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Literatur im räumlichen und zeitlichen Kontext am Beispiel Hermann Hesses "Unterm Rad"

Ein handlungsorientiertes Unterrichtskonzept für Klasse 9

Examensarbeit 2007 85 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Planung
1. Fachwissenschaftliche Grundlage
1.1. Die Bedeutung von Hermann Hesse für die Literatur
1.2. Die Erzählung „Unterm Rad“ im räumlichen und zeitlichen Kontext
2. Methodisch – didaktische Analyse
2.1. Was ist handlungsorienterter Unterricht?
2.2. Stellung im Bildungsplan
2.3. Unterrichtsziele
2.4. Klassensituation
2.5. Methodisch – didaktische Vorgehensweise
2.6. Stundenübersicht

II. Durchführung
1. Stunden 1 bis 3
2. Stunden 4 – 7
3. Stunde 8
4. Stunden 9 – 11
5. Exkursion
6. Stunden 12 und 13
7. Leistungskontrolle

III. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang
1. Anhang: Tafelbild
2. Anhang: Themenpinwand
3. Anhang: Themenplakat „Beziehungen“
4. Anhang: Themenplakat „Seelische Krankheit“
5. Anhang: Themenplakat „Schule“
6. Anhang: Themenplakat „Mobbing“
7. Anhang: Themenplakat „Mobbing“
8. Anhang: Themenplakat „Natur und Heimat“
9. Anhang: Autobiographischen Zügen in „Unterm Rad“ (GFS)
10. Anhang Arbeitsblatt Internetrecherche räumlicher und zeitlicher Kontext
11. Anhang: Schülerlösung zur Internetrecherche, Aufgabe 1
12. Anhang: Schülerlösung zur Internetrecherche, Aufgabe 2a
13. Anhang: Schülerlösung, Aufgabe 2b
14. Anhang: Schülerlösung, Aufgabe 2b
15. Anhang: Schülerlösung, Aufgabe 3a
16. Anhang: Schülerlösung, Aufgabe 3b
17. Anhang: Schülerlösung, Aufgabe 4b
18. Anhang: Übersichtsplan des Klosters Maulbronn
19. Anhang: Führung durch die Schüler in Maulbronn
20. Anhang: Titelbildentwurf 1 zu „Unterm Rad“
21. Anhang: Titelbildentwurf 2 + 3 zu „Unterm Rad“
22. Anhang 22: Titelbildentwurf 4 + 5 zu „Unterm Rad“
23. Anhang: Titelbildentwurf 6 + 7 zu „Unterm Rad“
24. Anhang: Brief an Hans 1
25. Anhang: Brief an Hans 2
26. Anhang: Rezensionen zur Erzählung „Unterm Rad“
27. Anhang: Klassenarbeit

I. Planung

1. Fachwissenschaftliche Grundlage

1.1. Die Bedeutung von Hermann Hesse für die Literatur

Wenn ich als Dichter vom Wald oder vom Fluß, vom Wiesental, vom Kastanienschatten oder Tannenduft spreche, so ist es der Wald um Calw, ist es die Calwer Nagold, sind es die Tannenwälder und Kastanien von Calw, die gemeint sind, und auch Marktplatz, Brücke und Kapelle, Bischofsstraße und Ledergasse, Brühl und Hirsauer Wiesenweg sind überall in meinen Büchern wiederzuerkennen, denn alle diese Bilder haben einst dem Knaben als Urbilder Hilfe geleistet…[…] … Diesen Bildern bin ich zeitlebens treu und dankbar geblieben, sie haben mich und mein Weltbild formen helfen und sie leuchten mir heute noch inniger und schöner als je in der Jugendzeit. (Hermann Hesse 1949)[1]

Hermann Hesse, 1877 in der schwäbischen Schwarzwaldstadt Calw geboren, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Weltliteratur. Mehr als 100 Millionen Exemplare seiner Bücher wurden mittlerweile gedruckt und in alle Welt verkauft. Hesse wurde in über 50 Sprachen übersetzt, die deutschsprachigen Ausgaben machen davon noch immer ein gutes Viertel aus. Von der deutschen Literaturwissenschaft anfangs wenig anerkannt und der Unterhaltungsliteratur zugeordnet, erlebte die Hesserezeption seit den 1960er Jahren im Ausland einen regelrechten Boom, allen voran Amerika, wo der Autor auch an den Hochschulen begeistert aufgenommen wurde.[2]

Was ist aber so besonders an Hesses Werken, dass man ihm 1946 unter anderem den Nobelpreis für Literatur verlieh? Und weshalb werden noch immer die zum Teil schon gut 100 Jahre alten Werke gelesen? Es ist vor allem die Authentizität, mit der Hermann Hesse seine Texte verfasste, die Tatsache, dass er vieles von dem, das in seine Werke einfloss, selbst erlebt oder aus seinem unmittelbaren Umkreis mitbekommen hatte. Das strenge, missionarische Elternhaus, sein Großvater, ein gebildeter Mann und Spezialist für Indien, aber auch seine Heimat, die Orte Calw und Maulbronn, prägende Stationen seiner Jugend, nahmen so starken Einfluss auf seine Literatur und später seine Malerei, dass hier Werk und Autor nur schwer voneinander getrennt betrachtet werden können. Ganz besonders deutlich wird dies in seinen Entwicklungsromanen, in welchen er seine Jugend und Schulzeit verarbeitete.[3]

Die Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert war bei Literaten und Künstlern durch eine Individualisierung und dem wachsenden Interesse für psychologische Erkenntnisse gekennzeichnet. Sie widmeten dadurch ihre Arbeit unter anderem gerne den Themen „Kunst“, „Intellektualität“ und dem „Gegensatz von Künstler und Bürger“, was häufig zu einer kritischen Haltung gegenüber dem damaligen offiziellen Deutschland führte.[4]

In den Schulgeschichten geht es hauptsächlich um den Untergang eines jungen Menschen in einer verständnislosen, oft feindlichen und grausamen Umwelt. Genannt seien hier neben Hesses „Unterm Rad“, Marie von Ebner-Eschenbachs „Vorzugsschüler“, Thomas Manns „Buddenbrooks“ und Emil Strauß mit dem Roman „Freund Hein“. Die Schulgeschichten zeigen hierbei den Kampf zwischen zarten Knabenseelen und oft sadistisch geprägten Lehrern auf. Daneben sind die Nöte der Jugendlichen in der Pubertät ebenfalls ein Thema, besonders ausgeprägt in der Literatur über Kadettenanstalten wie z.B. bei Robert Musil in „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“.[5]

Hesse war von Kindesbeinen an ein Rebell, der sich zunächst gegen die religiösen Eltern auflehnte, später gegen den Krieg und die politischen Verhältnisse revoltierte und stets die freie Verwirklichung seiner Individualität und Identität im Sinn hatte. Daneben war er jedoch ein äußerst sensibler Beobachter der Welt, wissbegierig und ein Idealist, sehr verletzlich und auch ein Außenseiter. Er erlebte tiefgreifende persönliche Krisen, wie zum Beispiel seine Flucht aus dem Seminar. Das Schreiben gab ihm zudem psychologischen Halt und half ihm, diese aufzuarbeiten.[6]

Im Jahre 1906 erschien Hesses „Unterm Rad“, die Geschichte des begabten 14-jährigen Schülers Hans Giebenrath, der aufgrund seines Fleißes, des Ehrgeizes seines Vaters sowie zahlreicher Nachhilfestunden durch Lehrer und Stadtpfarrer die Möglichkeit erhält, auf die angesehene Klosterschule nach Maulbronn zu gehen. Die gesellschaftlichen Zwänge, die strenge Disziplin und der Leistungsdruck am Seminar lassen ihn jedoch zerbrechen und schließlich völlig scheitern.

1.2. Die Erzählung „Unterm Rad“ im räumlichen und zeitlichen Kontext

Hesses „Unterm Rad“ trägt stark autobiographische Züge und steckt voller detaillierter Beschreibungen der einzelnen Schauplätze, die weitgehend den Lebensstationen und -situationen des Autors entsprechen. So bekommt die Lektüre eine zusätzliche Funktion, nämlich die der Historie und Geographie. Literatur ist nichts Losgelöstes, sondern sie entsteht immer an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten. Fast immer fließen diese Komponenten in das Werk mit ein, je nach Autor in unterschiedlicher Ausprägung.

Auch für die Interpretation haben sich Ansätze von großer Spannweite etabliert. So lässt die rein textimmanente Interpretation jegliches Hintergrundwissen außer Acht; die autobiographische bemüht sich hingegen, mögliche Parallelen zwischen Autor und Werk aufzudecken und einzubeziehen. In der Autobiographie vollzieht der Autor in der Regel einen bewussten Rückblick auf sein Herkommen und versucht, über sich selbst klar zu werden. Objektivität und Subjektivität vermischen sich hierbei häufig. Im Zentrum der gesamten Untersuchung steht also der Autor selbst, der mit Hilfe der Selbstreflexion die Selbsterkenntnis sucht.[7]

In der vorliegenden Arbeit habe ich mein Augenmerk besonders auf den „räumlichen und zeitlichen Kontext“ von Literatur gerichtet. Im Falle von „Unterm Rad“ erschließen sich dem Leser nicht nur Person und Schicksal von Hans Giebenrath bzw. Hermann Hesse, sondern darüber hinaus die Zeit, in der er lebte, die Orte seiner Erlebnisse sowie die daraus resultierenden Lebenssituationen, das heißt man betrachtet die Lektüre im zeitlichen und räumlichen Kontext. Protagonist und Autor dienen hierbei primär als Medien zu weiterem Zusatzwissen, das wiederum eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten liefert und zu interessanten Fragestellungen führt. Die Lektüre wird damit äußerst lebendig und die Beschäftigung mit dieser besonders lohnenswert:

Wie war das Leben damals im Kloster oder in der Schule? Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gab es? Was ist heute anders? Gibt es etwas, das genauso geblieben und somit übertragbar ist? Wie würde man heute handeln? Was kann man aus der Lektüre für heute lernen? Wo spielte sich die Geschichte eigentlich ab? Kann man die Orte noch heute auffinden? Was ist von ihnen übrig geblieben? Wie beeinflussten die Orte den Autor? Welche Bedeutung haben sie heute? Wie bin ich selbst in diese eingebunden?

Es geht also nicht um autobiographische Details, sondern vielmehr um die Erarbeitung eines authentischen Bildes der damaligen Zeit und Örtlichkeit sowie deren Kontrastierung mit der Gegenwart.

Für diesen Ansatzpunkt erschienen mir die Begriffe „räumlicher und zeitlicher Kontext“ als passend. Dadurch erhält die Betrachtung auch eine dynamische Komponente und führt zu der Frage der Übertragbarkeit des Geschehens aus der Lektüre auf die aktuelle Situation des Lesers. Was den räumlichen Rahmen betrifft, interessiert neben der Verortbarkeit und damit der Möglichkeit, Literatur in greifbare Nähe zu rücken, die Wechselwirkung zwischen dem Raum und dem Schriftsteller. Der Raum inspirierte den Autor Hermann Hesse auf vielfältige Weise, gab ihm eine Heimat und Rückzugsmöglichkeit. Zwischen ihm und seinen Orten besteht aber auch eine umgekehrte Beziehung, so gibt sich Calw mittlerweile als „Hessestadt“, die „Hessegesellschaft“ hat dort ihren Sitz und Maulbronn schmückt sich neben Johannes Kepler und Friedrich Hölderlin mit seinem weltberühmten Schüler.[8] Der Leser kann sich durch die Beschäftigung mit dem räumlichen Hintergrund außerdem besser in den Gesamtzusammenhang einordnen und erkennt, dass er selbst Teil dieses Raumes und in diesen fest eingebunden ist.

Umgekehrt stellt sich dem aufmerksamen Leser natürlich aber auch die Frage, ob das Buch in dieser Form auch an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit möglich gewesen wäre, oder, ob Literatur nicht immer in einen zeitlichen und räumlichen Kontext eingebunden ist. All das trägt dazu bei, dass Literatur für den Leser plastisch und (be-) greifbar wird.

2. Methodisch – didaktische Analyse

2.1. Was ist handlungsorienterter Unterricht?

Schon im 17. und 18. Jahrhundert forderten führende Pädagogen wie Pestalozzi, Bacon, Comenius oder Rousseau neue Unterrichtsformen, welche die alte Buchschule ablösen sollten: handlungsintensiv sollten diese sein und die eigene Erfahrung in den Vordergrund stellen. „Mit Kopf, Herz und Hand und allen Sinnen solle Lernen geschehen“, postulierte Pestalozzi bereits vor über 200 Jahren und immer mehr Lehrende schlossen sich im Laufe der Zeit seiner Forderung an.[9]

Die Reformpädagogik des 19. Jahrhunderts setzte das Gedankengut kontinuierlich fort und legte besonderen Wert auf Selbstständigkeit der Schüler, praktische Tätigkeiten und Lernen durch Handeln. Der Amerikaner John Dewey beispielsweise begründete Anfang des 20. Jahrhunderts die Laborschule, in welcher das Lernen vor allem auf Erfahrung und Experiment beruht. Sein russischer Kollege Anton Makarenko sah für die Schule eine Mischung aus freiwilligem Gehorsam sowie Selbstverwaltung und nützlicher Arbeit vor. Heutzutage ist Handlungsorientierung fester Bestandteil der Didaktik und der Pädagogik in den Schulen. Damit schuf Pestalozzi die Basis für eines der erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten Unterrichtskonzepte.

Hilbert Meyer, Professor für Schulpädagogik im 21. Jahrhundert, definiert

Handlungsorientierten Unterricht alsganzheitlichen und schüleraktiven Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander gebracht werden können.“[10]

Meyer als auch seine Kollegen wählen hierbei bewusste den Begriff „handlungs orientiert “, da sie einen ausschließlich nur auf Handeln beruhenden Unterricht nicht für sinnvoll erachten, sondern eine ausgewogene Mischung aus Modellvorstellungen, praktischem Arbeiten und Phasen lehrgangsmäßigen Unterrichts favorisieren. Für den Lehrer bedeutet dies, die Inhalte, welche in den handlungorientierten Phasen erarbeitet werden sollen, sorgfältig auf ihre didaktische Funktion hin auszuwählen.[11]

Wieso ist aber handlungsorientierter Unterricht heutzutage in der Schule so wichtig?

Noch stärker als je zuvor sind Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Kreativität, Engagement und Durchhaltevermögen nicht nur gefragt, sondern werden im Arbeitsleben ebenso selbstverständlich vorausgesetzt wie Team- und Kritikfähigkeit, Sensibilität, die Fähigkeit sich anzupassen oder das Vermögen, Vorgänge und seine eigene Position angemessen reflektieren und bewerten zu können. Diese Anforderungen hat sich unter anderem der handlungsorientierte Unterricht zum Ziel gesetzt.[12]

Handlungsorientierter Unterricht geht von der natürlich Neugier der Menschen und ganz besonders der jungen Menschen aus, von einer natürlichen Experimentierlust und davon, dass sie fragen und staunen können.[13] Ganz bewusst sollen dabei die Unterschiedlichkeit der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und die Fähigkeiten des Einzelnen gefördert werden. Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung und die Orientierung an den Interessen der Schüler sind nur zwei unter vielen Argumenten für diese Form des Unterrichts.

Weitere Vorteile sind die höhere Beteiligung der Schüler an der Planung und Durchführung des Unterrichts und damit die höhere Identifikation der Lernenden mit dem zu erarbeitenden Gegenstand. Die selbstständige Erstellung von konkreten Handlungsprodukten ist nicht nur motivierender und spannender als üblicher Frontalunterricht, sondern auch viel anschaulicher. Beim Lernen durch Handeln werden „Aktion“ und Kognition“ in Einklang gebracht und der Dualismus von Handeln und Lernen überwunden.[14] Der Begriff „Handlungsprodukt“ wird also in einem sehr weiten, Kopf- und Handarbeit integrierenden Verständnis benutzt und umfasst alles durch das gemeinsame Handeln von Lehrer und Schülern inszenierte (Rollenspiel, Planspiel, Streitgespräch, Aufführung) oder hergestellte (Wandzeitung, Collage, Modell, Schülerbuch, Klassenkorrespondenz, vor Ort studierte Klischees und damit verbundene Erkenntnisse) Unterrichtsmaterial, wie auch organisierte Projekte (Feste und Feiern, Exkursionen oder Ausstellungen).[15]

Schüler, die nur schwer Zugang zu einem Thema finden, können damit dort abgeholt werden, wo sie stehen. Besonders im Literaturunterricht bereitet die rein analytische Erschließung schwieriger Texte oft Probleme und führt dazu, dass die heutigen Jugendlichen immer weniger freiwillig zu Büchern greifen, die sie nicht gleich verstehen und schnell aufgeben, zumal ihnen Fernsehen und Internet einfachere Unterhaltung bieten.[16]

Handlungsorientierter Unterricht im Fach Deutsch kann helfen, die Leserschaft der Schüler zu erhalten. Zugänge bieten z.B. das Illustrieren von Texten, die musikalische Umsetzung oder die Erstellung von Collagen oder Übersichtspostern durch die Schüler selbst. Damit verbunden sind der Austausch mit Mitschülern sowie die Überarbeitung des Materials. Dies hilft schwierige Sachverhalte in einzelne Schritte zu zerlegen, an die eigene Erfahrungswelt anzuknüpfen und zahlreiche Assoziationen zu verwandten Themen zu bilden und somit besser in die Thematik hineinzufinden. Das eigene Handlungsprodukt motiviert und identifiziert einerseits, hat aber auch andererseits einen gewissen Gebrauchswert: eine Inszenierung kann in einer Aufführung enden, selbst erstellte Übersichtsposter sind ideale und verständliche Unterlagen zur Klausurvorbereitung.[17]

Innerhalb der Freiräume, in welchen die Schüler die Thematik bearbeiten, werden sie sich auch ihrer eigenen Interessen bewusst. Sie identifizieren sich mit Figuren, Situationen und Orten einer Geschichte, setzen ihre Schwerpunkte selbst und verfeinern dadurch ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Der Prozess des Verstehens gelingt besser.

Starke Schüler werden außerdem zum freiwilligen Weiterforschen animiert. Insgesamt wird bei allen die Lesebereitschaft erhöht.[18] Überhaupt werden viel mehr Schüler erreicht als im lehrerzentrierten Unterricht, wo immer nur einer reden, immer nur einer lesen oder im Klassenplenum seine Ergebnisse präsentieren kann, während die anderen lediglich zum bloßen Zuhören gezwungen sind.[19]

Von vielen Pädagogen zitiert wurde das Untersuchungsergebnis der American Audiovisual Society wonach wir 20% von dem, was wir hören, 30% von dem, was wir sehen, 80% von dem, was wir selbst formulieren können, und 90% von dem, was wir selbst tun behalten. Ob dieses Ergebnis nun ganz genau der Realität entspricht oder nicht, ist letzten Endes schwer zu beweisen. Dass allerdings die multidimensionale Kodierung eines Lerninhaltes den Aneignungsprozess von Wissen erheblich vereinfacht, kann wohl jeder aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn man etwas selbst erlebt hat, am Zustandekommen einer Sache aktiv beteiligt war, möglichst viele Assoziationen zu einem Thema oder Aspekt bilden kann und diese noch in einen Sinnzusammenhang einzubetten weiß, merkt man sich einen Sachverhalt nicht nur leichter, sondern vor allem nachhaltig.[20]

Bei einer solchen Form des Lernens ändert sich natürlich auch die Sozialform, weg vom lehrerzentrierten Unterricht hin zur Schülerorientierung und damit gerät der Lehrer in die Funktion des Moderators und Beraters. Schüler und Lehrer einigen sich über das angestrebte Handlungsprodukt und legen Planung und Zeitrahmen für dieses fest. Damit beginnt der handlungsorientierte Unterricht. Bei der heutigen Klassensituation erfolgt diese Unterrichtsform zum großen Teil in Gruppenarbeit. Dabei lernen die Schüler einerseits als Einzelpersonen, sich mit einem Thema intensiv auseinanderzusetzen, dieses sorgfältig aufzuarbeiten, weiter zu recherchieren und in ihrem Sinne auszugestalten, aber auch als Gruppenmitglied sich in ein Ganzes zu integrieren, zusammenzuarbeiten und ihre Einzelinteressen mit den anderen Teammitgliedern zu koordinieren, um sich am Ende als geschlossene Gruppe zu präsentieren. Alle sind für das Ergebnis gleichermaßen verantwortlich. Dadurch kann die Methodenkompetenz des einzelnen Schülers bei der eigenständigen Arbeit wie auch als Teil eines Kollektivs gesteigert werden.[21]

Am Ende steht das im Idealfall veröffentlichungsfähige Handlungsprodukt, welches nicht nur durch die Schüler selbst erstellt, sondern auch von den Mitschülern kritisch begutachtet wird. So ergibt sich beinahe automatisch eine demokratische Kritik und Kontrolle der Unterrichtseinheit und die Bewertung der Ergebnisse.[22] In dieser Auswertungsphase findet nicht nur der Austausch zwischen den Gruppen statt, sondern werden die einzelnen Teile wie bei einem Puzzle in ein Ganzes gefügt. Das Gelernte erhält durch den kritischen Rückblick damit auch eine Sicherung.[23]

Handlungsorientierter Unterricht fordert bei allen Beteiligten einen größeren Arbeitseinsatz und eine gewisse Disziplin. Für Schüler stellt diese Unterrichtsform aber auch eine große Chance dar, ihre Fähigkeiten nach bestem Wissen einzusetzen und weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt auch die Lehrer profitieren von den höher motivierten Schülern und besseren Ergebnissen.

2.2. Stellung im Bildungsplan

Meine Unterrichtseinheit basiert auf dem Bildungsplan von 1994 für die Klasse 9 im neunjährigen Gymnasialzug. Den Schülern sollen durch Erfassen und Erörtern des Problemgehalts von Texten Grundmuster menschlicher Erfahrungen bewusst werden, indem sie fremde Standpunkte mit eigenen Wertvorstellungen vergleichen und daraus ein begründetes Urteil entwickeln. Hierbei sollen sie auch Zusammenhänge zwischen Autor und Werk erkennen und damit ein besseres Werkverständnis erreichen. Texte müssen zum einen nach formalen Kriterien wie Aufbau und auffälligen Sprach- und Formelementen, zum anderen in Hinblick auf Handlungsstruktur, Figurenkonstellation, Verhaltensweisen und Beweggründe der Personen, deren Charakterzüge und Lebensumstände hin untersucht werden.[24]

Das Lektüreverzeichnis im Anhang des Bildungsplanes enthält auch Hesses „Unterm Rad“ und ordnet den Text der Klassenstufe 9 zu, wobei er auch zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden kann.[25] Ich denke, Hesses Erzählung ist für die Klasse 9 bestens geeignet, schon allein deshalb, weil Protagonist und die jugendlichen Leser ein ähnliches Alter aufweisen und in dieser Lebensphase ähnliche Probleme zu bewältigen haben. Außerdem hat der Text eine übersichtliche Struktur und eignet sich somit gut zur formalen wie auch zur inhaltlichen Analyse. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Hesses Werke zahlreiche autobiographische Züge aufweisen, kommt der Forderung des Bildungsplanes nach einem vertieften Werkverständnis durch die Berücksichtigung der Lebensgeschichte des Autors entgegen.

2.3. Unterrichtsziele

Meine Unterrichtseinheit ist einerseits fest in die Vorgaben des Bildungsplanes eingefügt. So finden die offiziellen Vorgaben wie das Erfassen und Erörtern des Problemgehaltes von Texten, die Fähigkeit, ein Urteil zu bilden und ein Werk formal und inhaltlich auch in Bezug auf den Autor hin analysieren zu können, in meinen Ausführungen ausreichend Berücksichtigung. Andererseits kommen weitere Unterrichtsziele in Hinblick auf das handlungsorientierte Unterrichtskonzept hinzu und gehen über das vom Bildungsplan Geforderte noch hinaus:

1. Die Schüler sollen aus heutiger Sicht Fragen an den Text stellen können und an deren Lösung selbstständig als Einzelne, aber auch in der Gruppe arbeiten. Das Lösen der Fragen geschieht hierbei auch im Rahmen ihrer eigenen Interessen und macht den Text damit greifbarer.
2. Dabei sollen sie sorgfältig und fair arbeiten, die Aufgaben als auch die Präsentation gleichmäßig auf alle Mitglieder verteilen und ihre Ergebnisse am Text belegen können.
3. Die Schüler sollen mit Hilfe der neuen Medien, hier dem Internet, recherchieren, ihre Ergebnisse dabei sachgerecht aufarbeiten.
4. Sie sollen weiterhin den räumlichen und zeitlichen Kontext von Literatur begreifen, sich selbst in diesem Raum eingebettet sehen, die Schauplätze verorten, die Umstände für den Protagonisten, den Autor und die Menschen von damals nachvollziehen können.
5. Die Ergebnisse der Recherchearbeit und das bisher theoretisch Gelernte sollen durch die Exkursion in einen realen, Sinn gebenden Gesamtzusammenhang geführt werden und bei den Schülern einen Wiedererkennungseffekt vor Ort auslösen.
6. Sie können den Gehalt und Wert von (Welt-)Literatur zumindest erahnen, im Idealfall auch als Dokumente der Menschen, Orte und Zeiten erkennen und beurteilen.
7. Die Schüler sollen zumindest teilweise zum eigenständigen und freiwilligen Weiterlesen und Weiterforschen angeregt werden.
8. Die Schüler sollen Vergleiche mit ihrem eigenen Leben und zur heutigen Zeit anstellen und daraus für ihre eigene Zukunft lernen.

2.4. Klassensituation

Für meine PA stand mir die Klasse 9e des Hebelgymnasiums Pforzheim zur Verfügung. Sie hat 33 Schüler und ist mit 16 Jungen und 17 Mädchen geschlechtlich ausgeglichen. Die Klasse gehört dem Sprachenprofil an.

Die Haltung gegenüber dem Fach Deutsch ist positiv und offen. Die Schüler sind lebhaft und arbeiten gerne mit. Im Umgang mit Literatur zeigen sie viel Kreativität und die Fähigkeit zur ernsthaften Auseinandersetzung mit den Werken. Offene Unterrichtsformen sind ihnen vertraut und die Mehrheit der Jugendlichen hat Freude am selbstständigen Arbeiten, Erstellen, Gestalten und Präsentieren der jeweiligen Unterrichtsergebnisse. Das Klassenklima ist insgesamt gut und die Schüler bemühen sich, alle Beteiligten in die Arbeit einzubinden.

Das Leistungsniveau der Schüler ist unterschiedlich, insgesamt eher überdurchschnittlich. Sehr schlechte Leistungen im Fach Deutsch kommen in der Klasse weniger vor, dagegen gibt es einige äußerst leistungsstarke Schüler, welche sich noch weit über das Notwendige hinaus freiwillig mit den Themen „Hermann Hesse“ und „Unterm Rad“ beschäftigt haben. Mein handlungsorientiertes Unterrichtskonzept war also in dieser Klasse genau richtig platziert und ermöglichte neben der Teamarbeit auch immer wieder eine Binnendifferenzierung.

2.5. Methodisch – didaktische Vorgehensweise

Die Schüler sollten die gesamte Erzählung vorab gelesen haben. Die Unterrichtseinheit zu Hermann Hesses „Unterm Rad“ ist als handlungsorientiertes Unterrichtskonzept angelegt. Das Thema bietet vielfältige Möglichkeiten, handlungsorientiert zu arbeiten. Die Schüler werden allmählich in die Planung und Ausgestaltung des Unterrichts miteinbezogen und erhalten dadurch relativ viel Verantwortung für das Gelingen der Stunden. Schülerinteressen werden bei der Themenwahl verstärkt berücksichtigt, sodass für jeden Schüler ein Zugang zur Lektüre gefunden werden kann. Der Unterricht bietet große Methodenvielfalt und auch Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung, sodass möglichst viele Jugendliche erreicht werden können. Aufgaben in Einzelarbeit, Partner- und Gruppenarbeit, Präsentationen und der Vortrag einer GFS, Recherchearbeiten am Internet, die Vorbereitung einer Exkursion sowie kreative Arbeitsaufträge bieten den Schülern Abwechslung und zahlreiche Betätigungsfelder.

Die Einheit besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Unterrichtsblöcken zu den verschiedenen Themenbereichen. Der erste erfolgt in Form eines lehrgangsmäßig orientierten, drei Stunden umfassenden, einführenden Unterrichts zum Zwecke der Inhaltssicherung und Analyse der formalen Merkmale der Erzählung. Hier werden die absoluten Grundlagen für die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Erzählung gelegt. Aber auch hier werden bereits Fragen und Teilaufgaben handlungsorientiert gestellt.

Nach diesem einführenden Block sollen die Schüler die unterschiedlichen Themen in „Unterm Rad“ in Gruppen interessenorientiert eigenständig erarbeiten und präsentieren. Bevor zum dritten großen Abschnitt, den Recherchearbeiten zum räumlichen und zeitlichen Kontext der Erzählung, übergegangen wird, ergibt sich die Chance, eine passende GFS in die Unterrichtseinheit zu integrieren.

Die Recherchen dienen unter anderem zur Vorbereitung der anschließenden Exkursion. Der letzte Unterrichtsblock vor der abschließenden Klassenarbeit umfasst zwei Stunden. In diesen findet eine Nachbesprechung der Exkursion statt und die Schüler erhalten in auswählbaren kreativen Arbeitsaufträgen noch einmal die Gelegenheit, sich mit der Lektüre auseinanderzusetzen und ihr mittlerweile erworbenes Hintergrundwissen mit in die Aufgabenstellung einzubeziehen.

Die Leistungskontrolle erfolgt schließlich in Form einer Klassenarbeit am Ende der Unterrichtseinheit.

2.6. Stundenübersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Durchführung

1. Stunden 1 bis 3

Einführung, Inhaltssicherung und formale Merkmale der Erzählung

Anhang 1

Unterrichtsziele

1. Die erste Stunde dient dem Einstieg in die Unterrichtseinheit und der Wiedergabe des ersten Leseeindruckes durch die Schüler.

2. Es soll weiterhin der Inhalt in Form einer Kurzzusammenfassung gesichert werden. Die Schüler üben, einen längeren Text in wenigen Sätzen wiederzugeben.

3. Außerdem soll die Figurenkonstellation kurz umrissen werden.

4. Die Schüler lernen zu analysieren und ihre Aussagen am Text zu belegen.

5. Der Aufbau des Textes wird untersucht und dazu ein entsprechendes Schaubild entwickelt. Dabei lernen die Schüler, einen längeren Text, der ihnen auch zum Teil schwer fallen kann, in ein übersichtliches Schema zu zerlegen und sich damit eine bessere Basis zur weiteren Textarbeit zu schaffen.

6. Die Schüler sollen sich mit den sprachlichen Besonderheiten der Erzählung (regionale Ausdrücke, Ironie, etc.) auseinandersetzen. Anhand von markanten Textstellen sollen diese aufgesucht und geklärt werden.

7. Der erste Unterrichtsabschnitt soll unter anderem eine Wiederholung und Festigung von Schlüsselbegriffen des Literaturunterrichts wie z.B. „Erzählperspektive“, „Gattung“ und „Handlungsverlauf“ am Beispiel der Lektüre beinhalten.

8. Die Schüler sollen erkennen, dass Hesse eine Vielzahl von Leitmotiven verwendete und diese die gesamte Erzählung durchziehen. Die Leitmotive sollen dabei arbeitsteilig in Gruppen erarbeitet und belegt werden.

9. Sie bekommen eine erste Ahnung davon, dass die Geschichte in einen räumlichen und zeitlichen Kontext eingebunden ist.

Planung

Dieser Unterrichtsabschnitt umfasst drei Stunden. Er dient zum einen als Einführung und zur Inhaltssicherung, zum anderen zur ersten Analyse des Textes und seiner formalen Merkmale. Die ersten beiden Stunden gehören der Textarbeit und finden vorwiegend im Unterrichtsgespräch statt, unterbrochen von kürzeren Einzel- und Partnerarbeitsphasen. Die dritte Unterrichtsstunde widmet sich den sprachlichen Auffälligkeiten, der Erzählperspektive und den Leitmotiven in „Unterm Rad“. Die einzelnen Leitmotive werden arbeitsteilig in Gruppen erarbeitet und anschließend von den Schülern präsentiert.

Planungsübersicht: Einführung, Inhaltssicherung und formale Merkmale

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Definition der Abkürzungen: LSG: Lehrer-Schüler-Gespräch, GA: Gruppenarbeit, PA: Partnerarbeit, EA: Einzelarbeit, OHP: Overheadprojektor, HA: Hausaufgabe

Unterrichtsverlauf der 1. und 2. Stunde

Im Sinne von Hilbert Meyer und seinen Kollegen konzipierte ich die ersten beiden Stunden meiner Einheit zu Hesses „Unterm Rad“ eher lehrgangsorientiert und etwas lehrerzentrierter, um den Schülern zunächst einmal die Grundlagen zu vermitteln. Hierbei achtete ich jedoch darauf, die Fragen zum Stoff an die Schüler im möglichen Maß handlungsorientiert zu stellen, sodass sie nicht alles nur „vorgekaut“ und sofort beantwortet bekamen, sondern zum selbstständigen Nachdenken gezwungen waren. Die gesamte Erzählung war vorab zu lesen.

Am Anfang stand der Leseeindruck der Schüler. Hierbei reichten die Aussagen von „sehr gut“ bis „eher langweilig“. Auf weitere Nachfrage meinerseits, was denn nun „sehr gut“ sei, antworteten mehrere Jugendliche damit, dass ihnen die „Veränderung von Hans“ sehr gut gefallen hätte und, dass es sich um eine Schulgeschichte handle, mit der man sich gut identifizieren könne. Die Schüler, welche das Buch eher als „langweilig“ einstuften, gaben an, dass es sprachlich schwierig sei, weil es so viele unbekannte Wörter darin gäbe und die Sprache insgesamt veraltet sei. Außerdem bemängelten sie, dass es dem Buch an Spannung fehle. Auf die Frage hin, welche Gründe Hesse für die „wenig actionreiche“ Schreibweise gehabt haben könnte, kam ein Schüler auf den Gedanken, dass der Autor möglicherweise etwas anderes beabsichtigt hatte, vielleicht so etwas wie eine Dokumentation. Eine Schülerin meinte außerdem, dass es Hesse eventuell auch mehr um das Gefühlsleben ging als um „actionreiche“ Erlebnisse. Die Eindrücke und Vermutungen der Schüler wurden als Notizen sukzessiv auf der linken Tafelseite festgehalten und wurden von den Schülern unter dem Titel „Leseeindruck“ ins Heft übertragen.

Nach diesem ersten einführenden Teil wurde das Buch „Unterm Rad“ der Gattung Erzählung zugeordnet. Hesse selbst bezeichnete sein Buch zunächst als „Schüleroman“, seit 1927 in den Gesammelten Werken dann aber als „Erzählung“. Im Allgemeinen wird „Unterm Rad“ heute meist als Erzählung betrachtet und zitiert. Im Unterschied zum Roman ist eine Erzählung meist weniger verschachtelt, der Handlungsverlauf eher chronologisch und durchgängig aus der Perspektive einer bestimmten Person/des Erzählers dargestellt. Dabei kann die Chronologie beispielsweise durch Erinnerungen unterbrochen werden. Diese Punkte können auch Schüler gut nachvollziehen und deshalb entschied ich mich, am Begriff „Erzählung“ festzuhalten. Hieran schloss sich die Frage nach dem Handlungsverlauf an, welcher sich, nachdem bereits festgestellt wurde, dass eine Erzählung weniger komplex, eher durchgängig sowie meist ohne Nebenhandlungen ist, fast von selbst als „linear“ herauskristallisierte.

Nun sollten die Schüler nach dieser Einführung eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes als Sicherung verfassen. Dies geschah in Einzelarbeit und hatte unter anderem den Zweck, das Wiedergeben eines größeren Inhaltes in wenigen Sätzen zu üben und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Die Einzelarbeit stellte zudem einen kleinen Methodenwechsel dar und aktivierte alle Schüler. Im Anschluss lasen einige Schüler ihre Versionen vor.

Weiter ging es mit einer Partnerarbeitsphase zur Figurenkonstellation. Die Schüler arbeiteten in Partnerarbeit und stellten danach die Personen immer zu zweit an der Tafel und gingen nach folgendem Muster vor: einer erläutert: „Joseph Giebenrath – das ist der Vater von Hans, er ist ehrgeizig gegenüber seinem Sohn und ein spießbürgerlicher Zwischenhändler/Kaufmann, ein 08/15-Mensch“ und der Partner notierte Namen und stichwortartig die Funktion an der Tafel sowie die Seitenzahl im Buch als Textbeleg. Die Klasse ergänzte hierbei die eigenen Aufschriebe im Heft.

Der letzte Unterrichtsabschnitt dieser Doppelstunde widmete sich dem Aufbau des Buches. Hierbei sollten die Schüler überlegen, wie man das Buch in Erzählabschnitte gliedern könnte. Sie kamen sofort auf die Idee, das Buch in die sieben gegebenen Kapitel zu unterteilen. Diese Antwort war einerseits offensichtlich, ging andererseits aber auch auf die Bequemlichkeit der Schüler zurück. Also mussten sie nach weiteren Möglichkeiten suchen und kamen bald auf den Gedanken, die Erzählung in die drei Abschnitte „Examensvorbereitung“, „Schulzeit im Kloster“, „nach dem Kloster und Lehre“ aufzuteilen. Sukzessiv wurde ein entsprechendes Schaubild mit den Schülern an der Tafel entwickelt und um weitere Angaben zu Orten und wichtigen Ereignissen ergänzt. Die Hausaufgabe umfasste das Vervollständigen des Schaubildes um wesentliche Zeitangaben in der Erzählung mit Textbelegen sowie um die erzählte Zeit, das heißt die Dauer, über welche sich die Geschichte erstreckt.

[...]


[1] Zeller, Bernhard: Hermann Hesse in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, S. 18.

[2] Blasberg, Cornelia: Hermann Hesse, S.67.

[3] Zeller, Bernhard: Hermann Hesse in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, S. 25.

[4] Hinterhäuser, Hans, In: Neues Handbuch der Literaturwissenschaft, S. 232f.

[5] Hinterhäuser, Hans, In: Neues Handbuch der Literaturwissenschaft, S. 238.

[6] Metzler: Autorenlexikon

[7] Paulsen, Wolfgang: Das Ich im Spiegel der Sprache, S. 7.

[8] Zeller, Bernhard: Hermann Hesse in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, S. 23f

[9] Möller, Kornelia: Lernen durch Tun, S. 72.

[10] Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden I, Theorieband, S. 214.

[11] Meyer, Hilberg: Unterrichtsmethoden II, Praxisband, S. 159.

[12] Haas, G./Menzel, W./Spinner, K.: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 19.

[13] Meyer, Hilbert: Praxisband , S. 403.

[14] Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen, S. 43

[15] Meyer, H.: Praxisband, S. 158.

[16] Haas, G./Menzel, W./Spinner, K.: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 17.

[17] Haas, G./Menzel, W./Spinner, K.: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 22.

[18] Haas, G./Menzel, W./Spinner, K.: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 19., S. 25.

[19] Meyer, Hilbert: Praxisband, S. 402.

[20] Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen, S. 51.

[21] Bovet, G./Huwendiek, V.: Leitfaden Schulpraxis, S. 51.

[22] Meyer: Praxisband, S. 410.

[23] Bovet, G./Huwendiek, V.: Leitfaden Schulpraxis, S. 51.

[24] Bildungsplan Deutsch Klasse 9, 1994.

[25] Bildungsplan Deutsch Klasse 9, 1994.

Details

Seiten
85
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656097068
ISBN (Buch)
9783656097211
Dateigröße
5.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184775
Institution / Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) in Karlsruhe – Fachbereich Deutsch
Note
1,5
Schlagworte
Kontext Handlungsorientierter Unterricht Unterm Rad Schauplätze Maulbronn Unterrichtseinheit Unterrichtskonzept Deutschunterricht Deutsch Exkursion Hermann Hesse Klasse Schule

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Titel: Literatur im räumlichen und zeitlichen Kontext am Beispiel Hermann Hesses "Unterm Rad"