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Neorealistische Erklärungsansätze für den Irakkrieg 2003

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konfliktbeschreibung

3. Der Neorealismus

4. Analyse des Irakkonflikts 2003 unter neorealistischen Gesichtspunkten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

l.Einleitung

Der 11.09.2001 und die darauf folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen der USA mit Afghanistan und dem Irak sind für die Teildisziplin der Politikwissenschaften, den Internationalen Beziehungen von besonderer Bedeutung. Der 11.09.2001 wird sogar als eine Zäsur der Weltpolitik wahrgenommen (vgl. Risse 2004, 111).

Eine besondere Bedeutung der Disziplin der internationalen Beziehungen hatten bis in die Neunzigerjahre die staatszentrierten Theorieansätze, insbesondere die neorealistischen und realistischen Theorien der Internationalen Beziehungen. „Während noch zu Beginn der Neunzigerjahre fast jede Dissertation ritualisiert den Neorealismus erst widerlegen musste, um Raum zu schaffen für den eigenen Theorieansatz ist dies zehn Jahre später kaum noch der Fall“ (ebd.) In jüngerer Zeit erfahren Ansätze des Konstruktivismus besonders große Aufmerksamkeit (vgl. Müller 2001, 9).

Trotz oder auch wegen des in den Hintergrundrückens des Neorealismus, der auf der Theorie des Realismus nach Morgenthau aufbaut und über diese hinausgeht (vgl. Ditzel; Högerle 2011, 15), ist dieser für mich besonders interessant. Der Neorealismus klärt aufgrund seiner systemorientierten Analyseweise vor allem die Ursachen für Konflikte und Kriege zwischen Staaten (vgl. Grieco 1997, 163).

Der Irak-Krieg aus dem Jahr 2003 ist ein Konflikt, der besonders kontrovers diskutiert wurde und durch das Vorgehen der USA ohne UN-Resolution für Brisanz sorgte. Diesen Konflikt möchte ich aus der Perspektive der USA anhand neorealistischer Ansätze erklären und untersuchen, ob die Erklärungskraft des Neorealismus ausreicht, um den Irak-Konflikt vollständig zu analysieren.

Der Fokus wird dabei auf der Untersuchung folgender These liegen:

Regierungen wollen stets ihre nationale Sicherheit maximieren, sie tun dies auch ohne irgendeine Autorisation nach Maßgabe ihrer Fähigkeit, sich in einem Konflikt militärisch durchsetzen zu können.

Die Aufarbeitung der These und die Analyse des Krieges bedürfen einer Darstellung des zu behandelnden Konflikts sowie der zugrunde liegenden Theorie. Diese These gehorcht den grundlegenden Annahmen und Aussagen des Neorealismus und hilft deswegen zu analysieren, ob der bearbeitete Konflikt neorealistisch erklärbar ist.

Zuerst möchte ich den Konflikt beschreiben. Da es in dieser Hausarbeit darum gehen soll, die Gründe für den Ausbruch des Irak-Kriegs 2003 zu analysieren, liegt der Fokus auf der Zeit vor dem Krieg bis zum Kriegsausbruch. Die Krise zwischen den USA und dem Irak überdauert schon mehr als ein halbes Jahrhundert. Schon in den 1960er Jahren unterhielten die USA keine diplomatischen Beziehungen mehr zum Irak, da Bagdad diese im Verlauf des Sechstagekrieges zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten auf gekündigt hatte (vgl. Bierling 2010, 9). Die ganze Historie des Konfliktes in dieser Arbeit wiederzugeben, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Ich möchte mich hier auf die für Bearbeitung der wichtigen Fakten für die Analyse beschränken. Relevant ist vor allem die Zeit zwischen dem Golfkrieg 1991 und dem Ausbruch des Krieges 2003, sowie insbesondere der Abschnitt vom 11.09.2001 bis zum Kriegsausbruch. Hier gibt es mehrere Anhaltspunkte für neorealistische Erklärungsansätze.

Anschließend möchte ich die Theorie des Neorealismus vorstellen. Dabei möchte ich mich auf die Thesen zur Maximierung der eigenen Sicherheit nach Kenneth Waltz konzentrieren und anschließend einen kurzen Abriss über die aus dem Neorealismus abgeleitete Theorie des offensiven Neorealismus darstellen. Auf der Grundlage der dargestellten Theorieaspekte möchte dich die Analyse des Irakkrieges 2003 aufbauen.

Im Analyseteil dieser Arbeit sollen Anknüpfungspunkte für die Theorie des Neorealismus im Konflikt zwischen den USA und dem Irak gefunden werden. Zudem möchte ich untersuchen, ob die internationale Politik der USA der aufgestellten These gehorcht. Dazu werde ich mich vor allem auf die Rede zur Lage der Nation von George W. Bush aus dem Jahr 2001 und auf die 2002 veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie der USA beziehen.

2. Konfliktbeschreibung

Als Folge des Sieges der USA und weiteren 33 Staaten über den Irak im ersten Golfkrieg 1991, wurde die Kapitulationserklärung des Iraks „als Resolution 687 unter Kapitel VI der UN-Charta [1991, TP] angenommen.“ (Bierling 2010, 23) Damit verlor der Irak seinen Status als völlig souveräner Staat. Diesen Status konnte er unter Auflagen zurück erlangen. Diese Auflagen umfassten unter anderem Reparationszahlungen an Kuwait sowie die Vernichtung von Raketen mit einer Reichweite von mehr als 150 km, von chemischen und biologischen Waffen sowie die Anlagen zu deren Bau. Zudem verpflichtete sich der Irak den Atomwaffensperrvertrag zu akzeptieren. Die Resolution brachte die Aufgabe mit sich im Irak Inspektionen von Iraks Biologie-, Chemie- und Raketenfähigkeiten durchzuführen. Zu diesem Zweck wurde die Sonderkommision UNSCOM (United Nations Special Commission) unter der Leitung des schwedischen Diplomaten Rolf Ekéus gegründet. Die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages sollte die internationale Atomenergiebehörde gemeinsam mit der UNSCOM kontrollieren (vgl. ebd.). Bis 1995 wurden mehrmals ABC -Waffen sowie angereichertes Uran im Irak entdeckt. 1995 legte der Irak nach dem Überlauf des Ministers für Militärindustrie nach Jordanien offen, dass er Aktivitäten zum Bau von offensiven biologischen Waffen sowie zum Bau der Atombombe betrieb (vgl. ebd., 24). Nach 1996 verfiel der Irak wieder in alte Verhaltensmuster, verschleierte Waffenproduktionen, gebar sich gegenüber den Inspektoren stark abweisend und behinderte diese bei ihrer Arbeit (vgl. ebd., 24f.). Dieses Verhalten führte vom 16. bis zum 19. Dezember 1998 zu Raketenattacken und Bombardements von strategischen Zielen wie Einrichtungen der Geheimpolizei und verdächtigen Anlagen im Irak durch die USA. Dieses Verhalten der USA veranlasste den Irak dazu, die UNSCOM-Mission für beendet zu erklären und keinen Inspektoren dieser Behörde Zugang zu Anlagen zu gewähren (vgl. ebd., 26).

Aus diesen Machenschaften resultierten bei den USA Pläne, das Regime von Saddam Hussein zu stürzen, allerdings ohne den Einsatz der US-Streitkräfte, jedoch durch Förderung von Oppositionsgruppen im Irak sowie durch Luftschläge (vgl. ebd., 30). Allerdings legte man diese Pläne, auch aufgrund der Fehlschläge im Kosovokonflikt, wieder auf Eis (vgl. ebd. ).

In dieser angespannten Situation gab es in den USA Präsidentschaftswahlen und George W. Bush trat das Amt des Präsidenten an. Zu Beginn der Bush-Administration gab es „weder in der Regierung oder der außenpolitischen Elite noch in der Bevölkerung [...] auch nur annähernd eine Mehrheit für eine Militäraktion zur Entmachtung Saddams. [...] Es schien kaum ein Ereignis vorstellbar, dass diese Haltung gegenüber einem massiven Einsatz der US-Streitkräfte im Irak verändern könnte.“ (ebd., 31)

Ein solches monumentales Ereignis, die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington, ereigneten sich am 11.09.2001. Diese Anschläge „erschütterten Amerikas Glauben an seine Unverwundbarkeit. Erst zum dritten Mal in ihrer Geschichte [. ] erlebten die USA den Großangriff eines auswärtigen Feinds auf ihr Territorium.“ (ebd., 32)

Innerhalb kürzester Zeit nach diesen verheerenden Anschlägen gelangten Bush und die Administration der USA zu dem Schluss, „dass sich die USA in einem << Krieg gegen den Terror» befanden.“ (ebd.) Dabei stand neben Al Khaida und das sie beherbergende Afghanistan auch schnell der Irak im Fokus (vgl. ebd. ). Es kam zur Debatte, ob militärische Schritte gegen den Irak eingeleitet werden sollten. Da aber zu diesem Zeitpunkt ausreichende Beweise fehlten, wurde diese Option verworfen und nur Kriegspläne aufgestellt (vgl. ebd., 32f. ).

Dennoch hatten die Anschläge vom 11.09.2011 weitreichende Folgen auf die Irakpolitik der USA. Vor allem die Sorge, der Irak könnte Al Khaida Massenvernichtungswaffen beschaffen, beunruhigte die amerikanische Administration (vgl. ebd., 33f.). Der Stachel der Anschläge des 11.09.2001 saß sehr tief und die amerikanische Führung wollte die Sicherheit der amerikanischen Bürger nicht vernachlässigen. Der Erfolg im Afghanistankrieg, das Regime wurde innerhalb von acht Wochen mithilfe der Nordallianz gestürzt, beflügelte die Idee, im Irak militärisch einen Regimewechsel herbeizuführen (vgl. Palm 2011, 43f.). Dies und die Befürchtung, dass Terroristen über den Irak in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelangen könnten, manifestierte sich in der Regierung der USA. In der Rede zur Lage der Nation am 29.01.2002 brachte Präsident Bush diese Bedenken zur Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika zum Ausdruck:

„Der Irak stellt weiterhin seine Feindseligkeit gegenüber Amerika zur Schau und unterstützt den Terror. Das irakische Regime plant insgeheim seit über zehn Jahren die Herstellung von Milzbranderregern, Nervengas und von Nuklearwaffen. [...] Diese Regime sind eine ernste und wachsende Gefahr, da sie den Besitz von Massenvernichtungswaffen anstreben. Sie könnten Terroristen ihre Waffen zur Verfügung stellen [...]“ (Bush 2002)

In dieser Rede forderte Bush zudem klar zu Maßnahmen gegenüber dem Irak auf (vgl. ebd. ).

Am 8. November 2002 beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1441. Diese regelte den erneuten Einsatz von Waffeninspektoren im Irak. Verzögerungen bei der Verabschiedung dieser Resolution gab es wegen eines Disputs zwischen den USA und Frankreich, „ob der Sicherheitsrat vor einem etwaigen Militärschlag wegen einer Verletzung der jetzigen Resolution [1441, TP] einen weitern Beschluss fassen müsste.“ (Dokumente im Zeitgesehen, 1512f.) Dieser Disput wurde so geregelt, dass der Sicherheitsrat bei einem Verstoß wieder zusammentreten müsse (vgl. ebd. ). Die Resolution 1441 beinhaltet eine Aufzählung aller vorangegangenen relevanten Resolutionen sowie die Verstöße des Iraks gegen diese und „räumte dem Land unter Verweis auf Kapitel VII der UN-Charta << eine letzte Chance >>ein, «seinen Abrüstungsverpflichtungen nachzukommen>>.“ (Bierling 2010, 55) Nach der Resolution drohten „ernsthafte Konsequenzen“ (ebd. ), sollte Bagdad der Resolution nicht folgen. Im UN-Sicherheitsrat gab es keine Einigung zu einem Militärschlag gegen den Irak. Vor allem die Staaten der Europäischen Union (mit der Ausnahme Groß­Britanniens) und Russland als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates, sprachen sich gegen einen Krieg gegen den Irak aus. Trotz der Einwände anderer Staaten betonte die Führung der Vereinigten Staaten, „dass man auch ohne Ermächtigung durch eine UN-Resolution seinen Verpflichtungen nachkommen würde und Saddam Husseins Regime stürzen würde.“(Palm 2011, 44). Großbritannien, in Person von Tony Blair, nahm die Rolle eines Vermittlers zwischen den USA und Europa ein, unterstützte jedoch den Aufbau einer militärischen Drohkulisse der USA. Er versuchte, „die unilaterale politische Vorgehensweise der USA stärker in multilaterale Institutionen einzubinden.“ (ebd., 43) Dies gelang jedoch nicht.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656093091
ISBN (Buch)
9783656447696
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184473
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Neorealismus Irak-Krieg Realismus

Autor

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Titel: Neorealistische Erklärungsansätze für den Irakkrieg 2003