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Das Ministerium für Staatssicherheit und seine Opfer

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ministerium für Staatssicherheit

3. Die Opfer des Ministeriums..
3.1. Überwachung..
3.2. Inhaftierung

4. Abschließende Betrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erinnerung ehemaliger DDR- Bürger an ihre Vergangenheit könnte facettenreicher nicht sein. Sie umfasst Begriffe wie Einschränkung, Kontrolle, Dominanz, Gefangenschaft, aber auch Gemeinschaft, Zusammenhalt, Sicherheit, Zukunft.

Entscheidend für die Wortwahl war die jeweilige Einstellung eines Menschen. Bin ich von der Regierungs- und Staatsform überzeugt, möchte ich Teil dieser sein. Kann ich mit ihren Ansichten konform gehen oder sie soweit still schweigend hinnehmen um ein ruhiges und angenehmes Leben zu führen?

Oder kann ich eben diese Zwänge und staatlichen Kontrollen nicht akzeptieren und hinnehmen? Ist der Drang, meine Meinungsfreiheit in Anspruch zu nehmen, zu deutlich um einen geeigneten Platz in dieser Gesellschaftsform einzunehmen?

Inhalt dieser Arbeit ist in erster Linie die zweite Personengruppe, die aufgrund ihrer Distanzierung vom DDR-Regime zu deren Opfer wurden.

2. Das Ministerium für Staatssicherheit

Um jedoch die Lage der Opfer zu begreifen , muss zunächst eine Auseinandersetzung mit den Tätern stattfinden.

Die Staatspartei SED war bereits im Sommer 1948 zur Massenpartei angewachsen. Ihr Herrschaftsregime war jedoch in erster Linie ein komplexes System zur Überwachung und Kontrolle der DDR- Bürger. Ziel der Partei war hierbei die Angleichung der DDR an das stalinistische System der Sowjetunion. „Ihre Macht sicherte sich die SED in erster Linie mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit ( MfS), der allmächtigen Geheimpolizei der SED.“[1]

Dieses wurde bereits vier Monate nach der Gründung der DDR ins Leben gerufen und bestand bis zu deren Auflösung. Das MfS agierte stets als Geheimdienst, dessen Tätigkeit dauerhaft im Verborgenen blieb, denn: „[...] was hinter den Absperrungen vor sich ging, entzog sich der Kenntnis: Strukturen, Methoden und Wirkungsweise der „Stasi“ blieben auch oppositionellen Bürgerrechtlern weitgehend unbekannt.“[2]

Hauptaufgabe der Mitarbeiter des MfS war die Machtsicherung des SED- Regimes in allen gesellschaftlichen Bereichen. „ Das MfS, das zunächst als Staatssekretariat für Staatssicherheit ( SfS ) agierte, hatte >>die Voraussetzungen zu schaffen und die Maßnahmen zu treffen, welche die Sicherheit des Staates, die Festigung der Staatsmacht und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gewährleisten<< sollten.“[3]

In diesem Zusammenhang hatte das MfS eine Fülle von Befugnissen um eine Vielzahl der oppositionellen Bewegungen bereits vor deren Entstehen zu verhindern. Die Mitarbeiter des MfS waren berechtigt eigenständige Ermittlungen und Verhaftungen durchzuführen, hinzu kam die Befugnis eigenverantwortlich Gefängnisse zu errichten.

Erich Mielke, 1957 bis 1989 Chef des MfS, verlagerte seinen Aufgabenbereich insbesondere in die Bundesrepublik, den „feindlichen“ Westen. „Zu den Angriffszielen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) gehörte der westdeutsche Staatsapparat, die Parteien, die Medien, gesellschaftliche Organisationen wie die Kirchen und Gewerkschaften, außerdem die militärischen Zentren und die Wirtschaft.“[4] Neben der Spionagetätigkeit startete Mielke zudem verschiedene Verleumdungskampagnen um den Ruf der BRD zu schädigen. Zu diesen gehörten beispielsweise inszenierte Nazi- Schmierereien in westdeutschen Städten und gefälschte Dokumente, welche den westdeutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke als KZ- Mitarbeiter darstellen sollten.

Im Zuge des KSZE- Prozesses begann die DDR zudem mit dem Ausbau des Ministerium. Dieses zentrale Machtinstrument der SED besaß ausschließlich nicht gesetzlich festgelegte Kompetenzen. „Das MfS sollte auf der Grundlage des SED- Parteiprogramms sowie der Beschlüsse des Zentralkomitees und des Politbüros der SED handeln.[5]

Die Ausmaße dieses Geheimdienstes übersteigt jedoch in vielerlei Hinsicht unsere heutige Vorstellungskraft. Ab Mitte der 70er Jahre verfügte das MfS über eine Personalstärke von

90 000 hauptamtlichen und 174 000 inoffiziellen Mitarbeitern. Eine Bewerbung im eigentlichen Sinne war beim MfS war jedoch nicht möglich, da sich die Stasi ihre Mitarbeiter gezielt aussuchte. „Die sorgfältige Auswahl garantierte in den allermeisten Fällen politische und ideologische Zuverlässigkeit. >>Aussteiger<< waren selten und mussten mit schweren Restriktionen rechnen.“[6]

Die Hauptaufgaben des MfS waren Untersuchungen, Nachrichtenkontrolle und polizeiliche Dienste, die immer unter absoluter Geheimhaltung stattfinden mussten. Auffällig in diesem Zusammenhang war dabei jedoch die Konzentration dieser Aufgabenbereiche in einem Apparat, der alle diese Funktionen zugleich ausführte.

„Als das wichtigste Machtorgan der SED- Diktatur übernahm das MfS eine Vielzahl von Aufgaben. Zu den konkreten Aufgaben des Staatssicherheitsdienstes [...] zunächst einmal die klassischen Geheimdienstaufgaben [...].“[7] Zu diesen zählten beispielsweise die Auslandsspionage, die Funküberwachung, Spionage- und Terrorabwehr. Zusätzlich hatte dieser spezielle Geheimdienst die Aufgabe zur Sicherung der Staatsgrenze, der Paß- und Zollkontrolle und ähnlicher Aufgabenfelder, die der Kontrolle der eigenen Bevölkerung dienlich waren. „Hauptaufgabe war und blieb aber die- wie es im MfS/ SED- Deutsch hieß- „allseitige Aufklärung“ der eigenen Bevölkerung.“[8]

Hauptverantwortlich für den großen Erfolg des MfS waren jedoch die inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums. „1988 zählte das Heer der geheimen Zuträger nicht weniger als 109 000 aktive IM.“[9]

Diese Informanten gehörten jedoch seit der Gründung des Geheimdienstes zu dessen Erfolgsrezept. Sie wurden zur Überwachung feindlicher Agenten, aber auch zur Bespitzelung von Oppositionsgruppen eingesetzt. Jedoch erhöhte sich die Anzahl dieser Mitarbeiter stetig im Verlauf des Bestehens des MfS. Waren sie zu Beginn der geheimdienstlichen Tätigkeit des Ministeriums nur in kleiner Zahl angestellt, so sollte ihr Einsatz „[...] nunmehr flächendeckend und nach Möglichkeit sogar präventiv erfolgen.“[10]

Wesentlich war dabei nicht die Überwachung äußerer Feinde, sondern eine umfangreiche Überwachung der eigenen Bevölkerung. Aus diesem Grund gab es IM in allen gesellschaftlichen Schichten.

„Im Mittelpunkt stand die vorbeugende, schadensabwehrende Arbeit im Innern, die ständige Überprüfung der eigenen Bevölkerung.“[11]

3. Die Opfer des Ministeriums

„Die Stasi beschädigte tausende Lebensläufe und zerstörte viele Menschen durch >>Zersetzung<: Auf eine den Betroffenen nicht erkennbare Weise griff sie in persönliche Beziehungen und berufliche Werdegänge ein. Intrigen, Gerüchte, Schikanen, Drohungen hatten den Zweck, >>Zivilpersonen zu verunsichern, zu isolieren und dadurch in psychische Nöte zu bringen.“[12]

3.1. Überwachung

Hauptverantwortlich für die Überwachung der DDR- Bevölkerung war die Linie XX des Ministeriums, diese arbeitete zur Bekämpfung der Feinde eng mit weiteren Abteilungen zusammen.

Eine dieser Abteilungen war die Hauptverwaltung Aufklärung, welche sowohl Aufklärungs- als auch Abwehraufgaben wahrnahm. „Die HVA hatte die Zentren der „politisch- ideologischen Diversion“ zu überwachen und mit geheimpolizeilichen Mitteln und Methoden zu bekämpfen.“[13]

[...]


[1] Hubertus Knabe: Stätten der DDR- Diktatur. Seite 3

[2] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 51

[3] Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Einsichten. Seite 75

[4] Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Einsichten. Seite 76

[5] Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Einsichten. Seite 184

[6] Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Einsichten. Seite 184

[7] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 57

[8] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 57

[9] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 66

[10] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 66

[11] Jürgen Weber: Der SED- Staat. Seite 67

[12] Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Einsichten. Seite 187

[13] Sandra Pingel- Schliemann: Zersetzen. Seite 136

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656092919
ISBN (Buch)
9783656093237
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184508
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
ministerium staatssicherheit opfer

Autor

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