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Kinderarmut - Chancenlosigkeit von Kindern aus sozial schwachen Familien

Hausarbeit 2006 24 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen des Begriffs „Armut“
2.1 Armut allgemein
2.1.1 Absolute und relative Armut

3. Kinderarmut
3.1 Ausmaß und Auftreten von Kinderarmut
3.2 Ursachen der Kinderarmut
3.3 Auswirkungen der Armut auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
3.3.1 Psychische Folgen der Armut bei Kindern und Jugendlichen
3.3.2 Entwicklungsbedingungen in der Familie
3.3.3 Gesundheitliche Beeinträchtigungen
3.3.4 Sozialentwicklung
3.3.5 Bildungschancen

4. Forderungen und Konzepte zur Bekämpfung der Kinderarmut

5. Schluss

6. Literatur

1. Einleitung

„Die Gewaltbereitschaft (...) wächst: Türen werden eingetreten, Papierkörbe als Fußbälle missbraucht, Knallkörper gezündet und Bilderrahmen von den Flurwänden gerissen. (...) Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert. (...) Einige Kollegen/innen gehen nur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie über Funk Hilfe holen können.“[1]

Weil sie die Gewalt an ihrer Schule nicht mehr in den Griff bekam, schickte die Rektorin der Berliner Rütli-Hauptschule diesen dramatischen Hilferuf an den Senat. Es wird behauptet, der dramatische Fall dieser Hauptschule sei nur die Spitze des Eisberges. Das beschriebene Szenario sei schon viel länger Alltag an deutschen Haupt- und Realschulen. Von den Eltern sei wenig Unterstützung zu erwarten. Angebotene Termine werden nicht wahrgenommen, Telefonate scheitern nicht selten am mangelnden Sprachverständnis. Doch wie kommt es zu solchen Zuständen? Wie kommt es, dass so viele Kinder bzw. Jugendliche und deren Eltern Bildung vehement ablehnen, keinen Sinn im Lernen sehen und es für ihre Zukunft für nicht notwendig erachten? Die Perspektive ihr ganzes Leben lang klauen zu gehen und keine Arbeit zu haben ist für viele Kinder und Jugendliche eine ganz normale Vorstellung. Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage, wer daran schuld ist und welche Ursachen der stetige Anstieg dieser materiellen und emotionalen Armut hat. Ist im Fall der Berliner Schule allein der so oft betonte Ausländeranteil von 83,2 Prozent schuld oder liegen die Wurzeln dieser Problematik tiefer? Sind es die Lehrer, die Schüler, deren Eltern oder gar die Politik, die für diese Misere Rechnung tragen müssen? Kann man überhaupt den einen Schuldigen benennen, wenn es um die drastische Ausbreitung von Verarmung und Mittellosigkeit geht? Und gibt es einen Weg aus dem Teufelskreis „Armut“? In meiner Hausarbeit zum Thema „Kinderarmut- Chancenlosigkeit für Kinder aus sozial schwachen Familien“ möchte ich das Zusammenwirken gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und familiärer Lebenssituation im Hinblick auf randständige Familien und ihre Kinder in der Bundesrepublik Deutschland erörtern und nicht nur über das Ausmaß von Kinderarmut, sondern auch auf Ursachen und die individuellen Folgen dieser eingehen. Hierbei habe ich meinen Blick ganz besonders auf die Auswirkungen von schlechten Lebenslagen auf die Lebenschancen armer Kinder gerichtet.

Die Frage, wie Kinder Armut empfinden und erleben, soll im Folgenden geklärt werden. Abschließend werden Forderungen und Konzepte zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland vorgestellt.

2. Definitionen des Begriffs „Armut“

2.1 Armut allgemein

,, Armut ist eine Lebenslage, in der Einzelne, Gruppen oder ganze Bevölkerungen nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um sich ihren Lebensbedarf (Existenzminimum) zu sichern.“[2]

Armut wird also als ein Mangel an Chancen verstanden, durch den ein Leben, das gewissen Minimalstandards entspricht, nicht möglich ist. Die Maßstäbe für diese Standards und die Vorstellungen über die Ursachen von Armut sind örtlich und zeitlich sehr verschieden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Armut nach dem Einkommen. Danach ist arm, wer monatlich weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens seines Landes zur Verfügung hat. Die Armutsgrenze in Deutschland liegt nach Maßstäben der Europäischen Union (2003) bei 938 Euro, das sind etwa 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Neben dem Einkommen können auch andere Merkmale zur Definition von Armut herangezogen werden. Zum Beispiel, ob im Haushalt genügend Geld für Heizung, regelmäßige Mahlzeiten, ausreichende Bekleidung und andere lebensnotwendige Dinge zur Verfügung stehen.

Wenn es um das theoretische Grundverständnis von Armut geht sind zwei Konzepte voneinander zu unterscheiden. Ökonomische Konzepte verstehen die Armut als Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen. Soziokulturelle Konzepte, thematisieren auch nichtmaterielle Bedürfnisse, zum Beispiel das Fehlen ausreichender Bildungsmöglichkeiten.

2.1.1 Absolute und relative Armut

Armut auf absolutem Niveau ist Leben am äußersten Rand der Existenz. Menschen die in absoluter Armut leben, müssen unter immensen Entbehrungen und in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen. Auch in Wohlstandsgesellschaften existiert absolute Armut, etwa bei Suchtkranken, Obdachlosen oder Personen, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, soziale Sicherungssysteme, wie zum Beispiel Sozialhilfe, in Anspruch zu nehmen. In diesem letztgenannten Fall spricht man auch von verdeckter Armut.

Der absolute Armutsbegriff definiert, wie bereits ausgeführt, einen Einkommensmangel unterhalb einer festgelegten Existenzgrenze. Die Weltbank definiert Armut als Einkommen unterhalb eines Dollars am Tag. Das Konzept der relativen Armut betrachtet dies aus einer anderen Perspektive. Hier ist die Bezugsgrenze ein relativer Wert, beispielsweise die Hälfte des Durchschnittseinkommens in Deutschland. Dieses Konzept wird meist in Wohlstandsgesellschaften zu Vergleichen herangezogen. Hier wird also Armut auf die Gesellschaftsverhältnisse des Individuums bezogen definiert. Auf Grund dieser Umfeldabhängigkeit wird von "relativer Armut" gesprochen. So kann relative Armut als Unterversorgung mit materiellen und immateriellen Ressourcen von Menschen bestimmter sozialer Schichten im Verhältnis zum Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft bezeichnet werden. Je nach Sichtweise steigt oder sinkt demzufolge die Zahl der jeweils Armen.

Jedoch stellt sich hier die Frage, ob die vorliegenden Definitionen dessen, was unter Armut zu verstehen ist, einer kindlichen Perspektive entsprechen. Um einen kindgerechten Armutsbegriff zu skizzieren, ist es sinnvoll jene vier Dimensionen zu betrachten, die in der AWO- ISS- Studie herausgearbeitet wurden. Die materielle Versorgung, die Versorgung im kulturellen und sozialen Bereich sowie die psychische und physische Lage der Kinder und Jugendlichen muss demnach beleuchtet werden, um das individuelle Ausmaß der Armut festzustellen. Die soziokulturelle Verarmung, das bedeutet der Mangel an Teilhabe an der Gesellschaft durch finanziellen Mangel, wird von Soziologen als eine gravierende gesellschaftliche Herausforderung gesehen. Armut bedeutet also nicht nur die ungenügende Verfügbarkeit über materielle Ressourcen und die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Obwohl sie oft nur durch das Angewiesensein auf ständige Hilfe zum Lebensunterhalt definiert und der Vergleich zum durchschnittlichen Nettoeinkommen herangezogen wird, hat Armut auch eine andere Dimension. Sie zieht auch einen immateriellen Mangel mit sich.

Daher ist Armut häufig verbunden mit sozialer Isolation, räumlicher Segregation, Gesundheitsbeeinträchtigungen und eingeschränkten Karrierechancen der Kinder aus sozial schwachen Familien. Darauf möchte ich in den folgenden Abschnitten näher eingehen.

3. Kinderarmut

3.1 Ausmaß und Auftreten von Kinderarmut

Kinderarmut wurde in der deutschen Armutsforschung lange nicht als eigenständiges soziales Problem behandelt. Kinder wurden allenfalls als Ursache von Familienarmut oder als Angehörige einkommensarmer und sozial benachteiligter Haushalte anerkannt.

Seit dem Wandel zu Beginn der 90er Jahre, als die Armut von Kinder und Jugendlichen durch Sozialberichterstattungen zunehmend in den Focus der Öffentlichkeit geriet, werden Kinder jetzt als eigenständige (Rechts-) Subjekte und Opfer von Armut wahrgenommen.

Im Zusammenhang mit der Armutsentwicklung in Deutschland spricht man inzwischen von einer „Infantilisierung“ beziehungsweise einer „Familiasierung“ von Armut. Noch vor 15 bis 20 Jahren galt Armut als Problem von älteren Personen, die in ihrem Lebensabend in Armut gerieten. Heute ist Armut jung. Anders als es im öffentlichen „Generationsvertrag“ geschieht, fließen materielle Leistungen heutzutage ganz überwiegend von den Älteren zu den Jüngeren. Diese neue junge Armut wächst gegenwärtig weltweit. Gleichzeitig wächst aber auch der Reichtum. Diese soziale Polarisierung lässt sich auch in der Bundesrepublik Deutschland beobachten, wenn auch in anderen Erscheinungsformen als beispielsweise in der so genannten „Dritten Welt“. Nach Angaben der nordrhein-westfälischen Ministerien für Frauen, Familie, Jugend und Gesundheit lag im Jahr 2000 in Deutschland die direkte Kaufkraft der Kinder zwischen sieben und vierzehn Jahren bei rund 11,5 Mrd. DM jährlich. Berichte über „Kosum- Kinder“, die mit Markenprodukten von Nike und Nokia aufwachsen, sind natürlich nicht einfach aus der Luft gegriffen. Kinder haben viel Geld und immer mehr von dem, was für Geld zu haben ist. Jedoch wird bei solchen undifferenzierten Bildern die soziale Polarisierung verdeckt, welche schon die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft in unterschiedliche Lager spaltet. In der Bundesrepublik ist eine tiefe soziale Spaltung feststellbar, die sich auf die Lebenslagen der Kinder verschärfend auswirkt. Immer mehr Minderjährige wachsen in relativer Armut auf. In einer ersten repräsentativen Untersuchung aus dem Jahr 2000 hatte das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) belegt, dass in jedem siebten der 14 Millionen deutschen Kinderzimmer die Armut mitspielt. Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren wächst unter Verhältnissen auf, durch die es bei den Betroffenen zu psychosozialen Belastungen kommen und ein Ausschluss aus sozialen und kulturellen Lebensbereichen erfolgen kann. Tendenz: Steigend.

Armut bzw. Kinderarmut in Deutschland tritt weniger spektakulär auf als in armen Ländern. Die Kinder verhungern in der Bundesrepublik nicht am Straßenrand, ihre Armut zeigt sich in eher unauffälligen Formen; sie zeigt sich in subtiler Form. Das bedeutet zum Beispiel, dass Kinder morgens, wenn sie zur Schule kommen, noch kein Frühstück zu sich genommen haben, weil das Geld für diese Mahlzeit nicht ausreicht. Diese Begleiterscheinungen der Armut fallen kaum auf, auch Lehrern und Erziehern nicht. Darüber hinaus wird das bestehende Armutsproblem in Deutschland oft bewusst ignoriert, verschwiegen und tabuisiert, auch wenn die Zeichen noch so eindeutig sind.

Als arm werden Kinder vor allem dann bezeichnet, wenn die für ein einfaches tägliches Leben erforderlichen Mittel unterschritten werden, sie von den für die Entwicklung von Sozialkompetenz wichtigen Sozialbeziehungen abgeschnitten bleiben, ihnen Bildungsmöglichkeiten für ihre intellektuelle und kulturelle Entwicklung fehlen, sie in ihrem Umfeld gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt sind und in ihren Familien vernachlässigt werden oder gar Gewalt ausgesetzt sind. Jürgen Mansel nennt drei Formen der Armut die Kinder und Jugendliche betreffen können: Zum Einen nennt er die Kinder und Jugendlichen, die in einer Familie aufwachsen, die sich durch ihre Wohnsituation und das Bildungsniveau, sozialhierarchisch ganz unten befinden. Zum Anderen gäbe es die Jugendlichen, die auf Grund ihrer eigenen schulischen Laufbahn mit schlechten Chancen im Berufsleben zu rechnen haben. Und als letztes werden diejenigen genannt, die im Vergleich zu den Gleichaltrigen bedeutend weniger finanzielle und materielle Mittel zur Verfügung haben würden. In den meisten Fällen sind jedoch Mischformen der beschriebenen Armutssituationen zu beobachten. Das Verheerende an diesem Zustand ist, dass Kinder, die heute in Armut leben, arm bleiben und auch ihre Kinder arm sein werden. Das geht zumindest aus der neuesten Studie der Arbeiterwohlfahrt über Kinderarmut in Deutschland hervor. Aus dem Kreislauf von Armut durch Einkommensbenachteiligung sowie verminderter Bildungschancen ist demnach nur schwer zu entkommen. Denn Armut wächst mit. Die Armut hat sich verfestigt, der gesundheitliche Zustand der Kinder oftmals verschlechtert und aus den Einzelgängern, die arme Kinder häufig bereits im Kindergarten waren, sind in der Grundschule Außenseiter geworden. Sie können mit Gleichaltrigen nicht ins Kino oder ins Schwimmbad gehen und werden seltener zu Hause besucht.

3.2 Ursachen der Armut

Die Ursachen von Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland sind aus der Sicht vieler Theoretiker bestimmt von zwei Prozessen: einerseits vom Prozess der Wiedervereinigung 1989/90, andererseits vom Prozess der Globalisierung.

Die DDR und die Bundesrepublik hatten sowohl unterschiedliche soziale Institutionen als auch eine unterschiedliche Familienpolitik. Während in der Bundesrepublik die „männliche Alleinernährer-Familie“ dominierte, hatte sich in der DDR schon sehr lange das Leitbild der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geprägt. In der Kinderkrippe wurden die Kinder schon ab dem Säuglingsalter von zehn Wochen betreut. Staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Mütter machten es den Frauen möglich Beruf und Familie miteinander zu verbinden. Dies waren völlig andere Rahmenbedingungen, als man sie in Westdeutschland kannte. Nach der Einheit 1989/90 veränderte sich die Situation in den „neuen“ Bundesländern. Die Situation für alleinerziehende Mütter in Ostdeutschland glich sich im Laufe der Zeit der Situation in Westdeutschland an. Kindertagesstätten wurden geschlossen, Krippen waren nicht mehr im gleichen Umfang wie vorher vorhanden. Für einen Kindergarten- oder Krippenplatz musste gezahlt werden. Geld, das oft fehlte, weil die Menschen, insbesondere auch Frauen und Mütter, ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Massenarbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung wurde zu einem großen Problem der Gesellschaft. Hauptbetroffene sind Mehrkindfamilien und Alleinerziehende mit ihren Kindern. Es zeichnete sich bald eine soziale Polarisierung im vereinten Deutschland ab. Die Einen wurden ärmer, die Anderen reicher.

Neben der Wiedervereinigung ist auch der Globalisierungsprozess Ursache für die Verarmung. Unter Globalisierung wird ein Prozess verstanden, der gekennzeichnet ist durch die weltweite Intensivierung aller Beziehungen zwischen den Nationen, und zwar in wissenschaftlicher, ökonomischer, politischer, sozialer, kultureller und ökologischer Hinsicht. Globalisierung ist ein gesellschaftspolitisches Großprojekt, das in der ganzen Welt fast alle gesellschaftlichen Bereiche nach dem Vorbild des Marktes umstrukturiert. Es handelt sich um eine neoliberale Modernisierung, die im Prinzip darauf hinausläuft, mehr soziale Ungleichheit zu schaffen. Armut ist in neoliberalen Modernisierungsprojekten keineswegs ein sozialer Nebeneffekt. Armut ist funktional. Die Globalisierung zeigt denjenigen, die schon arm sind, wo sie landen, wenn sie sich den Leistungsimperativen dieser Gesellschaft nicht unterwerfen, nämlich im Extremfall unter der Brücke.

Das neoliberale Projekt führt zu einer verstärkten Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Um den Wohlstand der Vielen zu erhalten müssen offensichtlich mehr Menschen als bisher in eher prekären, benachteiligenden Verhältnissen leben. Die Reichen werden reicher, die Armen zahlreicher, der Staat wird ärmer, weil das Konzept der Globalisierung im Grunde auf Privatisierung setzt und darauf, dass sich alle zwischenmenschlichen Beziehungen mehr und mehr betriebswirtschaftlicher Effizienz unterordnen müssen. Auf Grund dieser Ökonomisierung, der Kommerzialisierung vieler Lebensbereiche, auch auf Grund der Privatisierung sowohl von öffentlichen Unternehmen als auch von sozialen Dienstleistungen werden die Menschen stärker gezwungen, diese Dienstleistungen zu bezahlen. Wer über entsprechendes Geld nicht verfügt, kommt auch nicht in den Genuss solcher Leistungen. Kinder und Jugendliche sind hierbei die Leidtragenden. Sie gehören zu den verletzlichsten Opfern einer neoliberalen Modernisierung.

Diese Ursachen für Armut und Kinderarmut bauen zum Teil aufeinander auf, verstärken und bedingen sich gegenseitig. Mangelhafte Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Niedriglöhne und Massenarbeitslosigkeit, der Umbau des Sozialstaates (Hartz-Reform und damit verbundene Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, etc.), berufliche Bildungsdefizite und der Rückgang traditioneller Lebensformen führen zu Armut, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Diese Armut wiederum führt zu schlimmen Mangellagen bei Kindern. Sie erleben in dieser Lebenslage nicht nur ihre Unterversorgung, sondern auch die Ohnmacht der Eltern, die Probleme zu meistern.

Die Armutsforschung belegt, dass Familien mit minderjährigen Kindern vergleichsweise hohen Armutsrisiken ausgesetzt sind. Von Armut betroffen sind hauptsächlich Familien in denen mindestens ein Elternteil arbeitslos ist und Alleinerziehende, die nur eingeschränkt erwerbstätig sein können. Deshalb zeichnet sich in Deutschland eine wachsende strukturelle Armut der Kinder auf Grund der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern und der schlechten Einkommenslage des Elternhauses ab. Kinder werden Opfer der ökonomischen Lage ihrer Eltern und haben unter dieser Situation zu leiden. Eingeschränkte ökonomische Ressourcen, das zeigen empirische Studien, beeinträchtigen nicht nur die Gestaltung des Alltags von Kindern, sondern langfristig auch deren persönliche Entwicklung und zukünftige Lebenschancen. Auf Grund einer zunehmenden sozialräumlichen Ausgrenzung der Armut

[...]


[1] Brigitte Pick, Rektorin der Rütli- Hauptschule in Berlin-Neukölln. Brief an die Senatsverwaltung Berlin. März 2006

[2] Brockhaus Enzyklopädie 1999

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656997610
ISBN (Buch)
9783656997771
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186422
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Note
1.3
Schlagworte
kinderarmut chancenlosigkeit kindern familien

Autor

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Titel: Kinderarmut - Chancenlosigkeit von Kindern aus sozial schwachen Familien