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Der Komponentenansatz in der handelsrechtlichen Rechnungslegung und den IFRS

Hausarbeit 2011 15 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hintergründe

2. Grundlagen

3. IFRS-Regelung
3.1 IAS 16

4. Komponentenansatzim HGB
4.1 Handelsrechtliche Praxis vor BilMoG
4.2 Handelsrechtliche Praxis nach BilMoGmit IDW RH HFA 1.016

5. Komponentenansatz im Steuerrecht

6. Komponentensatz im Vergleich der Rechtsnormen
6.1 Beispiel

7. Vor- und Nachteile nach BilMoG

I. Literaturverzeichnis

1. Hintergründe

Vor Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) am 29.05.2009 konnte im handelsrechtlichen Jahresabschluss eine sog. Aufwandsrückstellung gem. § 249 Abs. 2 HGB gebildet werden. Danach durften Rückstellungen für ihre Eigenart nach genauerUmschreibung, dem Geschäftsjahr oder einem früheren Geschäftsjahr zugeordnete Aufwendungen gebildet werden, die am Abschlussstichtag wahrscheinlich oder sicher, aber hinsichtlich ihrer Höhe oder des Zeitpunkts ihres Eintritts unbestimmt sind.[1]

Von praktischer Bedeutung war § 249 Abs. 2 HGB a.F. insbesondere für regelmäßig und in größerem zeitlichem Abstand anfallende Generalüberholungen und Instandhaltungsmaßnahmen oder Großreparaturen.[2]

Nach Einführung des BilMoG wurde der § 249 Abs. 2 HGB a. F. gestrichen um somit die handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften den International Financial Reporting Standards (IFRS) anzugleichen. Nach den IFRS-Vorschriften darf eine Rückstellung für reine Innenverpflichtungen grundsätzlich nicht gebildet werden.[3]

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat nach der Einführung des BilMoG einen Hinweis zur Rechnungslegung veröffentlicht und vertritt die Meinung, dass der sog. „componentapproach“ (Komponentenansatz) nach International Accounting Standards (IAS) 16.43 bis 49 auf das deutsche Handelsrecht Anwendung findet.[4]

2. Grundlagen

Der Komponentenansatz beschäftigt mit Sachanlagevermögen.Je nach Erfüllung der Voraussetzungen des IAS 16 wird ein Wirtschaftsgut in separate Komponenten gegliedert und als eigenständige Wirtschaftsgüter aktiviert und abgeschrieben.

Nach dem IDW RH HFA 1.016 vom 29.05.2009 ist diese Regelung zur komponentenweisen planmäßigen Abschreibung auch auf die Handelsbilanz übertragbar bzw. anwendbar, wodurch diese für die Gestaltung der Handelsbilanz interessant wird. Durch das BilMoG und den damit zusammenhängenden Wegfall des § 249 Abs. 2 HGB a.F. hat sich das Handelsrecht der IFRS-Vorschriften angenähert, da dort ein „Verbot der Rückstellungsbildung für reine Innenverpflichtungen“ (IAS 37.20) bereits geregelt wurde.

3. IFRS-Regelung

3.1 IAS 16

Der IAS 16.7 beschreibt die Methode wonach bei der Anschaffung eines Wirtschaftsgutes des Sachanlagevermögens dieses in mehrere Komponenten aufgeteilt wird und diese unabhängig voneinander bilanziert und nach deren spezifischenNutzungsdauern abgeschrieben werden.[5]

Der Grundgedanke des Komponentenansatzes beruht darauf, die verlässliche Darstellung komplexer Sachanlagegüter zu gewährleisten.[6]

Die Anwendung dieses Verfahrens ist jedoch an Voraussetzungen gekoppelt, wodurch erst bei Erfüllung dieser eine Aufteilung in Betracht kommt. Zur Erfassung der einzelnen Komponenten ist darauf zu achten, dass diese wesentliche Teile einer Sachanlage darstellen. Dies wird dadurch begründet, dass sie eine abweichende Nutzungsdauer im Vergleich zum Gesamtobjekt aufweisen und sich deren Kostenanteil in Relation zu den Gesamtkosten ermitteln lassen.

Die Komponenten müssen den allgemeinen Asset-Kriterien nach dem Framework des IASB entsprechen, wonach gewährleistet sein muss, dass das Unternehmen wahrscheinlich daraus einen zukünftigen ökonomischen Nutzen zieht und sich ein verlässlicher Wert des Wirtschaftsgutes ermitteln

lässt. Dabei kommt es jedoch nicht darauf an, dass die Komponenten selbstständig nutzbar und veräußerbar sind.[7]

Die Identifikation der einzelnen wesentlichen Bestandteile des Vermögensgegenstandes sowie der Wertbestimmung und Festlegung der Abschreibungsparameter führen in der Praxis zu zeit- und kostenintensiven Prozessen. Eine Bewertungsproblematik besteht darin die jeweiligen Bemessungsgrundlagen und die Nutzungsdauer des jeweiligen Wirtschaftsgutes zuverlässig zu bestimmten bzw. zu schätzen.[8]

Besondere Schwierigkeiten entstehen, wenn Komponenten und deren Nutzungsdauern voneinander abhängen können. So wird bei einem Motorschaden eines Pkw i. d. R. der Pkw vor Erreichen der geplanten Nutzungsdauer der anderen Komponenten aus dem Betriebsvermögen entfernt.[9]

Darum ist die Anwendung des Komponentenansatzes nur relevant, wenn die Unterschiedlichen Nutzungsdauern nicht nur technisch sondern auch wirtschaftlich begründete abweichende Nutzungsdauern haben. Der IAS nennt als Beispiel Flugzeuge, welche unter anderem in Passagiersitze,Turbinen, Reifen und Aussenverkleidung als Komponenten aufgeteilt werden können.[10]

Auch bei Gebäudeteilen, welche unterschiedliche Nutzungsarten bzw. ‑intensitätenaufweisenkann der Komponentenansatz zum Tragen kommen.[11]

Beispiel (Bildung Komponenten):[12]

Die Bayreuther Oberfrankenbräu KG erwirbt zur Erweiterung des Fuhrparks einen Getränketransporter zum Preis von 50.000 €. Bei extensiver Auslegung des Komponentenansatzes bestehen die Fahrzeuge aus den Komponenten Karosserie, Motor, Reifen und Rest. Die Kostenaufteilung auf die einzelnen Komponenten gestaltet sich allerdings schwierig, da die Summe der Preise der Einzelteile deutlich höher liegt als der Gesamtpreis des Transporters. Folglich können die Ersatzteilpreise nicht absolut, sondern lediglich zur Verhältnisrechnung verwendet werden. Fraglich ist darüber hinaus auch, ob Preise für die einzelnen Komponenten überhaupt existieren. Eine objektive und verlässliche Bewertung wird so immens erschwert. Im Rahmen der Beispielrechnung kann letztlich nach mehrmaliger Rücksprache mit dem Hersteller eine Verteilung der Anschaffungskosten über eine Verhältnisrechnung vorgenommen werden. Die Aufteilung sowie die jeweilige Nutzungsdauer und der jährliche Abschreibungsbetrag (in €) sind die nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Eine wesentliche Besonderheit des Komponentenansatzes ist, dass nach IAS 16.14 auch Ausgaben für Generalüberholungen oder/und Generalinspektionen dem Komponentenansatz zuzurechnen sind. Dies setzt jedoch voraus, dass die voraussichtlichen Kosten und der Zeitpunkt der planmäßigen Generalüberholung/-inspektion bekannt sind. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so sind die geschätzten Kosten als eigenständiger Vermögenswert zu aktivieren und bis zum Zeitpunkt der Überholung/Inspektion über die Jahre abzuschreiben.[13] Der Wert des zu aktivierenden Generalüberholung/ -inspektion wird von den Gesamtanschaffungskosten abgezogen.[14]

Beispiel (Generalüberholung/-inspektion):[15]

Die RheinAhrMedic GmbH erwirbt eine Produktionsmaschine, deren Anschaffungskosten 40 Mio. € betragen. Die Gesellschaft geht von einer Nutzungsdauer von 16 Jahren aus. Alle 4 Jahre ist eine Generalüberholung durchzuführen. Die Kosten der jeweiligen Generalüberholungen betragen nach der Schätzung der Geschäftsführung aufgrund der Erfahrungswerte jeweils 8 Mio. €.

Lösung:

Die geschätzten Ausgaben für die einzelne Generalüberholung in Höhe von 8 Mio. € werden beim ersten Ansatz des Vermögenswertes der Maschine als eigenständiger Bestandteil der Maschine i. H. v. 8 Mio. € aktiviert und über 4 Jahre abgeschrieben. Die Maschine selber wird dann (nur noch) i. H. v. 32 Mio. € aktiviert. Nach 4 Jahren werden die tatsächlich angefallenen Kosten der durchgeführten Generalüberholung dann auf den Restbuchwert der Maschine hinzuaktiviert und erneut über 4 Jahre abgeschrieben. Die Maschine selber wird planmäßig linear über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren abgeschrieben.

[...]


[1] Vgl. § 249 Abs. 2 HGB a. F.

[2] Vgl. Petersen, Börsen-Zeitung vom 30.09.2011

[3] Vgl. McKenzie, Handbuch IFRS 2011, S. 85 Tz. 76

[4] Vgl. IDW RH HFA 1.016 vom 29.05.2009

[5] Vgl. Coenenberg/Haller/Schulze, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, S. 108

[6] Vgl. Freidank/Peemöller, Corporate Governance und Interne Revision, S. 418

[7] Vgl. Coenenberg/Haller/Schulze, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, S. 86-87

[8] Vgl. Freidank/Peemöller, Corporate Governance und Interne Revision, S. 418

[9] Vgl. Weißenberger, IFRS für Controller, S. 424

[10] Vgl. Weißenberger, IFRS für Controller, S. 424

[11] Vgl.Ozan, Die Bilanzierung des Sachanlagevermögens…., S. 19

[12] Beispiel entnommen vgl. Trageser, IFRS im Mittelstand, S. 90/91

[13] Vgl. Freidank/Peemöller, Corporate Governance und Interne Revision, S. 418

[14] Vgl. Wiechers, BBK 17/2009, S. 838

[15] Beispiel entnommen,vgl.Wengel, IFRS Kompakt, S. 48

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656094517
ISBN (Buch)
9783656094142
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184540
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,0
Schlagworte
Komponentenansatz Bewertung HGB Handelsrecht IFRS IAS Komponente Aufteilung Anlagevermögen Abschreibung AfA

Autor

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