Lade Inhalt...

Die Weser-Übung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 33 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Gründe der Operation «Weserübung-Nord»
2. Planung und Vorbereitung der Operation «Weserübung – Nord»
3. Durchführung der Operation «Weserübung – Nord»
4. Die Okkupation Norwegens
5. Der Widerstand und das Ende der deutschen Okkupation in Norwegen

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Bevor ich das Thema meiner Hausarbeit im Einzelnen vorstelle, möchte ich sie mit einem Zitat Adolf Hitlers vom 1. März 1940 einleiten: „Grundsätzlich ist anzustreben, der Unternehmung den Charakter einer friedlichen Besetzung zu geben, die den bewaffneten Schutz der Neutralität der nordischen Staaten zum Ziel hat.“[1]

Bei dem „Unternehmen“ handelte es sich um die Aktion «Weserübung», deren Aufgabe in der Besetzung der beiden Staaten Dänemark und Norwegen bestand. Ohne Kriegserklärung marschierte Hitlers Armee am 9. April 1940 in den neutralen Ländern Dänemark und Norwegen ein. Die zitierte Hitler-Weisung sah vor, „der Unternehmung den Charakter einer friedlichen Besetzung zu geben (...)“. Überraschung war das oberste Gebot. Widerstand sollte im Keim erstickt werden. Die Dänen und Norweger sollten am Morgen des 9. April 1940 unerwartet vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die Weserübung-Planung sah vor, „(...) dass die in Kopenhagen und Oslo planmäßig an Land gehenden Truppen jeweils vom Hafen aus direkt zum Königlichen Schloss marschieren, um die beiden Monarchen – König Christian X. von Dänemark und König Haakon VII. von Norwegen - mit Musik zu wecken.“[2]

Im folgenden soll es um «Weserübung-Nord», um die Besetzung Norwegens gehen. Hierzu soll aufgezeigt werden, wie sich die einzelnen Phasen der Weserübung, beginnend von den Gründen, der Planung, über die Vorbereitung bis hin zur Durchführung gestalteten. Im weiteren soll die Okkupation Norwegens dokumentiert werden, um der Frage nach der «friedlichen Besetzung» nachgehen zu können. In dem Kapitel stehen die beiden Personen Vidkun Quisling und Josef Terboven im Mittelpunkt, deren Namen als Synonyme für die Besetzung Norwegens während des Zweiten Weltkrieges stehen. Dabei werde ich insbesondere auf die politischen und militärischen Mittel der Unterdrückung zur Aufrechterhaltung der Besetzung eingehen.

Anschließend möchte ich den Widerstand der norwegischen Bevölkerung schildern. Da eine detaillierte Betrachtung des Widerstandes den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würde, werde ich versuchen eine kurze chronologische Abfolge der Widerstandereignisse wiederzugeben, und auf einige bedeutende Beispiele ausführlicher eingehen. Ich habe mich entschlossen den «norwegischen Widerstand» in einem eigenen Kapitel zu erarbeiten, um den Widerstand, den die Norweger seit den ersten Stunden der deutschen Besetzung leisteten, in seiner ganzen Bedeutung aufzeigen zu können.

Um die Besetzung Norwegens in einem Zusammenhang erscheinen zu lassen, werde ich nachfolgend die Weltpolitik seit dem Beginn des Zweites Weltkrieges 1939 bis zur Besetzung 1940 kurz schildern.

Auf Befehl Adolf Hitlers überfiel am 1. September 1939 die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Daraufhin erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland am 3. September 1939 den Krieg. Australien, Indien und Neuseeland schlossen sich der britischen Kriegserklärung am 6. September, die kanadische und südafrikanische Regierung am 19. September an. Nach dem schnellen Sieg über Polen, hatte Hitler gehofft, dass die beiden Westmächte einen Frieden mit Deutschland schließen würden, was sie jedoch ablehnten. Ihre Strategie lief darauf hinaus, eine direkte Konfrontation mit Deutschland zu vermeiden und durch großräumige Operationen auf dem Balkan und Nordeuropa Deutschland von seinen Rohstofflieferungen abzuschneiden. Hitler war sich darüber im Klaren, dass die Westmächte langfristig aus wirtschaftlichen Gründen überlegen waren, zudem bedrohte die stetige Annäherung zwischen den neutralen Benelux-Staaten und den Westmächten Hitlers kontinentale Hegemonie. Der Sinn des deutschen „Blitzkriegkonzeptes“ bestand darin, die militärischen Kräfte auf einen Punkt zu konzentrieren und einen langen Stellungskrieg wie im Ersten Weltkrieg zu vermeiden.

Anfang des Jahres 1940 war Hitler mit seinem zweiten Blitzkrieg, mit dem Frankreichfeldzug, beschäftigt. Warum Hitlerdeutschland, trotz der Frankreich-Planung zuerst Norwegen besetzte, soll der nun folgende Hauptteil klären.

II. Hauptteil

1. Gründe der Operation «Weserübung-Nord»

Am 9. April 1940 begann das Unternehmen «Weserübung», an deren Ende die Besetzung Norwegens und Dänemarks durch die deutsche Wehrmacht stand. Adolf Hitler hatte den Angriff auf die beiden neutralen Staaten befohlen, obwohl er zu dieser Zeit ganz vom Gedanken einer Westoffensive gegen Frankreich eingenommen war. Die Operation Weserübung sollen mit Hitlers Worten: an „dem heutigen Tage [werde] das großgermanische Reich entstehen"[3], eingeleitet.[4] Doch die Ambitionen des Dritten Reiches, speziell Hitlers, lagen nicht vorrangig in der Einigung der „germanisch-stämmigen Völker“. Norwegen sollte insbesondere angesichts seiner strategischen Bedeutung besetzt werden, die ihm auch im Hinblick auf die ökonomischen Ressourcen Nordeuropas zukam. Die bedeutendsten Rohstoffe für die Rüstungsindustrie waren das Nickelerz des Petsamogebietes und das Eisenerz, wovon Deutschland bereits 1938 rund 22 Millionen Tonnen importiert hatte. Die Einfuhren aus Übersee verringerten sich während des Krieges durch die alliierte Blockade immerhin um annähernd zehn Millionen Tonnen, doch bezog Deutschland aus den nordschwedischen Gruben von Kiruna und Gällivare weiterhin rund elf Millionen Tonnen. Dies war möglich, da Norwegen und Schweden neutrale Staaten waren, und somit an dem Gewinn aus den Erzlieferungen interessiert waren. Im Sommer gingen die schwedischen Erzlieferungen aus den Häfen im Norden Schwedens, hauptsächlich aus Luleå, ab. Der Transport nach Deutschland erfolgte durch den Bottnischen Meerbusen und die Ostsee. Während der Wintermonate war der Bottnische Meerbusen vereist und das Erz wurde per Eisenbahn zu dem eisfreien norwegischen Hafen Narvik transportiert, von wo aus es nach Deutschland verschickt wurde. Von Narvik konnte man deutsche Häfen ansteuern, ohne die norwegischen Hoheitsgewässer zu verlassen und sich somit dem Zugriff der alliierten Flotte entziehen. Für Deutschland schien es unentbehrlich, sich diese Erzlieferungen aus Schweden auch weiterhin zu sichern. Es durfte den Alliierten daher nicht gelingen, Deutschland von der wichtigen Versorgung mit Erz abzuschneiden. Viele Jahre hielt sich die These, dass die Deutschen allein aus diesem Grund einer eventuellen Besetzung Norwegens durch alliierte Truppen und damit einer als tödlich aufgefasste Bedrohung zuvorkommen mussten.[5]

Die Westalliierten äußerten über den Erztransport und die Durchfahrt durch norwegische Gewässer scharfe Kritik an der norwegischen und schwedischen Neutralitätspolitik. Insbesondere Churchill ärgerte sich über die Untätigkeit des Krieges, und schlug daher schon am 29. September 1939 der britischen Regierung vor, die Verschiffung von Eisenerz über Narvik zu stoppen; diese Forderung wurde von dem Kabinett abgelehnt. Durch diese Aktion wurde der deutsche Nachrichtendienst auf das Interesse Englands an Norwegens aufmerksam, und leitete es an Hitler weiter. Als Russland seine Forderungen nach Militärunterstützpunkten in Finnland durch den Einmarsch durchzusetzen suchte (Dezember 1939 bis März 1940), wurden auf Alliierter Seite Pläne entwickelt, um Finnland zu helfen. Die Pläne sahen vor, Norwegen und Schweden zu veranlassen, den Durchmarsch alliierter Truppen auf dem Schienenweg von Narvik und Trondheim nach Finnland zu gestatten. Dieser Weg würde sie durch das Erzgebiet führen, wobei starke Truppenlinien die Bahnlinie sichern sollten. Im Fall, dass die Deutschen diesen Schritt durch einen Angriff auf Norwegen und Schweden begegneten, würden sie eine günstige Verteidigungsposition innehaben. Dieser Plan scheiterte in der Aufgabe des finnischen Widerstandes.

In Verbindung mit dem ausgebrochenen sowjetisch-finnischen Winterkrieg, führte Großadmiral Raeder Gespräche mit Hitler und machte den Führer auf die Gefahren einer britischen Besetzung Norwegens aufmerksam.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die deutsche Kritik erreichte ihren Höhepunkt, als am 16. Februar 1940 der britische Zerstörer «Cossack» im norwegischen Jøssing-Fjord das deutsche Versorgungsschiff «Altmark» angriff und 299 britische Gefangene befreite. Der Zwischenfall löst sowohl auf deutscher als auch auf norwegischer Seite scharfe Proteste aufgrund der Verletzung der norwegischen Neutralität aus. Am 8. April 1940 teilten die Alliierten mit, dass sie in norwegischen Gewässern Minen gelegt hätten.[6] Ferner sollten Stützpunkte entlang der norwegischen Küste besetzt werden. Hitler stellte diese Tatsache als ,,Schicksalskampf des deutschen Volkes“[7] dar, und versuchte dadurch die «Operation Weserübung», die er am 19. Februar 1940 genehmigte, die Besetzung zweier neutraler Staaten, zu legitimieren.[8] Den endgültigen Termin für die Aktion setzte Hitler erst am Tag vor Beginn der Operation fest. Die Durchführung der «Weserübung» ging auf die Initiative des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder[9], (siehe Foto)[10] zurück. Er konnte sich noch an die zwangsweise passive Rolle der deutschen Marine im Ersten Weltkrieg erinnern, da die Zufahrt zum freien Meer durch Minenfelder versperrt war. Dadurch war der Aktionsradius der Marine auf die Deutsche Bucht beschränkt worden und führte auch durch die fehlenden Stützpunkte zu einer weitgehenden Untätigkeit der Kaiserlichen Marine. Der Seekrieg des Ersten Weltkrieges wurde daraufhin hauptsächlich zum U-Bootkrieg. Diese Erkenntnis brachte Raeder dazu, auf eine Besetzung Norwegens zu drängen, um einen größeren Aktionsradius für die Kriegsmarine zu erlangen.[11] Schon seit dem Anfang des Zweiten Weltkrieges 1939 forderte er eindringlich die Besetzung Norwegens, um Marinestützpunkte für die Seekriegführung gegen Großbritannien im Atlantik zu besitzen. Die «Weserübung» sollte nach seiner Auffassung bis spätestens 15. April durchgeführt werden, da „(...) nachher (...) die Nächte [für dieses Vorhaben] zu kurz“ [12] wurden.

Als Hitler-Deutschland am 9. April 1940 mit überlegenen Streitkräften Norwegen angriff, kam dieser Angriff höchst überraschend für die Norweger. Sowohl die politischen Behörden als auch die Allgemeinheit der Bevölkerung waren der Überzeugung gewesen, das Land könne sich, ähnlich wie im Ersten Welt-krieg, aus dem Zweiten Weltkrieg heraushalten. Die norwegische Regierung glaubte, dass das Land eine strategische Peripherie sei, beschützt von der britischen Seemacht, und dass die norwegische Neutralität in diesem Großkrieg den Interessen der Kriegführenden entgegenkomme. Aus diesem Grund hatte die norwegische Regierung eine Neutralitätserklärung abgegeben, als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach, und in politischen Kreisen war man sich in diesem Punkt weitgehend einig. Die militärischen Kräfte wurden im Hinblick auf den Grenzschutz zugeschnitten und darauf, Neutralitätsverletzungen zu verhindern. Im ersten Kriegswinter verhandelte Norwegen dennoch mit Deutschland bzw. Großbritannien über Handelsabkommen. Das Ergebnis der im Februar 1940 abgeschlossenen Verhandlung war, dass Großbritannien einen Teil der norwegischen Handelsflotte befrachten und Norwegen dagegen seinen Handel mit Deutschland auf normalem Vorkriegsniveau fortsetzen würde. Sollte es jedoch nicht gelingen, Norwegen aus dem Krieg herauszuhalten, ging die Regierung Nygaardsvold davon aus, dass man keinesfalls auf deutscher Seite landen dürfe.

2. Planung und Vorbereitung der Operation «Weserübung – Nord»

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die «Weserübung-Nord» [14] sollte ausschließlich eine Operation des OKW[15] sein. General Nikolaus von Falkenhorst[16] (siehe Foto)[17] wurde die Verantwortung für die Planung übertragen und am 20. Februar 1940 zum Oberbefehlshaber durch Hitler ernannt. OKH[18] und Luftwaffe erhoben Einwände gegen die „(...) strategische Nebenshow, die Ressourcen vom kommenden Angriff im Westen abziehen würde.“[19] Doch Hitler bestand auf der Umsetzung des Plans. Er wünschte dennoch, dass der Einsatz von Streitkräften so gering wie möglich zu halten sei. So bekam Falkenhorst für das Unternehmen lediglich fünf Divisionen zugesprochen. Das Hauptproblem für die deutschen Planer bildete das gebirgige Terrain des Landes und die dürftigen Verbindungswege, die den deutschen Vorstoß verlangsamen und somit einen britischen Einfall gewährleisten konnten. Daher waren Schnelligkeit und Überraschung für das deutsche Heer von großer Bedeutung. Um einen schnellen Sieg zu erreichen, mussten das deutsche Heer, die Marine und die Luftwaffe in ganz Norwegen eng zusammenarbeiten.

Die erste Phase des deutschen Plans basierte auf der schnellen Einnahme der Hauptstadt und anderer größerer Städte im Süden, während andere Kräfte die Städte Trondheim und Narvik im Norden einnehmen sollten. Die zweite Phase war ein Vorstoß aus Zentralnorwegen, um sich mit den isolierten Truppen im Norden zu verbinden, damit eventuelle Landungen der Alliierten zurückgeschlagen werden konnten. Der Operation wurden eine Gebirgs- und fünf Infanteriedivisionen zugeteilt, unterstützt von einem Luftwaffenanteil und nahezu der gesamten deutschen Marine. Am 2. April 1940 setzte Hitler den Beginn der Operation «Weserübung» auf den 9. April 1940 um 5.15 Uhr fest. Am 3. April liefen daher die Vorbereitungen für die Landung an. Handelsschiffe, beladen mit Kriegsmaterial für die Landung in Norwegen, wurden in Marsch gesetzt. Am 6. April begann in den Häfen von Wilhelmshaven, Wesermünde, Kiel, Cuxhaven, Travemünde und Swinemünde die Verladung der für die Landung in Norwegen bestimmten Truppen. Bereits am 4. März 1940 waren die deutschen U-Boote zusammengezogen worden. Bis zum unmittelbaren Beginn der deutschen Aktion gegen Norwegen sollten sie den Seeweg nach Norwegen kontrollieren und eine englische Landung in Norwegen verhindern. Die Bildung von Landungsköpfen durch Marine-Landungstruppen war vorgesehen in Narvik (Gruppe I), Trondheim (Gruppe II), Bergen (Gruppe III), Kristiansand (Gruppe IV) und Oslo (Gruppe V). Stavanger sollte durch Fallschirmjäger-Landungen eingenommen werden. Durch die Einbeziehung der deutschen Luftwaffe war die völlige Lufthoheit bei der Unternehmung garantiert. Um die Rückführung der für die Operation eingesetzten Schiffe in ihre Heimathäfen sicherzustellen, musste gewährleistet werden, dass an vorher bestimmten Orten in Norwegen ausreichend Treibstoff zum Auftanken zur Verfügung stand; eine besondere Rolle spielte hierbei Narvik. Für die Besetzung Narviks war der Einsatz von zehn Zerstörern und zwei Schlachtschiffen nötig, um die ca. 2.000 Mann starke Landungstruppe zu befördern. Außerdem handelte es sich bei Narvik um den am weitesten vom nächsten deutschen Flottenstützpunkt entferntesten Landungspunkt (2.000 km). Um die Versorgung mit Treibstoff zu sichern, setzte die Wehrmacht Großtanker ein, die bereits einen Tag vor dem eigentlichen Angriff in die betreffenden Häfen in Norwegen einlaufen sollten. Hierzu gehörte auch der Großtanker «Jan Wellem», der für die Versorgung der in Narvik landenden Truppen vorgesehen war. Am Abend des 6. April 1940 verließ die «Jan Wellem», mit großen Mengen an Versorgungsgütern und Kriegsmaterial beladen, den Hafen von Polarnoje in Richtung Narvik. Wegen der unterschiedlichen Anfahrtswege zu den jeweiligen Einsatzorten entlang der ausgedehnten norwegischen Küste, mussten die deutschen Verbände zeitlich gestaffelt auslaufen, damit der Angriff gleichlaufend erfolgen konnte. Kurz nach Mitternacht am 7. April verließen demzufolge die ersten Schiffe den deutschen Hafen Wesermünde in Richtung Narvik und Trondheim. Schrittweise fuhren auch die übrigen Schiffe in Richtung Norwegen ab.

Am 5. April 1940 als die Deutschen noch in den unmittelbaren Vorbereitungen zur Invasion steckten, sollte die alliierte Aktion «Wilfred» in Norwegen bereits angelaufen sein. Doch Unstimmigkeiten mit der französischen Regierung betreffs der Operation «Royal Marine», welche die Störung der Donauschifffahrt durch Sabotageaktionen vorsah, veranlassten Chamberlain den Beginn der Aktion um drei Tage auf den 8. April 1940 zu verschieben. Dieser Umstand erwies sich später als der ausschlaggebende Punkt, der es den Deutschen ermöglichen sollte, Norwegen vor den Alliierten zu besetzen. Erst als am 7. April 1940 gegen Mittag ein alliiertes Aufklärungsflugzeug das für die Landung in Narvik und Trondheim bestimmte Flottengeschwader im Skagerrak mit Kurs nach Norden aufklärte, entschlossen sich die Alliierten zum Handeln, und schickten dem deutschen Flottenverband die in Scapa Flow stationierten Schiffe der «Home Fleet» entgegen. Auch die Schiffe, die bereits für den Transport der alliierten Landungstruppen in Norwegen vorgesehen waren, erhielten den Befehl, die bereits an Bord genommenen Soldaten unverzüglich wieder auszuladen und sich den Schiffen der «Home Fleet» anzuschließen. Insgesamt handelte es sich um drei Schlachtschiffe, vier Kreuzer sowie 14 Zerstörer, welche die Deutschen aufzuhalten versuchten. Doch es war längst zu spät. In der Nacht vom 7. auf den 8. April 1940 gelang es den mit den Kampfgruppen Narvik und Trondheim beladenen deutschen Schiffen, das von alliierten Schiffen stark gesicherte Seegebiet zwischen den Shetland-Inseln und der norwegischen Küste zu durchqueren. Die britische «Home Fleet» bemühte sich währenddessen vergeblich um die Aufklärung der deutschen Flottengeschwader, zumal die Sicht durch anhaltend schlechtes Wetter bei Windstärken um neun stark eingeschränkt war. Hinzu kam, dass die Alliierten, zwar etliche Sichtkontakte mit deutschen Schiffen, die nordwärts fuhren, hatten, aber über deren Absichten im Unklaren waren. Sie hielten dies eher für einen Ausbruchsversuch in den Nordatlantik. In den Morgenstunden des 8. April 1940 begann dann die ursprünglich bereits für den 5. April 1940 geplante Verminung der Gewässer vor der norwegischen Küste durch vier britische Zerstörer unter Sicherung von zwei Kreuzern (u.a. dem Schlachtkreuzer «Renown») und weiteren acht Zerstörern, und damit der zweiten Neutralitätsverletzung Norwegens von Seiten der Briten. Die Verminung des norwegischen Hoheitsgewässers geschah am Ausgang des Westfjordes vor Bodo. Die deutschen Flottenverbände erreichten unterdessen in der Nacht vom 8. auf den 9. April 1940 ihre Bestimmungsorte entlang der norwegischen Küste, ohne auf die «Home Fleet» gestoßen zu sein. Lediglich zwischen der «Glowworm», einem britischen Geleitzerstörer der «Renown», und dem deutschen schwerem Kreuzer «Admiral Hipper»[20] kam es ca. 150 km westlich der Küste von Trondheim zur Gefechtsberührung. Die «Glowworm» hatte sich aus ihrem Schiffsverband gelöst, um nach einem über Bord gegangenen Matrosen zu suchen. Nach der Sichtung deutscher Zerstörer nahm die «Glowworm» die Verfolgung auf und wechselte mit dem Zerstörer Feuer. Inzwischen eröffnete die «Admiral Hipper», die dem deutschen Zerstörer zu Hilfe kam, das Feuer auf die «Glowworm» und gabelte sie mit ihrer Eröffnungssalve ein. Die «Glowworm» legte sofort einen Rauchschleier und schien zum Rückzug bereit. Doch ihr Kapitän, Leutnant Gerard Roope, begriff, dass es schwierig sein würde, dem deutschen Schlachtkreuzer zu entkommen, und beschloss, die «Admiral Hipper», die der «Glowworm» nicht gefolgt war, zu rammen. Bei schwerer See und dichtem Rauch erwischte die «Glowworm» die «Admiral Hipper», an der Steuerbordseite. Die «Admiral Hipper», wurde schwer beschädigt, doch als die «Glowworm» das deutsche Schiff passierte, fing sie Feuer und sank. Zuvor hatte die «Glowworm» einen Funkspruch abgesetzt, der das alliierte Oberkommando überzeugte, dass Adolf Hitler mit seinen Truppen in Norwegen zu landen versuchte und die deutschen Schiffe nicht wie vermutet in den Nordatlantik vordringen wollten. Bestätigt wurde diese Information durch Überlebende eines Truppentransportes, welche von einem polnischen U-Boot torpediert und versenkt wurden. Die Überlebenden erklärten den norwegischen Rettern, dass sie „(...) Teil einer Invasionsgruppe zur `Rettung´ Norwegens vor den Briten seien.“[21] Die norwegischen Behörden teilten dies den Briten mit. Doch für ein schnelles Handeln war es zu spät; die «Weserübung-Nord» war bereits angelaufen.

[...]


[1] Dok. 1, in: Petrick, Fritz (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschis- mus in Dänemark und Norwegen. Berlin/Heidelberg 1992. Bd. 7. S. 75.

[2] Petrick, Fritz: Friedliche Besetzung. 9. April 1940: Die Wehrmacht überfällt Dänemark und Norwegen, in: Junge Welt, 8.04.2000. S. 4.

[3] Petrick 1992. S. 18.

[4] Die Einsetzung eines Reichskommissars verwies eindeutig auf diese Hinsicht. Der Reichskommissar war als Übergangsform zu einer dauernden Herrschaft gedacht. Ihre Aufgabe bestand darin die „neue Ordnung“ einzu- führen und die Bevölkerung für sich zu gewinnen.

[5] Hubatsch, Walter: Weserübung. Die deutsche Besetzung von Dänemark und Norwegen 1940. Göttingen 1960. S. 225f.

[6] Winston Churchill versuchte die englische Regierung von der Notwendigkeit zur Anlegung von Minenfeldern in den norwegischen Hoheitsgewässern zu überzeugen, um damit die deutschen Schiffe zum Ausweichen auf internationale Gewässer zu zwingen, wo diese von der alliierten Flotte hätten angegriffen werden können.

[7] Siehe Ottmer 1994. S. 60.

[8] Völkerrechtlich gesehen ein sehr heikles Unternehmen.

[9] Erich Raeder (24.04.1876 bis 06.11.1960)

[10] http://www.weltchronik.de/dch/dch_3336.htm (bearbeitet)

[11] Siehe Ottmer 1994. S. 5 – 7.

[12] Petrick 2000. S. 4.

[13] http://dhme.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/norwegen/index.html

[14] «Weserübung Nord» ist der Deckname für die Besetzung Norwegens.

[15] OKW = Oberkommando der Kriegsmarine

[16] Unter der Führung General Nikolaus von Falkenhorst (1885-1968) lief am 09.04.1940 bis zum 10.06.1940 der deutsche Norwegenfeldzug. Vom 01.01.1942 bis zum 18.12.1944 war er Wehrmachtsbefehlshaber Norwegens, wurde aber wegen Differenzen mit dem Reichskommissar Josef Terboven abgelöst.

[17] http://dtbund.tripod.com/Personen_Heer.htm (bearbeitet)

[18] OKH = Oberkommando des Heeres

[19] Gilbert, Adrian: Blitzkriege 1939-1943. Von der Invasion in Polen bis El Alamein. Wien 2001. S. 69.

[20] Die «Admiral Hipper» sowie vier Zerstörer waren Teil der Landungsgruppe II, vorgesehen für die Landung in Trondheim. An Bord der Schiffe befanden sich 1.700 Infanteristen. (Siehe S. 8.)

[21] Gilbert 2001. S. 72.

Details

Seiten
33
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638228459
Dateigröße
781 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18511
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Weser-Übung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Weser-Übung