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Fachpraktikum am Berufskolleg "Kreatives Schreiben"

Praktikumsbericht Deutsch

Praktikumsbericht (Schule) 2010 32 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Überlegungen vor Praktikumsbeginn

2. Rahmenbedingungen

3. Unterrichtsbeobachtungen

4. Eigene Unterrichtsstunden
4.1 „Das Parfum“ von Patrik Süskind in der Handelsschule
4.1.1 Unterrichtsentwurf
4.1.2 Reflexion des Unterrichtsversuchs
4.2 „kreatives Schreiben“ in der Höheren Handelsschule
4.2.1 Unterrichtsentwurf
4.2.2 Reflexion des Unterrichtsversuchs

5. Gesamtreflexion der eigenen Unterrichtsstunden zum kreativen Schreiben

6. Reflexion

7. Literaturverzeichnis

1. Überlegungen vor Praktikumsbeginn

Bevor unser Praktikum am Berufskolleg beginnt, ist es sinnvoll, sich gemeinsam Gedanken über unsere Zielvorstellungen zu machen. Ein Blick auf unsere bisher absolvierten Praktika aber auch auf die Inhalte unserer universitären Ausbildung dürften uns bei einer Orientierung helfen.

Für den Einstieg in unser Praktikum erhoffen wir uns eine Schulführung und eine Vorstellungsrunde im Kollegium, da beides in unseren bereits absolvierten Praktika nicht durchgeführt wurde und so der Eindruck eines Desinteresses an uns als Praktikanten entstand.

Auch erhoffen wir uns eine gute Betreuung und Präsenz von unserem Praktikumsleiter, hierunter fallen beispielsweise gelegentliche, vorher festgelegte Besprechungen, aber auch die Möglichkeit, jederzeit mit Fragen oder Problemen an ihn herantreten zu können.

Ferner erwarten wir von unserem Praktikum am Berufskolleg, dass wir den Unterricht von mehreren Lehrpersonen besuchen können, um unterschiedliche Unterrichtsstile und -techniken beobachten und reflektieren zu können. Auch erhoffen wir uns sowohl von den Lehrerinnen und Lehrern als auch von den Referendaren und Referendarinnen, dass sie uns offen entgegentreten, uns Fragen beantworten und uns einen Einblick gewähren in den Schulalltag eines/einer Lehrenden.

Weiterhin erwarteten wir von unserem Praktikum, dass wir die Möglichkeit erhalten, mehrere Unterrichtsstunden selbst planen und durchführen zu können, um viele eigene Erfahrungen sammeln zu können. Besonders von Interesse ist für uns hierbei, dass wir in unterschiedlichen Bildungsgängen und Stufen eingesetzt werden, um einen möglichst großen Überblick über die unterschiedlichen Schülertypen zu erhalten. Auch wollen wir eine Vielzahl an Methoden ausprobieren, hierunter fällt beispielsweise die des Teamteachings.

Für unseren Unterricht ist uns ein konstruktives abschließendes Feedback sehr wichtig, daher werden wir für die Schüler und Schülerinnen geeignete Feedback- Bögen erstellen. Darüber hinaus erhoffen wir uns von den gegebenenfalls anwesenden Lehrpersonen hilfreiche Anregungen und Hinweise. Besonders wichtig sind uns der eigene Unterricht und das Feedback, da dies dem Aufdecken möglicher Lücken dienen kann. Wir können so unser weiteres Studium gezielter planen, indem wir beispielsweise den Fokus bei unserer Seminarwahl auf bestimmte Bereiche, wie z. B. Grammatik oder Umgang mit Konflikten, legen.

Abschließend ist zu sagen, dass es für uns wichtig ist, eine Verbindung der in der Universität erlernten Theorie und der Praxis herzustellen bzw. herstellen zu können. Dies gilt für die Hospitationen als auch für unseren eigenen Unterricht, in welchem wir, sofern der Stundenplan und die Reihenplanung der Lehrpersonen dies zulässt, Stunden planen und halten wollen, in denen es um kreatives Schreiben geht. Wir wollen hierbei den Fragen nachgehen: Wie gehen Schüler und Schülerinnen damit um? Welche Vorteile und welche Nachteile bieten kreative Methoden? Welche sind für welchen Bildungsgang bzw. Schülertyp geeignet?

2. Rahmenbedingungen

2.1 Das Berufskolleg

Das Berufskolleg ist ein kaufmännisches Berufskolleg des Kreises X, welches im Jahr 2000 gegründet wurde. Dies ist auf die steigenden Schülerzahlen im Kreis X in den 90er Jahren zurückzuführen. Aus räumlichen und pädagogischen Gründen entschloss man sich, neben dem kaufmännisch-orientierten Berufskollegs ein weiteres Berufskolleg zu gründen. Nach dem Neu- und Umbau des Schulgebäudes startete der Schulbetrieb am 1.8.2001.

Zurzeit besuchen ca. 2.200 Schülerinnen und Schüler das Berufskolleg. Für den Unterricht, der in den dafür bereitgestellten 37 Klassenräumen, den 8 Fachklassenräumen, den 14 Fachräumen, den 5 Gruppenräumen und der Dreifach-Turnhalle stattfindet, stehen etwa 112 Lehrpersonen zur Verfügung.

Eine Besonderheit des Berufskollegs beruht auf der Absicht ein angenehmes Lehr- und Lernklima zu schaffen. Das Schulgebäude ist sehr gepflegt und sauber, der Lehrerraum ist nach Feng- Shui- Aspekten gestaltet und es herrscht ein strenges Handy- und Rauchverbot. Für letzteres gibt es nur besonders gekennzeichnete Flächen, in denen es erlaubt ist.

Die Schule verfügt darüber hinaus über einen Gesundheitsraum und einen Raum, der die Oase genannt wird. Ein Ort, an den sich Schüler/innen oder Lehrer/innen zurückziehen können, um mit den Klassen Meditationen (zum Beispiel im Unterrichtsfach Neurolinguistisches Programmieren) durchführen oder an dem die ausgebildeten Schüler- Streitschlichter Konflikte zwischen Mitschülern schlichten können. Auch gibt es einen Pfad der Sinne, der, durch das Grüne führend, verschiedene Untergründe aufweist, wie grobe oder feine Steine, Sand oder Gras.[1]

2.2 Standort

Das Berufskolleg befindet sich direkt am Rande von X und ist für die Schüler/innen und Lehrer/innen gut zu erreichen. Für die Autofahrer gibt es direkt vor der Schule einen Parkplatz, aber auch ein paar Meter entfernt befindet sich ein weiterer großer Platz mit genügend Parkmöglichkeiten. Auch für die Pendler, die von Bussen abhängig sind, ist gesorgt. Die Schule besitzt eine sehr gute Busanbindung, so können die Schüler/innen beispielsweise im 15-Minuten- Takt mit Bussen ins Zentrum Paderborn gelangen. Selbiges Zeitfenster gilt auch für Hinfahrten.

Sowohl die gute Busanbindung als auch die Parkmöglichkeiten wirken sich positiv auf das Schulleben aus. Stress bei der Fahrt oder eine lange Parkplatzsuche bleiben in der Regel aus.

2.3 Bildungsgänge

Das Bildungsangebot des Berufskollegs umfasst die kaufmännische Grund-, Aus- und Weiterbildung in der Berufsschule, der Berufsfachschule und der Fachschule für Wirtschaft in Teilzeitform.

Etwa die Hälfte der Schüler/innen des Berufskollegs besuchen einen der neun Teilzeit-Bildungsgänge der Berufsschule. Hierunter zählen folgende Fachklassen:

- Bankkauffrau/Bankkaufmann
- Bürokauffrau/Bürokaufmann
- Medizinische/r Fachangestellte/r
- Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
- Pharmazeutisch-Kaufmännische/r Angestellte/r
- Justizfachangestellte/r
- Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r
- Steuerfachangestellte/r
- Verwaltungsfachangestellte/r

Teilzeit bedeutet, dass die Schüler/innen der Fachklassen des dualen Systems neben ihrer Ausbildung im Betrieb Teilzeitunterricht an der Schule mit in der Regel 12 Wochenstunden erhalten. In einigen Bildungsgängen, hierzu zählt zum Beispiel der der Bankkauffrau/ des Bankkaufmanns, wird der Unterricht jedoch in Form des Blockunterrichts organisiert.

Die Berufsfachschule untergliedert sich in die vier Vollzeitbildungsgänge:

- Höhere Handelsschule – Kaufmännischer Assistent/in (in den Fachrichtungen Betriebswirtschaft, Fremdsprachen, Medieninformatik)
- Berufsgrundschuljahr/Handelsschule
- Höhere Handelsschule für Abiturienten
- und Höhere Handelsschule

Der Unterricht dieser Bildungsgänge findet in Vollzeitform statt. Die Stundentafel der Schüler und Schülerinnen umfasst in der Regel 34 Wochenstunden.

Neben den Teilzeit-Bildungsgängen der Berufsschule und den Vollzeitbildungsgängen der Berufsfachschule bietet das Berufskolleg die Fachschule für Wirtschaft an.

Angestellte im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung mit einer abgeschlossenen Ausbildung und mindestens einer einjährigen Berufserfahrung können sich hier zur staatlich geprüften Betriebswirtin bzw. zum staatlich geprüften Betriebswirt weiterbilden lassen. Der Unterricht findet immer Dienstag und Donnerstag Nachmittag statt und erfolgt somit in Teilzeit. Die Weiterbildung selbst dauert 3,5 Jahre.

3. Unterrichtsbeobachtungen

Für die Hospitation im Unterricht ist besonders wichtig, sich zunächst klar darüber zu werden, was genau beobachtet werden soll. Aus diesem Grund haben wir zwei Schwerpunkte gewählt, die Beobachtung der verwendeten Sozialformen und die Aktionsformen bzw. Handlungsmuster im Unterricht.

„Sozialformen regeln die Art und Weise, in der Lehrer und Schüler im Unterricht miteinander kommunizieren und kooperieren. Jeder Unterricht findet in einer dieser Sozialformen statt.“[2] Sie gliedern sich in Plenumsarbeit (Frontalunterricht), Gruppenarbeit, Tandemarbeit (Partnerarbeit), Einzelarbeit (Stillarbeit) und klassenübergreifenden Unterricht.[3] Nach Meyer (2010) ist die am häufigsten gewählte Sozialform der Frontalunterricht mit 76,86 Prozent. Darauf folgen die Einzelarbeit mit 10,24 Prozent, die Gruppenarbeit mit 7,43 Prozent, die Partnerarbeit mit 2,88 Prozent und die Klassenkooperation mit 2,60 Prozent. Es wird deutlich, dass der Frontalunterricht eine beliebte Form der Unterrichtsgestaltung ist. Es ist jedoch fraglich, ob diese Wahl immer die richtige ist und ob seine Umsetzung in der Praxis gelingt. Dies sind Fragen, die wir während unserer Unterrichtsbeobachtungen klären wollen.

Nach drei Wochen im Schulalltag sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Meyers Aussage richtig ist. So gut wie alle von uns besuchten Deutschstunden sind in der Sozialform Frontalunterricht erfolgt. Dies soll nicht bedeuten, dass dieser Unterricht aus diesem Grund schlecht sei. Durch diese Art der Stoffvermittlung steuert die Lehrperson die Arbeits-, Intentions- und Kommunikationsprozesse. Sachliche Zusammenhänge und Probleme können so besser erläutert werden.[4]

In der Handelsschule agierte die Deutschlehrerin in dieser Form, da die Schülerinnen und Schüler sehr große Verständnisprobleme hatten. Hierbei handelte es sich um das Thema „Umgang mit Texten“ anhand des Romans „Das Parfum“ von Patrik Süskind. Das Ziel der Stunde war die Wiederholung des Buchinhalts. Hierfür erstellte die Lehrkraft im Unterrichtsgespräch mit den Jugendlichen den Lebenslauf des Hauptcharakters Grenouille und verwendete durch zur Ergebnissicherung die Tafel. Nun könnte hier Kritik an der Sozialform geübt werden, da im Frontalunterricht den Schülerinnen und Schülern der „Sach-, Sinn- und Problemzusammenhang aus der Sicht […] des Lehrers“[5] dargestellt wird und die Jugendlichen nicht die Gelegenheit bekommen ihre „Selbstständigkeit des Denkens, Fühlens und Handels […] zu entfalten.“[6] Letzteres war allerdings nicht Ziel der Deutschlehrerin. Sie bearbeitete das Thema bereits einige Wochen und versuchte vergeblich mit verschiedenen Methoden das Werk verständlich zu machen. Da es nun auf die Klausur zuging, entschied sie sich bewusst für den Frontalunterricht, da sie den Jugendlichen so die wichtigsten Fakten vermitteln kann, so dass diese eine Möglichkeit bekommen, eine gute Leistung in der bevorstehen Klausur zu erbringen. Gruppenarbeit hätte durch die stärkere Auseinandersetzung mit dem Material eventuell zu einem höheren Verständnis geführt. Die Handelsklasse ist aber sehr leistungsschwach, wodurch von vornherein zu erwarten war, dass diese Methode ihr Ziel nicht erfüllen würde.

Ein weiterer Unterricht in dem wir diese Sozialform beobachteten, fand im Berufsvorbereitungsjahr zum Thema „Bewerbung“ statt. In den vorangegangenen Stunden wurden bereits mehrfach Bewerbungen von den Schülerinnen und Schülern angefertigt und im Plenum bearbeitet. Auch in diesem arbeitete der Deutschlehrer erneut im Frontalunterricht. Die Lehrkraft verteilte einen Text, der ein Bewerbungsgespräch widerspiegelte und lies ihn rollenverteilt laut vorlesen. Im Anschluss diskutierten die Jugendlichen unter Moderation der Lehrperson, was der Bewerber gut gemacht hat und was er hätte besser machen können. Unserer Meinung nach war diese Methode hier nicht geeignet. Der Vorteil im zuvor beschriebenen Unterricht, dass im Frontalunterricht Sach-, Sinn- und Problemzusammenhänge aus Sicht des Lehrers im Mittelpunkt stehen, ist in dieser Deutschstunde ein Nachteil, denn die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Selbstständigkeit entfalten können. Sie müssen lernen, wie sie sich persönlich in einem Bewerbungsgespräch verhalten sollen. Allerdings ist dieser Unterricht trotz des rollenverteilten Lesens praxisfern. Die Jugendlichen müssen selbst erfahren, welche Schwächen und Stärken sie haben. Hier sollte der Grad an Individualisierung größer sein, da an dem Klassengespräch nicht alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen können und somit auch nicht alle aktiv waren. Dies hätte durch handlungsorientierten Unterricht erreicht werden können. Denn in dieser Unterrichtsform arbeiten die Lerner selbstständig und selbstbestimmt. Des Weiteren finden die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen Beachtung und zielen auf eine „reale Situationen des Alltags“.[7] Konkret in dieser beobachteten Schulstunde hätten die von uns erwarteten Ziele durch Gruppenarbeit erreicht werden können, denn durch diesen können mehr Lerner am Unterrichtsprozess aktiv teilnehmen.[8] Außerdem können die Jugendlichen durch den Gruppenunterricht selbstständig arbeiten und neue nicht von der Lehrperson vorhergesehene Aspekte ins Thema einbringen und bearbeiten. In der Praxis hätten die Schülerinnen und Schüler zunächst den ausgeteilten Text in Gruppen besprechen sollen, worauf bei einem Bewerbungsgespräch geachtet werden muss und dies im Anschluss in Rollenspielen umsetzten. Dies hätte weiterhin den Vorteil gehabt, dass die Lernen nicht nur selbst erfahren, wie man sich bei einem Vorstellungsgespräch fühlt, sondern auch wie die Gegenpartei agiert. Die Jugendlichen könnten verstehen, warum Betriebe auf diese Art und Weise vorgehen, welche Fragen sie stellen und warum dies für das Unternehmen interessant ist. Unserer Ansicht nach war die Schulstunde nicht gelungen, da der Lernerfolg durch die richtige Wahl der Sozialform hätte erhöht werden können.

Eine dritte Unterrichtsstunde, die wir beobachtet haben, fand in der Oberstufe der Höheren Handelsschule statt und begann im Frontalunterricht. Das Thema war die Analyse einer Werbeanzeige. Die Schülerinnen und Schüler bekamen eine Printwerbung als Hausaufgabe zur Vorbereitung für diese Stunde. Nun lasen einige der Jugendlichen ihre Texte vor und die Lehrkraft gab wichtige Hilfestellungen zur Verbesserung der Aufsätze. Dies war von großer Bedeutung für die Lerner, da diese kurz vor ihren Abschlussprüfungen standen. Im Anschluss sollten sie in Einzelarbeit ihre Texte überarbeiten. Diese Phase dauerte ungefähr 60 Minuten. Dies erschien uns lang und uneffektiv, da wir im Studium gelernt haben, dass Einzelarbeit besonders gut für kurze Phasen verwendet werden kann. Sie kann eingeschoben werden zur „Erarbeitung, Vertiefung und Ergebnissicherung“[9]. Da wir von diesem Vorgehen sehr überrascht waren, sprachen wir den Lehrkörper auf seine Methode an und fragten ihn, warum er die Stillarbeit für diese Stunde gewählt hat. Er erläuterte uns, dass er dies bewusst getan hat, da er seine Klasse gut kenne und genau aus diesem Grund wisse, dass einige der Schülerinnen und Schüler sehr gut in diesem Thema seien, andere jedoch weniger. Um alle gleichermaßen zu fördern, viel seine Wahl auf die Einzelarbeit, denn auf diese Weise könne er die Jugendlichen individuell beraten. Er gebe ihnen eine optimale Betreuung und erziele so den höchstmöglichen Lernerfolg. Die Stillarbeit ist seiner Aussage nach die am wenigsten zeitaufwendigste Methode und da die Schülerinnen und Schüler durch die anstehenden Prüfung über genug Motivation verfügen allein effektiv zu arbeiten, waren keine andere Vorgehensweise notwendig. Wir waren sehr beeindruck davon wie leicht die Lerner individuell gefördert werden können.

Da wir zuvor bereits durch die Lektüre von Hilbert Meyers „Unterrichtsmethoden II. Praxisband“ durch die Daten der darin enthaltenen Erhebung der Fernuniversität Hagen zum „Methoden-Repertoire von Lehrern“ von 1985[10] darauf aufmerksam wurden, dass wahrscheinlich der größte Teil der von uns beobachteten Unterrichte aus Frontalunterricht besteht, haben wir als zweiten Beobachtungspunkt die Aktionsformen bzw. Handlungsmuster im Unterrichts gewählt. Unter einem Handlungsmuster werden verschiedene Methoden zur Unterrichtsgestaltung zusammengefasst. Der Begriff Handlungsmuster bzw. Aktionsform grenzt diese verwendeten Methoden zur Unterrichtsgestaltung von den Sozialformen ab.[11] Unter den Aktionsformen werden hauptsächlich Vortragsformen und Gesprächsformen verstanden. Das am häufigsten vorkommende Handlungsmuster ist das Unterrichtsgespräch und erfolgt im Rahmen des Frontalunterrichts.[12] Es gibt unterschiedliche Gesprächsformen, die durch die Lehrkraft gewählt werden können: das freie Unterrichtsgespräch bzw. Unterhaltung, das gelenkte Unterrichtsgespräch, das fragend-entwickelnde Gespräch, das sokratische Gespräch und das Prüfungsgespräch. Zu den Vortragsformen zählen der Lehrervortrag und das Schülerreferat.

Wir haben uns während unserer Hospitationen die unterschiedlichen Gesprächformen konzentriert. In der Regel verwenden die meisten Lehrpersonen das gelenkte Unterrichtsgespräch. Hierbei gibt der Lehrkörper sowohl den Inhalt als auch das Ziel des Gesprächs vor. In den bereits beschriebenen Unterrichtsstunden haben beide Lehrpersonen hiermit gearbeitet. Sie stellt den Schülerinnen und Schülern Fragen, um zu einem ganz bestimmten Ergebnis zu gelangen. Die Jugendlichen konnten zwar ihre Meinungen zum Thema äußern, fanden jedoch in der Regel keine weitere Beachtung, da die Lehrkraft bereits die von ihr vorformulierte Antwort erwartete und so keine Abweichungen zuließ. Dies kann einerseits positiv sein, da es zu keinen Verwirrungen im Lehrstoff kommt wie im Stundenbeispiel zu „Das Parfum“, hindert jedoch die Schülerinnen und Schüler in ihrer Selbstentfaltung, wie im Unterrichtsbeispiel mit dem Inhalt „Bewerbungen“.

[...]


[1] Vgl. ebd. S. 8-9.

[2] Meyer, Hilbert: Leitfaden Unterrichtsvorbereitung. 6. Auflage. Berlin: Cornelsen 2007.

[3] Vgl. ebd.

[4] Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden II. Praxisband. Berlin: Cornelsen 2010. S. 183.

[5] Ebd. S. 184.

[6] Ebd. S. 184.

[7] Klaus Bayer: Handlungsorientierter Deutschunterricht? In: Lehrerjournal 2/1985, S. 54-56.

[8] Ebd. S. 245.

[9] Meyer, Hilbert: Leitfaden Unterrichtsvorbereitung. 6. Auflage. Berlin: Cornelsen 2007. S. 41.

[10] Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden II. Praxisband. Berlin: Cornelsen 2010. S. 60.

[11] Meyer, Hilbert: Leitfaden Unterrichtsvorbereitung. 6. Auflage. Berlin: Cornelsen 2007. S. 40.

[12] Vgl. Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden II. Praxisband. Berlin: Cornelsen 2010. S. 61.

Details

Seiten
32
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656118503
ISBN (Buch)
9783656132790
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184741
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
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Autor

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