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Der Zweite Weltkrieg als Rundfunkkrieg

Organisation und Inhalte der Rundfunkpropaganda 1939-1945 am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens

Examensarbeit 2007 90 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Organisation der Rundfunkpropaganda in Deutschland und Großbritannien
2.1. Deutschland – Rundfunk als staatlicher Propaganda-Apparat
2.1.1. Die Organisationsstruktur des Deutschen Rundfunks
2.1.2. Das Führerprinzip im Reichsfunk
2.1.3. Ein Radio für jeden Haushalt: Die ‚politischen‘ Empfangsgeräte
2.1.4. Deutsches Wesen für die Welt – Der Deutsche Kurzwellensender
2.1.5. Wer darf den Feind hören? – Streitigkeiten um den ‚Sonderdienst Seehaus‘
2.2. Unabhängiger Rundfunk? Die British Broadcasting Corporation
2.2.1. Strukturen eines halbstaatlichen Unternehmens – Der Aufbau der BBC zwischen Regierungsmeinung und politischer Unabhängigkeit
2.2.2. Die verschiedenen Inlands-Sendedienste der BBC
2.2.3. Senden auf allen Wellenlängen – Der Deutsche Dienst
2.2.4. Dem Feind aufs Maul geschaut – Der BBC Monitoring Service

3. Propagandastrategien im Kampf um Deutsche Hörer
3.1. Volksgemeinschaft und Integration – Maxime für den NS-Rundfunk in der Friedenszeit
3.2. NS-Rundfunk im Krieg
3.2.1. Siege an allen Fronten – Propaganda des unaufhaltsamen Vormarsches
3.2.2. ‚Frontbegradigungen‘ – Unterhaltung zwischen Durchhalteparolen und Eskapismus
3.3. Glaubwürdigkeit als wichtigster Wirkungsfaktor – Die Maximen des Deutschen Dienstes der BBC
3.3.1. Aufklären, Relativieren, Umdeuten – Die Erzeugung einer alternativen Wirklichkeit in den Sendungen bis zur Kriegswende 1942
3.3.2. Einfach die Fakten sprechen lassen? – Chancen und Probleme für die britische Propaganda in einem erfolgreichen Krieg

4. Hypnotische Verführung oder Anpassung an den Volkswillen?– Die Rolle des Hörers zwischen ‚Reflexamöbe‘ und aktivem Mitgestalter des Rundfunks im Zweiten Weltkrieg

5. Vergleichende Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Vier Monate können schnell vergehen. Das wurde mir beim Schreiben dieser Arbeit immer wieder bewußt, wenn ich den Blick auf den Stapel von Büchern richtete, die noch meiner Durchsicht harrten, obwohl ich bereits unter enormen Zeitdruck stand, die Arbeit überhaupt rechtzeitig abzuschließen. Entsprechend war die Beschränkung auf den Deutschen Dienst der BBC als Vergleich zum deutschen Inlandsrundfunk eine sinnvolle Entscheidung. Im Rahmen einer Examensarbeit war nicht mehr zu leisten. Trotzdem ist das Thema mit diesem Beitrag noch lange nicht zufriedenstellend bearbeitet. Denn es gibt zwar mit Ansgar Dillers „Rundfunkpolitik im Dritten Reich“ und Asa Briggs „The War of Words“ umfangreiche und ausgesprochen gehaltvolle Untersuchungen zum deutschen und britischen Rundfunk während des Zweiten Weltkrieges. Aber ein zufriedenstellender Vergleich der sehr unterschiedlichen Umgangsweisen mit dem damals noch jungen Massenmedium, ist mir nicht bekannt. Diese Arbeit beleuchtet exemplarisch einen Teilausschnitt des Gesamtkontextes. Ein breit angelegter Vergleich, der auch die sogenannte schwarze Propaganda und natürlich den BBC Home Service und das Forces Programme mit berücksichtigt, wäre nicht nur ein ausgesprochen lohnenswertes Forschungs- (vielleicht ja auch bald Dissertations-) Projekt, er könnte auch die in der Einleitung dieser Arbeit formulierten Erkenntnisthesen übernehmen und auf ihre Anwendbarkeit in dem größeren Gesamtzusammenhang prüfen. Insofern sehe ich diese Arbeit als einen ersten Schritt der Erfassung eines Themas, dessen Tiefen noch auszuloten sind.

Eine kurze Anmerkung: Es gehört zu meinem persönlichen Schreibstil, wissenschaftliche Texte ab und zu mit etwas Ironie aufzulockern. Ich bin davon überzeugt, daß gelegentliches Schmunzeln nicht nur beim Schreiben einer immerhin 85-seitigen Arbeit hilft, sondern auch beim Lesen und Korrigieren. Das Einstreuen einiger humorvoller Kommentare tut meines Erachtens der Wissenschaftlichkeit eines Textes keinen Abbruch. Sollten Sie dies anders sehen, möchte ich Sie bitten, nachsichtig mit mir zu sein und die entsprechenden Bemerkungen geflissentlich zu überlesen.

Johannes Kaufmann, Braunschweig, den 4. Januar 2007

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Wollt ihr den totalen Krieg?“.[1] Spätestens seit Joseph Goebbels Millionen Fernsehzuschauern diese Worte alle zehn Minuten in Guido Knopps ca. 600 minütiger ZDF-History-Sendung „100 Jahre“ entgegenbrüllte, ist die berüchtigte Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 zumindest in Auszügen jedem Deutschen bekannt. Live übertragene politische Reden bei Massenversammlungen, Volksempfänger und ideologische Indoktrination über den Äther direkt ins Ohr des Hörers sind die Stereotypen, die oft das Bild des nationalsozialistischen Rundfunks bestimmen; ein Bild von der Allmacht der Propaganda, der der Rezipient schutzlos ausgeliefert ist. Schon die Fassade dieses Paradebeispiels der erfolgreichen Massensuggestion beginnt unter dem prüfenden Blick zu bröckeln: Nicht nur, daß die ins ganze Reich gesendete Begeisterung des Publikums bei Goebbels‘ Rede keinesfalls spontan war – die Zuschauer waren sorgfältig ausgewählt und bezüglich der Passagen, die sie begeistern sollten, vorher instruiert worden[2] –, auch die Hörer an den Radios hegten ihre Zweifel. So machte bald nach der Rede die Frage nach dem größten deutschen Bauwerk die Runde sowie die dazu passende Antwort: ‚Der Sportpalast, denn in ihn geht angeblich das ganze deutsche Volk hinein‘.[3]

Ist die These von der Verführung des Volkes durch die Propaganda also haltbar?

Handelt es sich dabei nicht vielmehr um eine Rechtfertigungsstrategie, die dem Vorwurf des Mitläufertums und der Mitschuld an den Verbrechen des NS-Regimes die Unmündigkeit und Manipulierbarkeit des Volkes entgegenstellt?

Diese Fragen lenken den Blick nicht nur auf das Programm des NS-Rundfunks, seine Organisationsstruktur und seine Verwurzelung in der Bevölkerung, sondern auch auf den Umgang der Rezipienten mit dem staatlich gelenkten Medienangebot. Sie werfen wiederum neue Fragen auf: nach der Rolle der Konsumenten innerhalb des Mediengefüges; nach ihren Möglichkeiten der Einflußnahme und natürlich auch nach der Konkurrenz um die Macht der Wirklichkeitsauslegung für die deutsche Bevölkerung.

Denn neben dem gleichgeschalteten deutschen Kriegsrundfunk machten viele Hörer von der nicht ungefährlichen Möglichkeit Gebrauch, alternative Informationsquellen als Gegengewicht zur NS-Propaganda zu konsultieren. Der Deutsche Dienst der BBC erhielt dabei eine herausragende Bedeutung. Die Gestapo schätzte 1941 die Zahl der Hörer des Londoner Senders auf eine Million. Drei Jahre später rechnete die BBC bereits sehr viel großzügiger mit 10 bis 15 Millionen deutschen Hörern.[4] Zwar sind solche Schätzungen nicht sehr verläßlich, doch lassen sie den Erfolg des deutschen Programmes der BBC zumindest erahnen. Daß die NS-Führung dieses Problem ernst nahm, beweisen ihre juristischen Maßnahmen. Noch am 1. September 1939 trat die ‚Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen‘ in Kraft, die langjährige Freiheitsstrafen, im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe für das Hören von Feindsendern androhte.[5]

Eine Analyse der Rundfunkpropaganda des 2. Weltkrieges kann folglich den wichtigsten Konkurrenten des NS-Rundfunks nicht unberücksichtigt lassen. Es gilt zu klären, mit welchen Strategien der Londoner Sender versuchte, das Informationsmonopol des deutschen Rundfunks zu brechen und die Hörer zum riskanten Abhören des ‚Feindsenders‘ zu bewegen.

Der Begriff der Propaganda

„Propaganda... ein unentbehrliches Fremdwort, also zu übersetzen mit ,Dingsda..., Sie verstehen schon, was ich meine!‘ Nein, wir verstehen uns ganz und gar nicht! Jeder versteht unter dem Dingsda etwas anderes.“[6]

Die Begriff Propaganda hat eine lange Geschichte und unterlag dabei immer wieder vielfältigen Definitionsversuchen.[7] Sein scheinbar unkontrollierbares Schillern hat sogar zu der Forderung geführt, „Propaganda als einen vorwissenschaftlichen und somit im strengen Sinne unbrauchbaren Begriff auf sich beruhen zu lassen“.[8]

Die Versuche, dem Begriff seine Unschärfen zu nehmen, reichen von der sehr weitgefaßten Beschreibung als „Handeln in beeinflussender Absicht“[9], die weder das Thema noch die Akteure in irgend einer Form eingrenzt, bis zu Propagandabegriffen, „die ihren Gegenstand im Sinne totalitärer Informationskontrolle definieren“[10], ihn also auf repressive Staatsformen und auf die direkte, womöglich plumpe politische Suggestion beschränken und mit der Ausübung staatlicher Gewalt verbinden.

Einer Analyse des NS-Rundfunks ließe sich eine derartige Propagandadefinition durchaus zugrunde legen, stimmt sie im Großen und Ganzen doch mit zeitgenössischen Propagandavorstellungen überein. Hitler betrachtete Propaganda als Mittel zum Zweck, als Instrument zur Massenbeeinflussung, das keinem moralischen Urteil unterliege und allein der Intention des Anwenders diene. Dies sei „die allererste Voraussetzung jeder propagandistischen Tätigkeit überhaupt: nämlich die grundsätzlich subjektiv einseitige Stellungnahme derselben zu jeder von ihr bearbeiteten Frage“.[11] Da für Hitler die Propaganda per se wertfrei war, waren demnach auch moralische Kategorien wie Wahrheit oder Lüge nicht darauf anwendbar. Das führte in letzter Konsequenz sogar dazu, daß er der psychologischen Kriegführung der Alliierten während des Ersten Weltkriegs aufgrund ihrer Effektivität Respekt zollte, indem er sie als „Greuelpropaganda, die in ebenso rücksichtsloser wie genialer Art die Vorbedingungen für das moralische Standhalten an der Front sicherte“[12], bezeichnete.

Mit einer solchen Definition ließe sich jedoch kein zufriedenstellender Vergleich mit dem Deutschlandfunk der BBC bewerkstelligen, da dieser außerhalb des Propagandabegriffs beschrieben werden müßte. Die pejorative Färbung, die diesem Ausdruck innewohnt und trotz Hitlers Umdeutungsbestrebungen sogar von ‚Propagandaminister‘ Goebbels gefürchtet worden sein muß, als er versuchte, den Begriff Propaganda aus der Bezeichnung seines neu eingerichteten Ministeriums zu streichen und durch ,Kultur‘ zu ersetzen[13], würde einer unvoreingenommenen Herangehensweise im Wege stehen.

Hitlers Vorstellung von Propaganda wurde geprägt durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. In der Überzeugung, daß der Krieg nicht auf dem Schlachtfeld, sondern an der Heimatfront verloren worden sei, griff er die Furcht vor der unheilvollen Macht der Propaganda auf, um in dieser einen Beweis für ihre Effektivität und damit einen Grund zur Nachahmung zu sehen oder sogar zum Versuch, diese zu übertreffen.

Auch in Großbritannien bestimmten die Erfahrungen und Deutungen des Ersten Weltkriegs das Bild von der Propaganda. Doch gereichte der Mythos ihrer Macht ihr hier zu keinem guten Ruf. Im Gegenteil: Die britische Bevölkerung zeigte sich schockiert vom Ausmaß der Manipulation. In der eigenen Greuelpropaganda sah man die Ursache für die Kriegswilligkeit, und die Presse beschwor das Schreckensbild einer unheilvollen Massensuggestion, die jederzeit zu einem neuen Krieg führen könnte.[14] Entsprechend war das Wort Propaganda für einen Großteil der Engländer ein ausgesprochen negativer, ja verabscheuenswürdiger Begriff. „The word ‘propaganda‘, in fact, had a distasteful sound to English ears, and was generally associated with the lies, bluster and name-calling favoured by the totalitarian powers“[15], stellte der Amerikaner Charles J. Rolo 1943 fest. Nicht nur, daß der Ausdruck an sich gemieden wurde – das zu Beginn des Kriegs neu eingerichtete Pendant zu Goebbels Ministerium bekam die wesentlich weniger belastete Bezeichnung Ministry of Information –, innerhalb der BBC wurde sogar diskutiert, ob jegliche Form der Ausweitung des Programms des Deutschen Dienstes nicht bereits Propaganda darstelle und somit grundsätzlich abzulehnen sei.[16] Ende September 1939 verzichtete die BBC auf die Ausstrahlung einer Sendereihe über die Men of the hour (Stalin, Hitler, Deladier), weil man der eigenen Objektivität mißtraute und Propaganda vermeiden wollte.[17] Und am 3. November versicherte das Home Service Board, das neu gegründete Führungsgremium der BBC, daß „propaganda, in the sense of perversion of the truth [...] not in accordance with BBC policy“[18] sein könne.

Auch in der britischen Presse wurde an einen Unterschied zwischen ‚Information‘ und ‚Propaganda‘ und an die Verpflichtung Großbritanniens objektiv, ja sogar wahrheitsgetreu zu informieren, geglaubt. So verkündete der New Statesman sofort nach dem deutschen Einmarsch in Polen: „It is strictly true that Britain to-day has no need of propaganda. The Ministry of Information can be a Ministry of Information and not a Ministry of Lies, Dr Goebbels has made truth Britain’s greatest asset”.[19]

Diese Überlegungen machen die Notwendigkeit deutlich, einen Propagandabegriff zu finden, der sich von den zeitgenössischen Vorstellungen unterscheidet und der sowohl das Programm des NS-Rundfunks als auch das der BBC umfaßt. Gleichzeitig sollte er darüber hinaus die notwendige Begrenzung des Themas für den Rahmen dieser Arbeit ermöglichen und beispielsweise den Bereich der Reklame ausklammern.

Daher soll auf eine pragmatische Definition zurückgegriffen werden, die Propaganda als geplante Versuche deutet, „durch Kommunikation die Meinung, Attitüden, Verhaltensweisen von Zielgruppen unter politischer Zielsetzung zu beeinflussen“.[20] Da dieser Definition zufolge nicht die Sendung an sich, sondern die dahinterstehende Zielsetzung politisch sein muß, ermöglicht sie, auch den Musik- und Unterhaltungsbereich zu berücksichtigen, der insbesondere im Programm des deutschen Rundfunks das Gros der Sendezeit beanspruchte und eine entsprechende Bedeutung besaß.

Krieg im Äther

Ausgangs- und Schwerpunkt dieser Arbeit bildet der Begriff des Rundfunkkrieges.[21]

Als direkte Auseinandersetzung zweier Gegner verstanden, legt der Begriff des Krieges den Vergleich von Rundfunkprogrammen nahe, die in der Zeit von 1939 bis 1945 direkt miteinander konkurrierten. Daher wird dem deutschen Inlandsrundfunk nicht der Home Service der BBC gegenübergestellt, sondern die Sendungen des Deutschen Dienstes. Da sich beide Programme an das gleiche Publikum richteten, nämlich das deutsche Volk, ermöglicht diese Herangehensweise eine stärkere Konzentration auf die Senderseite und somit auf die Strategien der Programmgestaltung beider Dienste. Natürlich wäre auch umgekehrt der Vergleich der deutschen Auslandspropaganda nach England mit den Inlandsprogrammen der BBC und somit eine Konzentration auf das britische Publikum denkbar gewesen. Allerdings begünstigt nicht nur die in Anbetracht des gegebenen Bearbeitungszeitraums leichtere Verfügbarkeit von Quellen und Literatur zum deutschen Rundfunk den hier verfolgten Ansatz, sondern auch die Tatsache, daß der Einfluß des britischen Rundfunks auf Deutschland ungleich größer gewesen ist als umgekehrt. Zwar konnten die Sendungen des berüchtigten Lord Haw Haw zu Beginn des Krieges ein großes Publikum in Großbritannien erreichen[22] und durchaus beunruhigtes Interesse in der britischen Presse hervorrufen. Doch blieb diese Wirkung eine kurze Episode innerhalb des Krieges und eher auf das Amüsement der Zuhörer denn auf wirkliche Überzeugungskraft beschränkt.[23] Lord Haw Haw verlor schon bald nicht nur jegliche Glaubwürdigkeit, sondern auch sein Publikum, wie das Ministry of Information im Sommer 1940 zufrieden feststellte.[24]

Außerdem ergibt sich für die deutsche Seite das Problem, daß die Zuständigkeiten für den Auslandsrundfunk, beispielsweise für den Deutschen Kurzwellensender, alles andere als eindeutig waren und ständigen Konkurrenzkämpfen unterlagen. Keinesfalls kann eine so eindeutige strategische Einwirkung durch Goebbels und sein Ministerium konstatiert werden, wie es beim Inlandsrundfunk der Fall war. Eine Analyse der Propagandastrategien des Deutschem Kurzwellensenders und der diversen deutschen Geheimsender hätte sich immer mit dem Problem der sich bekämpfenden Interessen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda mit denen des Auswärtigen Amts auseinanderzusetzen.[25]

Weiterhin ist zu erwähnen, daß Goebbels eindeutig zwischen den strategischen Leitlinien für den Inlands- und für den Auslandsrundfunk unterschied. Widersprüche waren dabei einkalkuliert. Die BBC hingegen bemühte sich um Widerspruchsfreiheit in ihren verschiedenen Diensten[26], allein schon, weil aufgrund der größeren Verbreitung der englischen Sprache einem ungleich größeren Teil der potentiellen Hörerschaft ein Vergleich der verschiedenen Dienste der BBC möglich war als bei den Programmen des deutschen Rundfunks. Zu große Unterschiede in den Aussagen hätten folglich der angestrebten Glaubwürdigkeit der BBC entgegengewirkt.

Erwartete Ergebnisse

Den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Untersuchung der Organisationsstruktur der Rundfunkorganisationen in Deutschland und Großbritannien. Ein Vergleich der deutschen mit den britischen Einrichtungen des Rundfunks in den ersten Jahren des Krieges belegt die These, daß die zentralistische Struktur des deutschen Rundfunkwesens eine schnellere Anpassung an den Kriegszustand ermöglichte als der etwas ‚diffuse‘ Aufbau der BBC. Die staatliche Kontrolle des Rundfunks gestatte eine umfassende propagandistische Vorbereitung des Krieges allein auf deutscher Seite.

Gleichzeitig führt der Vergleich der Organisation des nationalsozialistischen Rundfunks nach dem Führerprinzip mit den demokratischen Strukturen der britischen Propagandabehörden zu der Erkenntnis, daß die ständigen Konkurrenzstreitigkeiten der staatlichen Einrichtungen um die Weisungsmacht für den deutschen Rundfunk eine erhebliche Beeinträchtigung des Rundfunkbetriebes bewirkten. Die dezentrale Organisation der britischen Propaganda hingegen erforderte zwar Improvisationstalent, ermöglichte den Mitarbeitern der BBC aber auch größere individuelle Freiheiten und ließ mehr Raum für Kreativität.

Den zweiten Schwerpunkt bilden die Propagandastrategien hinter der Gestaltung der untersuchten Rundfunkprogramme. Die Betonung liegt hier folglich auf der Produzentenseite, was eine Konzentration auf die Grundkonzepte und die ideologische Prägung der Programme ermöglicht. Dabei ergibt sich die These, daß der deutsche Rundfunk nach außen hin zwar deutlicher ideologisch gefärbt war als das Programm der BBC, er sich aber trotzdem in seinen Strategien wankelmütiger und stärker von den jeweiligen politischen Umständen abhängig zeigte. Die BBC verfolgte auch in Zeiten militärischer Niederlagen als ideologisches Hauptelement kontinuierlich das Konzept der Glaubwürdigkeit durch größtmögliche Objektivität, während beim deutschen Rundfunk mehrfach das Grundkonzept des Programms der militärischen und politischen Situation angepaßt wurde.

Als Gegengewicht zu dieser Betonung der Seite der Programmgestalter wendet das abschließende Kapitel den Blick der Rezipientenseite zu und geht den bereits angesprochenen Fragen nach dem Einfluß der Hörerschaft und dem Verhältnis zwischen Konsument und Produzent nach. Angelehnt an Michel de Certeaus Theorie vom Konsum als versteckter Form der Produktion, ergibt sich die These, daß die Rezeption des Radioprogramms als aktiver Prozeß verstanden werden muß. Der Einfluß des Hörers wirkt sich bereits während der Produktion von Sendungen aus, indem sich der Produzent, um erfolgreich zu sein, an den Wünschen und Bedürfnissen orientiert, die er beim Rezipienten erwartet. Insbesondere für den deutschen Rundfunk bedeutete dies, daß die Radiopropagandisten das Programm keinesfalls frei nach ideologischen Gesichtspunkten gestalten konnten, sondern indirekt dem Zwang der Akzeptanz durch das Publikum unterlagen. Die Entfernung von den Bedürfnissen und der Alltagswirklichkeit der Hörer im Laufe des Kriegs führte einen Wirkungsverlust des deutschen Rundfunks herbei.

2. Die Organisation der Rundfunkpropaganda in Deutschland und Großbritannien

Als Hitler nach der Wahl 1932 Franz von Papen anbot, dessen Regierung durch die Tolerierung durch die NSDAP zu sichern, knüpfte er dieses Angebot an den ungehinderten Zugriff der Partei auf den Rundfunk[27] ; und auch im Bündnis mit der DNVP ein Jahr später war die paritätische Nutzung der Sendeeinrichtungen eine unverzichtbare Bedingung für das Zustandekommen der Koalition.[28] Der Rundfunk spielte in den Plänen der Nationalsozialisten von Anfang an eine zentrale Rolle. Für Goebbels war er bereits am 18. März 1933 „einflußreichster Mittler zwischen geistiger Bewegung und Volk, zwischen Idee und Menschen“.[29] In Übereinstimmung mit Hitlers Aufgabe und Vorstellung von Propaganda begriff er den Rundfunk als das Instrument, das dem Nationalsozialismus im ganzen Volk zum Sieg verhelfen würde: „Damit ist der Rundfunk wirklicher Diener am Volk, ein Mittel zum Zweck, ein Mittel zur Vereinheitlichung des deutschen Volkes“.[30] Ein Mittel, das in Goebbels Augen in seiner Bedeutung sogar die Presse übertraf: „Was die Presse für das 19. Jahrhundert war, das wird der Rundfunk für das 20. Jahrhundert sein“.[31]

Die Möglichkeit, mit relativ geringem technischen und finanziellen Aufwand eine riesige Hörerschaft zu erreichen, machten den Rundfunk in den Augen von Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky zum „wunderbarsten Instrument der Propaganda“ mit der Mission, „das gesamte deutsche Volk aus innerem Muß heraus an den Lautsprecher zu bringen“.[32] Mehr noch: Hadamovsky zufolge war der Rundfunk gleichsam artverwandt mit der Ideologie des Nationalsozialismus‘, sein natürliches Medium, sich auszudrücken:

„Der nationalsozialistische Mensch und seine lebendige Weltanschauung suchte [sic!] sich ein Ausdrucksmittel, das ihm arteigen, d.h. politisch wäre. Ein Instrument, das die neuen Werte seiner Weltanschauung von Blut und Boden, Rasse, Heimat und Nation darstellen könnte. Dieses Instrument fand der Nationalsozialismus im Rundfunk, der alle innerlichen und äußerlichen Voraussetzungen dazu besitzt.“[33]

Und noch 1942 wies der Arbeits- und Finanzplan für die deutsche Auslands-Rundfunk-Gesellschaft ‚Interradio AG‘ auf die kriegswichtige Bedeutung des Massenmediums hin, indem er ihm die Macht zur Einflußnahme auf ganze Völker zugestand:

„In diesem Kriege spielt wie in keinem anderen Kriege zuvor der Kampf um die öffentliche Meinung in den Ländern aller Kontinente eine entscheidende Rolle. Hierbei haben die Erfahrungen des Krieges gezeigt, daß der Rundfunk als das modernste, weltumspannende Instrument der Propaganda die Möglichkeit der Beeinflussung der Völker nahezu unbegrenzt gestaltet hat“.[34]

Chancen und Nutzen des Rundfunks für die Bewegung und später für die Kriegsbemühungen wurden von den Nationalsozialisten in höchsten Tönen gelobt, das Einschalten des Radios von Goebbels 1936 gar zu Bürgerpflicht erhoben: „Der deutsche Rundfunk ist in den letzten Jahren zu einem unentbehrlichen Lebensbegleiter des deutschen Volkes geworden. Wer sich von der Teilnahme am Rundfunk ausschließt, läuft daher schon heute Gefahr, auch am Leben der Nation vorbeizugehen“.[35]

Auch in England wurden ähnliche Meinungen geäußert. So verkündete der Abgeordnete Andrew McLaren am 11. Oktober 1939 im House of Commons: „There is no more powerful weapon than the unseen echo that encircles the earth and passes from one point into the heart of millions“.[36]

Doch schien man grundsätzlich in Großbritannien nicht annähernd so enthusiastisch gegenüber dem Rundfunk eingestellt zu sein, wie dies im Dritten Reich der Fall war. Gegenüber der Presse mit ihrer stolzen Tradition hatte das neue Medium von Anfang an einen schweren Stand. Bis zum Ausbruch des Krieges durfte die BBC keine Nachrichten vor 18 Uhr senden, wollte sie nicht gegen das Monopol der mächtigen Presseagenturen verstoßen.[37]

Anders als Hitler, der in „Mein Kampf“ die Bedeutung der Propaganda ausdrücklich betont, ihr sogar einen entscheidenden Faktor in einem kommenden Krieg zuschreibt, gestand Churchill dem Wort keine große Macht zu. „If words could kill, we would be dead already“[38], kommentierte er am 12. November 1939 in der BBC-Sendung Ten Weeks of War lakonisch den Einfluß von Propaganda auf das Kriegsgeschehen. Folgerichtig maß er auch Jahre später in seinem Geschichtswerk über den Zweiten Weltkrieg, für das er den Literaturnobelpreis erhielt, dem Rundfunk keine besondere Bedeutung bei: In den sechs Bänden des Buches wird er gerade zehn Mal erwähnt.[39]

2.1. Deutschland – Rundfunk als staatlicher Propaganda-Apparat

„Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, ist soeben von dem Herrn Reichspräsidenten zum Reichskanzler ernannt worden, aufgrund einer längeren Besprechung, die der Reichspräsident heute vormittag mit Herrn Hitler sowie Herrn von Papen hatte“[40], lautete die emotionslose Meldung des Drahtlosen Dienstes, die am 30. Januar 1933 Hitlers Machtergreifung verkündete. So klang die Stimme des verhaßten ‚Systemrundfunks‘, und führende Propagandisten der NSDAP, unter ihnen der spätere Reichssendeleiter Hadamovsky, waren überzeugt: So sollte der neue Rundfunk nicht klingen. Um den angestrebten, tatsächlich aber niemals konsequent herbeigeführten Bruch mit den alten Strukturen zu verdeutlichen, schilderte Hadamovsky ein Jahr später in seinem Buch „Dein Rundfunk. Das Rundfunkbuch für alle Volksgenossen“ die sogenannte Rundfunkrevolution, die sich am Tag der Machtergreifung spontan und unter bescheidenem Anteil des Autors Bahn gebrochen habe:

„In einem Augenblick, als der Führer zusammen mit Dr. Goebbels abermals an das offene Fenster der Reichskanzlei trat und mit erhobener Hand zu uns heruntergrüßte, sah ich plötzlich wie in einer Vision die Millionen Männer und Frauen unseres Volkes vor mir, die von dieser Stunde und diesem Erlebnis ausgeschlossen waren, die von dieser wunderbaren Stunde der Revolution nichts wußten als die trostlose bürokratische Nachricht, die der Rundfunk des alten Systems am Nachmittag durchgegeben hatte. [...]

Jetzt, noch in dieser Stunde der Machtergreifung, mußte dieser Rundfunk nationalsozialistisch werden und das Fanal der Revolution für das ganze deutsche Volk sein. [...]

Wir waren nicht gekommen, um mangels Kompetenzen umzukehren. Ich stürzte im Flur nach rechts [wohin auch sonst? – Anm. des Verf.], riß die Tür auf, die das Schild ‚Chef vom Dienst‘ trug, und trat sofort mit meinem Begleiter ein, nannte meinen Namen, der aus den Jahren der Opposition in den Funkhäusern peinlichst bekannt geworden war, und verlangte die sofortige Abordnung von Mikrophonen, Gerät und Personal nach der Reichskanzlei zur Vornahme einer Rundfunkübertragung und die Herausgabe des Befehls an alle deutschen Rundfunksender, sich der Übertragung anzuschließen.“[41]

In der Tat ist das Wort ‚Vision‘ eine passende Beschreibung dieser Vorgänge, denn sie entsprangen allein Hadamovskys Phantasie. Schon 1938 beschwerte sich daher der eifersüchtige Richard Kolb, 1933 Sendeleiter der Berliner Funkstunde, er habe bereits früh am 30. Januar eine Sendung für den am Abend geplanten Fackelzug genehmigt und alles vorbereitet sowie den anderen Intendanten die Übertragung der Reportage befohlen.[42] Auch das entspricht mit Sicherheit nicht den Tatsachen, denn ein solcher Befehl überstieg eindeutig Kolbs Kompetenzen, doch bleibt festzuhalten, daß es sich um eine legale und offiziell abgesegnete Übertragung handelte.[43]

Eine Rundfunkrevolution hat es also nicht gegeben. Trotzdem blieb auch der Rundfunk, ebenso wie die anderen Medieneinrichtungen, die Goebbels‘ neuem Ministerium unterstellt wurden, von einschneidenden Umstrukturierungen nicht verschont. Im Folgenden sollen diese Maßnahmen geschildert werden.

Personelle Säuberungen 1933

Die erste große Personalveränderung ereignete sich ohne direktes Zutun der Nationalsozialisten. Noch am Tag der Machtergreifung Hitlers trat der Rundfunkkommissar des Postministeriums und Vorsitzende der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) Hans Bredow, der ‚Vater des deutschen Rundfunks‘, zurück.[44] Dies war der Anstoß zu einer Reihe von Entlassungen, insbesondere in der Führungsetage des deutschen Rundfunkwesens. So mußte einen Monat später auch der zuständige Kommissar des Innenministeriums seinen Hut nehmen.

Trotz dieser frühen Maßnahmen blieben die grundsätzlichen Strukturen des Rundfunks erhalten. Lediglich das Personal, insbesondere das der Führungsebene, wurde ausgetauscht. Dazu gehörten die drei Direktoren der RRG. Der technische Direktor Walter Schäffer mußte jedoch nicht versetzt oder aus dem Amt gedrängt werden. Er nahm sich am 24 März 1933 das Leben.[45]

Knapp vier Monate nach Goebbels‘ Amtsantritt waren zehn der elf Intendanten der regionalen Rundfunkgesellschaften ausgetauscht.[46] Die neuen Intendanten erhielten umfassende personalpolitische Vollmachten, um nun auch die unteren Ebenen von allen jüdischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Angestellten zu säubern. Um diese ausfindig zu machen, griff man auf „Verhöre, Denunziationen, Fragebogenaktionen, die Durchforschung und Beschlagnahme von Personal- und anderen Akten, Kündigungen, Versetzungen, fristlose Entlassungen oder auch die Wiedereinstellung mit vermindertem Einkommen“[47] zurück. Diese Säuberungen wurden am 7. April 1933 teilweise rückwirkend durch das ‚Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums‘ legitimiert.

Wie viele Angestellte letztendlich entlassen wurden, ist heute kaum festzustellen. Aus gesicherten Daten einzelner regionaler Rundfunkanstalten lassen sich Schätzungen ableiten, die bei etwa 270 von 2115 Beschäftigten liegen. Daß die Quote mit ca. 13 Prozent der Belegschaft den Durchschnitt der Personalveränderungen bei den Reichs- und Länderbehörden deutlich überstieg, ist auf den unmittelbaren Zugriff des RMVP, das ausschließlich mit Nationalsozialisten besetzt war, zurückzuführen.[48]

2.1.1. Die Organisationsstruktur des Deutschen Rundfunks

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP)

Nachdem Hitler und Goebbels bereits am Tag nach der Wahl im März 1933 über die Einrichtung eines neuen Ministeriums gesprochen hatten, das die Verantwortung für Pressewesen, Rundfunk, Film, Theater und Propaganda übernehmen und dafür Kompetenzen aus den Metiers des Innen-, des Kultus- und des Postministeriums übertragen bekommen sollte, wurde das Kabinett am 11. März über diese Pläne informiert. Drei Tage später wurde die Einrichtung des RMVP vom Kabinett beschlossen und Goebbels zum Minister berufen.[49]

Während der Innenminister die politische Überwachung des Rundfunks bereits innerhalb der folgenden Woche abgab und der Postminister kurz darauf die finanzielle Überwachung an Goebbels übertrug – die entsprechenden Kommissariate wurden aufgelöst[50] –, kam es mit dem Außenministerium, das sich seinen Einfluß auf die Auslandspropaganda nicht nehmen lassen wollte, sogleich zu Konkurrenzkämpfen.[51] Zwar konnten erste Streitigkeiten bald geschlichtet werden, doch sollte der Kampf zwischen Auswärtigem Amt und RMVP bis zum Ende der Diktatur Bestand haben und immer wieder aufkochen.[52]

Um weiteren Konflikten entgegenzuwirken, wurden die Aufgaben des RMVP am 30. Juni 1933 in einer Verordnung Hitlers eindeutig festgelegt: „Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ist zuständig für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation, der Werbung für den Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterricht der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen“.[53]

Trotz allem hatte Goebbels während seiner gesamten tausendjährigen Amtszeit mit dem Versuch der Einflußnahme in seinem Ressort zu kämpfen. Deshalb wurde zur Absicherung seiner Interessen gegenüber der Wehrmacht ein Reichsverteidigungsreferat eingerichtet, das die Verbindung zum Kriegsministerium halten sollte.

Doch als innerhalb des Wehrmachtsführungsamts des OKW im März 1939 eine eigene Abteilung Wehrmachtpropaganda gegründet wurde, die ihrerseits Kontakt zum RMVP halten sollte und außerdem die militärische Zensur des Rundfunks übernahm, bedeutete dies eine weitere ‚Einmischung‘ in Goebbels Aufgabenbereich. Bereits 1936 hatte der Propagandaminister hinnehmen müssen, daß Rundfunkreporter, die zu Militärmanövern eingeladen worden waren, dem Kommando der Wehrmacht unterstellt wurden. Diese frühe Form des embedded journalism blieb auch im Krieg erhalten bzw. wurde sogar größtenteils durch die Einsetzung eigener Propagandakompanien (PK) in der Wehrmacht ersetzt. Letztendlich mußte sich das RMVP mit den Zuständigkeiten arrangieren und während des Krieges fertige Sendungen von den PK entgegennehmen, die dann über den Rundfunk ausgestrahlt wurden.[54]

Als Hitler schließlich am 10. Februar 1941 die Kompetenzen der Wehrmacht auch auf die Kontrolle sämtlicher Veröffentlichungen, die sich mit der Wehrmacht befaßten, sowie die Abwehr feindlicher Propaganda dem OKW übertrug, fühlte Goebbels sich übergangen. Im September 1943 versuchte der Propagandaminister, Hitler dazu zu bewegen, ihm die Abteilung Wehrmachtpropaganda zu unterstellen.[55] Hitler jedoch lehnte ab und besiegelte damit endgültig einen beträchtlichen Einflußverlust für das RMVP. Die Wehrmacht hingegen sicherte sich nicht nur die militärische Zensur des Rundfunks, indem sie eigene Propagandaoffiziere in den Reichssendern stationierte, sondern blieb auch allein verantwortlich für die politische Betreuung ihrer Soldaten im Feld.[56]

Trotz dieser Rückschläge gelang es dem Ministerium zumindest im Inland, seinen Einfluß auf den Rundfunk stärker auszubauen. Dies wurde vor allem durch die konsequente Umsetzung des Führerprinzips, die Einrichtung eines Einheitsprogrammes im Juni 1940 und durch den sukzessiven Abbau der Eigenverantwortung der RRG erreicht.[57]

Zur Regelung der Rundfunkangelegenheiten in Deutschland wurde im RMVP eine Abteilung unter der Leitung von Horst Dreßler-Andreß eingerichtet. Neben ihrer Funktion als Kontrollstelle der Zensur übernahm die Abteilung „Anordnungen zum Einsatz des Rundfunks bei politischen Kundgebungen, Anweisungen für die Nutzung des Rundfunks als außenpolitisches Instrument, Geschäftsverkehr mit dem Weltrundfunkverein und Verhandlungen über den internationalen Programmaustausch, Lenkung des Schulfunks, Regelung der Beziehungen zwischen Rundfunk und Presse, Rundfunkstatistik, Vertretung der RRG bzw. der einzelnen Reichssender im Geschäftsverkehr mit Reichsministerien und hohen Parteidienststellen und dgl. mehr“.[58] Mit fünf Mitarbeitern in drei Referaten war die Rundfunkabteilung jedoch trotz der besonderen Bedeutung, die Goebbels dem Rundfunk beimaß, deutlich kleiner als beispielsweise die Presseabteilung. Bis 1939 stieg die Anzahl auf gerade einmal neun Beschäftigte bei einer Belegschaft von 956 Mitarbeitern im gesamten Ministerium.[59] Während des Krieges wurde die Abteilung schließlich auf acht Referate mit 27 Mitarbeitern erweitert.[60] Ihre Kompetenzen wurden während des Krieges laufend erweitert und umfaßten unter Hans Fritzsche 1943 auch die Kontrolle des Rundfunknachrichtendienstes ‚Der Drahtlose Dienst‘ (DDD), der zuvor der Presseabteilung unterstellt gewesen war, sowie die Verbindung zur Wehrmacht. Außerdem dienten die neuen Referate als Verbindungsstellen zum Auswärtigen Amt, zur Gestapo und zum ‚Seehaus-Dienst‘, die das Ministerium mit ihren Berichten über die Tendenzen der ausländischen Propaganda und die Inhalte ausländischer Rundfunknachrichten versorgten.[61]

Erklären läßt sich die trotz allem geringe Größe der Abteilung unter anderem damit, daß Goebbels Wert darauf legte, über einen großen Teil des aktuellen Programmes in persönlicher Absprache mit der Reichssendeleitung bzw. den wechselnden zuständigen Personen selbst zu bestimmen bzw. die engen Mitarbeiter seines Ministerialbüros in den Bereichen Personal-, Finanz und Programmpolitik Einfluß nehmen zu lassen.[62]

Trotz der geringen Größe der Rundfunkabteilung war der Rundfunk doch die größte Geldquelle des RMVP. Denn das Ministerium finanzierte sich vor allem über die Rundfunkgebühr von zwei Reichsmark, die jeder angemeldete Hörer für sein Empfangsgerät zahlen mußte. Die Gebühr wurde vom Postministerium eingezogen, das für die Wartung der Sendeeinrichtung etwa die Hälfte des Geldes einbehielt, was immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den beiden Ministerien führte, die nie endgültig gelöst werden konnten.[63] Diese finanziellen Streitigkeiten hatten direkte Auswirkungen auf die technischen Bedingungen des innerdeutschen Rundfunks. Der Ausbau des Lang- und Mittelwellenbetriebs wurde aufgrund der Animositäten zwischen Goebbels und Postminister von Eltz-Rübenach (zumindest bis zu dessen Abdankung 1937) vernachlässigt, so daß Deutschland in diesem Bereich in puncto Sendeleistung den anderen europäischen Großmächten hinterherhinkte.[64] Ein weiterer Grund für die Stagnation der Versorgung mit Lang- und Mittelwellensendern war die Bevorzugung der Auslandspropaganda. Goebbels räumte dem Ausbau des Kurzwellenbetriebes Priorität ein.[65]

Obwohl das RMVP finanziell immer stärker vom Rundfunk profitierte, wurden umgekehrt die Zuwendungen für die RRG prozentual kontinuierlich gesenkt: Gingen noch 1933/34 mit 32,4 Millionen RM etwa 33,5 Prozent der Gebühren an den Rundfunk, waren es 1939/40 mit 54,4 Millionen RM gerade noch 19,1 Prozent.[66] Die wachsende Gruppe der angemeldeten Hörer bezahlte letztlich immer weniger für das Programm, das sie konsumierte. „Ein Teil der Gebühren wurde schlicht dazu verwendet, das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda selbst zu finanzieren“.[67]

Trotzdem reichte das Geld nicht aus, so daß das Ministerium immer wieder Zuschüsse aus der Reichskasse benötigte.[68] Um die Ausgaben zu senken, unternahm Goebbels deshalb bereits Ende 1933 einen Versuch, die regionalen Rundfunkprogramme einzuschränken und in Sendegruppen mit gemeinsamen Abendprogrammen zu vereinheitlichen.[69] Doch erwies sich diese Maßnahme als noch zu gewagt für die politische Situation. Massiver Widerstand der Länderregierungen, insbesondere Bayerns, sowie Beschwerden der Rundfunkmusikerverbände, die einen Verlust von Arbeitsplätzen befürchteten, und sogar wütende Hörerbriefe führten letztlich dazu, daß die Sendergruppen bereits am 11. Januar 1934 wieder aufgelöst wurden.[70] Erst der Krieg ermöglichte Goebbels am 9. Juli 1940 die dauerhafte Einrichtung des Einheitsprogramms.

Die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG)

Die Gründung der RRG fiel in die Zeit der Weimarer Republik. Auch die ersten Maßnahmen zur Zentralisierung und Verstaatlichung des deutschen Rundfunks wurden bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten durchgeführt. So übernahm der Staat 1932 51 Prozent der Anteile aller neun regionalen Rundfunkanstalten, die in der RRG versammelt waren.[71] Diese Tendenzen wurden von den Nationalsozialisten aufgegriffen, als der Gesellschaft am 8. Juli 1933 „die politische, künstlerische, wirtschaftliche und technische Gesamtleitung des deutschen Rundfunksendebetriebes“[72] zugesprochen wurde. Die regionalen Rundfunkanstalten wurden bis 1934 aufgelöst[73] und als Reichssender der RRG unterstellt, deren Sendeleitung die Kompetenzen der Intendanten bis in die konkrete Gestaltung des Musikprogramms und die Einteilung der Sendezeiten beschnitt und sie zu reinen Befehlsempfängern degradierte.[74] Der alleinige Inhaber des Stammkapitals der RRG wurde das RMVP, was die vollständige Verstaatlichung des deutschen Rundfunks abschloß und wiederum die Kompetenzen der Sendeleitung einschränkte. Spätestens ab 1941 verzichtete das RMVP jedoch auf den Umweg über die RRG und berief selbst die Konferenzen der Intendanten ein, um diese direkt kontrollieren zu können.[75]

Mit Ausbruch des Krieges sah sich die Rundfunkgesellschaft mit dem Problem des Personalmangels konfrontiert. Obwohl Goebbels die besondere Bedeutung des Rundfunks betonte, mußte dieser bereits im ersten Kriegsjahr auf rund 25 Prozent der 5091 männlichen Angestellten verzichten. Bis Herbst 1940 wurden 80 Prozent der Rundfunksprecher und Redakteure und fast ein Drittel der Techniker zum Dienst in den Propagandakompanien der Wehrmacht oder im Auslandsrundfunk einberufen.[76] Daß Goebbels nicht intervenierte, mag seinen Bestrebungen geschuldet gewesen sein, die RRG sukzessive zu entmachten und unter die Kontrolle seiner Rundfunkabteilung zu stellen. Außerdem begünstigte die Einberufung der Rundfunkmitarbeiter die von Goebbels angestrebte Einrichtung eines personalsparenden Einheitsprogramms aller Reichssender.[77]

Geleitet wurde die RRG bis 1937 von den drei Direktoren der Bereiche Programm, Verwaltung und Technik.[78] Zum zuständigen Direktor für die Gestaltung des Programms und ‚Reichssendeleiter‘ – einem eigens von Goebbels kreierten Titel – wurde Eugen Hadamovsky berufen, welcher sich im sogleich ausbrechenden Machtkampf innerhalb des Direktoriums am besten zu behaupten wußte und Verwaltung und Technik als begleitende Hilfsdienste betitelte.[79] Diese Streitigkeiten und die Weigerung der Verwaltung 1936, die Etatgestaltung für die Technik mitzuverantworten, beeinflußten 1937 Goebbels Entscheidung, dem Direktorium mit Heinrich Glasmeier einen Generaldirektor (selbstverständlich nicht ohne neuen Ehrentitel ‚Reichsintendant‘) vorzusetzen und es somit faktisch zu entmachten.[80]

Doch auch der Reichsintendant wurde bald in seinen Zuständigkeiten beschränkt. Nachdem Goebbels im August 1939 Alfred-Ingemar Berndt zum neuen Leiter der Rundfunkabteilung des RMVP ernannt hatte, begann dieser, die ohnehin schon geringen Kompetenzen der RRG weiter abzubauen. Der Verbindungsmann zwischen dem Ministerium und der RRG wurde zum Leiter einer neu eingerichteten Rundfunkkommandostelle befördert, die im Auftrag des RMVP die Koordination der RRG übernahm, was letztlich die Kontrolle über die Programmgestaltung, die Festlegung der Sendezeiten und die Zuteilung von Prioritäten bei politischen Auflagesendungen bedeutete.[81]

Als Goebbels schließlich am 6. April 1940 den Aufsichtsrat der RRG auflöste, in dem noch die letzten beiden Vertreter von Post- und Außenministerium saßen, und selbst dessen Aufgaben übernahm, war die Gesellschaft letztlich zum reinen Befehlsempfänger des RMVP geworden. Ihren Einfluß auf das Programm hatte die RRG schon durch Hadamovskys Berufung zum Leiter der Rundfunkabteilung des Propagandaministeriums im Februar 1940 eingebüßt. Die wöchentlichen Besprechungen im Berliner Funkhaus zur Programmgestaltung fanden zwar unter Beteiligung des Reichsintendanten statt, doch war Hadamovskys Abteilung in Goebbels‘ direktem Auftrag weisungsbefugt und informierte Glasmeier lediglich über ihre Entscheidungen. Die gesamte Programmverantwortung lag spätestens seit dem Frühjahr 1940 bei Personen außerhalb der RRG.[82]

Der Kreis dieser Personen wurde immer weiter beschränkt, bis ab Februar 1942 nur noch zwei Mitarbeiter von Goebbels‘ Ministerium, Hans Fritzsche und Hans Hinkel, für das gesamte Rundfunkprogramm verantwortlich zeichneten.

Die Reichskulturkammer (RKK)

Mit Inkrafttreten des ‚Reichskulturkammergesetzes‘ am 22. September 1933 wurden sämtliche Angehörige kultureller Berufsgruppen in eigenen Kammern unter der Dachorganisation der Reichskulturkammer – mit Goebbels als Präsident – zusammengefaßt. Das Ausüben einer Tätigkeit im kulturellen Bereich wurde verbunden mit der Mitgliedschaft in der entsprechenden Kammer. Die Nichtmitgliedschaft oder die Entlassung aus einer solchen waren somit gleichbedeutend mit einem Berufsverbot.[83] Auf diese Weise war eine Kontrolle des kulturellen Bereichs gewährleistet, da die Mitgliedschaft an einen Ariernachweis und die politische Eignung gebunden waren und das RMVP diese jederzeit unbegründet widerrufen konnte.[84]

Zum Präsidenten der Reichsrundfunkkammer (RRK) ernannte Goebbels den Leiter seiner Rundfunkabteilung Horst Dreßler-Andreß, der sich sogleich an die Gleichschaltung von Funkindustrie, Radiohändlern, Antenneninstallateuren, Herausgebern von Rundfunkzeitschriften und den Hörerorganisationen in der RRK machte, um dadurch die ‚Rundfunkeinheit‘ einzurichten.[85]

Allerdings hatte die RRK von Anfang an das Problem, daß mit der RRG bereits eine zentrale Rundfunkorganisation vorhanden war, was das Arbeitsfeld der neuen Kammer enorm einschränkte.[86] Auch waren die Angestellten der RRG je nach Tätigkeit in eigenen Berufsverbänden organisiert, die entsprechend den Kammern Musik, Theater oder Schrifttum zugeordnet waren.[87]

Nachdem such die Rundfunkwirtschaft dem Zugriff der RRK entzogen hatte und Dreßler-Andreß letztlich nur noch einen aufgeblähten und kostspieligen Verwaltungsapparat leitete, zog Goebbels schließlich am 28. Oktober 1939 die Konsequenz und löste die RRK auf.[88] Ihre Mitglieder wurden von anderen Kammern übernommen.

Die Reichssender

Mit der Neuordnung der RRG wurden die ehemals selbständigen regionalen Rundfunkanstalten im April 1934 in die Reichssender Berlin, Leipzig, München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Breslau, Königsberg und Köln umgewandelt und der RRG unterstellt. Dazu kamen der reichsweit ausstrahlende Deutschlandsender und der KWS für den Auslandsrundfunk, deren Intendantenposten bereits im April 1933 aufgrund der besonderen Bedeutung, die Goebbels ihnen zumaß, neu besetzt worden waren.[89]

Mit dem Anschluß des Saarlandes kam Ende 1935 der Reichssender Saarbrücken hinzu, und 1938 marschierten die Rundfunkinteressen des Propagandaministers gemeinsam mit der Wehrmacht in Österreich ein: Mit Wien trat der 13. Reichssender dem ,Großdeutschen Rundfunk‘, wie Goebbels ihn am 1. Januar 1939 feierlich taufte, bei.[90]

Bei ihrem Vorrücken wurde die Wehrmacht von Rundfunkfachkräften in den Propagandakompanien begleitet, die sich sofort um die Übernahme der Sender in besetzten Gebieten kümmerten. Noch vor dem Krieg wurde so dem deutschen Rundfunk der Reichssender Böhmen hinzugefügt. Es folgte die Gleichschaltung der Sendeeinrichtungen in Polen, Belgien, den Niederlanden und Frankreich[91], und schließlich die Einrichtung der ,Sendegruppe Ostland‘ in den besetzten sowjetischen Gebieten.[92]

Geleitet wurden diese Reichssender jeweils von einem Intendanten. Doch deren Kompetenzen in der Programmgestaltung waren äußerst begrenzt. Um ihnen dies klar zu machen – er „geige ihnen die Meinung, daß ihnen Hören und Sehen vergeht“[93], schrieb Goebbels am 15. Februar 1933 in sein Tagebuch – besuchte der Propagandaminister persönlich gleich zu Beginn seiner Amtszeit über die Hälfte der Reichssender.[94]

Allerdings gab es auf Senderebene zumindest im Personalbereich noch eine gewisse Unabhängigkeit. Zwar wurden Parteimitglieder eindeutig bevorzugt, doch waren qualifizierte Parteimitglieder selten, so daß eine hohe Qualifikation neben dem Wohlwollen des Intendanten den Rundfunkmitarbeitern eine gewisse Sicherheit versprach.[95]

Nachdem Goebbels zehn von elf Intendantenposten neu besetzt hatte, wurden 1934 alle Reichssender gleichgeschaltet. Jeder Sender war strukturell gleich gegliedert in Sendeleitung, Oberspielleitung, Orchesterabteilung und Programmabteilung, die wiederum in die Unterabteilungen für Unterhaltung, Zeitfunk, Kunst und Wissen und Weltanschauung unterteilt wurde.[96]

Über die grundsätzliche Gestaltung der Sendungen wurde auf einer Intendantenkonferenz entschieden, die zumeist von Hadamovsky geleitet und später von Glasmeier übernommen wurde. Doch war die RRG letztlich nur ein Zwischenglied, das lediglich Goebbels‘ Anweisungen weitergab. Folglich waren die Intendanten auch direkt Goebbels und seinem Ministerium Rechenschaft pflichtig und nicht der RRG.[97]

Während des Krieges wurden die Konferenzen immer seltener, und spätestens unter der Leitung Hans Hinkels seit 1942 wurde den Intendanten klar, „daß ihre gelegentliche Beteiligung an Redaktionssitzungen [...] nur eine Farce war“.[98]

2.1.2. Das Führerprinzip im Reichsrundfunk

Wie alle anderen Bereiche des nationalsozialistischen Regimes wurde auch der Rundfunk nach dem Führerprinzip organisiert. Angefangen vom Propagandaminister über den Leiter der Rundfunkabteilung des RMVP, den Reichssendeleiter bzw. den Generaldirektor der RRG, die Intendanten bis hinunter zu den Leitern der verschiedenen Programmsparten waren immer einzelne Personen für ihre Abteilungen zuständig und dem nächst höheren Leiter und letztlich dem Propagandaminister Rechenschaft pflichtig.[99] Eine Ausnahme bildete bis 1937 das Führungsgremium der RRG aus drei gleichberechtigten Direktoren, die allerdings jeder für sich wiederum dem Minister verantwortlich waren.[100] Verstärkt wurde diese Bündelung von Macht in den Händen weniger Männer – Frauen waren im Rundfunk lediglich als Schreibkräfte und gelegentlich im Bereich des Frauen- und Jugendfunks angestellt – durch die Praxis der Ämteranhäufung.

Als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Reichspropagandaleiter der NSDAP, Präsident der RKK und mit der Auflösung des Verwaltungsrates der RRG am 6. April 1940 auch noch eine Art ‚Präsident‘ der RRG[101] stand Joseph Goebbels in jeglicher Hinsicht an der Spitze der nationalsozialistischen Massenmedien, inklusive des von ihm als besonders wichtig eingeschätzten Rundfunks. Anders als bei der Presse legte er beim Rundfunk besonderen Wert auf persönliche Führung.[102] So leitete er die beinahe täglichen sogenannten 11-Uhr- oder Ministerkonferenzen im RMVP selbst.[103] Vor den versammelten Funktionären des Rundfunks, dem Leiter seiner Rundfunkabteilung, dem Reichssendeleiter und später auch dem Generaldirektor der RRG, dem Leiter des DDD und Vertretern anderer Dienststellen wie der Propagandaleitung der NSDAP, Mitarbeitern des Auswärtigen Amts und Verbindungsoffizieren der Wehrmacht[104] ließ er es sich nicht nehmen, persönlich bis ins kleinste Detail in die Belange des Rundfunks hineinzuregieren. Dazu gehörten nicht nur Entscheidungen im Personal- und Finanzbereich, sondern auch Fragen der täglichen Programmgestaltung, zum Inhalt und der Gestaltung von Sendungen, zur Freigabe oder Zurückhaltung von Sendungen und ihrer Abstimmung auf die aktuelle politische Situation bis hin zu Anweisungen zur Benutzung von Wellenlängen sowie der Ausstrahlung über bestimmte Sender oder Sendegruppen.[105] In Einzelfällen bestand er sogar darauf, die Sendezeiten festzulegen und die ganz konkrete inhaltliche Gestaltung einzelner wichtiger Sendungen zu aktuellen politischen, kulturellen oder militärischen Themen selbst zu übernehmen.[106]

Als höchste Beamte unter sich etablierte der Propagandaminister den Leiter seiner Rundfunkabteilung Horst Dreßler-Andreß und den Direktor der Programmabteilung und Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky. Dreßler-Andreß verband als Präsident der RRK und Amtsleiter der Propagandabteilung der NSDAP Kompetenzen für die Personalpolitik des Rundfunks mit Kompetenzen im Parteibereich und in der Programmgestaltung. Hadamovsky war gerade einmal 28 Jahre alt, als der Rundfunk unter seiner programmatischen Leitung der Regierung Hitlers „die restlichen 48 Prozent zusammentrommeln“ und die Bevölkerung „durchtränken [sollte] mit den geistigen Inhalten der Zeit“[107], wie Goebbels seine Aufgabe im März 1933 festlegte. In diesen Kampftagen war der junge Agitator der richtige Mann für Goebbels, jedoch nur bis ins Jahr 1937.

Neuausrichtung des deutschen Rundfunks im März 1937

Nach der Phase des agitatorischen Trommelns für die Nationalsozialisten, insbesondere im Jahr der Machtübernahme, sah Goebbels die Zeit für gekommen, dem Wandel der Selbstdarstellung des Rundfunks als Träger der freien deutschen Kultur auch personell Rechnung zu tragen. Das neue Bild des Rundfunks war mit der Brutaldemagogie des ‚unzulänglich‘ gebildeten Hadamovskys nach außen kaum zu vertreten.[108] Um gleichzeitig den ewigen Reibereien innerhalb des Direktoriums ein Ende zu bereiten, berief Goebbels mit Heinrich Glasmeier, dem Intendanten des Reichssenders Köln, einen Generaldirektor der RRG und Reichsintendanten und setzte somit faktisch Hadamovsky und seinen Kollegen einen alleinverantwortlichen Chef vor die Nase.[109] Mit dem nach außen getragenen Versprechen der Dezentralisierung des Rundfunks hatte die Maßnahme freilich nichts zu tun. Im Gegenteil, sie bedeutete eine weitere zentrale Bündelung von Entscheidungsbefugnissen und eine stärkere Kontrolle und Überwachung der Reichssender und ihrer Intendanten durch die Verpflichtung zur gemeinschaftlichen Programmplanung unter der Leitung Glasmeiers, was sicherlich auch im Kontext der Kriegsvorbereitungen gesehen werden muß.[110]

Dreßler-Andreß erging es noch schlechter: Er wurde auf allen seinen Positionen durch den Intendanten des Reichssenders Breslau, Hans Kriegler, ersetzt.[111]

Hadamovsky gelang es Anfang 1940 noch einmal für kurze Zeit, einen Teil seines ehemaligen Einflusses auf den Rundfunk zurückzugewinnen, indem er zum Leiter der Rundfunkabteilung im RMVP berufen wurde. Im Juni 1942 wurde er jedoch endgültig aus dem Rundfunk entfernt und in die Stabsleitung der Reichspropaganda-Abteilung der NSDAP versetzt. Nachdem seine Versuche, einen eigenen Parteirundfunk in Konkurrenz zur RRG zu etablieren, am Widerstand des verärgerten Propagandaministers gescheitert waren[112], meldete Hadamovsky sich frustriert freiwillig als Kriegsberichterstatter bei der Wehrmacht, was letztlich zu seinem Tod an der Ostfront führte.

Die Generalbevollmächtigten Hinkel und Fritzsche

Im Oktober 1941 betraute Goebbels Hans Hinkel, den Generalreferenten für RKK-Angelegenheiten, mit der Aufgabe, das Abendprogramm des Rundfunks grundsätzlich umzukrempeln und aufzulockern. Nachdem er eine Gruppe von Komponisten um sich gesammelt und mit dieser ein Rahmenprogramm für bunte Abende erarbeitet[113] und dem Minister präsentiert hatte, wurde er von diesem am 15. Februar 1942 zum Alleinverantwortlichen für das gesamte Kultur- und Unterhaltungsprogramm bestellt.[114] Auf den ‚Hinkel-Sitzungen‘ besprach er sich mit den Leitern der zehn von ihm ins Leben gerufenen Programmgruppen[115] und legte mit diesem Expertengremium die Richtlinien für die künstlerischen und unterhaltenden Sendungen fest.[116] Allerdings schien sich das Vertrauen Goebbels in Hinkels Fähigkeiten trotz allem in Grenzen zu halten, denn er bestand weiterhin auf eine persönliche, teilweise sehr penible Einflußnahme.[117]

Der einzige Beamte, der in seiner Rundfunkarbeit eine gewisse Unabhängigkeit vom Propagandaminister erlangen konnte, war Hans Fritzsche. Fritzsche hatte es zu verstehen gewußt, Schritt für Schritt seine Karriere voranzutreiben. Als der von ihm geleitete Rundfunknachrichtendienst Anfang 1933 in das RMVP eingegliedert wurde, trat er kurz darauf in die Partei ein und übernahm zusätzlich auch die Stelle des leitenden Nachrichtenredakteurs der Presseabteilung. 1938 wurde er zum Chef der Presseabteilung berufen. Gleichzeitig war er als Autor und Sprecher für die Politische Zeitungs- und Rundfunkschau im Radio tätig.[118] Schließlich berief Goebbels den immer wieder beförderten Beamten am 2. November 1942 zum Leiter der Rundfunkabteilung im RMVP und übertrug ihm die Verantwortung für die Gestaltung der politischen und propagandistischen Sendungen des Rundfunks.[119] Als Aufsichtsratsvorsitzender der Interradio AG[120] war er außerdem über die Auslandspropaganda, inklusive der Programme der Geheimsender, informiert, so daß er schließlich – auch mit seinen weiterhin bestehenden Verbindungen zum DDD – über eine Kontrollmacht über den Rundfunk verfügte, die außer Goebbels bis dahin keiner einzelnen Person zugekommen war.[121] Mitte des Jahres 1944 zog Goebbels aus diesen Tatsachen die Konsequenz: Hinkel übernahm die Filmabteilung des RMVP und Fritzsche bekam die Verantwortung für das gesamte Rundfunkprogramm übertragen. Aufgrund des Kriegsverlaufs dienten die wöchentlich oder häufiger stattfindenden Konferenzen unter Fritzsche allerdings größtenteils der Schadensbegrenzung. Konstruktive Programmgestaltung war kaum noch möglich.[122]

2.1.3. Ein Radio für jeden Haushalt: Die ‚politischen‘ Empfangsgeräte

Die Grundlage für die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne der Nationalsozialisten für die Verwendung des Rundfunks als Propagandainstrument war seine flächendeckende Anwendung. Neben der Abdeckung des Reichsgebietes mit Sendeanlagen war dafür auch eine möglichst vollständige Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Empfangsgeräten notwendig. Am 1. Januar 1933 besaßen gerade einmal 4,3 Millionen Deutsche ein Radiogerät[123], weniger als sieben Prozent der Bevölkerung.

Schon 1930 war daher die staatliche Produktion eines erschwinglichen Massenradios erwogen worden. Umgesetzt wurde diese Idee jedoch erst im Mai 1933 durch die Nationalsozialisten.[124] Allerdings war der ‚Volksempfänger‘ keinesfalls ein rein deutsches Konzept. Ähnliche Geräte wurden auch in Polen, Norwegen, Frankreich, Ungarn und England gefertigt, was auch erklärt, warum dem Volksempfänger im Export keinerlei durchbrechender Erfolg beschieden war.[125]

Bei einem Preis von 76 RM war der gemeinschaftlich von allen 28 deutschen Rundfunkfirmen produzierte VE 301 keinesfalls billig, aber von guter Qualität.[126] Das im Krieg entstandene Gerücht von einer absichtlichen Beschränkung der Empfangsstärke durch die Nationalsozialisten, die das Abhören ausländischer Rundfunksendungen unterbinden sollte[127], entspricht keinesfalls der Wahrheit. Tatsächlich ermöglichte der VE 301 beispielsweise den Empfang der BBC, des schweizerischen Senders Radio Beromünster sowie von Radio Moskau.[128]

Trotz des hohen Absatzes des VE 301 blieb das Problem der mangelnden Durchdringung der unteren sozialen Schichten durch den Rundfunk bestehen: 1934 waren über 21 Prozent der Hörer Beamte; Arbeiter, die 43 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, waren mit 5,7 Prozent als Hörer extrem unterrepräsentiert.[129] Dazu kamen die Unregelmäßigkeiten in der regionalen Versorgung: 1937 kamen 12,65 Radios auf 100 Großstadtbewohner, jedoch nur ca. fünf Geräte auf 100 Einwohner ländlicher Gemeinden, die knapp 43 Prozent der Bevölkerung ausmachten.[130]

Um diesen unerwünschten Zuständen entgegenzuwirken, wurde auf dem Land mit großem Aufwand Werbung für den VE 301 betrieben und der Preis für das Gerät mehrfach gesenkt, bis er 1937 für 59 RM mit der Möglichkeit der Ratenzahlung zu erstehen war.[131] Bis zum Beginn des Krieges konnten auf diese Weise ca. 3,5 Millionen VE 301 verkauft werden.[132]

Um auch den einkommensschwächsten Bevölkerungsschichten den Zugang zum Rundfunk zu ermöglichen, wurde 1938 mit dem ‚Deutschen Kleinempfänger DKE 38‘ ein weiteres ‚politisches‘ Radio präsentiert. Bei einem ebenfalls in Raten zahlbaren Preis von 35 RM war das Gerät beinahe für jeden ‚Volksgenossen‘ erschwinglich.[133] Innerhalb eines Jahres wurden knapp eine Million Exemplare des DKE 38 verkauft, 90 Prozent davon an neuangemeldete Hörer.[134] Finanzierungshilfen wie die Praxis der IG Farben, die Raten für das Gerät direkt vom Lohn abzuziehen, sollten nicht nur die Arbeiter zum Kauf motivieren, sie ließen auch diejenigen, die auf derartigen Angebote verzichtete, als Außenseiter auffallen.[135] Letztlich wurden im Zuge der ‚Dr.-Goebbels-Rundfunkspende‘ bis 1942 sogar über 150.000 Radios einfach verschenkt.[136]

Dem Problem der hohen Folgekosten eines Radiokaufs wurde mit dem Erlaß der Gebühren begegnet.[137] 1939 waren knapp 800.000 Hörer sowie sämtliche Dienststellen der HJ und des BDM von den Gebühren befreit.[138]

Mit Hilfe dieser Maßnahmen gelang es, die Zahl der Hörer enorm zu steigern. Am 1. Januar 1938 waren mit über neun Millionen Menschen bereits 13,4 Prozent der Bevölkerung angemeldet, 1943 wurde mit 16,2 Millionen schließlich der Höhepunkt erreicht.[139] Mit 39 Prozent machten die politischen Geräte einen großen Anteil der Gesamtproduktion deutscher Radios in der Zeit von 1933 bis 1945 aus.[140]

2.1.4. Deutsches Wesen für die Welt – Der Deutsche Kurzwellensender (KWS)

Die Aufgabe des Vorläufers des KWS war es, deutsche Kultur ins Ausland zu senden und die deutschen Aussiedler in fremden Ländern zu erreichen. Nach der Übernahme des Senders durch die Nationalsozialisten im Februar 1933 sollten sich die Angestellten zum Ziel setzen, „deutsches Wesen, die deutschen Belange im Ausland zu propagieren“, sie sollten das „Wollen und Schaffen des Nationalsozialismus“[141] kundtun.

Zu diesem Zweck wurde ein Programm für Nordamerika eingerichtet, das Nachrichten auf Deutsch und Englisch enthielt. Im Juli folgten spanischen Nachrichten für Lateinamerika.[142] 1936, im Jahr der Olympiade, in dem gigantische technische und organisatorische Anstrengungen unternommen wurden, um Menschen in aller Welt an dem großen propagandistisch aufbereiteten Spektakel teilhaben zu lassen, sendete der KWS bereits täglich 22 Nachrichtensendungen in Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Holländisch in die ganze Welt.[143] 1939 sendete der KWS täglich 119 Stunden Programm, über 55 Stunden davon selbst produziertes Material.[144]

Derart großer Aufwand konnte nur betrieben werden, weil Goebbels dem Auslandsrundfunk von Anfang an Priorität gegenüber dem Rundfunk in Deutschland einräumte. Der Etat des KWS wurde zwischen 1933 und 1935 von 100.000 RM auf 2,68 Millionen RM erhöht und später immer weiter aufgestockt.[145] Bereits 1933 bekam der Sender eine eigene Programmproduktionsabteilung – mit sieben Angestellten. 1935 beschäftigte die Abteilung 51, drei Jahre später bereits 242 Angestellte.[146] Selbst im Krieg, als der Inlandsfunk unter chronischem Personalmangel litt, expandierte der KWS, so daß er Ende 1940 bereits über einen Stab von mehr als 500 Mitarbeitern verfügte.[147] Zusammen mit dem Netz von deutschen Geheimsendern, das Europa überspannte, gehörte der KWS für den Amerikaner Charles Rolo zur „most gigantic lying machine of all time“.[148]

Vor dem Krieg warb der KWS in den Wortsendungen für das NS-Regime mit seinem Wunsch nach Frieden und Völkerverständigung. Dazu kamen Reportagen zu nationalen Feierlichkeiten wie dem 1. Mai oder zu Großkundgebungen wie dem Reichsparteitag in Nürnberg 1935 sowie die Übertragung politischer Reden der Führungselite.[149] Davon, „daß der deutsche Kurzwellensender weniger als die innerdeutschen Reichssender unter dem Druck des Propagandaministeriums stand“[150], kann kaum die Rede sein, was allein schon die Tatsache belegt, daß 1938 19,5 Prozent des Gesamtprogramms des KWS aus Nachrichten bestand – bei den Reichssendern waren es knapp 10 Prozent –, Nachrichten, die dem Sender direkt aus dem RMVP von Fritzsches DDD geliefert wurden.[151] Tatsächlich zeigte sich die Propaganda im KWS weniger polternd als im innerdeutschen Rundfunk. Sie wurde diskret eingebaut in unterhaltsame Hörspiele, Vorträge über die Geschichte des Empfängerlandes oder über sonstige kulturelle oder soziale Themen sowie in die Sprachkurse, die regelmäßig ins Ausland gesendet wurden.[152]

Den Großteil der Sendezeit bestritt jedoch das Musikprogramm, das möglichst auf den Geschmack des jeweiligen Empfängerlandes abgestimmt wurde.[153] Zu großen Kultursendungen gehörten wöchentlich eine Oper und ein großes Symphoniekonzert sowie weitere Kammerkonzerte und jeden Monat für jede Sendezone ein Wunschkonzert.[154] Der hervorragenden Qualität dieser „superb musical programmes“[155] war sicherlich ein großer Teil des anfänglichen Erfolgs des KWS zu verdanken.

Bis 1939 war allein das RMVP für die Steuerung des Senders verantwortlich. Als der Krieg sich bereits abzeichnete, forderte Ribbentropp jedoch für sein Ministerium einen größeren Einfluß auf die Auslandspropaganda, was den Anstoß zu unaufhörlichen Streitigkeiten und Rangeleien zwischen AA und RMVP gab.[156]

1941 wurden die ehemals 22 Fremdsprachenprogramme auf 14 reduziert, um so eine Konzentration auf Europa zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt, auf dem Gipfel der Sendeleistung, strahlte der KWS täglich 154 Stunden Programm in den Äther.[157]

2.1.5. Wer darf den Feind hören? Streit um den ‚Sonderdienst Seehaus‘

Schon bevor am 1. September 1939 das Abhören feindlicher Sender durch Goebbels‘ ‚Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen‘ verboten wurde, stand die Verbreitung von Sendungen des Senders Moskau als Vorbereitung zum Hochverrat unter Strafe.[158] Um aber über die Tendenzen ausländischer Programme auf dem Laufenden zu sein, war die NS-Führung auf das regelmäßige Abhören der entsprechenden Sendungen, insbesondere der Nachrichten, angewiesen. Die Rundfunkpropaganda feindlicher Sendungen stellte eine wichtige Informationsquelle dar.

Aus diesem Grund schlug der kommissarische Intendant des KWS, Adolf Raskin, im März 1940 die Einrichtung eines zentralen Abhördienstes vor. Zu diesem Zeitpunkt existierten bereits verschiedene Dienststellen und Institute, die die wichtigsten britischen und französischen Sender abhörten, doch unterstanden sie keiner zentralen Steuerung. Von Ribbentrop sah in dem Vorschlag eine Möglichkeit, seinen Einfluß auf die Auslandspropaganda auszuweiten und richtete im Juli 1940 den ‚Sonderdienst Seehaus‘ unter der Leitung des AA ein.[159] Seine Aufgabe war es, neben den englischen und französischen Sendern auch ‚exotischere‘ Programme, z.B. aus Griechenland, China, Indien und dem arabischen Raum zu überwachen. Zu diesem Zweck wurden Spezialantennen am Wannsee aufgestellt und ein Team von Sprachexperten eingesetzt.[160]

Goebbels‘ Reaktion darauf war alles andere als positiv. Kurz nach seiner Einrichtung beschimpfte er den Dienst in einem Brief als „nerven- und zeitaufreibende Konkurrenz [...] zu dem schon vorhandenen Propagandaapparat meines Ministeriums“[161]. Dennoch konnten die Einrichtungen des RMVP, was den Umfang des Dienstes, seinen Arbeitsbereich von 40 Sprachen und die Effektivität betraf, nicht mithalten.[162]

Neben der Erstellung eines „Welt-Rundfunk-Programmes“ gehörte zu den Aufgaben des Dienstes auch explizit die Zusammenstellung regelmäßiger „BBC-Wochenprogramme“.[163] Insgesamt wurden rund 150 Sender mit täglich über 500 Hauptnachrichtensendungen aus der ganzen Welt erfaßt, in Sprachgruppen eingeteilt und abgehört. Daß dem englischen Rundfunk dabei eine besondere Bedeutung beigemessen wurde, beweist allein schon die Größe der Abhörgruppe. 24 Angestellte der Englandabteilung erstellten im Januar 1942 1527 Sendeberichte, fast 20 Prozent der Gesamtmenge.[164]

Die Sendeprotokolle wurden gesammelt und von einer eigenen Abteilung des Dienstes zu einem Funk-Spiegel, der die Tendenzen und Hauptaussagen der ausländischen Rundfunkpropaganda aufzeigte, zusammengefaßt und aufbereitet. Diese Berichte gingen dann an die zuständigen Reichseinrichtungen wie das RMVP, das AA und einige Dienststellen des Militärs.[165]

Goebbels, der selbst gegenüber Reichsministern und hohen Partiefunktionären rigoros das Abhörverbot von Auslandssendern durchsetzte und dieses letztlich sogar auf die Nachrichtenoffiziere der Wehrmacht ausweiten konnte[166], befürchtete durch diese Berichte ein Unterlaufen seiner restriktiven Informationspolitik. Seines Erachtens hatten viel zu viele Personen Zugang zum Funk-Spiegel, was letztlich nur zur Verbreitung von Gerüchten und Defätismus in Regierungskreisen führen konnte.[167] Daher versuchte er, die Verbreitung des ‚subversiven‘ Materials einzuschränken, indem die Berichte des Dienstes nur mit einer vom RMVP ausgestellten Sondergenehmigung bezogen werden durften, was erhebliche Streitigkeiten innerhalb der NS-Führung heraufbeschwor.[168]

Erst als der Seehaus-Dienst am 22. Oktober 1941 der Interradio AG, dessen Aufsichtsrat sich paritätisch aus Angehörigen des Auswärtigen Amts und des RMVP zusammensetzte, einverleibt worden war[169], ließen die Spannungen um das Abhörzentrum am Wannsee teilweise nach.

2.2. Unabhängiger Rundfunk? – Die British Broadcasting Corporation (BBC)

Das erste Programm der BBC startete im Jahr 1922 und wurde privat finanziert. Schon bald wurde das Unternehmen jedoch staatlich übernommen. Ab 1927 wurde die BBC als Einrichtung des öffentlichen Rechts verwaltet bei Garantie inhaltlicher Unabhängigkeit und Überparteilichkeit – zumindest in Friedenszeiten. Im Notfall hatte die Regierung allerdings jederzeit die Möglichkeit, über das Postministerium die Kontrolle über das Programm zu übernehmen.[170] Auch sicherte das Ministerium das Monopol der BBC, indem es keine weiteren Rundfunklizenzen mehr ausstellte.[171]

[...]


[1] Ein Ausschnitt aus der Rede findet sich in der Dokumentation „75 Jahre Radio in Deutschland“ auf der Homepage des Deutschen Rundfunkarchivs. Internetadresse im Literaturverzeichnis.

[2] Bussemer: Propaganda und Populärkultur. Konstruierte Erlebniswelten im Nationalsozialismus. Wiesbaden 2000, S. 10.

[3] Flüsterwitz zitiert nach: Scheel: Krieg über Ätherwellen. NS-Rundfunk und Monopole, 1933-1945. (Ost-)Berlin 1970, S. 208.

[4] Balfour: Propaganda in War, 1939-1945. Organisations, Policies and Publics in Britain and Germany. London 1979, S. 96.

[5] Zu den Maßnahmen und ihrer keinesfalls durchgehend positiven Beurteilung innerhalb des Kabinetts vgl. Latour: Goebbels‘ „Außerordentliche Rundfunkmaßnahmen“ 1939-1942. In: VfZG, 11. Jahrgang (1963), S. 418-435. Bis zum Sommer 1940 wurden bereits 2.400 Verhaftungen auf Basis des Erlasses durchgeführt, dazu: Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte. Konstanz 2004, S. 109.

[6] Baschwitz: Der Massenwahn, seine Wirkung und seine Beherrschung. München 1923, S. 246.

[7] Vgl. Dipper, Schieder: Artikel „Propaganda“, in: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 5, Stuttgart 1984, S. 69-112.

[8] Ronneberger Besprechung des Buches „Propaganda. Grundlagen, Prinzipien, Materialien, Quellen“ von Carl Hundhausen. In: Publizistik, 22. Jahrgang (1977), Heft 1, S. 100, zitiert nach: Bussemer Propaganda. Konzepte und Theorien. Wiesbaden 2005, S. 24.

[9] Daniel: Die Politik der Propaganda. Zur Praxis gouvernementaler Selbstrepräsentation vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, in: Daniel/Siemann (Hrsg.): Propaganda. Meinungskampf, Verführung und politische Sinnstiftung 1789-1989. Frankfurt a.M. 1994, S.44-82, hier S. 49. Carl: Krieg der Köpfe. Medien als Waffe im Kampf um Meinungen, Haltungen und Ideologien, Dissertation, München 2004, S. 52-93 geht sogar so weit, Kommunikation grundsätzlich als Propaganda zu bezeichnen.

[10] Bussemer, 2005, S. 29.

[11] Hitler: Mein Kampf. 886.-890. Ausgabe, München 1943, S. 200.

[12] Ebd., S. 201.

[13] Diller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. München 1980, S. 80. Eine partielle Entschärfung wurde bereits durch die Aufnahme des wesentlich positiveren und ‚leiseren‘ Begriffs der Volksaufklärung in den Titel des Ministeriums angestrebt, dazu: Dipper, Schieder 1984, S. 110.

[14] Vgl. Wittek: Der britische Ätherkrieg gegen das Dritte Reich. Die deutschsprachigen Kriegssendungen der British Broadcasting Corporation. Münster 1962, S. 18.

[15] Rolo: Radio Goes to War. London 1943, S. 124. Rolo selbst versuchte, die moralische Wertung von Propaganda von der Intention des Propagandisten abhängig zu machen, indem er der negativen Propaganda totalitärer Regime ein Konzept von demokratischer Propaganda entgegenstellte. Vgl. S. 228.

[16] Briggs: The War of Words. London 1970, S. 75.

[17] Ebd., S. 94.

[18] Home Service Board, Minutes, 3. November 1939, zitiert nach: Briggs 1970, S. 97.

[19] New Statesman, 2.9.1939, S. 322. Zitiert nach: Nicholas: The Echo of War. Home Front Propaganda and the Wartime BBC, 1939-1945. Manchester 1996, S. 2. Rolo kritisiert diese Trennung von Propaganda und Information als unsinnig. Statt dem Propagandabegriff seine negative Färbung zu nehmen, versuche Großbritannien das gleiche Konzept einfach umzuetikettieren. Seiner Ansicht nach ein verhängnisvoller Fehler, der einen Bedeutungsverlust der eigenen Informationspolitik bewirke: „because of the stigma attached to the whole idea of propaganda, it was labelled information, and because information appeared a luxury, it was relegated to a backstage role in the war or defence effort.” Rolo 1943, S. 228.

[20] Maletzke: Propaganda. Eine begriffskritische Analyse. In: Publizistik – Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, 17. Jahrgang /1972), Heft 2, S. 153-164, hier: S. 157.

[21] Unter Rundfunk sollen hier allein Radioprogramme verstanden werden. Die Fernsehdienste Großbritanniens und Deutschlands wurden während des Krieges eingestellt, vgl. Homepage der BBC: http://www.bbc.co.uk/heritage/story/ww2/ [7.12.06] sowie Pipke: Rundfunk und Politik. Kleine Geschichte des Rundfunks in Deutschland. Hannover 1961, S. 9.

[22] Dahl Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945. Frankfurt a.M. 1978, S. 121 spricht von sechs Millionen täglichen und 18 Millionen gelegentlichen Hörern.

[23] Die vom Daily Mirror gegründete Anti-Haw-Haw League wurde am 26.7.1940 aufgelöst, vgl. Briggs 1970, S. 215f.

[24] Rolo 1943, S. 61.

[25] Die Kompetenzen für den Auslandsrundfunk wurden während Krieges immer wieder zwischen den beiden Ministerien ausgehandelt, wobei sich das AA unter von Ribbentrop schließlich einen dauerhaften Einfluß sichern konnte. Vgl. dazu: Diller 1980, S. 323f und S. 326f.

[26] Briggs 1970, S. 6.

[27] Dahl 1978, S. 103f. Vgl. Latour 1963, S. 418.

[28] Tatsächlich griff die NSDAP aber wesentlich häufiger auf den Rundfunk zu als die DNVP. Vgl. Diller 1980, S. 67ff.

[29] Goebbels in: Das Archiv, 18.3.1933, S. 766f, zitiert nach: Diller 1980, S. 9.

[30] Goebbels am 25.3.1933, in: Mitteilungen d. RRG (Sonderbeilage), 30.3.1933, nach: Diller 1980, S. 9.

[31] Goebbels zur Eröffnung der Funkausstellung im August 1933, zitiert nach: Latour 1963, S. 418.

[32] Mitteilungen der RRG, 14.9.1933, zitiert nach: Diller 1980, S. 150.

[33] Hadamovsky: Der Rundfunk im Dienste der Volksführung. Leipzig 1934, S. 12.

[34] Schnabel (Hrsg.): Mißbrauchte Mikrophone. Deutsche Rundfunkpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation. Wien 1967, Dokument 67: Arbeits- und Finanzplan für die deutsche Auslands-Rundfunk-Gesellschaft Interradio AG, S. 150.

[35] Goebbels bei der Eröffnung der Rundfunkausstellung 1936, nach: Schmidt: Radioaneignung, in: Marßolek, von Saldern (Hrsg.): Radio und Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung. Tübingen 1998, S. 249-360, hier: S. 259.

[36] Zitiert nach: Nicholas 1996, S. 1.

[37] Ebd., S. 12.

[38] Zitiert nach: Briggs 1970, S. 4.

[39] Ebd., S. 4.

[40] Zitiert nach: Hadamovsky: Dein Rundfunk. Das Rundfunkbuch für alle Volksgenossen. München 1934, S. 12.

[41] Ebd., S.14ff.

[42] Kolb in einem Brief vom 15. Februar 1938 an Staatssektretär im RMVP Karl Hanke, nach: Diller 1980, S. 58.

[43] Pohle: Der Rundfunk als Instrument der Politik. Zur Geschichte des Deutschen Rundfunks von 1923/1938. Hamburg 1955, S. 158.

[44] Diller 1980 S. 72.

[45] Ebd., S. 110. Schäffer war nicht der einzige, den die Nationalsozialisten in den Selbstmord trieben. Die neuen Machthaber gingen mit aller Gewalt gegen ihre Konkurrenten vor. Ehemalige Intendanten und leitende Angestellte des Weimarer Rundfunks wurden von Kommandos der SA mißhandelt, im KZ Oranienburg inhaftiert und schließlich in einem Schauprozeß angeklagt. Die Anklage wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder erwies sich allerdings selbst für ein Gericht der Nationalsozialisten als haltlos, vgl. Dahl 1978, S. 106.

[46] Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte. Konstanz 2004, S. 87. Lediglich der Stuttgarter Intendant behielt seinen Posten. Zur personellen Umverteilung auf den Intendantenposten vgl. Diller 1980, S. 114.

[47] Diller 1980, S. 108.

[48] Vgl. Diller 1980, S. 127.

[49] Ebd., S. 78f.

[50] Pohle 1955, S. 189.

[51] Diller 1980, S. 83f.

[52] Im September 1939 sicherte Hitler seinem Außenminister Ribbentrop entscheidende Befugnisse zu. Das AA richtete eine eigene Verbindungsstelle zum RRG ein, über die es unter anderem Einfluß auf die Sendungen des Deutschen Kurzwellensenders nahm. Seinen Höhepunkt nahmen die Auseinandersetzungen zwischen den konkurrierenden Ministerien, als Mitarbeiter des RMVP eine Gruppe von Angehörigen des AA gewaltsam aus den Räumen der RRG beförderten, woraufhin kurz darauf die Hinausgeworfenen versuchten, das Gebäude zurückzuerobern. Vgl. dazu: Diller 1980, S. 317-321. Da diese Arbeit sich aber auf den deutschen Inlandsrundfunk konzentriert, kann auf den Streit mit dem AA nicht weiter eingegangen werden.

[53] „Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“, vollständig abgedruckt in: Diller 1980, S. 89f.

[54] Ebd., S. 210f.

[55] Ebd., S. 334f.

[56] Ebd., S. 335f.

[57] vgl. Münkel: Produktionssphäre, in: Marßolek, von Saldern 1998, S. 45-128, hier: S. 97.

[58] Pohle 1955, S. 215.

[59] Diller 1980, S. 98-102.

[60] So die Statistik unter Hans Fritzsche 1943, vgl. Diller 1980, S. 362f.

[61] Ebd., S. 363ff. In dieser Funktion kontrollierte die Abteilung auch die Verteilung von Abhörgenehmigungen für ausländische Sender, die Goebbels ausgesprochen streng handhabte, vgl. dazu: Latour 1963, S. 430-435.

[62] Diller 1980, S. 102.

[63] Ausführlich zu den Kämpfen um die Rundfunkgebühren vgl. Mühlenfeld: Joseph Goebbels und die Grundlagen der NS-Rundfunkpolitik. In: ZfG, 54. Jahrgang (2006), Heft 5, S. 442-467, hier: S. 451-465, der aus der finanziellen Abhängigkeit des RMVP von den Rundfunkgebühren einen grundsätzlichen Einfluß auf die Gestaltung des Programms ableitet: „Da aus diesen Einnahmen wiederum der Großteil des Etats des RMVP bestritten wurde, war die NS-Rundfunkpolitik nicht nur von propagandistischen Erwägungen, sondern auch von fiskalpolitischen und monetären Zwangen (mit-)bestimmt“, S. 442.

[64] Pohle 1955, S. 247-250.

[65] Ebd., S. 250.

[66] Pohle 1955, S. 193, vgl. auch Diller, S. 163.

[67] Pipke 1961, S. 22.

[68] Diller 1980 S. 162.

[69] Dazu kam als Alternative das Programm des Deutschlandsenders sowie später versuchsweise Abendsendungen der Sender Luxemburg, Alpen und Weichsel, vgl. Dussel 2004 S. 89 und S. 104.

[70] Vgl. Diller 1980 S. 169-179.

[71] Zur Verstaatlichung des Rundfunks vgl. Diller: Was Sie über den Rundfunk wissen sollten. Materialien zum Verständnis eines Mediums, 1997, S. 9-10. Internetadresse befindet sich im Literaturverzeichnis. Für eine Auflistung der Rundfunkanstalten vgl. Drechsler: Die Funktion der Musik im deutschen Rundfunk. Pfaffenweiler 1988, S. 22.

[72] Satzung der RRG vom 8.7.1933, zitiert nach: Diller 1980 S. 134.

[73] Was jedoch unter anderem aufgrund des Widerstands Preußens unter Göring einige Probleme bereitete. Letztendlich war ein Einspruch Hitlers nötig, um den Streit aufzulösen. Vgl. Stuiber: Zum Rundfunkbegriff, Rundfunktechnik, Geschichte des Rundfunks, Rundfunkrecht. Konstanz 1998. S. 164f.

[74] Diller 1980, S. 152. Vgl. auch Pohle 1955 S. 190.

[75] Ebd., S. 153.

[76] Dahl 1978, S. 120. 1943 dienten allein im Heer ca. 5000 Soldaten in den PK, Diller 1980, S. 339.

[77] Dussel 2004, S. 103.

[78] Pohle 1955, S. 198.

[79] Diller 1980, S. 140f.

[80] Ebd., S. 142. Vgl. auch Dussel 2004, S. 89.

[81] Ebd., S. 351f.

[82] Dussel, S. 352-358.

[83] Dahl 1978, S. 112.

[84] Daniel 1994, S. 67f.

[85] Pohle 1955, S. 202.

[86] Dussel 2004, S. 87.

[87] Diller 1980, S. 157.

[88] Diller 1980, S. 157ff. Vgl. das Rundschreiben zur Auflösung der RRK vom 11. November 1939, in: Wulf: Presse und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Frankfurt a.M. 1983, S. 315f.

[89] Ebd. S. 113.

[90] Dussel 2004, S. 90. Zu den besonderen Umständen der Übernahme und Gleichschaltung des Österreichischen Rundfunks vgl. Diller 1980, S. 222-227.

[91] Scheel 1970, S. 122 und S. 150f.

[92] Ebd., S. 185.

[93] Zitiert nach: Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil 1, Band 2. München, London, Paris u.a. 1987, S. 376.

[94] Diller 1980, S. 119.

[95] Münkel: Produktionsphäre in: Marßolek, von Saldern 1998, S. 55f. Auch die Beliebtheit bei den Hörern spielte eine Rolle, vgl. dazu S. 78f.

[96] Pohle 1955, S 199.

[97] Diller 1980, S. 143 und 146ff.

[98] Ebd., S. 361. Vgl. hierzu auch Pohle 1955, S. 218.

[99] Vgl. Pohle 1955, S. 198.

[100] Ebd., S. 198.

[101] Diller 1982, S. 352f.

[102] Ebd., S. 104.

[103] Pohle 1955, S. 211.

[104] Eine namentliche Aufzählung der teilnehmenden Persönlichkeiten bei Scheel 1970, S. 128ff, der nicht vergißt, darauf hinzuweisen, daß mit Ausnahme Goebbels‘ und Hadamovskys fast alle aufgezählten Personen den Krieg überlebten und später in den Medien des imperialistischen Klassenfeindes in der BRD beschäftigt waren.

[105] Pohle 1955, S. 215f.

[106] Scheel 1970, S. 134.

[107] Goebbels auf der Intendantenkonferenz am 25.3.1933, zitiert nach: Diller 1980, S. 144.

[108] Pohle 1955, S. 178 und S. 211.

[109] Diller 1980, S. 198f sowie Pohle 1955, S. 210.

[110] Ebd., S. 200 und S. 205. Münkel 1998, S. 53 weist darauf hin, daß die gesamte Reform von 1937 dem Zweck diente, die Position des RMVP im Rundfunk gegenüber dem AA und der Wehrmacht zu stärken.

[111] Dussel 2004, S. 90.

[112] Diller 1980, S. 355.

[113] Diller, S. 358.

[114] Dussel 2004, S. 105.

[115] Von „A: Leichte Tanz- und Unterhaltungsmusik“ über „D: Kabarettistische Sendungen“ bis „K: Schwere, weil unbekanntere klassische Musik“. Für eine Liste aller Gruppen und ihrer Leiter vgl. Diller 1980, S. 359.

[116] Münkel 1998, S. 98.

[117] Diller 1980, S. 360.

[118] Ebd., S. 350-354.

[119] Dussel 2004, S. 107.

[120] Ein Unternehmen, das die Aufgabe hatte, Radiosender im Ausland zu kaufen oder zu beeinflussen. Seit Oktober 1941 von AA und RMVP gemeinsam betrieben. Vgl. Schnabel 1967, S. 147-152.

[121] Die Einrichtung eines Auslandsreferats sicherte Fritzsche zusätzlich seinen Einfluß auf die Propagandasendungen ins Ausland, fungierte als Verbindungsstelle zum AA und kontrollierte sogar die Genehmigung von Abhörerlaubnissen für ausländische Sender, vgl. Diller 1980, S. 363.

[122] Dussel 2004, S. 107 sowie Diller 1980, S. 370f.

[123] Pohle 1955, S. 353.

[124] Laut Scheel 1970, S. 68, wurde die Produktion aufgrund des Drucks der großen Rundfunkunternehmen Telefunken, Siemens und AEG eingeleitet, die auf diese Weise die Konkurrenz kleinerer Betriebe ausstechen wollten.

[125] Pohle 1955, S. 253.

[126] Ebd., S. 254. Benannt war das Gerät nach dem Tag der Machtergreifung, dem 30.1.1933.

[127] Z.B. bei Rolo 1943 S. 35, der sogar völlig unzutreffend behauptete: „The people’s radio proved about as popular as ersatz beer“ (S. 35). Der Mythos von der absichtlichen technischen Beschränkung des VE findet sich auch noch in aktuellen Darstellungen wie Stuiber 1998, S. 170.

[128] Dussel 2004, S. 103f.

[129] Schmidt 1998, S. 286f.

[130] Ebd., S. 262f.

[131] Ebd., S. 262f sowie Dussel 2004 S. 102f. Zum Versuch, den Volksempfänger als ‚Landgerät‘ zu etablieren vgl. Cebulla: Rundfunk und ländliche Gesellschaft 1924-1945. Göttingen 2004, S. 210ff.

[132] Pohle 1955, S. 256f.

[133] Dussel 2004, S. 103.

[134] Schmidt 1998, S. 293, Anmerkung 194.

[135] Einige Firmen schenkten ihren Angestellten sogar ganze Raten, vgl. Schmidt 1998, S. 297-302.

[136] So z.B. 4.000 an das Saarland direkt vor der Volksabstimmung über den Anschluß an Deutschland, 17.500 an Österreich nach dem Einmarsch. Die Firma Telefunken erhielt nach einer Spende von 30.000 Geräten die Auszeichnung als ‚NS-Musterbetrieb‘, Scheel 1970 S. 112 sowie S. 197.

[137] Daß diese vielen Hörern zu hoch waren, beweist die Tatsache, daß jeden Sommer ca. 2 Mio. Hörer ihre Geräte abmeldeten, um Geld zu sparen, dazu: Schmidt 1998, S. 271.

[138] Pohle 1955, S. 267.

[139] Ebd., S. 353. Während des Krieges wurden in den eroberten Gebieten häufig die Radiogeräte der einheimischen Bevölkerung beschlagnahmt und in Deutschland verteilt.

[140] Insgesamt wurden von 1933-1945 4,3 Mio. VE 301 und 2,8 Mio. DKE 38 produziert, dazu: Schmidt 1998, S. 293.

[141] Der Angriff, 7.7.33 zitiert nach: Lubbers, Schwipps: Morgen die ganze Welt. Deutscher Kurzwellensender im Dienste der NS-Propaganda. Geschichte des Kurzwellenrundfunks in Deutschland 1933-1939. Berlin 1970, S. 12.

[142] Lubbers, Schwipps 1970, S. 20.

[143] Ebd., S. 26ff. 1936 wurden die drei 12kw-Sender durch acht 50kw-Sender verstärkt, dazu: Diller 1980, S. 282.

[144] darunter auch Sendungen in Afrikaans und Arabisch, vgl. Lubbers, Schwipps 1970 S. 42f.

[145] Ebd.,S. 26.

[146] Für eine detaillierte Übersicht über die Organisation des KWS und seiner Angestellten vgl. Schwipps: Wortschlacht im Äther. Der Deutsche Auslandsrundfunk im Zweiten Weltkrieg. Geschichte des Kurzwellenrundfunks in Deutschland 1939-1945. Berlin 1971, S. 32-41.

[147] Diller 1980, S. 182 und S. 300.

[148] Rolo 1943, S. 52.

[149] Lubbers, Schwipps 1970, S. 14.

[150] Ebd., S. 15.

[151] Ebd., S. 59. Allerdings legte Fritzsche nach eigener Aussage bei diesen Nachrichten Wert auf einen Verzicht auf Polemik und auf leise Werbung für das Deutsche Reich, vgl. S. 20.

[152] Scheel 1970 S. 165. Eine andere Methode der Kulturpropaganda war der Export deutscher Sendungen über den Internationalen Programm- und Künstleraustausch (IPA). 1939 übernahmen ausländische Sender 1148 deutsche Sendungen, während deutsche Sender lediglich 413 ausländische Sendungen übernahmen. Allein diese Bilanz beweist schon die Bedeutung, die man in Deutschland dem IPA zuschrieb, dazu: Lubbers, Schwipps 1970, S. 37.

[153] Tanz- und Militärmusik nach Afrika, Volkstümliches in die USA, vgl. Scheel 1970 S. 165.

[154] Lubbers, Schwipps 1970, S. 59.

[155] Rolo 1943, S. 38

[156] Diller 1980, S. 282 sowie S. 318ff.

[157] Scheel 1970, S. 164f.

[158] Diller 1980, S. 305.

[159] Ebd., S. 321.

[160] Schnabel 1967, Dok. 99 vom 30.11942: „Aufgaben und Entwicklung des Seehauses“, S. 225.

[161] Zitiert nach: Schnabel 1967, S. 223f.

[162] Laut Schnabel 1967, Dok. 99, S. 226 „konkurrenzlos“. Vgl. auch: Diller 1980 S. 325.

[163] Ebd., Dok. 101 vom 12.2.1924: „Aufstellung des Verwaltungsapparates der Erfassung unter Einbeziehung der Tätigkeitsmerkmale der Mitglieder“, S. 233f.

[164] Ebd., Dok. 101, S. 236f. Die zweitgrößte Gruppe kümmerte sich um französische Sendungen. Sie umfaßte 14 Mitarbeiter und produzierte im selben Monat 1314 Berichte, dazu: S. 237.

[165] Ebd., Dok. 99, S. 225f.

[166] Diller 1980, S. 307 und S. 310. Eine Führeranordnung vom 19. November 1941 listet gerade zehn Personen mit einer Abhörerlaubnis auf, vier davon beim Militär, dazu: S. 315.

[167] Vgl. Goebbels Tagebucheintrag vom 27. Januar 1942 in: Fröhlich 1994, S. 195.

[168] Hale: Radio Power. Propaganda and International Broadcasting. Philadelphia 1975, S. 157.

[169] Schnabel 1967, Dok 99, S. 228.

[170] Wittek 1962, S. 26f..

[171] Pütter: Rundfunk gegen das „Dritte Reich“. Deutschsprachige Rundfunkaktivitäten im Exil 1933-1945. Ein Handbuch. München, London, New York, Oxford, Paris 1986, S. 81.

Details

Seiten
90
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656097099
ISBN (Buch)
9783656097242
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184752
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
2. Weltkrieg Propaganda Rundfunk Radio Mediengeschichte

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Titel: Der Zweite Weltkrieg als Rundfunkkrieg