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Entstehung - Umgang - Prävention von Vorurteilen bei Kindern

von Yvonne Diana Reising (Autor)

Diplomarbeit 2000 84 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

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  • c_2
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  • 1 Vorwort
  • Einleitung
  • 2 Vorurteil und vorverurteilendes Verhalten
  • 3 Entstehung von Vorurteilen bei Kindern
  • 4 Abgrenzungsversuche: Du und ich
  • 5 Umgang mit Vorurteilen
  • 6 Prävention
  • 7 Schlußbetrachtungen
  • 8 Bibliographie

Impressum:

 

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Inhalt

 

1 Vorwort

Einleitung

2 Vorurteil und vorverurteilendes Verhalten

2.1 Vorurteilsforschung

2.2 Stereotype

2.3 Vorurteile

2.3.1 Funktion von Vorurteilen

2.3.2 Entwicklung von Vorurteilen

2.3.3 Erscheinungsformen von Vorurteilen

2.4 Gefahren von Stereotypen und Vorurteilen

3 Entstehung von Vorurteilen bei Kindern

3.1 Mögliche Ursachen

3.2 Pränatale Psychologie

3.3 Übernommene Vorurteile und ihre Quellen

3.3.1 Vorbilder

3.3.2 Medien

3.3.3 Familie / Eltern

3.3.4 Spielkameraden / Spielzeug

4 Abgrenzungsversuche: Du und ich

4.1 Das / Der Andere / Fremde

4.2 Angst und Haß

5 Umgang mit Vorurteilen

5.1 Einstellungsänderung

5.2 Kindergarten

5.3 Vor- und Grundschule

5.4 Multikulturelle Erziehung

6 Prävention

6.1 Soziales Lernen

1 Einander kennenlernen

2 Grenzen erkennen

3 Sich selbst kennenlernen

4 Einander zuhören

5 Konflikte lösen

6 Wer bin ich – was will ich?

7 Körperwahrnehmung

8 Stärken stärken

9 Zukunftsperspektiven

10 Miteinander

6.2 Antipathie – Sympathie – Empathie

6.3 Funktion und Rolle der Pädagogik

7 Schlußbetrachtungen

8 Bibliographie

 „There is a story about a man who was watching an old woman walk along an ocean beach. She had a strange pattern to her stride – every few steps she would stop, bend down, throw something in the water and then walk along some more. When he came closer the man saw that the old woman was picking up live starfish that had washed up on the shore during the previous night’s storm, and throwing them back into the ocean one at a time. He was appalled at the lunancy of her effort. „Do you realize how fruitless a task this is?“ he asked. „There are literally thousands of starfish along the shore. You can’t possibly make a difference. You might as well stop right now and relax.“ She listened politely to what he said, bent down, picked up another starfish and gazed at it thoughtfully for a moment. „It makes a difference to this one,“ she replied as she threw it back into the ocean.“ (Arnow, p. 192)

 

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1 Vorwort

 

Im letzten Semester meines Grundstudiums belegte ich in der Sozialpsychologie ein Seminar mit dem Titel „Stereotype und Vorurteile“ und übernahm ein Referat zu einem Kapitel aus „It’s social psychology“ von Rupert Brown: The Development of Prejudice in Children.

 

Es war interessant zu erfahren, wie Vorurteile entstehen können und welche Funktion sie haben. Hinter dem Wort „Vorurteil“ steckte also viel mehr als eine vorgefaßte, meist unbegründete und überwiegend negative Ansicht. Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie es zur Entstehung dieser vielen „Vor-Urteile“, die wir alle haben, kommt. Nun aber wollte ich wissen, ob Kinder sie von ihren Eltern übernahmen oder selbst konstruierten. Mich interessierte, ob diese –meist negative- Meinung und Haltung bestimmten Personen, Personengruppen, Tieren, Situationen und Gegenständen gegenüber angeboren oder erlernt war, ob sie korrigierbar war oder unveränderlich.

 

Im ersten Semester meines Hauptstudiums nahm ich an einem Seminar teil, welches den Titel „ Der Umgang mit Fremden / Anderen als pädagogische Aufgabe “ trug. Ich übernahm eine Seminararbeit: „Über den Umgang mit Vorurteilen bei Kindern“.

 

Im darauffolgenden Semester schrieb ich schließlich zusammen mit einer Kommilitonin eine weitere Arbeit zu diesem Themengebiet: „ Antirassistische Erziehung – Verantwortungsbewußte Kindererziehung “.

 

Während meines Praktikums ( 07.Juni bis 10. Juni und 27. Juli bis 30. August 1999 ) bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle Wuppertal erfuhr ich einiges über die Vorurteile von und gegenüber Hauptschülern. Typische Gymnasiasten stellten sie in einem selbst geschriebenen Theaterstück mit Anzughosen, gestreiften Oberhemden, Hosenträgern und überbetont deutlicher Aussprache dar. Die Mädchen trugen Kniestrümpfe und Kleider, waren strebsam, aber oberflächlich und interessierten sich mehr für ein ordentliches Äußeres als für den Menschen „dahinter“.

 

Auch mir – der studierenden Praktikantin – gegenüber hatten sie einige Vorurteile ( zudem waren sie schon anderen Praktikanten begegnet und hatten nicht nur gute Erfahrungen gemacht ) und ich arbeitete während meiner Zeit mit ihnen daran, die Gründe dafür herauszufinden und falsche Vorstellungen zu überprüfen.

 

Dies gelang mir, so daß ich nach kurzer Zeit nicht mehr „nur die Praktikantin mit Abitur“ war, die studierte und viel las, sondern jemand, der ihre Interessen teilweise teilte, sich für sie interessierte und in erster Linie eine neugierige Person war.

 

Die Schüler akzeptierten mich. Ich war nicht „einer von ihnen“, aber ich war auch nicht „irgendwer“ oder „die da“. Ich war jemand, der sie und ihre Probleme und Sorgen ernst nahm und ich wurde ernst genommen. Diese Offenheit, welche Menschen „aufeinanderzugehen“ läßt, ist wichtig, denn ohne sie können falsche Vorurteile nur schwer korrigiert werden. Dabei fällt mir immer wieder der Titel eines Buches von Ian Massay ein: „More than SKIN DEEP. Development anti-racist multicultural education in schools“ – der Titel und das Bild auf dem Buchdeckel zeigen deutlich, wie das Problem angegangen werden kann: Kontakt muß ermöglicht werden, ein Kontakt, der unter die Haut geht und nicht nur an ihre Oberfläche.

 

Dem einen oder anderen Stereotyp einer Studentin mag ich sicherlich entsprochen haben; die negativen Vorstellungen von einer studierenden Praktikantin aufgrund negativer Erfahrungen mit anderen Praktikanten, konnten umgewandelt werden, weil die Schüler und ich dazu bereit waren, aufeinander zu zugehen.

 

In meinen Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren mußte ich immer wieder eines feststellen: Ausschlaggebend für eine intakte und gut funktionierende Interaktion ist ein ehrliches Interesse am Gegenüber, Empathie und Toleranz.

 

 „Dafür bist du noch zu klein!“, „Das verstehst du noch nicht!“, „Mit dir spiel ich nicht, du bist blöd!“... Kinder werden täglich mit Vorurteilen konfrontiert. Fast immer sind sie „Opfer“. Doch (auch) fast immer sind sie „Täter“. Jeder hat Vorurteile. Einige davon haben Sinn und Nutzen, andere richten hingegen nur Schaden an.  Da der Begriff „Vorurteil“ fast immer als negativ empfunden wird, weist es jeder weit von sich, Vorurteile zu haben:

 

„Die Ableugnung „Ich habe keine Vorurteile“ ist zum einen ein Schutzschild für die  bekannten zwei Seelen, die in einer Brust leben; zum anderen eine Vorsichtsmaßnahme gegenüber der Verletzung jener gesamtgesellschaftlichen kulturellen Norm, die es als unpassend, ungehörig und verletzend ansieht, Vorurteile zu haben – eine voreingenommene Person, eine präjudizierte Persönlichkeit zu sein“ (Silbermann, S. 161)

 

Wo liegt der Ursprung von „Vor-Urteilen“? Warum werden Urteile ohne echte Begründung gefällt? Kann es eine Vorurteilsfreiheit überhaupt geben? Wie kann ein Umgang mit vorverurteilendem Verhalten aussehen? Ist eine Prävention möglich und wenn ja, was kann sie leisten? Macht es etwas aus, wenn ein einzelner sich ändert?

 

Diese Fragen gilt es zu untersuchen. Die vorliegende Arbeit versucht dabei, das Thema aus pädagogischer, psychologischer und philosophischer Sicht zu betrachten.

 

Einleitung

 

Vorurteile sind Vor-Urteile und beeinflussen als solche Entscheidungen und Schicksale. Die vorliegende Arbeit stellt klassische und alternative Entstehungstheorien dar und führt überdies hinaus zu einer Betrachtung der Möglichkeiten, mit vorverurteilendem Handeln, besonders im Bereich der Kindererziehung umzugehen. An die Diskussion, wie eine Prävention oder Reduktion von Vorurteilen bzw. deren negativen Folgen, sofern überhaupt möglich,  aussehen kann, angeschlossen wird die Aufgabe der Pädagogik hinsichtlich des Themengebietes erläutert.

 

Vorurteile entstehen unter anderem durch „Voreingenommenheit“ und verhindern eine neutrale und gerechte Betrachtungsweise des Vorverurteilten. Positive Vorurteile führen zu unberechtigten Bevorzugungen, negative Vorurteile haben Ungerechtigkeiten, auch Diskriminierung zur Folge.

 

In unserem Alltag sind wir überall von Vorurteilen umgeben. Es gibt Vorurteile gegenüber Menschen mit anderen Haar- oder Hautfarben, anderer Kleidung, anderer Sprache, anderen Umgangsformen oder Verhaltensweisen. Es gibt Vorurteile gegenüber bestimmten Tieren („Schweine sind dreckig“, „Spinnen sind ekelig“, „Schlangen sind falsch“, „Katzen sind niedlich“ usw.), Lebensmitteln („Iih, das sieht aber komisch aus, das mag ich nicht!“), Fortbewegungsmöglichkeiten („Fahrräder sind altmodisch“ u.ä.), Medien, Sportarten („Tanzen ist doch kein Sport!“, „Reiche Leute spielen Golf!“ usw.), sozialen Gruppen, Lebensformen (Kommunen, Dreierbeziehungen, wilde Ehen, Wohngemeinschaften u.a.), Glaubensrichtungen (Hinduismus, Schamanismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Keltentum ...), Möbeln („Die von Ikea sind billig und haben alle Namen.“) – eigentlich gibt es wohl nichts und niemanden, das bzw. der nicht Opfer von Vorurteilen werden könnte.

 

Zum einen schützen einige dieser Vorurteile unsere Lebensordnung, zum anderen aber erniedrigen sie meist das Vorverurteilte  und erhöhen damit indirekt unsere eigene Ansicht, Einstellung, Lebensweise. 

 

Die zentrale Frage dieser Arbeit ist, ab wann und wie Kinder Vorurteile entwickeln. Sind allein die Eltern und andere Mitmenschen für die Entstehung verantwortlich? Oder aber bringen Kinder eine gewisse Präferenz schon mit in diese Welt?

 

Wie können (negative) Vorurteile verhindert oder reduziert werden? Welche Rolle übernimmt dabei die Pädagogik?

 

Eine philosophische, pädagogische, psychologische und soziologische Betrachtungsweise ermöglicht eine ganzheitliche Bearbeitung des Themengebietes und führt letztendlich zu einem vielversprechendem Ansatz zum Umgang mit dem verunsichernden Thema „Kinder und Vorurteile“.

 

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2 Vorurteil und vorverurteilendes Verhalten

 

2.1 Vorurteilsforschung

 

Die Vorurteilsforschung hat hauptsächlich fünf Ansatztypen:

 

lerntheoretische Ansätze: Vorurteile werden durch Konditionierungsprozesse, Beobachtungslernen und soziale Identifikation erlernt.

 

persönlichkeitstheoretische Ansätze versuchen herauszufinden, ob es einen bestimmten Persönlichkeitstyp gibt, der „für antidemokratische oder faschistoide Tendenzen anfällig“ ist.

 

kognitive Ansätze vermuten, daß kognitive Verarbeitungsmuster für Vorurteile verantwortlich gemacht werden können.

 

die Theorie der sozialen Identität besagt, daß „Kategorisierungsprozesse unserer Umwelt nicht nur klassifiziert werden, sondern auch mit Wertungen versehene Kategorien gebildet werden“.

 

sozio-kulturelle Theorien versuchen vor allem aus hostorischen Gründen heraus, Vorurteile als gesellschaftlich-funktional darzustellen.

 

(vergleiche hierzu Six, S. 35 f.)

 

Die meisten Theorien zur Entwicklung von Vorurteilen und Rassismus stimmen in mindestens einem Punkt überein: „Selten beruhen Vorurteile bei Kindern auf eigenen Erfahrungen. Was sie über Minderheiten verbal äußern, reflektiert erlernte negative Einstellungen, die ihnen Erwachsene direkt oder indirekt beigebracht haben“ (Mussen et al., S. 483)

 

Der Mensch neigt in der Regel dazu, sich selbst und die Gruppe(n), zu der (denen) er sich zugehörig fühlt, aufzuwerten. Meist kann dies nur durch ein Abwerten von anderen Einzelpersonen und Gruppen gelingen.

 

Die Vorurteilsforschung versucht Ursachen der Vorurteilsentstehung und Maßnahmen zum Umgang mit Vorurteilen zu ermitteln.

 

2.2 Stereotype

 

Definition:

 

Stereotype

 

„An oversimplified generalization about people from any group – such as ethnic, racial,      religious – which usually carries derogatory implications.“(Arnow, p. 46)

 

Stereotype entstehen, wenn einer Person (einer Situation, einem Gegenstand...) Eigenschaften zugeschrieben werden, die andere Personen (...) teilen.

 

Stereotype sind Hypothesen über Menschen:

 

ein Beispiel:  1. Studenten sind faul.

 

2. Deutsche sind fleißig.

 

þ Deutsche Studenten sind verhältnismäßig (im Vergleich zu Studenten anderer Länder / Nationen) fleißig.

 

Stereotype werden uns von unserer Umwelt vermittelt, durch unsere Mitmenschen und Medien:

 

„As if the violent nature of these characters and their accountrements weren’t enough, they      frequently portray racial and sexual stereotypes promoting hatred in our society – able-bodied white men as the heroes, foreign-born males, some with disabilities, as the evil characters, women as victims – setting children up for dangerous pejudices and bigotry later on in life.“  (Arnow, p. 6)

 

Oft wird allein den Medien, vor allem dem Fernsehen und Büchern, der Vorwurf gemacht, Kinder mit irrealen bzw. nicht-stimmigen Stereotypen zu konfrontieren. Tatsächlich finden sich in den meisten Kinder- und Jugendbüchern noch immer traditionelle Rollenverteilungen, sei es innerhalb der Familie (Mutter-Vater-Kind-Haushalte mit Mutter als Hausfrau und Vater als Hausvorstand; die Tochter spielt mit einer Puppe, der Sohn mit Autos usw.) oder allgemeiner in der Gesellschaft („dunkle“, meist auch dunkelhäutige, ausländische Verbrecher, gut gekleidete, saubere und meist hellhäutige Helden u.a.):

 

„More recently, the duality is described in this example for younger children, the 1970 book Glad to Be a Boy, Glad to Be a Girl, still on the shelves in many libraries:

 

Boys are doctors; girls are nurses.

Boys are football players; girls are cheerleaders.

Boys invent things; girls use things boys invent.

Boys fix things; girls need things fixed.

Boys are Presidents; girls are First Ladies.“ 

 

(Arnow, p. 51)

 

Natürlich entspringen manche Stereotype der sozialen Realität. Gefährlich ist jedoch die Verallgemeinerung, welche durch sie geschieht:

 

Für Menschen mit bestimmten Eigenschaften und einem besonderen Erscheinungsbild wurden schon immer spezielle Namen (auch Spitznamen) gesucht. Durch diese Benennung bekommen die Betroffenen eine Art Stempel aufgedrückt, der nur selten positiv ist. Manchmal kommt es durch diesen „Stempel“ zu einer selffulfilling prophecy, das heißt, die immer wieder wiederholte, „heraufbeschwörende“ Beschreibung erfüllt sich. Wird ein Kind als „Angsthase“ oder „ungeschicktes Dummchen“  tituliert, fällt es ihm sicherlich nicht leicht, diesen Stempel zu löschen und es kann sein, daß sich der Spitzname, wenn er es nicht von Anfang an getan hat, dann doch später, als zutreffend erweist.

 

„Wie Juniper und viele andere auch wurde ich nicht bei meinem richtigen Namen Erith  gerufen, sondern hatte einen Spitznamen, den man vielleicht mit „Hexenkind“ übersetzen  könnte. Es war eine Bezeichnung für Mädchen, die – wie ich es oft tat – altklug daherredeten, große Augen hatten und in gewisser Weise älter wirkten.“ (Furlong, S. 13)

 

Manche Stereotype sind schon sehr alt und werden mittels Medien und Mitmenschen überliefert, auch wenn sie nicht unbedingt wahr sind. Zu einer Zeit, in welcher es noch keine Staubsauger gab, es also „normal“ war, einen Besen im Haushalt zu haben, war der Hexenbesen dennoch eine Besonderheit, da dieser den Hexen angeblich zu fliegen ermöglichte:

 

„“Hast du wirklich einen Besen?“ fragte ich Juniper. „Natürlich. Dort hinter der Tür. Womit  sollte ich sonst den Fußboden kehren?““ (Furlong, S. 40)

 

Stereotype bilden also den kognitiven Teil von Vorurteilen. Die Kenntnis der Stereotype muß aber nicht zwangsläufig Vorurteile entstehen lassen, denn dies geschieht nur, wenn der Inhalt der Stereotype als zutreffend bzw. „wahr“  akzeptiert wird. (vgl. Mitulla, S. 68)

 

Die Kenntnis von Stereotypen beeinflußt allerdings das Handeln eines jeden, da die Erwartungen, die durch Stereotype hervorgerufen werden, eine Haltung auslösen, welche nur die Bestätigung des Stereotyps akzeptiert und alle Negierungen nicht registriert:

 

„ Das heißt, durch stereotypes Denken und Handeln werden alle Italiener oder Farbigen ohne individuelle Unterschiede und ohne faktische Grundlage über einen Kamm klassifiziert“(...) „Das Stereotyp vom rothaarigen Menschen als feurig, falsch, bösartig, sexy, irrgläubig, hitzköpfig, nüchtern, heuchlerisch oder berauschend leitet und verzerrt die Beurteilung aller rothaarigen Personen“ ( Silbermann: S. 25)

 

2.3 Vorurteile

 

Definition:

 

Vorurteil:

 

„Ein Vorurteil ist eine vorgefaßte Meinung. Sie entwickelt sich, noch ehe wir genügend wissen, um etwas richtig beurteilen zu können. Wir urteilen also „vor(weg)“. Dieses so entstandene Urteil ist häufig starr und ungerecht, aber es beeinflußt entscheidend den Umgang mit unserem Mitmenschen.“ (Klinkenberg, S. 34)

 

Der Begriff Vorurteil setzt sich aus zwei Grundwörtern, nämlich „Vor“ und „Urteil“ zusammen.

 

So versteht man unter einem Vorurteil ein Urteil, das gefällt wurde, bevor alle Informationen, die zu einem begründeten Urteil hätten führen können, überprüft wurden. Dabei kann, muß es aber nicht zwangsläufig zu einem Fehlurteil kommen:

 

Préjudice wie praejudicum können auch mit Beeinträchtigung, Nachteil und Schaden übersetzt werden. Laut Gadamer ist diese Negativität eine konsekutive. Das Vorurteil muß nicht negativ oder falsch sein, es kann auch positive Folgen haben und durchaus zutreffen (vgl. Gadamer, S. 255).

 

Das Wort Vorurteil hat in unserer Gesellschaft einen negativen Beigeschmack bekommen und das vermutlich, weil es „unüberlegt“ und „unreflektiert“ daherkommt. Es beinhaltet zu viel Spontaneität und gilt als dumm und unvernünftig.

 

Warum es zum Vorurteil gegen das „Vorurteil“ kam beschreibt Gadamer:

 

„Dies grundlegende Vorurteil der Aufklärung ist das Vorurteil gegen die Vorurteile überhaupt und damit die Entmachtung der Überlieferung. Eine begriffsgeschichtliche Analyse zeigt, daß erst durch die Aufklärung der Begriff des Vorurteils die uns gewohnte negative Akzentuierung findet. An sich heißt Vorurteil ein Urteil, das vor der endgültigen Prüfung aller sachlich bestimmten Momente gefällt wird. Im Verfahren der Rechtssprechung heißt ein Vorurteil eine rechtliche Vorentscheidung vor der Fällung des eigentlichen Endurteils.“ (Gadamer, S. 255)

 

Betrachten wir das Wort Vorurteil an sich etwas näher:

 

Vorurteil = Vor-Beurteilung

 

engl. : prejudice

frz.   : préjugé

span.: prejuicio

lat.    : praejudicum

 

Präjudiz = Vorentscheidung  

 

Interessant ist zum Beispiel, daß das spanische „juicio“ mit Urteilskraft, Urteil, Meinung, aber auch Prozeß und Vernunft übersetzt werden kann.

 

Hier findet sich also eine weitere Erklärung für den negativen Beigeschmack, den das Wort Vorurteil (Vormeinung, Vorvernunft...) in sich trägt.

 

Der sozialpsychologische Vorurteilsbegriff hat folgende wesentliche Bestimmungsmerkmale:

 

 „Vorurteile sind stabile Überzeugungen über das Verhalten und die Eigenschaften von Mitgliedern anderer Gruppen im Rahmen des für die eigenen Gruppe verbindlichen kulturellen Bezugsrahmens, die einen kognitiven und einen – meist negativen – evaluativen Gehalt haben, (...) mit der Selbstdeutung der betroffenen Gruppe nicht übereinstimmen und einen Deutungsrahmen für die Interaktion mit dieser Gruppe bilden.“  (Mitulla, S. 72)

 

Vorurteile werden, wie schon erwähnt, in erster Linie als negativ betrachtet, obwohl sie durchaus auch positive Effekte haben können. Der Grund für diese negative Bewertung des Begriffes liegt vermutlich u.a. an seiner fehlenden Begründung, das heißt, da das Vorurteil ein Urteil ohne „in der Sache liegenden Grund“ ist und somit unbegründet ist  wird es diskreditiert (vgl. Gadamer, S. 255).

 

Vorurteile, die das Verstehen erleichtern und solche, die es verhindern und Mißverständnisse entstehen lassen,  vermischen sich im Bewußtsein ihres Trägers, so daß ihre Unterscheidung nicht gelingen kann. Wichtig und möglich ist jedoch immer eine Hinterfragung jeder Information, welche nicht auf eigenen Erfahrungen beruht. Wichtig ist, nicht davon auszugehen, daß eine ähnliche Situation auch zu einem ähnlichen Ereignis führt. Es ist möglich und von äußerster Bedeutsamkeit, jeder neuen Situation eine neue Chance zu geben.

 

Die Gefahr des Vorurteils liegt darin, daß die Orientierungsmaxime im Erwachsenenalter zu einer normativen Fixierung werden kann (vgl. Silbermann, S. 59).

 

2.3.1 Funktion von Vorurteilen

 

Wenn uns ein Fremder begegnet, so genügt uns sein Aussehen, um ihn einer bestimmten Kategorie zuzuschreiben. Mit einem Blick schätzen wir unser Gegenüber ein: gefährlich – nicht gefährlich, interessant – uninteressant, sympathisch – unsympathisch, sauber – schmutzig, usw. Damit ersparen wir uns Zeit, denn es ist nicht immer notwendig, unsere ersten Eindrücke von einem anderen zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.

 

Jede neue Situation wird ebenso eingeschätzt, damit ein verhältnismäßig schnelles Handeln möglich ist.

 

Vorurteile und Urteile helfen uns, die Welt, in der wir leben, zu kategorisieren, um eine Ordnung für uns herzustellen; sie sind ein Versuch, unsere Umwelt für uns übersichtlich (und so verständlich) zu machen:

 

„Adults use categories to simplify and make sense of their environment; apparently children do the same.“ (Brown, p. 126)

 

Vorurteile dienen also zur Reduktion von Komplexität:

 

„a much more dynamic development process in which children, just like their parents, are      actively seeking to understand, evaluate, and control their social world with the (sometimes     limited) cognitive means at their disposal.“ (Brown, p 158 f.)

 

 Dazu gehören die einfachsten Dinge im Alltag: Wenn wir einen Gegenstand betrachten, der dem Bild einer Tasse (, das wir irgendwann einmal gelernt und „abgespeichert“ haben) in unserer Vorstellung nahe kommt, so gehen wir davon aus, daß es sich auch bei diesem Gegenstand um eine Tasse handelt. Wir überprüfen unsere Schlußfolgerung nicht mehr und „sparen“ Zeit.

 

Auf diese Weise wissen wir schnell, wofür sich dieses „Ding“ eignet und wofür nicht. Dabei kann es natürlich auch zu Fehlern kommen, wenn das abgespeicherte Bild zwar dem Gegenstand vor uns entspricht, die beiden Gegenstände dennoch nicht die gleiche Funktion haben.

 

Nach einem ähnlichen Schema läuft dieser Denkprozeß ab, wenn es sich um Lebewesen handelt: So wird uns schnell bewußt, daß eine Maus nicht die gleichen Eigenschaften und „Nutzwerte“ wie ein Pferd hat. Wir müssen dies nicht bei jeder Gelegenheit überprüfen, weil wir die Erfahrung  gemacht haben, daß diese Folgerung immer stimmt.

 

Tagtäglich machen wir viele Erfahrungen, die wir unbewußt abrufen, wenn wir erneut in eine ähnliche Situation kommen und diese einschätzen. Haben wir in einer bestimmten Situation schon einmal gute Erfahrungen gemacht, gehen wir davon aus, daß es ähnlich sein wird, wenn wir erneut in eine solche (Situation) geraten ( Gleiches gilt auch für negative Erfahrungen.), doch:

 

„Das logische Problem der Induktion besteht nämlich in der Frage, ob es gerechtfertigt ist, von wiederholten Einzelfällen, die uns in der Erfahrung gegeben sind, auf noch nicht vorliegende erfahrbare Einzelfälle zu schließen. Humes Antwort ist bekannt: Nein, wie groß auch immer die Zahl der uns bekannten Einzelfälle sein mag.“ (Carvalho, S. 121)

 

und:

 

„Das psychologische Problem der Induktion zeigt sich nämlich in der Frage, weshalb alle vernünftigen Menschen erwarten und glauben, daß noch nicht vorliegende Erfahrungen den vorliegenden entsprechen werden.“ (Carvalho, S. 122)

 

Dennoch läßt unsere Beobachtung von wiederholtem Aufeinanderfolgen zweier Ereignisse oder Vorgänge uns aus Gewohnheit einen zwischen ihnen notwendigen, weil regelmäßig anzutreffenden Zusammenhang vermuten; entsprechend denken und handeln wir.

 

Sowohl Tiere als auch Menschen haben dieses „Bedürfnis nach Regelmäßigkeit, das nach Regelmäßigkeit suchen läßt“ (Carvalho, S. 125). Alles, was diese Regelmäßigkeit bestätigt, wird akzeptiert („Ich hab es ja gewußt!“), was aber die Regelmäßigkeit in Gefahr bringt, vielleicht auch negiert, wird – soweit wie möglich – ignoriert, um die eigenen Erwartungen nicht enttäuschen zu müssen („Die Ausnahme bestätigt die Regel.“).

 

Die Erwartung von Regelmäßigkeit im allgemeinen ist nicht auf das Ergebnis oftmals wiederholter Erfahrung zurückzuführen, sondern, eine einzige Erfahrung kann laut Popper ausreichen, um die entsprechende Erwartung hervorzurufen (Carvalho, S. 126).

 

Dies geschieht sogar mit der ersten Erwartung, der nämlich bereits eine Erfahrung vorausgeht.

 

Andere Menschen werden meist nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilt: dabei achten wir besonders auf Ähnlichkeiten bzw. Übereinstimmungen mit und Abweichungen von dem Bild, was wir von uns selbst haben. Erkennen wir uns am und im anderen wieder, fühlen wir uns ihm näher als wenn das Gegenteil der Fall ist.

 

Diese Ausführungen sollen erklären, daß der negative Beigeschmack der Worte Urteil und Vorurteil erlernt ist. Beide Begriffe werden oft in negativen Zusammenhängen genutzt.

 

Vorurteile können manchmal ganz nützlich sein, aber „sie blockieren die Wahrnehmung, sind ein blinder Fleck für unser Bewußtsein und verhindern neue Erfahrungen“ (Böversen, S. 21). Das Denken in Kategorien kann unser Leben erleichtern, wenn wir es zulassen und für Revidierungen offen bleiben; es kann aber auch viel zerstören, wenn wir Vorurteile zu starren Gebilden werden lassen.

 

„Blinde Flecke“ helfen uns nicht, sie gefährden uns und ganz besonders andere.

 

Der Ausweg heißt Toleranz. Six schreibt dazu: „Soviel Toleranz muß sein und soviel Respekt muß sein, daß man das, was man für sich in Anspruch nehmen will, auch jedem anderen zubilligt“.

 

Creighton erklärt, wie Vorurteile genutzt werden, um Machtstrukturen aufrecht zu erhalten:

 

„Die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen sind nicht für die ungleiche Verteilung der Macht verantwortlich. Man wird nicht deswegen schlecht behandelt, weil man Ausländer, Frau oder Behinderter ist. An diesen Unterschieden gibt es nichts biologisch oder „natürlich“ Begründbares, das Unterdrückung hervorruft. Das Ungleichgewicht der Macht entsteht schon lange, bevor wir unsere Unterschiede überhaupt wahrnehmen. Aber schon als Kinder sind wir den Machtstrukturen ausgesetzt und lernen Unwahrheiten über bestimmte Gruppen, noch bevor wir irgendeinem Mitglied dieser Gruppen begegnet sind. (...) Diese Lügen ermöglichen es der Gesellschaft, diesen Gruppen die Verrichtung der schwersten und der schwierigsten Arbeiten aufzuzwingen und Diskriminierung und ungleichen Lohn für vergleichbare Arbeit plausibel erscheinen zu lassen.“ (Creighton, S. 29 f.)

 

Vorurteile dienen dem Schutz von Kognitionen und Selbstwert, sie sichern Macht und Einfluß.

 

Desweiteren bieten Vorurteile eine Ich-Verteidigung, indem durch sie „anderen“ eine Schuld zugeschoben werden kann:

 

„Erith hat niemanden mehr. Doch als Juniper, die „weise Frau“  des Dorfes das Mädchen zu sich nimmt, ist Erith zunächst verängstigt, mißtrauisch und verstockt. Schließlich gibt es Leute im Dorf, die behaupten, Juniper sei eine Hexe. Aber je länger Erith bei Juniper lebt, desto lieber gewinnt sie die junge Frau. Und sie erkennt, wie unsinnig die Vorurteile der  Dorfbewohner sind. Als eine Pockenepidemie ausbricht, steht die Schuldige schnell fest:  Juniper wird verhaftet und vor ein Inquisitionsgericht gestellt...“ (Furlong, Klappentext)

 

Hexen gegenüber gab es schon immer viele Vorurteile, da sie sich nunmal sehr von ihren Mitmenschen unterschieden. Ein Machtproblem entstand durch ihr Wissen und die Angst aller anderen, insbesondere auch der Kirche, vor eventuellem Schadenszauber. Man machte Hexen für allerlei plötzlich auftretende Krankheiten verantwortlich, ebenso für Ernteausfall, Vergiftungen u.ä.:

 

„Immer wenn es ein harter Winter ist und die Leute Hunger leiden und Angst haben, brauchen sie einen, der schuld ist. Fillan hat sie auf die Idee gebracht, Juniper für diese Rolle auszuwählen.“ (Furlong, S. 184) 

 

Um das Feindbild noch zu verstärken, wurden Tatsachen verdreht und Details dazuerfunden, so daß die Distanz gewahrt blieb und Angst und Haß gegenüber Hexen weiter geschürt wurde. Im Falle der Hexenverfolgung kann man erkennen, wie gefährlich Voruteile  werden können. Es läßt sich auch sehen, welche Funktion sie haben können: Macht. Macht über den Vorverurteilten.

 

Hexen hatten zum einen tatsächlich eine  gewisse Machtposition (besonders im psychologisch-religiösen und medizinischen Bereich), die sich andere Institutionen wie die Kirche u.a. bewahren bzw. für sich erhalten wollten. Um dies aber zu erreichen, war es nötig, den „Feind“ auch bei denen als „gefährlich“ darzustellen, die vielleicht seine Dienste in Anspruch nahmen oder nehmen wollten. So konnte eine Diskriminierung „legal“ erschaffen und nach und nach auch die Inquisition gerechtfertigt werden.

 

„Es hieß allgemein, daß Hexen Krankheiten hervorriefen, daß sie die Ernte und Tiere vergifteten und Leute, die sie nicht mochten, aus dem Weg zauberten. „Sie hat zwei riesige Katzen, die mit ihr reden, als seien sie Menschen!“ „Sie reitet auf ihrem Besen. In mondhellen Nächten kann man ihre Silhouette am Himmel erkennen!“ „Manchmal trifft sie sich mit anderen Hexen, und dann tanzen sie, so ganz ohne Kleider, und...“ Mairi konnte vor Kichern nicht mehr weiterreden. „Es wird erzählt, daß es unter ihrem Haus riesige Höhlen gibt, in denen haufenweise Juwelen liegen, Rubine, Smaragde, Gold und Perlen.“ „Sie gibt dir was zu trinken, und plötzlich siehst du alles mit anderen Augen!“ „Ich wette, daß der Böse“, sagte Domnall und bekreuzigte sich schnell, „oft dorthin kommt... und daß es in ihrem Haus Geister gibt..., ruhelose Gespenster, die sie wieder zum Leben erweckt hat..., und daß es dort ermordete Kinder gibt!“ (Furlong, S. 24)

 

Schachter (1959) entwickelte das Modell der wahrgenommenen Ähnlichkeit, welches sich schematisch wie folgt aufzeichnen läßt:

 

Ähnlichkeit Õ Sympathie Õ Kontakt Õ Ähnlichkeit

 

Dieses Modell läßt gut erkennen, warum der Kontakt zu Leuten, denen wir nicht ähnlich sein wollen, gemieden wird:

 

“Ich wette, sie macht dich zu ihrer Gehilfin!“ sagte Seumas. „Hexen suchen sich kleine Mädchen aus und machen sie zu ihren Gehilfinnen. Dann wirst du auch eine Hexe!“ (Furlong, S. 26)

 

Immer, wenn wir etwas neues verstehen wollen, gebrauchen wir Informationen unserer Erinnerung. Teilweise werden dann auch Vorurteile erweckt, da sie uns vermeintlich beim Verständnisprozeß helfen. Es ist vielleicht auch gar nicht möglich, etwas „Neues“, das wir nur im entferntesten in einen Bezug zu einem bereits „Altem/Vorhandenem in uns“ setzen können, ohne Vorurteil zu betrachten. Doch wichtig ist dabei, daß man versucht seine Offenheit für das Neue zu bewahren statt es wegen seines Anders- oder Neuseins, seines Ähnlich-mit-dem-Unerwünschten-seins u.a. vorzuverurteilen (vgl. Gadamer, S. 253).

 

„ Wer einen Text verstehen will, ist vielmehr bereit, sich von ihm etwas sagen zu lassen. Daher muß ein hermeneutisch geschultes Bewußtsein für die Andersheit des Textes von vornherein empfänglich sein. Solche Empfänglichkeit setzt aber weder 'Neutralität' noch gar Selbstauslöschung voraus, sondern schließt die abhebende Aneignung der eigenen Vormeinungen und Vorurteile ein. Es gilt, der eigenen Voreingenommenheit innezusein, damit sich der Text selbst in seiner Andersheit darstellt und damit in die Möglichkeit kommt, seine sachliche Wahrheit gegen die eigene Vormeinung auszuspielen." (Gadamer, S. 253 f.)

 

Doch die Bequemlichkeit hindert uns daran: es ist nunmal einfacher, die Meinungen anderer zu übernehmen bzw. an Vorurteilen festzuhalten, als neue Situationen immer wieder zu hinterfragen bzw. ihnen offen gegenüberzustehen.

 

 „Kurzum, die Starrheit der Einstellung, die im Festhalten an einem Vorurteil zutage tritt, spiegelt sich auch im Umgang des Individuums mit intellektuellen Problemen wider (...)“

 

(Mussen, S. 487)

 

Vorurteile sind nicht nur bequem und dienen der Machtstabilisierung, sie haben eine weitere Funktion: die  Statusabgrenzung. Auch diese spielte bei meinem Hexenbeispiel eine entscheidende Rolle.

 

Der Sinn von Vorurteilen liegt also in der Vereinfachung der Welt um uns; sie dienen zur Befriedigung gewisser Bedürfnisse: Sicherheit, Prestige oder nach Ausgleich für vereitelte Wünsche. Diese Verlangen bzw. ihre Enttäuschungen, können zu negativen Emotionen wie Frustration und Aggression führen, welche sich wiederum in Schuldzuweisung, Wettbewerb u.a.m. äußern (vgl. Silbermann: S.23).

 

Vorurteile lassen sich argumentativ nur schwer korrigieren, denn sie selbst beinhalten bereits eine Ablehnung gegenüber ihrer Korrektur durch objektive Wahrheiten. Das bedeutet nicht, daß sie nicht korrigierbar wären, nur eben nicht auf diesem Wege.

 

2.3.2 Entwicklung von Vorurteilen

 

Das Interesse an Vorurteilen wäre sicher geringer, handelte es sich lediglich um positive. Da Vorurteile aber Verhalten und Handeln bestimmen, da sie eine Wirkung auf die Umwelt, auf die Gesellschaft, auf den Mitmenschen ausüben und sich diese Wirkung auf diskriminierende Weise äußern kann, ist die Frage nach der Entwicklung der Vorurteile von entscheidender Bedeutung in der Vorurteilsforschung.

 

Silbermann behauptet, Kinder seien „bis ungefähr zum vierten Lebensjahr allein nicht fähig , Unterschiede zwischen Menschen wahrzunehmen“ ( vgl. Silbermann: S.59). Diese  Altersangabe widerspricht sich mit Brown und den Erfahrungen eines jeden, der mit Kindern in diesem Alter je zu tun gehabt hat:

 

Studien haben ergeben, daß Kinder sich bereits im Alter von zwei Jahren über Geschlechts- und Rassenunterschiede bewußt sind. Mit vier Jahren haben sie bereits Attitüden über Rassen entwickelt (vgl. Arnow, S. 56). Brown fügt hinzu, daß Kinder schon bevor sie eine klare Auffassung von Geschlechterzugehörigkeit bzw. gender identity haben, bereits Präferenzen für das eigene Geschlecht zeigen (vgl. Brown, S. 137).

 

Dies läßt überlegen, ob alle Stereotype und Vorurteile wirklich vorgelebt und direkt oder indirekt gelehrt werden oder ob sie nicht bereits vorher präsent sind. In Kapitel 2.2 werde ich näher auf die Untersuchungsergebnisse der pränatalen Psychologie eingehen um die Frage nach der Entstehung bzw. dem Ursprung von Vorurteilen von einem alternativen Ansatz aus zu betrachten.

 

Die offensichtlichste Erklärung für das Auftreten von kindlichen Vorurteilen ist wohl , daß jene durch direkte Sozialisation durch die Eltern und andere Quellen, wie der Einfluß der peer group und üblichen Kanälen kultureller Transmission entstehen (vgl. Brown, S. 149)

 

Die Entwicklung der Vorurteile verläuft jedoch nicht linear:

 

 „(...) apparantly non-linear trajectory of the growth of prejudice in children (...) critical period between five and eight years during which ingroup favouritism of various kinds seem to reach the peak.“ (Brown, p. 154)

 

Wenn Kinder heranwachsen, werden sie immer mehr zugänglich für die Normen der Erwachsenen-Welt, sie werden sich bewußt über das, was sozial wünschenswert und nicht wünschenswert ist. Somit läge ein Ansatz zur Reduktion der Vorurteile und Diskriminierung bei Kindern in der Veränderung der erwachsenen Gesellschaft (vgl. Brown, S 155)

 

Wie Vorurteile sich entwickeln, zeigt sich durch das folgende Schema:

 

up to 5: egocentric period à dominated by perceptual cues. categories: male – female; familiar - strange

 

5 to 7  : operational period à categories: physical attributes e.g.: clothing, skin colour

 

(vgl. Brown, S 155)

 

Erkennbar ist also, daß die ersten Kategorien der egozentrischen Periode nicht so detailliert sind, wie jene, die in der operationalen Periode auftreten.

 

Gehen wir nun näher auf die Entstehung von Vorurteilen ein:

 

„ Viele Vorurteile entstehen aus einer Art Selbstschutz heraus! Wir schirmen uns ab gegen das Fremde und Unbekannte, das bei uns Angst erzeugt. Doch statt uns der Situation zu stellen und offen an das Problem heranzugehen, sagen wir: „Na, das kann ja nichts Gutes sein!“ und meinen damit: „Weil ich das nicht kenne, kann das nichts Gutes sein!“ So haben wir schon vorweg unser Urteil gefällt. Oder wir übernehmen eine schon bestehende, pauschal vorgefaßte Meinung anderer Menschen, was auf alle Fälle einfacher ist, als sich selbst mit dem Fremden oder Unbekannten auseinanderzusetzen. Das einmal so gefaßte Urteil wird nicht mehr neu überdacht, sondern ungeprüft aufrechterhalten und womöglich noch gefestigt. Manche Vorurteile werden auch einfach übernommen, ohne daß wir auf diesem Gebiet eigene Erfahrungen gemacht haben. Etwa: „Ich kenne zwar keinen Asylanten persönlich, aber ich weiß, daß die alle nur aus wirtschaftlichen Gründen hier sind.“ (Klinkenberg, S. 34)

 

Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson und Sanford (1950) geben mit der autoritären Persönlichkeit (The Authoritarian Personality) eine Erklärung dafür, warum nicht alle Menschen zu starren Vorurteilen neigen:

 

„Wenn gewisse Elemente in einer Persönlichkeit auf eine bestimmte Art und Weise strukturiert sind (intrapersonelle Organisation), dann hat dies Konsequenzen für ein besonderes interpersonelles Verhalten; (...) Für die Persönlichkeitsorganisation eines Menschen wird vor allem die Familiensozialisation in der frühen Kindheit verantwortlich gemacht. (...)“

 

(Markefka, S. 66)

 

Personen, welche nicht in jedem Fall verallgemeinern, um Vorurteile zu bilden, scheinen Fakten zu sammeln und diese zu überprüfen. Sie gelten als open minded, das bedeutet, sie sind anderen Meinungen gegenüber offen und bereit, falsche Einstellungen zu revidieren.

 

Closed minded Personen leben innerhalb eines geschlossenen Systems. Sie verdrängen und verzerren alles, was nicht mit ihren bestehenden Einstellungen übereinstimmt, so daß es zu einer negativen Bewertung kommt. Scheinbar wirkt das geschlossene System als eine Art Verteidigungsmechanismus, um Angst, Unsicherheit und Frustration zu vermeiden. Die Wertigkeit der eigenen Person muß dazu aufrecht erhalten werden, was allerdings meist nur geschehen kann, wenn die eigene Welt sicher, das heißt, auch sicher vor Korrekturen erhalten werden kann.

 

Kleine Kinder unter drei Jahren halten die Kategorie Geschlecht noch als änderbar, ebenso wie die ethnische Zugehörigkeit. Erst mit acht Jahren können sie stabil und korrekt Ethnien unterscheiden und als konstante und unveränderliche Größe wahrnehmen (vgl. Mitulla, S. 75).

 

Da die Einstellungen im Kindesalter einige der in verschiedenen Vorurteilsdefinitionen festgelegten Kriterien nicht erfüllen, spricht man bei kindlichen Vorurteilen von vorurteilsähnlichem Denken:

 

„Ethnische Einstellungen im Kindesalter werden häufig auch als rudimentär bezeichnet. Erst mit dem Ende der Kindheit treten konsistentere Einstellungen auf, wie wir sie auch bei Erwachsenen finden.“ (Mitulla, S. 77)

 

Einstellungen bei Kindern zu ändern müßte demnach leichter fallen, da es noch nicht zu einer Verfestigung von starren Vorstellungen gekommen ist, wie auch das  Drei-Stufen-Modell von Allport zeigt:

 

„Stufe I (...) prä-gerneralisiertes Lernen (...) daß das Kind noch nicht in der Weise der Erwachsenen verallgemeinert. Es versteht noch nicht ganz, was ein Neger ist, was ein Jude ist oder wie sein eigenes Verhalten zu ihnen sein soll. Es weiß noch nicht einmal in einer verläßlichen Weise, was es selber ist. (...)

 

Stufe II (...) 7-8 Jahren (...) stärkste Ausprägung mit ca. 11 Jahren. Diese zweite Stufe der totalen Ablehnung (...)

 

Stufe III: Die dritte Stufe der Differenzierung ist eine Revision der totalen Ablehnung auf der zweiten Stufe.“

 

(vgl. Schäfer/Six, S. 118 f.)

 

Die erste und dritte Stufe lassen also „Korrekturen“ der Einstellung sicherlich eher zu, als die zweite Stufe, in welcher absolute Ablehnung herrscht.

 

Auch bei Schäfer und Six wird diese Annahme bestätigt: mit zunehmendem Alter tritt eine Dfferenzierung der Vorurteile ein. Solange Kinder nicht in der Lage  sind, zuverlässige kognitive Urteile zu fällen, kann diese Differenzierung allerdings nicht eintreten. Nach dem ersten Ansteigen von Vorurteilen und Ablehnung (in der zweiten Stufe des Allport-Modells) gegenüber Außengruppen „aufgrund der zunehmenden Fähigkeit der Kinder, zuverlässige Urteile abgeben zu können“, kommt es (in der dritten Stufe des Allport-Modells) zu einer Abnahme der Vorurteile, da eine kognitive Differenziertheit zunehmend erfolgt (vgl. Schäfer/Six, S. 119)

 

2.3.3 Erscheinungsformen von Vorurteilen

 

Vorurteile sind in unser aller Köpfe. Wir können uns nicht wirklich von ihnen frei machen, da sie durch Jahre lange Sozialisation, durch Jahre langes Vorleben durch unsere Mitmenschen in unserem Gedächtnis gespeichert und uns nicht unbedingt bewußt zugänglich und änderbar sind.

 

Das, was wir aber bewußt beeinflussen können, ist die Art, wie sich unsere Einstellungen bemerkbar machen. Wir müssen nicht unbedingt unseren Vourteilen entsprechend handeln, wir müssen nicht mal von ihnen überzeugt sein.

 

„Von manchen Kindern perlt die Gewalt ab, wie das Wasser vom Federkleid einer Ente. Sie lassen sich nicht davon beunruhigen; weder bewundern sie sie, noch ahmen sie sie nach. Sie genießen sie als Hau-drauf-Komödie, wie die Tortenschlachten der frühen Kinotage, als Phantasie und Abenteuer, ohne den geringsten Bezug zum wirklichen Leben. Auf wieder andere Kinder hat Fernsehgewalt eine heimtückische, zerstörerische Wirkung. Der Grund dafür ist unschwer zu erkennen (...)Was Kinder von dieser Glamourgewalt lernen, ist, daß Gewalt wirkt. Je mehr sie davon sehen, so scheint es, desto weniger reagieren sie gefühlsmäßig auf Aggressionen, die sie miterleben, und desto weniger reagieren sie beunruhigt auf Gewalt im wirklichen Leben.“ (Kitzinger, S. 173 f.)

 

Ähnliches gilt auch für Vorurteile: Während manche Kinder vorgelebte Vorurteile anderer übernehmen, bilden sich andere ihre eigene Meinung und lassen sich von Fremdmeinungen nicht so stark beeinflussen. Jedes Kind und jeder Erwachsene kann bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, in wie weit er sich von seinen Vorurteilen beeinflussen läßt. Aggression muß nicht erst in Gewalt ausarten.

 

Es ist also weit mehr als das bloße Nachahmen anderer, es ist die Persönlichkeit des Kindes, die sich aus vielen Einzelaspekten zusammensetzt.

 

Die individualtheoretische Perspektive erklärt, daß es die Eigenart, die Persönlichkeit eines Menschen ist, seine Persönlichkeitsstruktur, seine Einstellungen, seine psychischen Bedürfnisse, die für sein Handeln verantwortlich sind (vgl. Markefka, S. 65).

 

Mitulla (S. 63) schreibt dazu, daß Vorurteile allenfalls als Erklären dafür gelten können, wesbalb vorurteilsvolle Menschen wenig oder keinen Kontakt zu ihren Vorurteilsobjekten haben. Dies scheint ein Teufelskreis zu sein, welchen es zu unterbrechen gilt, sollen Vorurteile abgebaut werden. Dies kann nur durch das  Herbeiführen von Kontakt geschehen, dabei muß bedacht werden, wie schon in den vorhergegangenen Ausführungen klar geworden ist, daß dieser freiwillig stattfinden muß. Zwang ist niemals, so auch in diesem Fall, eine Lösung, da er dazu führt, daß in diesem Fall die Begegnung mit dem Vorurteilsobjekt nicht nur oberflächlich geschieht, also eben nicht unter die Haut geht, sondern zudem auch als extrem negativ empfunden wird. Positives Lernen aber kann nur durch freien Willen und „Belohnung“, d.h. positiven Erfahrungsmomenten sinnvoll stattfinden.

 

Angenehme Erfahrungen möchten wir öfter machen und versuchen demnach entsprechende Situationen zu fördern, wohingegen wir negative Erfahrungsmöglichkeiten so weit wie möglich auszuschließen versuchen, indem wir die entsprechenden Situationen meiden.

 

Für die Begegnung mit unserem Vorurteilsobjekt heißt dies, daß auch hier die Umstände, unter denen die Begegnung stattfindet, so positiv wie möglich erfahren werden muß, um eine positive, d.h. angenehme Empfindung mit diesem Kontakt bzw. Objekt zu verknüpfen.

 

Wie sich Vorurteile bei voreingenommen Kindern äußern, beschreibt Mussen folgend:

 

 „Andere generalisierte, für das voreingenommene, aber nicht für das vorurteilslose Kind typische Einstellungen waren: Ablehnung alles Schwachen oder Andersartigen; starre Auffassungen von den richtigen Geschlechterrollen, verbunden mit Intoleranz gegen passives oder weibliches Verhalten bei Knaben und maskulines oder „Wildfang“-Betragen bei Mädchen; Bewunderung für Starke, Harte, Mächtige und bei den Jungen Furcht vor Schwäche bei sich selber; starres Anpassen an gebilligte soziale Werte und moralisches Verdammen anderer; Gefühle der Hilflosigkeit in einer Welt, die als von Chaos und Vernichtung angesehen wird. Alle diese Einstellungen wurden als Anzeichen für eine „enge und starre Persönlichkeit“ gewertet (...)“

 

(Mussen, S.484)

 

Diese Einstellung ist in erster Linie von Angst vor Unsicherheiten und der (weiteren) Zerstörung des Selbstwertgefühles geprägt. Deutlich wird, daß „Macht“ und „Stärke“ eine große Rolle spielen, daß Statusabgrenzungen wichtig erscheinen.Vorurteile helfen hier scheinbar, von den eigenen Schwächen abzulenken.

 

Eine sehr unangenehme Folge von Vorurteilen ist die Diskriminierung:

 

„Die Nichtzulassung von Juden in bestimmten Wohnvierteln ist die nachteilige Behandlung einer ethnischen Minderheit, ist Diskriminierung; die Bezeichnung der Juden als Wucherer ist ein Vorurteil.“ (Silbermann: S. 153)

 

Während Vorurteile Handlungen beeinflussen, selbst allerdings „lediglich“ eine Einstellung charakterisieren, bezeichnet Diskriminierung ein aktives benachteiligendes Verhalten, so gesehen als Konsequenz der vorangegangenen voreingenommenen Einstellung.

 

2.4 Gefahren von Stereotypen und Vorurteilen

 

Wie bereits erwähnt, können wir uns in einer Welt ohne Kategorisierung nicht zurecht finden. Wir brauchen die Einteilung in gut und böse, echt und falsch, schwarz und weiß usw., um in einer unübersichtlichen Welt voller Sinnesreize, die unaufhörlich auf uns einwirken und uns verwirren würden, so wir sie nicht ordneten, zurechtzukommen.

 

Die meisten Stereotype lernen wir unbewußt und fast automatisch. Natürlich beeinflussen sie unser Verhalten unseren Interaktionspartnern gegenüber. Wie schon zuvor beschrieben, suchen wir in allen neuen Erfahrungen die Bestätigung unserer Erwartungen. Mitunter erfüllen sich unsere Erwartungen, weil wir die Situation unbewußt lenken. Treffen wir in einer bestimmten Situation also eine Person, die gewisse Erwartungen in uns hervorruft, so werden wir uns ihr gegenüber entsprechend verhalten. Und dieses Verhalten wiederum hat einen enormen Einfluß auf unser Gegenüber, so daß es unter Umständen (je nach Erwartung) fast sicher ist, daß unser Interaktionspartner sich unseren Erwartungen entsprechend verhalten wird. Dieser Prozeß wird auch als selfulfilling prophecy bezeichnet.

 

Diese sich selbst erfüllende Prophezeiung kann sowohl negative als auch positive Konsequenzen haben: ein Kind, dem immer wieder entgegengebracht wird, daß es „zu nichts taugt“, daß es „unnütz“ und „unfähig“ ist, wird durch das entsprechende verbale und nonverbale, bewußte und unbewußte Erwarten und Verhalten so beeinflußt, daß ihm tatsächlich (aufgrund von Unmotivation, von gestörtem Selbstvertrauen, von Hoffnungslosigkeit und Resignation) „alles“ (eigentlich nur das meiste, denn die wenigen positiven Erfolge in seinem Handeln werden vermutlich auf Zufall und Glück zurückgeführt, so daß der Grund für eventuelle Erfolge nicht in ihm, sondern außerhalb von ihm gesucht werden, was wiederum dazu führt, daß es selbst das Gefühl bekommt, wirklich nichts selbstständig schaffen zu können) mißlingt.

 

Bei negativer Programmierung werden nicht nur bei Kindern, sondern bei Erwachsenen Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen derart gestört, daß es zu einem Prozeß, ähnlich dem eines Teufelskreises kommt, dem nur schwer entronnen werden kann.

 

Positive Programmierung kann das Verhalten eines jeden ebenso beeinflussen: erwarten wir bereits von einer Situation, daß sie so gut verlaufen wird, wie wir es uns wünschen, erwarten wir aufgrund von entsprechenden passenden Stereotypen oder „Informationen“, daß eine Person unsere positiven Erwartungen erfüllt, so verhält sich dieses ebenso wie bei der negativen Programmierung: durch unser positive Verhalten wird auch das Verhalten unseres Gegenübers positiv beeinflußt.

 

All dies erklärt, warum wir jemandem, den wir als „positiv“ empfinden eher kleine „Fehler“ durchgehen lassen, sie auch übersehen oder ignorieren, als bei Personen, denen wir von vornherein „negativ“ begegnen. Voreingenommenheit aber bestimmt beide Situationen.

 

Auch Gewalt kann eine Folge von Vorurteilen sein, nämlich dann, wenn kein anderer Ausweg gesehen wird. Diskriminierung kann bereits zu psychischer Gewalt gezählt werden, Psychoterror und körperliche Angriffe gehören zu den vielleicht extremsten Folgen von Vorurteilen. Sie entstehen, wenn die voreingenommene Person ihr Gegenüber für zu gefährlich hält und sich derart angegriffen fühlt, daß sie keine andere Möglichkeit mehr sieht, ihr keine andere Lösung mehr als ausreichend erscheint, als das Objekt ihrer Vorurteile „unschädlich“ zu machen, sei es durch Psychoterror (zur „Einschüchterung“), sei es durch tätliche Angriffe, um es im Extremfall zu eleminieren, um die Statusgefährdung zu reduzieren.

 

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Details

Seiten
84
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783656982036
ISBN (Buch)
9783867466608
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185778
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1.7
Schlagworte
entstehung umgang prävention vorurteilen kindern

Autor

  • Autor: undefined

    Yvonne Diana Reising (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

Zurück

Titel: Entstehung - Umgang - Prävention von Vorurteilen bei Kindern