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Eine Renzension von Eva Illouz Werk "Der Konsum der Romantik"

Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus

Rezension / Literaturbericht 2011 9 Seiten

Soziologie - Konsum und Werbung

Leseprobe

ILLOUZ EVA: Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2007

Was ist Liebe? Ist Liebe das Produkt hormonell motivierter Triebe und gesellschaftlich tradierter Ideale? Ist sie die Vereinigung von Geist und Körper oder eine Anziehungskraft zwischen für einander bestimmten Individuen?

Liebe lässt sich nur schwer definieren. Eva Illouz deklassiert den idealistischen Pathos, der oft in der Vorstellung von Liebe mitschwingt, in ihrem Werk „Der Konsum der Romantik“. Dabei charakterisiert sie Liebe als eine Emotion, durch die psychologische Erregungen, Wahrnehmungsmechanismen und Interpretationsprozesse hervorgehoben werden (28). Ohne sich dabei auf fachfremde psychologische Exkurse zu begeben legt Eva Illouz mit soziologisch-empirischen Instinkt den beobachtbaren Einfluss der beiden Letzteren offen.

Dabei geht es nicht explizit darum den kulturellen Einfluss auf Liebe darzustellen, vielmehr wird dies exemplarisch an den Prozessen der Veränderten Vorstellung von Liebe mit dem Aufkommen des Kapitalismus verdeutlicht bis hin zur Gegenwart, deren Ausstrahlung auf die romantische Vorstellung der Liebe analysiert wird. Wie der deutsche Titel des Buches schon impliziert, kanalisiert Illouz dabei vor allem den Einfluss der Konsumkultur auf die soziale Konstruktion von Romantik.

Erschienen ist das Buch bereits 1997 unter dem Originaltitel Consuming the romantic Utopia. Love and the cultural contridictions of Capitalism. Die deutsche Übersetzung erschien erst 2003 im Campus-Verlag, wurde durch Andreas Wirthensohn vorgenommen und 2007 erneut als Taschenbuchausgabe im Suhrkamp-Verlag verlegt.

Illouz untergliedert die soziologische Abhandlung in sechs Kapitel, in denen sie drei Schwerpunkten folgt. So geht sie im ersten Abschnitt der Entstehung der utopischen Vorstellung von romantischer Liebe nach und findet deren Wurzeln im Umbruch zur Moderne. Gleichsam stellt sie dar, wie sich die Logik des aufkommenden Kapitalismus nur auf den ersten Blick antithetisch zu den Vorstellungen von Liebe positioniert und wie der freie Markt die Trennung von rationalen Prozessen und überschwänglichen Emotionen aufzuheben scheint.

Im zweiten Abschnitt diskutiert Illouz wie durch Rituale Subjekte in Zustände versetzt werden, die Konsum und Romantik miteinander verschmelzen lassen und Teil von gesellschaftlicher Akzeptanz und zum immanenten Moment von Zweierbeziehungen werden. Schließlich fragt sich die Autorin im letzten Abschnitt, wie sich in der Postmoderne die romantischen Vorstellungen auf das subjektive Handeln auswirken. Bei diesen Untersuchungen deckt sie erstaunliche Paradoxien auf, welche Funktion und bisherige Wirkungsvorstellungen von romantischen Ritualen an die Schwelle erneuter Umdeutung zu verorten scheint.

Dabei legt Illouz ihrer Studie eine breite Datenbasis zu Grunde, die sich aus statistischen Daten, Interviews, Inhaltsanalysen sowie Film- und Videoanalysen zusammensetzt. Sie stellt also vor allem auf Aussagen ab, die sie aus Daten ableitet, welche durch qualitative Methoden erhoben wurden. So werden die 50 befragten Männer und Frauen nach dem Schneeballprinzip ermittelt. Die fehlende repräsentative Aussagekraft der Ergebnisse stellt Illouz die Signifikanz der Homogenität in den Aussagen der Befragten entgegen (48). Gleichsam widerspricht sie schon a priori dem Vorwurf fehlender quantitativ gesicherter Aussagen damit, dass sich Kultur nicht in Wahrscheinlichkeitsrechnungen fassen lässt (46). In beiden Aussagen schwingt eine gewisse Negierung quantitativer Methodik mit. Wöllte man in der umfassenden Arbeit von Illouz eine konstruktive Schwachstelle finden, so könnte man hier trotz ihrer Verteidigung ansetzen. Keineswegs stellt dies jedoch die Leistung der Studie per se in Frage. Gleichwohl bekommen die hauptsächlich qualitativ abgeleiteten Aussagen durch eine zweistufige Analyse eine höhere Tragweite. So wird versucht die Subjektivität und Homogenität der Befragten mit einer Analyse ganzheitlich gesellschaftlich geprägter Spiegel entgegen zu kommen. Solche Spiegel findet sie in der Werbung sowie Film- oder Bildmaterial, in denen sie die romantischen Symbole wiederfand, die bereits Befragte in den Interviews aufwarfen. Auch hier ließe sich über die Konstruktion diskutieren: Fraglich erscheint, ob solche Symbole und Vorstellungen, die aufgrund fehlender repräsentativer Stichproben nicht erkannt wurden, auch nicht auf ihre Wiederkehr in gesellschaftlichen Spiegelmedien untersucht werden konnten. Doch bevor wir uns hier weiter dem Zusammenhang entrissener Spekulationen hin geben, soll dies an inhaltlich sinnvoller Stelle genauer erörtert werden.

Mit der Auseinandersetzung von Romantik und Liebe als beobachtbares Verhalten bewegt sich Illouz auf einem thematischen Feld, das lange Zeit nicht Gegenstand soziologischer Untersuchungen war, sondern als Emotion eher dem Bereich der Psychologie überlassen wurde. Erst später wurde Liebe auch Gegenstand sozialempirischer Forschung. Was Adorno in seiner Minima Morolia begann – nämlich die Auswirkungen von ökonomischer Rationalität auf Liebesbeziehungen zu hinterfragen[1] - breitet Illouz in ihrer Studie auf temporaler und gesellschaftlicher Ebene aus. Dabei können die vielen Unbekannten in diesem Themenfeld auch als Begründung für das qualitative Herangehen aufgeführt werden.

An den Anfang der Frage nach den Auswirkungen und den Interdependenzen zwischen Romantik und Konsum, stellt Illouz den Wandel romantischer Vorstellungen mit dem Umbruch in die Moderne: Mit Auflösung des religiösen Deutungsapparates im Zuge der Säkularisierung am Ende des 18. Jahrhunderts und dem damit verbunden Freiheitsgedanken, wurden die christlichen Beschränkung von Liebe auf Ehe sowie die gesellschaftliche Zweckmäßigkeit einer solchen Verbindung durch die romantische Vorstellung einer transindividuellen Liebesverbindungen abgelöst. „Abgelöst“ bedeutet in diesem Falle, dass Illouz die Liebe gar als neue Religion darstellt: Die Säkularisierung der Liebe oder die Liebe als neue Religion (57). Bei der zeitlichen Einordnung dieses Prozesses muss bedacht werden, dass sich Illouz offensichtlich auf die Historie der USA bezieht. Gleichwohl können die Prozesse mit zeitlichen Differenzen auf das westliche Europa übertragen werden.

[...]


[1] Vgl. Adorno, Theordor W.: Minima Moralia, Frankfurt am Main, 1951, 10ff,107,110. Z.n.: Honneth, Axel. In: Konsum der Romantik, Illouz, Eva, Frankfurt am Main, 2007, 7.

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656095545
ISBN (Buch)
9783656095828
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184673
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
eine renzension illouz werk konsum romantik liebe widersprüche kapitalismus

Autor

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Titel: Eine Renzension von Eva Illouz Werk "Der Konsum der Romantik"