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Public Private Partnership - Eine neue Leitidee für deutsche Hochschulen?

Diplomarbeit 2000 98 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

1. Einleitung

Public Private Partnership (PPP) ist ein in den USA entstandenes Konzept, das die direkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und privater Wirtschaft symbolisiert. Beide Seiten verfolgen dabei bestimmte persönliche Interessen, so erhofft sich die öffentliche Institution vor allem wirtschaftliche Vorteile, während das Unternehmen z.B. aus Imagegründen investiert. Beispiele für diese Form der Kooperation gibt es viele. Unternehmen oder Unternehmensgruppen investieren etwa in kulturelle Veranstaltungen, in öffentliche Medien, in Forschungszentren oder in Hochschulen.

In dieser Arbeit wird Public Private Partnership am Beispiel öffentlicher Hochschulen dargestellt. Gerade auf diesem Sektor ist das Interesse an privaten Förderern in den letzten Jahren stark gestiegen. Hauptgrund dafür ist wohl die Finanznot an den deutschen Hochschulen[1] und die wachsende Konkurrenz zwischen den verschiedenen Universitäten bzw. Fachhochschulen. Das Prinzip eröffnet beiden Seiten Chancen, birgt aber auch Risiken, die hier aufgezeigt werden sollen.

Zunächst soll der Begriff des PPP dem Leser nähergebracht und die verschiedenen Kooperationsformen, deren Ziele und Probleme skizziert werden. Danach wird erklärt, in welchen Sektoren PPPs realisiert werden können und wie das in der Praxis aussieht (Punkt 2). Dann werden die beteiligten Kooperationspartner, d.h. Unternehmen und Hochschule, genau analysiert. Zunächst werden in Punkt 3 die Ziele und Leistungen der Hochschulen aufgezeigt, Punkt 4 befaßt sich im Gegenzug mit den Zielen und Zielgruppen der Unternehmen, sowie mit dem Thema der Klassifikation der möglichen Partner-Hochschulen. Bevor unter 6 die rechtlichen und steuerlichen Aspekte einer öffentlich-privaten Partnerschaft kurz angeschnitten werden, soll Punkt 5 die verschiedenen Instrumente des PPP aufzeigen. Die Realisierung, bzw. den Ablauf eines solchen Projektes behandelt Punkt 7, es folgt unter 8 ein kritischer Vergleich zwischen deutschen und US-amerikanischen Hochschulen. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einem aktuellen Fallbeispiel für eine PPP zwischen einer deutschen Hochschule und privaten Unternehmen.

2. Public Private Partnership – ein neues Schlagwort

2.1 Konzept des PPP im Wissenschaftssektor

„Public Private Partnership„ (PPP) ist ein neues Konzept, das es in seinen Grundzügen in Deutschland erst seit kurzem gibt, und zwar die Kooperation zwischen öffentlichen Institutionen und der Privatwirtschaft. PPP grenzt jedoch die Begriffe Sponsoring oder Spendentum klar vom neuen Schlagwort „Partnerschaft„ ab. Es geht jetzt nicht mehr um einmalige oder kurzfristige Zuwendungen von seiten eines Unternehmens, sondern PPP kombiniert alle verschiedenen Möglichkeiten einer Partnerschaft in mittel- oder langfristigen Projekten. Es soll eine vertraglich geregelte, organisierte und auf enge Zusammenarbeit basierende Beziehung zwischen Unternehmen und Hochschule hergestellt werden, die es beiden Seiten erlaubt, neue Ziele zu verwirklichen und die schon vorhandenen schneller und besser zu erreichen.

Es handelt sich bei PPP nicht um ein revolutionäres Konzept, das vollkommen neue Förderungsmethoden beinhaltet und die traditionellen völlig vernachlässigt, sondern es „integriert alle denkbaren Kooperationsformen zwischen Hochschule, Unternehmen und Medien, ohne dabei die eigenständigen Identitäten der Partner zu verwischen.„[2]

2.2 Voraussetzungen für die Realisierung der Ziele in einer Public Private Partnership

Eine Public Private Partnership macht nur dann Sinn, wenn beide Parteien aus dieser Kooperation Vorteile verbuchen können („win-win-situation„). Ziel ist es, die verschiedenen Kompetenzen, Kräfte und das Wissen der Partner so zu kombinieren, daß sie den größtmöglichen Nutzen für das Projekt und deren Beteiligten erzielen.[3] Dazu bedarf es zunächst einiger Grundvoraussetzungen, um Probleme und Spannungen von Anfang an zu vermeiden.

Vor Abschluß des Vertrages müssen zunächst intensive Diskussionen über die Zielsetzung des PPP-Projektes geführt werden. Hochschule und Unternehmen müssen davon überzeugt sein, daß sowohl die eigenen als auch die gemeinsamen Ziele auf Grund der Partnerschaft schneller, kostengünstiger, bzw. besser erreicht werden können.[4] Des weiteren müssen finanzielle Fragen geklärt werden, d.h. zum einen, in welcher Form und Höhe sich das Unternehmen beteiligt und zum anderen, wie die Früchte der gemeinsamen Arbeit aufgeteilt werden sollen. Auch über Themen wie eventuelle Publikationen oder Patentrechte muß sich bereits im Vorhinein geeinigt werden.[5]

Eine weitere wichtige Voraussetzung für das Funktionieren einer Public Private Partnership, die jedoch nichts mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu tun hat, sind der wechselseitige Respekt und die Akzeptanz zwischen den Partnern. Es muß ein gegenseitiges Vertrauen in die Kompetenz, Leistungsfähigkeit, Wissen und Zuverlässigkeit des Anderen existieren, außerdem muß die Identität des Partners und die Achtung vor ihm ständig gewahrt werden.[6]

Die Beachtung dieser Voraussetzungen klingt auf den ersten Blick sehr unproblematisch, birgt aber in Wirklichkeit doch einige Schwierigkeiten in sich, auf die später noch eingegangen werden soll.

2.3 Kooperationsformen

2.3.1 Praxisorientierte Studiengänge

Bei den praxisorientierten Studiengängen[7] sind vor allem die dualen Studiengänge zu nennen. Diese Studiengänge verbinden eine theoretische Ausbildung in der Hochschule mit einer praktischen Ausbildung im Unternehmen. Dabei besteht in manchen Hochschulen sogar die Möglichkeit, eine komplette Berufsausbildung innerhalb der Studienzeit zu absolvieren. Bei dieser Kooperationsform besteht normalerweise eine feste Vertragsbeziehung zwischen Unternehmen, Studenten und Hochschule. Solche Studiengänge werden größtenteils von den Unternehmen selbst finanziert, in Form von Lehrbetriebzuschüssen und der Entlohnung der Werkstudenten.

Unter diese Kategorie fallen weiterhin gemeinsame Seminare, in denen sowohl Firmenvertreter als auch Lehrkräfte die Vorlesungen halten, sowie von Unternehmen organisierte Stiftungsprofessuren, die für eine stärkere Praxisorientierung des Studiums sorgen.[8]

2.3.2 Berufsvorbereitung

Das Ziel der Berufsvorbereitung ist es, Jung-Akademikern den Berufseinstieg zu erleichtern. Dazu bilden Unternehmen und Hochschulen Vereine oder Initiativen (oft auch in Kooperation mit Handelskammern, Wirtschaftsverbänden und Arbeitsämtern), die regelmäßig Jobbörsen organisieren, Praktikumsplätze vermitteln oder Informationsveranstaltungen abhalten. Auch organisieren sie studienbegleitende Kursprogramme, um einen möglichst flüssigen Übergang von Studium zu Berufsleben herzustellen.[9]

2.3.3 Existenzgründungsförderung

Ziel der Existenzförderungsprogramme ist es, zukünftige Absolventen zur Selbstständigkeit zu motivieren. Dafür werden eigens von Hochschulen und Unternehmen - häufig in Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammern - Kurse organisiert, die dem Studenten jenes Wissen in Sachen Entrepreneurship und Selbstständigkeit vermitteln, das sie in normalen Kursen nicht erhalten. An einigen Universitäten wurden mittlerweile sogenannte Entrepreneurship-Lehrstühle eingerichtet, die nur das Thema Existenzgründungsförderung behandeln.[10]

2.3.4 Die berufsbezogene, wissenschaftliche Weiterbildung

Die Partnerschaftsmöglichkeit zwischen Hochschule und Unternehmen mit dem Ziel der persönlichen Weiterbildung steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Es gibt zwar die Möglichkeit, sich berufsbezogen wissenschaftlich weiterzubilden, angeboten werden solche Programme und Kurse bis jetzt jedoch nur an privaten Instituten oder Akademien[11]. Auf Hochschulebene betätigen sich in diese Richtung lediglich einzelne Professoren. Beispiele in Deutschland gibt es wenige, so z.B. das Hagener Arcadium-Haus der Wissenschaft und Weiterbildung, an dem die Fernuniversität Hagen beteiligt ist, oder die Akadamie für Weiterbildung der Universitäten Mannheim und Heidelberg, die sich über Gebühren und Firmenbeiträge finanziert.[12]

2.3.5 Leitprojekte und Leitkonzepte

Bei dieser Kooperationsform zwischen Unternehmen und Hochschule handelt es sich um ein gemeinsam durchgeführtes Projekt, das die Erschließung neuer Theorien und Technologien zum Ziel hat. Hierbei sollen Themen erarbeitet werden, denen die Partner in Hinsicht auf ihre eigenen Ziele große Bedeutung und ein hohes Innovationspotential beimessen. Solche Projekte sind meist zeitlich begrenzt und zielen nur auf das Erreichen der gesteckten Ziele ab. Die Arbeit erfolgt projektartig und zumeist findet kein finanzieller Leistungsaustausch statt. Verdienstmöglichkeiten ergeben sich aus den Resultaten der gemeinsamen Arbeit, hinsichtlich der Nutzungs- und Verwertungsrechte bedarf es von Anfang an einer klaren Regelung. [13]

2.3.6 Ausgründung bestimmter Aktivitäten

Bei diesem Thema geht es um die Privatisierung bestimmter Hochschuleinrichtungen, meistens bestimmter Forschungszentren. Durch eine Partnerschaft mit der Hochschule wird dem neuen Unternehmen der Weg in die Privatwirtschaft erleichtert. Das enge Verhältnis zwischen Unternehmen und „Mutterhaus„ wird dann meist weitergeführt und verspricht beiden Parteien Vorteile. Zum einen nimmt die Hochschule Gelder über Mieten, Nutzungsgebühren, Lizenzen und Patente ein, des weiteren kann sie langfristig Kontakte zur Privatwirtschaft pflegen und nutzen. Zum anderen hat das neue, ausgegliederte Unternehmen die Möglichkeit, die Infrastruktur sowie die verschiedenen Einrichtungen der Hochschule weiter zu nutzen, auch kann es bei der Privatisierung mit der aktiven Hilfe der gesamten Hochschule rechnen. Nach Etablierung des Unternehmens in der Privatwirtschaft charakterisiert sich die Partnerschaft fast ausschließlich durch gemeinsame Forschung- und Entwicklungs (FuE)-Aktivitäten. Die Inanspruchnahme der öffentlichen Leistungen kann das Unternehmen entweder durch Kostenerstattung oder eine Gewinnbeteiligung verrechnen.

2.3.7 Sponsorship-Leistungen

Auf dem Gebiet des Wissenschafts-Sponsoring gibt es für ein Unternehmen viele Möglichkeiten, die Kooperation mit der Hochschule zu realisieren. Die nachfolgend erläuterten Nutzungsmöglichkeiten des Sponsoring werden normalerweise nicht allein eingesetzt, sondern miteinander kombiniert.

Titel-Sponsoring [14]

Bestimmte gesponsorte Objekte werden hierbei nach dem Sponsor benannt. Beispiele gibt es viele, so kann z.B. der Unternehmensname in die Bezeichnung eines Lehrstuhls oder in den Titel eines Buches eingehen, so kann eine Fakultät oder andere Einrichtung (z.B. eine Bibliothek) nach dem Sponsor benannt werden oder kann eine wissenschaftliche Tagung den Namen des Sponsors tragen[15].

Markierung von Ausrüstungsgegenständen [16]

Das Unternehmen plaziert sein Firmen- bzw. Markenlogo auf Gegenständen, die vom Gesponsorten genutzt werden. Das können z.B. Gebäude, Fahrzeuge, Bibliotheksbücher, Computer, u.ä. sein.

Hospitality [17]

Im Rahmen von wissenschaftlichen Veranstaltungen tritt der Sponsor auf, um seine Produkte, den Firmennamen oder eine bestimmte Marke zu präsentieren. Dazu stehen ihm verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Er kann z.B. eigene Vorträge veranstalten, Informationsstände aufbauen, mit dem Firmennamen markierte Gegenstände zur Verfügung stellen, usw.

Nutzung von Prädikaten [18]

Offizielle Prädikate lauten normalerweise „Offizieller Förderer...„, „Offizieller Sponsor...„, „Offizieller Lieferant„, etc.. Gängig sind solche Prädikate vor allem im Sport-Sponsoring, sie werden jedoch auch vereinzelt im Hochschul-Bereich verwendet.

Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule [19]

Bei der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschulen wird das Unternehmen und deren Leistung hervorgehoben. Das kann auf Pressekonferenzen, bei Pressemeldungen oder auch in Publikationen erfolgen.

2.4 Mögliche Probleme bei Public Private Partnership

Seit Jahrzehnten arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft miteinander. Ursprünglich sah die Hochschule im Unternehmen jedoch nur den Stifter, Spender, allenfalls den mäzenatischen Sponsor, der finanzielle Einkünfte ohne die Erwartung größerer Gegenleistungen garantierte[20], während auf der anderen Seite die Unternehmer als Gegenleistung für ihre Spenden Imageverbesserung, neue Kontakte zu Firmen und Kunden oder ähnliches erwarteten. Seit der Einführung der Public Private Partnership und auf Grund der daraus resultierenden intensiven Zusammenarbeit ergeben sich immer mehr Probleme, die nicht nur auf Berührungsängsten zwischen den Partnern basieren, sondern auch auf den verschiedenen Vorstellungen, die in der Unternehmens- und Hochschulkultur vorherrschen.

Prinzipiell kann man drei Problembereiche feststellen, die die Hauptauslöser für Spannungen und Differenzen innerhalb der Partnerschaft sind. Zum einen sind das Managementprobleme, zweitens Ziel-, Wahrnehmungs- und Verhaltensdivergenzen und letztlich die Rahmenbedingungen des Projektes.[21] [22]

2.4.1 Managementprobleme

Der Begriff Management impliziert die Planung, Organisation, Führung und Kontrolle bestimmter Projekte oder Aufgaben. Bei einem PPP-Projekt kooperieren zwei Partner, die meist eine unterschiedliche Auffassung von Management haben, sei es auf Grund unterschiedlicher Rahmenbedingungen, sei es auf Grund verschiedener Zielsetzungen. Deswegen stoßen diese beiden Mentalitäten aufeinander, sobald wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen und erzeugen zwangsläufig Differenzen zwischen Hochschule und Unternehmen. Dieses Problem muß also frühzeitig in Angriff genommen werden. Bei einer mittel- oder langfristigen Partnerschaft sollte ein Führungsgremium errichtet werden, das sich mit den Managementaufgaben beider Seiten befaßt. Dabei hängt es vom Projekt, der Intensität und auch der Dauer der Partnerschaft ab, ob man ein kleines Gremium mit wenigen Vertretern oder ein großes Gremium mit einer hierarchischen Struktur und eigenen Lenkungs- und Koordinierungsausschüssen errichten sollte. Wichtig ist jedoch, daß Hochschule und Unternehmen etwa gleich viele Gremiumsmitglieder stellen, so daß keine Benachteiligungen bzw. Bevorzugungen entstehen können. Ein in dieser Hinsicht weiterer wichtiger und manchmal auch problematischer Punkt ist die Besetzung der Gremien mit ausgebildetem Personal. Wenn es sich nicht gerade um die Zusammenarbeit zwischen einem Unternehmen und einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät handelt, wird es sehr schwer sein, Professoren oder andere Hochschulmitarbeiter zu finden, die über ausreichende Managementerfahrung und das nötige Wissen verfügen, um eine solche Partnerschaft mitzuleiten. Diesen Personen eröffnet sich die Möglichkeit, Kurse zur Vermittlung betriebswirtschaftlichen Basiswissens oder bestimmte Managementseminare zu besuchen, um sich so problemloser in das Führungsgremium der PPP zu integrieren. Es besteht auch die Möglichkeit, von außerhalb Personen zu engagieren, die sich ausschließlich mit dem Management des Projektes befassen (z.B. Unternehmensberater). Von dieser Alternative wird jedoch in der Praxis sehr selten Gebrauch gemacht.

2.4.2 Ziel-, Wahrnehmungs- und Verhaltensdivergenzen

Wie bereits erwähnt, bedarf es bei einer Public Private Partnership zwischen Unternehmen und Hochschulen sorgfältiger und umfangreicher Planung. Trotz allem entstehen immer wieder Probleme, die auf völlig unterschiedliche Gründe zurückzuführen sind.

Probleme in Bezug auf die angestrebten Ziele treten häufig auf Grund unterschiedlicher Meßsysteme auf. Während ein Unternehmen normalerweise den Erfolg eines Projektes am wirtschaftlichen Gewinn bzw. den Gewinnaussichten mißt, orientieren öffentliche Institutionen ihre Projekte öfters auch an gesellschaftlichen Zielen, die zum einen nicht genau meßbar sind und zum anderen nicht die Gewinne versprechen, die vom Unternehmen erwartet werden.[23] So kann es dazu kommen, daß ein Projekt für die Hochschule bereits beendet ist, während das Unternehmen auf einer Fortführung besteht, weil noch nicht alle Ziele im optimalen Umfang realisiert wurden. Das bedeutet, daß sich trotz intensiver Vorplanungen ernsthafte Probleme ergeben, die nicht auf Managementfehlern basieren, sondern auf Unterschieden in der Unternehmens- bzw. Hochschulkultur.

Ein weiteres gängiges Problem ist die Definition der Zeithorizonte.[24] Die zeitliche Abgrenzung eines bestimmten Projektes innerhalb einer PPP muß unbedingt frühzeitig festgelegt werden, um die „Kurz-und Mittelfristziele der Wirtschaft mit den Mittel- und Langfristzielen der Wissenschaft zu verbinden.„[25] Es ist bekannt, daß die Planungshorizonte der Hochschulen länger sind als die der Unternehmen.[26] Grund dafür ist hauptsächlich der auf den Unternehmen lastende Wettbewerbsdruck. Im Konkurrenzkampf um neue Entwicklungen (speziell bezogen auf PPPs im Forschungsbereich) gilt es, sich als erster am Markt zu plazieren, um so den zeitlichen Vorteil nutzen zu können. Daraus folgt, daß Hochschule und Unternehmen sich auf eine für beide vertretbare und akzeptable Kombination einigen müssen. Das heißt zum einen, daß das Unternehmen früher mit in die Grundlagenforschung einsteigen muß und daß zum anderen die Wissenschaft den Innovationsprozeß bis ans Ende der Wertschöpfungskette begleiten sollte.[27]

Zwischen Unternehmen und Hochschulen dominieren unterschiedliche Verhaltensweisen, aus denen sich bei einer Kooperation sehr schnell Probleme ergeben können. Laut Kröll und Blum „dominieren im Staat die Regeln die Ziele und in der Wirtschaft die Ziele die Regeln„.[28] Das bedeutet, daß die Unternehmen sich am Markt bestätigen müssen und deswegen bestimmte marktgerechte Verhaltensweisen angenommen haben, während diese Einstellung bei den meisten Hochschulen nicht zu beobachten ist; dort steht nach wie vor eher der wissenschaftliche Erfolg im Vordergrund.

Probleme kann es dann geben, wenn das Unternehmen der Ansicht ist, einen Anspruch auf kostenlose Benutzung des Know-hows der Hochschule und deren Einrichtungen zu haben, da es ja bestimmte finanzielle Beiträge leistet, und dabei den Grundgedanken einer Partnerschaft und einer Kooperation vernachlässigt.[29] Die Wirtschaft sieht die Hochschule nicht nur als Partner, sondern in erster Linie als „Dienstleister der Wirtschaft„.[30] Als Gegenreaktion stellen sich der Hochschule drei Möglichkeiten: Erstens kann sie versuchen, das Projekt wieder auf den ursprünglich geplanten Weg zurückzuführen, zweitens kann sie die Partnerschaft trotz der Unstimmigkeiten genau so weiterführen oder sie kann drittens das Projekt abbrechen. Der erste Versuch der Hochschule sollte es sein, das Projekt zu retten und wieder auf die ursprünglich geplante Bahn zu bringen. Dazu sind intensive Gespräche vonnöten, deren Erfolg hauptsächlich von der Einstellung des Unternehmens abhängig ist. Ist dieses bereit, sein Verhalten zu ändern oder einigt man sich auf einen Kompromiß, so kann das Projekt fortgesetzt werden. Geschieht dies jedoch nicht, müssen die beiden Parteien entscheiden, ob sie das Projekt abbrechen möchten. Der Abbruch einer PPP bedeutet das Versagen eines Projektes und die Verschwendung von Geldern und Zeit. Auf der anderen Seite ist es jedoch manchmal die einzig vernünftige Lösung und hilft Unternehmen und Hochschule, Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln.

Sollte die Hochschule trotz allem die Partnerschaft im Konflikt weiterführen, ergibt sich sehr schnell ein Identitätsproblem. Professoren und Hochschulmitarbeiter sehen sich (wie vorher erwähnt) dann zunehmend als Dienstleister der Wirtschaft[31] und bangen um die Freiheit der Wissenschaft.[32] Sie fühlen sich zu sehr in den kompetitiven, privatwirtschaftlichen Markt gezwängt und sehen die ursprüngliche Mission der öffentlichen Wissenschaft bedroht.

2.5 PPP in anderen Sektoren

2.5.1 PPP in der Forschung

PPPs in der Forschung sind Kooperationen zwischen Unternehmen auf der einen und öffentlichen Forschungseinrichtungen, wie z.B. Institute oder bestimmte Hochschulfakultäten auf der anderen Seite. Streng genommen gehören solche Kooperationen also auch in den Bereich der Wissenschaftsförderung. Das Thema soll in dieser Arbeit jedoch nur angerissen werden, da der Schwerpunkt auf der Förderung der Lehre insgesamt liegen soll.

Die Kooperationsformen bei PPPs in der Forschung sind vielfältig, haben jedoch alle die Verbesserung des Know-Hows und die Entwicklung von Innovationen als Ziel.

Eine der häufigsten Kooperationsformen ist die projektbezogene Zusammenarbeit[33]. Dabei handelt es sich meist um die gemeinsame Entwicklung neuer Produkte oder Technologien. Die Forschungseinrichtung stellt ihre Räumlichkeiten, Instrumente und Wissen zur Verfügung, das Unternehmen dagegen stellt einerseits sein Know-How bereit, des weiteren bietet es Finanzleistungen oder Anteile aus den Gewinnen der gemeinsamen Innovationen an.

Besonders bei öffentlichen Labors oder medizinischen Forschungsstätten verbinden sich Unternehmen und öffentliche Hand in Form einer PPP zur Gründung eines neuen, privaten Unternehmens[34]. Dabei werden meist bestimmte Sektoren der Forschungseinrichtung outgesourct und dann privatisiert. Von einer solchen Kooperation profitieren sowohl Unternehmen als auch Forschung, da beide an späteren Gewinnen beteiligt sind und weiterhin das dort entwickelte Know-How übernehmen können.

Partnerschaften im Forschungssektor überschneiden sich teilweise inhaltlich mit Kooperationen im Bildungsbereich, besonders wenn es sich um PPPs mit wissenschaftlichen Fakultäten handelt. Doch insbesondere pharmazeutische oder chemische Unternehmen engagieren sich häufiger in solchen Projekten, da sie sich dadurch höhere Gewinnchancen ausrechnen.

2.5.2 PPP im Kultursektor

Seit Mitte der achtziger Jahre ist das Konzept „Kultur-Sponsoring„ in Deutschland zu einem Dauerthema geworden[35]. Dabei investiert ein Unternehmen in eine kulturelle Veranstaltung und erhält dafür eine bestimmte Gegenleistung. Solch eine Gegenleistung wäre zum Beispiel die Erwähnung des Sponsors in der Berichterstattung im Feuilleton einer Tageszeitung[36], was den Bekanntheitsgrad des Unternehmens steigern und zugleich für Imagepflege sorgen würde. Die Vielfalt der Betätigungsfelder ist hierbei sehr groß, d.h angesichts der vielen verschiedenen kulturellen Veranstaltungen bzw. Künstler können sich die Sponsoren relativ leicht von ihren Konkurrenten abgrenzen.

[...]


[1] Vgl. Pohl, H.-P, s. URL in Literaturverzeichnis

[2] Vgl. Pohl, H.-P., s. URL in Literaturverzeichnis

[3] Vgl. Krull, W. (1999), S. 7

[4] Vgl. Kröll, W./ Blum, J. (1999), S. 17

[5] Vgl. Stock, G (1999), S. 11

[6] Vgl. Menhart, D. (1998)

[7] Vgl. Lennings, M. (1999), S. 25 ff.

[8] Vgl. Lennings, M. (1999), S. 26

[9] Vgl. Lennings, M. (1999), S. 26

[10] Vgl. Lennings, M. (1999), S. 26

[11] Vgl. iwd (1999)

[12] Vgl. Kröll, W. / Blum,J. (1999), S.17 ff.

[13] Vgl. Kröll, W. / Blum,J. (1999), S.18 ff.

[14] Vgl. Westebbe, A./ Winter, E./ Trost, O. (1997), S. 34; Hermanns, A. / Glogger, A. (1998), S.19

[15] Vgl. Herrmanns,A. / Püttmann,M. (1992), S.1178

[16] Vgl. Herrmanns,A. / Püttmann,M. (1992), S.1178; Westebbe, A./ Winter, E./ Trost, O. (1997), S. 34; Hermanns, A. / Glogger, A. (1998), S.19

[17] Vgl. Herrmanns,A. / Püttmann,M. (1992), S.1178; Westebbe, A./ Winter, E./ Trost, O. (1997), S. 34; Hermanns, A. / Glogger, A. (1998), S.19

[18] Vgl. Herrmanns,A. / Püttmann,M. (1992), S.1178; Westebbe, A./ Winter, E./ Trost, O. (1997), S. 34; Hermanns, A. / Glogger, A. (1998), S.19

[19] Vgl. Herrmanns,A. / Püttmann,M. (1992), S.1178; Westebbe, A. / Winter, E. / Trost, O. (1997), S. 35; Hermanns, A. / Glogger, A. (1998), S.19

[20] Vgl. Pohl, H.-P., S.2

[21] Vgl. Brockhoff, K. (1999), S.40 ff.

[22] Vgl. Brockhoff, K. (1999), S.40 ff.

[23] Vgl. Brockhoff, K (1999), S.41 ff.

[24] Vgl. Krull, W. (1999), S.8

[25] Vgl. Kröll, W / Blum, J. (1999), S.22

[26] Vgl. Brockhoff, K (1999), S.41 ff.

[27] Vgl. Kröll, W / Blum, J. (1999), S.22

[28] Vgl. Kröll, W / Blum, J. (1999), S.21

[29] Vgl. Kröll, W / Blum, J. (1999), S.21

[30] Vgl. Menhart, D. (1998), S.1

[31] Vgl. Menhart, D. (1998), S.1

[32] Vgl. Iwd (1999), S.2

[33] Vgl. Kröll, W. / Blum, B. (1999), S.17 ff.

[34] Vgl. Kröll, W. / Blum, B. (1999), S.18 ff.

[35] Vgl. Braun, G. / Gallus, T. / Scheytt, O. (1996), S.1

[36] Vgl. Herrmanns, A. (1997), S. 75

Details

Seiten
98
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783656980957
ISBN (Buch)
9783867461689
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185402
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen
Note
Schlagworte
public private partnership eine leitidee hochschulen

Autor

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