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Analyse der Preiseffekte der EU-Bananenmarktordnung von 1993

Diplomarbeit 1998 121 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNISI

Abkürzungen / Glossar

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Anhänge

Zusammenfassung

Summary

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Vorgehensweise

2 Weltbananenmarkt
2.1 Die Bananenerzeugung im Überblick
2.2 Der Bananenexport
2.2.1 Bedeutung des Exports
2.2.2 Exportentwicklung
2.3 Import
2.3.1 Bedeutung und Entwicklung der Einfuhrmärkte
2.3.2 Nachfrageverhalten auf ausgesuchten Märkten
2.4 Die Handelsstrukturen auf dem Bananenmarkt
2.4.1 Handelswege
2.4.2 Strukturen des Weltmarktes
2.4.3 Multinationale Konzerne
2.5 Preise
2.5.1 Preispolitische Eingriffe
2.5.2 Preisentwicklung auf verschiedenen Marktebenen

3 Die Bedeutung und Funktionsweise des Bananenmarktes der Europäischen Union
3.1 Entwicklungen auf dem Bananenmarkt der EU
3.2 Die alte Marktordnung bis 1993
3.3 Ökonomische Alternativen der EU bei der Neugestaltung der Bananenmarktordnung
3.3.1 Kontingentsrente
3.4 Die jetzige gemeinsame Marktordnung
3.4.1 Einwirkende Verpflichtungen bei der Beschlußfassung
3.5 Erste Analysen der Neuordnung
3.6 Ansatz für die Preiseffektanalyse
3.6.1 Erwartete Preiseffekte

4 Analyse der Verbraucherpreiseffekte der Bananen-marktordnung ((EWG) Nr. 404/93) der Europäischen Union anhand von Zeitreihenmodellen
4.1 Darstellung des Modellansatzes
4.1.1 Einordnung der Zeitreihenanalyse in die statistische Ideenlehre
4.1.2 Alternative Konzepte der Zeitreihenanalyse
4.1.3 Fachwissenschaftliche Grundlagen und Verfahrens-weise bei der Modellbildung von ARIMA-Modellen
4.1.4 Interventionsmodelle für die Beschreibung von Politik-eingriffen, wie der Bananenmarktintervention durch die EU
4.1.5 Datenmaterial
4.1.6 Modellauswahlkriterien, Analyseaufbau und Mittel der Datenverarbeitung
4.2 Preiseffekte der Bananenmarktordnung der EU vom 1.Juli
4.2.1 England
4.2.2 Frankreich
4.2.3 Deutschland
4.2.4 USA
4.3 Quantifizierung von Preiseffekten
4.3.1 England
4.3.2 Frankreich
4.3.3 Deutschland
4.3.4 USA
4.4 Unterschiede im Anpassungsverhalten von Verbraucher-preisen in den gesuchten Ländern nach dem 1.Juli
4.5 Schlußfolgerungen aus den Ergebnissen der Analyse

5 Abschließende Diskussion
5.1 Vollendung des Binnenmarktes durch die GMO für Bananen
5.2 Globaler Protektionsabbau nach der Uruguay-Runde im Agrarbereich
5.3 Positive Wirtschaftsentwicklung in Entwicklungsländern
5.4 Ökologisierung der Bananenproduktion
5.5 Einfluß der Marktstrukturen

6 Ausblick

7 Literaturverzeichnis

DANKSAGUNG

Ich will mich für die Unterstützung und Hilfe, die ich bei dieser Arbeit durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Fachbereiche Agrarpolitik sowie Agrarhandel und Entwicklung genoß, Johannes Jütting und Hermann Lotze, bedanken.

Des weiteren für die gewissenhafte Arbeit von Meike Geppert, Kahla Reimert, Andrea Effinger und Dietrich Omeis.

Für die Hilfe bei der Übersetzung sei die Fremdsprachenkenntnis meiner Schwester Britta Omeis gelobt und anerkannt.

Für den familiären Rückhalt und die Geduld danke ich Barbara Lother, Christel und Martin Lother, Maximilian Lother, Anton Lother und Helga Omeis sowie Axel Heine.

Abkürzungen / Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 2-a: Weltproduktionsentwicklung bei Bananen im Zeitraum zwischen 1990 und 1996 (in t)

Abbildung 2-b: Exportwert (in $) der wichtigsten, für die menschliche Ernährung produzierten, pflanzlichen Agrarexportgüter (1995)

Abbildung 2-c: Die größten Produzenten und Exporteure von Obstbananen 1995 (in t)

Abbildung 2-d: Anteil der Banane am gesamten Exporterlös der größten Exporteure von Bananen in % (1995)

Abbildung 2-e: Entwicklung der Bananenexporte zwischen 1985-1995 nach Regionen gegliedert (in t)

Abbildung 2-f: Weltweite Importentwicklung (in t) zwischen 1985 und

Abbildung 2-g: Entwicklung des Pro/Kopf-Verbrauchs der größten Importeure von Bananen zwischen den Jahren 1987 und

Abbildung 2-h: Vergleich der Stückkosten pro Banane (ECU/t) bei der Produktion zwischen verschiedenen Anbauregionen

Abbildung 3-a: Importentwicklung von Bananen (in t), der größten EU-Importeure zwischen 1985 und

Abbildung 3-b: Kontingentsrente infolge einer mengenmäßigen Begrenzung von Importen

Abbildung 4-a: Beziehung zwischen dem Prozeß, der Realisation und dem Modell bei ARIMA-Modellen

Abbildung 4-b: Iterativer Prozeß der ARIMA-Modellbildung

Abbildung 4-c: Interventiontyp „Step“; schrittweise, dauerhafte Anpassung der Variablen (S) nach einer Intervention

Abbildung 4-d: Interventionstyp „Impuls“; kurzzeitiges schnelles ansteigendes, dann langsam abfallendes Verhalten der Variablen (P) nach der Intervention

Abbildung 4-e: Verbraucherpreisentwicklung in England zwischen Januar 1981 und November 1996 (in Pfund)

Abbildung 4-f: Verbraucherpreisentwicklung in Frankreich ( in Franc pro Kilo) im Zeitraum zwischen Januar 1981 bis November

Abbildung 4-g: Verbraucherpreisentwicklung in Deutschland ( in DM pro Kilo Bananen) im Zeitraum zwischen Januar 1981 bis November 1996

Abbildung 4-h: Verbraucherpreisentwicklung in den USA ( in Dollar pro Kilo Bananen) im Zeitraum zwischen Januar 1981 bis Dezember 1996

Verzeichnis der Tabellen

Tabelle 2-a: Weltweite Produktionszahlen (in 1000 t) und Produktionsanteile (in %) für Bananen (1996)

Tabelle 2-b: Anteile (in %) der Multinationale Konzerne am Weltexport von Bananen (1992)

Tabelle 3-a: Herkunft der Bananen, die auf dem gemeinsamen EU-Markt konsumiert werden

Tabelle 4-a: ARIMA-Modell für die Verbraucherpreise in England bis zum Zeitpunkt des in Kraft tretends der Intervention und n-Zeitpunkte nach der Intervention

Tabelle 4-b: ARIMA-Modell für die Verbraucherpreise in Frankreich bis zum Zeitpunkt des in Kraft tretends der Intervention und n-Zeitpunkte danach

Tabelle 4-c: ARIMA-Modell für die Verbraucherpreise in Deutschland bis zum Zeitpunkt der Intervention und n-Zeitpunkte danach

Tabelle 4-d: ARIMA-Modell für die Verbraucherpreise in den USA bis zum Zeitpunkt der Intervention und n-Zeitpunkte danach

Tabelle 4-e: Interventions- sowie alternative ARIMA-Modellanalyse für den englischen Verbraucherpreis im Zeitraum zwischen Januar 1981 und November 1996

Tabelle 4-f: Interventions- sowie alternative ARIMA-Modellanalyse für den französischen Verbraucherpreis im Zeitraum zwischen Januar 1981 und November 1996

Tabelle 4-g: Interventions- sowie alternative ARIMA-Modellanalyse für den deutschen Verbraucherpreis im Zeitraum zwischen Januar 1981 und November 1996

Tabelle 4-h: Interventions- sowie alternative ARIMA-Modellanalyse für den Verbraucherpreis in den USA im Zeitraum zwischen Januar 1981 und November 1996

Tabelle 4-i: Verbraucherpreisveränderungen bei Bananen in den untersuchten Ländern nach der Bananenmarktordnung vom 1.Juli 1993

Verzeichnis der Anhänge

Anhang 1: Monatliche Preise für Bananen auf der Verbraucherebene in England (in Pfund/kg)

Anhang 2: Monatliche Preise für Bananen auf der Verbraucherebene in Frankreich (in Franc/kg)

Anhang 3: Monatliche Preise für Bananen auf der Verbraucherebene in Deutschland (in DM/kg)

Anhang 4: Monatliche Preise für Bananen auf der Verbraucherebene in den USA (in $/kg)

Anhang 5: Deckblattmuster der Arbeit

Zusammenfassung

Nur ca. 24% der weltweit produzierten Bananen werden exportiert. Dies zeigt die hohe Bedeutung der Banane als Grundnahrungsmittel in den Hauptanbauregionen. Diese liegen in Asien und Südamerika, wo auch infolge des positiven Wirtschaftswachstums vieler dieser Staaten der wesentliche Zuwachs in der Weltproduktion stattfand.

In Regionen die zum größten Teil vom Export dieser tropischen Obstfrucht leben, kann man hingegen ein geringes (Mittelamerika) und sogar negatives (Karibik) Produktionswachstum feststellen.

Für diese relativ kleinen Länder wie Costa Rica, Guatemala oder dem Inselstaat St. Vincent ist die Banane das Exportgut Nr.1. Dagegen hat der Bananenhandel für den weltgrößten Exporteur von Bananen, Ecuador, in der Exportstatistik geringere Bedeutung. Dies deutet darauf hin, daß vor allem kleine lateinamerikanische Länder aus Zentralamerika und der Karibik in ihrem Außenhandel abhängig von Erlösen mit Bananen sind.

Seit der Idee, Bananen zu verschiffen und sie in den Industriestaaten zum Verkauf anzubieten sank der Weltmarktpreis genauso kontinuierlich, wie die Importe stiegen. Die Banane entwickelte sich vom teuren Luxusartikel zum alltäglichen Konsumgut. Weltweit verdoppelte sich die Einfuhr von Bananen seit 1980. Die EU ist heute der größte Importeur von Bananen und führt zusammen mit den USA heute ca. 66% der gehandelten Exportbananen ein.

Die Banane gelangt auf klassischen Handelswegen in die wesentlichen Konsumländer. Dabei bezieht Nordamerika aus Zentral- und Südamerika, Europa aus Zentralamerika, Karibik und Afrika sowie Japan von den Philippinen die Mehrzahl der importierten Bananen. Die Bananen gelangen indes auf verschieden organisierte Verbrauchermärkte. Diese Marktsysteme wirken sich erheblich auf die Handelsstrukturen aus. Man kann zwischen freien, geschlossenen, neuen und Vorzugsmärkten unterscheiden.

Im Falle der EU wird durch preispolitische Eingriffe versucht, die Marktstellung der internen und assoziierten Bananenanbieter gegenüber dem Angebot aus Drittländer zu verbessern. Schutzzölle und Stützpreissysteme sorgen für ein angemessenes Einkommen in den bevorzugten Gebieten. Die Folge war und ist, daß in solchen Wirtschaftsgebilden die Preisschere zwischen allgemein sinkenden Weltmarktpreis und steigenden Stützpreisen vergrößert wurde.

Die am 1.Juli 1993 in Kraft getretene neue Marktordnung der EU für Bananen (GMO) hat die jeweiligen einzelstaatlichen Regelungen der EU-Länder im Bananensektor vereinheitlicht. Die GMO versucht mit Mengenbegrenzungen für die Einfuhr von Bananen aus den verschiedenen Anbauregionen den Preis für Bananen innerhalb der EU so zu gestalten, daß er den durch das Lomé-Abkommen bevorzugten AKP-Staaten, sowie den eigenen EU-Erzeugerregionen ein angemessenes Einkommen ermöglicht. Dabei geht die EU davon aus, daß es nötig sein wird den internen und assoziierten Erzeugern durch Beihilfen ein ausreichendes Einkommen zu sichern, da es infolge des freien Bananenhandels innerhalb der EU zu einem Preisrückgang bei Bananen kommen wird. Trotz drastischer Einfuhrverringerungen von sogenannten Dollarbananen, das sind Bananen, die in Lateinamerika produziert werden und über zum größten Teil von amerikanischen Konzernen gehandelt werden, wird davon ausgegangen, daß der niedrige Preis und die gute Qualität dieser Bananen das Preisniveau der EU herabsetzen werden. Nur für Deutschland, daß vor der GMO ohne Beschränkung Bananen einführte wird ein deutlicher Preisanstieg erwartet.

Die Analyse der Preisentwicklungen vor und nach der Intervention machte es möglich, die tatsächlichen Auswirkungen der GMO auf das Verbraucherpreisniveau der größten Bananenimportländer zu messen. Erste Untersuchungen der GMO, die zu erwartende Preisänderungen voraussagten, konnten somit bestätigt oder abgelehnt werden. Mit Hilfe von ARIMA- und Interventionsmodellen ergaben sich für die EU-Mitglieder Frankreich und England die erwarteten Preisrückgänge, sowie für Deutschland ein starker Preisanstieg. Die Vermutung, daß die Mengenbegrenzung der EU-Importe den amerikanischen Markt subventionierte, wurde nicht bestätigt.

Damit erreichte die GMO ihre in der Akte EWG 404/93 verfaßten Ziele nur teilweise. Die Vollendung des Binnenmarktes vergrößerte die Protektion gegenüber Drittländern. Ausdrücklich betont die Verordnung, daß die Importe aus Drittländern (Dollarbananen) nicht behindert werden dürfen. Die GMO benachteiligt den größten Teil der Exporteure zu Gunsten einer im Weltmaßstab gesehenen Minderheit. Sie fördert die politische und wirtschaftliche Instabilität in den unterprivilegierten Erzeugerländern, fördert den Anbau von lukrativeren Produkten (Rauschgifte) und verschlechtert die Lebensbedingungen der Produzenten.

Summary

Only about 24 % of the world production of bananas is being exported. This shows the importance of bananas as basic foodstuffs in the principle producing regions which are situated in Asia and South America. The positive economic development of many of these states has contributed considerably to the growth of world production.

However, in regions which largely depend on exporting this tropical fruit production growth is modest (Central America) and even negative (Caribbean).

Whereas for these relatively small countries like Costa Rica, Guatemala or the island of St. Vincent, bananas are the main exports, export statistics of the world leading banana exporter, Ecuador, indicate that the banana trade is of minor importance for that country. This shows that foreign trade in especially the small Latin American countries in Central America and the Caribbean is almost exclusively based on earnings derived from bananas.

Since the idea was born to ship bananas and to offer them for sale in the industrialised countries the world market price has fallen as the imports increased. Once an expensive luxury good, bananas have become an ordinary consumer good. Since 1980 banana imports have doubled world wide. Today, the Community is the biggest importer of bananas and, together with the US, imports account for approx. 66 % of handled export bananas.

While the export of bananas to the principal consumption countries follows classical routes, i. e. supplies for North America mainly come from Central and South America, most European imports originate in Central America, the Caribbean and in Africa and Japanese imports come from the Philippines, the organisation of these consumer markets takes different forms and has great impact on trade structures. There are free, closed, new and privileged markets.

The Community is attempting, on the basis of its price policy interventions, to strengthen the market position of internal and associated banana producers in relation to third country suppliers. Protective tariffs and support prices are intended to provide an adequate income in privileged regions. As a consequence, the gap between generally falling world market prices and increasing support prices in those economies will continue to widen.

The Common Market Organisation (CMO) of the EU for bananas which entered into force on 1st July 1993 has harmonised the national regulations of the member states. The CMO imposes import quotas for the individual producing regions in order to achieve a price level for bananas within the Community that allows the ACP-countries, privileged by the Lomé-Convention, as well as producing areas in the Community to ensure an adequate income. Since the introduction of free trade in the EU would result in a fall in banana prices, the Community recognises that it will be necessary to pay state aids in order to guarantee an adequate income of the internal and associated producers. Though the imports of so-called dollar bananas have been reduced significantly (bananas produced in Latin America and largely handled by American companies), the low price and the good quality of these bananas are expected to lower the EU price level. Only Germany where banana imports had not been subject to restrictions before the introduction of the CMO, will probably face a significant increase in prices.

An analysis of the development of prices before and after intervention will show the real impact of the CMO on consumer prices in the most important banana importing countries. This will allow initial CMO forecasts on price developments. To be confirmed or rejected. Calculations based on ARIMA and intervention models confirm the expected drop in prices for France and England and the significant increase in prices in Germany. The assumption that quotas imposed on EU imports would subsidise the American market has not been confirmed.

Thus, the CMO has only partly achieved the goals laid down in Regulation (EEC) No 404/93. The completion of the Single Market has increased the protection against third countries. The Regulation explicitly states that imports from third countries may not be undermined. The CMO discriminates against most of the exporters and favours what is, on a global scale, a minority. As a consequence, political and economic instability in the under-privileged producing countries is growing, a development that favours the cultivation of lucrative products (drugs) and aggravates the living conditions of the producers.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Ein wichtiger Faktor für die zukunftsorientierte Agrarentwicklung sind die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Dies ist theoretisch und empirisch auf vielfältige Weise in der Literatur belegt (z.B. HAYAMI UND RUTTAN, 1991, S.367 ff.). Es ist plausibel, daß Einflußfaktoren, wie beispielsweise vertragliche Vereinbarungen, Handelsbarrieren (Zölle), Gesetzgebung, Schuldendienst an das Ausland und das Kaufkraftverhältnis im Verhältnis zum Ausland von großer Bedeutung für die wirtschaftlichen Aktivitäten innerhalb eines Landes sind.

Große Wirtschaftsgemeinschaften, wie beispielsweise die USA oder die Europäische Union (EU), haben durch ihre Handels- und Wirtschaftspolitik globalen Einfluß auf das Wirtschaftsgeschehen und die Entwicklungschancen der übrigen Welt. Dieser Einfluß birgt somit gleichzeitig eine hohe Verantwortung in sich.

Der Handel mit Bananen zeigt exemplarisch, wie die großen Industrienationen mit diesem Ethos umgehen. Sie sind die Hauptabnehmer von Bananen und anderer Agrarprodukte einiger exportorientierter Erzeugerländer. Es stellt sich die Frage, inwieweit sie sich ihrer Verantwortung bewußt sind, Ländern eine ökologische und ökonomische Perspektive für die Zukunft zu geben, die sich von Entwicklungsländern (EL) zu Industrieländern entwickeln wollen. Man muß nicht zuletzt durch die Uruguay-Runde[1] davon ausgehen, daß beispielsweise die EU klare Impulse gibt, um in erster Linie auf den Agrarmärkten ein Zeitalter des liberaleren internationalen Handels einzuleiten.

Der Appell der Verhandlungsrunden, ein Zeitalter des globalen und liberalisierten Welthandels einzuläuten, wurde jedoch nicht von allen Staaten unterstützt. Einige der ärmsten Staaten der Erde profitieren nach wie vor von den subventionierten Grundnahrungsmitteln, die auf den Weltmarkt billig abgesetzt werden, um Lagerhaltungskosten zu sparen. Die EL sind somit in zwei Lager gespalten. Zum einen die Staaten, die zu wenig Nahrungsmittel selbst herstellen und deshalb auf Billigimporte angewiesen sind, um ihr Volk zu ernähren und andere Staaten, die über die Grundversorgung hinaus Agrarprodukte exportieren und dafür einen guten Preis erzielen wollen.

Die Tendenz zeigt aber, das langfristig der Anreiz zur Selbstversorgung und Export gegeben sein muß, um über eine funktionierende Landwirtschaft eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund erscheint die 1993 durchgeführte Neuordnung des EU-Bananenmarktes für viele Kaufleute und Wissenschaftler als reaktionär. Er ist einer der letzten Produktmärkte, der, entgegen aller inneren und äußeren Liberalisierungsbestrebungen, im Zuge der Verwirklichung des EU-Binnenmarktes der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) insgesamt eine Zunahme des Protektionsgrades verzeichnete (READ, 1986, S.317-342).

Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind dabei auf die Erzeugerländer sehr unterschiedlich. Die EU unterscheidet zwischen ihr nahestehenden Erzeugerländern und nicht traditionell eng verbundenen Erzeugerländern aus A frika, der K aribik und dem P azifik (AKP-Staaten) sowie sogenannten „Drittländern“ (siehe Kapitel 3.3). Je nach historischer Auffassung und politischem Kurs gibt es demnach bevorzugte und benachteiligte Länder.

Das Regelwerk zur gemeinsamen Marktordnung für Bananen ((EWG), Nr.404/93), das am 1.Juli 1993 in Kraft trat, zeigt in ganzem Umfang das Dilemma der EU, verschiedensten Interessen gerecht werden zu wollen. Obwohl die Marktorganisation mit ihrem komplexen Regelwerk dem ohnehin durch den Agrarbereich stark belasteten EU-Haushalt noch weitere Gelder entzieht (BORRELL, 1994, S.15), wurde auch unter dem Zwang der Vereinheitlichung des Binnenmarktes diese Regelung verabschiedet. Es stellt sich deshalb die Frage, ob die gewählte Option der EU ihre Ziele erreicht und die damit verbundenen Nachteile (insgesamt höherer Protektionsgrad und damit verbundene Mehrkosten) gerechtfertigt sind.

Eine Analyse der Preisentwicklung ist dabei ein angebrachtes Mittel, um dieses Maßnahmenpaket zur Neuordnung des EU-Bananenmarktes, welches einen starken preispolitischen Schwerpunkt zum Inhalt hatte, in einem bestimmten Rahmen zu bewerten. Die Ebene der Verbraucherpreise läßt dabei konkret die Auswirkung der Verordnung für die EU-Konsumenten sichtbar werden und erlaubt indirekte Rückschlüsse auf weitere Preisebenen (bzw. Erzeugerpreise).

In der Literatur findet man in erster Linie qualitative Analysen zu Wohlfahrtveränderungen innerhalb der EU im Zuge der Marktneugestaltung. Weniger Interesse findet dagegen die Analyse des Strukturanpassungspfades einer Variablen (z.B. Verbraucherpreis), oder die Analyse der Auswirkungen einer Marktintervention auf die Konsumenten.

Dieser Forschungsansatz soll helfen, agrarpolitische Eingriffe besser zu planen und Effekte vorhersehbarer zu machen. Die Analyse macht das Abhängigkeitsfeld der untersuchten Variablen transparenter und ermöglicht es, bei politischen Eingriffen - und die gemeinsame Marktordnung (GMO) für Banane ist eine solche - leistungsfähige und lebensfähige Optionen zu wählen.

Die empirische Analyse der Verbraucherpreisentwicklung in den vier wesentlichen Importländern für Bananen im Hinblick auf die 1993 erfolgte Neuregelung soll die Leistungsfähigkeit von Politikeingriffen belegen. Die Schlußfolgerungen aus der Untersuchung sollen dazu beitragen, in der Gestaltung von wirtschaftspolitischen Interventionen die Zahl der unbekannten Faktoren zu minimieren und damit Optionen zu wählen, die in ihrer Tragweite für alle Marktteilnehmer absehbar werden. Diese Arbeit leistet damit einen Beitrag zur kontrovers geführten Debatte über „Protektion kontra Freihandel“.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Das Ziel der Arbeit ist es, die Auswirkungen der neuen, von der EU erlassenen Marktverordnung für Bananen vom 1.Juli 1993 anhand der Verbraucherpreisentwicklung darzustellen. Der Hauptteil der Arbeit besteht darin, die Preiseffekte der GMO für Bananen zu identifizieren, zu quantifizieren und zu interpretieren.

Mit Hilfe weiterer Informationen wird eine genaue Betrachtung des weltweiten Bananenhandels und -marktes möglich. Die durch die Analyse der Verbraucherpreise gewonnenen Erkenntnisse können so in einem größeren Rahmen betrachtet werden und es können Entwicklungstendenzen identifiziert werden.

Um diese Entwicklungstendenzen zeigen zu können, wird die Analyse kurz- bis mittelfristige Preiseffekte deutlich machen. Daraus lassen sich Aussagen über die Effekte der Bananenmarktordnung der EU formulieren. Die Ergebnisse der eigenen Analyse, sowie die weiter zusammengetragenen Informationen sollen am Ende dieser Arbeit dazu beitragen, die folgenden dann noch einmal aufgegriffen Fragestellungen zu beantworten:

Hat die GMO die formulierten Ziele erreicht?

Beschränkt sich die GMO auf eine innere Liberalisierung, und wenn ja, warum?

Wie wird diese Marktordnung in Hinblick auf die weltweiten Liberalisierungsbestrebungen bewertet?

Ist ein gerichtliches Vorgehen möglich und eine Aussetzung der Verordnung durchsetzbar?

Von welchen Faktoren war die Preisentwicklung noch beeinflußt?

1.3 Vorgehensweise

Es soll hier erklärt sein, wie sich die Arbeit gliedert. Das methodische Vorgehen, im Hauptteil der Arbeit, wird unter Kapitel vier kurz erläutert.

Dieser Einleitung folgt im zweiten Kapitel ein Abriß über den Anbau und den Handel mit Bananen. Gründend auf die Darstellung von Produktion, Export und Import werden, vor allem durch die graphische Dimensionierung, die Größenordnungen von Produktion, Export und Import im internationalen Vergleich sichtbar. Die Schilderung der bedeutendsten Handelswege und die politische und wirtschaftliche Einflußnahme auf die Strukturen der Vermarktung verdeutlichen die Interdependenzen im weltweiten Handel mit Bananen. Das Aufzeigen von Preisentwicklungen auf verschiedenen Ebenen komplettiert den Überblick. Insgesamt gibt dieses Kapitel dem Leser die Möglichkeit, sich eingehend mit dem Thema Bananen vertraut zu machen.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Bananenmarkt der EU. Seine Regelmechanismen, Struktur und Bedeutung, sowohl vor der Neuordnung am 1.Juli 1993, als auch nach der Neuordnung werden dokumentiert. Alternative Marktregelungen zur neuen Marktordnung werden kurz erläutert und in ihrer Wirkung knapp beschrieben.

Diesem Kapitel kommt es hauptsächlich darauf an, die Bedingungen zu verdeutlichen, unter denen der EU-Bananenhandel sich vollzieht. Die daraus ersichtlichen vertraglichen Verpflichtungen dienen als Erklärungsansatz für die verabschiedete jetzige neue Marktordnung. Diesen Erläuterungen folgen Kurzberichte über erste Analysen zur GMO für Bananen die schließlich zu einer eigenen hypothetischen Annahme, bezüglich der Effekte der GMO auf die Verbraucherpreise in den untersuchten Ländern führen.

Im vierten Kapitel erfolgt die empirische Untersuchung der im vorhergehenden Kapitel gefaßten Hypothesen. Dazu dienen ARIMA- und Interventionsmodelle, die auf der Grundlage von Verbraucherpreisdaten eine Preiseffektanalyse der GMO für Bananen zulassen.

Als Datengrundlagen werden Zeitreihen der zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten herangezogen.

Einleitend zu diesem Kapitel wird kurz skizziert, zu welchem Feld der Statistik die gewählte Untersuchungsmethode gehört und begründet, warum ein Analyseverfahren gewählt wurde, das sich auf die Methode von George E. P. Box und Gwilym M. Jenkins stützt. Vor- und Nachteile der Zeitreihenanalyse werden kurz angesprochen und nach einer ausführlichen Darlegung der Methodik, sowohl der ARIMA-Modelle als auch der weiterführenden Interventionsmodelle folgen die eigentlichen Berechnungen der ARIMA-Modelle, einem ersten Analyseschritt.

Die Integration weiterer Datenpunkte in das ARIMA-Modell nach der Intervention soll aufzeigen, wie „robust“ die gewählten Modelle auf die Intervention reagieren.

Ist eine Reaktion meßbar, kann diese in einem zweiten Analyseschritt mit Hilfe der Interventionsmodelle quantifiziert werden. Abschließend werden die Anpassungspfade einander gegenübergestellt und verglichen.

Die Ergebnisse, die unter Punkt 4.4 zusammengefaßt sind, sowie die Schlußfolgerungen aus den Ergebnissen unter Punkt 4.5 fließen dann in das Kapitel fünf ein, in dem versucht wird, die unter Kapitel 1.2 angeführten Fragen zu beantworten.

Dieses beschäftigt sich auch damit, die Untersuchungsergebnisse wieder in den größeren Zusammenhang einzubinden und für die Gestaltung von politischen Interventionen Forderungen abzuleiten, um möglichst effektive und langfristige Lösungskonzepte zu erreichen. Diese Diskussion über weitere Aspekte des internationalen Bananenhandels, ist eher eine Auflistung von Fragen, die durch die GMO nicht beantwortet worden sind oder von ihr verursacht worden sind. Weiter wird jedoch nicht darauf eingegangen, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Das sechste Kapitel bietet einen Ausblick, der versucht die Widersprüche zu verdeutlichen, mit denen die Agrarpolitik der neusten Generation zu kämpfen hat.

2 Weltbananenmarkt

Dieses Kapitel bietet Informationen zum Thema Anbau und Handel von Bananen. Das Kapitel schließt mit der Darstellung der Handelsstrukturen, unter besonderer Berücksichtigung der multinationalen Konzerne (MNK) und einem Blick auf unterschiedliche Preisebenen.

Das Auflisten der Haupterzeugerstaaten und die globale Verteilung der Bananenerzeugung sind Thema des ersten Abschnitts. Darauf folgt im zweiten Abschnitt die Einordnung des Bananenexports in den Weltgüterhandel. Welchen Produktionsanteil die größten Bananenerzeugerländer exportieren, und in welchem Maße sie von diesen Ausfuhren abhängig sind, sowie die Betrachtung der Exportentwicklung sind weitere Inhalte dieses Abschnitts.

Importentwicklung und das Nachfrageverhalten ausgesuchter Abnehmer dokumentieren im dritten Teil die Entwicklung der Bananenmärkte mit besonderer Berücksichtigung der erfolgten Neuregelung des Bananenmarktes der EU.

Dem Aufzeigen der traditionellen Handelswege und der verschiedenen Marktsysteme sowie der Bedeutung der Multinationalen Konzerne (MNK) für den Bananenhandel im vierten Teil des Kapitels, folgt abschließend im fünften Abschnitt eine Veranschaulichung der Preisentwicklungen auf dem Weltmarkt und anderer Preisebenen.

2.1 Die Bananenerzeugung im Überblick

Die Obstbanane gehört zu der Familie der Musaceae (Bananengewächse) und wird mit vier weiteren Familien (Ingwer-, Blumenrohr-, Maranten- und Lowiengewächse) der überwiegend tropischen Pflanzenordnung der Scitamineae zugerechnet (FRANKE, 1994).

Das Ursprungsgebiet der Bananenstaude ist der indomalayische[2] Raum (KLAPP UND WENDLER, 1995, S.10). Die Banane hat ihr Verbreitungsgebiet folglich in einem tropisch-subtropischen Klimabereich, der sich am Äquator um die Erde spannt (MCINERNEY UND PESTON, 1992, S.3). Innerhalb dieses Klimabandes ist es sinnvoll, die Produktion und den Handel mit Bananen (siehe Kap. 2.2 ff.) ausführlicher zu beschreiben. Tabelle 2-a soll daher regionale Schwerpunkte in der Bananenproduktion deutlich werden lassen und die größten Erzeugerländer aufzeigen.

Auf den Anbau in anderen Klimaregionen wird zum Schluß dieses Kapitels eingegangen.

Tabelle 2-a: Weltweite Produktionszahlen (in 1000 t) und Produktionsanteile (in %) für Bananen (1996)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Food and Agriculture Organisation (FAO), DATABASE, 1997

Betrachtet man die Produktion von 1996 unter dem Aspekt des wirtschaftlichen Entwicklungsstandes einzelner Anbauländer, gemessen am Bruttosozialprodukt pro Einwohner (BSP/Kopf), so werden die Bananen zu 98% in sich entwickelnden Ländern produziert (FAO, DATABASE, 1997). In der heterogenen Gruppe der Entwicklungsländer[3] (EL) sind die Schwellenländer[4] Brasilien und Indien[5] als weltgrößte Erzeuger hervorzuheben (siehe Tabelle 2-a).

Allein Indien bewirkte im Zeitraum zwischen 1990 und 1996 mit einem Zuwachs von 24% und einem Anteil von über 50% an der asiatischen Produktionssteigerung, daß Asien seine führende Position in der Erzeugung von Bananen ausbauen konnte (siehe folgende Abbildung 2-a).

Abbildung 2-a: Weltproduktionsentwicklung bei Bananen im Zeitraum zwischen 1990 und 1996 (in t).

Gerade in Asien und Südamerika, wo die Weltbank Erfolge in der wirtschaftlichen Entwicklung von Volkswirtschaften meldet, ist der Anbau von Bananen demnach ausgedehnt worden (WELTBANK, ONLINE, 1997). Dem entspricht auch, daß das wirtschaftlich reformierte China, die Philippinen und Indonesien (siehe Tabelle 2-a) neben Indien keinen unwesentlichen Anteil daran hatten, daß 1996 mit ca. 24 Mio. t fast die Hälfte (ca. 43,2%) der weltweit erzeugten Bananen in Asien produziert wurden.

Da ähnlich wie in Asien in Südamerika die Produktion stark zunahm, blieb der südamerikanische Anteil an der Welterzeugung dementsprechend seit 1990 bei ca. 25%. Ausschlaggebende Produktionssteigerungen in Kolumbien und Ecuador erhöhten, in dem in Abbildung 2-a dargestellten Zeitraum, die südamerikanische Bananenproduktion um ca. 3 Mio. t. Während Brasilien und Venezuela, mit die größten Erzeuger Südamerikas, ihr hohes Produktionsniveau im wesentlichen beibehielten (FAO, DATABASE, 1997).

Für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik läßt sich eine Produktionsstagnation auf einem relativ hohen Niveau ausmachen (siehe Abbildung 2-a). Daran läßt sich ablesen, daß diese Region für die

Welterzeugung an Bedeutung verliert. Von ehemals 19% (1970) und 17% im Jahr 1990 sank der Anteil an der Welterzeugung auf knapp 15% (1996).

Gründe für diese Entwicklung sind so mannigfaltig, wie die Anzahl der bananenexportierenden Staaten dieser Region. Daher ist es angebracht, diese Region bezüglich ihrer Produktionsentwicklung weiter zu gliedern. Dabei wird deutlich, daß in der Inselwelt der Karibik die Produktion leicht rückläufig ist. Vor allem die Haupterzeuger der Karibik, wie die Dominikanische Republik, Martinique, Kuba und Santa Lucia, bewirken diesen Rückgang. Auf dem nord- und mittelamerikanischen Festland nahm die Produktion hingegen in einigen Staaten zu. Besonders die mittelamerikanischen Länder Costa Rica und Guatemala, sowie das zu Nordamerika zählende Mexiko, forcierten die Erzeugung im angegebenen Zeitraum (FAO, DATABASE, 1997).

Allgemein hängt eine Produktionserweiterung über den Grad der Selbstversorgung hinaus in den meisten Ländern eng mit den Möglichkeiten und der Rentabilität des Bananenexports zusammen. Mittelamerikanische Länder, wie Panama, Costa Rica, Guatemala und Nicaragua, haben erhebliche Probleme ihre Exportaktivitäten zu steigern, da es in Folge der Verschuldungsproblematik an Kapital mangelt, um nötige Investitionen vorzunehmen. Zudem wurde der Versuch, eine geeinigte Front der Bananen exportierenden Länder die Union de Paises Exportadores de Banano (UPEB) zu formen, um die Exporterlöse der Mitglieder zu steigern, nur teilweise umgesetzt. Eine der ersten Entscheidungen der 1974 gegründeten UPEB war eine Exportsteuer von einem Dollar auf jede 20 kg Kiste Bananen. Drohgebärden der einflußreichen multinationalen Konzerne im Bananengeschäft, sowie der Mißachtung der Entscheidung der UPEB durch den weltgrößten Exporteur Ecuador machten diese Bemühungen zunichte (BAILEY UND SOOD, 1987, S.193-195).

In Afrika steigerte sich die Bananenerzeugung zwischen 1980 und 1990 um 50% (MCINERNEY AND PESTON, 1992, S.3). In dieser Zeit der Produktionserweiterung folgte, wie aus Abbildung 2-a ersichtlich, eine Entwicklung die sich auf einem konstanten Produktionsniveau bewegte. Länder die einen Großteil der Erzeugung abdecken, sind der Bedeutung nach Burundi, Kamerun, Tansania, Uganda, Ägypten und der Kongo. Wobei zu berücksichtigen ist, daß beispielsweise in Burundi durch statistische Probleme die Abgrenzung zwischen Mehlbananen und Obstbananen nicht eindeutig ist und somit die statistischen Zahlen nur unter Vorbehalt zu beurteilen sind (KERSTEN, 1994, S.320).

Die ozeanische und europäische Produktion ist im Weltmaßstab bedeutungslos. Interessant ist allerdings, daß die europäische Produktion außerhalb der Tropen und Subtropen liegt. Sie befindet sich geographisch in der warmgemäßigten Klimazone. Für die Bananenpflanze ergibt sich unter diesen Bedingungen ein suboptimales generatives und vegetatives Wachstumspotential (LOPEZ 1972). Deshalb ist ein marktorientierter Anbau von Bananen in dieser Klimaregion nur unter kapitalintensiveren Produktionsmethoden (MEVISSEN, 1995, S.112) möglich. Aus diesem Grund wird verstärkt auf einen Anbau unter Foliengewächshäusern zurückgegriffen. Anbauflächen unter diesen Voraussetzungen liegen auf den Kanarischen Inseln, Madeira und Kreta (EUROSTAT 1995 (Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften)).

2.2 Der Bananenexport

2.2.1 Bedeutung des Exports

Die Banane gehört mit Kautschuk, Kaffee, Zucker und Kakao zu den bedeutendsten pflanzlichen Agrarexportprodukten der tropischen und subtropischen Klimaregionen (MCINERNEY UND PESTON, 1992, S.4).

Wirft man einen Blick auf die Fruchtgroßmärkte der Abnehmerländer bestätigt sich die Bedeutung des Bananenhandels, da im Frischobstbereich die größten Umsätze mit Zitrusfrüchten und Bananen verbucht werden (MORAZÀN, 1994, S.3).

Allerdings veranschaulicht Abbildung 2-b, daß der Handel mit Grundnahrungsmitteln, wie Weizen und Mais, sowie Genußmitteln wie Kaffee und Wein, wesentlich größere Wertanteile am Agrarhandel aufweisen als der Bananenhandel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-b: Exportwert (in $) der wichtigsten, für die menschliche Ernährung produzierten, pflanzlichen Agrarexportgüter (1995).

Diese geringe Bedeutung im Weltmaßstab wird um so deutlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, daß 1995 Güter im Gesamtwert von 5,4 Billionen US Dollar exportiert wurden. Bedenkt man, daß die 1995 auf dem Weltmarkt gehandelten Bananen nach Schätzung der FAO (Food and Agriculture Organisation), einen Erlös von ca. 4,5 Mrd. US Dollar einbrachten, ist der monetäre Anteil des Bananenhandels am Weltmarkt verschwindend gering (FAO, DATABASE, 1997).

Auch wenn der prozentuale Anteil des Bananenhandels am gesamten Welthandel sehr gering ist, und 77% der produzierten Bananen nicht exportiert, sondern lokal verbraucht werden, verschleiert dies jedoch den enormen Stellenwert des Bananenexports für viele EL. Ein Hinweis darauf ist, daß trotz des großen Eigenverbrauchs ca. 86% der gehandelten Bananen 1995 aus sich entwickelnden Staaten stammten (FAO, DATABASE, 1997). Abbildung 2-c soll deshalb aufzeigen, daß große Erzeugerländer unter den EL zwar einen geringen Exportanteil aufweisen, andere Nationen dagegen den Großteil ihrer Produktion exportieren. Das führt dazu, daß große Erzeugerländer mit geringem Exportanteil, wie Brasilien und Indien, den Export von Bananen insgesamt statistisch als unbedeutend erscheinen lassen.

1995 wurden ca. 23,7% der Weltproduktion exportiert (FAO, DATABASE, 1997). Abbildung 2-c macht jedoch deutlich, daß einige Bananenerzeugerländer einen erheblichen Teil ihrer Ernte exportieren und damit wird klar, daß der internationale Bananenhandel für einzelne Länder ein großer Wirtschaftsfaktor ist.

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Abbildung 2-c: Die größten Produzenten und Exporteure von Obstbananen 1995 (in t).

Nach Abbildung 2-c ist Lateinamerika der Hauptakteur im internationalen Handel mit Bananen. In Zahlen gefaßt bedeutet dies, daß die sogenannten Bananenrepubliken in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik 87% aller Bananen produzieren, die auf den Weltmärkten gehandelt werden (FAO, DATABASE, 1997).

Die Ausfuhrmengen in Prozent der Gesamterzeugung der lateinamerikanischen und karibischen Erzeugerländer sind dementsprechend hoch. Sie liegen ähnlich 1990 (MCINERNEY AND PESTON, 1992, S.5) für 1995 in Costa Rica und Guatemala bei ca. 90% - in Honduras, Ecuador, Kolumbien und Panama bei ca. 60%. In der Karibik weisen vor allem kleine Inseln, wie St. Vincent (92%), Santa Lucia (83%) und Dominica mit (80%) hohe Prozentzahlen auf.

Des weiteren verrät die Exportstatistik einiger bananenexportierender Länder, daß Bananenexporte keinen unwesentlichen Stellenwert bei den Ausfuhrgütern einnehmen. Welchen Stellenwert Agrarexporte und im besonderen Bananenexporte für die zentralamerikanischen Staaten erhalten, wird aus der Abbildung 2-d deutlich. Ca. 50% der gesamten Exporteinnahmen werden in diesen Ländern durch Agrarexporte erzielt. Der Bananenhandel deckt dabei einen nicht unwesentlichen Teil des landwirtschaftlichen Exportgeschäfts. Allerdings zeigen die größten Exportnationen eine geringere Abhängigkeit vom Exportgeschäft (Abbildung 2-d) als ihre vermeintlich karibischen Kontrahenten; so erwirtschaftete Ecuador im Jahr 1995 nur ca.17% seiner Exporteinnahmen mit Bananen (siehe Abbildung 2-d). Dagegen erzielen beispielsweise die Winward Islands - eine Gruppe von Inselstaaten der Karibik bis zu 90% der gesamten jährlichen Exporteinnahmen nur durch den Export von Bananen (KLAPP UND WENDLER, 1993, S.30).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-d: Anteil der Banane am gesamten Exporterlös der größten Exporteure von Bananen in % (1995).

Andere Länder lösten sich noch weiter von der starken Abhängigkeit von Agrarexporten. Die Philippinen, als viertgrößter Exporteur von Bananen (Abbildung 2-c), erwirtschaften beispielsweise mit anderen Wirtschaftssektoren erheblich mehr Exporteinnahmen. 93% der Exporterlöse stammen demnach nicht aus dem Agrarbereich (siehe Abbildung 2-d).

2.2.2 Exportentwicklung

Mit deutlichem Abstand sind Südamerika sowie Nord- und Mittelamerika die größten Exportregionen der Welt, was die folgende Abbildung 2-e prägnant darstellt.

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Abbildung 2-e: Entwicklung der Bananenexporte zwischen 1985-1995 nach Regionen gegliedert (in t).

Für Südamerika sind nur zwei Länder für den Export von Bedeutung. Ecuador, das allein 1995 70% des südamerikanischen - und 25% des weltweiten Exports von Bananen abdeckte, dominiert zusammen mit Kolumbien das Exportgeschehen auf diesem Kontinent. Die rasante ecuadorianische Exportsteigerung, die nur in den Jahren 1991 und 1992 kurzfristig unterbrochen wurde (FAO, DATABASE, 1997), war entscheidend dafür verantwortlich, daß sich die Weltbananenexporte zwischen 1985 und 1995 mehr als verdoppelt haben (siehe Abbildung 2-e).

Ähnlich der Entwicklung in Südamerika steigerten in Nord- und Mittelamerika vor allem die mittelamerikanischen Länder ihre Exportaktivitäten. Costa Rica, als der größte Exporteur Nord- und Mittelamerikas, sowie Guatemala waren in großem Maße daran beteiligt, daß die Exporte in dem Beobachtungszeitraum in Abbildung 2-e zunahmen.

1993 kam es zu einem Einbruch (Nord- und Mittelamerika) und einer weitestgehenden Stagnation (Südamerika) des bis dato florierenden Exportgeschäfts (Abbildung 2-e).

Ein wesentlicher Grund für diese Exportentwicklung war die erwartete und durchgeführte Neuordnung des europäischen Bananenmarktes. Die angekündigte GMO verursachte im Vorfeld übertriebene Importsteigerungen, um Marktanteile zu vergrößern. Durch die Einführung der GMO wurden diese Importe reduziert. Es ist anzunehmen, daß die EU, als weltweit größter Abnehmer, damit die Exportentwicklung der lateinamerikanischen Staaten erheblich beeinflußt hat.

Liest man die Exportstatistik für Bananen genauer, so zeigt sich, daß Costa Rica einen Großteil dieses drastischen Rückgangs in Nord- und Mittelamerika im Jahr 1993 bewirkt hat (FAO, DATABASE, 1997).

Produktionsriese Asien exportierte 1995 nur 5,8% seiner Jahreserzeugung (FAO, DATABASE, 1997). Das reichte jedoch aus, um statistisch die drittgrößte Exportregion darzustellen (siehe Abbildung 2-e). Maßgeblichen Anteil für die Exportsteigerungen ab 1992 hatten die Philippinen. Als viertgrößter Exporteur von Bananen (siehe Abbildung 2-c) und einem Anteil von 85% an den asiatischen Bananenexporten (FAO, DATABASE, 1997), gelten die Philippinen als vorteilhaft gelegenes Exportland, um expandierende Märkte im Nahen Osten und im asiatischen Raum über kurze Entfernungen mit Bananen zu versorgen (READ, 1986, S.340).

Europa, Afrika und Ozeanien spielen im Exportgeschäft nur eine untergeordnete Rolle (siehe Abbildung 2-e).

Bemerkenswert ist allerdings die Steigerung der europäischen Exportanteile seit 1992. In den Folgejahren wuchsen diese Exporte weiter stark an. Ca. 60% dieser Bananen wurden 1995 von den Bellux-Länder[6] exportiert. Dabei muß man bedenken, daß die größten Bananenexporteure der EU mehr exportieren, als inländisch (innerhalb der EU) erzeugt wurde. Ein Rückschluß wäre, daß die importierten Bananen wieder exportiert worden sind. Ein Hinweis auf die Gültigkeit dieser Annahme findet sich in Artikel 18 der Verordnung ((EWG) 404/93) über die gemeinsame Marktorganisation für Banane. Darin steht, daß Bananen, die nach dem Import wieder aus der EU ausgeführt werden, nicht dem Zollkontingent angerechnet werden. Ein Handel mit unbegrenzten Mengen über EU-Häfen ist somit möglich, wenn die Ware nicht innerhalb der EU abgesetzt wird.

Weiter ist auffallend, daß allein die Elfenbeinküste und Kamerun ca. 93% aller afrikanischen Exportbananen anbauen. Ozeaniens Bananenhandel ist international ohne Bedeutung.

2.3 Import

2.3.1 Bedeutung und Entwicklung der Einfuhrmärkte

Die Banane ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet (siehe Kap. 2.1) ein Grundnahrungsmittel (MEVISSEN, 1995, S.85). Auch in den Industrienationen der nördlichen Hemisphäre, die 1995 90% aller Exportbananen importierten (MCINERNEY AND PESTON, 1992, S.20), entwickelte sich die Banane immer mehr von einem Luxusartikel zu einem alltäglichen Nahrungsmittel (MEVISSEN, 1995, S.85). Sinkende Preise und ein größeres Angebot ließen die Nachfrage in Industrieländern ansteigen. Die politische Öffnung und wirtschaftlichen Reformen der ehemaligen Ostblockstaaten, sowie die Nachfrage des zwar ins Stocken geratenen asiatischen Wachstumspols[7] können als weitere Einflußfaktoren gelten, die die Gesamtmenge an Bananenimporten weiter anhoben. Dies führte nahezu zu einer Verdopplung der weltweiten Bananenimporte seit 1980. Waren es damals noch ca. 6,7 Mio. t Bananen, importierte die Welt 1995 schon ca. 12,7 Mio. t. Allein die USA und die EU importierten ca. 66 % der angebotenen Bananen (FAO, DATABASE, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-f: Weltweite Importentwicklung (in t) zwischen 1985 und 1995

1990 überflügelte die EU die USA in Wert und Menge der importierten Bananen (OELßNER, 1993, S.58). Damit ist die EU der größte Importeur von Bananen auf der Welt. Für diesen 1991 vollzogenen Führungswechsel sind hohe Importsteigerungen zwischen 1990 und 1993 verantwortlich. Der weitere Anstieg der EU-Importe nach 1993, sowie die parallele Abnahme der Importe in Resteuropa (siehe Abbildung 2-f) sind weitestgehend auf die EU-Beitritte Österreichs, Finnlands und von Schweden zurückzuführen.

Weitere Staaten oder Regionen importieren wesentlich geringere Mengen an Bananen als die EU oder die USA (siehe Abbildung 2-f). Allerdings weist die Statistik aus, daß andere Regionen neben der EU und den USA an wirtschaftlicher Tragweite gewonnen haben, da dort die Importmengen stark zugenommen haben. Hier sind insbesondere Teile des Nahen Ostens (z.B. Iran), Südamerikas (z.B. Chile), Osteuropas und Asiens zu nennen (FAO, DATABASE, 1997).

2.3.2 Nachfrageverhalten auf ausgesuchten Märkten

Für die Hauptabnehmer von Exportbananen ergibt sich ein sehr heterogenes Bild des Konsums. Zeigen sich doch auf den europäischen Märkten stärkere Verbrauchsschwankungen, als vergleichsweise in Japan und den USA (siehe Abbildung 2-g). Die Extremwerte schwanken um einen weltweiten Durchschnittsverbrauch von 7,6 kg pro Kopf der Erdbevölkerung, der für die Jahre zwischen 1990 und 1995 ermittelt wurde (FAO, DATABASE, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-g: Entwicklung des Pro/Kopf-Verbrauchs der größten Importeure von Bananen zwischen den Jahren 1987 und 1995.

Der Bananenkonsum in den betrachteten Industriestaaten ist mit wenigen Ausnahmen konstant geblieben. In den USA und Japan, sowie in Frankreich und Großbritannien verlief die Verbrauchsentwicklung bis zur Intervention der EU auf einem nahezu unveränderten Niveau (siehe Abbildung 2-g).

Das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung in diesen Ländern, ist infolge wirtschaftlichen Wachstums in dem beobachteten Zeitraum gestiegen (WORLD BANK, DATABASE, 1997).

Diese Entwicklungen entsprechen auch im wesentlichen der Theorie der Nachfrageentwicklung bei Lebensmitteln in Industriestaaten. Von der Engel-Kurve, die die funktionale Beziehung zwischen Nachfrage und Einkommen erläutert, kann man ablesen, daß der Einkommensanteil, der für Lebensmittelkonsum verwendet wird, in entwickelten Staaten mit steigendem Einkommen sinkt. Der Konsum von Gütern, die bei Einkommenszuwachs weniger oder gar nicht nachgefragt werden (inferiore Güter), wird zunehmend unelastischer, also die Einkommenselastizität nimmt ab (KOESTER, 1992, S.44).

Abbildung 2-g spiegelt somit das Konsumverhalten bei Einkommenssteigerung in Industrieländern ausreichend wieder, da der Anteil der Bananen am Warenkorb eines Konsumenten in den aufgeführten Ländern demnach gesunken ist, was darauf zurückzuführen ist, daß der Konsum auf einem annähernd gleichen Niveau verblieb. (KOESTER, 1992, S.121). Einige der aufgeführten Länder weisen ein von dieser Theorie abweichendes Nachfrageverhalten auf. Der Konsum stieg in den Jahren vor der Neuregelung des europäischen Bananenmarktes beispielsweise in Deutschland durch ein erheblich gestiegenes Angebot stark an (FAO, DATABASE, 1997). Im Gegenzug fielen die Preise erheblich. Als 1993 die GMO in Kraft trat, sank der Verbrauch auf den ehemals liberaleren Bananenmärkten (siehe Kap. 3), zu denen Deutschland und die Beneluxländer[8] zählten, wieder ab.

Eine weitere Folge der Einführung der gemeinsamen Marktordnung für Bananen am 1.Juli 1993 war, daß der Verbrauch stärkere jährliche Schwankungen aufweist. Dies wird in Abbildung 2-g eindrucksvoll anhand der Verbrauchsschwankungen in den Benelux-Ländern ersichtlich, ist in abgeschwächter Form aber auch für die anderen Länder ablesbar.

Ermittelte Nachfrageelastizitäten und Kreuzpreiselastizitäten für den Bananenkonsum können weitere Aufschlüsse darüber liefern, wie stark und in welche Richtung der Verbraucher auf Preisveränderungen am Bananenmarkt reagiert. Da Deutschland ein europäischer Industriestaat ist, sind die Elastizitätswerte für Deutschland ein Anhaltspunkt für das Verbraucherverhalten in anderen Industriestaaten.

Die deutsche Nachfrageelastizität für Bananen liegt schätzungsweise zwischen -0,36 und -0,41. Die Kreuzpreiselastizität mit Apfel liegt zwischen 0,18 und 0,19 (HERRMANN, 1996, S.10).

Daraus läßt sich ableiten, daß die Nachfrage auf Preisänderungen mit relativ starken Mengenveränderungen im Konsum reagiert, was auch auf den turbulenten Märkten in Belgien, Luxemburg und Deutschland deutlich wird. Diese Aussage impliziert, daß Mehrkosten bei Produktion und Vermarktung nicht ohne weiteres an den Verbraucher weitergegeben werden können, ohne einen erkennbaren Nachfragerückgang zu verursachen. Das Preisverhältnis zwischen Äpfeln und Bananen bestätigt die Aussage, daß Preisänderungen die Marktpräferenzen im Obsthandel stark verändern können (HERRMANN, 1996, S.10).

2.4 Die Handelsstrukturen auf dem Bananenmarkt

2.4.1 Handelswege

Die Bananen werden nicht auf einem einzigen homogenen Weltmarkt gehandelt. Statt dessen kann man verschiedene Marktsegmente unterscheiden (MCINERNEY AND PESTON, 1992, S.27).

Zum einen lassen sich Umfang und Struktur des Handels über die Handelswege charakterisieren. Die Minimierung von Kosten und Zeitaufwand erklärt die folgenden Handelswege:

- Export von Zentralamerika, Karibik und Afrika nach Europa;
- Export von Zentral- und Südamerika nach Nordamerika;
- Export von den Philippinen nach Japan.

Dieses einfache Schema der geographischen und ökonomischen Einflüsse auf den Handel wird durch die Handelspolitik der Importeure gravierend beeinflußt.

2.4.2 Strukturen des Weltmarktes

Die Handelspolitik der Importländer ist in einem hohen Maße dafür verantwortlich, daß die Struktur des Welthandels nicht den einfachen Gesetzen der Ökonomie entsprechend verläuft.

Durch diese Rahmenbedingungen lassen sich die Importmärkte in zwei (MCINERNEY AND PESTON, 1992, S.27) oder weiter differenziert in fünf (FAO, 1986, S.3) Marktsysteme unterteilen.

Dabei wird der Weltmarkt nach McInerney und Peston in einen „Vorzugsmarkt“ und einen „freien Markt“ eingeteilt. Der Vorzugsmarkt garantiert den Exporteuren einen Absatz in bestimmten Ländern und schließt andere Anbieter mehr oder weniger von diesem Markt aus, wohingegen auf freie Märkte alle Exporteure liefern können, wenngleich in der Regel ein Importzoll erhoben wird.

Die FAO differenziert weiter und definiert noch drei weitere Marktformen;

- „geschlossene Märkte“ (z.B. Spanien u. Portugal), in denen die Nachfrage vor dem 1.Juli 1993 auf die inländische Erzeugung zurückgreifen mußte;
- „neue Märkte“, in denen das Nachfragepotential zwar vorhanden ist, doch die Importe aus politischen Gründen bisher ausblieben (z.B. MOEL[9] );
- und „andere Märkte“, die nur regionale Bedeutung haben.

Diese Märkte, mit Ausnahme der „anderen“ Märkte, werden von multinationalen Konzernen wie „United Brands“ und „Dole“, die aufgrund ihres aus der Geschichte des Bananenhandels abzuleitenden Einflusses (READ, 1986, S.317-342) in allen Bereichen präsent sind, stark beeinflußt.

[...]


[1] Verhandlungsrunden, die 1994 durch die Ratifizierung eines Vertrages zum Abbau von Handelsschranken, der von den Mitgliedern des GATT unterzeichnet wurde, ihren vorläufigen Abschluß fanden.

[2] Indonesien und Malaysia; Zu dem größten Inselsystem der Welt (Sunda-Inseln) gehörende Länder in Südostasien.

[3] Heterogene Gruppe der Staaten mit einem erheblich geringeren BSP/Kopf als in Industriestaaten. Bsp.: Ecuador: 1200 $; Burundi: 180 $. Im Vergleich dazu liegt das BSP/Kopf in den USA bei 24750 $ (WELTBANKATLAS 1995).

[4] Wirtschaftliche Entwicklungsstufe der Gruppe der EL. Gruppe von Staaten mit einem BSP/Kopf das zwischen EL, mit sehr niedrigen BSP/Kopf und Industrieländern, wie den USA liegen (siehe Fußnote 2). Beispiele für Schwellenländer : Brasilien: 2930 $; Thailand: 2110 $ (WELTBANKATLAS 1995).

[5] Mit einem BSP/Kopf von 300 $, stellt Indien kein Schwellenland dar (siehe Fußnote 2). Die große Bevölkerungszahl verschleiert jedoch, daß Indiens Bruttosozialprodukt von 262,810 Mrd. $ 1993 vergleichsweise größer ist, als das der Schweiz, mit einem Betrag von 254,066 Mrd. $ (WELTBANKATLAS 1995). Zudem zählt die Weltbank Indien zu den sich am stärksten entwickelnden Entwicklungsländern, so daß vor diesem Hintergrund von einem Schwellenland gesprochen werden kann (WELTBANK, ONLINE, 1997).

[6] Belgien und Luxemburg

[7] China und die „vier kleinen Tiger“; Südkorea, Singapur, Hongkong und Taiwan.

[8] Belgien, Niederlande und Luxemburg

[9] Mittel- und Osteuropäische Länder

Details

Seiten
121
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783656998679
ISBN (Buch)
9783867462136
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185275
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1
Schlagworte
analyse preiseffekte eu-bananenmarktordnung

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Titel: Analyse der Preiseffekte der EU-Bananenmarktordnung von 1993