vielen Wasserräder in Förderan- lagen, Pochwerken und Hütten bereit. Das Bergbauwesen war über hunderte von Jahren die wirtschaftliche Basis der Harzsiedlungen und somit Grundlage der menschlichen Besiedlung und ihres Wirkens. Die mühsame Arbeit in der Montanindustrie war nicht nur für die Men- schen extrem belastend, sondern hatte zusätzlich entsprechende "Nebenwirkungen" für die Natur (vgl. Kap. 2.3.2).95

Die Verhüttung der Erze, das Ausschmelzen der Metalle aus dem Gestein, erfolgte an den Schmelz- oder Hüttenplätzen unter Verwendung des einheimischen Holzes und dessen vorheriger Verkohlung. Seit Mitte der 1980er Jahre ist bekannt, dass es ca. 1.000 dokumentierte Waldhütten im niedersächsischen Teil des Harzes gegeben hat, wie die folgende Grafik 4 zeigt. Die Gesamtzahl wird lt. Klappauf sogar auf über 2.500 Stück geschätzt.96

Nach dem strukturellen Niedergang ist dieser Sektor als Erwerbszweig v. a. vom Tourismus abgelöst worden. Dieser findet allerdings in den Tallagen der Region weni- ger ideale Bedingungen vor als einst der florierende Bergbau, sodass die Orte auf den Hochlagen - speziell im Nachbarland- kreis Goslar gelegen - heute bevorzugt werden. Die ehemaligen Forst- und Berg- mannssiedlungen haben sich in diesem Zug z. T. in nahezu reine Tourismusorte umgewandelt. Am westlichen Harzrand reihen sich Orte wie Osterode, Herzberg, Barbis, Bad Lauterberg und Bad Sachsa zu einer Art Kette auf, denn sie liegen an den Ausgängen der wasserreichen Harztäler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Die im Westharz bis zum Jahr 2000 dokumentierten mittelalterlichen Hüttenplätze97

und meistens im Verlauf der alten Harzrandstraße (Thüringer Straße). Als Markt- und Hüt- tenorte hatten viele Städte einst neben Versorgungsaufgaben (z. B. das "Kornmagazin" in Osterode) für die im Inneren des Harzes gelegenen Bergbausiedlungen auch die Verhüttung, Verarbeitung und den Umschlag der gewonnenen Erze übernommen. Im Beisein der ge- werblichen Zentren treten in der Zechsteinstufe98 eine Reihe kleinerer Gewerbestandorte in den Markt, die bis in die Gegenwart florieren. Deren Grundlage ist die Gipsindustrie, die die qualitativ besten deutschen Gips- bzw. Anhydritvorkommen99 der Region ökonomisch nutzt. Ein Großteil der sog. Spezialgipse wird für die keramische Industrie, den medizinischen Be- reich und andere Verwendungssektoren (bspw. Pharmazie) genutzt.100

Das Hügelland wird landwirtschaftlich weiträumig im Buntsandsteinausstrich genutzt. Dessen sandige Lehmböden geben i. d. R. mittleres bis gutes Ackerland ab und bildeten gleichzeitig die Grundlage für die Entwicklung der sog. Haufendörfer, deren Erkennung an der unregel- mäßigen Bebauung und der oft unterschiedlich großen Höfe aufgezeigt wird. Der Bruttowert- schöpfungsanteil der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft101 liegt im Landkreis Osterode am Harz heute bei gerade einmal 1 %.102 Dies zeigt, dass die Urproduktion hier kaum rentabel zu sein scheint, möglicherweise auch bedingt durch die Hinterlassenschaften der anthropogenen Ressourcennutzung, worauf nun einmal kurz eingegangen wird.

2.3.2 Folgen von Bergbauindustrie und Verhüttung im Gebiet

Der Harz ist reich an natürlich vorkommenden Metallerzen und weist noch heute zahlreiche Spuren früherer Montanindustrieaktivitäten auf. Dies v. a. im nordwestlichen Teil des Gebir- ges, welches durch die bereits beschriebenen geologischen Formungen gebildet wurde. Der Erzbergbau hat sowohl im Mittelgebirge selbst, als auch in den Tälern, deren Gewässer aus dem Harz gespeist werden, zu örtlich starker und nachhaltiger Schwermetallkontamination geführt. Die heutigen Vegetationsformen des Gebietes spiegeln das wider, was man aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und werten kann: Bergbau/ Verhüttung, Natur- schutz, Fischerei, Land- Forstwirtschaft etc. Im Gebiet um Langelsheim haben sich bspw. typische Schwermetallpflanzengesellschaften (Armerietum halleri) auf Schlackehalden ent- wickelt oder bei Wildemann auf alten Abraumhalden des damaligen Metallerzbergbaus (bei- des Orte im Landkreis Goslar). Diese Pflanzengesellschaft ist äußerst selten verbreitet (i. d. R. endemisch) und besitzt die Fähigkeit, sehr hohe Konzentrationen von Schwermetallen zu akkumulieren. Daher sind sie als Futterpflanzen auf keinen Fall geeignet und lösen starke Vergiftungen aus. Der Einfluss von Emissionen, z. B. aus der ehemaligen Silber- und Bleihütte "Frankenscharrnhütte" bei Clausthal-Zellerfeld, ist auch hier immer noch an der realen Vegetation zu erkennen. Auf diesen azonalen Standorten können keine Generalisten oder bspw. Buchenwaldgesellschaften wachsen, da diese Böden stark mit Arsen, Cadmium, Kupfer, Blei, Thallium und Zink kontaminiert (worden) sind.103

Bei der Verarbeitung von Bleierzen gingen ca. 25 % des Schwermetalls verloren, das be- lastete Wasser und die schwermetallreichen Rückstände des Pochprozesses (Pochsande) wurden bis zu 200 km "natürlich" talabwärts durch die Flüsse transportiert und bei Hochwas- ser auf den Uferterrassen von Rhume, Nette, Innerste, Oker und Co. abgesetzt. Hier ent- standen dann die anthropogenen Schwermetallböden inkl. der angeschwemmten Samen der ursprünglichen Schwermetallvegetation. Wo die Landwirtschaft die Auenböden der Uferter- rassen genutzt hat, wurden die Kulturpflanzen (v. a. Getreide) mit Schwermetallen kontami- niert und die Nutztiere unfreiwillig vergiftet. Diese Vergiftungserscheinungen wurden erstmals im Jahr 1822 durch Meyer erkannt und dauern auf den Böden bis heute an, auch bei der Wasserfauna. In St. Andreasberg kann z. B. im Silbererzbergwerk Grube Samson die letzte funktionstüchtige sog. Stollenfahrkunst besichtigt werden, deren gesamte Umgebung viele Beispiele für eine an arsenreiche Böden angepasste Vegetation, aufzeigt. Ein Aufenthalt an den Flussufern der Oker gibt darüber hinaus die Möglichkeit, eine gut entwickelte und sehr diverse Variante des Armerietum halleri auf schwermetallangereicherten Fluss-Sedimenten zu erforschen. Westlich der Oker legen ehemalige Sedimentationsbecken ein langfristiges Zeugnis der Erzverarbeitung und dessen hoher ökotoxikologischer Relevanz, ab.104 105

Diese Entwicklungen und Umweltverschmutzungen konnten nur in Verbindung mit der menschlichen Besiedlung des Harzes einhergehen und zeigen nachhaltig auf, wie unsensibel man in der Vergangenheit mit den montanen Rohstoffen des Harzes umgegangen ist. Dies geschah höchstwahrscheinlich bedingt durch das Unwissen oder Missachten der Folgen für die eigenen Lebensgrundlagen: Boden, Wasser und Nahrung.

2.3.3 Kulturhistorische Entstehung des Landkreises Osterode am Harz

Der Landkreis Osterode am Harz besteht in seiner heutigen Abgrenzung inkl. seiner Kom- munen seit den Verwaltungsreformen der 1970er Jahre. Er ist ursprünglich im Zuge der Ein- führung der preußischen Kreisordnung der Stadt, Teilen des Amtes Osterode sowie des Am- tes Herzberg (1885) hervorgegangen. Neben den sieben größeren Gebietseinheiten besteht der Landkreis zu ca. 43 % aus gemeindefreiem Gebiet (des Harzes). Mit der Zugehörigkeit zum Landkreis unterliegen die Samt- und Einheitsgemeinden der gleichen Kreisverwaltung, deren Tätigkeitsbereich ein breites Themen- und Aufgabenspektrum umfasst, wie in Kapitel 2.4 noch dargelegt wird.106 107 108

Vielfältige natürliche Ressourcen haben seinerzeit bspw. durch die regional bekannte Königshütte in Bad Lauterberg den Harz zum ersten Industrierevier Norddeutschlands werden lassen. So hat sich über die Jahrhundert paralell dazu nicht nur im Bezug auf das Hüttenwesen eine eigene Kultur und regionale Identität entwickelt, sondern es haben sich auch viele Vereine und Verbände im Landkreis über die Zeit gegründet. "Fleiß und Pioniergeist waren schon damals die Attribute der Menschen in der Region, wovon die heutige Innovationskraft eine große Rolle spielt", so die Region Osterode im Selbstportrait auf der Internetseite des Landkreises.109 110

Das Osteroder Gebiet hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit, die im 10. Jahrhundert n. Chr. mit der Gründung der ersten Siedlung im Bereich um die Jacobikirche in Osterode entstand. Im Jahr 1136 fand Osterode in einer Urkunde Kaiser Lothars des III. die erste schriftliche Erwähnung und nur wenige Jahre später (um 1152) galt der Ort als "villa opulentissma" (wohlhabende Siedlung). Auch das Schloss in Herzberg, späterer Sitz der wohlhabenden Welfen, wird in dieser Zeit erstmalig urkundlich beschrieben. Im frühen Mittelalter (1218 - 1223) bekam speziell das Nonnenkloster St. Jacobi durch die Regeln der Zisterzienser wirtschaftliche Funktionen (Montan-, Land- und Fischereiwirtschaft) und die alte Stadtmauer eine wichtige Bedeutung. Den Stadtmauerring erweiterte man bis 1330 um den Neustadtbezirk, den man in den folgenden Jahren mit Siedlern aus umliegenden Dörfern bevölkert hat.111

1263 bekam die Osteroder Münzstätte erst- mals eine Erwähnung und um 1470 ist Tile Riemenschneider, der Vater des Bildschnit- zers Tilman Riemenschneider, Münzmeister in der Stätte geworden.112

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Zeichnung der historischen Stadtmauer Osterodes113

Der Höhepunkt jahrzehntelanger Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppier- ungen innerhalb der Bürgerschaft ist die Ermordung des Bürgermeisters Freienhagen im Jahr 1510. Als Folge schränkte der Landesherr Herzog Philipp I von Braunschweig- Grubenhagen bspw. die städtischen Freiheiten der Bürger ein. Um 1535 wurde Osterode evangelisch und das Jacobikloster sowie das erst neu gegründete Barfüßerkloster wurden aufgelöst. Zehn Jahre später vernichtete ein großer Stadtbrand im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen" das mittelalterliche Osterode und nur 40 Gebäude blieben nach den alten Überlieferungen erhalten. Im Jahre 1596 starb der letzte Herzog von Grubenhagen kinderlos und innerhalb des Welfenhauses entbrannte ein Erbstreit, der erst 1617 mit der Herausgabe des kleinen Fürstentums um Herzberg endete. Im Dreißigjährigen Krieg ließen hohe Zölle und Zwangsabgaben die Einwohner der Region verarmen. Darüber hinaus dezimieten Seuchen und Gewalttaten der Truppen die heimische Bevölkerung stark.114

1665 fiel das Fürstentum Grubenhagen (inkl. Osterode) an die in Hannover residierende Linie des Welfenhauses und der "Hannoversche Staat" erhob sich bis 1692 zum mächtigen Kurfürstentum. Um 1720 wurde das Harzkornmagazin in Osterode errichtet, das der Versorgung des Oberharzes mit Getreide diente und zur Gegenwart das Gebäude des Rathauses der Stadt darstellt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blühten der Berg- bau und das montane Hüttenwesen im Gebiet nochmals auf. Ohne das Drahtseil z. B., wel- ches erstmals mit der 1733 gegründeten sog. Königshütte in Bad Lauterberg hergestellt wurde, wäre die industrielle Revolution praktisch nicht denkbar gewesen.115 116 Ein Jahr zuvor (1732) erschuf das Welfenhaus eine vorerst staatliche und später privat geleitete Gewehrmanufaktur in Herberg am Harz, die für die hannoverschen Fußtruppen Gewehre, Messer und Waffenzubehör für kriegerische Streifzüge herstellte. Die Arbeiter kamen an- fangs nicht aus der Harzregion, weil es diese Spezialisten nicht vor Ort gab. Das Material (v. a. Roheisen) stammte aus den Hüttenwerken in der Gegend. Die Fabrik entstand zunächst im Ortsteil Lonau, der seinen Namen vom Fluss Lonau hat, dessen Wasser für Antriebsmüh- len der Fabrik genutzt wurde. Im Jahr 1740 wurde die Fabrik nach Herzberg verlegt. Im 19. Jahrhundert arbeiteten in der Fabrik ca. 200 Beschäftigte und es gab bis zu 26 Einzelwerk- stätten. Die Bedeutung der Waffenfabrik wurde nach der Übernahme des Königreichs durch Preußen geringer, da die preußischen Waffenunternehmen große Konkurrenz waren. Den- noch hatte diese Fabrik zu ihrer Zeit eine hohe lokale wie überregionale wirtschaftliche Be- deutung, was im heutigen Museum eindrucksvoll dargelegt und einmal einen Besuch wert ist.117

Die Region nahm in der Industrialisierung mit dem hannoverschen Kurfürstentums eine Vorreiterrolle ein. So entstanden zusätzlich zahlreiche Textilfabriken und eine große Bleiweissfabrik inkl. der immer widerkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen.118

Das Herzoglich Braunschweigische Werk der Königshütte, als eine der großen Eisenhütten zu dieser Zeit zeigte, dass mit Holzkohle bzw. Rohstoffen durch die umliegenden Orte bereits lokale Ressourcenwertschöpfung stattfand, allerdings nicht nachhaltig im heutigen Sinne. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Königshütte zur größten in der sog. hannoverschen Forstinspektion119 auf. Die Gesamtholzkohleproduktion (v. a. von Fichtenkohlen) der sechs hannoverschen Fürsteneinheiten lag im Jahr 1849 bei 87.200 Karren, wovon die Königshütte in Bad Lauterberg ca. ein Drittel benötigte. Ein Karren entspricht 2,5 m³.120 Die Abb. 6 zeigt den Harz und seine administrativ-wirtschaftliche Einteilung zu jener Zeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Territoriale Gliederung der Montanwirtschaft im Harz im 18. und 19. Jahrhundert121

Im Jahr 1852 führten Reformen zur Trennung von Verwaltung und Judikative und somit endet die seit dem Mittelalter bestehende städtische Gerichtsbarkeit durch die Herrschen- den. Mit der Aneignung des Königreiches Hannover (1866) wurde auch Osterode preußisch und die über 600-jährige Herrschaft der Welfen galt als beendet. Ab Mitte des 19.

Jahrhunderts tat sich viel Infrastrukturelles durch die Supermacht Preußen, auch im Harz: Osterode erhielt ein städtisches Krankenhaus (1849), Anschluss an das Eisenbahnnetz und die Kreisbahn zwischen Osterode und Kreiensen nahm ihren Berieb auf (1970) und die Strom- und Gasversorgung wurde installiert. Die Einwohnerzahl stieg vom Jahr 1861 bis 1902 von 4.537 um fast das Doppelte auf 7.482 Bewohner an. Mit dem Ersten Weltkrieg begann für Osterode wie in ganz Deutschland eine düstere Zeit. Am Ende des Krieges (1918) setzte eine Demokratisierung auf kommunaler Ebene ein, wie überall im Land. Die Bürgervertretung wurde in freier, gleicher und geheimer Wahl bestimmt und auch Frauen erhielten das Wahlrecht. Die anschließende Weltwirtschaftskrise zwang viele Osteroder Unternehmen um 1929 in den Konkurs; Massenarbeitslosigkeit, soziale Not und Radikali- sierungen waren die bekannten Folgen.122

Nach mehrjähriger Bauzeit kam die Sösetalsperre 1931 als erste große Harzer Trink- wassertalsperre zur Fertiggestellung. Im Jahr 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht und zerschlugen die demokratisch aufgebauten Organisationen und Strukturen der Stadt. Verhaftungen, Misshandlungen, Angst und Terror kennzeichneten diese Zeit und 1945 wurde Osterode zu einem Zentrum der Rüstungsindustrie, in dem zahlreiche Fremd-, Zwangsarbeiter und Häftlinge der Konzentrationslager beschäftigt wurden. Es gab nach der Demokratisierung und Stabilisierung durch die Alliierten beinahe eine Vollbeschäftigung in der Region. Nach 1960 brach allerdings die traditionelle Textilindustrie zusammen und fiel dem globalen Konkurrenzduck zum Opfer; doch neue Branchen siedelten sich in und um die Stadt an, welche das Zentrum industrieller Produktion blieb - trotz Zonenrandgebiets. Mit der 1970 durchgeführten Verwaltungs- und Gebietsreform wurden die umliegenden Orte in die Stadt Osterode eingemeindet und die Bevölkerungszahl wuchs auf ca. 30.000 Menschen an. Durch den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes und den Fall der Grenzmauer befreite sich Osterode aus seiner Randlage und lag nun geografisch zentral in der BRD.123 124

Die historische Architektur Osterodes bekam speziell durch die Welfen sowie die Montan- industrie ab dem Mittelalter ihre Gestalt. So wurden überwiegend heimische Materialien verwendet (Quarzitgestein, Schiefer, Gips, Eisen, Ton, Eichen und Fichten etc.). V. a. das ehemalige Kornmagazin bzw. heutige Rathaus steht auf dem mächtigen Sockelgeschoß ü- berwiegend auf heimischen Quarzitgesteinen und ist mit einem gewaltigen Eichenfachwerk ausgestattet. Der als Mörtel genutzte Gips wurde damals direkt auf den Baustellen gebrannt. Harzer Schiefer aus Elbingerode bedeckten die Dächer, nicht nur vom Kornmagazin. Die Ziegel der ehemaligen Ziegelei Düna, für die zusätzlich Grauer Salzton gewonnen wurde, fanden oft vor Ort ihre Verwendung. Das prächtige Giebeldreieck, die Fensterlaibungen und Gesimse sind mit Buntsandstein aus Estorf (Stolzenau) gefertigt worden und über dem Por- tal steht in goldener Schrift: "Utilitate Hercyniae" oder auf Deutsch "dem Harze zu Nutzen". Größte Bedeutung für die Getreidelagerung hatte damals der aktive und passive Schutz vor Nagern. Die bereits erwähnte Stadtmauer wurde aus grob zugehauenen, großen Flussgeröl- len der Söse (Quarziten des Acker- und Bruchberges) und gebranntem Gips als Bindemittel errichtet. So gibt es v. a. in der Stadt Osterode noch viele Relikte aus der Historie, die bspw. einmal bei einer Stadtführung bewusst wahrgenommen und besichtigt werden können.125 Osterode am Harz hat insgesamt fast 300 eingetragene Vereine und Verbände, die ein wichtiger Teil der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte des Harzes darstellen und wo aktiv Brauchtum gelebt, gearbeitet und gefeiert wird. Darüber hinaus gibt es 1.184 Baudenkmäler und 1.276 Archäologische Fundstellen im Kreisgebiet.126 127 128

Diese Tatsachen haben (historisch gesehen) einen sehr hohen Wert. Ebenfalls wäre es ein- mal spannend zu erforschen, wie und ob sich die Mentalitäten und Verhaltensweisen der Be- wohner kulturhistorisch unterschiedlich entstandener Orte (Haufen-, Straßen-, Zeilendörfer etc.) entwickelt haben und welchen Einfluss diese auf heutige ländliche Entwicklungspro- zesse in den Kommunen haben; gerade im Bezug auf das zukunftsfähige Dorfleben.129

2.3.4 Demografischer Trend des Landkreises

Definition Demografie: Sie bezeichnet die wissenschaftliche Erforschung des Zustands der Bevölkerung und ihrer zahlenmäßigen Veränderungen durch Fertilität, Zu- und Abwanderung, Altersaufbau und Mortalität.130

Definition Trend: Grundrichtung einer qualitativen oder quantitativen Entwicklung. Je nach Sichtweise (Ökonomie, Ökologie, Soziologie) wird zwischen unterschiedlichen Richtungen wie Wert, Zeitströmung oder Streben unterschieden.131 132

Gegenwärtig leben im gesamten Harz etwa 860.000 Menschen in rd. 60 Städten und Gemeinden und fünf Landkreisen.133 Der Landkreis Osterode am Harz ist einer davon und wird hiermit einmal näher beschrieben.

Auf der Grafik 7 wird in orange deutlich, wie sich die demografische Entwicklung der Region des Westharzes (Osterode am Harz und Goslar) derzeit natürlich vollzieht: der Anteil von älteren Menschen nimmt tendenziell zu (ab 45 J.) und es gibt weniger Geburten sowie Zuzü- ge bspw. jüngerer Familien. Der Landkreis Osterode am Harz hat heute insgesamt ca. 79.000 Einwohner mit einem anhaltend abnehmenden Trend, wovon die Geschlechtervertei- lung zu 51,4 % weiblich und zu 48,6 % männlich ist. In den vergangenen Jahren zwischen 1975 und 2009 nahm die Einwohnerzahl im Kreis von einst 94.807 (Höchststand) auf 78.879 Bewohner ab, das bedeutet einen Rückgang um 20,2 % in diesem Zeitabschnitt. Im Jahr 1939 befand sich die Region auf einem Bevölkerungstiefststand von 55.011 EW.134 135

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Bevölkerungsprognose für Südniedersachsen und den Landkreis Osterode am Harz136

Andere Prognosen, bspw. der Bertelsmann Stiftung, sagen in den Jahren zwischen 2006 und 2025 einen weiteren Rückgang um - 12,6 % vorher. Das Durchschnittsalter der Land- kreisbewohner wird von jetzt 46,5 Jahren, innerhalb von 15 Jahren im Schnitt auf 50,4 Jahre ansteigen. Der Anteil der unter 18-Jährigen wird von den heutigen 15,9 % auf 13,1 % im Jahr 2025 absinken, was insgesamt strukturelle Veränderungen für den gesamten öffentlichen und privaten Bereich bedeuten wird, da schlicht die Menschen fehlen, um die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Auch die Bildungswanderung zeigt mit - 36,2 % pro 1.000 Einwohner eine steigende negative Tendenz auf.137

Heute leben im Landkreisgebiet neben der deutschen Bevölkerung 25 weitere Ethnien bzw. Menschen mit Migrationshintergrund, wovon die Türkischstämmigen den größten Anteil mit 1.196 EW (36,9 %), gefolgt von Italienern und Serben mit jeweils rd. 260 Personen (rd. 8 %), ausmachen.138 Der Landkreis wirbt mit dem Slogan "Vielfalt tut gut - Jugend für Vielfalt, Tole- ranz und Demokratie", der durch den Lokalen Aktionsplan (sog. LAP) seit 2007 im Rahmen des Bundesprogramms "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" ausgeführt wird. Das Ziel ist dabei Prävention gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitis- mus zu fördern, die Zivilgesellschaft zu stärken und Werte wie Toleranz, Solidarität und De- mokratie im Rahmen von bildungspolitischer Arbeit zu vermitteln. Bildung steht somit als Hauptziel im Fokus des Kreises Osterode am Harz.139

Trotz der demografischen Trends der Neuzeit gab es eine vielfältige und spannende histori- sche Entwicklung der gesamten Landkreisregion Osterodes. In den vergangenen Jahrhun- derten gab es auch gleichzeitig viele Auseinandersetzungen und Spannungen bezogen auf Eigentumsrechte bspw. zwischen Fürsten, Forstleuten und Bergmännern. Im folgenden Ka- pitel soll einmal auf die (touristisch) nutzbaren Hinterlassenschaften und deren gegenwärti- gem Stellenwert für die Teilregion des Untersuchungsgebiets hingewiesen werden.

2.4 Naturraum und Standortbedingungen im Landkreis Osterode am Harz

Es befinden sich in der Landkreisregion sechs naturräumli- che Haupteinheiten, die die Abb. 4 auf- zeigt.140 Allein Ober- und Hochharz neh- men als Naturräu- me und gemeinde- freies Gebiet ca. 43 % der Kreisregion ein. Dem Osteroder Harzteil sind nord- westlich das Weser- und Leinebergland sowie das Thüringer Becken (südlich)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Naturräumliche Gliederung des Landkreises Osterode am Harz141

vorgelagert.142 Der Landkreis Osterode am Harz weist für mitteleuropäische Verhältnisse eine große naturräumliche Vielfalt auf, die von der montan geprägten Hochharzregion (im Osten) bis zum kontinental geprägten Walkenrieder Raum im südlichen Teil beeinflusst ist.143 Im Detail werden drei regionale Landschaftseinheiten unterschieden: der Harz, sein Vorland und die Gewässerniederungen. Als klassisches mitteleuropäisches Mittelgebirge besteht der Harz, wie später in Kapitel 2.5 näher beschrieben, aus vielen erzführenden Gesteinen des Erdaltertums, die sich der Mensch zunutze machte. Er überragt mit seinen steilen Nordrän- dern und weit vom Gebirge ins Vorland greifenden Kerbzertalungen durchschnittliche Höhen von 300 - 400 m. Der Harzteil um Osterode ist weitgehend bewaldet, teilweise mit natürli- chen Buchenwaldgesellschaften (unterhalb der Laubwaldgrenze), jedoch überwiegend mit naturfernen Fichtenforsten als Relikte der Bergbauzeit vor dem neueren waldbaulichen Wechsel. Die höchste Erhebung des Kreisgebietes ist der Höhenzug "Auf dem Acker" mit 865 m über NN und der bekannten Hanskühnenburg.144 145 146

Die Tabelle soll eine Übersicht über die derzeitigen Besitzverhältnisse und -strukturen im Landkreis und den Bezug zur Gesamtfläche geben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Waldflächen und Besitzstrukturen im Landkreis Osterode am Harz 147 148

Der Landkreis Osterode am Harz mit seiner Gesamtfläche von 63.600 ha hat in Niedersach- sen mit 57,6 % den höchsten Waldanteil aller Landkreise und kreisfreien Städte, worauf in Kap. 5 noch vertiefend eingegangen wird. Im niedersächsischen Durchschnitt liegen die landwirtschaftlichen Flächen bei 62,7 %, wovon der Landkreis Osterode am Harz nur bei vergleichsweise geringen 30,8 % liegt. Die Wasserflächen betragen 1,59 % der Gesamtflä- che. Die Gipsgebiete, welche als Rohstoffe genutzt werden und somit als naturfern gelten, machen im Landkreis Osterode am Harz ca. 773 ha (rd. 1,2 %) der Kreisfläche aus. Die rest- lichen knapp 9 % entfallen v. a. auf versiegelte oder anders genutzte Flächen (Verkehrs- und Gewerbeflächen etc.). Osterode am Harz hat damit im Vergleich zum Land Niedersachsen mit durchschnittlich 13 % insgesamt weniger (menschlich) versiegelte Landschaft.149 150 151

Das Harzvorland ist geologisch von ehemals waagerecht liegenden Gesteinsschichten ge- prägt, die als Folge der geologischen Hebungen fast senkrecht gestellt wurden. Dadurch gelangten im Bereich des Zechsteinausstrichs Ablagerungen der gleichnamigen geologi- schen Phase an die Erdoberfläche - und mit ihnen die Vorkommen von Gips, Anhydrit und Dolomit. Da viele der Zechsteinsedimente leicht wasserlöslich sind, kennzeichnen diesen Landstrich, der ca. 26 % des Landkreises einnimmt, zahlreiche Gipskarsthabitate wie Erdfäl- le, Höhlen, Karstquellen oder Bachschwinden und Schlucklöcher. Sie deuten auf unterirdisch fließendes Wasser hin, das oft erst weit entfernt in starken Quellen wie der Rhumequelle bei Rhumspringe wieder zutage tritt. Große Teile des Hügellandes im Zechsteinausstrich tragen je nach den Reliefverhältnissen Wald, Grün- oder Ackerland. Buchen- und Laubmischwälder

stellen die natürliche Bodenvegetation in der Region dar, ebenfalls heute besondere Waldtypen wie Schlucht-, Auwälder oder Eichen-Hainbuchenwälder. Es gilt im Landkreis das niedersächsische Waldbauziel (LÖWE), eine nachhaltig standortsgemäße Forstwirtschaft und Waldumbau zu realisieren.152

Des Weiteren existieren noch naturschutzfachlich hoch interessante Niedermoore, mesophiles Grünland, Mager- und Halbtrockenrasen sowie Bergwiesen u. a. mit Borstgrasrasen, Goldhaferwiesen, Hochstaudenfluren oder Quellsümpfen, die z. T. allerdings landwirtschaftlicher Eutrophierung oder der natürlichen Sukzession153 unterliegen. Es gilt, diese Flächen zu erhalten und wenn möglich zu vernetzen.154

Viele Areale sind somit Lebensraum seltener Pflanzen- und Tierarten und haben eine euro- paweite ökologische Bedeutung. Etwa 17 % der Kreisfläche nimmt der Buntsandstein- ausstrich ein, der sich in zunehmender Entfernung zum Harz an den Zechsteingürtel an- schließt. Es dominieren landwirtschaftliche Nutzungen. In der Nähe des zu Herzberg am Harz gehörenden Scharzfelds sind mehrere Dolomitschollen als Zeugenberge der Zech- steinstufe erhalten geblieben. In dem lösungsfähigen Gestein haben sich ausgedehnte Höh- lensysteme gebildet, die bedeutende wissenschaftliche Fundstätten wie die Einhornhöhle mit ihrer früheiszeitlichen Säugetierfauna oder die Steinkirche, ein altsteinzeitliches Rentierjäger- lager, bergen. Sie gehören gemeinsam mit den aus natürlichen Erdfallseen hervorgegange- nen Teufelsbädern bei Osterode, dem Jues-See in Herzberg sowie den seit Jahrhunderten als Fischteiche genutzten Einsturzwannen bei Walkenried zu den bekanntesten sog. Karst- erscheinungen des Harzvorlands. Südlich von Osterode liegt inmitten des Zechsteingürtels das ca. 650 ha große NSG "Gipskarstlandschaft Hainholz", welches hinsichtlich der vielfälti- gen Tier- und Pflanzenwelt sowie der Reichhaltigkeit und des Zusammenspiels seiner geo- morphologischen Erscheinungen von herausragender Bedeutung ist.155 Auf ausgeschilder- ten und mit Informationstafeln versehenen Rundwanderwegen ist das abwechslungsreiche Karstgebiet in seiner Schön- und Seltenheit bspw. für die ruhige (Nah-) Erholung sehr gut geeignet.156

Aus ökologischen Gründen sollten schließlich die Fluss- und Bachauen als vierte eigenstän- dige Landschaftseinheit erwähnt sein. Auf sie entfallen immerhin ca. 11 % des Kreisgebietes. Die Wasserläufe kommen überwiegend aus dem Harz. Nach dem Austritt aus dem Mittelge- birge verlaufen sie dem wenig widerstandsfähigen und so durch Lösung und Abtragung tiefer liegenden Zechsteingürtel folgend zunächst am Harzrand entlang (Harzrandsenke). Sie durchschneiden dann das Harzvorland und erreichen die relativ breiten Niederungen von Oder und Söse, wo sich bei Dorste mit 134 m auch der tiefstgelegene Punkt des Kreises befindet. Einige Flussauen, insbesondere die der Sieber, Oder, Steina und Wieda, zeichnen sich durch hohe Naturnähe aus und besitzen teilweise noch Auenwälder.157 Einschließlich des Nationalparks Harz, von dem rd. 4.430 ha bzw. 7 % auf dem Gebiet des Landkreises

Osterode liegen, ist gut die Hälfte der Kreisfläche als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Ein großer Teil des Kreisgebietes ist ein Naturpark und etwa 15 % sind als Naturschutzgebiete, Nationalpark oder Vogelschutzgebiet bzw. als Flächen von europäisch-gemeinschaftli- cher Bedeutung (FFH-Gebiete) gemeldet.158

Der Wald Osterodes ist somit das Verbundsystem in der Region und daher sehr gut ökologisch wie real vernetzt, um nicht nur die Leistungsfähigkeit der Natur- für den Menschen zu bewahren, sondern v. a. im Bezug auf den faunistischen Populationsaustausch einen langfristigen Beitrag zur Biodiversität zu leisten. Innerhalb der Waldstandorte befinden sich mehrere einzigartige Biotopverbundsysteme (Kalkmagerbiotope, Fließgewässer, Grünlandbereiche etc.).159 Die heutige Vielfältigkeit der Region entstand über einen langen historischen Kulturzeitraum des Menschen und seiner (industriellen) Hinterlassenschaften mit und gegen die Natur, worüber nun im Speziellen eingegangen wird.

2.4.1 Geografische Gliederung und ökonomische Bedingungen

Definition Standortfaktoren: Harte Standortfaktoren in einer Region sind die Verfügbarkeit von Flächen, Steuern und Abgaben, Subventionen, Verkehrsanbindung und Infrastruktur, qualifizierte Arbeitskräfte, Nähe zu Zulieferern und zum regionalen Absatzmarkt, Verwal- tungsfreundlichkeit sowie berufliche Ausbildungseinrichtungen und die Nähe zu Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, aus denen ein Wissenstransfer erwartet werden kann. Harte Faktoren (ökonomisch quantifizierbar) sind insgesamt gegenwärtig wichtiger als die meisten weichen. Neben harten Faktoren bestehen genannte weiche Standortfaktoren (schwer quan- tifizierbar, subjektiv) wie das Landschaftsbild, Image, soziales Klima, Freizeit- und Wohnwert, Zivilcourage, Qualität, Flexibilität, Termintreue, Servicefreundlichkeit etc. Unter den weichen Standortfaktoren haben das Image eines Standortes, die Mentalitäten und Arbeitseinstellun- gen der Arbeitskräfte eine gewisse Bedeutung. Ebenfalls das allgemeine Sicherheitsgefühl. Alle anderen weichen Standortfaktoren - Freizeit und Kulturangebote, Stadt- oder Ortsbild, Schulen etc. haben einen gegenüber den harten Standortfaktoren nachgeordneten Stellen- wert.160

Definition Strukturwandel: Er bezeichnet eingetretene Veränderungen oder angestrebte Anpassungen, die nicht nur äußerlich sichtbar oder in Details umgesetzt werden, sondern grundsätzlicher Natur sind, d. h. völlig neue Beziehungen (zwischen einzelnen Elementen) herstellen oder eine völlig neue Ordnung verlangen.161

[...]


1 Anm. d. Verf.: Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph (1788 - 1860)

2 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 2

3 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

4 vgl. Laudert 2005, S. 8

5 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 26

6 vgl. textmedia 2010, online: http://www.harzsuche.de/images/harz_landkreise.gif (Abruf: 02.06.2010)

7 vgl. Mohr 1998, S. 6

8 Anm. d. Verf.: vor etwa 350 - 300 Mio. Jahren

9 vgl. Mohr 1998, S. 7 f.

10 vgl. Meyer 1973, S. 9 u.16

11 vgl. Hetsch et. al. 2001, S. 97, Tab. 22

12 Anm. d. Verf.: Der Begriff „Habitat“ (= Lebensraum) wird auch für „Biotop“ oder „Standort“, in Abhängigkeit der jeweiligen wissenschaftlichen Sichtweise verwendet.

13 vgl. Ellenberg 1996, S. 23 f.

14 vgl. Hetsch et. al. 2001, S. 23

15 ca. 2.230 km² Gesamtfläche

16 Anm. d. Verf.: In der Nacht vom 30.04. zum 01.05.

17 vgl. Mohr 1998, S. 1

18 vgl. ebd., S. 7

19 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 386

20 vgl. ebd., S. 29 ff.

21 vor ca. 65 - 1,6 Mio. Jahren

22 Bildquelle: Rothe 2009, S. 56 (nach Wachendorf 1986 und Geologisches Landesamt SachsenAnhalt 1998)

23 vgl. Lübker, online: http://www.harz-seite.de/klima.htm (Abruf: 10.05.2010)

24 vgl. ebd.

25 nach Ellenberg 1996, S. 28 f.

26 nach Hetsch et. al. 2001, S. 9, 52 ff.

27 vgl. Vowinkel 1998a, S. 23 f.

28 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 386

29 nach Stinglwagner et. al. 2005, S. 643

30 vgl. Kloft/ Gruschwitz 1988, S. 11

31 vgl. Schwerdtfeger 1978, S. 13

32 nach Schwerdtfeger 1978, S. 7 u. 133

33 Anm. d. Verf.: (Über-) Lebensraum

34 vgl. Schwerdtfeger 1978, S. 33 f.

35 vgl. Kloft/ Gruschwitz 1988, S. 208 f.

36 vgl. Willmanns 1998, S. 22

37 vgl. Ebd., S. 908

38 Anm. d. Verf.: Endstadium (Klimaxstadium) einer natürlichen Abfolge (Sukzession) des Waldes

39 Anm. d. Verf. bis vor ca. 15.000 Jahren

40 vgl. Ellenberg 1996, S. 29

41 vgl. Frey/ Lösch 1998, S. 27 f.

42 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 908

43 Anm. d. Verf.: Pflanzengesellschaft

44 vgl. Willmanns 1998, S. 21 f.

45 Anm. d. Verf.: Biozönose

46 Anm. d. Verf.: man differenziert bei Pflanzenfressern in zehn unterschiedliche, im Bezug auf die Fraßsubstanzen wie Holz, Samen, Blätter, Knospen, Wurzeln etc.

47 vgl. Kloft/ Gruschwitz 1988, S. 13 f.

48 vg. ebd., S. 213

49 Anm. d. Verf.: ca. 6.000 - 5.000 v. Chr.

50 nach Schmalz/ Merkel 2000

51 vgl. Ellenberg 1996, S. 38 ff.

52 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 290

53 vgl. Konradin Medien GmbH 2010, online: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/248105.html (Abruf: 13.06.2010)

54 nach Stinglwagner et. al. 2005, S. 894

55 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 45 f.

56 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 45 nach Abel 1971

57 vgl. Winkel 1995, S. 24 f.

58 vgl. ebd., S. 45 f.

59 Anm. d. Verf.: in Verbindung mit den Kreuzzügen, 11. bis 15. JH

60 vgl. Societäts-Verlag 2010, online: http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/geschichte.html (Abruf: 19.05.2010)

61 vgl. Sindt 2010, online: http://www.sindt.org/deutschland.htm (Abruf: 19.05.2010)

62 vgl. wissen-media GmbH 2008, online: Nachnamen - woher kommen sie? Wissen für Kids. Alexan- der Stahr: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/kinder/expedition- wissen/pferde/index,page=3604360.html (Abruf: 19.05.2010)

63 vgl. Societäts-Verlag 2010, online: http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/geschichte.html (Abruf: 19.05.2010)

64 vgl. ebd.

65 vgl. ebd.

66 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 42 f.

67 vgl. AID Infodienst 2006: Wald mit Zukunft, S. 6

68 Am 31.10.1517

69 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 292

70 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 61 f.

71 vgl. Societäts-Verlag 2008, S. 32

72 vgl. AID Infodienst 2006: Wald mit Zukunft, S. 6

73 vgl. ebd., S. 33 f.

74 vgl. ebd., S. 41 ff.

75 Anm. d. Verf.: Das sog. Wirtschaftswunder Deutschland

76 vgl. Stiftung Deutsches Historisches Museum 1998, online: http://www.hdg.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/index.html (Abruf: 19.05.2010)

77 vgl. Hasel/ Schwartz 2002, S. 279

78 nach Narodoslawsky et. al. 2009, S. 102

79 Anm. d. Verf.: um 2500 v. Chr.

80 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 6 f.

81 vgl. Glückaufgrundschule St. Andreasberg 2010, online: http://www.geschichtsatlas.de/~gd10/html/erz__was_ist_das_.html (Abruf: 20.05.2010)

82 vgl. Sindt 2010, online: http://www.sindt.org/Deutschland/Harz/harz.htm (Abruf: 19.05.2010)

83 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 11

84 vgl. ebd., S. 6 f.

85 Quelle: nach Wegener 2001, S. 57 - 65

86 vgl. EUROPARC Deutschland e.V. 2009, online: http://www.nationale-naturlandschaften.de/wie- alles-begann-brockenoeffnung-und-laenderuebergreifender-nationalpark-hochharz (Abruf: 18.05.2010)

87 vgl. Stinglwagner et. al. 2005, S. 386

88 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 116 f.

89 vgl. Laudert 2005, S. 24 f.

90 vgl. Sander 1961, S. 76

91 Bildquelle: nach Kortzfleisch 2008, S. 85 ff. Tafel A XII

92 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 138

93 Bildquelle: ebd., S. 108

94 Meyer et. al. 2008, S. 187 f.

95 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

96 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 15

97 Bildquelle: vgl. Kortzfleisch 2008, S. 15 (nach Klappauf 2000)

98 Anm. d. Verf.: vor etwa 260,4 - 251 Mio. Jahren

99 Anm. d. Verf.: chemische Bezeichnung: Calciumsulfat (CaSO4 x 2 H2O)

100 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

101 Anm. d. Verf.: Stand 2004

102 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

103 vgl. Ernst et. al. 2009, S. 225 ff.

104 vgl. Willmanns 1998, S. 182 f.

105 vgl. Ernst et. al. 2009, S. 229 nach Emmerling/ Kolkwitz 1914; Ernst 1965 und 1974; Baumann, 1984

106 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis- osterode.de/index.phtml?mNavID=103.3&sNavID=103.432&La=1 (Abruf: 02.06.2010)

107 vgl. ILEK OHA 2007, S. 8 f.

108 vgl. Stadtarchiv Osterode 2010 (nach Leuschner 1993)

109 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis-osterode.de/index.phtml?mNavID=103.426&La=1 (Abruf: 02.06.2010)

110 vgl. OHA - Informationen für Bürger und Gäste 2006, S. 42 ff.

111 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis-osterode.de/index.phtml?mNavID=103.426&La=1 (Abruf: 02.06.2010)

112 vgl. Stadtarchiv Osterode 2010 (nach Leuschner 1993)

113 Bildquelle: http://www.karstwanderweg.de/publika/landmarken/11/index.htm (Abruf: 03.06.2010)

114 vgl. Stadtarchiv Osterode 2010 (nach Leuschner 1993)

115 vgl. ebd.

116 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis-osterode.de/index.phtml?mNavID=103.426&La=1 (Abruf: 02.06.2010)

117 vgl. Museum Schloss Herzberg 2010

118 vgl. Stadtarchiv Osterode 2010 (nach Leuschner 1993)

119 Anm. d. Verf.: Administrationsgrenze des Fürstentums Hannover

120 vgl. Kortzfleisch 2008, S. 166 ff. Tafel B V

121 Bildquelle: Kortzfleisch 2008, S. 166 (nach Ließmann)

122 vgl. Stadtarchiv Osterode 2010 (nach Leuschner 1993)

123 vgl. ebd.

124 vgl. OHA - Informationen für Bürger und Gäste 2006, S. 11

125 vgl. Geopark - Landmarke 11 Alte Burg Osterode, online: http://www.karstwanderweg.de/publika/landmarken/11/index.htm (Abruf: 08.06.2010)

126 vgl. LK OHA Stabsstelle Regionalplanung und Bildung - Statistische Informationen 2008, PDF S. 42

127 vgl. OHA - Informationen für Bürger und Gäste 2006

128 vgl. ebd., S. 66 f.

129 vgl. Hofmann 2009, mündlich

130 vgl. cecu.de 2010, online: http://www.cecu.de/709+M529cd66b7e9.html (Abruf: 01.06.2010)

131 vgl. Duden 2000, S. 977

132 vgl. Scheier/ Held 2007, S. 123

133 vgl. Harzer Tourismusverband e.V. 2010, Der Harz - Daten & Fakten

134 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis-osterode.de/index.phtml?mNavID=103.426&La=1 & http://www.landkreis-osterode.de/index.phtml?mNavID=103.3&sNavID=103.28&La=1 (Abrufe: 19.04.2010)

135 vgl. LK OHA: Stabsstelle Regionalplanung und Bildung - Statistische Informationen 2008, PDF S. 13 ff.

136 Bildquelle: NIW 2009, S. 7

137 vgl. BertelsmannStiftung 2010, online: http://www.wegweiser- kommune.de/datenprognosen/kommunaledaten/KommunaleDaten.action (Abruf: 02.06.2010)

138 vgl. LK OHA: Stabsstelle Regionalplanung und Bildung - Statistische Informationen 2008, PDF S. 20

139 vgl. LK OHA 2008, online: http://www.landkreis-

osterode.de/index.phtml?La=1&object=tx|103.2657.1&sub=0 (Abruf: 02.06.2010)

140 nach FoVHgV 2003

141 Bildquelle: nach LK OHA 1999, S. 30

142 vgl. LK OHA 1999, S. 28 f.

143 vgl. LK OHA 1999, S. 28

144 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

145 vgl. LK OHA 1999, S. 109

146 online s.: www.hanskuehnenburg-im-harz.de (Abruf: 11.05.2010)

147 Quelle: eigene Berechnungen nach LK OHA 1999, S. 108

148 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

149 vgl. LK OHA 1999, S. 3

150 vgl. LK OHA 1999, S. 41 nach NLfB (Stand: 1998)

151 vgl. LBEG 2009, PDF S. 11

152 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

153 Anm. d. Verf.: Wiederbewaldung

154 vgl. LK OHA 1999, S. 31 - 46

155 Anm. d. Verf.: NSG ist Teil des FFH-Gebiets 133 "Gipskarstgebiet bei Osterode"

156 vgl. NLS 2005, online: http://www.nls.niedersachsen.de/Download/Nds_Regionen/156%20Osterode.pdf (Abruf: 10.05.2010)

157 vgl. ebd.

Details

Seiten
168
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783869435053
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186746
Institution / Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
Schlagworte
bedeutung potentiale waldflächen forstwirtschaft ländliches regionalmanagement beispiel landkreises osterode harz

Autor

Zurück

Titel: Bedeutung und Potentiale von Waldflächen und Forstwirtschaft für ein Ländliches Regionalmanagement - am Beispiel des Landkreises Osterode am Harz