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Initial Public Offering

Analyse des Börsenganges eines erfolgsorientierten Unternehmens

Bachelorarbeit 2011 74 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

INHALT

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Leitgedanken zum Börsengang
2.1 Motive für den Börsengang
2.1.1 Motive aus Unternehmensperspektive
2.1.1.1 Innovations- und Wachstumsfinanzierung
2.1.1.2 Eigenkapitalzufuhr
2.1.1.3 Mitarbeiterbeteiligung
2.1.1.4 Steigerung des Bekanntheitsgrades
2.1.1.5 Attraktivität für externe Fachkräfte
2.1.1.6 IPO von Tochtergesellschaften (Spin-off)
2.1.2 Motive aus Perspektive der Altgesellschafter
2.1.2.1 Vermögensdiversifikation
2.1.2.2 Regelung der Unternehmensnachfolge
2.2 Alternativen des Börsengangs
2.3 Risiken eines Börsenganges
2.3.1 Publizität
2.3.2 Überfremdung und Mitbestimmung
2.4 Voraussetzungen zum IPO
2.4.1 ErtragskraftundAusschüttungsfahigkeit
2.4.2 Markt- und Wettbewerbsposition
2.4.3 Managementqualität
2.4.4 Unternehmenskonzept/Businessplan
2.4.5 Prüfung der Emissionsfähigkeit mittels Due Diligence
2.5 Kosten des Börsenganges
2.6 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft

3 Emissionskonzept
3.1 Zeitplan und Zeitpunkt der Emission
3.2 Emissionskonsortium
3.3 Wahl des Börsenplatzes und des Börsensegmentes
3.4 Emissionsvolumen
3.5 Emissionspreisbildung
3.5.1 Unternehmensbewertung als Grundlage der Emissionspreisbildung
3.5.2 Festlegung des Emissionspreises
3.5.2.1 Festpreisverfahren
3.5.2.2 Bookbuilding-Verfahren
3.6 Equity Story

4 Kommunikationskonzept
4.1 Persönliche Kommunikationsmittel
4.2 Unpersönliche Kommunikationsmittel
4.3 Investor Relations
4.4 Innovative Instrumente der Online-Investor Relations

5 Ex-post-Beurteilung und Handlungsempfehlungen
5.1 Aus Sicht der Emittenten
5.2 Aus Sicht der Investoren

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Motive des Börsengangs

Abbildung 2: Bewertung der Mitarbeiterbeteiligung auf Basis des eigenen Kapitalisierungsmodells

Abbildung 3: Mitarbeitersuche: „Wie leicht oder schwer fällt es Ihrem Unternehmen derzeit, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden?“

Abbildung 4: Relevanz der Nachfolgeregelung in Bezug auf das Alter der Unternehmer

Abbildung 5: Gründe gegen einen Börsengang

Abbildung 6: Informationen zum Börsengang

Abbildung 7: Aspekte der Due Diligence-Analyse

Abbildung 8: Due Diligence-Untersuchungsansatz

Abbildung 9: Typische Struktur der Gesamtkosten eines Börsengangs

Abbildung 10: Phasen des IPO-Prozesses

Abbildung 11: Vorgehensweise der Discouted-Cash-Flow-Analyse

Abbildung 12: Phasen des Bookbuilding-Verfahrens

Abbildung 13: Bedeutung einzelner Equity Story-Elemente

Abbildung 14: 3-Phasen-Modell der Kapitalmarktpositionierung

Abbildung 15: Phasen der Kommunikations- und Informationspolitik

Abbildung 16: Instrumente kommunikationspolitischer Maßnahmen

Abbildung 17: Zeitlicher Ablauf eines Kommunikationskonzeptes

Abbildung 18: Zielsystem der Investor Relations

Abbildung 19: Welche Auswirkungen hatte der Börsengang auf Ihr Unternehmen?

Abbildung 20: Bedeutung einzelner Einflussfaktoren für den IPO-Erfolg

Abbildung 21: Bedeutung von Risikofaktoren für den IPO-Erfolg

Abbildung 22: IPO-Volumen Europa

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Betrag und Fälligkeit der Kostenpositionen

1 Einleitung

Unter Initial Public Offering (IPO) oder Going Public wird das erstmalige Angebot beziehungsweise die Erstemission von Aktien eines Unternehmens verstanden. Der Gang an die Börse bietet dem Unternehmen die Chance zur vereinfachten Eigenkapitalbeschaffung, wodurch weiteres Unternehmenswachstum finanziert werden kann. Dieser Vorgang ist jedoch durch die Führungsebene sowie durch das Emissionskonsortium professionell zu planen und individuell an das Unternehmen anzupassen. Vor allem mittelständische Unternehmen leiden unter einer schwachen Eigenkapitalausstattung und haben in diesem Zusammenhang die Möglichkeit einer attraktiven Innovations- und Wachstumsfinanzierung. Nach der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 erhöhen sich auf dem deutschen Aktienmarkt erneut die IPO-Aktivitäten, wodurch die vorliegende Untersuchung an Aktualität gewinnt.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen solchen Börsengang chronologisch zu erläutern und diesen anschließend zu bewerten. Dazu werden die Chancen, Alternativen und Risiken sowie die Herausforderungen des Börsenganges untersucht, um potenziellen Börsenkandidaten Entscheidungshilfen vor und während des Prozesses der Emission zu bieten. Zu diesem Zweck ist die Arbeit in fünf Kapitel gegliedert. Im Anschluss an die Einleitung werden zunächst die Leitgedanken zum Börsengang aufgezeigt. Dabei werden sowohl die Motive als auch die Risiken eines Börsenganges gegenüber gestellt. Die Motive für einen Börsengang werden im Rahmen dieser Ausarbeitung aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet, um den IPO sowohl aus Sicht des Unternehmens als auch der Alteigentümer zu betrachten. Zusätzlich sollen die Alternativen und Kriterien für einen Börsengang dargestellt werden. Ein relevanter Aspekt dieses Teilbereiches ist die Prüfung der Emissionsfähigkeit, da die ermittelten Daten als Grundlage der Equity Story genutzt werden können und somit ein wichtiges Element der Kommunikationspolitik darstellen können. Daraufhin erfolgt die Betrachtung der einmaligen und der laufenden Kosten zum IPO.

Nachdem der Prozess der Umwandlung eines Unternehmens in eine Aktiengesellschaft dargestellt wurde, widmet sich die Arbeit der Konzipierung der eigentlichen Emission. Dabei soll dieser komplexe Vorgang detailliert erläutert werden. In diesem Zusammenhang wird neben dem Zeitplan und dem Zeitpunkt der Emission auch die Auswahl des emissionsbegleitenden Konsortiums sowie des Börsenplatzes getroffen. Anschließend folgt die Planung der Höhe sowie der Struktur des zu platzierenden Emissionsvolumens. Ein zentrales Element des Börsenganges ist die Emissionspreisbildung, basierend auf einer Unternehmensbewertung. Der Erfolg der Emission kann dabei maßgeblich von der Platzierungsart und dem Emissionspreis abhängig sein. Angeknüpft an das Emissionskonzept befasst sich die Arbeit im nächsten Schritt mit der Kommunikation sowohl während der Emission als auch in der Zeit danach. Dabei wird einerseits der zeitliche Einsatz der Kommunikationsmaßnahmen aufgezeigt, andererseits werden auch innovative Kommunikationsinstrumente dargestellt. Im Anschluss werden anhand der Erfahrungen von Erstemittenten und institutionellen Investoren der Börsengang als Finanzierungsinstrument bewertet sowie Handlungsempfehlungen gegeben. Dies bietet die Möglichkeit die Herausforderungen der Börseneinführung besser einschätzen zu können um so die nötigen Maßnahmen frühzeitig auf diese Herausforderungen ausrichten zu können. In der Schlussbetrachtung erfolgt eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Börsenganges als Finanzierungsinstrument sowie das Fazit der Untersuchung.

2 Leitgedanken zum Börsengang

2.1 Motive für den Börsengang

Die Faktoren, die zu einem IPO motivieren und Anlass zu einer Kapitalmarktorientierung bieten, sind vielseitig (siehe Abb. 1), individueller Natur und weitgehend auf die jeweiligen Umstände des Unternehmens und die Interessen der Gesellschafter zurückzuführen1. Der Börsengang ist somit als ein Entscheidungsprozess anzusehen, der nicht allein auf finanzwirtschaftlichen Zielen, wie unter anderem der Stärkung der Eigenkapitalbasis und der Wachstumsfinanzierung, beruht. Faktoren wie zum Beispiel die Nachfolgeregelung spielen aus Sicht der Gesellschafter beziehungsweise Alteigentümer ebenfalls eine relevante Rolle.

Die Motive für einen Börsengang wurden im Jahr 2007 vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) im Rahmen einer Umfrage unter 337 Unternehmen ermittelt. Folgendes Ergebnis kam dabei zustande:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Motive des Börsengangs2

Dieser Studie zufolge, bietet der Börsengang den Erstemittenten primär die Möglichkeit Wachstums- und Innovationsfinanzierungen zu tätigen, insbesondere für Unternehmensakquisitionen. Die Motive des Börsenganges werden im Folgenden ausführlich geschildert.

2.1.1 Motive aus Unternehmensperspektive

2.1.1.1 Innovations- und Wachstumsfinanzierung

Zwischen der Innovationsintensität und dem wirtschaftlichen Wachstum eines Unternehmens besteht ein Kontext, da eine erfolgreiche Forschung und Entwicklung und die daraus resultierenden marktfähigen Produkte und Dienstleistungen dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz ermöglichen. Innerhalb dieser begrenzten Zeitspanne kommt es zu Absatzsteigerungen und somit zum Wachstum des Unternehmens.3

Jedoch trägt nur ein geringer Anteil der auf Innovationen beziehungsweise auf den Bereich der Forschung und Entwicklung bezogenen Ausgaben zur Anschaffung oder Erstellung von besicherbaren Vermögensgegenständen bei, wobei der Großteil der Innovationsaktivitäten firmen- oder projektspezifisch ist. Hinsichtlich eines Misserfolgs beziehungsweise eines Projektabbruchs fallen die Rückzahlungen an eventuelle Kreditgeber gering aus. Prinzipiell ist davon auszugehen, dass besonders im Bereich Forschung und Entwicklung ausgeprägte Informationsasymmetrien zwischen dem Unternehmen und potenziellen Kapitalgebern existieren. Die in den Innovationsprojekten enthaltene Neuartigkeit kann aufgrund von Risikozuschlägen zu entsprechend höheren Kapitalkosten wie zum Beispiel Zinsen führen.4 Laut einer Studie der IHK Stuttgart nannten 42,4 Prozent von 3.000 befragten mittelständischen Unternehmen eine unzureichende Eigenkapitalausstattung als Grund für Probleme bei der Innovationsfinanzierung.5

Mit einer Eigenkapitalquote von 32 Prozent weisen deutsche mittelständische Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, eine vergleichsweise (EU) niedrige Eigenkapitalausstattung auf. Im Jahre 2005 lag der deutsche Mittelstand damit im europäischen Vergleich weit hinter Belgien mit 53 Prozent und Polen mit 50 Prozent.6 Aufgrund der Finanzierungsprobleme innovativer Wachstumsunternehmen korrelieren die Motive der Innovations- und Wachstumsfinanzierung im Hinblick auf einen Börsengang mit dem Motiv der Eigenkapitalstärkung.

2.1.1.2 Eigenkapitalzufuhr

Wie in Punkt 2.1.1.1 „Innovations- und Wachstumsfinanzierung“ ausgeführt, stellt die Innovations- und Wachstumsfinanzierung das häufigste Motiv für den Börsengang dar. Die Finanzierung von Innovationen und Expansionen ist durch einen hohen Eigenkapitalbedarf charakterisiert.7 Die Ausstattung mit Eigenkapital spielt eine wichtige Rolle, da eine wachsende Verschuldung u. a mit folgenden Problemen einhergeht:

Der steigende Verschuldungsgrad kann höhere Zinskosten zur Folge haben. In Anbetracht des Leverage-Effekts, können die höheren Zinsen einen positiven in einen negativen Leverage umwandeln. Somit wachsen die Abhängigkeit vom Kapitalgeber sowie die Gefahr eines Finanzierungsengpasses. Das Unternehmen wird damit anfälliger für Insolvenzen und Konjunkturschwankungen.8

Ein an der Börse emittiertes Unternehmen ist in der Regel wesentlich leichter in der Lage, sich das benötigte Eigenkapital zu beschaffen, als eine GmbH oder eine Personengesellschaft. Dieses ist dadurch begründet, dass sich potenzielle Investoren mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz an dem emittierten Unternehmen beteiligen können. Ebenfalls stellt die hohe Fungibilität der Aktienanteile für die Investoren einen Vorteil dar, da diese jederzeit aus der Investition aussteigen können. Somit ist das Risiko bei einer Beteiligung an einer Aktiengesellschaft deutlich niedriger als bei einer GmbH oder bei Personengesellschaften.9 Da die Investitionsbereitschaft deutscher mittelständischer Unternehmen nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 und 2009 wieder auf 27 Prozent gestiegen ist10, steht vor allem die Finanzierung dieser Investitionen im Vordergrund. Da risikobehaftete Investitionen aufgrund fehlender regelmäßiger Sicherheiten nur begrenzt durch Bankenkredite finanziert werden können, stellt der Gang an die Börse eine vorteilhafte Alternative zur Aufnahme von Fremdkapital dar.11

Das IPO bietet für Unternehmen zukunftsträchtiger Branchen einen geeigneten Weg, ihr überdurchschnittliches Wachstum zu finanzieren. Auf diese Art vermeiden diese Unternehmen gegebenenfalls Risikozuschläge im Zinssatz sowie zusätzliche Sicherheiten im Falle eines Bankenkredites und stärken so ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit in kon- junkturellen Schwächephasen.12

2.1.1.3 Mitarbeiterbeteiligung

Im Vergleich zu anderen Rechtsformen, bietet die Aktiengesellschaft ihren Mitarbeitern die deutlich besseren Möglichkeiten zur unternehmerischen Beteiligung am eigenen Unternehmen. Dies soll eine stärkere unternehmerische Denkweise der Mitarbeiter bewirken, die sich motivationsfördernd auf diese auswirken soll. Bei einem solchen erfolgsabhängigen Vergütungssystem, können Principal-Agent-Konflikte vermieden wer- den.13 Gleichzeitig hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, zur Eigenkapitalbeschaffung des Unternehmens beizutragen.14 In der Regel findet sich in der Praxis die Erfolgsbeteiligung in Form von Aktienoptionsplänen wieder.15 Hierbei werden den Mitarbeitern, häufig Mitglieder der Geschäftsleitung, Optionsanleihen zum Kauf angeboten. Die Begünstigten können somit nach Ablauf einer vereinbarten Frist eine bestimmte Anzahl an Aktien ihres Arbeitgebers, zu einem vorher festgelegten Preis erwerben. Bei einem Kursanstieg der Aktie profitiert der Optionsinhaber.16

Laut einer Studie, zeigte sich eine Mitarbeiterbeteiligung, besonders in Krisenzeiten, explizit bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie in wissens- und kompetenzintensiven Branchen als effektiv. Von den mehr als 250 befragten Unternehmen erzielen diejenigen, die ihre Mitarbeiter am eigenen Kapital beteiligen, bei gleicher Ertragskraft eine bessere Wertschöpfung bezüglich. der Arbeitsleistung und schaffen schneller neue Arbeitsplätze als Unternehmen ohne Mitarbeiterbeteiligung.17

Aktienpreisgebundene Vergütungssysteme sind nicht ausschließlich auf die Geschäftsleitung beschränkt, sondern können theoretisch auf alle Mitarbeiter erweitert werden. Um jedoch den Motivationseffekt zu gewährleisten, muss sichergestellt werden, dass die auf diese Weise entlohnten Mitarbeiter einen bestimmten Einfluss auf die Vergütungshöhe haben, da sonst die Anreizwirksamkeit nachlässt. Demnach ist es sinnvoll, dass dieses Vergütungssystem nur bei ergebnisverantwortlichen Mitarbeitern Anwendung findet.18

Zufolge der von A. T. Kearney durchgeführten Studie „Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland“ aus dem Jahre 2007 bewerten 100 Prozent der befragten Unternehmen die Erfahrungen mit einer Mitarbeiterbeteiligung als „gut“ oder „sehr gut“.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bewertung der Mitarbeiterbeteiligung auf Basis des eigenen Kapitalisie- rungsmodells20

2.1.1.4 Steigerung des Bekanntheitsgrades

Durch die starke mediale Aufmerksamkeit zum Zeitpunkt des Börsenganges haben die Emittenten die Möglichkeit, ihr Image beziehungsweise ihren Bekanntheitsgrad merklich zu steigern.21 Insbesondere die Wirtschaftspresse, als Teil der gesamten Medienlandschaft, schenkt anstehenden Neuemissionen erhebliche Aufmerksamkeit und dient hierbei als Meinungsmultiplikator. Die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit („Public Relations“) und die erwartete Transparenz seitens der Börsenkandidaten impliziert in der Regel einen Imageeffekt beziehungsweise eine Neuprägung des Unternehmensbildes („Corporate Image“) bei demjenigen Teil der Öffentlichkeit, dem der Emittent bis-her unbekannt war.22 Ebenfalls nach dem Zeitpunkt der Börseneinführung erzielt ein börsennotiertes Unternehmen einen Aufmerksamkeitseffekt, da unter anderem tägliche Kursfestsetzungen, Ad-hoc-Veröffentlichungen gemäß § 15 WpHG, Analystenmeetings, jährliche Hauptversammlungen, Gespräche mit potenziellen Investoren sowie das gesteigerte Interesse der Wirtschaftspresse, die konstant über Entwicklungen des Unter- nehmens berichtet, dazu beitragen.23 Dieses führt zu einem höheren Rückhalt in Bezug auf erforderliche Maßnahmen, da bestimmte kreditwürdige Verhaltensweisen und Zustände eines börsennotierten Unternehmens prinzipiell publiziert und dementsprechend kommentiert werden. Dies ist in der Regel mit einem adäquaten praktischen Verhalten seitens der Führungsebene und der Gesellschafter verbunden.24

2.1.1.5 Attraktivität für externe Fachkräfte

Werden die jeweiligen Führungsebenen betrachtet, ist es dem geschäftsführenden Vorstand einer Aktiengesellschaft - im Gegensatz zu einem Geschäftsführer einer GmbH - laut § 76 AktG gestattet, die Gesellschaft in eigener Verantwortung zu leiten25, da der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft laut § 111 AktG lediglich eine Überwachungsfunktion besitzt. Diese Handlungsvollmacht wird auch als Drittorganschaft bezeichnet.26 Diese Möglichkeit der unternehmerischen Entfaltung trägt zur Anziehungskraft für Führungskräfte bei.27 Jedoch sind bei einem starken Aufschwung in der Beschäftigungsentwicklung auch Probleme involviert, da insbesondere im Mittelstand Erschwernisse auftreten, aktuelle Vakanzen schnellstmöglich zu besetzen. Dieses besagen 73 Prozent der mittelständischen Unternehmen, die Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern aussprachen.28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Mitarbeitersuche: „Wie leicht oder schwer fällt es Ihrem Unternehmen derzeit, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden?“29

64 Prozent der mittelständischen Unternehmen begründen die Schwierigkeit bei der Rekrutierung von Top-Fachkräften mit der hohen Konkurrenz der Unternehmen um Top-Talente.30 Die Argumente sprechen hier deutlich für die Aktiengesellschaften, die aus rechtlicher Sicht sehr gute Voraussetzungen zur Rekrutierung von Fremdmanagern bieten, da in der Aktiengesellschaft als Rechtsform ideale Möglichkeiten zur unternehmerischen Entfaltung existieren. Besonders in mittelständischen Familienunternehmen kommt es früher oder später dazu, dass sich die interne Beschaffung des benötigten Führungspersonals als problematisch erweisen kann.31

2.1.1.6 IPO von Tochtergesellschaften (Spin-off)

Ein Spin-off bezeichnet die Ausgliederung von Untern ehmensteilen einer bestehenden Firma in ein eigenständiges Unternehmen.32 Ist ein mittelständisches Unternehmen als Tochtergesellschaft Teil eines börsennotierten Konzerns oder aber ein mittelständisches Unternehmen als Konzern gegliedert, ist diese (Teil-)Liquidierung von Finanzanlagen im Sinne eines Börsenganges von Konzerngesellschaften als vorteilhaft anzusehen.33 So entsteht für diejeweilige Tochtergesellschaft eine interessante Möglichkeit, das benötigte Eigenkapital alternativ zu beschaffen und sich von der Eigenkapitalgenerierung der Muttergesellschaft abzuwenden.34 Infolgedessen eröffnet sich für den Emittenten die Chance, sich dem Kerngeschäft intensiver zuzuwenden.35

Aus dieser Ausgliederung einzelner Einheiten resultieren eigenständige Finanzierungskreisläufe, da eine größere Unabhängigkeit der ausgegliederten Tochtergesellschaft eine gewisse Handlungsautonomie ermöglicht. Das Unternehmen hat unter anderem die Möglichkeit, den eigenen Cash-Flow in das Unternehmen zurückfließen zu lassen beziehungsweise zu reinvestieren oder an Aktionäre in Form von Dividenden auszuschütten, ohne dass dieser für den Ausgleich von Defiziten des Mutterkonzerns verwendet wird.36

2.1.2 Motive aus Perspektive der Altgesellschafter

2.1.2.1 Vermögensdiversifikation

Der Gang an die Börse eröffnet Alteigentümern die Möglichkeit, ein von den Unternehmensrisiken unbeeinflussbares Privatvermögen zu erschaffen, indem Unterneh- mensanteile veräußert werden37, denn im Durchschnitt befinden sich ca. 90 Prozent des Vermögens der Gesellschafter mittelständischer Unternehmen fest gebunden in dem Unternehmen selbst.38 Diese Form von Risikodiversifikation beziehungsweise Desinvestment wird durch die fungible Eigenschaft der Aktie begünstigt beziehungsweise ermöglicht.39 Die finanzierte Unternehmung wird dabei jedoch nicht beeinflusst.40 Um Neuaktionäre vor negativen Kursentwicklungen zu bewahren, sind üblicherweise Sperrfristen, sogenannte Lock-up-Perioden, unmittelbar an den IPO angeschlossen. In dieser Zeitspanne sind Altaktionäre nicht befugt, ihre Anteile zu veräußern.41

2.1.2.2 Regelung der Unternehmensnachfolge

Einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zufolge ließen sich 4.871 Unternehmen von der DIHK bei der Suche nach Nachfolgern beraten, wobei hier eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist.42 Dies lässt auf ein Fehlen eines geeigneten Nachfolgers schließen. Ein anstehender Generationswechsel stellt für die Unternehmer eine diffizile Entscheidung dar, da die Konsequenzen einer Fehlentscheidung das gesamte Unternehmensumfeld betreffen.43 Laut einer Studie der schweizerischen Credit Suisse AG nimmt die Relevanz der Nachfolgeproblematik mit dem Alter der Unternehmer zu.44

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Relevanz der Nachfolgeregelung in Bezug auf das Alter der Unterneh- mer45

Aus rechtlicher Perspektive kommtjede natürliche unbeschränkt geschäftsfähige Person als Mitglied des Vorstands infrage.46 Infolgedessen ist es von Belang, dass die Nachfol- geregelung als ein wesentliches Ziel betrachtet wird47.

50 Prozent der von der Credit Suisse AG befragten Unternehmen bevorzugen eine ex- terne Nachfolge.48 Daher präsentiert sich hier die Aktiengesellschaft als ideale Rechtsform, da aufgrund der strikten Aufteilung zwischen Eigentümer und Unternehmensleitung eine externe Führungskraft als Leitung des Unternehmens agieren kann.49

2.2 Alternativen des Börsengangs

Wie in Kapitel 2.1 beschrieben, existiert eine Vielzahl von Beweggründen für einen IPO. Dabei sollte das Unternehmen Finanzierungsalternativen für die unterschiedlichen Motive in Betracht ziehen. Solche Finanzierungsalternativen können sowohl in einer Eigen- oder Fremdkapitalfinanzierung als auch einer hybriden Finanzierung (Mischform von Eigen- und Fremdfinanzierung) bestehen.50 In der nachfolgenden Kurzdarstellung wird näher auf die Private-Equity, die Venture-Capital-Finanzierung sowie die Selbstfinanzierung eingegangen.

Bei einer Private-Equity-Finanzierung wird in der Regel solchen Unternehmen Eigenkapital bereitgestellt, die sich meist in ausschlaggebenden Entwicklungsphasen befinden und nicht börsennotiert sind.51 Bei Beteiligungen dieser Art verlangt der Investor meist keine Sicherheiten seitens des Unternehmens52, jedoch wird dem Unternehmen in der Regel eine Managementunterstützung zur Verfügung gestellt.53 Der Kapitalgeber bezieht hierbei Anteile an dem jeweiligen Unternehmen, das sich meist in einer fortgeschrittenen Phase des Unternehmenslebenszyklus befindet54, und verfolgt grundsätzlich die Absicht, sich nach einem bestimmten Zeitraum aus dem Investment zurückzuziehen (Exit-Strategie).55 Das Eigenkapital kann sowohl von Private-Equity-Gesellschaften56 als auch von sogenannten Business Angels zur Verfügung gestellt werden.57 Das Priva-te-Equity-Kapital wird dem Unternehmen über längere Zeitspannen zur Verfügung gestellt, wobei die Risiken des Scheiterns auf das Unternehmen und den Investor verteilt sind. Der Investor verspricht sich dabei eine entsprechend hohe Verzinsung des bereit- gestellten Eigenkapitals und der Risikoübernahme.58 Jedoch bekommt der Investor im Rahmen einer Private-Equity-Beteiligung einen maßgebenden Einfluss auf strategische Unternehmensentscheidungen. Dies kann insofern ein Nachteil sein, da die bisherigen Gesellschafter so an Entscheidungskompetenz verlieren können.59

Während bei einer Private-Equity-Beteiligung meist eine Fokussierung auf bereits etablierte Unternehmen erfolgt, werden bei der Venture-Capital60 -Finanzierung meist junge Wachstumsunternehmen in Betracht gezogen61, die in der Regel mit einem überdurchschnittlichen Risiko behaftet sind, jedoch auch ein hohes Wachstum sowie Renditezuwächse versprechen.62 Durch die gezielte Bereitstellung von Eigenkapital erhofft sich der Venture-Capital-Geber neben der Gewinnerzielung durch gezielte Exit-Strategien auch einen Zugang zu zukunftsträchtigen Branchen, um unter anderem das Fachwissen für eigene Unternehmenszwecke zu nutzen oder nach dem Exit eine Kunden-Lieferanten-Beziehung mit dem finanzierten Unternehmen aufzubauen.63

[...]


1 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 89

2 DAI (2007), S. 20

3 Vgl. Fischer, C. (2002), S. 124ff.

4 Vgl. Fischer, C. (2002), S. 127

5 Vgl. IHK Stuttgart (2009), S. 27

6 Vgl. Deutsche Börse AG (2009), S. 47

7 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 90

8 Vgl. Oettingen, M.v. (1990), S. 55

9 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 90

10 Vgl. Ernst & Young (2011), S. 10

11 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 90

12 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 91

13 Vgl. Ehlers/Jurcher (1999), S. 22

14 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 93

15 Vgl. Langemann, A. (2000), S. 87

16 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 94

17 Vgl. Lampel, J./Bhalla, A./Jha, P. (2010), S. 11

18 Vgl. Langemann, A. (2000), S. 93

19 Vgl. A. T. Kearney (2007), S. 12

20 Quelle: A. T. Kearney (2007), S. 12

21 Vgl. Ehlers/Jurcher (1999), S. 22

22 Vgl. Oettingen, M. v. (1990), S. 67 ff.

23 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 92

24 Vgl. Schürmann/Körfgen (1987), S. 49

25 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 91

26 Vgl. Ehlers/Jurcher (1999), S. 20

27 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 91

28 Vgl. Ernst & Young (2011), S. 18

29 Quelle: Ernst & Young (2011), S. 18

30 Vgl. Ernst & Young (2011), S. 20

31 Vgl. Schürmann/Körfgen (1987), S. 49

32 Vgl. FAZ (2011), Web

33 Vgl. Zacharias, E. (1998), S. 55

34 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 95

35 Vgl. Zacharias, E. (2000), S. 55

36 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 96

37 Vgl. Fischer, C. (2002), S.22

38 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 97

39 Vgl. Ehlers/Jurcher (1999), S. 22

40 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 97

41 Vgl. Sparkasse (2011), Web

42 Vgl. DIHK (2010), S. 6

43 Vgl. Zacharias, E. (2000), S. 52

44 Vgl. BILANZ (2011), S. 60

45 Quelle: BILANZ (2011), S. 60

46 Vgl. § 76 Abs. 3AktG.

47 Vgl. Rödl/Zinser (2000), S. 98

48 Vgl. BILANZ (2011), S. 60

49 Vgl. Zacharias, E. (2000), S. 53

50 Vgl. Kramer, K.-H. (2000), S. 165

51 Vgl. Kroll, J./Bartsch-Kroll, B. (2002), S. 38

52 Vgl. Bundesministerium der Finanzen (2011), Web

53 Vgl. Kroll, J./Bartsch-Kroll, B. (2002), S. 38

54 Vgl. Achleitner, A.-K. (2011), Web

55 Vgl. Kramer, K.-H. (2000), S. 102

56 Vgl. Achleitner, A.-K. (2011), Web

57 Vgl. Foerderland.de (2011), Web

58 Vgl. Kroll, J./Bartsch-Kroll, B. (2002), S. 40

59 Vgl. Brooks, R. (2006), Web

60 Übersetzt: Risikokapital

61 Vgl. Gabler (2011c), Web

62 Vgl. Kramer, K.-H. (2000), S. 106

63 Vgl. Kroll, J./Bartsch-Kroll, B. (2002), S. 42

Details

Seiten
74
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656099185
ISBN (Buch)
9783656099321
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184983
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,7
Schlagworte
initial public offering analyse börsenganges unternehmens

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Titel: Initial Public Offering