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Potentialanalyse von Warenwirtschaftssystemen und Warensicherungssystemen in Verkaufseinrichtungen des Einzelhandels am Beispiel der Stiftung Liebenau

Diplomarbeit 2009 91 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Ausgangssituation
1.3 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Die Stiftung Liebenau

3 Das Liebenauer Landleben
3.1 Der Geschäftsbereich Liebenauer Landleben
3.2 Allgemeines zum Verkaufsladen des Liebenauer Landleben

4 Allgemeines zum Einzelhandel
4.1 Absatzmethoden im Einzelhandel
4.2 Strukturwandel im Einzelhandel
4.3 Neue Trends im Einzelhandel
4.4 Prozesskette des Einzelhandels

5 Grundlagen von Warenwirtschaftssystemen im Handel
5.1 Der Begriff des Warenwirtschaftssystems
5.2 Historie von Warenwirtschaftssystemen
5.3 Grundprinzipien von Warenwirtschaftssystemen
5.4 Die Ebenen von Warenwirtschaftssystemen
5.4.1 Warenprozessebene
5.4.2 Abrechnungsebene
5.5 Modelle von Warenwirtschaftssystemen
5.5.1 Offene und geschlossene Warenwirtschaftssysteme
5.5.2 Integrierte Warenwirtschaftssysteme
5.6 Funktionsbereiche von Warenwirtschaftssystemen
5.6.1 Beschaffung
5.6.2 Verkauf
5.6.3 Warenabwicklung
5.6.4 Abrechnungssysteme
5.6.5 Rechnungsschreibung
5.6.6 Rechnungsprüfung
5.6.7 Inventur
5.7 Warenwirtschaftliche Kennzahlen im Handel
5.8 Nutzenpotentiale von WWS
5.9 Standardsoftware oder Individualsoftware?

6 Warensicherungssysteme im Handel
6.1 Definition von Warensicherungssystemen
6.2 Sicherungssysteme

7 Ist-Analyse: Verkaufsladen des Liebenauer Landleben ohne WWS
7.1 Ist-Analyse Wareneingang
7.2 Ist-Analyse Ausstellung der Ware / Preisauszeichnung
7.3 Ist Analyse Verkauf (Kassiervorgang)

8 Zieldefinition (Soll-Konzeption)

9 Konzeption von Warenwirtschaftssystemen (Lösungsmöglichkeiten)

10 Anbietervergleich: Warenwirtschaftssysteme

11 Vorgehen zur Bewertung von Warenwirtschaftssystemen

12 Ist-Analyse: Verkaufsladen des Liebenauer Landleben ohne WSS

13 Zieldefinition (Soll-Konzeption)

14 Anbieter eines Warensicherungssystems

15 Fazit
15.1 Anwendungsmöglichkeit der Theorie auf die Praxis
15.2 Resümee
15.3 Aublick für das Unternehmen

Anhang

Literaturverzeichnis

DANKSAGUNG

Vor Beginn möchte ich mich bei all jenen bedanken, die direkt oder indirekt zum Entstehen dieser Diplomarbeit beigetragen haben und mich auf verschiedenste Weise in deren Verlauf unterstützt haben:

Rainer Wöhrle und Wolfgang Bausch, für das interessante Thema dieser Diplomarbeit, die sehr gute Betreuung und die vielen Hinweise und Denkanstöße.

Herrn Prof. Schneider, für seine spontane und freundliche Bereitschaft diese Arbeit als Erstkorrektor zu betreuen.

Besonderer Dank gilt meinen lieben Eltern, Claudia und Franz Welte, dass sie mich bis hierher begleitet und zu jeder Zeit in all meinen Unternehmungen sowohl moralisch als auch finanziell unterstützt und mir stets den Rücken gestärkt haben

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:Das Wertesystem der Stiftung Liebenau

Abbildung 2: Organigramm der Stiftung Liebenau

Abbildung 3: Absatzmethoden im Einzelhandel

Abbildung 4: Prozesskette des Einzelhandels

Abbildung 5: Entwicklung der Scannersysteme im Lebensmitteleinzelhandel

Abbildung 6: Kosteneinsparungen/ Ertragsverbesserungen durch Scannerkassen

Abbildung 7: Übersicht über die Strichcodetypen in Handel und Industrie

Abbildung 8: Die EAN-13 als Strichcode

Abbildung 9: Verhältnis von WWS und Handelsinformationssystemen

Abbildung 10: Kontext-Diagramm eines Warenwirtschaftssystems

Abbildung 11: Aufbau der Warenwirtschafts- und Informationssysteme im Handel

Abbildung 12: Zusammenwirken der Prozessebenen in Warenwirtschaftssystemen

Abbildung 13: Die funktionalen Bereiche der Warenprozessebene

Abbildung 14: Kreislauf eines geschlossenen Warenwirtschaftssystems

Abbildung 15: Modelle bzw. Formen von WWS in Handelsunternehmen

Abbildung 16: Der Beschaffungsprozess

Abbildung 17: Ladendiebstahl: Anzahl der erfassten Fälle bundesweit

Abbildung 18: Wirkungsarten bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse von Software

Abbildung 19: Vergleich der Nutzenkategorien

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:Überblick über die Warengruppen des Verkaufsladens des Liebenauer Landl

Tabelle 2: Überblick der historischen Entwicklung von Warenwirtschaftssystemen

Tabelle 3: Maßnahmen und Instrumente zur Steigerung der Produktivität im Handel

Tabelle 4: Produktgruppen mit Angabe ob Vorhandensein eines Barcodes oder nicht

Tabelle 5: Beispielrechnung zum gleitenden Durchschnittspreis

Tabelle 6: Beispielrechnung zum kumulierten Durchschnittspreis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Ein Unternehmen ist kein Zustand, sondern ein Prozess".

Ludwig Bölkow (*1912), dt. Ingenieur

1 Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

In der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung stehen die Unternehmungen im Allgemeinen und die Handelsbetriebe im Speziellen sich schnell wandelnden Umweltkonstellationen gegenüber, denen sie sich anpassen müssen, wollen sie ihr Überleben langfristig sichern. Aus diesen Entwicklungen heraus lässt sich aufzeigen, warum Warenwirtschaftssysteme heute im Zentrum des Interesses des Handels stehen und stehen müssen.1

Die Warenwirtschaft in der heutigen Zeit ist geprägt durch den Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung. Eine flächenmäßige Zunahme der Verkaufsräume und ein damit verbundenes wachsendes Sortiment, stellen immer höhere Anforderungen an die Mitarbeiter der Handelsunternehmen sowie die EDV-Systeme.

Ständig höhere Erwartungen der Kunden im Bezug auf Preis-Leistungs-Verhältnis, Warenangebot- und -vielfalt, aber auch Service und Qualität, haben die Rahmenbedingungen für die Unternehmen gravierend verändert und den laufenden Wettbewerb untereinander zunehmend verschärft.

„Die Warenwirtschaft ist das Herzstück der Administration in einem Handelsunternehmen; nur aus der Warenwirtschaft resultieren Gewinne.“2 Dieses Zitat kennzeichnet mehr denn je zutreffend die Bedeutung, die heute im Handel den internationalisierenden Warenwirtschaftssystemen zukommt.

Warensicherungssystemen kommt vor allem im Handel ebenso eine erhebliche Bedeutung zu. Nach Angaben des Einzelhandels lassen sich durch die Installation von Warensicherungssystemen die Inventurdifferenzen zwischen 30 und 70 Prozent reduzieren. Der Schaden durch Diebstähle beim Einzelhandel in Deutschland wird mit drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr angegeben.

1.2 Ausgangssituation

Der Geschäftsbereich Liebenauer Landleben erwägt die Einführung eines EDV-gestützten Warenwirtschaftssystems sowie eines Warensicherungssystems.

Derzeit steht der Verkaufsladen ohne solche elektronischen Hilfssysteme da.

Aufgrund der Vielzahl der Anbieter solcher Systeme wurde die Suche nach geeigneten Anbietern stark eingeschränkt. So wurden bereits vor der Anfertigung dieser Diplomarbeit von dem Leiter des Verkaufsladens Sondierungsgespräche mit etwaigen Anbietern geführt und auch bereits erste Informationsmaterialien ausgetauscht. Die aufgebauten Beziehungen zu diesen Anbietern wurden während der Anfertigung dieser Arbeit weitestgehend vertieft.

1.3 Zielsetzung und Vorgehensweise

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Thematik von Warenwirtschaftssystemen und Warensicherungssystemen zu behandeln und in einer Verkaufseinrichtung des Einzelhandels anhand der vorher beleuchteten theoretischen Grundlagen eine Potentialanalyse für ein Warenwirtschaftssystem sowie ein Warensicherungssystem durchzuführen. Ein Schwerpunkt liegt hier auf Konzepten und Grundlagen für die Einführung solcher Systeme. Relevant ist die Thematik über diesen speziellen Fall hinaus insofern, als dass die Einführung eines Warenwirtschaftssystems für fast jedes Unternehmen heute von Bedeutung werden kann. Besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen ist zu einer solchen Einführung von integrierten Werkzeugen zur Unternehmenssteuerung und Unternehmensplanung hinsichtlich der Kosten- und Zeitersparnis und der Vereinheitlichung von Datenbeständen zu raten. Heterogene Systeme und Lösungen verbrauchen unnötig viele Ressourcen und bergen oftmals nicht erkannte oder zu spät erkannte Kostenfallen, sodass sich selbst Warenwirtschaftssysteme mit einem relativ hohen Investitionsvolumen mittelfristig amortisieren sollten.

Im theoretischen Teil werden zum Anfang der Diplomarbeit das Unternehmen Stiftung Liebenau sowie sein Geschäftsbereich Liebenauer Landleben vorgestellt, mit dessen Zusammenarbeit diese Diplomarbeit angefertigt wurde.

Danach werden für den Bearbeitungsumfang kontextrelevante Termini eingeführt und definiert. Besonders wird hier der Fokus auf den Begriff des Warenwirtschaftssystems im Handel gelegt, aber auch andere wichtige Begriffe werden vorgestellt und beschrieben. Es folgt eine Definition des Begriffs Warensicherungssystem und ein Überblick über die verschiedenen Ausprägungen von Warensicherungssystemen im Handel.

Eine Erläuterung der Vorgehensweise bei der Bedarfsermittlung führt in den eigentlichen praktischen Teil ein. Das Prozedere wird anhand der Erfassung der Ist-Situation inklusive Schwachstellenbeschreibung und einer Definition von Gesamt- und Teilzielen (Soll- Konzeption) dargestellt.

Die logische Fortführung des praktischen Teils besteht in der Konzeption (Lösungsmöglichkeiten) von Warenwirtschaftssystemen inklusive der Bewertung (Potentialanalyse bzw. Kosten-Nutzen-Analyse). Schließlich werden zwei Anbieter von Warenwirtschaftssystemen ausgewählt, um die Angebote vergleichbar zu machen. Auch beim Warensicherungssystem wird der Ist-Stand und anschließend die Zielsetzung knapp geschildert. Ein Angebot für ein Warensicherungssystem ist weiterer Bestandteil der Arbeit.

Zuletzt wird eruiert, inwieweit sich die zuvor behandelte Theorie auf die Praxis bei der Bedarfsermittlung anwenden ließ. Ein Ausblick für das Unternehmen beschließt die Diplomarbeit.

2 Die Stiftung Liebenau

Die Stiftung Liebenau ist eine kirchliche Stiftung des privaten Rechts auf katholisch- kirchlicher Grundlage. Sie ist juristische Person aufgrund königlicher Entschließung vom 10. 9. 1873. Der Sitz der Stiftung ist Liebenau, Gemeinde Meckenbeuren, im Bodenseekreis.

Zweck der Stiftung ist hauptsächlich die Erziehung, Bildung, Beschäftigung, Heilbehandlung, Betreuung und Pflege von Menschen, insbesondere von behinderten, alten und kranken Menschen sowie von Menschen, die auf andere Art benachteiligt oder auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Die Stiftung Liebenau lässt sich in verschiedene Tätigkeitsfelder bzw. Geschäftsbereiche untergliedern, die da sind: Behindertenhilfe, Altenhilfe, Jugendhilfe, Bildung, Gewerbliche Gesellschaften, Stiftungsbetriebe, Beteiligungsunternehmen, Sozial- und Kulturstiftungen.

Die Holding der Stiftung Liebenau wiederum unterteilt sich in verschiedene Ressorts, die direkt dem Vorstand berichten. Die Ressorts sind die Folgenden: Recht und Vertragswesen, Finanzen, Personalmanagement, Kommunikation, Sozialpolitik, Strategische Entwicklung, Strategischer Einkauf. Auch die Betriebe und Dienstleister der Stiftung (Landleben, f&e, Forst, Energietechnik) berichten direkt an den Vorstand.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:Das Wertesystem der Stiftung Liebenau (Quelle: http://www.stiftung-liebenau.de/stiftung- liebenau/unternehmensphilosophie/wertesystem/index.html, zugegriffen am 01.10.2008)

3 Das Liebenauer Landleben

3.1 Der Geschäftsbereich Liebenauer Landleben

Das Liebenauer Landleben ist ein Geschäftsbereich bzw. eine Gesellschaft der Stiftung Liebenau. Er umfasst eine Gemüsegärtnerei, eine Zierpflanzengärtnerei, eine Landwirtschaft mit Obstbau und Viehhaltung, einen Garten- und Landschaftsbau sowie einen Verkaufsladen und einen Online-Shop mit exklusiven Weinen, Accessoires und Spezialitäten.

Im Liebenauer Landleben arbeiten mehr als 300 Personen, davon etwa 60 Menschen, die im Rahmen einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) sichere und anspruchsvolle Arbeitsplätze finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Organigramm der Stiftung Liebenau

3.2 Allgemeines zum Verkaufsladen des Liebenauer Landleben

Die Historie des Verkaufsladens ist recht schnell erläutert. Zu Anfang bestand lediglich eine kleine Verkaufsfläche von ca. 30 qm, auf der überwiegend selbsterzeugte Produkte angeboten wurden. Dies hat sich im Laufe der Jahre gewandelt.

Heute findet man auf über 1.000 qm Verkaufsfläche (Laden, Gewächshaus, Freigelände) fast allerlei an Produktgruppen:

Frisches Gemüse aus eigenem Anbau, Wurst- & Fleischwaren aus eigener Tierhaltung, Käsespezialitäten, Backwaren sowie ein reichhaltiges, ausgesuchtes Lebensmittelsortiment, Wohn- und Küchenaccessoires, Saisonpflanzen und Blumen sowie Bücher.3

Die einzelnen Warengruppen seien untenstehend aufgelistet, mit Nennung ob Eigenproduktion oder Zukauf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1:Überblick über die Warengruppen des Verkaufsladens des Liebenauer Landleben

3.3 Fakten zum Verkaufsladen des Liebenauer Landleben

Im Verkaufsladen des Liebenauer Landleben sind derzeit 26 Personen (inklusive Aushilfen, also Studenten und Schüler) beschäftigt.

Der Umsatz im Jahr 2007 belief sich auf 1.501.563,53 €. Eine Auflistung der umsatzstärksten Warengruppen gemessen am Gesamtumsatz zeigt, dass zugekaufte sonstige Nahrungsmittel den größten Anteil ausmachen mit 13,18%, danach folgen das eigenproduzierte Gemüse und zugekaufte Fleisch- und Wurstwaren. Die Kundenanzahl belief sich im Jahr 2007 auf 110.000 Kunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Allgemeines zum Einzelhandel

4.1 Absatzmethoden im Einzelhandel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Absatzmethoden im Einzelhandel (Adena, 2003, S. 192)

Distanzprinzip bedeutet, dass der Kunde nicht in den Räumlichkeiten des Einzelhändlers bedient wird. Das Distanzprinzip ist beispielsweise das Prinzip des Versandhandels. Beim Treffprinzip wird der Kunde in den Räumlichkeiten des Einzelhändlers bedient. Distanzprinzip und Treffprinzip sind durchaus in einem Unternehmen anzutreffen, Beispiel Tschibo. Schwerpunkt des Treffprinzips ist der stationäre Einzelhandel, bei dem das Unternehmen ein oder mehrere Verkaufsstätten betreibt. Beim stationären Handel kommt der Kunde in die Verkaufsstätte. Beim mobilen Handel kommt die Verkaufsstätte zum Kunden, wie man beispielsweise auf Wochenmärkten beobachten kann. Im stationären Handel kann man noch nach der Form der Bedienung unterscheiden. Bei der Fremdbedienung erfolgt die Bedienung durch Personal des Einzelhändlers, bei Selbstbedienung versorgt sich der Kunde selber. Häufig anzutreffen sind Mischformen.4

4.2 Strukturwandel im Einzelhandel

In den letzten 30-35 Jahren hat sich im Einzelhandel ein tiefgreifender Strukturwandel vollzogen.

Früher war die Branche durch eine Vielzahl kleiner Einzelhandelsunternehmen gekennzeichnet, die lediglich die Aufgabe hatten, die Ware der Hersteller an den Konsumenten „weiterzuleiten“. Heutzutage jedoch ist dieses System kaum noch tragbar. Was und in welchem Mengenverhältnis produziert wird, ist heute wesentlich stärker und - mit Hilfe elektronischer Feedbacks -auch wesentlich kurzfristiger von der Nachfrage determiniert.

Dieser Wandel hat vielfältige Ursachen: Zum einen wurde die vertikale Preisbindung (Festlegung des Verkaufspreises von den Lieferanten) gesetzlich verboten, was dem Einzelhandel mehr Spielraum gab. Das verfügbare Einkommen der Konsumenten ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, damit auch das Verlangen nach größerer Produktvielfalt. Die Mobilität der Verbraucher nahm stark zu - was wiederum die Entstehung von Einkaufszentren am Stadtrand begünstigt hat. Einzelhandelsunternehmen, die diese Potentiale früh erkannten, sind überproportional stark gewachsen. Dieses Wachstum hat auch das relative Machverhältnis zwischen Einzelhandel und Industrie verändert.

Ein weiterer erheblicher Faktor für den Strukturwandel hat sich in den letzten 10 Jahren entwickelt. Die Informationstechnologie ermöglicht es dem Handel heute, das tägliche Konsumentenverhalten zu analysieren und Veränderungen in kürzester Zeit in entsprechende „Orders“ an die Hersteller umzusetzen. Die aktuelle Nachfrage bestimmt somit die schnell erfolgende nächste Lieferung. Es ist heute vielfach der Händler, der die Nachfragetrends registriert, umgehend an die Hersteller weiterleitet und damit auch die Produktion steuert.5

4.3 Neue Trends im Einzelhandel

Im Handel, sowohl im Großhandel als auch noch ausgeprägter im Einzelhandel, haben sich in den letzten Jahren einige Entwicklungen ergeben, die folgend kurz skizziert werden sollen:

Supply Chain Management (SCM)

Der Begriff „Supply Chain“ geht von einer Lieferkette aus. Supply Chain Management versucht Prozesse aller Beteiligten, die innerhalb der gesamten Kette, der Supply Chain, dazu beitragen, den Kunden besser und kostengünstiger zu versorgen, zu optimieren. Hier werden in starkem Maße logistische Prozesse integriert.

Ziel des Supply-Chain-Managements ist es, die Güter und Informationsflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette so zu gestalten, dass durch eine eng abgestimmte Koordination der einzelnen Prozesse eine höhere Supply-Chain-Leistung und ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil erreicht werden.6

Efficient Consumer Response (ECR)

Dieser Begriff geht vom Endkunden aus und betrachtet die gesamte Prozesskette unter dem Aspekt, was alle Partner der Prozesskette tun müssen, um die Kundenwünsche besser zu erfüllen. ECR versucht, als effiziente Reaktion auf die Kundennachfrage die Kundenwünsche zu erfüllen, um dadurch Marktanteile zu gewinnen und den Umsatz zu steigern.

Computer Assisted Ordering (CAO)

Computer Assisted Ordering bedeutet, dass die Bestellungen durch die Überwachung der Bestände als Abgleich der Wareneingänge und der Warenausgänge von einem EDV-System generiert werden. Im engeren Sinne versteht man darunter Systeme im Einzelhandel, bei denen über die artikelgenaue Erfassung der Verkäufe die Überwachung durchgeführt und das Nachbestellen ausgelöst wird.

Category Management

Category Management ist eine Methode im Einzelhandel, einzelne Warengruppen (Categories) als eigenständige Profitbereich zu managen. Der Category Manager übernimmt die Verantwortung für die Beschaffung, die Logistik und den Absatz und trägt auch die Verantwortung für Kosten und Gewinn in seinem Category Bereich. Der Category Manager kann sich somit vertieft sowohl von der Beschaffungsseite als auch von der Absatzseite mit einem Warensegment auseinandersetzen.7 Wissenschaft und Praxis beschäftigt seit einigen Jahren die Frage, wie sich die Kunden in Einkaufsstätten verhalten: Welche Wege nehmen Sie, woran orientieren sie sich, wie suchen sie Produkte in einem Regal? Fundierte Erkenntnisse über das Orientierungs- und Suchverhalten der Kunden sind notwendig, um sinnvolle Entscheidungen über die Gestaltung von Verkaufsräumen und die Platzierung von Waren zu treffen. Industrie und Handel profitieren von diesen Erkenntnissen, besonders beim Category Management.8

4.4 Prozesskette des Einzelhandels

Im Vergleich zum Großhandel ergibt sich bei der Betrachtung der Warenprozesskette bzw. des Warenprozesssystems beim Einzelhandel eine deutliche Verlagerung zum Absatzprozess, daher wird mit der Betrachtung der Prozesskette beim Absatz und der Auftragsabwicklung begonnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prozesskette des Einzelhandels (Adena, 2003, S.196)

Absatz und Auftragsabwicklung

Bei den meisten Branchen (Lebensmitteleinzelhandel, Apotheken) ist keine Auftragsabwicklung im herkömmlichen Sinne mit einer Auftragserfassung und späteren Fakturierung vorhanden. Ausnahmen sind z.B. der Versandhandel und einzelne hochwertige Güter, wie Möbel.

Im übrigen Einzelhandel erfolgt die Auftragsabwicklung an der Kasse. Der Einzelhandel kann daher in den meisten Fällen Informationen für die Bestandsführung und die Disposition nur an der Kasse gewinnen. Das hat dazu geführt, dass in weiten Bereichen des Einzelhandels die Kassen als Erfassungssysteme genutzt werden. Ermöglicht wurde dieses durch die Entwicklung leistungsstarker so genannter Scannerkassen. Scannerkassen sind in der Lage, einen maschinenlesbaren Code zu erfassen. Eine Übersicht zur Entwicklung des Einsatzes von Scannersystemen in Deutschland zeigt die Abbildung 5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der Scannersysteme im Lebensmitteleinzelhandel (Schütte et al., 2000, S.130)

Eine vom Deutschen Handelsinstitut bereits 1990 durchgeführte Untersuchung zum Nutzen von Scannersystemen kommt - trotz der damals noch deutlich höheren Kosten von Scannersystemen - zum Ergebnis, dass es für Großraummärkte mit konventionellen Check-Out-Kassen kaum ertragreichere Investitionen als die Scanning-Systeme geben kann. Bei einer quantitativen Betrachtung wurden mögliche Kosteneinsparungen und Ertragsverbesserungen in Höhe von 1,2% des Umsatzes ermittelt (vgl. Abbildung 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Kosteneinsparungen/ Ertragsverbesserungen durch Scannerkassen (Schütte et al., 2000, S.132)

Der Code ist meistens ein maschinenlesbarer Strichcode, auch EAN-Code genannt. EAN steht für Europäische Artikelnummer. Die EAN-Codierung, auch Zebrastreifen genannt, findet man auf fast allen fertig verpackten Lebensmitteln. Die EAN Europäische Artikelnummer besteht im Handel in der Regel entweder aus 8 oder aus 13 Ziffern.9

Barcodes gehören somit in die Gruppe optischer Codierungen. Diese Einteilung kann so getroffen werden, weil das Übertragungsmedium für die Informationen Licht ist.10 Die EAN-8 wird meist für Produkte verwendet, bei denen eine Platzierung des EAN-13 Strichcodesymbols aufgrund der Verpackungsgröße problematisch ist. Typische Produkte, bei denen die EAN-8 Verwendung findet, sind beispielsweise Radiergummis oder Streichholzschachteln.11

Ziel des EAN-Konzeptes ist es, durch eine zentrale Nummernvergabe eine weltweite Überschneidungsfreiheit und damit Eindeutigkeit von Artikelnummern zu realisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Übersicht über die Strichcodetypen in Handel und Industrie (Quelle: Prof. Dr. Wolf - Dietrich Schneider, HS Furtwangen, in Anlehnung an BA Horb)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Die EAN-13 als Strichcode (Jäger,2007, S.14)

Preise, Rabatte und Lieferkonditionen

Im Einzelhandel spielen kundenabhängige Preise, Rabatte und Lieferkonditionen kaum eine Rolle.

Auf eine besondere Form der Preisfindung in Einzelhandel soll hier hingewiesen werden: Das Verfahren der so genannten Abschriften. Hier legt das Unternehmen einen Preis für den Verkaufsstart eines Artikels fest. Wenn von dem Artikel eine vorgegebene Menge, z.B. 60% verkauft worden ist oder der Artikel eine bestimmte Zeit im Angebot war, wird der Preis um einen Prozentsatz reduziert, nach einer weiteren vorgegeben Menge an Verkäufen bzw. einer weiteren Zeit kann dann eine abermalige Preisreduktion erfolgen.

➔Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leergutbearbeitung

Im Lebensmitteleinzelhandel und im Getränkehandel spielt die Rücknahme von Leergut eine größere Rolle. Für die Warenwirtschaft bedeutet das, dass dafür die Prozesse definiert werden müssen. Das betrifft den Leerguteingang, die Leergutverwaltung, Gutschriften und Leergutrücklieferung an den Großhandel.

Lagerung, Warenmanipulation, Kommissionierung

Lagerung

Lagerung spielt im Einzelhandel in der Regel eine sehr untergeordnete Rolle.

Der Grund liegt in der Erkenntnis, dass die Hauptfunktion des Einzelhandels im Absatz an den Endverbraucher liegt und diese Funktion stark abhängig ist von der zur Verfügung stehenden Verkaufsfläche.

Eine Lagerhaltung im Einzelhandel findet sich dagegen in ausgeprägtem Umfang beim Versandhandel. Im Versandhandel gibt es die traditionelle Prozesskette Auftragseingang - Auftragsbearbeitung - Kommissionieren - Fakturieren.

Warenmanipulation

Warenmanipulation findet im Einzelhandel in unterschiedlichem Umfange statt. Im Lebensmittelbereich ist hier vor allem das Verpacken von Frischwaren wie Obst, Gemüse, Fleischwaren oder Käse zu sehen. Für die warenwirtschaftlichen Prozesse müssen diese Leistungen in die Auftragsabwicklung einfließen, z.B. für die Berechnung als so genannte „Pseudoartikel“.

Kommissionierung

Kommissionierung ist ein elementarer Bestandteil im Versandhandel. Im übrigen Einzelhandel erfolgt eine Kommissionierung z.B. beim Lieferservice von Lebensmittelgeschäften oder bei Bestellungen über das Internet.

Beschaffung und Wareneingang

Beim Wareneingang hat der Einzelhandel die Wareneingangskontrolle durchzuführen. Eine weitere Aufgabe, die im Wareneingang erfolgt, ist die Warenauszeichnung, entweder durch die Regalauszeichnung, da durch den Einsatz von Scannersystemen die Preisauszeichnung an der Ware nicht unbedingt erforderlich ist, oder durch Warenauszeichnung (z.B. im Textilbereich). Im Wareneingang erfolgt in manchen Fällen auch noch das verkauffähige Vorbereiten der Waren, z.B. Aufhängen von Bekleidung auf Bügel.

5 Grundlagen von Warenwirtschaftssystemen im Handel

5.1 Der Begriff des Warenwirtschaftssystems

Zweck eines jeden Unternehmens ist es, Waren und/oder Dienstleistungen bereitzustellen und abzusetzen. Um den Begriff des Warenwirtschaftssystems zu erläutern, ist es vorab von Bedeutung, den Begriff der Warenwirtschaft zu deuten.

Die Warenwirtschaft als solche beschäftigt sich mit der Planung und Durchführung sowie der Kontrolle der Aufgaben zur Beschaffung, Lagerung, Bereitstellung der Waren, zur Auftragsbearbeitung und zur Verteilung der Waren.12 Warenwirtschaft ist folglich die physische, administrative und dispositive Behandlung von Handelsware in einem Handelsunternehmen.13

Die Warenwirtschaft hat für jegliche Unternehmen eine hohe strategische und wirtschaftliche Bedeutung. In Produktionsunternehmen beispielsweise machen die durch die Warenwirtschaft beeinflussten Kosten oft mehr als 70% der Umsatzerlöse aus.

Von 100% Umsatzerlös entfallen in vielen Branchen der verarbeitenden Industrie:

- Ca. 50% auf Materialaufwand (Waren, Roh- und Hilfsstoffe, Zulieferteile, etc.)
- Ca. 20% auf Materialbewirtschaftungskosten, das sind die Kosten, die im Unternehmen für das Einlagern, Verwalten, d.h. durch die Prozesse der Warenwirtschaft entstehen. Im Handel ist der Anteil des Materialaufwandes naturgemäß noch viel höher.14

Warenwirtschaftssysteme (auch WWS genannt) dienen der mengen- und wertmäßigen Darstellung und Steuerung des Güter- und Warenstroms in Handelsunternehmen. Sie können somit als Modelle der Geschäftsprozesse von Handelsunternehmen interpretiert werden.15 Warenwirtschaftssysteme werden des Weiteren allgemein definiert als „immaterielles Abbild der warenorientierten dispositiven, logistischen und abrechnungsbezogenen Prozesse für die Durchführung der Geschäftsprozesse in Handelsunternehmen.“16

Innerhalb der Architektur von Handelsinformationssystemen wird das Warenwirtschaftssystem durch das „H“ im Handels-H-Modell charakterisiert. Der Begriff Handelsinformationssysteme umfasst alle Informationssysteme in Handelsunternehmen (vgl. Abbildung 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Verhältnis von WWS und Handelsinformationssystemen (Becker, Schütte, 1996, S.14)

Der Zustand und die Qualität eines Warenwirtschaftssystems determinieren in hohem Maße den Erfolg eines Handelsbetriebs. Die Bedeutung von Informationssystemen mündet sogar in der Aussage: „Information schlägt Ware“.17

Die Hauptaufgabe eines WWS besteht darin, Informationen über den Faktor Ware bereitzustellen, Entscheidungen über diesen Faktor zu ermöglichen und zu treffen.18 Das entscheidende Merkmal eines WWS ist die Durchgängigkeit der Anwendungen. Dies bedeutet, dass Daten nur noch einmal eingegeben werden müssen, und alle Anwendungen, vom Wareneingang bis zum Verkauf, ohne Neueingabe darauf zugreifen können. Das WWS bildet somit alle Abläufe in der Verwaltung elektronisch ab.19

Die Erfassung der Warendaten bei Bestellung bzw. Wareneingang kann mittels Registrierkassen, Kassenterminals oder Scanner erfolgen. Bei Verkauf der Waren wird durch das WWS automatisch die Lagerdisposition bzw. auch die Bestellung gesteuert. Ein WWS dient als Informationsquelle für das Marketing, um laufend das Sortiment bedarfsgerecht an Kundenwünsche anzupassen, den Lagerumschlag zu optimieren, exakte Daten für die Inventur zu erhalten sowie um den Personaleinsatz zu planen und Warenverluste und Auszeichnungsfehler zu vermeiden.20

[...]


1 Vgl. Ebert (1986), S.1

2 Vgl. Hertel (1999), S.13 , in Anlehnung an Conradi (1989)

3 Liebenauer Landleben, http://www.liebenauerlandleben.de/oxid.php/sid/af29b6cecc83204d195ffe4c40881431// cl/info/tpl/cms_verkauf.tpl (zugegriffen am 11.10.2008)

4 Vgl. Adena (2003), S.192-193

5 Vgl. Adena (2003), S.193 ff.

6 Vgl. Magnus (2007), S.1

7 Vgl. Adena (2003), S.206-07

8 Vgl. Berghaus (2005), S.1

9 Vgl. Adena (2003) S.197 ff

10 Vgl. Jesse, Pötter (1993), S.30

11 Vgl. Schütte, Vering, Wiese, 2000, S.129

12 Vgl. Adena (2003), S.17

13 Vgl. Ebert (1986), S.52

14 Vgl. Adena (2003), S.39

15 Vgl. Hertel, Schramm-Klein, Zentes (2005) S.221

16 Vgl. Hertel et al. (2005), S.219

17 Vgl. Becker, Schütte (1996), S.12

18 Vgl. Ebert (1986), S.58

19 Vgl. Bullinger (1990), S.11

20 Vgl. Schneck (2005), S.1073

Details

Seiten
91
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656996903
ISBN (Buch)
9783869433059
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186604
Institution / Hochschule
Hochschule Furtwangen
Note
2.5
Schlagworte
potentialanalyse warenwirtschaftssystemen warensicherungssystemen verkaufseinrichtungen einzelhandels beispiel stiftung liebenau

Autor

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Titel: Potentialanalyse von Warenwirtschaftssystemen und Warensicherungssystemen in Verkaufseinrichtungen des Einzelhandels am Beispiel der Stiftung Liebenau