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Electronic Commerce im Business-to-Consumer-Bereich - Anwendungsmöglichkeiten und Perspektiven für mittelständische Unternehmen

Diplomarbeit 2000 56 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungssverzeichnis

1 Grundlagen
1.1 Entstehung und Entwicklung des Internet
1.2 Das World Wide Web
1.3 Die Anfänge des elektronischen Verkaufs
1.4 Internet-Nutzung weltweit und in Deutschland

2 Electronic Commerce
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Bereiche des Electronic Commerce
2.2.1 Business-to-Business (Unternehmen zu Unternehmen)
2.2.2 Business-to-Consumer (Unternehmen zu Verbraucher)
2.2.3 Weitere Bereiche des Electronic Commerce
2.3 Marketing im Electronic Commerce
2.3.1 Produktpolitik
2.3.2 Preispolitik
2.3.3 Kommunikationspolitik
2.3.4 Distributionspolitik
2.4 Nutzenpotentiale des Electronic Commerce
2.5 Mögliche Hindernisse für Electronic Commerce

3 Electronic Commerce - Eine Chance für den Mittelstand?
3.1 Umsätze über Electronic Commerce
3.2 Herausforderung aus Sicht der Unternehmen
3.2.1 Kommunikation und Verhandlungen
3.2.2 Logistik und Warenwirtschaft
3.2.3 Finanzierung und Zahlungsverkehr
3.2.4 Warenpräsentation
3.2.5 Beratung und Service
3.3 Beweggründe und Hürden für die Implementierung von E-Commerce
3.3.1 Motive für die E-Commerce-Realisierung im Unternehmen
3.3.2 Hindernisse für die E-Commerce-Realisierung im Unternehmen
3.4 Motive für Online-Shopping aus Kundensicht
3.4.1 Mediumsspezifische Vorteile
3.4.2 Nutzungsspezifische Vorteile

4 Erfolgsfaktoren für den Online-Vertrieb
4.1 Erfolgsfaktor Unternehmenspräsentation
4.2 Erfolgsfaktor Inhalt
4.2.1 Attraktive Informationsangebote
4.2.2 Integration kommunikativer Elemente
4.2.3 Aktualität
4.3 Erfolgsfaktor Design
4.4 Erfolgsfaktor Bekanntmachung
4.4.1 Information der Mitarbeiter
4.4.2 Einbindung in die traditionelle Werbung
4.4.3 Verkehrssteuerung im Web
4.4.4 Online-Werbung
4.5 Erfolgsfaktor One-to-One-Marketing
4.6 Erfolgsfaktor Sicherheit
4.7 Erfolgsfaktor Netiquette
4.8 Implementierung von Electronic Commerce im Unternehmen

5 Zahlungssysteme im Internet
5.1 Kriterien für den elektronischen Zahlungsverkehr
5.2 Zahlungsverfahren im Internet
5.2.1 Kauf auf Rechnung / Kauf per Nachnahme
5.2.2 Kreditkartenzahlung / SET
5.2.3 Vorauszahlung / Lastschrift
5.2.4 Zahlungssysteme für Kleinstbeträge (CyberCoin / E-Cash)
5.2.5 Zahlung per Chipkarte

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungssverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite Internet-Nutzung nach Regionen in Prozent

Abbildung 2: Internet-Nutzer in West-Europa

Abbildung 3: Demographische Daten der Internet-Nutzer in Deutschland

Abbildung 4: Einsatzmöglichkeiten des E-Commerce

Abbildung 5: Varianten des E-Commerce im Business-to-Business-Bereich

Abbildung 6: E-Commerce-Umsätze weltweit

Abbildung 7: InfoFlyway der Deutschen Lufthansa AG

Abbildung 8: Sendungsverfolgung bei FedEx

Abbildung 9: Online-Konfigurator bei Mercedes-Benz

Abbildung 10: Ergebnisse durch den Einsatz von E-Business im Unternehmen

Abbildung 11: Hürden für Electronic Commerce

Abbildung 12: Argumente für Online-Shopping aus Kundensicht

Abbildung 13: Zahlungssysteme im Internet

1 Grundlagen

1.1 Entstehung und Entwicklung des Internet

Das Internet ist aus dem ARPAnet (Advanced Research Projects Agency) hervorgegangen, das 1969 vom amerikanischen Verteidigungsministerium aufgebaut wurde. Ziel war es, ein dezentrales Kommunikationsnetz zu schaffen, das aus beliebiger Entfernung bedient werden kann und auch bei Ausfall von Teilen des Computernetzes, zum Beispiel durch einen atomaren Schlag, weiterhin funktioniert. Grundidee war es, eine Datei in viele kleine Datenpakete aufzuteilen. Die Paketvermittlung wurde durch das Internet Protocol (IP) festgelegt. So sucht sich jedes Datenpaket seinen eigenen, günstigsten Weg durchs Netz, und zwar dort entlang, wo gerade Leitungskapazität frei ist. Gegen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre wurden immer mehr Universitäten an dieses Netz angeschlossen, um den Forschern und Studenten die Möglichkeit zu geben, sich auch über große Entfernungen auszutauschen.

Parallel zum ARPAnet entstanden weitere öffentliche und private Netzwerke. Erst durch Aufstellung von Regeln für die Verbindungen zu externen Netzen (Gateways) durch das TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) war es möglich, die vielen kleinen und die wenigen größeren Netze miteinander zu verbinden. Es dauerte bis zum Jahre 1983 bis alle ARPAnet-Knoten auf das TCP/IP-Protokoll umgestellt waren und dieses somit quasi einen Standard für Übertragungsprotokolle darstellte. Dieses Datum ist als die eigentliche Geburtsstunde des Internet zu betrachten.

In Deutschland begann die Entwicklung 1984 mit der Gründung des Vereins zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN), von dem das Wissenschaftsnetz (WIN) aufgebaut wurde.

1986 wurde in den USA mit dem Aufbau eines Hochleistungs-Netzwerkes begonnen, das zunächst die sechs Supercomputer-Zentren verband. Ziel dieses NSFnet (National Science Foundation Network) war ein umfassender Kommunikationsaustausch zwischen amerikanischen Wissenschaftlern. Die Leistungskapazität des NSFnet wurde ständig ausgebaut und übertraf bald alle anderen Netze. Die alten Netze wie z.B. das ARPAnet gingen deshalb mit der Zeit ganz im NSFnet auf.

1995 zog sich der Staat als Betreiber des NSFnet zurück und überließ dieses privaten Investoren. Das Aufkommen kommerzieller Anbieter, die Privatpersonen und Unternehmen den Internetzugang ermöglichen, sorgte für einen Aufschwung bei den Teilnehmerzahlen. Das Internet wandelte sich von einer streng wissenschaftlich orientierten Anwendung hin zu einer kommerziellen Anwendung, insbesondere durch die Nutzung des Internet in privaten Unternehmen.[1]

1.2 Das World Wide Web

Das World Wide Web (WWW) ist der Multimediadienst des Internet. Es wurde 1989 am Kernforschungszentrum CERN in Genf entwickelt und erstmals 1992 implementiert. Die Säulen des WWW sind die Beschreibungssprache HTML (Hypertext Markup Language), mit der die Dokumente codiert werden, und das Internet Protokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol) durch das die Kommunikation zwischen Web-Browsern und Webservern geregelt wird. Ein weiterer wichtiger Teil des WWW ist der Uniform Ressource Locator (URL), der angibt, wo sich was befindet und wie man darauf zugreifen kann.

HTML-Dokumente können aus Text, Bildern, Animationen, Video- und Soundsequenzen etc. bestehen und lassen sich somit hervorragend zur kommerziellen Nutzung, wie z.B. Marketing, Vertrieb oder Informationstransfer, anwenden. Das WWW besticht durch seine einfache Benutzerführung und die Hypermediafähigkeit, mit der man auf andere, weiterführende Dokumente zugreifen kann (sog. „links“).[2]

1.3 Die Anfänge des elektronischen Verkaufs

Der Handel in Deutschland hat seit den 80er Jahren eine Reihe von Neuentwicklungen erlebt. Nach der Ausweitung der Handelsflächen auf die neuen Bundesländer ist ein Überangebot an Einkaufsmöglichkeiten entstanden. Gleichzeitig wurden unter dem Druck der Gewerkschaften Verbesserungen der Einkaufsmöglichkeiten besonders für berufstätige Personen durch verlängerte Öffnungszeiten nur eingeschränkt verwirklicht. Mit Nachlassen der Konsumneigung standen Händler nun zunehmend unter Druck und suchten nach neuen Wegen, um Kunden zu erreichen.

Mit zunehmender PC-Dichte in den Haushalten wurde die CD-ROM als Verkaufsmedium entdeckt. Teilweise wurden auch – zunächst unabhängig von der Internet-Entwicklung – Online-Bestellmöglichkeiten direkt per Modem angeboten.

Erste Ansätze des Online-Shoppings gab es in Deutschland schon einige Jahre vor dem Aufkommen des auf dem WWW basierenden E-Shoppings. Mit dem 1980 in Deutschland eingeführten Online-Dienst Bildschirmtext (BTX, jetzt T-Online) wagten einige Versandhäuser Anfang der 80er Jahre den Schritt in Richtung elektronischer Handel. Das Bildschirmtextangebot beschränkte sich zunächst auf die Möglichkeit, ein Bestellformular am Computerbildschirm auszufüllen. Später wurden auch erste Kataloge mit den eingeschränkten Möglichkeiten im graphischen Bereich des CEPT-Standards für BTX realisiert. Der geringe Erfolg dieses Angebots lag wohl an eben diesen graphischen und technischen Möglichkeiten. Erst mit dem Aufkommen des WWW und den damit einhergehenden Darstellungsmöglichkeiten in Verbindung mit der Realisierung von Transaktionsmöglichkeiten wurde das Internet zum neuen Vertriebsmedium.[3]

1.4 Internet-Nutzung weltweit und in Deutschland

Nach Schätzungen der Nua-Internet-Surveys überschritt im März 2000 die Anzahl der weltweiten Internet-Nutzer die 300 Millionen-Grenze. Es ist dabei eine anhaltende Aufwärtsbewegung zu beobachten. Wie in Abbildung 1 veranschaulicht wird, ist die Verteilung der Nutzer in den verschiedenen Regionen der Welt allerdings sehr unterschiedlich. Den Großteil der Internet-Nutzer stellen die USA und Kanada mit zusammen 46 %. Jedoch verringert sich der Abstand zu den westeuropäischen Ländern und den Ländern im asiatisch-pazifischen Raum stetig. Gerade im europäischen Raum ist bei den momentanen jährlichen Zuwachsraten damit zu rechnen, dass sich der Abstand zu den USA innerhalb weniger Jahre aufheben wird.[4]

Abbildung 1: Weltweite Internet-Nutzung nach Regionen in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von: Nua-Internet-Surveys: http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/index.html, 05. April 2000

Betrachtet man die Internet-Nutzung in West-Europa, lässt sich ebenfalls eine ungleich-mäßige Verteilung zwischen den einzelnen Ländern feststellen. Wie aus Abbildung 2 ersichtlich ist, liegt Deutschland mit 15,90 Millionen Nutzern kurz vor Großbritannien mit 15,70 Millionen Nutzern im europäischen Ranking. Lediglich Italien mit 9,30 Millionen und Frankreich mit 9,00 Millionen Nutzern spielen eine größere Rolle. Auch in der Marktdurchdringung gibt es enorme Unterschiede: Nutzen etwa in Norwegen fast 50 % der Bevölkerung das Internet, sind es in Portugal noch nicht einmal 6 %. In Deutschland verzeichnet die Internet-Nutzung immer noch große Zuwächse. Mit immerhin 19,37 % ist aber auch in Deutschland etwa jeder Fünfte online. Im September 1997 war es noch nicht einmal jeder Zwanzigste.[5]

Abbildung 2: Internet-Nutzer in West-Europa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von: Nua-Internet Surveys: http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/europe.html, 05. April 2000

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) untersucht in zwei jährlichen Befragungs-wellen, wie sich mit steigender Verbreitung des Mediums Internet die Strukturen der Nutzerschaft und die Art und Intensität der Nutzung in Deutschland verändern. Diese Befragungen liefern damit eine methodisch gesicherte Informationsbasis der Online-Nutzung in Deutschland. Die demographische Nutzerstruktur der fünften Untersuchungs-welle ist in Abbildung 3 zusammengefasst. Im Vergleich zu früheren Erhebungswellen der GfK nähert sich die Nutzerschaft immer stärker der Struktur der Gesamtbevölkerung an. Insbesondere wird dies bei dem ansteigenden Anteil der Frauen unter den Internetnutzern deutlich, der innerhalb eines Jahres um acht Prozent gestiegen ist. Diese Verbreitung des Mediums schreitet in allen Bevölkerungsschichten stetig voran, das Internet wird zum Massen- und damit Breitenmedium.

Abbildung 3: Demographische Daten der Internet-Nutzer in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl.: Spohrer, M.; Bronold, R.: GfK Online Monitor - Präsentation der zentralen Ergebnisse, Hannover, 22. Februar 2000, S. 20 - 24

Generell gilt jedoch, dass Internet-Nutzer nach wie vor bei jüngeren Personen, bei Personen mit hohem Einkommen, Personen mit höherem Bildungsabschluss oder Selbstständigen überproportional vertreten sind. Unterrepräsentiert sind hingegen weiterhin ältere Menschen, Arbeiter, Volksschüler, Personen mit niedrigem Einkommen und – trotz des oben erwähnten Zuwachses – Frauen. Auch die Bewohner kleinerer Orte bis 5.000 Einwohner liegen deutlich zurück. In Mittel-Gemeinden und Städten bis 50.000 Einwohner gibt es ebenfalls Nachholbedarf.

Knapp die Hälfte der Internet-Nutzer geht ausschließlich außer Haus, sei es am Arbeits- oder Ausbildungsplatz, Schule oder Universität oder an öffentlich zugänglichen Plätzen online. Mehr als ein Drittel wiederum surft exklusiv in der heimischen Umgebung und knapp 17 % sind Doppel- bzw. Mehrfach-Nutzer. Mit 40 % gehen sehr viele der Internet-Nutzer täglich online.

Der unaufhaltsame Boom des Internet wird auch in dem hohen Gesamtzuwachs der Internet-Nutzer in Deutschland verdeutlicht. Demnach sind 4,7 Millionen Nutzer seit höchstens sechs Monaten online – das sind etwa 29 % aller Internet-Nutzer.[6]

2 Electronic Commerce

Web-basierter Electronic Commerce ist die am schnellsten wachsende Facette des Internet-Booms. Das Internet wird so zu einem für Unternehmen interessanten Vertriebskanal mit steil ansteigenden Umsatzzahlen. Jedes Unternehmen sollte sich Gedanken um Electronic Commerce machen, um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu sein.[7]

2.1 Definition und Abgrenzung

Der Begriff Electronic Commerce (EC) wird in Wissenschaft und Praxis uneinheitlich verwendet. Bisher hat sich keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition herausgebildet. Aus einer allgemeinen Perspektive versteht man unter E-Commerce alle Formen der elektronischen Geschäftsabwicklung über öffentliche oder private Computer-Netzwerke.[8] Wegen der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten des EC ist eine einheitliche Definition jedoch schwierig. Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten sind in Abbildung 4 dargestellt:

Abbildung 4: Einsatzmöglichkeiten des E-Commerce

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Quelle: Hermanns, A.; Sauter, M. (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 23

In der Literatur wird E-Commerce oftmals dem von IBM geprägten Begriff E-Business gleichgesetzt.[9] Sinnvoller ist eine Abgrenzung der beiden Begriffe, bei der E-Business übergeordnet als Sammelbegriff für den Einsatz digitaler Medien zur Unterstützung verschiedenster Kommunikations- und Geschäftsprozesse eines Unternehmens in potentiell allen betrieblichen Funktionsbereichen verstanden wird. E-Commerce hingegen stellt dann den elektronischen Handel im engeren Sinne dar, d.h., wenn von den verschiedenen Möglichkeiten, Vorgänge im Absatzbereich mittels elektronischer Kommunikationsmedien abzuwickeln, gesprochen wird.[10]

2.2 Bereiche des Electronic Commerce

Die Handlungsbereiche des E-Commerce sind nach den Kriterien „Anbieter der Leistung“ und „Nachfrager der Leistung“ kategorisiert. So gelangt man zu der in Abbildung 4 dargestellten Matrix mit den neun Markt- und Transaktionsbereichen des EC, die im Folgenden kurz beschrieben werden. Auf längere Sicht wird der grau unterlegte Bereich derjenige sein, in welchem der Großteil der Umsätze erfolgt.[11]

2.2.1 Business-to-Business (Unternehmen zu Unternehmen)

Der stärkste Umsatz im elektronischen Handel wird zur Zeit noch in diesem Segment getätigt. Unter Business-to-Business versteht man den Einsatz von Datenverarbeitung und Telekommunikation, um Geschäfte zwischen Unternehmen zu unterstützen. Eingeschlossen sind private Netzwerke (z.B. EC mittels Electronic Data Interchange (EDI)), das Internet, unternehmensinterne Netze (Intranets) sowie Internet-basierte Netzwerke mit einer begrenzten Zahl von Teilnehmern (Extranets).

Grundsätzlich kommen hier zwei Varianten zum Einsatz: zum einen die Nutzung von Internet-basiertem E-Commerce, zum anderen EDI. Unter EDI versteht man den elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten mit standardisierten Daten-Strukturen.[12]

Abbildung 5: Varianten des E-Commerce im Business-to-Business-Bereich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Quelle: Mattes, Frank: Electronic Business-to-Business, Stuttgart 1999, S. 2

Die Einsatzmöglichkeiten im Business-to-Business-Bereich betreffen alle Wertschöpfungs-stufen im Unternehmen sowie interne und externe Geschäftsprozesse, z.B. in Beschaffung, Fertigung und Entwicklung, Produktion oder Marketing/Vertrieb.[13]

2.2.2 Business-to-Consumer (Unternehmen zu Verbraucher)

Im Business-to-Consumer-Bereich steht vor allem der Bestell- und Verkaufsprozess eines Anbieters gegenüber einer großen, wechselnden Zahl an privaten Kunden im Vordergrund. Zumeist sind die Transaktionsvolumen niedrig und die Bindung zwischen den Parteien eher locker. Der wesentliche Unterschied zum Business-to-Business-Bereich ist das Fehlen entsprechender Anwendungssoftware auf der Kundenseite (nur Web-Browser). Von erheblicher Relevanz ist der Umgang mit den Kundendaten. Aus Kundendaten, welche die Käufer bei der Registrierung beim Händler angeben, lassen sich wertvolle Informationen für Marketing und Vertrieb herausfiltern.[14]

Zumeist wird der Business-to-Consumer-Bereich von traditionellen Händlern oder Direkt-vermarktern dominiert. Als Beispiele seien hier Wal-Mart, Dell-Computer oder deutsche Unternehmen wie Karstadt, Otto oder Quelle genannt. Etablieren konnten sich in den letzten Jahren allerdings auch eine Reihe kleiner und innovativer Anbieter, wie z.B. der US-amerikanische Internet-Buchhandel Amazon (http://www.amazon.com) die durch interessante Angebote, wie große Produktauswahl, günstigen Preis und schnelle Verfügbarkeit, große Erfolge erzielten.

Generell ist nahezu jedes Produkt für den Vertrieb über das Internet geeignet. Konsumgüter, wie beispielsweise Bücher, CD’s, Software und Flugtickets, gehören derzeit zu den Spitzenreitern des E-Commerce. Aber auch größere Produkte, wie Fahrzeuge oder Immobilien, lassen sich online vertreiben. Zu den lukrativsten Feldern gehören jedoch nach Meinung vieler Experten bisher die Bereiche Erotik, Sport und Aktienhandel.[15]

2.2.3 Weitere Bereiche des Electronic Commerce

Weitere Einsatzfelder des E-Commerce betreffen die Bereiche Consumer-to-Consumer, Consumer-to-Business sowie sämtliche Transaktionen mit und zwischen öffentlichen Institutionen.

Die Geschäftsbeziehungen im Consumer-to-Consumer-Bereich sind gerade erst dabei, sich zwischen den Haushalten zu etablieren. Als wichtigste Applikationen seien hier Kleinanzeigenmärkte im WWW und Auktionssysteme wie z.B. Ebay (www.ebay.de) genannt.

Eine relativ geringe Bedeutung besitzt derzeit noch der Consumer-to-Business-Bereich. Denkbar ist hier beispielsweise das Angebot von Leistungen durch Privatpersonen, die von Unternehmen nachgefragt werden, z.B. in Form von Arbeitsplatz- und Stellenbörsen.

Insgesamt von geringerer Bedeutung ist derzeit noch der gesamte Bereich, der öffentliche Institutionen betrifft, da die Nutzung von neuen Technologien und Netzwerken wie dem Internet hier noch wenig verbreitet ist. Denkbar sind hier jedoch Anwendungen beispielsweise im Bereich der öffentlichen Beschaffung, in der Abwicklung von Steuerangelegenheiten von Unternehmen und Haushalten, in Leistungen an Unternehmen und Haushalten, aber auch in der Abwicklung von Geschäften zwischen öffentlichen Institutionen im In- und Ausland.[16]

2.3 Marketing im Electronic Commerce

Der Einsatz von E-Commerce muss auch im Marketingplan eines Unternehmens implementiert werden. Der optimale Einsatz der Marketinginstrumente kann nur mit ausreichendem Wissen über Einflussgrößen auf das Entscheidungsverhalten und die Verhaltensreaktion der Konsumenten getroffen werden.

2.3.1 Produktpolitik

Die Produktpolitik „umfaßt alle Entscheidungstatbestände, welche auf die Gestaltung der Absatzleistung beziehen. Diese sind die Gesamtheit der Güter und Dienste, die den Kunden angeboten werden.“[17]

Beim Einsatz von Electronic Commerce stellt sich im Rahmen der Produktpolitik die Frage nach dem Online-Eignungsgrad eines Produktes. Für die Gestaltung des Leistungsangebots im webgestützten E-Commerce kann das bisherige Angebot ganz oder teilweise oder ein speziell abgestimmtes Angebot realisiert werden. Insbesondere neue Produkte, die direkt vertrieben werden oder dem Fachhandel nutzen, da sie erklärungsbedürftig sind oder eine ausgeprägte Gestaltungsvielfalt besitzen, sind für die Vermarktung über das Medium Internet sehr gut geeignet (z.B. eine individuelle Computer-Konfiguration oder die Maßanfertigung von Hemden).

Weiterhin sind auch Eigenschaften, wie der Stand im Produktlebenszyklus (Produktinnovationen sind perspektivisch besser zu vermarkten als Auslaufmodelle), das Preis-/Leistungsverhältnis und das Existieren von Referenzen wie Testberichte oder Empfehlungen, ein wichtiger Faktor.[18]

2.3.2 Preispolitik

Die Preispolitik umfasst alle vertraglich fixierten Vereinbarungen über das Entgelt des Leistungsangebotes, über mögliche Rabatte und darüber hinausgehende Lieferungs-, Zahlungs- und Kreditierungsbedingungen.[19]

[...]


[1] Vgl.: Alpar, Paul: Kommerzielle Nutzung des Internet, Berlin, Heidelberg 1996, S. 14 - 19

[2] Vgl.: ebd., S. 95 ff.

[3] Vgl.: Thome, Rainer; Schinzer, Heiko (Hrsg.): Electronic Commerce, 2. Aufl., München 2000, S. 107-110

[4] Vgl.: Nua-Internet Surveys: http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/index.html, 05. April 2000

[5] Vgl.: Nua-Internet Surveys: http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/europe.html, 05. April 2000

[6] Vgl.: G+J Electronic Media Service GmbH (Hrsg.): OnScreen - Band 1 - Analyse der fünften Welle des GfK-Online-Monitors, Hamburg, April 2000, S. 10, 16 f.

[7] Vgl.: Baumann, Martina; Kistner, Andreas: e-Business, Vaterstetten 1999, S. 202

[8] Vgl.: Hermanns, Arnold; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 14

[9] Vgl.: Seybold, Patricia: Koenig.Kunde.com, München, Düsseldorf 1999, S. 25

[10] Vgl.: Haasis, Klaus; Zerfaß, Ansgar (Hrsg.): Digitale Wertschöpfung, Heidelberg 1999, S. 6

[11] Vgl.: Hermanns, Arnold; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 22

[12] Vgl.: Mattes, Frank: Electronic Business-to-Business, Stuttgart 1999, S. 15 f.

[13] Vgl.: Hermanns, Arnold; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 23

[14] Vgl.: Merz, Michael: Electronic Commerce, Heidelberg 1999, S. 22 f.

[15] Vgl.: Hermanns, Arnold; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 24 f.

[16] Vgl.: ebd., S. 26

[17] Meffert, Heribert: Marketing, 7. Aufl., Wiesbaden 1986, S. 117

[18] Vgl.: Hermanns, Arnold; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce, München 1999, S. 94

[19] Vgl.: Meffert, Heribert: Marketing, 7. Aufl., Wiesbaden 1986, S. 118 f.

Details

Seiten
56
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783656981176
ISBN (Buch)
9783867464529
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185548
Institution / Hochschule
Hochschule Mainz
Note
2
Schlagworte
electronic commerce business-to-consumer-bereich anwendungsmöglichkeiten perspektiven unternehmen

Autor

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Titel: Electronic Commerce im Business-to-Consumer-Bereich -  Anwendungsmöglichkeiten und Perspektiven für mittelständische Unternehmen