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Family (Systems) Nursing: Anwendungsbereiche und dessen Nutzen in der Pflegepraxis

Hausarbeit 2011 42 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodenwahl

3. Family (Systems) Nursing: Definition, Ebenen und Unterschiede
3.1. Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen von Family (Systems) Nursing
3.1.1. Allgemeine Systemtheorie
3.1.2. Kybernetik
3.1.3. Kommunikationswissenschaft
3.1.4. Veränderungstheorie
3.1.5. Biologische Erkenntnistheorie
3.1.6. Postmoderne
3.2. Family Nursing - Calgary Modelle als Instrumente der generalistischen Praxis
3.2.1. Das Calgary Familien-Assessment-Modell (CFAM)
3.2.1.1. Die strukturale Einschätzung
3.2.1.2. Die Einschätzung der Entwicklung
3.2.1.3. Die funktionale Einschätzung
3.2.1.4. Indikatoren und Kontraindikatoren zur Nutzung des Modells
3.2.2. Das Calgary Familien-Interventions-Modell (CFIM)
3.2.2.1. Interventionsorientierte Fragen
3.2.2.2. Interventionen zur Veränderung im kognitiven Bereich
3.2.2.3. Interventionen zur Veränderung im affektiven Bereich
3.2.2.4. Interventionen zur Veränderung im verhaltensbezogenen Bereich
3.2.3. Anwendungsbereiche von Family Nursing (FN)
3.3. Family Systems Nursing als Advanced Nursing Practice
3.3.1. Das Illness Beliefs Modell (IBM)
3.3.2. Das Trinity Modell (TM)
3.3.3. Anwendungsbereiche von Family Systems Nursing (FSN)

4. Ergebnis

5. Diskussion

6. Literaturverzeichnis

7. Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Familien als Zielgruppe von Pflege zu erkennen und diese auf systemischem und relationalem Wege in die Gesundheitsversorgung mit einzubeziehen, findet sich im angloamerikanischen Raum in der Literatur seit den 70er Jahren und werden dort, je nach Kontext der Pflegepraxis, unter den Synonymen Family Nursing, Family Systems Nursing, Family Health Care Nursing, Family focused practice, Family centered practice und Family Health Nursing verwandt (Bell 2009, S. 124, vgl. dazu auch Kean 2001a, S. 52).

Der Begriff Family (Systems) Nursing1 wurde maßgeblich durch die beiden kanadischen Pflegewissenschaftlerinnen Lorraine Wright und Maureen Leahey (1990) geprägt. Deren theoretisches Gerüst von Family (Systems) Nursing, welches zum Zweck der Unterstützung von Familien mit Gesundheitsproblemen entwickelt wurde und von Wright, Watson und Bell (1996), Wright (2005) und Wright & Bell (2009) durch das Illness Beliefs Modell (IBM) und das Trinity Modell (TM) erweitert wurde, betrachtet die Familieneinheit und nicht das Individuum als Bezugspunkt von Pflege und basiert auf Ansätzen der Familienforschung und Familientherapie (vgl. dazu auch McCormack 2001, S. 69).

In verschiedensten Studien, die meist an der Family Nursing Unit (FNU) an der Calgary Universität (Bell 2008, S. 275) durchgeführt wurden (Wright et al., 1996, Hougher Limacher & Wright 2003, Bohn et al., 2003, Duhamel & Talbot 2004, Wright 2005, Moules et al., 2004, 2006, 2007; Wright & Bell 2009), zeigt sich der Nutzen in der Anwendung dieser Modelle.

Eine Vielzahl von Fakultäten und Pflegeschulen in Canada, Nordamerika, Australien, Schweden, Dänemark, Finnland, Island, England, Schottland, Neuseeland, der Schweiz, Spanien, Portugal, Japan, Korea, Thailand, China, Taiwan, Nigeria, Brasilien und Chile haben diese systemischen Modelle aufgrund ihrer Bewährtheit in der Praxis übernommen und implementiert (Bell 2008, S. 277).

Diese Literaturarbeit stellt die Entwicklung von Family (Systems) Nursing dar. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung von Family (Systems) Nursing und dessen mögliche Anwendungsbereiche in der pflegerischen Praxis.

Folgende Frage leitet die Bearbeitung der Arbeit: Welcher Nutzen zeigt sich in der Anwendung von Family (Systems) Nursing in der pflegerischen Praxis?

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der Methodenwahl. Im darauffolgenden Teil werden die unterschiedlichen Ebenen von Family (Systems) Nursing erklärt. Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen wird erläutert. Im Anschluss daran erfolgt die Beschreibung und Darstellung von Family Nursing mit den Calgary Modellen als Instrumente der generalisierten Pflegepraxis sowie deren Anwendungsbereiche. Darauf folgen die spezialisierte Pflegepraxis und ebenfalls deren Anwendungsbereiche. Ergebnisse und Diskussion bilden den Abschluss.

2. Methodenwahl

Der Literaturrecherche dienten die Datenbanken CINAHL, MEDLINE, Science Direct und Google Scholar (1990-2011).

Suchbegriffe waren Family Systems Nursing, Family Nursing, nursing, Advanced Nursing Practice, Calgary Model, Calgary Family Assessment Model, Calgary Family Intervention Model, familienzentrierte Pflege, Calgary Familien-Assessment-Modell und Calgary Familien-Interventions-Modell. Diese Begriffe wurden miteinander kombiniert verwandt.

Zusätzlich erfolgte eine Handsuche in der Pflegezeitschrift „Family Nursing“. In einem weiteren Schritt wurden die Literaturverzeichnisse der relevanten Literatur auf weitere Quellen untersucht.

3. Family (Systems) Nursing: Definitionen, Ebenen und Unterschiede

Wright & Leahey (1990) benennen erstmals im Journal of Advanced Nursing den Unterschied zwischen Family Nursing (FN) und Family Systems Nursing (FSN) (vgl. dazu Bell 2009, S. 123).

Family Nursing wird von den beiden Pflegewissenschaftlem wie folgt beschrieben: Family nusing can be conzeptualized in two ways. It is the focus on the individual in context of the family, where the individual is the figure and the family is the ground. An alternative conceptualization is the focus on the family with the individual as context, the family is the figure and the individual is the ground (Wright & Leahey 1990, S.148).

Family Systems Nursing hingegen: (Family systems nursing) can be conzeptualized as focusing on the whole family as the unit of care. Concentration is both the individual and the family simultaneously. The focus is always on the interaction and the reciprocity. It is not

„either/or“but rather „both/and“. Family systems nursing is the integration of nursing,

systems, cybernetics andfamily therapy theories (Wright & Leahey 1990, S. 149).

Wright & Leahey (1990) definieren damit die Pflege der Familie auf zwei unterschiedlichen Ebenen:

Ebene 1: Family Nursing

- Fokus liegt auf dem Individuum - mit der Familie als Kontext
- Fokus liegt auf der Familie - mit dem Individuum als Kontext

Ebene 2: Family Systems Nursing

- Fokus liegt auf der Familie als Einheit

Während sich auf Ebene 1 der Schwerpunkt vom Individuum auf die Familie verschiebt, steht auf Ebene 2 die Familie im Kontext von Pflege. Wenn das Individuum im Vordergrund der Pflege steht, interessieren sich demzufolge die Pflegenden für dessen Krankheitserfahrungen im Kontext der Familie. In diesem Fall würden Pflegende den Betroffenen nach dessen Erfahrungen mit seiner Erkrankung und ggf. dessen Familienmitglieder nach deren Verständnis für dessen Erkrankung befragen (vgl. dazu Kean 2001a, S.49). Steht hingegen die Familie im Vordergrund der Pflege, verschiebt sich das Spektrum der Pflegenden auf die Familienmitglieder und deren Erfahrungen hinsichtlich einer bestimmten Erkrankung. Der eigentliche Schwerpunkt der Pflege liegt hier auf den Bewältigungsstrategien, den

Kommunikationsprozessen, Rollendefinitionen und Entscheidungen einer Familie hinsichtlich einer bestimmten Erfahrung (Friedemann 1995, zitiert nach Kean 2001a, S. 49/50; vgl. dazu auch Wright & Leahey 1990, S. 149).

Die zweite Ebene legt ihren Schwerpunkt als Bezug der Pflege auf die Familieneinheit. Diese zweite Ebene weist im Gegensatz zur ersten Ebene eine höhere Komplexität auf, da Familie und Individuum auf dieser gleichzeitig Berücksichtigung finden müssen. Der Fokus dabei liegt auf Interaktion und Gegenseitigkeit im Familiensystem (Kean 2001a, S. 50, vgl. dazu auch Wright & Leahey 1990, S. 149).

Der wesentliche Unterschied dieser beider Ebenen zeigt sich für Kean (2000) in den anzustrebenden Interventionen: Auf der ersten Ebene werden Veränderungen innerhalb eines Systems angestrebt. Im Gegensatz dazu ist eine Veränderung des gesamten Systems Ziel der Interpretation auf der zweiten Ebene, indem die Intervention an familiären Interaktionsprozessen und Strukturen ansetzt (Kean 2000, zitiert nach Kean 2001a, S. 50, vgl. dazu auch Bell 2009, S. 123).

Sowohl die kritische Diskussion um Family (Systems) Nursing (Gilliss & Davis 1992, Ranson 1994, zitiert nach Kean 2001a, S. 54, Robinson 1995a, 1995b) - die fehlende Differenzierung von Individuum als Familienmitglied und Familieneinheit (Gillis & Davis 1992), die daraus entstehende Dichotomie im Bereich von Family (Systems) Nursing (Robinson 1995a, 1995b) als auch die daraus resultierende Erkenntnis, dass die beiden Begriffe Family Nursing und Family Systems Nursing weder in Praxis, Lehre und Forschung austauschbar sind (Kean 2001a, S. 53) sowie die Erkenntnis einer bisherigen Einengung der Systemtheorie (Ranson 1984, zitiert nach Kean 2001a, S. 54), die keine gleichzeitige sich bedingende Entwicklung des Individuums und der Familie außerhalb des Familiensystems zulässt (Kean 2001a, S. 55) - haben zu einer Weiterentwicklung und Differenzierung von Family (Systems) Nursing geführt. Wright und Bell unterschieden zwischen einer generalisierten und spezialisierten Pflegepraxis. Zu Family Nursing als Form der generalisierten Pflegepraxis zählen das Calgary Familien-Assessment-Modell (CFAM) und das Calgary Familien-Interventions-Modell (CFIM), zu Family Systems Nursing und somit zur spezialisierten Pflegepraxis gehören zudem das Illness Beliefs Modell (IBM) und das Trinity Modell (TM) (Wright 2011, S. 6, vgl. auch Bell 2008, S. 275).

Bevor eingehend auf diese Unterscheidung der generalisierten und spezialisierten Pflegepraxis von Family (Systems) Nursing eingegangen wird, soll nun zunächst der gemeinsame konzeptionelle Rahmen aufgezeigt werden.

3.1. Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen von Family (Systems) Nursing

Der gemeinsame konzeptionelle Rahmen von Family Nursing und Family Systems Nursing besteht aus den Grundlagen der allgemeinen Systemtheorie, der Kybernetik, der Kommunikationswissenschaft, der Veränderungstheorie, der biologisch begründeten Erkenntnistheorie und der Sichtweise der Postmoderne (Wright & Leahey 1990, S. 149, Wright & Leahey 2009, S. 45, Wright & Leahey 2005, S. 31, vgl. dazu auch Marshall et al., 2010, S. 199).

Eine zentrale Bedeutung kommt dabei der allgemeinen Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy zu (Wellard 1997, zitiert nach Kean & Gehring 2001, S. 33). Deren Übertragung auf die Familie hat den stärksten Einfluss auf alle familienorientierten Konzepte gehabt (Wright & Leahey 2005, S. 31).

3.1.1. Allgemeine Systemtheorie

Die allgemeine Systemtheorie ist eine Organisationstheorie, welche sich mit der Dynamik von Systemen innerhalb eines Ganzen befasst (Kean & Gehring 2001, S. 33). Als Erfinder dieser Theorie gilt der Biologe von Bertalanffy (1950).

Von Bertalanffy verfolgte das Ziel, allgemeingültige Eigenschaften von Systemen zu formulieren. Diese Eigenschaften umfassen Ganzheit, Offenheit, Feedback, Homöostase, Kontingenz, Grenzen und Umwelt. Systeme entstehen nach seiner Ansicht durch Unterscheidungen innerhalb der Umwelt. Differenziert wird in der allgemeinen Systemtheorie zwischen einen offenen und geschlossenen System (Kean & Gehring 2001, S. 33).

Aus Sicht der Systemtheorie gelten Familien als offene Systeme, als selbsterhaltende, selbstregulierende und zielorientierte Systeme, die sich ständig weiterentwickeln (Kean & Gehring 2001 S. 33-36).

Wright & Leahey (2009) leiten daraus die fünf folgenden Konzepte für die Pflege ab:

- Das Familiensystem ist Teil größerer Suprasysteme und setzt sich aus vielen Subsystemen zusammen.

- Die Familie als Ganzes ist größer als die Summe ihrer Teile.
- Die Veränderung von einem Familienmitglied beeinflusst auch alle anderen Familienmitglieder.
- Die Familie ist in der Lage, eine Balance zwischen Veränderung und Stabilität zu schaffen.
- Zirkuläre Kausalität erklärt das Verhalten von Familienmitgliedern besser als die lineare Kausalität ( S. 48-52).

Diese fünf Konzepte verhelfen Pflegenden dazu, komplexe Familiensituationen und deren Besonderheiten zu erkennen (ebd., S. 48-49), jedes der einzelnen Familienmitglieder im Kontext der Familie zu verstehen (ebd., S. 50), die gleichzeitige Beeinflussung aller Familienmitglieder durch Veränderungen zu beobachten (ebd., S. 50/51), Möglichkeiten zu finden und eine Balance zwischen Veränderung und Stabilität innerhalb einer Familie zu erzielen (ebd., S. 51). Zudem wirken sich diese Konzepte auf die Pflegepraxis aus und auf deren Art der Wahrnehmung. Diese ermöglichen es, implizite Informationen explizit zu machen und alternative Sichtweisen anzubieten (ebd., S. 52).

3.1.2. Kybernetik

Die Kybernetik versteht lebende Systeme als selbstorganisierte und selbstregulierende Feedbackmechanismen (Wiener 1954, Smith 1962, zitiert nach Kean & Gehring 2001, S. 38).

Im Gegensatz zur Systemtheorie, die die Sicht des Menschen von den Teilen auf das Ganze verlagert, verlagert die Kybernetik die Sicht vom Inhalt auf die Form und untersucht die Gesetzmäßigkeiten der Abläufe von Steuerungs- und Regelungsvorgängen (Wright & Leahey 2009, S. 53). Diese Forschungsrichtung legt ihren Fokus auf die Interaktion innerhalb des Systems, wobei Interaktion mittels Feedback stattfindet. Ein positives Feedback ist gekennzeichnet durch eine verstärkte Stimulation des Systems mit gleichem Input, was zum Stillstand des Systems führt. Negatives Feedback wiederum resultiert in einer Schaffung von Voraussetzungen von Veränderungen und Lernprozessen innerhalb eines Systems (Kean & Gehring 2001, S. 38/39).

Die beiden wesentlichen Konzepte, die Wright & Leahey (2009) ableiten und als theoretische Grundlage bei der Arbeit mit Familien betrachten, sind:

- Familiensysteme haben die Fähigkeit der Selbstregulation.
- Rückkopplungsprozesse können in den Familien auf mehreren Systemebenen gleichzeitig stattfinden (S. 53/54)

Diese Konzepte lassen Pflegende erkennen, dass nicht ein Familienmitglied für die Probleme bzw. Schwierigkeiten der ganzen Familie alleine verantwortlich zu machen ist, sondern dass das Verhalten eines jeden Familienmitgliedes sich auf das Verhalten aller anderen auswirkt und von diesen selbst beeinflusst wird. Um eine fundamentale Veränderung in einer Familie zu bewirken, muss eine Veränderung der Grenzen der Regelungs- und Steuerungsvorgänge erfolgen, damit eine Transformation der Verhaltensweisen ermöglicht wird. Zudem zeigen diese Konzepte, dass Rückkopplungsprozesse in Familien auf mehreren, unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig stattfinden können. Pflegende, die mit komplexen Familiensituationen in Berührung kommen, müssen nicht nur die Beziehung zwischen Beobachter und Beobachtungsgegenstand bei ihrer Arbeit berücksichtigen, sondern auch die innere Struktur der Familie (ebd., S. 53/54).

3.1.3. Kommunikationswissenschaft

Die Kommunikationswissenschaft, basierend auf Arbeiten von Paul Watzlawick, wird im Calgary Modell zur Analyse verbaler und non-verbaler Interaktionen zwischen Familienmitgliedern genutzt (Wright & Leahey 2009, S. 54, vgl. dazu auch Kean & Gehring 2001, S. 41 und McCormack 2001, S. 70).

Für Wright & Leahey (2009) lauten die sich daraus ergebenden Konzepte:

- Jede nonverbale Kommunikation ist bedeutungsvoll.
- Kommunikation hat immer zwei Transmissionskanäle: einen digitalen und einen analogen.
- Symmetrie und Komplementarität haben wechselnde Bedeutungen in einer dyadischen Beziehung
- Jede Kommunikation hat immer zwei Ebenen - Inhalt und Beziehung (S. 54/55).

Diese Konzepte zeigen Pflegenden, dass das Verhalten einer Person nur dann als aussagekräftig und relevant gilt, wenn der Kontext unmittelbar mitberücksichtigt wird (ebd., S. 54), dass Pflegende darauf zu achten haben, dass bei einer Nichtübereinstimmung digitaler und analoger Elemente der Kommunikation non-verbale Botschaften als relevanter zu betrachten sind (ebd., S. 54/55). Außerdem dienen die Konzepte der Feststellung symmetrischer und komplementärer Beziehungen, dem Erkennen der Problematik dieser in „einseitigen“ Familienbeziehungen (ebd., S. 55) und der Struktur einer Beziehung (ebd., S. 56).

3.1.4. Veränderungstheorie

Die Auffassungen von Wright und Leahey (2009) über Veränderungen basieren auf den Arbeiten von Maturana, Watzlawick et al., Bateson und Maturana & Varela sowie eigenen klinischen Erfahrungen in der familienzentrierten Arbeit. Ihre Sicht beinhaltet, dass durch Lebensereignisse Veränderungen stattfinden können. Veränderungen, die innerhalb der Familie geschehen, können im verhaltensbezogenen, affektiven und kognitiven Bereich auftreten, haben aber gleichzeitig Auswirkungen auf alle drei Bereiche (S. 57).

Aufgrund dieser verhaltenstheoretischen Ansätze ergeben sich für für Wright & Leahey (2009) die folgenden Konzepte:

- Veränderung ist abhängig von der Wahrnehmung des Problems.
- Veränderung wird von der Struktur bestimmt.
- Veränderung ist abhängig vom Kontext.
- Veränderung ist abhängig von der gemeinsamen Entwicklung der Behandlungsziele.
- Verstehen alleine führt nicht zu Veränderung
- Familienmitglieder reagieren nicht zwangsläufig alle gleich auf Veränderung
- Es liegt in der Verantwortung der Pflegenden, Rahmenbedingungen bzw. einen Kontext zu schaffen, in dem Veränderungen möglich sind.
- Veränderung findet statt, wenn die angebotenen pflegerischen Interventionen und die biopsychosozialgeistige Struktur der Familienmitglieder zusammenpassen (S. 58-63).

Die veränderungstheoretischen Konzepte machen Pflegenden deutlich, dass einzelne Familienmitglieder verschiedene Ansichten vertreten, die durchaus Gültigkeit haben (ebd., S. 58/59). Deren Familienstruktur bzw. die Individuen in dieser bestimmen, welche Interaktionen zur Auslösung struktureller Veränderungen führen (ebd., S. 59), dass bei der Herbeiführung von Veränderungen der Kontext Berücksichtigung finden muss (ebd. S. 61) und dass Überzeugungen und das Verhalten der Familienmitglieder der Schlüssel von Veränderungen sind (ebd., S. 62). Pflegende sollten ihr Augenmerk darauf richten, welches Verhalten zum Fortbestand des Problems beiträgt und wie dies verändert werden kann (ebd. S. 62). Solche Veränderungen hängen von der Selbstregulation des Familiensystems an sich

- Familiensysteme haben die Fähigkeit der Selbstregulation.

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Details

Seiten
42
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656100706
ISBN (Buch)
9783656100379
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184863
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,0
Schlagworte
Family Nursing Family Systems Nursing Family Health Care Nursing Family focused practice Family centered practice und Family Health Nursing

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Titel: Family (Systems) Nursing: Anwendungsbereiche und dessen Nutzen in der Pflegepraxis