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Was ist Jugend?

Soziologische, rechtliche und histortische Einordnung

Seminararbeit 1999 48 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Disposition

1. Einleitung

2. Ziele der Seminararbeit

3. Methodik

4. Jugend – ein modernes Phänomen
4.1 Gibt es die Jugend?
4.1.1Die ablehnende Position
4.1.2Die befürwortende Position
4.2 Die Jugend als Konstrukt/Abstraktion
4.3 Die Jugend als Übergangsphase
4.3.1Abgrenzung Kindheitsalter – Jugendalter
4.3.2Abgrenzung Jugendalter – Erwachsenenalter
4.4 Sozialer Wandel
4.4.1Sozio-kultureller Wandel
4.4.2Bildungswesen und Arbeitsmarktsituation
4.4.3Zunahme der Lebenserwartung
4.5 Verlängerung der Jugendphase/Postadoleszenz
4.6 Jugend als eigene Lebensphase
4.7 Perspektivenwechsel
4.8 Fazit und zukünftige Entwicklungen

5. Jugend als historisches Produkt
5.1 Von der Antike bis zum Mittelalter
5.2 Jugend im Europa der Neuzeit
5.2.1“Familiarisierung” und “Pädagogisierung” der Jugend
5.2.2Die “Jugendbewegung” der Jahrhundertwende

6. Rechtliche Betrachtungsweise
6.1 Gegenwärtige rechtliche Stellung Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland
6.1.1Verfassungsrecht/Grundrechtsmündigkeit
6.1.2Strafrechtliche Einordnung der Jugend
6.1.3Sonstige einfachgesetzliche Regelungen
6.1.4Fazit
6.2 Historie des Jugendrechts/Jugendschutzes in Europa
6.2.1Zivilrecht
6.2.2Kriminalrecht/Strafrecht
6.2.3Jugendgerichtsbewegung

7. Jugend im internationalen Vergleich

8. Korrelationen?

9. Schonraum Jugend

10. Schlußbetrachtung

11. Dank

Kurzfassung

Anlage 1: Jugend in der Alltagssprache

Anlage 2: Experteninterview

Anlage 3: Lebensphasen während der Lebensspannen im historischen Vergleich

Anlage 4: Lebensphasen in der vorindustriellen Gesellschaft

Anlage 5: Erwerb rechtlich festgelegter Teilreifen

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

“Immer diese Jugend ...” In dieser Redensart pflegt sich eine Haltung unserer Gesellschaft gegenüber denen auszudrücken, die noch nicht erwachsen sind. Fast scheint es der Preis für Jugendlichkeit zu sein, daß die erwachsene Gesellschaft sich besorgt zeigt, kritisiert, argwöhnt oder schimpft. Die Anlässe sind beliebig, die Melodie wechselt, doch das Thema kehrt immer wieder: “die Jugend” fällt aus dem Rahmen dessen, wie die Erwachsenenwelt sich die Jugend wünscht.[i] Gleichzeitig wird Jugend in der Literatur, in den Massenmedien, im Sport, im Freizeitverhalten und in der Reklame als Ideal gepriesen.

Ob nun mit einem Seufzer oder mit wohlwollender Anerkennung über die Jugend gesprochen wird – sie steht immer im Mittelpunkt erhöhter Aufmerksamkeit; so auch bei meiner Seminararbeit, wenn ich der Frage nachgehe: Was ist Jugend?

2. Ziele der Seminararbeit

Eine begriffliche Definition von “Jugend” fällt schwer. “So wie der Förster, der Jäger, der Sonntagsspaziergänger und der Soldat denselben Wald unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, genau so wird das, was man gemeinhin als Jugend bezeichnet,”[ii] unterschiedlich interpretiert. Es gibt weder in der Alltagssprache[iii] noch in der Fachsprache der Soziologie[iv], der Psychologie, der Pädagogik etc. nur einen Bedeutungsinhalt[v] [vi] des Begriffs Jugend.

Trotz allem möchte ich mit meiner Seminararbeit eine Antwort auf die Frage: “Was ist Jugend?” geben; dabei beschränke ich mich auf die soziologische und rechtliche Sichtweise; zugleich betrachte ich die Geschichte der Jugend. Insbesondere die historische Betrachtungsweise soll die Voraussetzungen zu einer angemessenen Interpretation “der Jugend” schaffen und damit auch zur Lösung heutiger Probleme im Umgang mit Jugendlichen beitragen.

3. Methodik

Um die jeweiligen Sichtweisen zu verdeutlichen, versuche ich die Jugend getrennt, jeweils mit der Brille des Soziologen, des Juristen und des Historikers zu betrachten, wohlwissend, daß sich die verschiedenen Interpretationen wechselseitig beeinflussen und so auch Abhängigkeiten schaffen.

Ausgehend von der gegenwärtigen Situation bzw. den aktuelleren Entwicklungen soll auch ein Blick in die Geschichte der Jugend unternommen, ein historischer Vergleich angestellt werden.

Das Ergebnis dieser Arbeit beruht zum einen auf einer umfassenden Literaturanalyse; zum anderen führte ich eine Befragung (Anlage 1) durch; schließlich versuchte ich die Informationssammlung zum Thema mit Hilfe eines Experteninterviews (Anlage 2) zu komplettieren.

4. Jugend – ein modernes Phänomen

Als gesellschaftliches Massenphänomen entstand Jugend erst in der neueren Geschichte und ist erst seit ca. 100 Jahren “Objekt der Soziologie”.[vii]

Noch zur Jahrhundertwende war Jugend als eine eigene Phase im menschlichen Lebenslauf nicht bekannt oder kristallisierte sich erst allmählich heraus. “Im ersten Drittel unseres Jahrhunderts hat sich die bis dahin als einzige dem Erwachsenenalter vorgelagerte Lebensphase Kindheit in eine frühe und in eine späte Phase aufgegliedert, wobei die spätere Phase den Namen Jugendphase erhielt.”[viii] [ix]

4.1 Gibt es die Jugend?

Die Frage, ob es überhaupt die Jugend gebe, wird widersprüchlich beantwortet. Je nach Standpunkt “wird mit NEIN oder JA geantwortet.”[x]

4.1.1 Die ablehnende Position

“Jeder junge Mensch hat unterschiedliche Sozialisationserlebnisse hinter sich, je nach Herkunft, Schichtzugehörigkeit, Bildungsgrad der Eltern, unterschiedlicher Verfügung über Eigentum und Macht. Daher ist jeder Jugendliche anders geprägt.”[xi] Entsprechend der “Verschiedenartigkeit der Lebensumstände”[xii] zeigt die Jugend sehr unterschiedliche Gesichter und macht es folglich unmöglich, von der Jugend zu sprechen.

4.1.2 Die befürwortende Position

Es steht außer jedem Zweifel, daß es in der menschlichen Entwicklung Reifungsprozesse gibt, die zu verschiedenen Zeiten ähnliche Verhaltens- und Erlebensweisen zeigen.

Der soziologische Standpunkt besagt, daß die junge Generation unter anderen sozialen Bedingungen aufwächst als die ältere Generation. Es gibt daher in dieser Altersstufe besondere Prägungen durch das Verhältnis des jungen Menschen zu den verschiedenen Sozialfeldern. Es treten “altersspezifische Rollenkonflikte und alterspezifische Formen der Konfliktlösung auf, ebenso altersspezifische Formen der ökonomischen und der normativen

Abhängigkeit und der Minderheiten-Konstellation.”[xiii] Auch machen es ähnliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen möglich, Phasen ähnlichen Erlebens und Verhaltens zu bestimmen:

Die Familien als Umwelt der jungen Menschen unterscheiden sich zwar “durch ihren Lebens- und Freizeitstil, durch ihre Einstellungs- und Normmuster und durch den Grad ihrer ökonomischen Abhängigkeit und Schichtzugehörigkeit. Aber auch die Familien unterstehen als Institution den Normen und Erwartungshaltungen der Gesellschaft, die den Freiheitsraum auf wenige Verhaltensmodalitäten einschränken.”[xiv]

Auch das Lebensfeld Schule als Umfeld des Jugendlichen unterscheidet sich “nach dem Erziehungsstil, nach der didaktischen Kompetenz und nach der persönlichkeitsgesteuerten Interaktion des Lehrers. Dennoch unterstehen die Schulen Rahmenbedingungen: für Altersstufen und Schultypen gelten die gleichen Lernziele; Gleichaltrige werden mit gleichen Lehrmitteln und von gleichen Lehrer unterrichtet.”[xv]

Zudem gibt es für die Soziologie auch schon deshalb ein “Objekt Jugend”, weil sich eine bestimmte Altersgruppe benennen läßt, die im Selbst- und Fremdverständnis Jugend ist.[xvi]

4.2 Die Jugend als Konstrukt/Abstraktion

“Da unser Denken Prozesse nicht dynamisch, sondern nur komparativ statisch nachvollziehen kann, werden Prozesse künstlich in verschiedene Stufen unterteilt.”[xvii] Die Begriffe Jugend/Jugendliche bzw. Erwachsene zeigen eine solche künstliche Unterteilung.

Es gibt aber in unserer Gesellschaft keine eindeutigen sozialen Grenzen zwischen der Jugend und den Erwachsenen. Je nach Altersstufe, sozialem Milieu und je nach Epoche wirken verschiedene soziale Einflüsse mit unterschiedlicher Intensität auf den Jugendlichen ein, so daß der Begriff Jugend verschieden abgegrenzt und unterteilt werden muß. Deshalb ist auch der im folgenden unternommene Versuch einer Abgrenzung des Begriffs Jugend höchstens “ein gedankliches Hilfskonstruktum[xviii], ein Versuch, einen Prozeß komparativ statisch darzustellen.

4.3 Die Jugend als Übergangsphase

Nach den klassischen Lehrbüchern der Jugendsoziologie wird die Jugend “als Übergangsphase von der Kindheit in die sozialgenerell und endgültig gedachte Rolle des Erwachsenen” [xix] bezeichnet.Die Jugend stellt sich somit als Altersstufe dar und ist wesentlich ein Durchgangsstadium, ein Übergang, eine Vorbereitung auf die erwachsenen

Rollen, ein Prozeß der Integrierung in die Kultur der Erwachsenen. In dieser Perspektive kann die Jugendphase “als der entscheidende Lebensabschnitt definiert werden, in dem die in der Kindheit bereits erworbenen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten so weiterentwickelt und entfaltet werden, daß die für die Übernahme der späteren Erwachsenenrolle wichtigen Kompetenzen erworben werden.”[xx]

4.3.1 Abgrenzung Kindheitsalter – Jugendalter

In einigen (größtenteils älteren) jugendsoziologischen Publikationen[xxi] wird Jugend “als Periode zwischen biologischer Geschlechtsreife und sozialer Reife definiert. So ließe sich sagen, Jugendlicher sei, wer mit der Pubertät die biologische Geschlechtsreife erreicht habe, ohne daß ihm die Gesellschaft die soziale Reife zuerkannt habe.”[xxii] Das Erreichen der biologischen Reife[xxiii] [xxiv] kann mehr oder weniger eindeutig festgestellt werden. Hinsichtlich des mit der Geschlechtsreife sich vollziehenden Eintritts in die Jugendphase sollte jedoch nach Mädchen und Jungen differenziert werden; und zwar derart, daß bei Annahme geschlechtsspezifischer Reifedaten der Beginn der männlichen Jugendzeit um das 13. Lebensjahr, der der weiblichen um etwa 8 Monate früher angesetzt wird.[xxv]

In neueren jugendsoziologischen Werken[xxvi] wird der Eintritt in das Jugendalter auch als Statusübergang bezeichnet und ist somit “auf keinen festen Zeitpunkt nach biologischem Alter festzulegen”[xxvii]. Jugend ist demnach keine Altersphase oder ein Naturprodukt wie die Pubertät, “sondern ein soziokulturelles Phänomen, das in seinen Erscheinungsformen historisch-gesellschaftlichen Dimensionen unterworfen ist.”[xxviii]

Typisch für die modernen Industriegesellschaften ist nun aber, daß dieser Statusübergang nicht so eindeutig definiert und zeitlich fixiert ist, “daß eine klare und unzweideutige Angabe möglich wäre, wann der Übergang vom Status Kind in den Status Jugendlicher erfolgt.”[xxix] Erkennbar ist jedoch eine schrittweise Erweiterung der Handlungsspielräume, “die eine gleichzeitige Erweiterung der Rollenvielfalt mit sich bringt.”[xxx] Neben der intellektuellen und sozialen Kompetenzentwicklung (Leistungsbereich) und der Entwicklung einer eigenen Geschlechtsrolle/des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen sind die Entwicklungen im Bereich der Konsum- und Freizeitorientierungen und der politischen Partizipation von Bedeutung.[xxxi]

Nun erfolgt der Eintritt in die Rolle des selbständig Leistung Erbringenden schon mit der Aufnahme in das allgemeinbildende Schulsystem, also mit etwa 6 oder 7 Jahren. Aber erst “mit dem Übergang in weiterführende Schulen und Bildungsgänge im Alter von etwa 10 bis

12 Jahren und der Intensivierung der Leistungsanforderungen in den Schulen ist durchaus eine qualitative soziale Ablösung von den Eltern gegeben und tritt eine deutliche Hinwendung zur Gleichaltrigengruppe mit Selbstbestimmung der Sozialkontakte als Kriterium hinzu, so daß sich auch aus soziologischer Perspektive genügend Argumente finden, um einen qualitativen Einschnitt beim Übergang von der Kindheit in das Jugendalter in dieser Alterszone zu konstatieren.”[xxxii]

4.3.2 Abgrenzung Jugendalter – Erwachsenenalter

“Wie sieht es mit der soziologischen Definition des Austritts aus dem Jugendalter aus? Wie läßt sich der Statusübergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen definieren?”[xxxiii] Wer gilt als Erwachsener?

Der Übergang in den Erwachsenenstatus gilt dann als vollzogen, wenn in den zentralen gesellschaftlichen Positionen die volle Selbständigkeit als Gesellschaftsmitglied erreicht, und “innerhalb relativ stabiler sozialer Positionen die allgemeinen Rechte und Pflichten zur verantwortlichen Teilnahme an den wesentlichen Grundprozessen der Gesellschaft”[xxxiv] übernommen wurden.

Dabei haben in den industriellen Gesellschaften westlichen Typs vor allem Schulabschluß und Berufseintritt eine große Bedeutung im Prozeß des Statusübergangs; vor allem die Übernahme der Berufsrolle (Eintritt in das Erwerbsleben) kann in soziologischer Sicht als Eintritt in die dominante Teilrolle des Erwachsenenstatus gewertet werden.[xxxv]

Daneben kann die Heirat bzw. die feste Partnerbindung als weiteres herausragendes Ereignis angesehen werden, “das den Übergang vom Jugendstatus in den Erwachsenenstatus sinnfällig markiert.”[xxxvi]

Die wichtigsten Teilbereiche der Erwachsenenrolle sind folglich “die berufliche und die interaktiv-partnerschaftliche Rolle”,[xxxvii] und so ließe sich in positiver Wendung “die Phase der Jugend als jene bestimmen, in der im Hinblick auf Beruf und Partner die Objektwahl zunehmend motiviert, aber noch nicht institutionell vollzogen wird.”[xxxviii]

Berufseintritt und Heirat bzw. Partnerwahl stellen aber keineswegs zeitlich notwendigerweise zusammenfallende Statuswechsel dar. Diese Statusdiskrepanz ist dadurch gekennzeichnet, daß die im Hinblick auf Beruf und Familie zu leistende Objektwohl in einer Hinsicht abgeschlossen ist, in anderer Hinsicht nicht. “In welchem Maße und auf welche Weise aus dieser Diskrepanz Spannungen und spezifische Verhaltensreaktionen entstehen, ist auch im Rahmen der Jugendforschung nicht zu bestimmen.”[xxxix]

4.4 Sozialer Wandel

Die Lebensumstände, in denen Jugend sich abspielt, verändern sich dauernd, und mit ihnen verändert sich die Jugend. Die Soziologie spricht vom sozialen Wandel.

4.4.1 Sozio-kultureller Wandel

Die sozio-kulturelle Verselbständigung der Jugendlichen setzt (etwa aufgrund eines veränderten tolerant-aufgeschlossenen Erziehungsverhaltens der Eltern, wegen der Kommerzialisierung des Jugendfreizeitverhaltens, der nivellierenden Wirkung von Schule und Medienkonsum u. v. a. m.) in jüngeren Lebensphasen ein als früher.[xl]

Begünstigt wird diese Entwicklung auch aufgrund der gewachsenen Bedeutung informeller Gleichaltrigengruppen und –beziehungen; diesbezüglich läßt sich folgendes sagen: Die bisher vertikal geprägte Kommunikationsstruktur zwischen unterschiedlichen Generationen (zwischen Alten und Jungen) entwickelt sich hin “zur horizontal orientierten Kommunikationskultur (zwischen den Gleichaltrigen), mit der Folgewirkung: Separation der Alterskohorten gegeneinander; Erschwerung der gesellschaftlichen Integration der nachwachsenden Generation; lückenhaftere Weitergabe kultureller sowie tradierter Werte und Normen; Verstärkung gesellschaftlicher Desintegration.”[xli]

Die Gestalt der Familienrolle ändert sich in den letzten Generationen auch aufgrund anderer Umstände spürbar. War in früheren Generationen ein zeitliches Zusammenfallen von Heirat und Geburt eigener Kinder charakteristisch, so fallen heute diese beiden Teilereignisse oft um viele Jahre auseinander; in weiten Bereichen der jungen Generation wird das Ereignis feste Partnerbindung sogar völlig unabhängig von dem Ereignis eigene Kinder gesehen. Insgesamt hat die Teilpassage Übernahme der Familienrolle in den letzten zwei Generationen deutlich an strukturierender Bedeutung eingebüßt; bei einer großen Minderheit der entsprechenden Altersgruppen der Bevölkerung wird die Geburt und Erziehung eigener Kinder inzwischen schon nicht mehr als unbedingt konstitutiver Bestandteil des Erwachsenenalters angesehen. Ein solcher Gestaltwandel ist auch für die Rolle des politischen und des Wirtschafts- und Konsumbürgers festzustellen. Beide Teilrollen haben durch diese Veränderungen eher an Stellenwert gewonnen. [xlii]

4.4.2 Bildungswesen und Arbeitsmarktsituation

Es kam in den letzten Jahrzehnten auch zu einer drastischen Verlängerung der Schul- und Ausbildungszeit und zu einer Verkomplizierung der Übergänge aus dem Bildungswesen in stabile Beschäftigung. [xliii] Die ökonomische Selbständigkeit wird folglich heute sehr viel später erreicht als in früheren Jahrzehnten.[xliv]

“Wegen der tendenziellen Abwertung der unteren Bildungsabschlüsse zugunsten höherer, sowie wegen der durch den generell verengten Arbeitsmarkt verursachten höheren interindividuellen Konkurrenz wächst die Nachfrage nach sog. weiterführenden Bildungsgängen und höheren Bildungsabschlüssen.”[xlv] Der Berufseintritt vollzieht sich heute kaum noch geradlinig, sondern häufig über Umwege, Zwischenschritte, Umschulungen und Weiterqualifizierungen verschiedenster Art sowie durch die oft zitierten Warteschleifen hindurch. Dies führt zu einem Anstieg des durchschnittlichen formalen Bildungsniveaus der jungen Generation, was aber wiederum die Ausgangspositionen für die Konkurrenzbeziehungen beim Übergang in den Erwerbsbereich erhöht; die vorausgesetzten Eingangsqualifikationen schaukeln sich auf. Dadurch steigen abermals die Erwartungen an die Jugendlichen, einen (noch) höheren Bildungsabschluß anzustreben (Qualifikationsparadox[xlvi] ).

“Nach der Ausbildung ist dann das Jungsein belastet mit den Orientierungsproblemen und Erschwernissen des Einstiegs in das Beschäftigungssystem. Diese sog. zweite Schwelle des Übergangs von der Berufsausbildung bzw. dem Studium in den Erwerbsbereich, stellt schon seit vielen Jahren einen neuralgischen Punkt in der Entwicklung Heranwachsender dar.”[xlvii]

Die Krisen im Erwerbsarbeitssektor, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Rationalisierung und Abbau oder Verlagerung von Beschäftigung haben inzwischen das Zentrum der Jugendphase erreicht, indem sie ihren Sinn in Frage stellen. Wenn die Arbeitsgesellschaft zum Problem wird, dann muß auch die Jugendphase als Phase der biografischen Vorbereitung auf diese Gesellschaft zum Problem werden.[xlviii]

4.4.3 Zunahme der Lebenserwartung

Neben den allgemeinen kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind vor allem die demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte (Zunahme der allgemeinen Lebenserwartung und des Anteils alter und sehr alter Menschen) für eine verstärkte Ausdifferenzierung der Lebensphasen verantwortlich.[xlix] [l]

4.5 Verlängerung der Jugendphase/Postadoleszenz

“Jugend wurde früher für das Alter von rund 14 – 18 Jahren definiert.” [li]

Aufgrund der erwähnten gesellschaftlichen Wandlungs- und Modernisierungsprozesse, der demographischen Veränderungen, insbesondere aber aufgrund der verlängerten Sozialisationsprozesse, die der Berufswahl vorausgehen, dehnt sich die Kategorie Jugend[lii] sowohl zur Kindheit wie zum Erwachsensein hin aus und die Jugendphase wird uneinheitlicher;[liii] die Jugendtheoretiker sprechen von einem “tiefgreifenden Strukturwandel der Jugend.”[liv]

Heute ist für Jugendliche typisch, daß sie im Bereich der politischen Partizipation und der wirtschaftlich-konsumistischen Partizipation schon sehr früh in die Rolle des Erwachsenen einrücken können. “Schon in der jüngeren Altersgruppe zwischen 9 und 14 setzt die Prägung durch Konsumkultur und Medien und die Orientierung an den Gleichaltrigen ein.”[lv]

Im Bereich der Familienrolle und erst recht im Bereich der Erwerbstätigenrolle erreichen sie erst sehr spät diesen Status;[lvi] so ist der Anteil Jugendlicher an den Altersgruppen vor allem des zweiten, aber auch des dritten Lebensjahrzehnts deutlich angestiegen.[lvii]

Die Jugendphase läßt sich heute in die pubertäre Phase (Jugendliche im engeren Sinn, 13- bis 18jährige), die nachpubertäre Phase (Heranwachsende, 18- bis 21jährige) und die Nachjugendphase[lviii] (die jungen Erwachsenen, 21- bis 25jährige, ggf. ältere) unterteilen.[lix]

Zwischen Jugend und Erwachsensein tritt eine neue gesellschaftlich regulierte Altersstufe. Das heißt, zunehmend mehr Jüngere treten nach der Jugendzeit als Schüler nicht ins Erwerbsdasein, sondern in eine Nach-Phase des Jungseins über. Sie verselbständigen sich in sozialer, moralischer, intellektueller, politischer, erotisch-sexueller, kurz gesprochen in soziokultureller Hinsicht, tun dies aber, ohne wirtschaftlich auf eigene Beine gestellt zu sein, wie das historische Jugendmodell es vorsieht. Das Leben als Nach-Jugendlicher bestimmt das dritte Lebensjahrzehnt. In den USA hat man für die historisch neuartige und lebensgeschichtlich spätere Phase des Jungseins (für die 18- bis 25jährigen oder noch älteren, die ihren sozialen Status nach als Jugend anzusehen sind) den Begriff der “Post-Adoleszenz”[lx] geprägt.

4.6 Jugend als eigene Lebensphase

Das Verständnis von Jugend als Übergangsphase (Statuspassage) ist durch die aufgezeigten Entwicklungen verunsichert worden “und zu heutigen Überlegungen für ein Jugendverständnis kein tragfähiger Rahmen mehr.”[lxi] Nach allgemeinem Konsens in der Jugendforschung hat “die Jugendphase heute ihre deutliche Abgrenzung sowohl von der Kindheit wie von der Erwachsenenrolle verloren.”[lxii]

Wegen der Verlängerung der Jugendzeit (für Jungen wie für Mädchen), “wegen des Auseinandertretens von soziokultureller Selbständigkeit und Erreichen der ökonomischen Unabhängigkeit, erhält die Jugendphase (v. a. jenseits der Volljährigkeitsschwelle) einen neuen Zuschnitt: Sie ist keine Sozialisations- und Lernphase innerhalb eines biographischen Übergangs mehr, sondern sie verselbständigt sich, wird eine eigenständige Lebensphase [lxiii] mit eigener Prägung und spezifischen Möglichkeiten und Belastungen der Lebensführung.”[lxiv]

Dies wird deutlich, wenn wir uns vor Augen führen, welche wichtigen Entscheidungen über das gesamte Leben in diesen Jahren stattfinden. Jugendliche stehen vor wichtigen Fragen und das Problem der Lernbewältigung stellt sich auch schon in dieser Jugend-Phase: Welchen Schulabschluß man anstrebt, wie man den Lebensunterhalt sichert, Berufsperspektiven realisiert oder an bezahlbaren Wohnraum kommt.[lxv] [lxvi]

4.7 Perspektivenwechsel

Die Kategorie Jugend wurde bislang überwiegend aus der Sicht der Erwachsenen untersucht und erforscht, also aus einer völlig anderen Position mit völlig anderer Sichtweise als jener der Zielgruppe.[lxvii]

Untersucht man beispielsweise die Bedingungen der Plazierung Jugendlicher in Berufspositionen , “so ist erstens zu bedenken, daß es dabei um den Erwerb von Positionen geht, welche nicht von Jugendlichen, sondern von Erwachsenen definiert werden, und zwar im wesentlichen nach den Leistungs- und Organisationsbedingungen des jeweiligen Arbeitsfeldes. Zweitens ist zu berücksichtigen, daß sich im Berufsbereich die Positionsbesetzung nach Bedingungen vollzieht, die wiederum mehr von Erwachsenen als von Jugendlichen bestimmt werden. Letzlich erteilen Erwachsene als Arbeitgeber den Zuschlag. Das heißt nun: Jugendliche können ihr Ziel, einen Beruf zu erreichen, der sie selbst erwachsen macht, nur aufgrund relativ starker Konformität mit schon vorhandenen Erwachsenenerwartungen erreichen.[lxviii]

In der letzten Jugendstudie von Shell[lxix] wurde nun ein Perspektivenwechsel vorgenommen: Ziel war u. a., “so gut wie möglich nicht mit dem Blick und den Fragen der Erwachsenengesellschaft an die junge Generation heranzugehen, sondern Jungsein aus der Perspektive der Jugendlichen selbst zu porträtieren.”[lxx] Die in Deutschland Befragten im Alter von 12 bis 24 Jahren[lxxi] wurden gebeten, mitzuteilen, ob sie sich eher als Jugendliche(r) bzw. eher als Erwachsene(r) sehen und gegebenenfalls wie schnell sie ein Erwachsener werden möchten. Fast zwei Drittel der jungen Menschen der Stichprobe sahen sich als Jugendliche, ein gutes Drittel als Erwachsene. Differenzierungen zwischen Jungen und Mädchen gab es kaum, wohl aber sehr deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. “Gut 10 % weniger der Befragten, also eine beträchtliche Zahl, sehen sich in Ostdeutschland als Erwachsene(n). Dies korrespondiert sehr auffällig mit den größeren Problemen des Erwachsenwerdens im Osten, die sich in Lehrstellenmangel und Arbeitslosigkeit ausdrücken.”[lxxii]

Offensichtlich führen die größeren Schwierigkeiten an der Schwelle zwischen Jugendphase und (auch ökonomisch) unabhängigem Erwachsenenstatus dazu, daß man sich länger als Jugendliche(r) erlebt.

4.8 Fazit und zukünftige Entwicklungen

Die Entwicklung unserer Gesellschaft lief und läuft in Richtung auf Ausweitung, Differenzierung, Mobilisierung und Komplizierung. Je komplizierter jedoch “die Wirtschaftsweise einer Gesellschaft und je höher deshalb das Niveau ihrer Berufsweise, um so länger dauert die als notwendig erachtete Reifezeit ihres Nachwuchses”[lxxiii] und um so länger dauert folglich die Jugendphase. Diese Sichtweise macht deutlich, daß Jugend ein modernes Phänomen ist.

5. Jugend als historisches Produkt

Soziale Phänomene wie die Jugend werden in ihrer jeweiligen kulturellen und zeittypischen Besonderheit umso plastischer, je mehr sie im Spiegel anderer Möglichkeiten gesehen werden. Hierzu rechnet auch der “historische Vergleich”. [lxxiv]

Es gab natürlich immer und überall “Jungsein” als Anfangsstadium des menschlichen Lebens, wie es auch immer und überall “Alte” gegeben hat. Es findet sich aber keineswegs immer und

überall “Jugend” als eigenständige, mit einer eigenen Lebensform von Jugendlichkeit ausgefüllte Lebensphase. “Zumeist gibt es eine sozial und kulturell überformte Dreiteilung der Lebensphasen in Kindheit, Erwachsensein und Alter. Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein ist häufig ziemlich abrupt.”[lxxv]

5.1 Von der Antike bis zum Mittelalter

Eine frühe Ausnahme von der Regel der Dreiteilung der Lebensphasen machten die Griechen.Bei ihnen findet sich seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. eine differenzierte Lebensphasenlehre, auch wenn die Einteilung noch mehr an astrologischen Vorbildern als an tatsächlich beobachteten Entwicklungsverläufen orientiert war.

[...]


[i] DEUTSCHES JUGENDINSTITUT, GAISER u. a., 1985, S. 7

[ii] SCHIFFER, 1972, S. 15

[iii] ANLAGE 1, Jugend in der Alltagssprache

[iv] SCHÄFERS, Prof. Dr.,1998, S. 21 Aus soziologischer Perspektive sind für die Gegenwartsgesellschaft folgende Elemente für eine Definition von Jugend zu nennen:- Jugend ist eine Altersphase im Lebenszyklus eines jeden Individuums, die mit dem Einsetzen der Pubertät um das 13. Lebensjahr beginnt; der Jugend als Altersphase geht die Kindheit voraus; es folgen das Erwachsensein und das Alter (so war bereits die Einteilung in der Antike); - Jugend ist die Altersgruppe der etwa 13- bis etwa 25jährigen, die in soziologischer Hinsicht deshalb besonders hervorgehoben werden kann, weil sie typische als “jugendlich” bezeichnete Verhaltensweisen und Einstellungen besitzt; - Jugend ist eine biologisch mit-bestimmte, aber sozial und kulturell “überformte” Lebensphase, in der das Individuum die Voraussetzung für ein selbständiges Handeln in allen gesellschaftlichen Bereichen erwirbt; - Jugend ist eine Subkultur, eine gesellschaftliche Teilkultur; - Jugend ist weiterhin ein “idealer Wertbegriff”, der auf ein in vielen Völkern und Kulturen hoch geschätztes “Gut” verweist: auf Jugendlichkeit.

[v] JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, Jugend ´97, S. 13“Jugend bedeutet ein Doppeltes:sie ist einmal eine subjektive biografische Lebensphase, in der Aufgaben der inneren Entwicklung, des Lernens, der Identitätsbildung anstehen; sie ist zum anderen eine gesellschaftlich bestimmte Lebenslage, abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen und Erwartungen, vor allem aber von der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der zentralen Regelungen und Grundlagen unserer Arbeitsgesellschaft.”

[vi] ANLAGE 2, Experteninterview mit Prof. Kreuzer, zu Frage 1

[vii] SCHÄFERS, a. a. O., S. 20

[viii] HURRELMANN, 1997, S. 26

[ix] ANLAGE 3, Lebensphasen während der Lebensspannen im historischen Vergleich

[x] WIDMER, 1978, S. 28

[xi] ebd., S. 28, 29

[xii] SCHIFFER, a. a. O., S. 17

[xiii] WIDMER, a. a. O., S. 29, 30

[xiv] ebd., S. 32

[xv] ebd., S. 32

[xvi] SCHÄFERS, a. a. O., S. 17 u. 20

[xvii] SCHIFFER, a. a. O., S. 15, 16

[xviii] ebd., S. 16

[xix] HANDBUCH JUGENDHILFEPLANUNG, JORDAN/SCHONE, 1998, S. 35

[xx] HURRELMANN, a. a. O., S. 38

[xxi] so z. B. SCHIFFER, a. a. O.

[xxii] ebd., 1972, S. 16

[xxiii] WIDMER, a. a. O., S. 32“Die biologischen Prozesse der Geschlechtsreifung sind Geschehnisse, die in einer Streuzone von mehreren Jahren bei allen jungen Menschen auf der ganzen Welt ähnlich verlaufen.”

[xxiv] HERRMANN/ROTH, 1980 Die Pubertät und das sie begleitende körperliche Wachstum setzte früher später ein als heute und verlief auch langsamer.“Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts traten die körperlichen Veränderungen, die wir den 12- bis 14jährigen zuordnen, drei bis vier Jahre später ein.Zweifellos entwickelten sich die Kinder der Reichen schneller als die der Armen, da die Ernährung beim Reifungsprozeß eine bedeutende Rolle spielt.Wenn wir einer Enzyklopädie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts glauben dürfen, so war die volle körperliche Kraft erst Ende Zwanzig, manchmal sogar erste Anfang Dreißig erreicht. Ein zusätzlicher und zuverlässigerer Beleg aus medizinischen Aufzeichnungen zeigt, daß wahrscheinlich Mitte Zwanzig die Norm war. Auf alle Fälle hilft uns die Tatsache einer gemächlicheren Reifung erklären, weshalb frühere Generationen von Europäern der frühen Jugend zwischen 10 und 20 als einer Besonderheit wenig Bedeutung zugemessen haben und sie vielmehr jenem längeren Lebensabschnitt zuordneten, den sie Jugend nannten.”

[xxv] SCHÄFERS, a. a. O., S. 79, 80“Einige Teilprozesse und Besonderheiten bei Jungen und Mädchen seien zusammengefaßt :Jungen. Der Beginn der Geschlechtsreife liegt um das 13. Lebensjahr; er kann durch die erste (nicht immer als solche bewußt wahrgenommene) Pollution (Samenerguß) bestimmt werden. Bereits zuvor zeigt sich erste Schambehaarung, entwickeln sich Hoden und Penis. Diese Entwicklung erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. 5 – 8 Jahren. Abweichungen vom durchschnittlichen Eintritt der Geschlechtsreife um das vollendete 13. Lebensjahr nach unten sind seltener und geringer als häufige Verschiebungen nach oben, die bis ins 16. und 17. Lebensjahr reichen können... Mädchen. Vergleichbare Entwicklungen, also Schambehaarung, Geschlechtsreife, Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale, liegen beim Mädchen etwa 8 Monate früher als beim Jungen. Die Menarche (Erst-Menstruation) kann um das vollendete 12. – 13. Lebensjahr angesetzt werden; sie ist nicht nur auffälliger als die (Erst-)Pollution beim Jungen, sondern auch psychologisch von anderer Bedeutung...”

[xxvi] so z. B. HURRELMANN u. SCHÄFER, a. a. O.

[xxvii] HURRELMANN, a. a. O., S. 41

[xxviii] KERNER, 1996, S. 6

[xxix] HURRELMANN, a. a. O., S. 39

[xxx] ebd., S. 39

[xxxi] ebd., S. 40, 41

[xxxii] ebd., S. 41, 42

[xxxiii] ebd., S. 42

[xxxiv] NEIDHARDT u. a., 1970, S. 13

[xxxv] HURRELMANN, a. a. O., S. 46

[xxxvi] ebd., S. 48

[xxxvii] ebd., S. 42 Neben der beruflichen und interaktiv-partnerschaftlichen Rolle sind die Rolle als Kulturbürger (einschließlich der selbständigen Teilnahme am Konsumbereich) und die Rolle als politischer Bürger wichtige Teilbereiche der Erwachsenenrolle.

[xxxviii] NEIDHARDT u. a., a. a. O., S. 14

[xxxix] ebd., S. 13, 14, 15

[xl] HANDBUCH JUGENDHILFEPLANUNG, JORDAN/SCHONE, a. a. O., S. 36

[xli] KUPFERSCHMID u. FUCHS, 1997, in UNSERE JUGEND, Band 49, S. 11

[xlii] HURRELMANN, a. a. O., S. 48

[xliii] HANDBUCH JUGENDHILFEPLANUNG, JORDAN/SCHONE, a. a. O., S. 36 ff. 1962 waren fast “40 % der Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren erwerbstätig (hinzu kamen nochmals fast 40 % Auszubildende) und nur knappe 20 % waren noch Schüler, im Jahr 1983 dagegen waren nur noch weniger als 5 % der jungen Menschen in diesem Alter schon erwerbstätig (ein Drittel waren Auszubildende); aber fast 60 % waren Schüler. 1994 dagegen sind von allen jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren nur noch 1 % schon erwerbstätig; ein Drittel sind Auszubildende, aber gut 50 % sind Schüler. Bis zum Erreichen der Volljährigkeit heißt Jungsein heute deshalb für die Mehrheit Schüler-sein”

[xliv] ebd., S. 36

[xlv] ebd., S. 36

[xlvi] ebd., S. 37

[xlvii] ebd., S. 37

[xlviii] JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, a. a. O., S. 13

[xlix] DEUTSCHER VERKEHRSSICHERHEITSRAT e. V., Jugendliche im Straßenverkehr, 1994

[l] SCHÄFERS, a. a. O., S. 23

[li] KUPFERSCHMID u. FUCHS, a. a. O., S. 11

[lii] DEUTSCHER VERKEHRSSICHERHEITSRAT e. V., a. a. O.“Neben den allgemeinen kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind vor allem die demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte für eine verstärkte Ausdifferenzierung der Lebensphasen verantwortlich”

[liii] NEIDHARDT u. a., a. a. O.,S. 18, 19

[liv] JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, a. a. O, S. 285

[lv] KUPFERSCHMID u. FUCHS, a. a. O, S. 11

[lvi] HURRELMANN, a. a. O., S. 49

[lvii] NEIDHARDT u. a., a. a. O., S. 18, 19

[lviii] ANLAGE 3, Lebensphasen während der Lebensspannen im historischen Vergleich

[lix] SCHÄFERS, a. a. O., S. 22, 23

[lx] ebd., S. 23

[lxi] JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, a. a. O, S. 285

[lxii] HANDBUCH JUGENDHILFEPLANUNG, JORDAN/SCHONE, a. a. O., S. 36

[lxiii] ESSENER UNIVERSITÄTS-SYMPOSIUM, 1982, GEISSLER, S. 210, 211“Die Theorie von der Eigenständigkeit der Altersphasen wendet sich gegen die bewußte oder latente -–und als solche heute noch überall erkennbare – Auffassung, die menschliche Entwicklung vom Kind über den jungen Menschen zum Erwachsenen sei eine kontinuierliche Höherentwicklung. Das Kind und auch noch der junge Mensch ständen unter dem Signum des “Noch-Nicht”: noch nicht mündig, noch nicht erwerbstätig, noch nicht verantwortlich. Erziehung und Bildung hätten folglich die Aufgabe, dieses “Noch-Nicht” kontinuierlich abzubauen, in andere Worte übersetzt: den jungen Menschen mündig zu machen.... das menschliche Entwicklung komplex und voller Widersprüche ist. Es gibt nicht nur eine Höherentwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Es gibt genauso eine Abwärtsentwicklung im Weitergehen vom Kind über den Jugendlichen zum Erwachsenen, das bedeutet einen Verlust. Kindheit und Jugend besitzen – so diese Annahme – Lebensqualitäten, die im Fortgang der Entwicklung verloren gehen. Beim Jugendlichen ist es – wie dies vor allem Eduard Spranger in seiner Psychologie des Jugendalters sicherlich unter starkem Eindruck der Jugendbewegung, beschrieben hat, - die jugendliche Kraft zum Unbedingten, die Fähigkeit zum Idealismus und damit auch zum Altruismus und der ausgeprägte Sinn für Gerechtigkeit.”

[lxiv] HANDBUCH JUGENDHILFEPLANUNG, JORDAN/SCHONE, a. a. O., S. 38

[lxv] ebd., S. 38

[lxvi] NRW-LEXIKON – Jugend, 08.12.98, http://www.NRW.de

[lxvii] VAITKUS, 1988, S. 24

[lxviii] NEIDHARDT u. a., a. a. O., S. 23, 24

[lxix] JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, a. a. O.ein Perspektivenwechsel wurde bereits in der 10. und 11. Shell-Jugendstudie vorgenommen

[lxx] ebd., S. 285

[lxxi] ebd., S. 280, 281“Die Jüngsten (12- bis 14Jährige) werden gerne als Kids bezeichnet; sie stehen in der lebensaltermäßigen Übergangsphase von der Kindheit zur Jugendphase, sie sind nicht mehr Kinder, aber auch noch nicht ganz Jugendliche...”“Die Älteren, das sind Berufstätige, Studenten, aber auch Arbeitslose, jene Gruppe, die man gerne auch junge Erwachsene nennt... sind sie im Durchschnitt gleicht alt, nämlich 22,4 Jahre. Sie sind längst soziokulturell mündig in dem Sinn, daß sie über ihre biografischen Entscheidungen und ihren Lebenswandel und Lebensstil selbständig entscheiden. Sie befinden sich aber oft noch in einer ökonomisch instabilen oder teilweise abhängigen Position... In gewisser Weise und etwas vergröbernd könnte man – entsprechend zu den Kids sagen – sie sind nicht mehr Jugendliche, aber in Hinsicht auf ökonomische Selbständigkeit noch nicht (ganz und stabil) Erwachsene. Die Chancen, die Jugendphase erfolgreich (nämlich zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit hin) abzuschließen, sind deshalb das beherrschende Lebensthema in dieser Altersgruppe.”

[lxxii] ebd., S. 285

[lxxiii] NEIDHARDT u. a., a. a. O., S. 17, 18

[lxxiv] SCHÄFERS, a. a. O.

[lxxv] ebd., S. 45

Details

Seiten
48
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783656093633
ISBN (Buch)
9783656093442
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184445
Note
Schlagworte
jugend soziologische einordnung Gesellschaft Polizei Integration Desintegration Recht Historie Soziologie rechtliche historische Jugendliche

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Titel: Was ist Jugend?