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Web-Academy. Die Entwicklung eines Internetprogramms für Hochschulen

Am Beispiel des geplanten Studiengangs Masters of Business Administration

Diplomarbeit 1998 99 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsangabe

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Abkürzungsverzeichnis

Hinweise zur CD-ROM

1 Einleitung
1.1 Problemstellung der Web-Academy
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Die Fachhochschule Gelsenkirchen
1.3.1 Studienangebot
1.3.2 Die Fachhochschule Gelsenkirchen im Internet

2 Inhalte und Zielsetzungen des MBA-Studiums
2.1 Grundlagen der Masters- und MBA-Ausbildung
2.1.1 Arten der MBA-Ausbildung
2.1.2 Zulassungsvoraussetzungen
2.1.3 Studieninhalte und Lernmethoden
2.1.4 Kritische Betrachtung der MBA Ausbildung
2.2 Der geplante MBA-Studiengang in Entrepreneurial Studies an der Fachhochschule Gelsenkirchen
2.2.1 Entrepreneurship
2.2.2 Strukturen und Module des geplanten MBA-Programm
2.2.3 Lehrmethoden

3 Internet und Telelearning
3.1 Funktionen des Internets
3.1.1 Das rasante Wachstum
3.1.2 Die Elemente des Internets
3.1.3 Demographische Daten der Internetnutzer
3.2 Merkmale hypermedialer Strukturen
3.3 Besonderheiten der internetbasierten Wissensvermittlung
3.3.1 Begriffsabgrenzungen
3.3.2 Besserer Lernerfolg durch Telelearning?
3.4 Übersicht über Telelearningangebote

4 Konzeption der Web-Academy
4.1 Web-Academy im Dienstleistungsmarketing
4.2 Ziele und Zielgruppen der Web-Academy
4.2.1 Ziele des geplanten MBA-Studiengangs
4.2.2 Ziele der Web-Academy
4.2.3 Zielgruppen der Web-Academy
4.3 Struktur und Seitenaufbau der Web-Academy
4.3.1 Struktur
4.3.2 Seitenaufbau / Screendesign
4.4 Ausstattung der Web-Academy

5 Besonderheiten im Marketing-Mix bei der Realisierung der Web-Academy
5.1 Die Produkte und Dienstleistungen der Web-Academy
5.1.1 Das Leistungsprogramm der Web-Academy im Internet
5.1.2 Zusatzprodukte der Web-Academy
5.1.3 Produktinnovation
5.1.4 Qualität
5.2 Studiengebühren und Preisstrategien
5.2.1 Preisstrategien
5.2.2 Zahlungsformen im Internet
5.3 Das Internet als Distributionskanal für Telelearning
5.4 Die Kommunikationspolitik im Internet
5.5 Site Promotion
5.5.1 URL – die „Adresse“ im Internet
5.5.2 Werbung außerhalb des Internets
5.5.3 Suchmaschinen
5.5.4 Werbung im Internet
5.5.5 Bannertausch
5.6 Controlling und Erfolgsmessung
5.6.1 Quantitative Erfolgsmessung
5.6.2 Qualitative Erfolgsmessung

6 Restriktionen der Web-Academy
6.1 Technologische Restriktionen
6.2 Restriktionen durch den Nachfrager
6.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
6.4 Wirtschaftlichkeit

7 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Glossar

Anhang
Anhang A Studienangebot der Fachhochschule Gelsenkirchen
Anhang B Übersicht Master Studiengänge
Anhang B1 MBA bzw. Master Programme deutscher Hochschulen
Anhang B2 MBA bzw. Master Programme in Europa (Auswahl)
Anhang B3 MBA-Programme in den USA
Anhang C Umfragen und Studien zum Internet (Auswahl)
Anhang D Suchmaschinen im Internet (Auswahl)
Anhang E Darstellung der behandelten Internetseiten

Lebenslauf des Autors

1 Einleitung

Das Internet ist das Medium der Zukunft. Es dringt in alle Bereiche unserer Gesellschaft und ermöglicht, beschleunigt vielleicht sogar, den erforderlichen Strukturwechsel zur Dienstleistungsgesellschaft.

Hochschulen waren und sind Vorreiter bei der Verbreitung des Internet. Was als Austausch von Forschungsergebnissen begann, ist heute aus der Hochschullandschaft nicht mehr wegzudenken. Beinahe jede Hochschule ist über das Deutsche Forschungsnetz (DFN) an das Internet angeschlossen, bietet ihren Studenten kostenlosen Zugang zum Internet und präsentiert ihre Organisation mit einer Homepage im World Wide Web.

An einigen Hochschulen und Fernuniversitäten laufen erste Pilotprojekt in Richtung „Telelearning“. Telelearning meint das Lernen mittels Datennetzen wobei Lehrer und Schüler räumlich getrennt sind.[1] Das Bildungsangebot der Hochschule kann vom Server der Hochschule abgerufen, oder per E-Mail verschickt werden, vorausgesetzt man hat einen Computer mit Modem und einen Telefonanschluß. Studenten und Professoren können über E-Mail, Videokonferenzen, Newsgroups oder Chat miteinander kommunizieren. Insbesondere Berufstätige und Selbständige bekommen so die Möglichkeit ihrer beruflichen Tätigkeit weiter nachkommen zu können und quasi nebenbei über das Internet von zu Hause, vom Arbeitsplatz oder von jedem Ort der Welt zu studieren.

Telelearning bietet daher eine Alternative gegenüber dem Frontalunterricht. Das Lernen wird durch Multimedia und Interaktion vertieft und die durch die hohen Studentenzahlen vieler Hochschulen überfüllten Hörsäle werden entlastet.

1.1 Problemstellung der Web-Academy

Ziel dieser Diplomarbeit ist die Entwicklung eines nutzerorientierten, integrierten Marketingkonzepts im Internet für ein virtuelles Studium. Die Strukturen einer Fachhochschule, einer Akademie im World Wide Web werden entwickelt und aufgezeigt. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird diese virtuelle Einrichtung kurz „Web-Academy“ genannt.

Virtuell heißt nicht wirklich, der Anlage nach als Möglichkeit vorhanden. Palupski bezeichnet Virtuelle Realität als „eine mittels Computertechnologie erzeugte Konstruktion der Wirklichkeit“[2], „die von einem Individuum als seine wahre Wirklichkeit akzeptiert wird.“[3]

Im Verlauf dieser Arbeit werden die Möglichkeiten zur Nutzung des Internets als Vermarktungsplattform für die Dienstleistung Hochschulbildung untersucht.

Die Eignung des Mediums als Lernoberfläche, die speziellen Anforderungen der multimedialen Strukturen, die Besonderheiten der Marketingstrategien und –instrumente sollen untersucht, aufgezeigt und Lösungsansätze entwickelt werden.

Anhand des Studiengangs Masters of Business Administration (MBA) in Entrepreneurial Studies, den die Fachhochschule (FH) Gelsenkirchen in Zusammenarbeit mit der Glasgow Caledonian University (GCU) zum Sommersemester 1999 einführt, sollen die Lösungsansätze praktisch verdeutlicht werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. Nach dieser Einleitung in der die FH Gelsenkirchen vorgestellt wird, werden im zweiten Kapitel die Inhalte und Zielsetzungen des MBA-Studiums, insbesondere die des geplanten Studiengangs der FH Gelsenkirchen dargelegt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Funktionen des Internets und Besonderheiten des Telelearnings.

In Kapitel vier wird ein Konzept für die Web-Academy entwickelt. Die Einordnung in das Dienstleistungsmarketing wird aufgezeigt, Ziele und Zielgruppen erläutert, eine Struktur und Seitenaufbau des Internetangebots entwickelt. Die Besonderheiten im Marketing-Mix bei der Realisierung der Web-Academy spricht Kapitel fünf an, bevor in Kapitel sechs Restriktionen und Rahmenbedingungen der Web-Academy gezeigt werden. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.

Ergänzt wird diese Diplomarbeit durch ein Glossar und einen Anhang. Der Anhang enthält folgende weitere Information:

- Studienangebot der FH Gelsenkirchen,
- Übersichten über Master-Studiengänge in Deutschland, Europa und den USA,
- einen Vergleich der Ergebnisse von vier Studien über das Internet,
- eine Liste mit Suchmaschinen im Internet und
- bildhafte Darstellung angesprochener Internetseiten.

Weiterhin ist zu dieser Arbeit eine CD-ROM erhältlich. Inhalte und Bezugsquelle der CD-ROM wurden bereits auf Seite 8 angesprochen.

1.3 Die Fachhochschule Gelsenkirchen

Die Fachhochschule (FH) Gelsenkirchen wurde zum 1. August 1992 mit Sitz in Gelsenkirchen und einer Abteilung in Bocholt gegründet. Drei Jahre später kam eine weitere Abteilung in Recklinghausen hinzu. Mit praxisorientierter Lehre und anwendungsbezogener Forschung soll die Fachhochschule die Voraussetzungen für den ständigen Strukturwandel im Nördlichen Ruhrgebiet, Westmünsterland und der Emscher-Lippe-Region verbessern.[4]

1.3.1 Studienangebot

An der FH Gelsenkirchen mit ihren drei Standorten studieren derzeit ca. 2.800 Studenten in den Fachbereichen Elektrotechnik, Maschinenbau, Versorgungs- und Entsorgungstechnik, Physikalische Technik, Chemie- und Materialtechnik, Informatik, Wirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsrecht.[5] Die einzelnen Studienrichtungen und -schwerpunkte und deren Aufteilung auf die drei Standorte sind im Anhang aufgelistet.

1.3.2 Die Fachhochschule Gelsenkirchen im Internet

Wie fast jede Hochschule hat auch die FH Gelsenkirchen über das Deutsche Forschungsnetz (DFN) Zugang an das Internet. Die Homepage der FH läßt sich über die URL http://www.fh-ge.de aufrufen. Leider ist der Internetauftritt nur eine Online-Version des gedruckten Hochschulführers, der den multimedialen Möglichkeiten des Mediums nicht nachkommt.

Die Abteilung Bocholt hat eine eigene URL http://www.bocholt.fh-ge.de. Für den Fachbereich Wirtschaft wurde im Sommerstemester 1998 eine neue Homepage erstellt, die ab dem Wintersemester 1998/99 online sein wird (http://www-wi.bocholt.fh-ge.de). Die Homepage der FH Gelsenkirchen und die des Fachbereichs Wirtschaft in Bocholt sind in Darstellung 1und 2 in Anhang E abgebildet.

2 Inhalte und Zielsetzungen des MBA-Studiums

In diesem Kapitel werden Master- und MBA-Ausbildung vorgestellt. Zunächst werden die Grundlagen der Ausbildung gezeigt. Anschließend wird der an der Fachhochschule Gelsenkirchen geplante MBA-Studiengang in Entrepreneurial Studies vorgestellt.

2.1 Grundlagen der Masters- und MBA-Ausbildung

Das Studium des Masters of Business Administration (MBA) stammt ursprünglich aus den USA. Dort wird der MBA seit Beginn des 20. Jahrhundert verliehen und gehört zur akademischen Grundausbildung. Als postgraduierter Studiengang baut er auf den Abschluß des Bachelors auf. Das Studium an einer Graduate School dauert in den USA meist zwei Jahre.[6] Ähnlich ist es in Großbritannien wo nach dem Bachelor als First Degree ein Master als Postgraduate Degree nach meist einjährigem Studium verliehen wird.[7]

Der Master of Business Administration ist hier nur ein möglicher Masterabschluß neben anderen, wie dem Master of Arts (MA) in Geisteswissenschaften oder den Master of Science (MSc) in Natur- und Wirtschaftswissenschaften.

Mit der Novellierung des Hochschulrahmengesetztes wird die Vergabe der Bachelor- und Mastergrade auch in Deutschland ermöglicht.[8] Um den MBA-Titel in Deutschland verleihen zu können, mußte bislang das MBA-Studium einem deutschen Universitätsstudium entsprechen oder es mußte in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren ausländischen Partnern verliehen werden.[9]

2.1.1 Arten der MBA-Ausbildung

Der Titel des MBA ist sehr facettenreich. Zahlreiche Ausbildungsangebote unterscheiden sich nicht nur nach Form, Inhalt und Umfeld, sondern auch nach den unterschiedlichen Zielgruppen. Drei Arten von MBA-Programmen werden dabei differenziert:[10]

- Junior-MBA richtet sich besonders an Hochschulabsolventen, meist ohne Berufserfahrung. Er läßt sich in ein- bis zweijährige Vollzeitprogramme oder Parttime-Programme (Dauer 18 – 36 Monate) unterscheiden
- Executive-MBA

wendet sich an Fach- und Führungskräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung, die eine Weiterbildung im Managementbereich anstreben, insbesondere Ingenieure oder Naturwissenschaftler können benötigtes betriebswirtschaftliches Know-how erlernen. Folgende Programme lassen sich differenzieren:

- Parttime-Executive-Programme (18 – 36 Monate): Berufsbegleitendes Studium Abends und am Wochenende
- Modulare Programme (18 – 36 Monate): ebenfalls berufsbegleitend, allerdings Verteilung des Studiums auf ein- bis vierwöchige Präsenzmodule
- Distance-Learning-Programme (36 – 48 Monate): Fernstudium unterstützt durch einzelne Workshops.
- Firmen- oder Konsortial-MBA-Programme

sind direkt auf den Ausbildungsbedarf einzelner Firmen oder Firmenkonsortien abgestimmt, die die Programme als Personalentwicklungsinstrument nutzen.

2.1.2 Zulassungsvoraussetzungen

Die Zulassungsvoraussetzungen sind von Schule zu Schule unterschiedlich, variieren auch zwischen den oben angesprochenen Arten. So ist z. B. für den Junior-MBA ein ausgezeichnetes Universitäts- oder Fachhochschuldiplom unerläßlich, dafür ist Berufserfahrung nicht unbedingt erforderlich, was beim Executive-MBA aber gefordert wird. Dafür werden auch bei einigen Executive-MBA-Programmen Studenten ohne Diplom aufgenommen, wenn diese „eine auf hinreichende Qualifikation hindeutende Berufserfahrung“[11] nachweisen können.

Viele Schulen verlangen auch die erfolgreiche Absolvierung eines Sprachtest, dem „Test of English as a Foreign Language“ (TOEFL), und eines standardisierten Eignungstests, dem „Graduate Management Admission Test“ (GMAT). Weiterhin werden oft auch Referenzen, Angaben zur Studienfinanzierung und Essays zur Selbsteinschätzung, Motivation und Erwartung in Bezug auf die MBA-Ausbildung gefordert.

2.1.3 Studieninhalte und Lernmethoden

Mit dem MBA-Studium „wird der international orientierte Generalist mit analytischem und strategischen Fähigkeiten zur Übernahme verantwortungsvoller Führungsaufgaben im Managementbereich“ angestrebt.[12] Ziel ist eine praxisorientierte, international bezogene Qualifikation mit einer Erweiterung der persönlichen und fachlichen Kompetenz. Auch wenn jedes MBA-Programm eigene Ziele und Inhalte verfolgt, sind die folgenden Merkmale für nahezu alle Programme charakteristisch:[13]

- Vermittlung eines breit angelegten Wissensfelds in kurzer Zeit
- Vermittlung der wissenschaftlichen Studiengrundlagen (in den sogenannten „Core Courses“)
- Einbeziehung der Wechselbeziehungen und Funktionsmechanismen aller Unternehmensbereiche, aktueller wirtschaftlicher Problemstellungen, sowie Führungs-, Präsentations-, und Kommunikationstechniken
- Starke Praxisorientierung durch Einsatz aktiver Lehrmethoden wie Fallstudien (Case Studies), Simulationen, Planspielen und insbesondere durch Einbeziehung von Gastdozenten und –referenten aus der Wirtschaft und Consulting-Projekte für Studenten und Dozenten
- Schulung der Teamfähigkeit durch Gruppendiskussionen und insbesondere Arbeit in Kleingruppen an den Case Studies und Consulting-Projekten
- Internationalität durch die einzelnen Studieninhalte des Programms, multikulturelle Zusammensetzung der Studenten und Dozenten, Austauschprogramme und Fremdsprachenkurse.

Häufig werden durch das hohe Lernpensum extreme Anforderungen an die Studenten gestellt, mit dem Effekt des Trainings der Bewältigung von Streßsituation durch Zeit-, Leistungsdruck, sowie dem möglicherweise auftretenden Konfliktpotential in den Kleingruppen.[14]

2.1.4 Kritische Betrachtung der MBA Ausbildung

Das Angebot an MBA-Programmen in Europa nimmt stetig zu, führt fast zu einer Inflationierung an MBA-Absolventen und zu einer Unübersichtlichkeit des Angebots. Auch zahlreiche Bücher, Tabellen und Internetprogramme vermitteln nicht den kompletten Überblick über den MBA-Markt. Die in den USA üblichen Rankings der Business Schools beruhen auch auf sehr unterschiedlichen Maßstäben.

Der Anhang enthält Tabellen mit einer Auswahl an Master- und MBA-Programmen in Deutschland, Europa und den USA.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ausbildungsqualität einiger Anbieter. In den USA gewährt eine Akkreditierung über die American Assembly of Collegiate Schools of Business (AACSG) immerhin einen Mindestqualitätsstandard. In Europa gibt es einige nationale Akkreditierungssysteme, z. B. die Association of MBA´s (AMBA) in Großbritannien oder das Chapitre des Grands Écoles in Frankreich. Ein einheitliches System gibt es jedoch noch nicht. Hilfestellungen geben hier die European Foundation for Management Developement (efmd) in Brüssel, ein Netzwerk in dem alle renommierten europäischen Business Schools Mitglied sind, und die Foundation for International Business Administration Accrediation (FIBAA), die von Wirtschaftsorganisationen aus Deutschland (darunter der BDA und der DIHT), Österreich und der Schweiz getragen wird.[15]

Kritisiert wird außerdem die Vergangenheitsorientierung der Case Studies und die damit fehlende Ausrichtung in zukünftige Entwicklungen und fehlende Vernetzung der einzelnen Wissensgebiete.[16] Henry Mintzberg beanstandet, daß MBA-Absolventen zu wenig Erfahrung haben, zu hohe Einstiegsforderungen stellen und stärker an der eigenen Karriere, als am Erfolg des Unternehmens interessiert sind.[17]

Die deutschen Unternehmen bewerten den MBA aber nach einer 1992 durchgeführten Untersuchung durchweg positiv. 69 % würden ihren geeigneten Mitarbeitern empfehlen an einem MBA-Programm teilzunehmen. Fast die Hälfte sehen einen steigenden Bedarf an MBA-Absolventen und nur 13 % sehen einen sinkenden Bedarf.[18]

Der MBA steht zwar in der Kritik, eine Ausbildung an einem qualitativ hochwertigem Programm bringt aber sicherlich für Absolvent und Unternehmen Vorteile.

2.2 Der geplante MBA-Studiengang in Entrepreneurial Studies an der Fachhochschule Gelsenkirchen

Zum März 1999 plant die Fachhochschule Gelsenkirchen die Einführung eines MBA Studiengangs in Entrepreneurial Studies in Zusammenarbeit mit der Glasgow Caledonian University. Der Studiengang wird zunächst als Full-time Studium angeboten, später ist auch ein Part-time Studium und der mit dieser Arbeit beschriebene Fernstudiengang über das Internet geplant.

Im folgenden Abschnitt wird zunächst die Lehre des Entrepreneurship erläutert und dann der geplante Full-time MBA-Studiengang vorgestellt.

2.2.1 Entrepreneurship

Das Wort Entrepreneur leitet sich vom französischen Verb „entreprendre“ ab, zu deutsch „unternehmen“. Französische Ökonomen bezeichneten im 16. Jahrhundert so „Personen des Wirtschaftslebens, die sich durch Risikoübernahme und Kreativität auszeichneten.“[19]

In Deutschland ist der Begriff des Entrepreneurship, im Vergleich zu den USA, noch nicht sehr verbreitet, wenn dann wird er in Verbindung mit Existenzgründung und Unternehmertum verwendet. Der Franzose J. B. Say definierte um 1800 den Entrepreneur als jemand der Wirtschaftsressourcen aus Bereichen geringer Produktivität herausnimmt und diese an anderer Stelle mit höherer Produktivität und höheren Erträgen nutzt.[20]

Die Lehre des Entrepreneurship ist in Nordamerika schon weit verbreitet und wird an betriebswirtschaftlichen Fakultäten unterrichtet.

Allmählich wird die Wissenschaft des Entrepreneurship auch nach Europa und Deutschland übertragen. Aufgrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit in Europa fördern Politiker Existenzgründer. Erste Lehrstühle und Institute für Entrepreneurship, z. B. an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel, an der Universität Bochum und an der FH Gelsenkirchen wurden oder werden in Deutschland gegründet.

In Gelsenkirchen und Bocholt geschieht dies über das Institut zur Förderung von Innovation und Existenzgründung (INFINEX) in Zusammenarbeit mit der schottischen Glasgow Caledonian University, an der seit einigen Jahren erfolgreich Entrepreneure ausgebildet werden.

2.2.2 Strukturen und Module des geplanten MBA-Programm

Der Studiengang Master of Business Administration in Entrepreneurial Studies an der Fachhochschule Gelsenkirchen soll zum Sommersemester 1999 zunächst als Full-time-Studiengang starten. Er ist der erste postgraduierten Studiengang in Deutschland, der sich mit Entrepreneurship und Existenzgründungen befaßt.[21] Das Programm orientiert sich eng an dem Studiengang „Masters of Science in Entrepreneurial Studies“ den die schottische Glasgow Caledonian University (GCU) seit August 1994 anbietet. Es bezieht außerdem Inhalte und Erfahrungen bedeutender Business Schools, wie dem Babson College in Boston und dem französischen INSEAD in Fontainebleau, als Partner der GCU mit ein.[22]

Der full-time Studiengang dauert ein Jahr und gliedert sich in 2 Semester mit jeweils 15 Wochen Dauer und schließt mit einer Abschlußarbeit im dritten Semester. Jedes Studiensemester besteht aus 4 Modulen, die aufeinander aufbauen. Der genaue Ablauf des Studium und die Zusammenhänge der Module untereinander sind in Abbildung 1 dargestellt.[23] Die erhältliche CD-ROM enthält eine detaillierte Darstellung der Inhalte der einzelnen Module.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Module des MBA in Entrepreneurial Studies

Quelle: Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, Abbildung 3, S. 13

Während jedem Semester werden in den einzelnen Modulen Leistungsnachweise, in Form von Essays, Projekten, Fallstudien, Berichten und Prüfungen gefordert. Die Prüfungsanforderungen richten sich mehr auf Projektansätze als auf formale Prüfungen. Die Art der Leistungsnachweise variiert innerhalb der Module. Nach erfolgreichem Abschluß der Semester A + B erhält der Student jeweils 60 Credit Points und ein Postgraduierten Zertifikat bzw. Diplom in Entrepreneurial Studies. Diese Abschlüsse bieten ihm alternative Ausstiegspunkte und entsprechen weiterhin dem Drei-Stufen-Modell der Postgraduiertenqualifikation. Mit erfolgreichem Anfertigen der Abschlußarbeit und damit 180 Credit Points wird dem Kandidat der Titel Master of Business Administration in Entrepreneurial Studies verliehen.[24]

2.2.3 Lehrmethoden

Die im Abschnitt 2.1 erwähnten Ziele des Masters-Studiums werden mit dem MBA-Programm in Gelsenkirchen konsequent umgesetzt. Explizites Ziel des Lernprogramms ist die praktische Ausrichtung auf Existenzgründungen, die den Studenten die Fähigkeit vermitteln soll, selbst Unternehmensgründungen zu betreiben und in einem schwer vorhersagbaren Umfeld, das von Ungewißheit und Risiko bestimmt ist, zu arbeiten.

Zudem soll eine Partnerschaft zwischen der Fachhochschule und einem Netzwerk aus Unternehmen, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Kammern und Technologiezentren aufgebaut werden, die nicht nur finanzielle Unterstützung bringt. Vor allem können aus diesem Netzwerk Gastdozenten gewonnen werden, die anhand ihrer praktischem Erfahrung als Entrepreneure wichtige Beiträge zu den einzelnen Modulen liefern können. Geplant ist hier eine Unternehmerfakultät, eine Associate Teaching Faculty. Zusätzlich können hieraus Projekte gewonnen werden, die im Rahmen der Module von den Studenten unter Betreuung der Professoren und Dozenten bearbeitet werden. Diese Projekte bieten den Studenten frühzeitig praktische Erfahrungen. Weiterhin bietet das Netzwerk den Studenten erste wichtige Kontakte zu Unternehmen und Organisationen, Zugänge zu Datenbanken und andere wichtige Dienstleistungen.

Ein wichtiger Aspekt des MBA-Programms ist das experimentelle Lernen, das mit dem o. g. Konzept der Associate Teaching Faculty angewandt wird. Projektarbeiten sind neben Fallstudien, Lern-Packages und Übungen mit Problemlösungen die wichtigsten Lehrmethoden. Nach dem Programmentwurf besteht ein Ziel der Lehrstrategie darin, „einen prüfenden, analytischen und kreativen Ansatz unter den Studenten aufgrund ihrer Lehrerfahrung aufzubauen.“ Sie sollen ermutigt werden, „ihre eigenen individuellen Vorstellungen von unternehmerischen Merkmalen, Bewertungen und kritisches Selbstbewußtsein zu entwickeln, um daraus für sich selbst Kompetenz abzuleiten.“[25]

3 Internet und Telelearning

Dem Bereich der Aus- und Weiterbildung über das Internet werden große Wachstumspotentiale zugeschrieben, insbesondere durch eine Steigerung der Effektivität des Lernens durch Multimedia. Doch was ist das Internet und warum eignet es sich besonders als Lernplattform?

3.1 Funktionen des Internets

Das Internet ist im Prinzip eine Vielzahl von kleineren und größeren Computern, die über ein einheitliches Protokoll, das sogenannte TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) Daten austauschen. Dadurch läßt sich das Internet auf jedem Rechner nutzen, gleich welches Betriebssystem eingesetzt wird.

Keimzelle des Internets war das Arpanet, ein Netzwerk von Computern das in den sechziger Jahren aufgebaut wurde, um die militärische Kommunikation im Falle eines atomaren Krieges aufrechtzuerhalten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dieses Netz, insbesondere durch die Integrierung von Universitäten und Forschungseinrichtungen zu einem globalen Verbund von Rechnern, dem Internet.[26]

Mit der Entwicklung des World Wide Webs (WWW) als graphische Oberfläche des Internets zu Beginn der neunziger Jahre begann der endgültige Boom dieses neuen Mediums. Auf das WWW wird weiter unten noch genauer eingegangen.

3.1.1 Das rasante Wachstum

Zahlen der Internetnutzer sind schwer ermittelbar. Die Zahl der im Internet angeschlossenen Server (sogenannte Hosts) wird jedoch im Internet veröffentlicht und ist in Abbildung 2 dargestellt. Danach sind zu Beginn des Jahres 1998 29,67 Millionen Server weltweit dem Internet angeschlossen (Stand Januar 1998), ein halbes Jahr später sind es schon 36,739 Millionen (Stand Juli 1998)[27]. In Europa sind es 6,44 Millionen und 1,22 Millionen in Deutschland (Stand Mai 1998). Das Internet wächst derzeit durchschnittlich mit rund 5 % pro Monat![28]

Von der Zahl der Internet-Hosts läßt sich nur schwer die tatsächliche Zahl der Internetnutzer ermitteln. Experten schätzen, daß pro Hosts 3,5 bis 10 Teilnehmer durchschnittlich ans Internet angeschlossen sind[29]. D. h. das bei rund 36 Millionen Hosts im Juli 1998 zwischen 125 und 300 Millionen Menschen weltweit zugriff auf das Internet haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Entwicklung der Internet Server (Hosts)

Quellen: Internet Domain Survey, http://www.nw.com/zone/WWW/report.html, (25.08.98) und

DE-NIC Rechenzentrum der Universität Karlsruhe, http://www.nic.de/Netcount/netStatOverview.html, (25.08.98)

3.1.2 Die Elemente des Internets

Das Internet bietet zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. Voraussetzung ist natürlich ein Internetzugang. Diesen bieten verschiedene Dienstleister (Provider) und Online-Dienste (T-Online, AOL, CompuServe) an. Die wichtigsten Elemente und Dienste des Internets werden nun kurz vorgestellt.

a) World Wide Web (WWW)

Seit seiner Implementierung 1992 hat sich das World Wide Web (WWW, W3 oder Web) zum Herzstück des Internet entwickelt. Das WWW ist hypermedial aufgebaut, d. h. verschiedene Textdokumente können über „Hyperlinks“ oder kurz „Links“ miteinander strukturiert und verknüpft werden. Aber nicht nur Textdateien sondern auch Bild-, Ton- und Videodateien können verknüpft werden.[30]

Die standardisierte Programmiersprache HTML (Hypertext Markup Language) und das Hypertext Transport Protocol (HTTP) sorgen für einen reibungslosen Austausch der Dokumente zwischen den Computern. Eine „Browser“ genannte Software ermöglicht die Darstellung der WWW-Seiten, auch Page genannt auf jedem Rechner, vorausgesetzt er hat einen Anschluß an das Internet. Die wichtigsten Browser sind derzeit der Netscape Navigator bzw. Communicator mit 51,45 % Marktanteil und der Internet Explorer von Microsoft mit 47,10 % Marktanteil.[31] Weitere Zusatzprogramme, Plug-ins genannt, ermöglichen die Einbindungen weiterer Programme und Anwendungen in den Browser.

Um sich in der Fülle der verschiedenen Seiten des WWW orientieren zu können, gibt es Suchmaschinen und Verzeichnissen Metaindices genannt. Im Anhang ist eine Liste mit einer Auswahl an Suchmaschinen enthalten.

b) E-Mail

Mit Electronic Mail, oder kurz E-Mail, können Briefe über das Internet übermittelt werden. E-Mail ist noch vor dem WWW die häufigste Anwendung des Internets.[32]

c) Diskussionsgruppen

Es gibt sicherlich kein Thema, das das Internet nicht behandelt. Ausgiebig über alle Themen diskutiert werden kann im Internet in verschieden Diskussionsgruppen, auch Newsgroups genannt. Über E-Mail können zwischen den Teilnehmern der Diskussionsgruppen Meinungen ausgetauscht werden. Über Newsreaders können die Beiträge der Teilnehmer strukturiert betrachtet werden.[33]

d) Internet Relay Chat (IRC)

Ähnlich wie bei Newsgroups bietet auch das Internet Relay Chat (IRC) ein Diskussionsforum. Der größte Unterschied ist jedoch das beim IRC die Kommunikation nicht per E-Mail sondern in Echtzeit auf einem IRC-Server geschieht. Der User loggt sich über seinen Namen oder ein Pseudonym in einen Chat-Channel ein und kann mit den anderen Teilnehmern kommunizieren, auch „chatten“ genannt.

e) File Transfer Protocol (FTP)

FTP ist ein Protokoll, mit dem Dateien zwischen Rechnern ausgetauscht werden. Von sogenannten FTP-Servern können Programme, Texte, Grafiken, Video auf den eigenen Rechner heruntergeladen (Download genannt) werden.[34]

f) Java

Java ist eine Programmiersprache, entwickelt von der Firma Sun Microsystems (http://java.sun.com/). Java-Programme, Appletts genannt, können in HTML-Dokomente integriert werden. Dadurch können Operationen in der Web-Page durchgeführt werden, ohne das ein Zugriff des Nutzers auf den Server des Anbieters nötig ist. Java ist plattformunabhängig, d. h. die Appletts laufen auf jedem Rechner, gleich welches Betriebssystem installiert ist.[35]

g) Virtual Reality (VR)

Wie schon in Kapitel 1 erwähnt definiert Palupski Virtuelle Realität als „eine mittels Computertechnologie erzeugte Wirklichkeitskonstruktion“.[36] Erste Schritte zur Konstruktion derartiger dreidimensionaler, virtueller Welten im Internet wurden mit der Entwicklung der Virtual Reality Modelling Language (VRML) gegangen. VRML ermöglicht die Darstellung und Bewegung in dreidimensionalen Räumen.[37] Allerdings stellt VRML um optimal zu laufen hohe Anforderungen an die Hardware und benötigt eigene Betrachtungsprogramme (Viewer). Trotzdem kann VRML in Zukunft das Internet gravierend ändern.[38]

3.1.3 Demographische Daten der Internetnutzer

Um Demographie und Einstellung der Internetnutzer zu ermitteln, haben sich zahlreiche Studien etabliert. Zum einen gibt es Studien die regelmäßig über einen Online-Fragebogen durchgeführt werden. In den USA beispielsweise die Onlinebefragungen des Graphic, Visualization & Usability Center (GVU) oder das deutsche Pendant die halbjährlich durchgeführte W3B-Umfrage von Fittkau & Maß. Diese Umfragen bieten jedoch einige methodische Probleme, z. B. durch die Selbstselektion der Interviewpartner. Dabei haben Heavy-User i. d. R. größere Chancen, an den Umfragen teilzunehmen.[39]

Repräsentativer dürfen deshalb die von Meinungsforschungsinstituten durchgeführten Studien angesehen werden. Hier sind z. B. die Typologie der Wünsche (TdW) des Burda- Verlages, mit einer Spezialauswertung für Online-User, der GfK-Online-Monitor der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) oder die Mediaanalyse Online-Offline des Spiegel-Verlages zu nennen. Die Befragungen werden i. d. R. mittels Telefoninterview durchgeführt

Die vier genannten deutschen Studien sind mit den wichtigsten Ergebnissen für Deutschland im Anhang gegenübergestellt. Die wichtigsten Ergebnisse werden im folgenden kurz angesprochen:[40]

Laut TdW nutzen in Deutschland 1997 3,75 Millionen einen Online-Dienst, bzw. das Internet, das sind 5,9 % der Gesamtbevölkerung, mit steigender Tendenz.[41]

Der Anteil der Frauen an der Zahl der Web-User steigt kontinuierlich. Waren nach der vierten W3B-Umfrage im April/Mai 1997 nur 10,5 % Frauen im Web, so waren es ein Jahr später schon 15,5 %. Laut Typologie der Wünsche (TdW) und GfK-Online-Monitor ist die Zahl aber etwa doppelt so hoch bei rund 30 %. Das verdeutlicht die oben angesprochenen methodischen Probleme der Online-Befragungen, wie der W3B-Umfrage.

Das Durchschnittsalter liegt nach den unterschiedlichen Befragungen zwischen 33,8 und 35,7 Jahren. Besonders stark vertreten sind die Altersgruppen zwischen 20 und 39 Jahren. Der Anteil dieser Altersgruppen bei den Online-Nutzer liegt über denen der Gesamtbevölkerung.

Im Vergleich zur repräsentativen Gesamtbevölkerung haben Internet-Nutzer eine höhere Schulbildung. Über 50 % haben Abitur, 27 % haben ein Studium absolviert (GfK-Online-Monitor). Ebenso sind die höheren Haushaltseinkommen ab 4.000 DM monatlich bei den Online-Nutzern stärker repräsentiert, als in der Gesamtbevölkerung.

Angestellte und Beamte sind mit rund 56 % die häufigste Berufsgruppe (TdW und GfK-Online-Monitor). Selbständige, Freie Berufe und Landwirte sind mit 14,1 % online. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist mit 7,3 % gerade einmal etwa halb so groß. Laut W3B (April/Mai 1998) sind 19.5 % Studenten, bzw. Doktoranden.

Der Trend bei diesen Wert zeigt aber eine allmähliche Annäherung der Internet-Nutzer hin zu den Werten der Gesamtbevölkerung.

3.2 Merkmale hypermedialer Strukturen

Das Internet und insbesondere das World Wide Web beruht auf hypermedialen Strukturen. Kurt Rohner definiert Hypermedia als „ein Begriff für multimediale Produkte, die medienübergreifende Verknüpfungen zwischen einzelnen Inhaltsteilen ermöglichen.“[42] Diese medienübergreifenden Verknüpfungen, Hyperlinks genannt, ermöglichen dem Nutzer interaktiv in das Medium einzugreifen. Zum einen kann er die angebotenen Medien und Informationen frei und individuell auswählen und zum anderen kann der Nutzer mit dem Anbieter in Kontakt treten und kommunizieren. Die Einseitigkeit der Massenkommunikation kann dadurch teilweise aufgehoben werden. Die hypermedialen Strukturen des WWW sind derart vielfältig, daß der Nutzer nach seinen Interessen verzweigen und zu anderen Informationen springen kann.[43]

Konventionelle Texte werden in einer linearen Abfolge sequentiell aufgenommen. Anstatt wie bei einem gedruckten Text von Anfang bis Ende zu lesen, ermöglicht Hypermedia den Sprung (Link) zu anderen Texten, Kapiteln oder zu Videos, Audiosequenzen, Bildern, Grafiken und anderen Medien.[44]

Waren Informationen und Organisationen bisher meist hierarchisch strukturiert, so werden sie laut Evans und Wurster durch Hyperarchie, mit der Möglichkeit des beliebigen Zugriffs auf Informationen, abgelöst.[45] Abbildung 3 verdeutlicht die Unterschiede zwischen hierarchischen und hyperarchischen Strukturen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 – Hierarchische und Hyperarchische Strukturen nach Evans, Philip und Wurster, Thomas: Die Internet-Revolution: Alte Geschäfte vergehen, neue entstehen, HARVARD BUSINESS manager, 20. Jahrgang, Heft 2/1998, S. 55

3.3 Besonderheiten der internetbasierten Wissensvermittlung

Die Verbreitung des Internets hat auch im Bildungsbereich nicht halt gemacht. Das Internet scheint eine ideale Plattform des Fernstudiums zu sein, wie die ersten Pilotprojekte beweisen sollen. Die Vorteile des Internet für das Fernstudium, wie der weltweite Zugriff, Unabhängigkeit von der Plattform, Interaktivität, Multimedialität und eine kostengünstige Distribution der Lehrmaterialien scheinen auf der Hand zu liegen und unterstützen auch die Anforderungen des lebenslangen Lernens, die an viele Berufstätige heutzutage gestellt werden.

Die hypermediale Struktur des WWW erfordert aber auch neue Anforderungen an die Konzeption der Inhalte und Didaktik. Einige Besonderheiten werden in den folgenden Abschnitten aufgegriffen.

3.3.1 Begriffsabgrenzungen

In der Literatur die sich mit Fernstudium und Lernen mittels Computer und Computernetzen befaßt, werden verschiedene Begriffe wie Fernstudium, Distance Learning, Telelearning, Teleteaching oder CBT verwendet.

Beim Fernstudium oder Distance Learning sind Lehrer und Lehrende räumlich und/oder zeitlich getrennt,[46] für die Übermittlung wird ein Medium benötigt. Dies können traditionelle Medien wie Bücher, Lehrbriefe, Ton- und Videokassetten, oder die neuen Medien wie beim Telelearning sein. Wie schon weiter oben erwähnt ist Telelearning Fernstudium unter Nutzung von Datennetzen, wie etwa dem Internet.

Häufig wird der Begriff Teleteaching als Synonym benutzt. Teleteaching hingegen ist das Lehren unter Nutzung der Datennetzen. Teleteaching nutzen heute z. B. die Universitäten Heidelberg und Mannheim, wo Vorlesungen der einen Hochschule mittels Videokonferenz an die andere übertragen werden.

Computer based Training (CBT) oder Computer unterstütztes Lernen (CUL) benötigt im Gegensatz zum Telelearning keinen Anschluß an ein Datennetz. CBT, bzw. CUL ist über eine Lernsoftware möglich, die meist über Diskette oder CD-ROM auf einem Rechner abgespielt wird. Ein Anschluß an das Internet ist hier nicht unbedingt erforderlich. Mit einem Internetanschluß kann man sich allerdings die Software direkt aus dem Netz herunter laden. CBT findet heute schon starke Verbreitung in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in großen Unternehmen und Behörden.[47]

3.3.2 Besserer Lernerfolg durch Telelearning?

Es gibt bisher nur wenige, meist wissenschaftlich nicht abgesicherte Ergebnisse, ob der Einsatz von Telelearning den Lernerfolg verbessert.[48] Nach Alexandra Raedlin haben Studien ergeben, daß die Lernergebnisse mittels interaktiver Software um 30 bis 50 Prozent über den konventionellen Lernmethoden liegen.[49] Michael Kerres, der die Tele-Akademie an der Fachhochschule Furtwangen aufgebaut hat, geht von ähnlichen Ergebnissen aus. Die Lerneffektstärke eines rechnergestützten Unterrichts ist bei verschiedenen Untersuchungen durchschnittlich 35 % höher und die Lerndauer reduziere sich um 30 % bei Einsatz von CBT im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht. Eine besonders hohe Effektsteigerung von über 110 % ergab sich bei kombinierten Einsatz von computergestützten und konventionellen Unterricht in der Weiterbildung von Erwachsenen.[50] Weitere Studien kommen hingegen zu gegensätzlichen Ergebnissen als die oben erwähnten. Ferner sollte auch die statistische Erfassung des Lernerfolgs in diesen Studien zweifelhaft betrachtet werden.[51]

Lukas Mitterauer weist darauf hin, daß der Computer nur sehr spezifisch die Sinne anspreche und deshalb nicht für alle Anwendungen geeignet sei, dies gelte insbesondere dort wo Kreativität und Neustrukturierung gefordert wird. Außerdem kann der Mensch nur eine bestimmte Anzahl von Sinneseindrücken verarbeiten. Beim Einsatz von Multimedia komme gestalterischen und dramaturgischen Aspekten große Bedeutung zu.[52]

Das Lernen im World Wide Web muß aber nicht individuell erfolgen. Nach Karsten Wolf bietet das Lernen in Gruppen im Internet ein neues Potential, um, ein bisher nicht erreichtes Niveau zu erhalten. Wolf skizziert hierzu das Modell der 5 K des Gruppenlernens einer webbasierten Lernumgebung. Dieses Modell ist in Tabelle 1 dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 – Modell der 5 K des Gruppenlernen einer webbasierten Lernumgebung

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[1] vgl. Raedlein, Alexandra: Telelearning und Lernen mit Multimedia, in: Wilke, Jürgen; Imhof, Christine (Hrsg.): Multimedia – Voraussetzungen, Anwendungen, Probleme, VISTA Verlag, Berlin, 1996, S. 129

[2] Palupski, Rainer: Virtual Reality und Marketing, Marketing ZFP, 17. Jahrgang, Heft 4, 1995, S. 264

[3] Palupski, Rainer: Virtual Reality und Marketing, Marketing ZFP, 17. Jahrgang, Heft 4, 1995, S. 265

[4] vgl. Fachhochschule Gelsenkirchen: Hochschulführer 1997/98, S. 4

[5] Quelle: Fachhochschule Gelsenkirchen: Hochschulführer 1997/98

[6] vgl. Giesen, Birgit; de Menezes, Nicola; Nußbickel, Johannes: MBA-Studium und Business Schools in den USA, 6. Auflage, Stauffenbiehl Institut für Berufs- und Ausbildungsplanung, 1994, Köln, S. 11 f.

[7] vgl. Schneider, Manfred: MBA - Master of Business Administration in Europa, 2. Auflage, Blätter zur Berufskunde der Bundesanstalt für Arbeit, 1996, Nürnberg, S. 5

[8] Gesetzentwurf der Bundesregierung: „Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung des Hochschulrahmengesetzes“, Deutscher Bundestag: Drucksache 13/8796 vom 20.10.1997, http://www.bundestag.de, (29.08.98)

[9] vgl. Schwertfeger, Bärbel: Das MBA-Handbuch, Econ Verlag, 1994, Düsseldorf (u. a.), S. 93

[10] vgl. Schneider, Ralf: Der MBA ein Titel mit vielen Facetten, in: Schwertfeger, Bärbel: Das MBA-Handbuch, a.a.O., S. 16 ff.

[11] Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S. 17

[12] Schneider, Manfred: MBA - Master of Business Administration in Europa, 2. Auflage, Blätter zur Berufskunde der Bundesanstalt für Arbeit, 1996, Nürnberg, S. 8

[13] vgl. Schneider, Manfred: MBA - Master of Business Administration in Europa, 2. Auflage, Blätter zur Berufskunde der Bundesanstalt für Arbeit, 1996, Nürnberg, S. 77 f.

[14] vgl. Schneider, Manfred: MBA - Master of Business Administration in Europa, 2. Auflage, Blätter zur Berufskunde der Bundesanstalt für Arbeit, 1996, Nürnberg, S. 79

[15] vgl. Schneider, Manfred: MBA - Master of Business Administration in Europa, 2. Auflage, Blätter zur Berufskunde der Bundesanstalt für Arbeit, 1996, Nürnberg, S. 265 ff.

[16] vgl. Schwertfeger, Bärbel: Das MBA-Handbuch, a.a.O., S. 60 f.

[17] vgl. Schwertfeger, Bärbel: Das MBA-Handbuch, a.a.O., S. 143 ff.

[18] vgl. Schneider, Ralf: Deutsche Unternehmen sehen den MBA positiv in: Schwertfeger, Bärbel: Das MBA-Handbuch, a.a.O., S. 150 ff.

[19] Weihe, Hermann J.: Entrepreneurship - Neue Wege zum Unternehmertum, Verlag Dr. Kovac, 1994, Hamburg, S. 98

[20] vgl. Drucker, Peter F.: Innovation and Entrepreneurship, HarperBusiness, 1986, New York, S. 21

[21] vgl. Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S.6

[22] vgl. Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S.7

[23] vgl. Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S. 8 ff.

[24] vgl. Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S. 6 ff.

[25] vgl. Institut für Innovationsförderung und Existenzgründung: Programm-Entwurf Masters of Business Administration in Entrepreneurial Studies, Februar 1998, S. 11

[26] vgl. Lamprecht, Stephan: Marketing im Internet, Haufe Verlag, 1996, Freiburg i. Br., S. 13 f.

[27] Quelle: Internet Domain Survey, http://www.nw.com/zone/WWW/report.html, (25:08:98)

[28] Quelle: DE-NIC Rechenzentrum der Universität Karlsruhe, http://www.nic.de/Netcount/netStatOverview.html, (25.08.98)

[29] vgl. Alpar, Paul: Kommerzielle Nutzung des Internet, Springer Verlag, 1996, Berlin / Heidelberg, S. 22

[30] vgl. Alpar, Paul: Kommerzielle Nutzung des Internet, Springer Verlag, 1996, Berlin / Heidelberg, S. 95

[31] Quelle: GVU's 9th WWW User Survey, Technology Demographics Summary, April 1998, http://www.cc.gatech.edu/gvu/user_surveys/survey-1998-04/reports/1998-04-Technology.html, (25.08.98)

[32] Quelle: Fittkau & Maaß, W3B: 6. W3B-Umfrage, April/Mai 1998, Hamburg, http://www.w3b.de, (24.08.98)

[33] vgl. Alpar, Paul: Kommerzielle Nutzung des Internet, Springer Verlag, 1996, Berlin / Heidelberg, S. 56 ff.

[34] vgl. Lamprecht, Stephan: Marketing im Internet, a.a.O., 1996, S. 24 f.

[35] vgl. Ellsworth, Jill; Ellsworth, Matthew: Marketing on the Internet, 2. Auflage, John Wiley & Sons, 1997, New York, S. 164

[36] Palupski, Rainer: Virtual Reality und Marketing, Marketing ZFP, 17. Jahrgang, Heft 4, 1995, S. 264

[37] vgl. Wahl, Jörg H. W.: Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Multimedia im Marketing, Verlag Peter Lang, 1997, Frankfurt a. M., S. 86

[38] vgl. Lamprecht, Stephan: Marketing im Internet, a.a.O., 1996, S. 193 f.

[39] vgl. Werner, Andreas; Ronald, Stephan: Marketing Instrument Internet, Verlag dpunkt, 1997, Heidelberg S. 62 ff.

[40] vgl. Fittkau & Maaß, W3B: 6. W3B-Umfrage, April/Mai 1998, Hamburg, http://www.w3b.de, (24.08.98) und

Burda Medien-Forschung: Der Online-User in Deutschland – Mensch im Netz; Eine Spezialauswertung aus der Typologie der Wünsche 97/98, Dezember 1997, München und

GfK Medienforschung: GFK Online Monitor, Ergebnisse der ersten Welle, Februar 1998, Nürnberg, http://www.gfk.cube.net/website/mefo/onmowa.htm, (24.08.98)

[41] Burda Medien-Forschung: Der Online-User in Deutschland – Mensch im Netz; Eine Spezialauswertung aus der Typologie der Wünsche 97/98, Dezember 1997, München, S. 6

[42] Rohmer, Kurt: CYBER-Marketing, Orell Füssli Verlag, 1996, Zürich, S. 136

[43] vgl. Pispers, Ralf; Riehl, Stefan: Digital Marketing, Addison-Wesley-Longmann, 1997, Bonn u.a., S. 55 ff.

[44] vgl. Rohmer, Kurt: CYBER-Marketing, a.a.O. 1996, S. 136 f.

[45] vgl. Evans, Philip und Wurster, Thomas: Die Internet-Revolution: Alte Geschäfte vergehen, neue entstehen, HARVARD BUSINESS manager, 20. Jahrgang, Heft 2/1998, S. 55

[46] vgl. Mitterauer, Lukas: Multimedia im Fernstudium, Zeitschrift für Hochschuldidaktik, 21. Jahrgang, Heft 2/1997, S. 64

[47] vgl. Müller, Wolfgang: Interaktive Medien im professionellen Einsatz - Elektronische Kataloge, Infoterminals, CBT, Videokonferenz, Addison-Wesley, 1995, Bonn, Paris, S. 81

[48] vgl. Raedlein, Alexandra: Telelearning und Lernen mit Multimedia, in: Wilke, Jürgen; Imhof, Christine (Hrsg.): Multimedia, a.a.O., S. 137

[49] vgl. Raedlein, Alexandra: Telelearning und Lernen mit Multimedia, in: Wilke, Jürgen; Imhof, Christine (Hrsg.): Multimedia, a.a.O., S. 137

[50] vgl. Kerres, Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebungen - Konzeption und Entwicklung, R. Oldenbourg Verlag, 1998, München, Wien. S. 107 ff.

[51] vgl. Kerres, Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebungen, a.a.O., 1998, S. 110

[52] vgl. Mitterauer, Lukas: Multimedia im Fernstudium, Zeitschrift für Hochschuldidaktik, 21. Jahrgang, Heft 2/1997, S. 68 f.

Details

Seiten
99
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783656998099
ISBN (Buch)
9783867462006
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185261
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
2
Schlagworte
entwicklung programms internet dienstleistungsunternehmen hochschule beispiel studiengangs masters business administration

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Titel: Web-Academy. Die Entwicklung eines Internetprogramms für Hochschulen