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Die Bildungsqualität von 15-jährigen Schülern mit Migrationshintergrund in Abhängigkeit von sozioökonomischen Faktoren

Hausarbeit 2009 27 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die theoretische Grundlage der Untersuchung
2.1 Integrations- und Modernisierungstheorie
2.2 Macht- und Konflikttheorie
2.3 Definitionen

3. Operationalisierung und Forschungsdesign
3.1 Erste Hypothese
3.1.1 Benachteiligung von Migranten in der Bildung
3.1.2 Wohlstand
3.2 Zweite Hypothese
3.2.1 Ungleichverteilung des Vermögens
3.2.2 Höhe der privaten Bildungsausgaben
3.3 Forschungsdesign und Fallauswahl

4. Deskriptive Analyse
4.1 Lage und Verteilung der Daten

5. Analyse der Zahlen
5.1 Ergebnisse der ersten Hypothese
5.2 Ergebnisse der zweiten Hypothese

6. Schlussbetrachtung

7. Datensatz

8. Literaturverzeichnis

9. Abstract/Zusammenfassung

1. Einleitung

Für viele Länder stellt der demographische Wandel der Gesellschaft ein Problem dar. Dies haben einige Nationen erkannt und sich die Frage gestellt, welche Chancen Migranten mit ihren Familien bieten. Je nach dem, welche Voraussetzungen die Migrantenfamilien mitbringen, muss auf deren unterschiedliche Bedürfnisse eingegangen werden. Deshalb soll jetzt ein Augenmerk auf die Bildungsqualität der Schüler mit Migrationshintergrund gelegt werden. Diese Qualität wird bereits im Kindergarten, Vorschule aber vor allem in der Schule bestimmt. Da Migrantenkinder tendenziell mehr Schwierigkeiten haben eine gute Schulleistung zu erreichen als Einheimische, müssen diese speziell gefördert werden. Sie müssen sich in einer fremden Umgebung, mit einer anderen Sprache und für sie neuen Kultur vertraut machen. Und als wäre das nicht schon genug, kommt noch hinzu, dass „der Status der Migrantenfamilien tendenziell niedriger ist als der Einheimischen“ (Geißler/Menges 2008:18). Erst im März 2007 gab es vom Menschenrechtsexperten Vernor Muñoz starke Kritik an unserem deutschen Bildungssystem. Es führe zu starker Benachteiligung armer Kinder, Schüler mit Migrationshintergrund und Kinder mit Behinderungen. Anstatt die Bildungspolitiker diese Kritik nun ernst nehmen, weisen sie jegliche Schuld von sich und verteidigen das deutsche Bildungssystem und das obwohl doch PISA deutlich gezeigt hat, wie Deutschland international abschneidet (Spiegelonline 2007).

Die vorliegende Arbeit wird sich nun mit der folgenden Forschungsfrage auseinandersetzen, wie beeinflussen sozioökonomische Faktoren die Bildungsqualität von 15-jährigen Schülern mit Migrationshintergrund in den OECD-Ländern.

Um dieser Frage ein theoretisches Fundament zu geben, wurde die Integrations- und Modernisierungstheorie, sowie die Macht- und Konflikttheorie herangezogen, aus denen dann passende Hypothesen formuliert werden konnten. Nach den theoretischen Diskussionen der verschiedenen Wissenschaftler zu dem Forschungsstandpunkt, erfolgten deskriptive und Korrelations- und Regressionsanalysen. Mit deren Hilfe die erste Hypothese sich nicht bestätigt hat und die Zweite eine schlechte Signifikanz aufweist. Wobei hier auf mögliche externe Varianz eingegangen wird. Somit liegt ein „Nichtergebnis“ vor, welches dennoch ein Paar Überraschungen aufzeigte.

Neben dem Buch von Hradil, aus welchem die theoretische Grundlage der Untersuchung entstammt, wurden einige verschiedene Monografien verwendet, sowie Soziologie Lexikaas und vor allem Publikationen aus Politik und Zeitgeschichte. „Sie veröffentlicht wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge zu zeitgeschichtlichen und sozialwissenschaftlichen Themen sowie zu aktuellen politischen Fragen“ (Bundeszentrale für politische Bildung, 2009).

Insgesamt beinhaltet die vorliegende Arbeit somit theoretische Betrachtungen als auch statistische Auseinandersetzungen mit der Forschungsfrage. In Verbindung damit, traten allerdings einige Schwierigkeiten auf. So beinhaltete ein Datensatz nicht alle benötigten Zahlen, was zur Folge hatte, dass die Grundgesamtheit rapide schrumpfte. Folglich litt die Aussagekraft und Generalisierbarkeit des Modells erheblich. Dennoch wurden alle Berechnungen durchgeführt und brachten ein Ergebnis, das nicht den vorher getroffenen Erwartungen entsprach. Im nun folgenden Kontext wird die theoretische Grundlage der Untersuchung gelegt.

2. Die theoretische Grundlage der Untersuchung

Man könnte annehmen, es gibt eine unendliche Anzahl von Theorien und sich in dieser Masse zu Recht zu finden ist eher schwierig. Doch letztendlich gibt es zwei Konzepte, die für die nachfolgende Untersuchung in Frage kommen. Zum einen die Integrations- und Modernisierungstheorie und zum anderen die Macht- und Konflikttheorie. Auf beide wird im Folgenden näher eingegangen und dabei geklärt, was sie genau ausdrücken und welche Hypothesen entwickelt wurden um Antworten auf die Forschungsfrage zu finden.

2.1 Integrations- und Modernisierungstheorie

Ein Herr Treiman beschrieb die Theorie zum ersten Mal 1970 und danach wurde sie mehrmals verwendet und leicht modifiziert. So gebrauchten sie auch Müller/Haun 1994 und Stefan Hradil 1999 in seinem Buch, in dem folgendes beschrieben steht. Die Bildungsungleichheit nehme ab, weil die Bedeutung von Bildung steigt, auf Grund dessen, das die Gesellschaft sich modernisiert und eine Verbesserung der Bildungsbedingungen erfolgt, da man eine höhere Zahl von Bildungsprivilegierten benötigt (vgl. Hradil 1999: 175). Für Deutschland besteht wohl eher wenig Hoffnung das Bildung an Bedeutung gewinnt, denn wie schon Geißler und Weber- Menges in einer ihrer Artikel für Politik und Zeitgeschichte schrieben, werden die Schüler in Deutschland am wenigsten von ihren Lehrern unterstützt (vgl. Geißler/Menges 2008: 20). Da stellt sich doch die Frage, wenn schon die Lehrer, die einen entscheidenden Einfluss auf die Bildung haben, nicht erkennen wie wichtig sie ist, wer denn dann? In dem Artikel von Cornelia Kristen wird zum dem deutlich, welche besondere Bedeutung die Bildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund hat. „Für sie spielt der Erwerb schulischer und beruflicher Bildungsqualifikationen eine Schlüsselrolle im sozialen Integrationsprozess“ (Kristen 2003: 26). Währendessen führt Wößmann an, das Länder mit höheren Bildungsausgaben im Durchschnitt keine besseren Schülerleistungen aufzeigen (vgl. Wößmann 2003: 35). Damit liegt eine Gegenaussage zur Theorie vor.

Daraufhin soll jetzt eine eigene Hypothese auf der Grundlage der Theorie aufgestellt werden. Diese lautet wie folgt, die Benachteiligung von Migranten in der Bildung sinkt, bei steigendem Wohlstand. Anders ausgedrückt können wohlhabendere Länder die Migranten besser integrieren. Die Falzifizierung bzw. Verifizierung wird allerdings erst in der Analysephase stattfinden. Zunächst einmal zur zweiten Theorie.

2.2 Macht- und Konflikttheorie

Sie stellt die Gegentheorie zur der vorher Erläuterten dar. Inhaltlich gilt, dass „Bildungsabschlüsse der Vorteilssicherung für privilegierte Gruppen dienen“ (Hradil 1999: 175). Das heißt, zwar hat jeder die Möglichkeit auf Bildung, weil sie offen zugänglich ist, aber durch zu hohe Teilhabevoraussetzungen der Bildungsangebote, können diese nur von den Schülern wahrgenommen werden, die eine privilegierte Herkunft vorweisen können. Fazit, die Bildungsungleichheit wird im hohen Maße gefördert. In einigen vergangenen Zeitungsartikeln und Fernsehberichten wurde versucht deutlich zu machen, das gerade eine gute Bildung große Bedeutung für die heutigen Industriegesellschaften hat. Und genau dort, in der Industrie, sollen später Fachkräfte arbeiten die meist auch aus dem Ausland kommen. Deshalb ist es wichtig, das speziell die Migranten nicht durch zu hohe Teilhabevoraussetzungen von der Bildung ausgeschlossen werden.

Einige verschiedene Wissenschaftler haben bereits ihre Erkenntnisse veröffentlicht und so Zusammenhänge hergestellt die zwischen Bildung und sozialem Status bestehen. Im weiteren Verlauf wird darüber eine kurze Darstellung erfolgen. Der Wissenschaftler Rainer Geißler und seine Mitarbeiterin Sonja Weber- Menges sind zu der Überzeugung gekommen, das Familien oder besser gesagt Eltern die in der Gesellschaft einen höheren Status haben, den Schulerfolg ihrer Kinder begünstigen können. Dies geschehe durch die Teilnahme am kulturellen Leben, sowie die Förderung der sprachlichen Fähigkeiten und die individuelle Unterstützung (vgl. Geißler/Menges 2008: 19). Für Deutschland gilt zum Beispiel, das „die gymnasialen Chancen von 15-Jährigen aus der oberen Dienstklasse um das Sechsfache höher ist, als bei Facharbeiterfamilien“ (Geißler/Menges 2008: 20). Ähnlich argumentiert auch Cornelia Kristen, denn sie unterstellt allen Familien, dass sie für ihr Kind nur die beste Ausbildung wollen, doch ihre Möglichkeiten der Unterstützung unterschiedlich sind. Hier könnte man die Rational- Choice- Theorie integrieren, die besagt, dass Individuen ihren Nutzen maximieren wollen mit dem geringsten Aufwand, aber sie dabei auf Restriktionen stoßen (vgl. Kristen 2003: 30). Des Weiteren fand Wößmann heraus, das Schüler im internationalen Vergleich deren Eltern ein Universitätsabschluss haben, bessere mathematische Fähigkeiten aufweisen (vgl. Wößmann 2003: 36). Was zum Schluss kommen lässt, dass der familiäre Hintergrund eine bedeutende Rolle für die Bildung eines Kindes spielt. Ein anderes Augenmerk sei noch auf die Bildungsausgaben gelegt. Laut M.G. Schmith liegt der Durchschnitt der gesamt Bildungsausgaben bei den Mitgliedstaaten der EU 1999 bei 5,1 Prozent. Diese finanziellen Mittel müssten allerdings auch produktiv genutzt werden, doch schlechte Leistungen bei PISA sprechen leider oft dagegen (vgl. Schmith 2003: 6). Frankreich liegt zum Beispiel 2005 über dem Durchschnitt von 1999 bei 6,0 Prozent. Trotzdem liegt ein schlechtes Ergebnis bei PISA vor, wo Schüler mit Migrationshintergrund sogar 67 Punkte weniger als die einheimischen Schüler erreichen. Einen hohen Anteil speziell an privaten Bildungsausgaben, haben vor allem die Staaten, die später in die Sozialpolitik eingestiegen sind. Dazu zählen die USA, Australien, Kanada, Japan aber auch Deutschland (vgl. Schmith 2003: 7).

Diese wissenschaftlichen Aussagen führten zu eigenen Überlegungen und erbrachten diese zweite Hypothese, sowohl die höhere Ungleichverteilung des Vermögens in der Gesellschaft als auch die Höhe der privaten Bildungsausgaben, beeinflussen die Benachteiligung von Migranten. Auch hier wird erst in der Analysephase eine Bestätigung oder Ablehnung hervorgehen. Zunächst soll aber geklärt werden wie die verschiedenen Begriffe, die zuvor verwendet wurden, definiert sind.

2.3 Definitionen

Ein Problem gibt es bei dem Versuch Migrant zu definieren, denn es gibt keine international einheitliche Definition dafür. Jedes Land weist andere Kriterien auf, wann ein Einwanderer als Migrant zählt oder wann nicht. Deshalb wird im Folgenden versucht etwas Klarheit zu schaffen. So sei als erstes auf das lateinische Wort migrare hingewiesen, welches übersetzt „den Ort wechseln“ oder „wegziehen“ entspricht (vgl. Düvell 2006:5). Eine weitere vage Möglichkeit für Migration bietet Meyers Grosses Hand Lexikon, das darunter folgendes festhält: „2) Soziologie: Wanderung Einzelner oder von Gruppen im geograph. Raum, z.B. Gastarbeiter, auch im sozialen Gefüge“ (Meyers Grosses Hand Lexikon 1997: 582)

Eine etwas präzisere Angabe ist zu finden im Lexikon zur Soziologie. Hier ist Migration übersetzt als „Wanderung, Bewegung von Individuen, Gruppen oder Gesellschaften im geografischen und sozialen Raum, die mit einem ständigen oder vorübergehenden Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist. Wichtigste Formen der M. sind Arbeitsmigration, Wanderarbeit, Heiratsmigration, Flucht und Vertreibung“ (Lexikon zur Soziologie 2007: 430). Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet eine Möglichkeit an und meint, das man von internationaler Migration spricht wenn eine Person, über Staatsgrenzen hinweg, ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2007). Zu beachten ist auch, das es verschiedene Generationen gibt, also wie lange ein Migrant schon in dem jeweiligen Einwanderungsland lebt. PISA sieht zum Beispiel Migranten der 1. und 2. Zuwanderergeneration, deren Eltern beide nicht im Testland geboren wurden, als solche an (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006:171). Ein anerkanntes Konzept ist, wenn man von „jungen Menschen mit Migrationshintergrund“ (Geißler/Menges 2008: 15) spricht. Letztendlich lässt sich nur schwer auf einen Nenner kommen, denn alle Länder die in die Untersuchung einbezogen wurden weichen immer etwas von der jeweiligen anderen Definition ab. Dennoch wurden geeignete Zahlen für die Berechnung gefunden, die sich auf jenen Personenkreis von Migrantenkindern bezieht, die im Einwanderungsland der Eltern geboren sind und dort ihre gesamte Schulerziehung genossen haben.

Das vom deutschen Bundestag am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz beinhaltet Gesetze die Einwanderer vor Diskriminierung aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, Alter, Geschlecht, Weltanschauung und sexueller Identität schützen soll. Ein wichtiges und zugleich trauriges Phänomen ist dennoch, das Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oft unter Benachteiligung leiden. Sie wird auch relative Deprivation genannt, die sich nicht aus „nachteilig oder unangenehm empfundenen Umständen ergibt, sondern aus dem Grad, mit dem diese Umstände von den Erwartungen negativ abweichen, die das Individuum aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen, einem Vergleich mit anderen für „angemessen“ hält“ (Lexikon zur Soziologie 2007: 129). Einfacher gesagt, spielt der subjektiv empfundene Grad der Benachteiligung eine entscheidende Rolle, denn dieser resultiert aus der sozialen Erwartung der betreffenden Person“ (Soziologie-Lexikon 1991: 100).

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Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656098638
ISBN (Buch)
9783656098454
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184764
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
bildungsqualität schülern migrationshintergrund abhängigkeit faktoren

Autor

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