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Frauen in „Führungs-“Positionen?

Der Tourismussektor Guatemalas und seine genderspezifische Analyse anhand des Berufsfeldes Guía de Turistas

Bachelorarbeit 2011 50 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Tourismus
2.1 Geschichte und Definition
2.2 Tourismusforschungen in der Kultur und Sozialanthropologie
2.3 Tourismuspolitik und Tourismusorganisationen
2.4 Der Tourismussektor
2.4.1 Ökonomische Relevanz
2.4.2 Die Beschäftigungssituation im Tourismussektor

3. Tourismus in Guatemala
3.1 Guatemala – Corazón del Mundo Maya. Entwicklung des Tourismussektors in Guatemala
3.2 Gegenwärtige Situation des Tourismus in Guatemala
3.3 Die Beschäftigungssituation im Tourismussektor Guatemalas

4. Guía de Turistas – Eine „Führungsposition“ im Tourismus?
4.1 Guía de Turistas – Die Formation und Definition des Berufsfeldes
4.2 Das Berufsfeld im Vergleich – Auseinandersetzung mit denösterreichischen Konzepten „ReiseleiterIn“ und „FremdenführerIn“
4.3 Guía de Touristas – RepräsentantIn des Landes und Informanten der Touristen

5. La Guía de Turistas – Genderbedingte Problemfelder einer „Führungsposition”
5.1 Machismo und Marianismo
5.1.1 Machismo
5.1.2 Marianismo
5.1.3 Auswirkungen
5.2 Gesetzeslage – Der Faktor Staat
5.3 Illusion-Desillusion. TouristInnen und die Ausgrenzung von Frauen aus dem Berufsfeld Guía de Turistas
5.4 Koinzidenz? Repräsentation von Frauen in Fúhrungspositionen

6. Conclusio

Bibliografie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Seit seiner „Geburt“ - zu Beginn der Olympischen Spiele - hat der Tourismus bereits eine lange Geschichte und Entwicklung hinter sich. Heute ist er einer der bedeutendensten Sektoren für die Ökonomie weltweit; so auch für Guatemala. Die Auswirkungen zeigen sich im Positiven sowie im Negativen. Durch den Tourismus werden Länder zu Produkte und Menschen zu Akteuren in für Touristen konzipierten Schauspielen. Man suggeriert Authentizität und bedient sich dabei bereits existierender Mythen. „Vor der Reiseerfahrung steht die Fiktion“ hält Christoph Henning (1997: 95) in seinem Werk „Reiselust. Touristen, Tourismus und Urlaubskultur„ fest Während der Reise wird ihr oftmals der Lebensatem eingehaucht. Eine grosse Rolle, vor allem in geführten Reisen und Touren, spielen dabei die ReiseleiterInnen, die Tourguids bzw. die FremdenführerInnen - im Spanischen:

Los Guías de Turistas.

Mein Interesse, sowie die Inspiration zu dieser Thematik „Frauen in „Führungs“Positionen, der Tourismussektor Guatemalas und seine genderspezifische Analyse anhand des Berufsfeldes Guía de Turistas“, resultiert aus meinem Auslandsaufenthalt in Guatemala von Mitte Juni 2009 bis Anfang Juni 2010. Durch das Land reisend und ab November 2009 im Petén in der Tourismusbranche als Assistentin guatemlatekischer Guías de Turistas, sowie in einer Reiseagentur arbeitend, habe ich in dieser Zeit Erfahrungen in diesem Feld gemacht.

Mein Ziel ist es, die Bedeutung des Berufsfeldes Guía de Touristas, sowie die der darin agierenden weibliche Akteure darzustellen; - nicht nur im Tourismus des Landes, sondern als mögliche Repräsentation der Genderkonstruktionen und der Position der weiblichen Bevölkerung innerhalb der Gesellschaft Guatemalas und speziell in der Arbeitswelt. Dabei stelle ich mich der Frage: Kann die Repräsentation und Bedeutung der Frauen im Tourismus und speziell in der „Führungsposition“ als Guía de Turism als repräsentativ für die Stellung der Frauen in der Gesellschaft Guatemalas in der Öffentlichkeit gesehen werden?

In Kapitel 2 - und als allgemeinen Einstieg in meine Arbeit - werde ich nach einem kurzen Einblick in die Geschichte des Tourismus anhand von Definitionen versuchen, die Entwicklung und das momentane Verstämdnis von Tourismus darzulegen. Ich werde einen Überblick über die Tourismusforschung der Kultur- und Sozialanthropologie geben und den aktuellen Stand erörtern. Danach gebe ich einen Einblick in die Situation des Tourismus weltweit, besonders in der Ökonomie, sowie als Arbeitsplatz und reflektiere die Position der Frauen in dieser Branche.

In Kapitel 3 widme ich mich dem Tourismus Guatemalas, seiner Geschichte und Entwicklung, und der nationalen Dachorganisation des Tourismus INGUAT. Als zweiten Punkt werde ich seine gegenwärtige Bedeutung aufzeigen. Abschlieβend gehe ich auf die Arbeitsplatzsituation und im speziellen auf die Frage nach der Situation der in diesem Sektor arbeitenden Frauen ein.

In Kapitel 4 werde ich zunächst den Beruf Guía de Turistas anhand seiner Aufgaben und Grenzen definieren und ihn den deutschen Übersetzungen „Fremdenführer“ und „Reiseleiter“ gegenüberstellen. Anhand einer Beschreibung des Ausbildungsweges gebe ich Einblick in die Rolle und Verantwortung des Berufsfeldes im Tourismus. Den Abschluss des Kapitels bildet eine Analyse der Informationen hinsichtlich ihrer Aussagekraft über die Relevanz dieses Berufsfeldes im Tourismus.

In Kapitel 5 werde ich versuchen die genderbedingten Problemfelder im Berufsfeld Guía de Turistas in Guatemala aufzudecken und prüfe dabei die Konzepte des Machismus und Marianismus auf ihre Anwendbarkeit und ihre Auswirkung für die Frauen, besonders hinsichtlich der Entscheidung zur Ergreifung des Berufs. Nach einem Einblick in die Gesetzeslage zum Schutz der Frauen in der Arbeitswelt, werde ich auf äuβere Einflüsse und Faktoren durch Touristen eingehen, welche Frauen in diesem Berufsfeld beeinträchtigen können. Abschlieβend stelle ich mich der Frage, ob die exemplarische Analyse dieses Berufsfeldes in seiner „Führungsposition“ und Schlüsselfunktion in der Vermittlung von Information und Kulturen auch repräsentativ zur Darstellung der weiblichen Bevölkerung in der Arbeitswelt des Tourimus genutzt werden kann, bevor ich dann im letzten Kapitel die wesentlichen Erkenntnisse meiner Bachelorarbeit nochmals gezielt auf den Punkt bringe.

2. Tourismus

Tourismus ist heute ein weltweites Phänomen. In diesem Kapitel werde ich zu Beginn einen Überblick über seine Geschichte geben und eine Definition des Begriffes liefern. Danach widme ich mich der Tourismusforschung in der Kultur- und Sozialanthropologie und besonders der wissenschaftlichen Literatur und den Schlüsselwerken meiner Arbeit.

Im dritten Unterkapitel möchte ich den Begriff der Tourismuspolitik erläutern, sowie die Aufgaben und Bedeutung von Tourismusorganisationen. Zum Schluss werde ich einen kurzen Einblick in die international agierende Tourismusorganisation UNWTO geben.

Den Tourismussektor in seiner ökonomischen Relevanz, sowie als Arbeitsplatz reflektiere ich im vierten Unterkapitel; mit besonderm Fokus auf die Situation und Position der Frauen. Abschlieβend werde ich dabei die Schrittweise Thematisierung, Entwicklung und Manifestierung des Genderaspekts im Bewusstsein internationaler Organisationen aufzeigen.

2.1 Geschichte und Definition

Die Geschichte des Tourismus ist gezeichnet durch drei zeitliche Etapen der Entwicklung, die durchschritten werden mussten, bevor der Tourismus zu dem wurde, was er heute ist.

Den Beginn sieht man heute im Griechenland der Antike, etwa 800 v.Chr.; ausgelöst durch die Olympischen Spiele. Um daran teilzunehmen und dem Spektakel beiwohnen zu können, reisten Athleten sowie Besucher aus ganz Griechenland und den damaligen Kolonien zu den Festivitäten an. Zum Schutz der Reisenden wurden Kriege während der Spiele und auch danach ausgesetzt. Auch die Handelsreisen der Phönizier und Römer sind in diesem zeitlichen Abschnitt zu nennen. (vgl. Swaddling 2002: 7, INTECAP 2010: 11)

Die Wallfahrten, religiösen Pilgerreisen und Kreuzzüge des Mittelalters kennzeichnen die nächste wichtige Etappe. Ebenso entstand der Berufsstand der Fahrenden, der Vagabunden, Minnesänger und Troubadoure, die Reisen und Arbeit verbanden. (vgl. Freyer 2006: 10, INTECAP 2010: 11)

In der Neuzeit wird schlieβlich durch die groβen Seereisen und Expeditionen der Spanier, Engländer, Portugiesen und Franzosen, aber vor allem durch die Entstehung der Grand Tour, der Studienreisen der Aristokratie, das Phänomen des modernen Tourismus begründet. (vgl. Freyer 2006: 10; Thurner 2009: 156)

Während der Tourismus/ Fremdenverkehr anfang des 20. Jh. noch als „(...) Begriff all jener und in erster Reihe aller wirtschaftlichen Vorgänge, die sich im Zuströmen, Verweilen und Anströmen Fremder (...) betätigen und damit unmittelbar verbunden sind“ beschrieben wurde, hat sich der Kern der Definition bis heute gewandelt. (Schullern zu Schrattenhofen 1911 zit. nach Freyer 2006: 1)

Prof. Dr. Walter Freyer, Innehabender des Lehrstuhls für Tourismuswirtschaft an der Universität Dresden und Autor der Monographie „Tourismus: Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie“ beschreibt Tourismus folgendermaβen:

„Tourismus oder Fremdeverkehr umfasst den nationalen und internationalen Reiseverkehr, d.h. Verkehr von Reisenden (oder Touristen) zwischen Heimatort und Reiseziel, den vorübergehenden Aufenthalt (Orts-)Fremder am Reiseziel sowie die Organisation der Reisevorbereitung und Reisenachbereitung am Heimatort.“(Freyer 2006:1)

Der Schwerpunkt dieser Definition, sowie der Fokus heute, liegt auf der Reise, ihrer Planung, Gestaltung und Durchführung. Wenngleich in dieser Definition das Wesentliche kurz und prägnant auf einen Punkt gebracht wird, scheinen ihr dennoch wichtige Faktoren ausserhalb von Reisenden und ihrer Tätigkeit zu fehlen. Eine weitere, etwas vollständigere Definition ist in „Gabler Wirtschaftslexikon“ zu finden:

„Tourismus umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebensmittelpunktes und dem Aufenthalt an einer anderen Destination verbunden sind. Dies führt zu einer Vielzahl von Reisearten und Akteuren im Tourismus. Ökonomische, ökologische interkulturelle und infrastrukturelle Ziele bilden den Kern in der Tourismuspolitik und im Wirken der Tourismusorganisationen.“ (Frietzsche 2011a: 1)

Tourismus hat viele Aspekte und Ziele, die von darin agierenden Akteuren, Organisationen oder der Politik verschieden verfolgt oder gesucht werden. Auf Grund unterschiedlicher Motivation, Bedürfnisse und touristischer Verhaltensweisen haben sich eine Vielzahl von Reisearten und deren Typologien gebildet. Der Tourismussektor bzw. die Touristik - die Gesamtheit von erwerbswirtschaftlichen sowie auch Non-Profit-Organisationen (NPO), die touristische Dienstleistungen produzieren – hat der Nachfrage gegenüber im Sinne der jeweiligen Tourismuspolitik zu reagieren. (vgl. Freyer 2006: 2, Frietzsche 2011a: 1)

Nach Burns ist der Tourismus ein multidisziplinäres Feld. Hier begegnen einander eine Vielzahl an wissenschaftlichen Disziplinen. Vor allem Ökonomie, Soziologie, Geographie und Psychologie sind darin stark vertreten. (vgl. Burns 1999: 71)

In diesem Falle, - in meiner Untersuchung der Genderthematik im Tourismus Guatemalas und der Analyse anhand des Berufsfeldes Guía de Turismo als zentrale Akteure,- ist der Schwerpunkt ein kultur- und sozialanthropologischer.

2.2 Tourismusforschung in der Kultur und Sozialanthropologie

Da die Kultur- und Sozialanthropologie eine Disziplin ist, die in Reisen wurzelt und als Praxis sowie als Forschungsgegenstand in selbstreflexiver Hinsicht betrieben wird, entwickelte sich die Tourismusforschung zu einem bedeutenden Interessensgebiet.

(vgl. Hauser-Schäublin 2005: 378)

Thurner hält dafür auch den gemeinsamen Schwerpunkt, den Fokus auf die Differenz der Kultur- und Sozialanthropologie (speziell zu Beginn) und des Tourismus für verantwortlich:

„Es sind jene Kulturen am interessantesten, die sich von der eigenen am meisten unterscheiden. Seit ihren Anfängen hat die Ethnologie kultutrelle Andersheit betont, beschäftigte sich mit Kopfjagd, Kannibalismus, Mutterrecht, Polygynie, und Polyandrie, mit Riten, Festen und Tänzen. Die gleichen Themen unterliegen touristischer Repräsentation, (...).“ (Thurner 2009:158f)

Doch obwohl die Kultur- und Sozialanthropologie viele Berührungspunkte mit dem Tourismus hat, begann die Forschung dazu erst in den 1970er Jahren Fuβ zu fassen. Als eine der ersten anerkannten Publikation gilt „Hosts & Guests. The Anthropology of Tourism“ von Valene Smith im Jahr 1977. Ein weiterer wichtiger Beitrag zu Beginn der Tourismusforschung unseres Faches ist das Werk „Tourism. Passport to Developement“ von Emanuel de Kadt aus dem Jahr 1979. Heute ist besonders auch Jafar Jafari in der Riege der Wegbereiter zu nennen. (vgl. Thurner 2008)

Im Unterschied zu anderen Forschungsrichtungen hat sich die Kultur- und Sozialanthropologie speziell den Mikroebenen des Tourismus zugewandt. Ethnologische Fragestellungen zu Beginn hatten vor allem die Erforschung der Auswirkungen des Tourismus auf die bereisten auβereuropäischen Kulturen zum Thema. Hauser-Schäublin hält dabei folgende Interessensschwerunkte und Thematiken fest:

“(...) inwiefern die lokale Bevölkerung (und wer!) an den Profiten des Tourismus teilhat, inwieweit Tourismus direkt oder indirekt zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse beiträgt (Entwicklungsgedanke), welche verschiedenen Tourismusformen die lokale Bevölkerung wie berühren, ob Reisen dazu beiträgt, interkulturelle Kommunitkation und Verständigung zu fördern und Vorurteile abzubauen, wie die „Bereisten“ die Reisenden sehen, und was der Tourismus für sie bedeutet.“(Hauser-Schäublin 2005: 379)

Häufig wurden zwischen Touristen und Kolonialisten Parallelen gesehen und so dem Tourismus ein grundsätzlich negatives Image zugeschrieben. In den 1980er Jahren begann man diese verhärtete Sichtweise zu revidieren. (vgl. Nash 1996: 76)

Bedeutende Arbeiten zur Thematik Gender und Tourismus finden sich ab den 1990er Jahren. Hier ist Vivian Kinnairds und Derek Halls Wegbereiter “Tourism. A Gender Analysis”, aus dem Jahr 1994 zu nennen, sowie Thea M. Sinclairs Publikation „Gender, Work and Tourism“, die im Jahr 1997 erschien. Annette Pritchard leistete im Jahr 2007 einen wichtigen Beitrag mit ihrem Werk:„Tourism and Gender. Embodiement, Sensuality and Experience“.

Fokus der Auseinandersetzung ist vor allem die Veränderung der Gender-Beziehungen durch den raschen und nachhaltig steigenden Tourismus. Auch die zentrale Rolle der Frauen im Tourismussektor, ihre Beschäftigung und Ausgrenzung aus Teilbereichen, ist Thema der Forschung, sowie die Diskussion und Konfrontation des Tourismus als Feld, in dem westlich und männlich geprägte Ansätze dominieren.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Kultur- und Sozialanthropologie durch ihre Wurzeln – die Reisen in die Fremde – und den Fokus auf die Differenz bereits viele Berührungspunkte mit dem multidisziplinären Feld des Tourismus hat. Obwohl die Tourismusforschung des Faches per se noch relativ jung ist, bildeten sich bereits verschiedene Zugänge, die sich jeweils auf kleinere Ausschnitte, auf Mikroebenen konzentrieren.

Auch die Genderforschung innerhalb des Tourismus ist bereits durch bedeutende Literatur belegt. Darin spielen vor allem die Erfahrungen und das Erleben des Tourismus als Reisende(r) oder als in diesem Sektor Arbeitende(r) eine zentrale Rolle. Weiters ist sie zentral für die Dokumentation und Analyse von Genderkonstruktionen, ihren wechselseitigen Einfluss und ihre Veränderungen auf Grund der Globalisation und durch ihre Ausprägung in den Akteuren der Tourimusindustrie und dessen Ambiente als Arbeitsplatz.

2.3 Tourismuspolitik und Tourismusorganisationen

Tourismus ist ein globales Phänomen, dessen Auswirkungen in beinahe jeglichen Bereich, -so auch in der Politik,- seinen Eingang gefunden hat. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass von Tourismuspolitik gesprochen wird. Die Definition und Beschreibung dieses Begriffes, sowie die Aufgaben und Bedeutung von Tourismusorganisationen, möchte ich in diesem Unterkapitel darlegen.

Für Tourismuspolitik hält das „Gabler Wirtschaftslexikon“ folgende Definition bereit:

„Unter Tourismuspolitik versteht man die Summe aller Maßnahmen öffentlicher Institutionen auf allen Ebenen politischen Handelns, die einen Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung des Tourismus haben. (...)Es kann zwischen direkter und indirekter Tourismuspolitik unterschieden werden:

Direkte Tourismuspolitik beinhaltet alle (politischen) Maßnahmen die unmittelbar aus dem Tourismus heraus begründet werden, d.h., die einen direkten Einfluss auf die Tourismuswirtschaft haben (z.B. Senkung des Mehrwertsteuersatzes für die Hotelübernachtung).

Indirekte Tourismuspolitik umfasst alle (politischen) Maßnahmen, die nicht unmittelbar den Tourismus zum Gegenstand haben, diesen aber wesentlich beeinflussen (z.B. Ferienregelung in den Bundesländern).“ (Scherhagen 2011: 1)

Besonders die Förderung und die den Anforderungen des Tourismus entsprechende Entwicklung der Ökonomie, Ökologie und der Infrastruktur bilden wichtige Ziele der Tourismuspolitik, sowie der Tourismusorganisationen, um wettbewerbstauglich zu bleiben. (vgl. Frietzsche 2011b: 1; WEF 2011)

Dennoch wird festgehalten, dass grundsätzlich nicht von „der Tourismuspolitik“ gesprochen werden kann, da sie nahezu alle Bereiche im politischen System tangiert bzw. von diesen Bereichen tangiert wird. (vgl. Scherhagen 2011: 1)

Als Tourismusorganisation wird der „Zusammenschluss touristischer Institutionen mit dem Ziel der generellen Förderung und Entwicklung des Tourismus in den jeweiligen Marktsegmenten“ gesehen. (Frietzsche 2011b:1)

Je nach Größe und ökonomischer und politischer Relevanz der Tourismusorganisation werden unterschiedliche Funktionen wahrgenommen. Hierzu zählen: Lobby-, Leitbild-, Planungs- wie Strategiefunktionen, Angebotskoordinationsfunktion, Marktforschungs- und Marketingfunktion sowie Informations- und Kontrollfunktion. (vgl. Frietzsche 2011b: 1)

International ist die Welttourismusorganisation – World Tourism Organisation UNWTO- und National das Instituto Guatemalteco de Turismo INGUAT als touristische Dachorganisation zu sehen.

Anhand des Netzes der internationalen Organisationen des Tourismus zeigt sich die Vielzahl weiterer Organisationen, die sich weltweit mit tourismusrelevanten Fragestellungen und Teilbereichen beschäftigen und offizielle Daten zu Verfügung stellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Netz der internationalen Organisationen des Tourismus

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Begriff Tourismuspolitik die Handlungen im Sinne eines sich, den Anforderungen und der Nachfrage entsprechend, nachhaltig und schonend entwickelnden Tourismus beschreibt, deren Aktionen in den Marktsegmenten im Detail von Tourismusorganisationen betrieben und kontrolliert werden. Die UNWTO stellt dabei die zentrale Figur dar, (re-)präsentiert international die Vorgänge und Entwicklungen im Tourismus und hat global die leitende und koordinative Rolle inne.

2.4 Der Tourismussektor

Im Laufe der Zeit, hat sich eine stetig wachsende Anzahl von Destinationen dem Fremdenverkehr geöffnet und investiert in seine Entwicklung, wodurch der moderne Tourismus immer mehr zu einem Hauptfaktor des sozio-ökonomischen Fortschritts wird. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze und Unternehmen, die Entwicklung der Infrastruktur und die erwirtschafteten Exporteinnahmen sind einige seiner Auswirkungen. International gesehen ist dabei der Einreisetourismus eine der wichtigsten Branchen geworden.

(vgl. UNWTO 2010: 2)

In diesem Unterkapitel möchte ich einen Überblick geben über den Tourismussektor in seiner ökonomischen Relevanz, sowie als einen der Hauptgeneratoren für Arbeitsplätze und deren Konditionen.

2.4.1 Ökonomische Relevanz

In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat der Tourismus eine kontinuierliche Expansion und Diversifizierung erfahren, um einer der größten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige in der Welt zu werden.

Die UNWTO publizierte im Jahr 2010, dass das gesamte Export-Einkommen des Tourismus im Jahr 2009 knapp über 1 Billion US Dollar lag; umgerechnet sind das etwa 3 Milliarden US Dollar pro Tag, oder 5% des Beitrages zur Exportwirtschaft weltweit. Weltweit liegt der Tourismus als Exportkategorie nach Kraftstoffen, Chemikalien und Produkten für die Automobilindustrie auf Platz vier,. Für viele Entwicklungs- und Schwellenländer ist er einer der wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen und generiert notwendige Arbeitsplätze. (vgl.UNWTO 2010: 2)

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Details

Seiten
50
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656097570
ISBN (Buch)
9783656097433
Dateigröße
822 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184923
Institution / Hochschule
Universität Wien – Kultur- und Sozialanthropologie
Note
2.00
Schlagworte
Frauen Gender Guatemala Tourismus Führungspositionen ReiseleiterInnen-FremdenführerInnen-TouristenführerInnen

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