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§218 a StGB „Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruches“ – im Blickwinkel der Weltreligionen

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition Schwangerschaft

3. Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland

4. Die 5 Weltreligionen
4.1. Christentum
4.1.1. Katholizismus
4.1.2. Protestantismus
4.2. Judentum
4.3. Islam
4.4. Buddhismus
4.5. Hinduismus

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“ Wir haben abgetrieben ”. Diese Aussage ziert 1971 das Titelbild des Magazins der „ Stern “ , hinterlegt mit Porträts von Frauen wie Romy Schneider, Senta Berger bis hin zu Alice Schwarzer.1 Ein schockierendes Geständnis im Hinblick auf die Gesetzeslage. So war der Schwangerschaftsabbruch ohne jegliche Fristbegrenzung untersagt und konnte mit bis zu 5 Jahren Zuchthaus bestraft werden. Doch die genannten prominenten Frauen sind nicht alleine. Der neuen Frauenbewegung schließen sich Frauen aus Deutschland und auch aus Frankreich an. Mit Slogans wie "Mein Bauch gehört mir" oder "Ob wir Kinder wollen oder keine / bestimmen wir alleine" gingen viele tausende Anhängerinnen auf die Straße. Ihr Kampf wurde belohnt. Nachdem eine Neuregelung der Bundesregierung 1974 vom Bundesverfassungsgericht als gesetzeswidrig erachtet wurde, einigte man sich 1976 und reformierte § 218 der StGB.2 Er wurde um einen Fristenregelung erweitert.

Eine zweite Reform folgte 1992 um einen gemeinsamen Konsens nach der Wiedervereinigung zu finden. Eine weitere Änderung erfolgte 1995. Am 01.01.2010 trat zusätzlich das, neu von der Bunderegierung erlassene, Schwangerschaftskonfliktgesetz in Kraft. Das Ziel sei „ eine verbesserte medizinische und psychosoziale Beratung und Unterst ü tzung Schwangerer im Vorfeld einer m ö glichen medizinischen Indikation “ . 3

Damit reagierte man auf den geforderten Informations- und Aufklärungsbedarf Schwangerer.

Trotz alledem ist und bleib das Thema Schwangerschaftsabbruch kontrovers. Selten wurde eine Thematik in Deutschland derart diskutiert. Dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen stehen gesellschaftliche Ansprüche und ethisch- religiöse Auffassungen sowie das Lebensrecht des Embryos gegenüber. Die Frage „ Wann f ä ngt Leben an? “ ist aus medizinischer sowie juristischer Sicht klar definiert.

Doch häufig deckt sich diese medizinische Definition sowie die Gesetzeslage in der Bundesrepublik Deutschland nicht mit den ethisch-religiösen Ansichten vieler Menschen. Dabei spielt deren Religion eine entscheidende Rolle. Folglich stellt sich die Frage:

Welchen Standpunkt vertreten die f ü nf Weltreligionen zum Thema Schwangerschaftsabbruch?

2. Schwangerschaft

Der Begriff Schwangerschaft (medizinisch Gravidität oder Gestation) bezeichnet die Entwicklung des menschlichen Lebens im Mutterleib, demnach den Zeitraum von der befruchteten Einzelle im Körper einer Frau ( behördlich : „ der werdenden Mutter “ ) bis zum Heranreifen zu einem Kind.4 Die eigentliche Befruchtung stellt das Verschmelzen der männlichen Samenzelle mit der weiblichen Eizelle dar. Im Anschluss erfolgt die Einnistung (Nidation) in der vorbereiteten Gebärmutterschleimhaut. Die Gesamtdauer einer Schwangerschaft beträgt ca. 280 Tage oder 9 Kalendermonate.5 Unterteilt wird diese Zeitspanne in verschiede Abschnitte. Bis zur 9. Schwangerschaftswoche spricht von einem Embryo beziehungsweise von der durch die Nidation eingeleiteten Embryonalphase. Ab der 5. Woche ist bereits ein Herzschlag wahrnehmbar. Mit Beginn der Ausbildung der Organe wird das ungeborene Kind als Fötus bezeichnet. Es folgt die Ausbildung der Großhirnrinde ab der ca. 20. Schwangerschaftswoche. Diese verschiedenen Stadien der Entwicklung eines Embryos über den Fötus bis hin zu einem neugeborenen Kind sind die Basis für eine Vielzahl ethisch- moralischer Diskussionen über den „ wahren “ Beginn des menschlichen Lebens im weiblichen Unterleib sowie über den Zeitpunkt eines Schwangerschaftsabbruches.

3. Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland

Gemäß dem§ 218 Strafgesetzbuch (StGB) „ Schwangerschaftsabbruch “ erfüllt ein Schwangerschaftsabbruch einen Tatbestand der mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe geahndet wird. Des Weiteren wird im Absatz 1die Nidation der Eizelle in der weiblichen Gebärmutter als Beginn des menschlichen Lebens definiert.

Durch den nachfolgenden § 218 a „ Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruches “ erfolgt eine weitere Eingrenzung. Dieser besagt in Absatz 1 , dass der oben angeführte Straftatbestand nicht erfüllt ist, wenn vor dem eigentlichen Schwangerschaftsabbruch ein Beratungsgespräch durch einen Arzt stattgefunden hat ( siehe § 219 StGB ) , dieser medizinische Eingriff durch einen Arzt vorgenommen wird beziehungsweise die Empfängnis nicht länger als 12 Wochen zurück liegt. Diese zeitliche Begrenzung von 12 Wochen kann aufgehoben werden, sollte ein Arzt gemäß Absatz 2 feststellen, dass eine Schwangerschaft, unter der Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren, eine Beeinträchtigung des physischen oder psychischen Gesundheitszustandes der Schwangeren darstellt. Gemäß Absatz 3 ist der Schwangerschaftsabbruch auch legalisiert, wenn eine durch einen Arzt durchgeführte medizinische Untersuchung, in Folge einer rechtwidrigen Tat nach den §§176- 179 des StGB, welche an der Schwangeren begangen wurde, notwendig ist.

Zu guter Letzt besagt der Absatz 4, dass auch bei einem Eingriff nach mehr als 12 Wochen von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen werden kann, wenn sich die Angeklagte zu dem Zeitpunkt des Eingriffes unter massivem Bedrängnis befunden hat.6

Deutlich wird, dass in der Bunderepublik Deutschland die Mutter bis zur 12. Schwangerschaftswoche sich gegen das Kind entscheiden kann, ohne eine Straftat zu begehen. Lediglich ein im Vorfeld geführtes Beratungsgespräch ist erforderlich. Die werdende Mutter muss keinerlei Begründungen für den Schwangerschaftsabbruch angeben.

Als Grundsatz ist anzuführen, dass das Leben der Mutter über dem werdenden Leben steht. Auffallend ist außerdem, dass laut Gesetz kein Mitspracherecht des möglichen Vaters vorgesehen ist. Des Weiteren definiert der Gesetzestext den Beginn des menschlichen Lebens aus medizinischer Sicht. Diese sehr liberale Regelung in der Bundesrepublik lässt Freiraum für vielerlei sozialethische Debatten.

4. Die 5 Weltreligionen

Zu den 5 Weltreligionen zählen das Christentum, das Judentum, der Islam, der Buddhismus und der Hinduismus. Im folgenden Abschnitt sollen die verschiedenen religiösen Ansichten auf Hinblick der Thematik des Schwangerschaftsabbruches untersucht werden. Auf Grund der Tatsache, dass die abendländische Kultur geschichtlich als auch gesellschaftlich im westlichen Europa, somit auch in Deutschland, am stärksten verankert ist, werden sich die ersten beiden Unterpunkte mit dem Christentum und dem Judentum befassen. Sie stellen „ Die Leitkultur in Deutschland “dar.7 Sie stehen somit am meisten im Diskurs mit §218a StGB.

4.1. Christentum

Um eine genauere Analyse durchführen zu können wird im Folgenden das Christentum in seine zwei großen Konfessionen, dar Katholizismus und der Protestantismus, unterteilt. Die Bibel ist die Heilige Schrift, welche die Grundsäulen des christlichen Glaubens enthält. Jedoch lassen sich in ihr keine expliziten Aussagen bezüglich einer Abtreibung finden. Häufig wird sich in ethischen Diskussionen auf 5. Gebot des Alten Testaments bezogen „ Du sollst nicht t ö ten. “.8 Allerdings lassen sich ebenso Stellen in der Bibel finden, in denen Gott den Menschen befiehlt zu töten „ Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll get ö tet werden. “ (4. Mos. 3:10), „ wer als Ungl ä ubiger das Priesteramt aus ü bt, soll get ö tet werden “ (4. Mos. 3:10)Somit ist das zitierte 5. Gebot des Alten Testaments nicht ausreichend um eine Ablehnung des Schwangerschaftsabbruches zu begründen. Die Bibel gibt ledig Auskunft darüber, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um von einem menschlichen Dasein sprechen zu können: „ da bildete Gott Herr den Menschen aus der Erde vom Ackerboden und hauchte ihm Lebensodem in die Nase; so ward der Mensch eine lebendes Odem “ (Gen. 2:7). „ Da kam der Odem in sie und sie wurden lebendig “ (Ez. 37:10).

„ Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch hilft nichts “ (Joh. 6:63).

[...]


1 D ä ubler- Gmelin, H./ Faerber- Husemann, R., §218 Der tägliche Kampf um die Reform, Verlag Neue Gesellschaft, Bonn, 1987, S. 84

2 J ü tte, Robert, „Geschichte der Abtreibung“ Von der Antike bis zur Gegenwart, Beck´sche Reihe, Verlag C.H. Beck, München, S.201- 205

3 Schwangerschaftsberatung §218, PDF- Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vorwort (http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf- Anlagen/Schwangerschaftsberatung-_C2_A7-218,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf) 15.07.2011, 01:03 Uhr

4 Vgl. www.aerzte-fuer das-leben.de/intannwald-153.pdf

5 Vgl. www.medizin-lexikon.de/befruchtung

6 Vgl. Schnell, K.H. / Ebert, H.-P., Strafgesetzbuch, 2009, S.603-605

7 CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. (tagesschau.de - 5. Oktober 2010) http://schmok.blogsport.eu/2010/10/05/christlich-judisch-abendlandische-kultur/ 16.07.2011, 21:09 Uhr

8 Bibel- Die Heilige Schrift des alten und des neuen Testaments, Verlag der Zürchner Bibel, Zürich, 1971

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656098829
ISBN (Buch)
9783656099031
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184995
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Theologie und Ethik
Note
2,3
Schlagworte
stgb straflosigkeit schwangerschaftsabbruches blickwinkel weltreligionen

Autor

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