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Zwischen Manipulation und politischer Partizipation

Die Rolle des Volkes im pompejanischen Wahlkampf

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kurze Einführung zur politischen Struktur Pompejis

3. Wahlfieber in der antiken Stadt
3.1. Wahlprogramme der Kandidaten
3.2. Beeinflussung der Wähler
3.3. Unterstützung eines Kandidaten

4. Die Persönlichkeitswahl - Eine Frage der Ehre

5. Fazit: Manipulation vs. Partizipation?

Quellen- und Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

„[Die] ganze Stadt scheint nicht anderes im Kopf zu haben als Wahlen. Das ist ja schlim- mer als in Rom."[1]

Aquarius (Wassermeister)

Im Rahmen meines Geschichtsstudiums beschäftigte ich mich im Sommersemester 2011 mit der antiken Stadt Pompeji. Infolgedessen entstand innerhalb meines Proseminars, welches den Titel „Ein Moment für die Ewigkeit: Der konservierte Alltag von Pompeji und Herculaneum" trägt, eine wissenschaftliche Arbeit. Diese soll sich mit der Rolle des Volkes im pompejanischen Wahlkampf beschäftigen.

Pompeji war eine kleine antike Hafenstadt im heutigen Italien, welche nur rund 800 Jahre existierte. Über die Einwohnerzahlen lassen sich in der Literatur nur Schätzungen finden. Der Historiker Michael Grant spricht von rund 25 000 Einwohnern[2], Ludwig Curtius ver­mutet anhand der Sitzplätze der beiden Theater eine etwas geringere Zahl und spricht von weniger als 20 000.[3] Auch wenn diese Größe nicht unbeachtlich für eine Stadt der Antike und Pompeji aufgrund der guten geografischen Lage wirtschaftlich gut entwickelt war, so blieb diese für die Römische Republik verhältnismäßig unbedeutend. Nichtsdesto­trotz weist Pompeji einige Besonderheiten auf, welche für die Geschichtswissenschaft von enormer Wichtigkeit sind.[4]

Die Forschung beschäftigt sich seit rund 300 Jahrhunderten mit der Geschichte der anti­ken Stadt, welche 79 vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) an den Folgen eines Vulkanaus­bruchs des Vesuvs unterging. Mit dem Vulkanausbruch kam Pompeji zum Stillstand und wurde von heißer Lava meterhoch bedeckt. Erst im 18. Jahrhundert wurden die ersten, wenn auch noch sehr unorganisierten Ausgrabungen begonnen und Pompejis Schätze stückweise freigelegt. Seitdem begeistert Pompeji auch rund zwei Jahrtausende nach sei­nem Untergang nicht nur Historikern, sondern auch Archäologen, Künstler und Autoren.[5] Dabei kamen nicht nur zahlreiche Schätze zum Vorschein, sondern fand man auch an den Wänden der Häuser Schriftzüge mit politischem Inhalt, welche Aufschluss über das Wahl­verhalten der Bevölkerung Pompeji geben.

Das Zitat zu Beginn zeigte bereits, dass das Thema Wahlen die Pompejaner sehr interes­sierte und begeisterte. Diese Hausarbeit beschäftigt sich aus diesem Grund im Speziellen mit folgendem Forschungsthema: „Zwischen Manipulation und politischer Partizipation - Die Rolle des Volkes im pompejanischen Wahlkampf." En detail soll dabei die Frage ge­klärt werden, inwiefern das Volk Pompejis tatsächlichen Einfluss auf die politischen Wah­len und das Wahlergebnis nehmen konnten oder ob ihnen von der politischen Elite nur das Gefühl einer Mitwirkung zur Stärkung der Legitimation vorgespielt wurde und somit vom politischen Geschehen abzulenken.

An dieser Stelle kann nur eine kleine Auswahl der wesentlichsten Werke, welche die Grundlage dieser Arbeit lieferten, wiedergegeben werden. Vor allem die Bücher von Ro­bert Etienne und Karl-Wilhelm Weeber, leisteten einen enormen Beitrag. Das Werk von Moses I. Finley gab einen sehr guten und verständlichen Überblick zur Geschichte der Antike.

Zunächst soll eine kurze Einführung zur politischen Struktur Pompejis gegeben werden. Dazu gehören neben der Frage nach der Wahlberechtigung und den Voraussetzungen für eine Kandidatur, auch die durch Wahlen zu besetzten Ämter und die verschiedenen Auf­gabenbereiche der antiken Stadt. Im zweiten Schritt, dem sich anschließenden Hauptteil, sollen einige ausgewählte Aspekte des antiken Wahlkampfes beleuchtet werden. Nach­dem zunächst unter dem Punkt 3.1. die Rolle von Wahlprogrammen der Kandidaten be­schrieben wurde, erfolgt unter 3.2. eine Erläuterung zu den verschiedenen Formen der Beeinflussung der Wähler auf das Wahlergebnis durch die Kandidaten. Abschließend soll im letzten Punkt dieses Kapitels das Äquivalent zum vorhergegangen Unterpunkt herge­stellt werden, nämlich inwiefern die Wähler selbst einen bestimmten Kandidaten unter­stützten konnten und welche Folgen dies für die Wahl mit sich brachte Unter dem 4. Glie­derungspunkt steht die Frage im Vordergrund, welche Voraussetzungen dazu führten, dass ein Kandidat die Wahl gewann. Im letzten Teil folgt dann in der Auswertung und ein Versuch die Forschungsfrage zu beantworten.

2. Kurze Einführung zur politischen Struktur Pompejis

Bevor wir uns der Rolle des Volkes im pompejanischen Wahlkampf widmen, müssen eini­ge grundlegende Fakten zu politische Struktur erläutert werden. Die politische Struktur Pompejis setzte sich aus drei Bestandteilen zusammen. Die Exekutive bilden die magistrati, die Behörden, die Legislative; der ordo decurionum, der Stadtrat und der populus, das (wahlberechtigte) Volk, die Wähler.[6] Diese drei Elemente sollen zunächst im Folgenden beschrieben werden.

Die Bevölkerung Pompejis unterteilte sich auf der politischen Ebene in zwei Gruppen - die wahlberechtigten und von den Wahlen ausgeschlossenen Bürger. Die erstere Gruppe spaltete sich noch einmal in Bürger mit dem aktiven und dem passiven Wahlrecht auf. Das passive Wahlrecht besaßen alle Männer, welche frei geboren wurden und das 25. bzw. 30. Lebensjahr[7] erreicht hatten.[8] Um das aktive Wahlrecht innezuhaben musste der Wähler ebenfalls das römische Bürgerrecht besitzen. Von den Wahlen ausgeschlossen blieben alle Frauen, Sklaven und Ausländer.[9]

Zum Regelungsbereich der Stadt Pompeji gehörte die kommunale Selbstverwaltung, wel­che durch die politischen Ämter ausgeführt wurden. Für welche Ämter durfte nun die wahlberechtigte Bevölkerung ihre Stimme abgeben und welchen Aufgaben gingen die Amtsträger nach? In Pompeji fanden Wahlen für zwei verschiedene Ämter statt - zum einen gab es das Amt des duumviri, welches sich aus zwei Männern zusammensetzte. Die Amtsträger übten einen großen Einfluss auf die kommunale Politik ein. So trugen sie den Vorsitz des Stadtrates und bildeten die Judikative der Stadt. Die Amtsdauer betrug ledig­lich ein Jahr, mit einer Ausnahme. Alle fünf Jahre wurden ein spezieller Duumvirn ge­wählt, duumviri quinquennales, welche sich um verwaltungstechnische Aufgaben wie die die Bürgerlisten kümmerten. Desweiteren stellten sie eine Kontrollinstanz für die Duumvirn dar, welche deren Handlungen überprüfte.[10]

Zum anderen wurde die Verwaltung gewählt. Die sogenannten Aedilen, welche den Duumvirn untergeordnet standen, bildeten die Spitze der Verwaltung. Ihre Aufgaben um­fassten die Organisation des Straßenbaus und das Ausrichten von Spielen, sowie den Er­halt von öffentlichen Gebäuden.[11]

Desweiteren gab es noch den Stadtrat, welcher die höchste Instanz der Stadt Pompeji bildete und Ähnlichkeiten mit dem Senat in Rom aufwies. Dabei wurde nur ein geringer Teil des aus 100 sogenannten decuriones bestehenden Stadtrates indirekt gewählt. Der überwiegende Teil kaufte mit einem bestimmten Betrag in sein politisches Amt. Das aus unserer heutigen Sicht fragwürdigen und undemokratisch ,Verfahren' war für die Antike typisch, denn man glaubte, dass die vermögenden Menschen auch über die Politik ent­scheiden sollten.[12]

Die beiden Ämter zeichnen das Prinzip der Annuität und Kollegialität aus, d.h. die Amts­träger wurden lediglich für ein Jahr gewählt und das Amt wurde aus zwei Politikern be­setzt. Diese beiden Regeln führten zur Machtbeschränkung und sollten vor Amtsmiss­brauch schützen. Aufgrund der Tatsache, dass die Ämter nur für ein Jahr besetzt wurden, konnten die Amtsträger kaum willkürlich handeln, wenn sie nach der Wahlperiode wie­dergewählt werden wollten. Durch das Besetzen von Ämtern durch zwei Personen wurde ebenfalls die Gefahr von Amtsmissbrauch gemildert, da eigenmächtiges Handeln unmög­lich war.[13]

Nachdem geklärt wurde, wer in Pompeji wahlberechtigt war und welche Ämter zu beset­zen waren, soll nun kurz auf die Wahl im Allgemeinen eingegangen werden. Im Gegensatz zu Rom gab es in Pompeji eine Volkswahl, welche jährlich im März stattfand. Mit soge­nannten ,Stimmsteinen' gaben die Wähler geheim ihre Wahlentscheidung ab. Es konnten nur Kandidaten gewählt werden, welche das Bürgerrecht der Stadt besaßen, angemeldet und auf einer Liste verzeichnet waren.[14] Wahlberechtigte mit dem aktiven Stimmrechte mussten dabei einen Kandidaten für ein Amt vorschlagen, damit dieser auf die Wahlliste kam. Sobald alle Kandidaten auf der Liste verzeichnen wurden, begann der Wahlkampf.[15]

[...]


[1] Weeber, Karl-Wilhelm: Wahlkampf im Alten Rom, Düsseldorf 2007, S. 7.

[2] Vgl. Grant, Michael: Pompeji. Kunst und Leben in Pompeji und Herculaneum, München 1986, S. 10.

[3] Vgl. Curtius, Ludwig: Die Wandmalerei Pompejis. Eine Einführung in ihr Verständnis, Leipzig 1929, S. 30.

[4] Vgl. ebd., S. 34.

[5] Grant 1986: S. 12.

[6] Vgl. Eschebach, Hans: Pompeji. Erlebte antike Welt, Leipzig 1984, S. 18.

[7] In der Amtszeit des römischen Kaiser Augustus (27 v.u.Z.-14 n.u.Z.) wurde das Wahlalter von 30 auf 25 gesetzt.

[8] Vgl. Weeber 2007: S. 11.

[9] Vgl. Eschebach 1984: S. 17f.

[10] Vgl. Weeber 2007: S. 14f.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Eschebach, 1984: S. 10f.

[13] Vgl. Mann, Christian: Antike. Einführung in die Altertumswissenschaft, Berlin 2008: S. 99.

[14] Vgl. Eschebach 1984: S. 17f.

[15] Vgl. Weeber 2007: S. 13.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656100676
ISBN (Buch)
9783656100348
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184866
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Schlagworte
Antike Pompeji Wahlen Politik Wandbemalungen Wahlkampf

Autor

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