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Offline Persönlichkeit vs. Online Persönlichkeit

Der Einfluss des Internets auf unsere Persönlichkeit am Beispiel des Cybermobbings

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Gliederung

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Offline Persönlichkeit vs. Online Persönlichkeit
3.1 Offline Persönlichkeit
3.2 Online Persönlichkeit

4. Wechselwirkung zwischen der realen und der virtuellen Welt in Bezug auf unsere Persönlichkeit
4.1 Studie 1: Offline Persönlichkeit und Verhalten in sozialen Netzwerken
4.1.1 Hypothesen
4.1.2 Durchführung
4.1.3 Ergebnisse
4.1.4 Relevanz der Ergebnisse
4.2 Studie 2: Nutzung des Internets als soziales Medium und soziale Beziehungen in der Realität
4.2.1 Methodik
4.2.2 Ergebnisse
4.2.3 Relevanz der Ergebnisse
4.3 Erstes Fazit: Wechselwirkungen zwischen der realen und der virtuellen Welt in Bezug auf unsere Persönlichkeit

5. Gefahren des Internets für die Offline Persönlichkeit am Beispiel des Cybermobbings
5.1 Was ist Cybermobbing?
5.2 Was macht Cybermobbing so gefährlich? Abgrenzungen zum traditionellen Mobbing
5.3 Folgen für die Opfer und ihre Offline Persönlichkeit

6. Fazit

7. Literatur

1. Zusammenfassung

In meiner Hausarbeit soll es im weiteren Sinne um den Einfluss des Internets auf unsere Persönlichkeit gehen und die Frage geklärt werden, inwieweit das Internet für uns auch negative Konsequenzen haben könnte. Im Speziellen möchte ich zunächst beschreiben, was Persönlichkeit eigentlich ist und wie man im Kontext des Internets die so genannte „Offline Persönlichkeit“ von der „Online Persönlichkeit“ unterscheiden kann. Im Anschluss wird anhand zweier Studien die im Fokus dieser Hausarbeit stehende Frage bearbeitet, ob es eine Online Persönlichkeit überhaupt tatsächlich gibt und in welchem Ausmaß sie sich von der Offline Persönlichkeit unterscheidet. Zum Schluss soll dann am Beispiel des Cybermobbings erläutert werden, welchen negativen Einfluss das Internet auf uns durch eine eventuelle Diskrepanz zwischen unserer Offline und Online Persönlichkeit nehmen kann.

2. Einleitung

Die immer weiter fortschreitende Entwicklung des Internets ermöglicht uns vor allem eine immer intensivere Vernetzung miteinander. Nahezu alle deutschen Haushalte heutzutage nutzen Mobiltelefone und Computer und haben einen Internetanschluss (Schultze-Krumbholz & Scheithauer, 2009). Sicherlich bietet uns das Internet eine weitaus einfachere Lebensführung, da es nahezu in alle Bereiche unseres Lebens Einzug gehalten hat (Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010). Vor allem das Aufstreben sozialer Netzwerke wie „Facebook“ oder „StudiVZ“ eröffnet neuartige Welten der Kommunikation mit Mitmenschen, die man sich noch vor einiger Zeit nicht einmal hätte erträumen können. Insgesamt kann man heutzutage durchaus von einer Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie sprechen, welche sich vor allem im letzten Jahrzehnt zeigte und bis heute anhält (Privitera & Campbell, 2009).

Da das Internet mittlerweile auch als eine „eigene Welt“ mit bestimmten Normen, Regeln und Gesetzen betrachtet werden kann, drängt sich vor allem die Frage in den Vordergrund, ob wir in ebenjener virtuellen Welt anders agieren oder erscheinen als in der Realität. Personalisierte Homepages und soziale Netzwerke machen es uns beispielsweise möglich, ein Profil von uns zu erstellen, in welchem wir die Kontrolle darüber haben, wie wir auf andere wirken. Wir können steuern, welches Bild von uns in Erscheinung tritt, indem wir bestimmte Fotos auswählen, bestimmte Informationen angeben und bestimmten Gruppen beitreten. Selbst unser soziales Leben können wir nach außen hin bewusst vorteilhaft aussehen lassen, indem wir nur ausgewählte Leute auf unsere öffentlich einsehbare „Freundesliste“ setzen. Bei all den augenscheinlich vorteilhaften Facetten des Internets stellt man sich jedoch immer öfter auch in der wissenschaftlichen Psychologie die Frage, inwieweit wir uns im Internet anders darstellen oder verhalten, als wir es in der Realität machen würden und welchen Einfluss das auf uns nehmen könnte. Bringt uns das Internet nur Vorteile, oder auch Nachteile? Wäre es negativ, in der virtuellen Welt eine andere Persönlichkeit auszuleben und welche Konsequenzen hätte dies auf unsere eigentliche Persönlichkeit?

Diese Fragen sollen anhand zweier Befunde aus der psychologischen Empirie bearbeitet werden. Mit Hilfe des Beispiels des Cybermobbings als weiterer aufstrebender Forschungsaspekt der Psychologie und anderer Disziplinen im Zeitalter des Internets, soll im Anschluss zudem aufgezeigt werden, dass man im Internet gerade wegen seiner vielen Vorteile und der immer intensiveren Vernetzung mit anderen Menschen nicht vor sozialen Problemen geschützt ist. Darüber hinaus birgt das Internet ganz eigene Gefahren, die bedacht werden müssen und die sich vor allem auf unser eventuell andersartiges Verhalten und Darstellen in der virtuellen Welt beziehen.

3. Offline Persönlichkeit vs. Online Persönlichkeit

Im folgenden Abschnitt soll es zunächst um die genauere Erläuterung der Differenzierung zwischen „Offline Persönlichkeit“ und „Online Persönlichkeit“ gehen. Die Offline Persönlichkeit bezeichnet unsere natürliche und im realen Leben („ real life “) existierende Persönlichkeit. Mit dem Begriff „online“ ist die Übertragung eben jener in die virtuelle Welt („ virtual life “) gemeint. Wie stellt sich unsere „natürliche Persönlichkeit“ im Internet („ on-line “) dar, wie wird sie dort beeinflusst? Gibt es eine Online Persönlichkeit überhaupt? Diese Fragen sollen im Folgenden behandelt werden.

3.1 Offline Persönlichkeit

Die Persönlichkeit des Menschen liefert Inhalt für eines der wichtigsten Themen in der Psychologie. Zahlreiche Forschungsarbeiten der Wissenschaft drehen sich um die Frage, wie Persönlichkeit als solches beschrieben werden kann, wie sie sich unter welchen Faktoren entwickelt und verändert und wie sie anhand einzelner Verhaltensweisen vorhergesagt und eventuell beeinflusst werden kann (Maltby, Day & Macaskill, 2010). Da der Begriff Persönlichkeit sowie die Bedeutung dahinter ein sehr großes Feld umfasst, das nur schwer definiert und abgegrenzt werden kann, ist es auch nicht verwunderlich, dass es an eindeutigen und von allen Seiten anerkannten Definitionen mangelt (Maltby et al., 2010). Gordon Allport, laut Maltby et al. (2010) eine wichtige und berühmte Person in der Persönlichkeitspsychologie, die den Begriff „Persönlichkeit“ popularisierte, lieferte 1961 allerdings eine Definition, die noch heute von zahlreichen Forschern verwendet wird, um die Bedeutung dieses weiten psychologischen Konstrukts näher zu bringen. Allport definierte Persönlichkeit als eine „ dynamic organisation, inside the person, of psychophysical systems that create the person’s characteristic patterns of behaviour, thoughts and feelings “ (Allport, zit. nach Maltby et al., 2010, S. 5). Persönlichkeit sei also ein dynamisches System, welches innerhalb einer Person strukturiert sei und psychophysikalische Aspekte beinhalte, die die für ein bestimmtes Individuum typischen Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle bestimme. Die Persönlichkeit eines jeden Menschen umfasst demnach zum einen flexible und veränderbare Anteile, zum anderen ist sie aber über die Zeit und über verschiedene soziale Kontexte hinweg relativ stabil und beeinflusst Individuen durch eine gewisse interne Konsistenz meist auf eine ähnliche Art und Weise (Maltby et al., 2010).

In diesem Rahmen kann man von bestimmten Eigenschaften eines Menschen, bzw. von „Persönlichkeitseigenschaften“ sprechen (auch „ personality traits“ genannt). Auch hier hat man mit Hilfe der psychologischen Wissenschaft versucht, das Konstrukt Persönlichkeitseigenschaft näher zu umgrenzen und heraus zu filtern, ob es bestimmte Eigenschaften gibt, die als übergeordnet betrachtet werden können. Bei den so genannten „Big Five“, bzw. dem Fünf-Faktoren-Modell (FFM) handelt es sich um eines der Modelle der Persönlichkeitspsychologie, die genau für diese Frage entwickelt worden sind. Das Fünf-Faktoren-Modell postuliert fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit (Costa & McCrae, 1992). Gemeint sind hiermit die Eigenschaften Offenheit für Erfahrungen (neue Ideen bilden, unkonventionelles und unabhängiges Denken, Fantasie, intellektuelle Neugierde), Gewissenhaftigkeit (Kompetenz, Selbstdisziplin, Bedächtigkeit, Ordentlichkeit), Extraversion (Aktivität, Durchsetzungsvermögen, Geselligkeit, Wärme), Verträglichkeit (Konformität, Anstand, Vertrauen, Ehrlichkeit) und Neurotizismus (Ängstlichkeit, Depression, Verletzbarkeit, Impulsivität) („OCEAN“: Openness, Conscientiousness, Extraversion, Agreeableness, Neuroticism) (Maltby et al., 2010). Die Entwicklung der Big Five begann laut Maltby et al. (2010) durch Thurstone, Allport und Odbert mit Hilfe des „lexikalischen Ansatzes“. Dieser besagt, dass sich Persönlichkeitsmerkmale in der Sprache kenntlich machen. Auf der Grundlage von Wortlisten mit über 18.000 Begriffen wurden in mehreren Schritten mit Hilfe von Faktorenanalysen fünf sehr stabile, unabhängige und weitestgehend kulturstabile Faktoren gefunden, die man als die oben ausgeführten Big Five der Persönlichkeit bezeichnet (Maltby et al., 2010).

3.2 Online Persönlichkeit

Das Internet stellt heutzutage ein weltweites Netzwerk von Computern dar, welches weit reichenden Einfluss auf unser Leben nimmt und mittlerweile beinahe alle Aspekte unserer Existenz, wie beispielsweise unser soziales Leben, beeinflusst (Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010). Marcus, Machilek und Schütz (2006, S. 1014) bezeichnen das Internet und vor allem persönliche Webseiten als ein „ playground for postmodern personalities, where people can create and experiment with multiple identities.“ Persönliche Webseiten bieten laut Marcus et al. (2006) die höchst flexible und einfache Möglichkeit, beinahe alles einem potenziell weltweiten Publikum zu präsentieren, was man möchte. Persönliche Webseiten können also als eine Umwelt beschrieben werden, in welcher die Eigentümer die absolute Kontrolle darüber haben, welche Identität und welche Persönlichkeitseigenschaften anderen gezeigt werden sollen (Marcus et al., 2006). Solche Online Persönlichkeiten, egal ob bewusst kreiert oder unbewusst ausgelebt, lassen sich im Internet allerdings nicht nur im Hinblick auf persönliche Homepages finden. Auch in Chats, Foren, Blogs, Fantasiespielen und sozialen Netzwerken interagieren weltweit viele Internetnutzer miteinander (Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010). Sundén (zit. nach Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010, S. 1289) ist der Meinung, dass sich Menschen im Internet häufig selbst reproduzieren, damit andere auf sie aufmerksam werden und mit ihnen kommunizieren. Soziale Interaktion bietet also Platz für die Darstellung und das Ausleben unserer Persönlichkeit und gerade das Internet ist laut Amichai-Hamburger und Vinitzky (2010) eine „ leading social arena “ (S. 1289). In diesem Rahmen ist auch der Begriff „Impression Management“ zu nennen. Impression Management bedeutet, dass wir Informationen über uns kontrollieren, um die Meinung anderer zu beeinflussen (Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010). Gerade auch soziale Netzwerke sind dafür besonders geeignet. Auf Plattformen wie „MySpace“, „Facebook“ oder „StudiVZ“ kann jeder Nutzer ein Profil mit persönlicher Information und Fotos von sich erstellen (Krämer & Winter, 2008). Menschen können dort des Weiteren soziale Beziehungen eingehen, in dem sie anderen Usern Nachrichten schreiben oder diese als „Freund“ zu ihrer persönlichen Kontaktliste hinzufügen, die wiederum meist von anderen Nutzern eingesehen werden kann (Krämer & Winter, 2008). Internetuser solcher sozialen Netzwerke haben laut Krämer und Winter (2008) also weitaus mehr Kontrolle über ihre Selbst-Repräsentation im Internet als in „Face-to-face Kommunikation“. Sie können bewusst entscheiden, welche Informationen sie angeben möchten, welche Fotos das „beste Image“ übermitteln und ferner auch kontrollieren, welche User in ihrer Freundesliste sich vorteilhaft auf ihre Darstellung auswirken, getreu nach dem Motto „Nenn mir deine Freunde, dann sage ich dir, wer du bist.“

Zusammengefasst gibt es für den Menschen also durchaus die Möglichkeit, im Internet von seiner Offline Persönlichkeit „abzuweichen“ und eine Online Persönlichkeit auszuleben. Doch die Existenz einer Möglichkeit sagt noch nicht aus, dass sich unsere Persönlichkeit im realen Leben von der im Internet tatsächlich unterscheiden muss. Marwick (zit. nach Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010, S. 1289) fand beispielsweise heraus, dass Facebook-User und Nutzer anderer sozialer Netzwerke nicht unbedingt hinsichtlich ihrer Online Persönlichkeit lügen, aber die Wahrheit „ausdehnen“, manchmal bis zu ihren Grenzen. Im Folgenden soll daher die Frage geklärt werden, inwieweit das Internet auf unsere Persönlichkeit Einfluss nehmen kann.

4. Wechselwirkung zwischen der realen und der virtuellen Welt in Bezug auf unsere Persönlichkeit

In diesem Kapitel werden zwei exemplarisch ausgewählte Befunde aus der Wissenschaft dargestellt, um herauszufiltern, ob wir auch im Internet hauptsächlich „bleiben, wer wir sind“, oder ob wir dort tatsächlich dazu neigen, eine Online-Persönlichkeit auszuleben. Wenn letzteres zutrifft, stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß unsere Online Persönlichkeit von unserer Offline Persönlichkeit abweicht.

4.1 Studie 1: Offline Persönlichkeit und Verhalten in sozialen Netzwerken

Einige Studien zeigen auf, dass eine Verbindung zwischen der individuellen Offline Persönlichkeit eines Nutzers und dessen Online Verhalten besteht (Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010). Unsere reale Persönlichkeit wirkt sich also eventuell tatsächlich auf unser Agieren im Internet und somit auf unsere Online Persönlichkeit aus. Ross, Orr, Sisic, Arseneault, Simmering und Orr (zit. nach Amichai-Hamburger & Vinitzky, 2010, S. 1289) untersuchten diesen Sachverhalt, konnten eine Verbindung zwischen Offline Persönlichkeit (aufbauend auf den Big Five von Costa & McCrae, 1992) und Verhalten in sozialen Netzwerken allerdings in der angenommenen Stärke nicht bestätigen. Die Studie von Amichai-Hamburger und Vinitzky (2010), die im Folgenden näher vorgestellt wird, stützt sich auf die Arbeit von Ross et al., allerdings werden die verwendeten Selbstberichte der Versuchsteilnehmer durch Messungen der in Facebook hochgeladenen User-Informationen als objektivere Kriterien genutzt.

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