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Zur Konzeption der Heimatkunde

von Cornelia Holzheid (Autor)

Seminararbeit 2003 11 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Verschiedene Bedeutungskontexte des Heimatbegriffs
2.1 Heimat als Anschauungsquelle
2.2 Heimat als Bildungswert

3. Der Heimatkundeunterricht
3.1 Weimarer Republik
3.2 NS – Zeit
3.3 Nachkriegszeit
3.3.1 Didaktisch - methodische Entwürfe von Gärtner und Fiege
3.4 1980er Jahre

4. Bewertung

5. Literatur

Cornelia Finger

Weingartenstr. 8

97072 Würzburg

4. Semester: Deutsch, Mathematik, Kunst und evangelische Religion

1. Einleitung

Die Heimatkunde hat eine lange Geschichte im deutschen Schulwesen. Schon im 19. Jahrhundert hat man die ersten fachlich orientierten Vorläufer der sogenannten „Weltkunde“ von Harnisch und Ritter fest machen können. Auf ihrem langen Weg hat die Heimatkunde Negatives und Positives erfahren: Nachdem sie am Anfang des 20. Jahrhunderts einen sehr hohen Stellenwert gewonnen hatte, wurde sie in den siebziger Jahren kurzerhand „zu Grabe getragen“. Aber in den 1980er Jahren hat sie einen Wiedereinzug in die Klassenzimmer gefeiert.

Die Konzeptionen der Heimatkunde sind unterschiedlich und immer verknüpft mit der Zeitgeschichte und den gerade vorherrschenden Vorstellungen des Begriffs der Heimat. Im Folgenden soll zunächst ein Abriss über die unterschiedlichen Deutungsdimensionen der Heimatkunde erfolgen; danach eine geschichtliche Abhandlung über die Entwicklung der Heimatkunde. Schließlich soll eine Bewertung der Konzeptionen die Arbeit abschließen.

2. Verschiedene Bedeutungskontexte des Heimatbegriffs

Schon zur Zeit der Weimarer Republik war sich die pädagogische und didaktische Fachwelt uneins über die genaue Definition des Begriffs Heimat. Denn Heimat ist einerseits als bloße Anschauungsquelle, andererseits aber als emotionaler Bezugspunkt verstanden worden.

2.1 Heimat als Anschauungsquelle

Durch Pestalozzi ist „die Mitwelt als Mittelpunkt der seelischen Bildung des Menschen“[1] bekannt geworden. So ist man von der nahen Umwelt des Kindes, in der die Sinne ausgebildet, das Grundwissen erworben und die Sprachfähigkeit geschult wurden, zu weiter Entfernterem fortgeschritten. Der hieraus resultierende Anschauungsunterricht ist nun mit den didaktischen Entwürfen von Diesterweg, Finger und Harnisch kombiniert worden, die im 19. Jahrhundert den Grundstein für die Heimatkunde gelegt haben: Ihre Entwürfe haben vorgesehen, dass von der ersten Klasse an ein „fachlich ungebundener, anschauungsgebundener Realienunterricht“[2] statt finden sollte. In diesem Unterricht haben die Schüler sich auch die Methoden und Fähigkeiten aneignen sollen, die sie für die spätere Fachsystematik benötigen würden. So ist im heimatkundlichen Anschauungsunterricht des ersten und zweiten Schuljahres direkt an Praktisches aus der direkten Umgebung der Kinder angeknüpft worden, wobei Themen wie „Mutter hat große Wäsche“ behandelt worden sind.[3] Die eigentliche Heimatkunde im dritten und vierten Jahr hat Themen wie Kartenverständnis oder landeskundliche Behandlung der Heimat durchgenommen.[4]

Der Zugang zur Heimat, die als Anschauungs- und Stoffquelle gedient hat, war somit ein sachlicher. Gefühlsbetonte Komponenten sind nicht oder nur wenig zum Tragen gekommen

2.2 Heimat als Bildungswert

Jünger ist der emotionale Zugang zur Heimat, der im Rahmen der Heimatbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Anhänger dieser antimodernen Bewegung haben die Heimat in ihrer Natürlichkeit, ohne große Städte oder modernen Transportverkehr, favorisiert und eine „harmonische Persönlichkeitsentwicklung“[5] der Kinder allem anderen voran gestellt.

Die Heimatkunde als Bildungswert ist besonders von Eduard Spranger forciert worden. Diese war fächerübergreifend und hatte einen erzieherischen Wert.[6] Sie war somit kein reines Sachfach mehr, sondern hatte sich zu einem Gesinnungsfach gewandelt, das den Schülern ein „geistiges Wurzelgefühl“[7] geben sollte. Sprangers Intention, die Kinder des notleidenden Volkes zu trösten und zu versöhnen, ist schließlich daran gescheitert, dass seine „volkstümliche Bildung“[8] das niedere Volk noch mehr von der höheren Gesellschaft abgetrennt hat und damit den Weg für die Ideologie des NS – Regimes geebnet hat.

Die Heimat hat sich auf diesem Weg in die Innenwelt des Menschen selbst verlagert und ist zu einem hochemotionalen, seelischen Erlebnis geworden, das fast religiös anmutet.

3. Der Heimatkundeunterricht

Die These von Margarete Götz, dass die Heimatkunde „seit der Einführung der Grundschule zu Beginn der Weimarer Republik [...] über Jahrzehnte hinweg [mit nur kurzer Unterbrechung in der Zeit der Wissenschaftsorientierung (1960er und 1970er)] ein unangefochtenes Kernfach der ersten Schulstufe“ gebildet hat, möchte ich im Folgenden darstellen.

[...]


[1] Fiege 1976, 12.

[2] Götz 2001, 525.

[3] Vgl. Bunk 1980, 64.

[4] Ebd.

[5] Götz 2001, 525.

[6] Vgl. Haarmann 1994, 7.

[7] Götz 2001, 525.

[8] Haarmann 1994, 9.

Details

Seiten
11
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638228473
ISBN (Buch)
9783638758789
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18513
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik
Note
1
Schlagworte
Konzeption Heimatkunde Seminar Erschließung Wirklichkeit Konzeptionen Beispiele Sachuntericht

Autor

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    Cornelia Holzheid (Autor)

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