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Relevanz von Katastrophenrisiken für die Assekuranz unter besonderer Berücksichtigung der Versicherbarkeit und der Veränderung des klimatischen Umfelds

Bachelorarbeit 2009 80 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Problemstellung

2. Erscheinungsformen von Katastrophenereignissen und erwartete Entwicklungen..
2.1 Definition einer Katastrophe
2.2 Arten von Katastrophen
2.2.1 Erdbeben
2.2.2 Stürme und Unwetter
2.2.3 Überschwemmungen
2.2.4 Terror
2.3 Prognosen und Trends

3. Relevanz von Katastrophenrisiken für die Versicherungs- und Volkswirtschaft
3.1 Risikobegriff und versicherungstechnische Risiken
3.1.1 Risikobegriff
3.1.2 Versicherungstechnische Risiken im Überblick
3.2 Risikomanagement und risikopolitische Maßnahmen im Versicherungsunternehmen
3.2.1 Risikomeidung
3.2.2 Risikotransfer
3.2.3 Risikodiversifikation
3.2.4 Risikoausgleich
3.3 Bedeutung und Varianten des Risikotransfers
3.3.1 Grenzen des privatwirtschaftlich organisierten Risikotransfers
3.3.2 Risikobegrenzung mittels Rückversicherung
3.3.3 Alternativer Risikotransfer
3.4 Entwicklung der Katastrophenschäden

4. Versicherbarkeit von Katastrophenereignissen und die Rolle des Staates
4.1 Kriterien der Versicherbarkeit
4.2 Untersuchung der Versicherbarkeit von Katastrophen anhand der Kriterien
4.3 Umgang der Assekuranz mit Katastrophenrisiken
4.3.1 Produktgestaltung als Antwort auf neue Risiken
4.3.2 Versicherung gegen Elementargefahren
4.3.3 Kalkulation des Elementarschadentarifs
4.3.4 Modellierung von Hagel- und Sturmszenarien
4.4 Risikoü bernahme durch den Staat

5. Katastrophenrisiken im Rahmen der Solvenzkapitalanforderungen
5.1 Das Drei-S äulen-Modell von Solvency II
5.2 Einordnung des NatCat Risikos
5.3 Berechnung des SCR-Catrisikos auf Basis der QIS 4 Studie

6. Schlussbetrachtung

Anhang
Anhang 1: Verzeichnis der Interviewpartner
Anhang 2: Fragebogen
Anhang 3: Fragebogenauswertung
Anhang 4: Partieller Marktüberblick über die Unterschiede in der Elementar- schadenversicherung
Anhang 5: Beteiligungsinstrumente des Staates

Formelverzeichnis

Gesprächsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterscheidung von Katastrophen nach ihrer Vermeidbarkeit

Abbildung 2: Erdbebenkatastrophe in Sichuan

Abbildung 3: Sturmschaden Kyrill

Abbildung 4: Überschwemmungen in North Carolina

Abbildung 5: Risiken im Versicherungsunternehmen

Abbildung 6: Risikopolitische Maßnahmen

Abbildung 7: Risikoteilungsprozess

Abbildung 8: Rückversicherungsvarianten

Abbildung 9: Moderne Ansätze des Transfers von Versicherungsrisiken

Abbildung 10: Das Rückversicherungs-Captive-Konzept

Abbildung 11: Cat-Bonds Gesamtvolumen und Emissionen pro Jahr

Abbildung 12: ILS im Vergleich mit anderen Anlagekategorien

Abbildung 13: Finite Risk Ansatz

Abbildung 14: Multiline-Stop-Loss auf Selbstbehalt

Abbildung 15: Wetterfuture an der CME

Abbildung 16: Anzahl verheerender Naturkatastrophen (Kat 5) 1980-2008

Abbildung 17: Bedeutende Naturkatastrophen für die Versicherungswirtschaft 1980-2008

Abbildung 18: Prämien-Kosten-Modell

Abbildung 19: WKP anteilig verbrauchter Jahresprämien durch Hagel

Abbildung 20: Drei-Säulen-Modell von Solvency II

Abbildung 21: Visualisierung der Value-at-Risk Konzeption

Abbildung 22: Im SCR abgebildete Risiken

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Prognosen der Umweltveränderungen

Tabelle 2: Zeiträume bei der n-Stunden-Klausel

Tabelle 3: Gestaffelte Verlustbeteiligung

Tabelle 4: Emittierte Cat-Bonds der Allianz Versicherung SE

Tabelle 5: Merkmale für die Versicherbarkeit von Katastrophenrisiken

Tabelle 6: Versicherungsdichte - europäischer Vergleich für einfache Risiken

Tabelle 7: ZÜRS und die Versicherbarkeit von Schäden durch Hochwasser

Tabelle 8: Versicherungsprämien für die Elementarschadenversicherung

Tabelle 9: Marktanteile in der Wohngebäudeversicherung

Tabelle 10: Schaden-Kosten-Quoten und weitere Kennzahlen

Tabelle 11: Schaden-Frequenz-Beziehung

1. Problemstellung

In der heutigen Zeit sehen wir und vermehrt mit klimatischen Anomalien konfrontiert. Insbesondere Winterstürme treten in Europa mit steigender Frequenz auf und führen zu hohen Versicherungsleistungen für die Versicherungswirtschaft. Die Stürme Lothar, Kyrill und Emma sind nur einige davon. Auch die Elbeflut im Jahre 2002 ging mit hohen Schadenszahlungen einher. Auch der zuletzt veröffentlichte Bericht der IPCC verheißt schlimmeres für die Zukunft. Bedingt durch den erhöhten Treibhauseffekt, werden demnach die Schäden der Klimaänderung häufiger und intensiver.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für die Versicherungswirtschaft die Frage, inwiefern sich derartige Ereignisse für die Zukunft versichern lassen. Längst beschäftigen sich vor allem Rückversicherungsgesellschaften mit der Klimaforschung und versuchen anhand von Modellen, künftige Szenarien aufzustellen. Im Rahmen des alternativen Risikotransfers werden immer kompliziertere Finanzkonstrukte auf den Kapitalmarkt platziert, um über die Verbriefung der Risiken, auch Investoren an dem möglichen Schadenausmaß zu beteiligen. Ein Muss, bedenkt man, dass ein Extremereignis selbst durch die solide finanzielle Ausstattung der Rückversicherer nicht ausgeglichen werden könnte und somit die Versicherungswirtschaft am Rande seiner Leistungsfähigkeit bringen könnte.

Aber auch Man-made Katastrophen, zu deren prominentestes Ereignis die Terroranschläge vom 11.September 2001 zählen, stellen ein allgegenwärtiges Risiko dar. Auch Deutschland ist als mögliches Ziel derartiger Gewalttaten anvisiert worden. So verstärkt sich die politische Einstellung, eine verschärftere Kontrolle im Alltag vorzunehmen. Auch stellt sich die Frage, inwiefern sich der Staat, durch die Wahrnehmung seiner ordnungspolitischen Aufgaben, an Schäden durch Naturereignisse beteiligen soll. Viele fordern in diesem Zusammenhang auch eine Pflichtversicherung, ggf. auch nach dem Schweizer Vorbild, einzuführen.

Auf dem Weg zu Solvency II, sind die Erst-VU verpflichtet worden, auch für den Katastrophenfall genügend Eigenmittel bereitzustellen. Hierzu wurden bereits mehrere QISStudien seitens der BAFin veröffentlicht.

Sind derartige Risiken, unter Berücksichtigung klimatischer Entwicklungen für die Versicherungsindustrie noch tragfähig? Welche Position sollte der Staat einnehmen? Welchen Stellenwert nimmt der Risikotransfer und die Modellierung von Katastrophenszenarien ein? Welche Eigenmittelanforderungen gehen mit diesen Risiken einher?

Diese Fragen sind der Ausgangspunkt der folgenden Untersuchung, die in fünf Hauptkapitel untergliedert ist.

2. Erscheinungsformen von Katastrophenereignissen und erwartete Entwicklungen

Unter Katastrophe wird eine Vielzahl unterschiedlicher Ereignisse verstanden. Gerade in Bezug auf Naturkatastrophen, wird sowohl mit intensiveren wie auch mit häufigeren Vorkommnissen gerechnet.

2.1 Definition einer Katastrophe

Katastrophenrisiken stehen für ökonomische Spitzenrisiken, die aus Naturkatastrophen, wie Wirbelstürmen, Erdbeben, Sturmfluten o.ä. resultieren. Dabei werden Jahrhundert- und Jahrzehntrisiken unterschieden.1

Jahrhundertrisiken

Bezeichnen Extremereignisse, die selten, d.h. mit einer Häufigkeit von ca. 1% - bzw. statistisch einmal in 100 Jahren - auftreten. Typischerweise liegen einem Cat Bond Jahrhundertrisiken zugrunde.

Jahrzehntrisiken

Verlustereignisse, die mit 10%iger Wahrscheinlichkeit bzw. statistisch gesehen einmal in 10 Jahren, auftreten.

Von der Münchener Rück werden Naturkatastrophen als groß bezeichnet, wenn sie die Selbsthilfefähigkeit der betroffenen Regionen deutlich übersteigen und überregionale oder internationale Hilfe erforderlich machen.2

2.2 Arten von Katastrophen

Abbildung 1 zeigt, dass dem Katastrophenbegriff zahlreiche Ereignisse zugeordnet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unterscheidung von Katastrophen nach ihrer Vermeidbarkeit3

Aufgrund der Fokussierung auf die Versicherbarkeit, sollen ausschließlich Naturphänomene sowie Man-made-Katastrophen analysiert werden.

2.2.1 Erdbeben

Erdbeben stehen für Erschütterungen des Untergrundes, die durch Prozesse in der Lithosphäre entstehen. Ein Erdbeben tritt auf, wenn Gesteinsmassen, welche sich permanent Deformationskräften ausgesetzt sehen, an einer Schwächezone plötzlich brechen. Im Zuge dessen verschiebt sich das Gestein ruckartig beiderseits der Schwächezone und verursacht dabei Erschütterungen oder Schwingungen des Untergrundes. Derartige Ereignisse spielen sich in der Erdkruste und im obersten Erdmantel ab, wo sich an Plattengrenzen die meisten Deformationsvorgänge abspielen.4

Erdbebenschäden werden hierbei nach einer Intensitätsskala klassifiziert. Üblicherweise wird die Erdbebengefährdung als die Wahrscheinlichkeit definiert (z.B. 10%), mit der die Erdbebenerschütterungen an einem bestimmten Ort, in einem bestimmten Zeitraum (z.B. 50 Jahre) eine bestimmte Erschütterungsintensität oder Beschleunigung erreichen bzw. überschreiten. So beträgt z.B. in Deutschland für Gebiete in der Schwäbischen Alb, um Aachen sowie um Basel die Wahrscheinlichkeit 10%, dass im Verlaufe von 50 Jahren eine Erschütterungsintensität von VII (mittlere Bodenbeschleunigung etwa 1m/s2) erreicht oder überschritten wird. Beben dieser Stärke wiederholen sich in den genannten Gebieten im Mittel alle 475 Jahre. In manchen Sedimentgebieten besteht bei Erdbeben die Gefahr der Bodenverflüssigung, so dass Straßen aufbrechen oder Häuser aus ihren Fundamenten gerissen werden.5

Gemäß den Musterbedingungen für die Versicherung weiterer Elementarschäden des GDV, ist darunter die naturbedingte Erschütterung des Erdbodens, die durch geophysikalische Vorgänge im Erdinneren ausgelöst wird, zu verstehen.6 Abbildung 2 zeigt die Auswirkungen des Erdbebens in Sichuan.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Erdbebenkatastrophe in Sichuan7

2.2.2 Stürme und Unwetter

Stürme sind die mit Abstand wichtigsten Naturschadenereignisse für die Versicherungswirtschaft, da die Marktdurchdringung der Sturmversicherung in fast allen Ländern im Verhältnis zu anderen Gefahren hoch ist. Bezogen auf Mitteleuropa haben vor allem zwei Sturmtypen hohe Schadenpotentiale, speziell auch für die Versicherungswirtschaft: Winterstürme und lokale Unwetter (Sommergewitter, Tornados). Winterstürme, die meteorologisch als außertropische Stürme bezeichnet werden, entstehen von Oktober bis April. Ein einziges Ereignis dieser Art kann Europa vom Norden Großbritanniens bis südlich der Alpen und vom Atlantik bis tief hinein in die Länder Osteuropas erfassen. Angesichts der geografischen Ausdehnung dieses Sturmtyps, können mehrere Millionen Einzelschäden und Schäden für die Assekuranz im mittleren bis hohen zweistelligen Milliarden-Euro Bereich entstehen.8

Die Entstehung lokaler Unwetter ist ganzjährig, vor allem jedoch im Sommer zu beobachten. Auch wenn sie räumlich begrenzt auftreten, können sie bedingt durch ihre vielfältigen Ausprägungen (Sturmböen, Starkniederschlag, Blitz, Hagel) zu versicherten Kumulschäden von mehreren Milliarden Euro führen. Auch in Europa sind Tornados keine Seltenheit. Die mittlere Zahl der jährlichen Beobachtungen liegt bei 170, allein in Deutschland bei ca.20 (wobei wohl kaum die Hälfte der Tornados erfasst wird). Ihr Durchmesser kann am Boden von wenigen Zentimetern bis zu Hunderten von Metern und sogar über einen Kilometer reichen. Die Lebensdauer eines Wirbels beträgt bei Windgeschwindigkeiten von i.d.R. 50/ 100 km/h bis 500 km/h maximal eine Stunde. Ihre Zugbahnlänge ist üblicherweise auf 10 km begrenzt. In Deutschland wurden seit 1891 bereits acht F4 Tornados gesichtet (zweithöchste Kategorie, Windgeschwindigkeit 330 km/h bis 420 km/h). Folgen von Tornados reichen von leichten Schäden bis hin zur völligen Zerstörung. Ab Windstärke 12 (120 km/h) ist nach Beaufort von einem Orkan die Rede.9

Für die Versicherungswirtschaft stellt Hagel eine sehr wichtige Begleiterscheinung kräftiger Gewitter dar. Hagel wird als fester Witterungsniederschlag in Form von Eiskörnern definiert. Dabei steigt die Aufschlaggeschwindigkeit eines Hagelkorns mit der Quadratwurzel seines Durchmessers an. Bei einem 1-cm-Korn liegt sie bei etwa 50km/h, beim 14-cm-Korn (größtes bisher in Europa gefundenes) bei schätzungsweise 170 km/h. Hagelkörner dieser Größe sind für Menschen und viele Tierarten tödliche Geschosse und können bereits auf kleinstem Raum zu riesigen Schäden führen.10

Abbildung 3 zeigt einen durch Kyrill bewirkten Schaden nahe Dortmund.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Sturmschaden Kyrill11

2.2.3 Überschwemmungen

In Mitteleuropa kann fast jeder beliebige Ort überschwemmt werden. Eine regelmäßige Bedrohung besteht für Gebäude und Anlagen in Gewässernähe, aber auch Gebiete weitab von Wasserläufen und Seen sind nicht vor Überschwemmungen sicher. Dabei können Ursachen und Verlauf verschieden sein- von der allmählichen Überflutung durch einen ansteigenden See- oder Grundwasserspiegel bis zur reißenden Mure in einem Wildbach. Flussüberschwemmungen entstehen nach ausgiebigen Niederschlägen über einem größeren Gebiet oder infolge Schneeschmelze. Da der Boden gesättigt ist, fließt der Niederschlag direkt in die Gewässer. Flussüberschwemmungen dauern normalerweise mehrere Tage bis Wochen und können sich, wenn das Flusstal flach und breit ist und ausreichend Wasser zur Verfügung steht, auf sehr große Flächen ausbreiten. Problematisch ist diese Form der Überschwemmung, weil lediglich ein sehr begrenzter Teil des gesamten Gebäudebestandes durch Hochwasser gefährdet ist und somit die Versicherungsnachfrage gering ist.12

Gemäß dem Zonierungssystem der Versicherungswirtschaft liegen in Deutschland weniger als 14% der besiedelten Fläche innerhalb des 200-jährlichen Hochwasserbereichs, und davon zwei Drittel außerhalb der 50-Jahre-Zone. Die höchste Gefährdungsklasse gilt somit gänzlich für 3,2% der Fläche, die häufig, manchmal sogar regelmäßig betroffen ist (Überschwemmungswahrscheinlichkeit > 10%) und somit äußerst schwer zu versichern ist. Im Hinblick auf die Überschwemmungsgefahr Sturzflut, die überall auftreten kann, ist jeder potenziell gefährdet. Diese entstehen durch intensiven, im Normalfall kurzzeitigen Niederschlag in einem oft sehr kleinen Gebiet, typischerweise in Verbindung mit Gewittern. Hierbei konzentriert sich das Wasser sehr schnell in den Vorflutern, wo Abflüsse und Wasserstände rasch ansteigen. Innerhalb weniger Minuten können sich insbesondere Wildbäche vom plätschernden Rinnsal in einen reißenden Fluss verwandeln und Abhänge und Gerinne erodieren. Sturzfluten sind, soweit sie nicht gewässergebunden sind, versicherungstechnisch unproblematisch, weil der nötige geografische und zeitliche Risikoausgleich voll gegeben ist. Eine starke Marktdurchdringung setzt allerdings auch ein ausreichendes Risikobewusstsein in weiten Teilen der Bevölkerung im Hinblick auf diese Art der Gefährdung voraus, an das es momentan mangelt.13

Hierzulande ist ein hoher Grundwasserstand, z.B. aufgrund eines hohen Wasserstandes in einem nahe gelegenen Gewässer, die häufigste Ursache für Probleme mit Wasser. Sturmfluten bedrohen dagegen Sachwerte, welche sich in Küstennähe befinden. Sie entstehen bei orkanartigem Sturm, welcher das Wasser auf die Küste zutreibt. Das Sturmflut- und Küstenerosionsrisiko wird sich im Zuge des zunehmenden Meeresspiegelanstiegs weiter erhöhen. Diese Tatsache stellt eine der gravierendsten Folgen der globalen Erderwärmung dar. Die Unterscheidung der einzelnen Überschwemmungstypen ist aus versicherungstechnischer Sicht aufgrund des Phänomens der Antiselektion besonders wichtig. So werden sich lediglich diejenigen gegen diese Risiken absichern wollen, die dieser Gefahr in hohem Maße ausgesetzt sind. Dies würde aus mehreren Gründen den Prinzipien der Versicherung widersprechen. Näheres kann dem Kapitel 4 entnommen werden.

Schäden durch Grundwasser werden in den Versicherungsverträgen i.d.R. ausgeschlossen, da die Ursache in einem Baumangel gesehen wird. Dagegen ist oberflächig eindringendes Grundwasser meist gedeckt. Diese werden über die erweiterte Elementarschadenversicherung versichert. Der Versicherungsschutz schließt hierbei auch Schäden durch Rückstau ein. Von Rückstau wird bedingungsgemäß gesprochen, wenn Wasser durch Ausuferung von Gewässern oder durch Witterungsniederschläge bestimmungswidrig aus den gebäudeeigenen Ableitungsrohren oder damit verbundenen Einrichtungen in das Gebäude eindringt.14

Abbildung 4 zeigt, dass in einem schweren Überschwemmungsfall auch das eigene Zuhause keinen ausreichenden Schutz bietet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Überschwemmungen in North Carolina15

2.2.4 Terror

Bei diesem Risiko handelt es sich nicht um eine Laune der Natur bzw. eine klimainduzierte Gefahr, sondern um eine Man-made-Katastrophe. Als Terrorismus wird eine moralisch besonders verwerfliche Form der Gewaltanwendung verstanden. Terrorismus besteht in der illegalen, die breite Öffentlichkeit schockierende, planmäßig im Untergrund vorbereiteten Gewaltanschläge gegen eine bestehende politische und gesellschaftliche Ordnung. Die hiermit verbundenen Anschläge dienen dazu, in der attackierten Gesellschaft Angst und Unsicherheit zu verbreiten.16 Prominentestes Beispiel ist sicherlich der Anschlag auf das World Trade Center in New York vom 11.September 2001. Von spontanen inneren Unruhen unterscheidet sich Terrorismus durch das geplante Vorgehen. Im Gegensatz zu einigen Naturkatastrophenrisiken ist es im Fall des Terrorismus nicht möglich, Schadenerfahrungen linear in die Zukunft zu extrapolieren. Da derartige Bedrohungen von Terroristen geplant werden, treten diese auch nicht zufällig ein.17

Die Swiss Re modelliert dieses Risiko auf Basis von drei Hauptfaktoren:

- Die Absichten der Terroristen ( also Motive/ Hintergründe)
- Das Potential der Terroristen (technisch, finanziell, organisatorisch)
- Die Verletzlichkeit der attackierten Gesellschaft (technische, wirtschaftliche, soziale und politische Stabilität)

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch weitere Risiken, wie bspw. Flugzeugabstürze oder Epidemien den Katastrophen zuzurechnen sind. Da jedoch den Natur- und Terrorgefahren in Zukunft eine größere Relevanz zugeordnet wird, werden die weiteren Risiken nicht weiter thematisiert.

2.3 Prognosen und Trends

Die Zeichen stehen ungünstig: Spätestens die seit der Veröffentlichung des 4. Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Anfang 2007 bekannt gewordenen wissenschaftlichen Erkenntnisse weisen auf die alarmierende Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen für das Weltklima hin. „Furchterregend wie ein Science-Fiction-Film“ titulierte der Spiegel.18 Die Klimaprognosen sind in Tabelle 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Prognosen der Umweltveränderungen19

Hurrikan Katrina hat gezeigt wohin die Reise geht. Für den Fall, dass keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, ist mit einem globalen Temperaturanstieg um mindestens 2o bis 3o innerhalb der nächsten 50 Jahre zu rechnen. Allein der bisherige Temperaturanstieg von einem halben Grad hat sichtbare Auswirkungen in Form von extremen Wetterlagen und deren Folgen hinterlassen.20 Für 2100 wird insgesamt mit einem Temperaturanstieg von 1,8o bis 4,0o gerechnet, der zu einem Energiezuwachs in der Atmosphäre und einer Zunahme von Hitzeperioden sowie zu einer Abnahme der Eisbedeckung und Permafrostböden führen dürfte.21 Gemäß den Aussagen des IPCC, wird die globale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 18 cm bis 59 cm führen. Anlässlich des Abschmelzens von Eis und Gletschern würde dies zu häufigeren Überschwemmungen in Regionen führen, die an ein Meer grenzen. Auch eine Zunahme der sogenannten Jahrhundertereignisse ist zu beobachten. So sind in Europa wie auch in Asien immer mehr Überflutungen und Hochwasser zu verzeichnen, bspw. In Deutschland in den Jahren 1999, 2002, 2005 und 2007. Weiterhin nehmen in Europa die sogenannten Winterstürme an Häufigkeit und Intensität zu. Besorgniserregend ist die Entwicklung der Hurrikane in den USA. Extremwetterlagen mit Hagel, Starkregen mit der Folge von Sturzfluten dürften tendenziell zunehmen.22

Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft DMG hat für Deutschland folgende auffällige Klimaänderungen konstatiert:23

- Erhöhung der Mitteltemperaturen seit 1900 um 1,1 Grad wobei die Erwärmungsrate um 0,27 Grad im letzten Jahrzehnt zugenommen hat.
- 2003 lag die Sommertemperatur in weiten Tellen West- und Mitteleuropas (gemittelt über 3 Monate) um mehr als 3 Grad über den bisher bekannten Höchstwerten. Der Juli 2006 war seit Beginn der Aufzeichnungen wiederum der wärmste. Die Temperaturen im Zeitraum September 2006 bis Juni 2007 sorgten abermals um ein überschreiten der langjährigen Mittelwerte um bis zu 4 Grad.
-In den letzten Jahrzehnten haben die Niederschläge generell Im Sommer deutlich ab-, Im Herbst und Winter deutlich zugenommen. Festgestellt wurde eine zunehmende Veränderlichkeit der Extreme, d.h. eine Tendenz zu sowohl extrem hohen als auch niedrigen Niederschlagsmengen und damit zu Überschwemmungen und mehr Dürren.
- Das Pfingsthochwasser 1999 in Süddeutschland gilt als 300- jähriges Hochwasser, jedoch trat eine ähnliche Situation bereits im August 2005 auf. Das Elbehochwasser 2002 gilt als 450- jähriges Ereignis.
- Die in Höhe von 5 Mrd. Euro durch Sturm Kyrill im Januar 2007 verursachten Schäden konnten dank einer erfolgreichen Katastrophenwarnung limitiert werden.
- Intensivierung der Gewittertätigkeit in Folge der Erwärmung.
- Verdünnung der Ozonschicht um 10% seit 1963

Weltweit hat die globale Oberflächentemperatur um 0,74oC zugenommen, wobei sogar 11 der letzten 12 Jahren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Festgestellt wurde eine Verdopplung der Temperatur in den letzten 50 Jahren verglichen mit den letzten 100 Jahren. Weltweit schrumpfende Gletscher tragen momentan mit 0,8 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei. Dabei ist der Meeresspiegel seit 1993 durchschnittlich um 3 mm pro Jahr, im 20. Jahrhundert um 17 cm gestiegen. Sehr wahrscheinlich ist es, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre im Wesentlichen auf anthropogene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) zurückzuführen ist. Eine Zunahme des Niederschlags in höheren Breiten ist sehr wahrscheinlich.24

Bis zum Jahr 2050 ist eine weltweite Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 80 % nötig, um den weltweiten durchschnittlichen Temperaturanstieg auf weniger als 2o C und die Klimafolgen auf ein angemessenes Maß zu begrenzen. Dadurch könnte eine Stabilisierung der atmosphärischen Treibhausgaskonzentration erreicht werden. Im Zuge der globalen Erwärmung und der damit steigenden Intensität extremer Tiefdruckgebiete, ist mit erhöhten Windgeschwindigkeiten und größeren sturmbedingten Schäden in West- und Mitteleuropa zu rechnen. Erwartet wird für den Zeitraum zwischen 2060 und 2100 eine Zunahme sturmbedingter Schäden um bis zu 37% für Großbritannien und Deutschland.25

3. Relevanz von Katastrophenrisiken für die Versicherungs- und Volkswirtschaft

Die Lage der Versicherungsindustrie hat sich in den letzten Jahren, aufgrund des Anstiegs von Naturkatastrophen und Terroranschlägen, deutlich verändert. Aufgrund des enormen Schadenpotentials, führten einige Ereignisse in der Vergangenheit zu hohen Versicherungsleistungen. Doch stehen dem Unternehmen Möglichkeiten offen, das Risiko teilweise zu vermindern und auf andere Wirtschaftssubjekte zu transferieren.

3.1 Risikobegriff und versicherungstechnische Risiken

Versicherungsunternehmen sehen sich im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. Besonders berücksichtigt werden hierbei auch Risiken aus Katastrophenereignissen.

3.1.1 Risikobegriff

In der Literatur sind verschiedene Definitionen für die Umschreibung des Risikobegriffs vorzufinden. Wenn ein Sachverhalt nicht mit Sicherheit (Wahrscheinlichkeit gleich eins) erklärt werden kann, existiert das Risiko, dass sich die Realität (Natur) anders verhält als erklärt. Folglich sind Prognosen auf Risikoabschätzungen angewiesen.26 Risiko ist die eine Form von Unsicherheit. Die Ungewissheit, als zweite Form der Unsicherheit, verschließt sich einer Quantifizierung und ist durch völlige Unkenntnis zukünftiger Umweltlagen gekennzeichnet.27 In den weiteren Ausführungen wird das Risiko als die negative Abweichung vom Erwartungswert verstanden (Risiko i.e.S.).28

3.1.2 Versicherungstechnische Risiken im Überblick

Versicherungsunternehmen sind soziale Gebilde welche dauerhaft Ziele verfolgen und eine formale Struktur aufweisen, mit dessen Hilfe die Unternehmensaktivitäten auf die Ziele ausgerichtet werden. Die Zielrealisierung sieht sich hierbei zahlreichen Risiken ausgesetzt.29 Hierbei werden folgende Kategorien unterschieden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Risiken im Versicherungsunternehmen30

Versicherungstechnische Risiken resultieren aus den Leistungsversprechen, welche die Versicherungsunternehmen in ihren Verträgen abgeben. „Diese hängen vom Eintreten unsicherer Ereignisse ab und verursachen daher Schwankungen im Bereich der finanziellen Entschädigungszahlungen.“31

Mittels unterschiedlicher Maßnahmen kann der Versicherer die Volatilität dieser Schadensverteilungen reduzieren, doch eine vollständige Elimination ist nicht möglich. Dadurch dass der Versicherer eine Vielzahl von homogenen und unabhängigen Risiken übernimmt, kann er einen Risikoausgleich im Kollektiv erzielen. Die entsprechende Vertragsgestaltung ermöglicht zudem einen Risikoausgleich in der Zeit. Als versicherungstechnisches Risiko wird das Restrisiko bezeichnet. Dieses entspringt aus dem Zufalls-, Änderungs-, und Irrtumsrisiko. Zudem führt eine asymmetrische Informationsverteilung zum „Moral Hazard“ und zur „Adverse Selektion“.32

Wichtigster Grund für das versicherungstechnische Risiko ist das Zufallsrisiko.

Der Schadenverlauf von Risiken innerhalb des Versicherungsbestandes ist stochastischen Schwankungen ausgesetzt. Diese zufällige Abweichung des Schadeneffektivwertes vom Schadenerwartungswert kann in zwei Ausprägungen vorkommen:

- Die Anzahl der eingetretenen Versicherungsfälle fällt in einer Periode besonders hoch aus (Schadenhäufigkeitsrisiko)
- Die eingetretenen Versicherungsfälle gehen mit besonders hohem Schadenaufwand einher (Schadenhöhenrisiko)33

Obwohl die zugrunde gelegte Schadenverteilung der Realität entspricht und sich diese im Zeitablauf nicht geändert hat, kann ein hoher Überschaden entstehen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit derartiger Abweichungen wird von der Größe und Struktur des Versicherungsbestandes bestimmt.34

Untergliedert werden kann das Zufallsrisiko in drei Teilmengen:

Das Kumulrisiko steht für die Möglichkeit, dass durch ein Schadenereignis gleichzeitig mehrere Risiken eines Versicherungsbestandes betroffen sind. So fallen bspw. Hagelstürme darunter.35

Das Ansteckungsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass von einem Schadenereignis nacheinander mehrere Risiken aus dem Versicherungsbestand betroffen sind.36

Beim Großschaden- oder Katastrophenrisiko handelt es sich um solche Ereignisse, die zwar selten eintreten, jedoch erhebliche Schäden an versicherten Objekten verursachen.37

Mit steigender Anzahl der Risiken nimmt die Standardabweichung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der Gesamtschadenverteilung (sonst gilt ceteris paribus) entsprechend der Gleichung = [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]zu, der Variationskoeffizient nimmt dagegen entsprechend der Gleichung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten38

Der Risikoausgleich im Kollektiv wird durch eine steigende Anzahl an versicherten Risiken unterstützt. In Relation zum Erwartungswert der Schäden und damit der Risikoprämie nimmt das Zufallsrisiko ab, obwohl dieses mit steigender Anzahl der Risiken absolut zunimmt. Je höher zudem die Schadeneintrittswahrscheinlichkeit, desto geringer das Zufallsrisiko.39

Die Möglichkeit dass aufgrund zyklischer, trendmäßiger oder unregelmäßiger Risikoänderung der Schadeneffektivwert vom Schadenerwartungswert abweicht, wird durch das Änderungsrisiko ausgedrückt. So hat bspw. die globale Erderwärmung, Einfluss auf die Wiederkehrperiode bestimmter Naturphänomene und letztlich auf den Schadenerwartungswert der betroffenen Risiken. Auch die wachsende Terrorgefahr ist dem Änderungsrisiko zuzurechnen.40

Hat der Versicherer fehlerhafte Rechnungsgrundlagen verwendet, oder basieren die Berechnungen auf fehlerhafte Schätzungen, so wird vom Irrtumsrisiko gesprochen. Dieses bezeichnet somit die Gefahr, dass sämtliche Berechnungen hinsichtlich der betrachteten Risiken auf falschen Modellen beruhen. Die Versicherer operieren mit unvollständigen Informationen, so dass nicht nur korrekte Werte für Schadenerwartung und Streuung zugrunde gelegt werden.41

Die weiteren Risikokategorien aus dem Versicherungsgeschäft sollen nicht weiter thematisiert werden.

3.2 Risikomanagement und risikopolitische Maßnahmen im Versicherungsunternehmen

„Unter Risikomanagement wird die logische Entwicklung und Durchführung eines Plans verstanden, wie mit Risiken umgegangen werden soll.“42

Um im Extremfall den Ruin des Unternehmens zu verhindern, müssen sämtliche Risiken identifiziert, analysiert und bewerten werden. Im Rahmen der Risikobewertung geht es darum, für die aufgedeckten Risiken, die zugehörigen Wahrscheinlichkeitsverteilungen bezüglich Schadenpotenzial und Eintrittswahrscheinlichkeit zu finden. Letztlich wird entschieden, welche risikopolitischen Maßnahmen ergriffen werden.43 Diese stellen sich wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Risikopolitische Maßnahmen44

3.2.1 Risikomeidung

Mit der Risikomeidung trägt das Versicherungsunternehmen der Erkenntnis Rechnung, dass trotz großer und gut diversifizierter Versicherungsbestände die tatsächlichen Schadenszahlungen die Erwartungen übersteigen können. Das Unternehmen kann trotzdem durch die Einschränkung auf bestimmte Zielgruppen, Regionen oder Versicherungssparten versuchen, gewisse Gefahrenquellen zu meiden (restriktive Zeichnungspolitik). Vorab übernommene Risiken werden zudem mit Ausschlüssen versehen (z.B. Terrorrisiken). Weiterhin werden mittels Risikoprüfung diejenigen Risiken ausfindig gemacht, die besonders schadenexponiert sind.45

Eine vollständige Risikomeidung ist nicht sinnvoll, da das Versicherungsunternehmen nur dann Gewinne erzielen kann, wenn es bereit ist bestimmte Risiken einzugehen.

3.2.2 Risikotransfer

Der Risikotransfer ist dadurch gekennzeichnet, dass der Versicherer bestimmte Gefahren ganz oder in Ausschnitten auf andere Wirtschaftssubjekte überträgt. Üblicherweise wird das Risiko in eine Vielzahl kleinerer Risiken zerlegt und im Anschluss zwischen mehreren Risikoträgern verteilt. Das Risiko wird schließlich besser verkraftbar und der Versicherer kann seine Zeichnungskapazitäten erweitern. Ein Risikotransfer kann vom Versicherungsunternehmen nach zwei Arten erfolgen:

- Risikoteilung mit einem Rückversicherer, oder Auslagerung der Risiken auf den Kapitalmarkt (ART).
- Schwer kalkulierbare Risiken beim Versicherungsnehmer belassen (z.B. Terror- oder Kriegsrisiken).46

3.2.3 Risikodiversifikation

Eine Risikodiversifikation wird dadurch erzielt, dass der Versicherer möglichst viele voneinander unabhängige Risiken im Bestand haben sollte. So wird vermieden, dass ein zufälliges Schadenereignis mehrere Risiken tangiert. Das Anbieten verschiedener Versicherungssparten trägt ebenfalls dazu bei. „Die Risikodiversifikation wirkt besonders effektiv, wenn die Risiken negativ miteinander korrelieren. Bei einem Korrelationskoeffizienten von - 1 würden sich beide Risiken sogar neutralisieren.“47 Auch kann das Versicherungsunternehmen mittels unterschiedlicher Produktlösungen für bestimmte Regionen und/ oder Sparten eine Streuung des Risikos erzielen. Ein Rückversicherer kann bspw. dadurch Ausgleichseffekte erwirken, indem es ein Erstversicherungsunternehmen gründet. Dies beruht auf der Tatsache, dass sich das Erst- und Rückversicherungsgeschäft jedenfalls in einigen Teilgebieten gegenläufig entwickelt.48

3.2.4 Risikoausgleich

Wie bereits erwähnt ist der Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit für ein Versicherungsunternehmen von existenzieller Bedeutung. Erwähnt sei hierzu das Gesetz der Großen Zahl. Bei größeren Beständen kann demnach das Risiko reduziert werden. So kann das Risiko des Versicherungsunternehmens bei Verdopplung des Versicherungsbestandes um abgesenkt werden. Die Risiken müssen dabei selbstverständlich ausreichend voneinander unabhängig sein. Letztlich werden Zufallsschwankungen eingedämmt. Der Risikobeitrag wächst dabei degressiv mit der Bestandszunahme.49

Da bei Katastrophenrisiken, das Schadensausmaß besonders hoch ist, ist der bloße Risikoausgleich im Kollektiv ungenügend. Mittels des restlichen Versicherungsbestandes würde sich ein Großschadenereignis nur schwerlich ausgleichen lassen. Vielmehr ist somit ein zeitlicher Risikoausgleich vonnöten. Dies wirft zwangsläufig die Frage auf, ob die Versicherungsgesellschaft das Katastrophenrisiko überhaupt durchsteht, um den Risikoausgleich in der Zeit zu ermöglichen. Diesbezüglich spielt die Risikoreservebildung eine Rolle. Dabei ist festzustellen, welche liquiden Mittel das Versicherungsunternehmen angesammelt hat, um schlussendlich unerwünschte Schwankungen in den Schadenverläufen kompensieren zu können.50

[...]


1 Vgl. Weistroffer, C. (2007)

2 Vgl. Adam, V. (2006), S.65

3 Enthalten in Adam, V. (2006), S.70

4 Vgl. o.V.(o.J)

5 Vgl. Bormann, P. (2008), S.2

6 Vgl. GDV (2009)

7 Enthalten in FAZ (2009)

8 Vgl. Kron, W./ Ellenrieder T. (2009), S.10-11

9 Vgl. Kunz, M./ Hauck, C./ Kottmeier, C. (2006), S.40

10 Vgl. Kron, W./ Ellenrieder T. (2009), S.11

11 Enthalten in FAZ (2009)

12 Vgl. Kron, W./ Ellenrieder T. (2009), S.11

13 Vgl. Kron, W./ Ellenrieder T. (2009), S.11

14 Vgl. Kron, W./ Ellenrieder T. (2009), S.11

15 Enthalten in Munich Re (2005)

16 Vgl. Munich Re (2009)

17 Vgl. Swiss Re (2009)

18 Vgl. Mrasek, V. (2007)

19 Enthalten in o.V. (2007)

20 Vgl. Neubauer, R./ Schauer, C. (2008), S.774-776

21 Vgl. o.V. (2008)

22 Vgl. o.V. (2008)

23 Enthalten in o.V. (2007)

24 Vgl. o.V. (o.J)

25 Vgl. WWF (2008)

26 Scholles, F. (2001), S.1

27 Delbeck, P. (2008), S.26

28 Vgl. Romeike, F./ Müller-Reichart, M., S.47

29 Vgl. Mangler, W.-D. (2006), S.7

30 Enthalten in von der Schulenburg, J.-M. (2005), S.55 ff.

31 Enthalten in Nguyen, T. (2007), S.75

32 Enthalten in Nguyen, T. (2007), S.76

33 Vgl. Farny, D. (2006), S.85

34 Vgl. Nguyen, T. (2007), S.76

35 Vgl. Farny, D. (2006), S.85

36 Vgl. von der Schulenburg, J.-M. (2005), S.56

37 Vgl. Romeike, F./ Müller-Reichart, M. (2008), S.87

38 Vgl. Farny, D. (2006), S.87

39 Vgl. Farny, D. (2006), S.87

40 Vgl. Nguyen, T. (2007), S.78

41 Vgl. Farny, D. (2006), S.93

42 Nguyen, T. (2007), S.80

43 Vgl. Nguyen, T. (2007), S.80

44 Enthalten in Nguyen, T., (2007), S.81

45 Vgl. Liebwein, P. (2000), S.143

46 Vgl. Nguyen, T. (2007), S.83

47 Nguyen, T. (2007), S.83

48 Vgl. Nguyen, T. (2007), S.84

49 Vgl. von Fürstenwerth, J., Weiß, A. (2001), S.288

50 Vgl. Nguyen,T. (2007), S.84

Details

Seiten
80
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783869435480
ISBN (Buch)
9783869433622
Dateigröße
14.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186673
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Note
1.4
Schlagworte
relevanz katastrophenrisiken assekuranz berücksichtigung versicherbarkeit veränderung umfelds

Autor

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Titel: Relevanz von Katastrophenrisiken für die Assekuranz unter besonderer Berücksichtigung der Versicherbarkeit und der Veränderung des klimatischen Umfelds