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Breitensport in Deutschland - ein internationales Modell? Dargestellt am Beispiel Nordic Walking

Hausarbeit 2007 34 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Definition Sport
2.2 Definition Sportsysteme
2.3 Definition Breitensport
2.4 Definition Nordic Walking

3. Sport in Europa
3.1 Sportgeschichte
3.1.1 Frankreich
3.1.2 Spanien
3.1.3 Italien
3.2 Europäische Sportmodelle
3.2.1 Sportrecht
3.2.2 Sportfinanzierung
3.3 Breitensport
3.4 Ehrenamt im Sport
3.5 Sport in Deutschland
3.6 Resümee

4. Nordic Walking
4.1 Entstehung
4.2 Verbreitung
4.3 Wirtschaftliche Aspekte

5. Ausblick

6. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Deutsche Runner und Walker 2005

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Personen, die Freizeitsport ausüben in %

Tabelle 2: Ehrenamtlich Tätige im Sport in den EU-Länder in Tsd

Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Sportvereine in Europa in Tausend

Anlage 2: Teilnahme am Wettkampfsport in %

Vorwort

„Sport für alle!“ ist der Slogan des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem Dachverband des deutschen Sports. Die Thematik dieser Hausarbeit ist sehr eng mit diesem Motto verbunden; infolgedessen fungiert an dieser Stelle ein Zitat des DOSB als Vorwort.

„In den fünfziger und sechziger Jahren war es noch verpönt, im Trainingsanzug über die Straße zu gehen. Heute gehört Sportkleidung zum aktuellen Outfit für Alt und Jung - auch außerhalb der Spiel- und Trainingsstunden. Die Hälfte unserer Bevölkerung ist sportlich aktiv, ein Drittel der Bundesbürger treibt Sport in den Vereinen. Slogans wie ‚Sport ist im Verein am schönsten’ oder ‚Sportvereine. Für alle ein Gewinn’ sind in aller Munde. Für diese rasante Entwicklung ist der Geschäftsbereich Breitensport des Deutschen Sportbundes zu einem großen Teil verantwortlich Das heißt nicht nur Sport für die Jungen und Starken, die Talentierten und Wohlhabenden, sondern auch für die Älteren, die Dicken, die Leistungsschwachen und die Untalentierten. (...).

Bei Olympischen Spielen und anderen Meisterschaften kann immer nur einer gewinnen, beim Breiten- und Freizeitsport ist jeder Sieger, der mitmacht - im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten. Mit fachkundiger Anleitung im Verein kann man da viel erreichen. Der persönliche Gesundheitseffekt und die Dimension für die Volksgesundheit sind gar nicht hoch genug einzuschätzen.“1

Die vorliegende Hausarbeit stellt den Breitensportsektor in Deutschland am Beispiel der Sportart Nordic Walking vor. Außerdem wird über die europäische Sportgeschichte und die daraus entstandenen verschiedenen Sportsysteme informiert. Es wird geprüft, ob der deutsche Breitensport als Modell auch international Anwendung findet.

1. Einleitung

Im Breitensport wird auf Motive wie Spaß an der Bewegung, Spiel und Sport sowie, in hohem Maße, auf Geselligkeit gesetzt. Volksläufe, Trimm-Aktionen oder Sportabzeichenkurse gehören in Deutschland zu den sportlichen Angeboten für die gesamte Bevölkerung.

Die moderne Freizeitentwicklung in Deutschland zeigt, dass die Menschen von traditionellen Sportformen und organisierten Sportvereinen abrücken. „Freizeitbeschäftigung und Sportbetätigung werden sich immer ähnlicher.“2 Der Wertewandel im Sport gleicht dem allgemeinen Trend in unserer Gesellschaft - der Pluralismus wird zunehmend vom Individualismus abgelöst. Neue Sportarten und freie, nichtorganisierte Möglichkeiten der Bewegung werden in hohem Maße nachgefragt.

Das Nordic Walking ist eine relativ junge Sportart und, bezugnehmend auf die vorangegangenen Gedanken, eine mögliche Antwort auf den angesprochenen Trend. Diese Semesterarbeit überprüft deshalb, wie tief das Nordic Walking in Deutschland im Breitensportsektor verwurzelt ist und welche Erfahrungen unsere europäischen Nachbarn mit dem Freizeitsport haben.

Ferner werden Einblicke in die europäische Sportgeschichte gegeben und die daraus entstandenen Sportsysteme beispielhaft vorgestellt. Es wird aufgezeigt, dass das Streben nach individueller sportlicher Betätigung eine europaweite Entwicklung ist.

Bezugnehmend auf die These dieser Hausarbeit ist die vorliegende Schrift wie folgt gegliedert: Das erste Kapitel definiert die Begriffe des Sports, der Sportsysteme, des Breitensports und des Nordic Walking.

Das zweite Kapitel widmet sich dem Sport in Europa. Einem kurzen Ausflug in die europäische Sportgeschichte folgt die Darstellung verschiedener Sportsysteme unter dem Blickwinkel des Sportrechts und der Sportfinanzierung. Außerdem wird auf den europ ä ischen Breitensport und die ehrenamtliche T ä tigkeit im Sport eingegangen, sowie speziell der Breitensport in Deutschland in Verbindung mit Outdoor-Sportarten untersucht. Damit stellt dieser Teil den Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit dar, dem am Ende des Kapitels ein entsprechendes Resümee folgt.

Das folgende dritte Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit dem Nordic Walking. Kurzen Erläuterungen zur Entstehung und zur weltweiten Verbreitung dieser Sportart folgen Einblicke in die ökonomischen Aspekte, die mit dem Nordic Walking verbunden sind.

Im vierten Kapitel werden Trends und Vorhersagen zur Entwicklung des Freizeitsports und der Sportartikelindustrie gegeben. Abschließend wird im fünften Kapitel eine kritische Schlussbetrachtung durchgeführt.

2. Grundlagen

Um in die Thematik dieser Hausarbeit einzuleiten, werden in diesem Kapitel die Begriffe des Sports, der Sportsysteme, des Breitensports und des Nordic Walking definiert. Die gewählte Unterteilung lässt bereits erkennen, dass sich die vorliegende Arbeit nur mit einem speziellen Teil des Gesamtbildes Sport befasst.

2.1 Definition Sport

„Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich Sport zu einem umgangssprachlichen, weltweit gebrauchten Begriff entwickelt. Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung lässt sich deshalb nicht vornehmen. Was im allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tradierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten bestimmt. Darüber hinaus verändert, erweitert und differenziert das faktische Geschehen des Sporttreibens selbst das Begriffverständnis von Sport."(R ö thig/Prohl Hrsg.: Sportwissenschaftliches Lexikon, 6. Aufl., Schorndorf 2003) 3

2.2 Definition Sportsysteme

Systeme [griechisch ›gegliedertes Ganzes‹] werden im Allgemeinen nach verschiedenen Kriterien unterschieden. Bezogen auf die Strukturen im Sport kann von einem sozialen System gesprochen werden, das wie folgt definiert wird. „Begriff, der das zwischenmenschliche Handeln innerhalb eines bestimmten Rahmens sozialer Verhaltens- und Orientierungsmuster analytisch erfasst. Kennzeichen sind die wechselseitige Abhängigkeit aller Elemente Personen, Institutionen) und eine auf Dauer angelegte Struktur und Kontinuität in den Beziehungen dieser Elemente.“4

2.3 Definition Breitensport

Gemäß der Aussage des DOSB ist Breitensport „jegliche sportliche Tätigkeit, die nicht ‚wettkampfmäßig’ betrieben wird.“5 Ausführlicher beschreibt es der W ü rttembergische Landessportbund: „Die Abgrenzung des Begriffes ‚Breitensport’ zum ‚(Hoch-)Leistungssport’ ist fließend So beinhaltet der Breitensport sowohl einen wettkampfungebundenen (sog. Freizeitsport), als auch einen wettkampfgebundenen (nach freigestaltetem bzw. nationalen/ internationalen Wettkampfreglement) Bereich. Im Vordergrund des Breitensports steht Spaß an Bewegung, Spiel und Sport im Zusammenhang mit den sozialen Komponenten, die das Vereinsleben bietet.“6

2.4 Definition Nordic Walking

„Walking [englisch] das, Powerwalking, Trendsport: schnelles Gehen (um 8 km/h), bei dem ständig Bodenkontakt gehalten werden muss; das Bein muss bis zum Abheben durchgestreckt sein. Spezialschuhe erleichtern die wichtigste Technik, das Abrollen der Füße von der Ferse über die Ballen. Beim Nordic-Walking oder PowerNordic-Walking, aus Skandinavien stammend, gelangen zusätzlich hüfthohe Stöcke mit speziellen Griffschlaufen zum Einsatz.“7

Eine weitere Definition soll in dieser Hausarbeit Bestand haben: „Nordic Walking ist eine witterungsunabhängige, für alle geeignete Ganzjahressportart. Durch den gezielten Einsatz von Poles [Stöcken] mit speziellen Handschlaufen wird Kraft und Kondition gleichermaßen trainiert.“8

Im folgenden Kapitel wird der europäische Sport ausführlicher betrachtet. Ein Exkurs in die Sportgeschichte zu Beginn des Kapitels soll dem grundlegenden Verständnis dienen; die Präsentation verschiedener Sportsysteme dem Vergleich zur Gegenwart. Allgemeine Informationen zum Breitensport Europas und der ehrenamtlichen Aktivität im Sport folgt ein spezieller Überblick über den Breitensport in Deutschland.

Dabei wird sich, im Sinne dieser Hausarbeit, auf Outdoor-Sportarten wie Nordic Walking bezogen.

3. Sport in Europa

Sport ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ob im Verein oder individuell - jeder darf und kann sich so viel sportlich betätigen, wie es ihm beliebt. Sport hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt. „War Sport vor 50 Jahren eine Angelegenheit von jungen Menschen - und dabei vorrangig von jungen Männern - und war auch die Umwelt des Sports im Wesentlichen über eine athletische Männlichkeit geprägt, so hat sich dies entscheidend verändert. Dem Sport ist es längst gelungen, nahezu alle Gruppen unserer Gesellschaft mit seinem Angebot zu erreichen. Sport ist somit eine Angelegenheit von der Wiege bis zur Bahre: Es existieren bereits Sportkindergärten, Sportinternate und Spezialschulen zugunsten des Sports sowie Sportkrankenhäuser - in der Reihe fehlt eigentlich nur noch der Sportlerfriedhof.“9

3.1 Sportgeschichte

„Wenn man die Entwicklung des Sports und der Sportkulturen in den verschiedenen europäischen Ländern angemessen beschreiben und erklären will, muß man davon ausgehen, dass sich der europäische Sport aus drei Quellen speist: Die erste Quelle ist der englische Sport. Er ist gekennzeichnet durch Leistungsvergleich im Wettkampf und durch das Streben nach Rekorden Die zweite Quelle ist das sich zugleich und in bewußter Abgrenzung zum englischen Sport entwickelnde ‚Turnen’ in Deutschland. Turnen ist nicht - wie der englische Sport - durch die Idee des Leistungsvergleichs im Wettkampf, charakterisiert Im Turnen geht es um die Gesundheit des Leibes, Bildung des Körpers, Abhärtung, Stärke und Geschick, Gegenwart des Geistes und Mut in Gefahren, zugleich aber und gleich wichtig, um intellektuelle und sittliche Bildung. (...) Die dritte Säule entstand in Schweden als schwedische Gymnastik. Diese schwedische Gymnastik ist am ehesten mit einem Maschinenmodell vergleichbar. Sie zerlegte die menschlichen Bewegungen in Einzelkomponenten und forderte ihre stereotype Wiederholung zum Training einzelner Körperteile und Muskeln. Aus diesen drei Quellen haben die verschiedenen Gesellschaften in unterschiedlicher Form geschöpft und ihr je eigenes nationales Bild des Sports geformt.“10

Die nachfolgenden Länderbeispiele geben einen sehr kurzen Einblick in die speziellen nationalen Sportentwicklungen. Mit den angeführten Zitaten soll gezeigt werden, dass trotz individueller Ausprägung alle europäischen Länder die gleichen historischen „Wurzeln“ haben, die Heinemann, Schubert vorab als die „drei Quellen des europäischen Sports“ beschrieben haben.

3.1.1 Frankreich

„In Frankreich hat es Mitte des vorherigen Jahrhunderts vor allem in Süden eine Sportbewegung gegeben, die auf Grundlage der schwedischen Gymnastik vor allem den traditionellen Sport modernisieren wollte. Diese Gymnastik wurde später Ausgangspunkt der ‚sport for all’ Bewegung in Frankreich. Nach dem verlorenen Krieg gegen Deutschland 1871 wurde dann das deutsche Turnen propagiert, weil man meinte, die Deutschen hätten den Krieg 70/71 gewonnen, weil Turnen sie wehrtüchtiger gemacht hätte. Für eine erneute kriegerische Auseinandersetzung wollte man besser gerüstet sein. Der englische Sport war als ‚anglophil’ eher negativ stigmatisiert.“11

3.1.2 Spanien

„In Spanien hat es schon früh eine eigene ‚bodenständige’ Bewegungskultur gegeben. Dabei ging es zum einen um die Pflege der Volkssportarten, zum andern um die Erschließung der Natur vor allem in Wandervereinen, schließlich spielten aristokratische Sportarten wie Fechten und Reiten eine bedeutsame Rolle. Die Wende kam, als die ersten Fabrikanten - in erster Linie der Textilindustrie - aus Katalonien ihre Söhne zur Ausbildung nach England schickten. Sie haben dann den englischen Sport und auch die Idee des ‚demokratisch-ehrenamtlich’ geführten Vereins nach Spanien gebracht. Dieser Sport wurde als Form des ‚demonstrativen Konsums’ einer neuen Bürgerschicht betrieben.

[...]


1 http://www.dosb.de: Sport für alle

2 Opaschowski, 2001, S.153

3 http://de.wikipedia.org: Begriffserklärung Sport

4 http://lexikon.meyers.de: Definition System

5 http://dosb.de: Definition Breitensport

6 http://www.wlsb.de: Definition Breitensport

7 http://lexikon.meyers.de: Definition Walking

8 http://www.tipps-vom-experten.de: Definition Nordic Walking

9 http://www.adh.de: Sportentwicklung in Deutschland

10 Heinemann, Schubert 2001, S.12f

11 Heinemann, Schubert 2001, S.13

Details

Seiten
34
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783869435879
ISBN (Buch)
9783656993766
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186628
Institution / Hochschule
Fachhochschule Stralsund
Note
1.3
Schlagworte
breitensport deutschland modell dargestellt beispiel nordic walking

Autor

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Titel: Breitensport in Deutschland - ein internationales Modell? Dargestellt am Beispiel Nordic Walking