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James Bond im Kontext der Massenindustrie

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Filmserie James Bond
50 Jahre Bond

Wiederkehrende Elemente
Ausnahmen
Die Eingangsszene
Die Gegenspieler
Die Helfer

Die Rolle der Frau
Das Frauenbild bei Bond
Das Spiegelstadium
Die Lust des Betrachtens
Die Rolle der Frau bei Mulvey

Die Massenindustrie

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit mit dem Titel „James Bond im Kontext der Massenindustrie“ möchte ich mich mit dem Phänomen der Massenkommunikation im Bereich der Filmindustrie auseinandersetzen. Hierbei gilt es herauszufinden, mittels welcher Stilmittel, Verfahren und Motive ein breites Publikum erfolgreich angesprochen werden kann. Im Speziellen analysiere ich dies im Kontext der James-Bond-Filme. Hierbei handelt es sich um ein Serienkonzept, welches seit Jahrzehnten mit nahezu identischen Merkmalen erfolgreich am Filmmarkt funktioniert. Aufgrund seines seriellen Charakters liegt dem Kanon der James Bond Filme derselbe Handlungsstrang zugrunde. Bestimmte Handlungsmuster werden mit jeweils variablen Dialogen und Bildeinstellungen angereichert und somit leicht verändert. Dadurch kennt der Zuschauer dieses Handlungsmuster und wartet dennoch begeistert darauf es zu sehen. Von besonderem Interesse sind hierbei jene Variationen, die der Handlung ihren individuellen Stempel aufdrücken. Des Weiteren möchte ich das Handlungsmuster im Hinblick auf Laura Mulveys Aufsatz „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ untersuchen. Dieser 1970 erschienene Aufsatz stellt eine entscheidende Weichenstellung in der Debatte über Gender und Kino dar. Mulvey bedient sich der Psychoanalyse um herauszufinden, wie die Frau innerhalb des patriarchalischen Repräsentationssystems im Kino positioniert wird. Die James-Bond-Serie dient an dieser Stelle als ideale Plattform für meine Untersuchungen. Auf der Folie dieser beiden Analysen möchte ich außerdem versuchen darzustellen, ob es möglicherweise eine Verbindung zwischen den Werkzeugen der Massenindustrie und dem im Kino erzeugten identifikatorischen Moment zwischen Rezipienten und Protagonisten in dieser Hinsicht gibt. Essentiell ist hierbei Lacans Spiegelmoment, welches eine direkte Synthese zwischen dem Kino und seinem Rezipienten beschreibt.

Die Filmserie James Bond

Im Jahre 1961 adaptierten die Produzenten Albert Broccoli und Harry Salzmann über ihre gemeinsam gegründete Firma namens EON die bereits bekannte Romanfigur Ian Flemings auf die Kinoleinwand. Die Rede ist von James Bond, der im Laufe von fast 50 Jahren in mittlerweile 21 Filmen durch 7 unterschiedliche Schauspieler verkörpert wurde.[1] Die James-Bond-Filme gelten als die erfolgreichste Filmserie weltweit, mit regelmäßig wiederkehrenden Figuren, gleich bleibenden Handlungsstrukturen und einer schablonenhaften Dramaturgie. Mit einer fortwährenden Dynamik erscheinen in regelmäßigen Abschnitten neue Filme, die jeweils einen neuen Zyklus in der Ära der 007-Filme einläuten. Große Filmproduktionen erfordern erhebliche finanzielle Aufwendungen, sodass Filmgesellschaften ein hohes Risiko bei der Neueinführung eines Filmkonzeptes eingehen. Aus diesem Grund sind bereits erprobte und am Markt bekannte Filme bei Produktionsfirmen beliebter. Demzufolge setzten Broccoli und Saltzman schon damals auf das hohe Potenzial der Bond-Serie und nutzten die Synergieeffekte der Serialität. Sie produzierten fortan spektakuläre Großproduktionen und kündigten bereits im Abspann der zweiten James-Bond-Serie From Russia With Love die Fortsetzung an. Neben der Filmserie James Bond gibt es weitere Beispiele, denen ähnliche Konventionen zu Grunde liegen. Zu nennen wären Serien wie Rocky, Star Trek und Star Wars. Allerdings beinhaltet der Bond-Kanon verglichen mit anderen Filmserien den größten Fundus.

50 Jahre Bond

Zur kausalen und logischen Weiterführung der Handlung in einer Filmserie, die über Jahrzehnte hinweg besteht, müssen bestimmte narrative Momente erzeugt werden, die dem Rezipienten die Tatsache einer Serialität darlegen. „Eine Geschichte anzufangen, ohne zu zeigen, dass ihr eine andere vorangegangen war, entzöge zwar den Helden eine zeitlang dem Gesetz der Abnutzung; doch eines Tages würde das Publikum die Absicht bemerken und die Komik der Situation wahrnehmen.“[2] Umberto Eco bezieht sich hierbei auf die Comic- Geschichten von Supermann, jedoch hat dieser Gesichtspunkt bei den James-Bond-Filmen ebenfalls seine Gültigkeit. Dieselbe Vorgehensweise verhilft James Bond zur Unsterblichkeit: Seit den 60er Jahren ist James Bond nicht merklich gealtert, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die Serie ist über die Jahrzehnte hinweg mit kleinen Anspielungen an vergangene Folgen angereichert, damit das Konzept der Serialität funktioniert. In dem Film For Your Eyes Only besucht 007 das Grab seiner Frau Tracy, bevor er von einem Hubschrauber abgeholt wird. Diese Szene greift zurück auf die Heirat in der Episode On Her Majesty’s Secret Service zwischen Bond und Tracy, die am Ende das Opfer eines vereitelten Anschlages auf 007 wird.

Wiederkehrende Elemente

In den Bond-Filmen findet ausnahmslos dasselbe Grundschema Verwendung. Es legt sich wie eine Schablone über die Geschichte und bildet somit die Grenzen des Bond Universums. Man bedient sich gewissermaßen des Prinzips der Unverwechselbarkeit. Eco bezeichnet dies als eine Reihe von Konnotationen, die hierbei Verwendung finden.[3] Ausgangspunkt jeder Geschichte ist ein außergewöhnliches Ereignis, das durch ein mächtiges und abscheuliches Individuum „von unklarer, allerdings zweifelsfrei nichtenglischer Herkunft“[4] eingeleitet wird und die Welt bedroht. Dies bewegt M, den Chef des MI6 dazu, James Bond zu sich zu holen um ihm den Auftrag zu erteilen, damit er die Gefahr abwendet. Daraufhin begegnet er dem Bösewicht oder einer Mittlerfigur. Dabei kommt es zwischen beiden zu einer ersten Auseinandersetzung, bei der entweder Bond oder der Bösewicht gewinnt. Kurz darauf lernt Bond ein Mädchen kennen, welches mit dem Bösewicht in einer engen Verdingung steht. 007 gerät durch den Antagonisten in Gefangenschaft, meistens mit dem Mädchen zusammen. Der Antagonist foltert Bond, dieser kann sich und das Mädchen jedoch befreien und tötet den Bösewicht und seinen Mittler. Jetzt endet die Folge und Bond liegt in den Armen des Mädchens.[5] Im Folgenden möchte ich unter Verwendung einiger ausgewählter Bond-Filme exemplarisch aufzeigen, welcher Gemeinsamkeiten die Filme obliegen, und darstellen, wodurch die einzelnen Folgen variieren.

Die Serie nimmt mit dem Titel Dr. No ihren Anfang. Das Serienkonzept wird bereits nahezu vollständig etabliert. Einzig die Eröffnungsszene, ein schnelles Auto sowie die Übergabe von Gadgets durch Q fehlen. Statt mit der Eröffnungsszene beginnt Dr. No hingegen gleich mit der Erkennungsmusik und dem Revolverlauf. Mit der zweiten Episode From Russia with Love ist das Bond-Konzept vollständig und findet fortan in nahezu jedem Bond-Abenteuer Verwendung. Beginnend mit einer actionhaltigen Szene als Einstieg geht es nach der Einspielung des Popsongs weiter mit der Einführung Bonds, die oftmals mittels einer komödiantischen Einlage angereichert wird. Das geschieht vorwiegend im Dialog mit Moneypenny. Daraufhin wird der eigentliche Handlungsstrang eingeführt, indem M ihm seinen künftigen Auftrag erklärt und er postwendend seinen Auftrag in einem entfernten Land beginnt. Für den weiteren Verlauf des Plots kommen unterschiedliche Möglichkeiten in Betracht. Sobald Bond die Karibikinsel in Dr. No erreicht hat wird eine paranoid anmutende Atmosphäre inszeniert, die durch Verfolgung und Bedrohung genährt wird. Verschiedene Figuren beobachten 007, eine Fotografin sowie der bis dahin noch unbekannte FBI-Agent Felix Leiter kreuzen seinen Weg. Bond wird am Flughafen abgeholt, doch schnell bemerkt er, dass dies eine Falle ist. Diese Szene sowie jene Atmosphäre wiederholen sich in einer fast identischen Art und Weise in From Russia With Love. Auch hier wird Bond von einem Fahrer vom Flughafen abgeholt und gleich daraufhin von anderen Figuren beobachtet. Mit dem Wissen über die letzte Folge betrachtet der Zuschauer diese Szene mit Spannung. Doch nun stellt sich heraus, dass der Fahrer ein Verbündeter ist. In Goldfinger vollzieht sich eine Abkehr von dieser Inszenierungsstrategie. Die Einführung der Handlung beginnt damit, dass James Bond Goldfinger beim Kartenspiel echauffiert und sich obendrein mit Goldfingers Freundin vergnügt. Daraufhin wird die Frau umgebracht, indem ihr Körper mit Gold überzogen wird. Damit wird der Konflikt erzeugt, der Bond dazu veranlasst Goldfinger zu bekämpfen. Das Folterthema durchzieht ebenfalls den gesamten Bond-Kanon. Zum Ende eines jeden Abenteuers befindet sich 007 in der Gefangenschaft. Er wird vom Antagonisten über seine größenwahnsinnigen Pläne informiert und soll daraufhin auf spektakuläre Weise getötet werden. In Goldfinger plant der Antagonist Bond an eine Atombombe zu fesseln, die samt dem Goldvorrat von Fort Knox explodieren soll. In From Russia With Love wird er durch einen Mittler im Zug gefoltert, bevor er sich schließlich befreit und zurückschlägt.

Ausnahmen

Zwei Episoden durchschneiden jedoch die eben dargestellte schablonenhafte Inszenierung dieser Konventionen des Handlungsstranges. In On Her Majesty’s Secret Service und in Casino Royale erlebt der Rezipient neue Erzählelemente und eine Abkehr von der gewohnten Narration. Besonders der jeweilige Schluss unterstreicht diese These. Beide Filme enden tragisch, Bond verliert seine Geliebte. Doch beide Filme wollen etwas erklären, was für die weitere Entwicklung Bonds lebensnotwendig ist. Sie dienen dazu seinen Charakter zu etablieren, ihn interpretierbar zu machen. Obgleich es sich bei Casino Royale um einen aktuelleren Film der Serie handelt, gilt die Story als Einleitung innerhalb der kompletten Diegese. Der Film beschreibt die Anfänge Bonds und versucht zu erklären, warum Bond so handelt, wie der Zuschauer es von ihm gewohnt ist.

[...]


[1] Der Film Sag niemals nie wurde hierbei nicht mitgezählt, da er nicht von EON produziert wurde bzw. nicht im Verleih der MGM ist.

[2] Eco: 1986, S. 202.

[3] Vgl. Eco: 1986, S. 208.

[4] Ebd. S. 293.

[5] Vgl. ebd. S. 289.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656094753
ISBN (Buch)
9783656094562
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184634
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
Schlagworte
James Bond Laura Mulvey Lacan Freud Massenindustrie Filmserien

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