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Der Einfluss der demografischen Entwicklung auf das deutsche Gymnasium

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die demografische Lage Deutschlands
1.1 Die bisherige demografische Entwicklung
1.2 Die momentane demografische Lage

2. Die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung
2.1 Ergebnisse der Bevölkerungsprognose
2.2 Die Auswirkung auf die Schülerzahl am Gymnasium bis 2025

3. Probleme des Schülerrückgangs

4. Die Folgen des Schülerrückgangs am konkreten Beispiel Sachsen und Nordrhein-Westfalen
4.1 Unterschiede der demografischen Entwicklung in Ost- und Westdeutschland
4.2 Sachsen
4.3 Nordrhein-Westfalen

5. Handlungsansätze

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit 2005 sinken erstmals an deutschen Schulen die Schülerzahlen und dies im großen Ausmaß. Die Konsequenzen zeichnen sich jetzt schon deutlich ab. Immer weniger Klassen gibt es in den Jahrgängen. Kurse in der gymnasialen Oberstufe können aufgrund der geringen Schülerzahl nicht mehr angeboten werden und besonders in Ostdeutschland mussten bisher viele Schulen geschlossen werden. Diese Arbeit soll einen Überblick über die momentan ablaufenden demografischen Prozesse und die Auswirkungen auf die Schullandschaft insbesondere die Gymnasien in diesem Land geben, wobei natürlich das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der schulpflichtigen Personen gegeben wird. Auf dieser Grundlage werden schließlich Probleme, mit denen infolge des Prozesses gerechnet werden muss, besprochen und schließlich an den konkreten Beispielen der Bundesländer Sachsen und Nordrhein- Westfalen verdeutlicht. Zum Abschluss sollen noch einige Handlungsansätze präsentiert werden, die mithilfe schulpolitischer Reformen die Gymnasien an die demografische Situation anpassen können.

Als grundlegende Literatur dienten vor allem statistische Analysen des Bundes und der Länder, sowie die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen des statistischen Bundesamtes. Da der Bevölkerungsrückgang in Deutschland ein höchst aktuelles Phänomen ist, sollte vermieden werden, überholte Literatur zu benutzen. Stattdessen wurde ein Großteil der Informationen aus aktuellen Publikationen verschiedenster Ämter herangezogen, um die Gegenwärtigkeit des Themas zu betonen.

1. Die demografische Lage Deutschlands

1.1 Die bisherige demografische Entwicklung

Um nachzuvollziehen auf welcher Grundlage sich die momentane Altersstruktur in Deutschland zusammensetzt, muss zunächst ein Blick auf die bisherigen demografischen Vorgänge geworfen werden. Nur so ist zu erklären, warum seit dem Jahre 2003 die Bevölkerungszahl rückläufig ist.1

Beginnen soll diese Analyse nach dem 2. Weltkrieg. Aus den 50er und 60er Jahren ging die sogenannte Babyboom-Generation hervor, die sich durch eine Euphorie- stimmung nach dem Kriegsende erklären lässt. Diese Zeit wird auch das Golden Age of Marriage genannt, da es zu vermehrten Eheschließungen kam. In diesen Ehen „reproduzierten“ sich die Partner, indem sie durchschnittlich mindestens 2 Kinder bekamen.

Ab 1965 wurde dieses traditionelle Familienbild jedoch infolge der Emanzipations- bewegung langsam abgelöst. Verbesserte Verhütung (aufgrund der zu der Zeit erscheinenden Antibaby-Pille wird von dem plötzlich rapide sinkenden Geburtenzahlen auch vom sogenannten „Pillenknick“ gesprochen) und ein erhöhter Selbstbestimmungswunsch der Frau führten dazu, dass sich ab diesen Zeitpunkt die Elterngeneration nicht mehr reproduzierte.2 3

2. demographische Übergang genannt.

Die Generation, die in dieser Zeit (also etwa zwischen 1965 und 1975) geboren wurde, ist mittlerweile selbst eine Elterngeneration. Hier greifen nun zwei Prozesse ineinander. Weniger Menschen können weniger Nachwuchs erzeugen. Außerdem hat sich der Trend nach mehr Selbstbestimmtheit und dem Streben nach Karriere seit den 60er Jahren nicht verändert. Im Gegenteil. Die Frauen bekommen immer später und immer weniger Kinder. So liegt momentan der Durchschnitt bei 1,4 Kindern je Frau.4

1.2 Die momentane demografische Lage

In dem nebenstehenden Diagramm werden die Konsequenzen aus dem im vorherigen Kapitel be- schriebenen Geburtenrückgang deutlich. Die unter 20-jährigen stellen lediglich noch einen Anteil von 18,3% an der Gesamt- bevölkerung der Nation dar. Der leichte Anstieg dieser auf 82,3 Millionen Menschen im Jahr 2000 lässt sich nur durch die steigende Lebenserwartung und der damit er- höhten Anzahl der über 60-jährigen erklären. Seit 2005 ist die Zahl der Bevölkerung jedoch rückläufig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Bundeszentrale für politische Bildung: Alters- struktur und Bevölkerungsentwicklung. <http://www.bpb .de/popup/popup_bild.html?guid=BKH7J9&x=590&y= 470> (letzter Zugriff: 22.09.2010).

Besonders die neuen Bundesländer verlieren immer mehr Bewohner, was jedoch nicht nur auf eine niedrigere Geburtenrate zurückzuführen ist. Zwar erlebten die neuen Bundesländer nach der Wiedervereinung ein enormes Geburtentief (Grund hierfür war wohl die Unsicherheit bezüglich der Zukunft), doch mittlerweile hat sich die Zahl der Geburten pro Frau dem westdeutschen Niveau angepasst. Die stetig sinkenden Einwohnerzahlen sind auf die höhere Anzahl an Fortzügen zurückzuführen.5 Besonders die jüngeren Einwohner ziehen fort, um zum Beispiel in Westdeutschland bessere Ausbildungschancen wahrnehmen zu können. Natürlich gründen diese Binnenwanderer auch außerhalb der ehemaligen DDR eine Familie.

Im Moment befinden sich allerdings eben jene geburtenschwache Jahrgänge aus den 90er Jahren in den Schulen (besonders im Sekundarbereich), wodurch es zu einem enormen Schülerzahlenrückgang kommt.

Obwohl es in Deutschland immer weniger Kinder und Jugendlicher gibt, steigt die Zahl der Gymnasiasten dennoch seit Jahren an, wie die folgende Tabelle verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Anzahl der Schüler im Gymnasium. <http://www.zdwa.de/cgi-bin/demodata/index.plx>. (letzter Zugriff: 09.09.2010). Eigene Darstellung.

Dies lässt sich nicht durch demografische Fakten, sondern nur mit der sogenannten Bildungsexpansion seit den 1950er Jahren erklären. So streben seit Jahren immer mehr Schüler (bzw. ist es zum Teil der Wille ihrer Eltern) auf das Gymnasium. Der Besuch ermöglicht bei bestandenem Abitur natürlich einen Zugang an die Universität, wodurch sich diese Bildungsinstitution immer größerer Beliebtheit erfreut. Diesen Attraktivitätsfaktor sahen bereits die geburtenstarken Jahrgänge des im vorherigen Kapitel beschriebenen „Golden Age of Marriage“, wodurch die Schülerzahlen enorm anstiegen. Prof. Dr. Köller veranschaulicht dies am Beispiel Niedersachsen. Dort besuchten 1950 nur rund 10% eines Jahrganges ein Gymnasium, wohingegen mittlerweile etwa ein Drittel der Schüler (der Sekundarstufe) Gymnasiasten sind.6

Von den 2 468 949 Schülern7 des Gymnasiums besuchten im Jahr 2008 980 9308 die Sekundarstufe II. Natürlich ist auch hier die Zahl seit Jahren steigend. Dies wird sich jedoch aufgrund der demografischen Alterung, auf welche im nächsten Kapitel genauer eingegangen werden wird, ändern.

2. Die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung

2.1 Ergebnisse der Bevölkerungsprognose

Aufgrund der bereits jetzt schon relativ schwachen Elterngenerationen wird die Zahl der Neugeborenen, wie bereits mehrfach erwähnt, deutlich abnehmen. Natürlich kann man keine genauen Vorhersagen treffen, sondern lediglich Annahmen formulieren, auf deren Grundlagen schließlich Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung berechnet werden können. Diese verschiedenen Annahmen beziehen sich zum einen auf die natürlichen Bevölkerungswanderungen (Lebendgeborene und Gestorbene) und zum anderen auf die Wanderungsbewegungen (Zu- und Fortzüge). Die hier vorliegende Arbeit orientiert sich an der Prognose einer „mittleren“ Bevölkerung, welche sich noch einmal in eine Obergrenzen- und eine Untergrenzen-Variante unterteilt. In beiden Fällen wird von einer konstanten Geburtenhäufigkeit ausgegangen, bei der Obergrenze jedoch wird von einem positiven Wanderungssaldo (Zahl der Zuzüge minus der Zahl der Fortzüge) von 200000 Personen ausgegangen, bei der Untergrenze lediglich von 100000 Personen.9 Die 11. koordinierte Bevölkerungsprognose kam somit auf die folgenden Ergebnisse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Untergrenze/Obergrenze der „mittleren Bevölkerung. Bevölkerung. S. 16. Eigene Darstellung.

Die für das Gymnasium interessante Gruppe der unter 20-jährigen schrumpft deutlich, während sich die Gruppe der 65-jährigen vergrößert.

Ob dies jedoch tatsächlich bedeutet, dass die Anzahl der Gymnasiasten schrumpfen wird und ob sie dies im gleichen Umfang wie die anderen Schularten tun wird, soll im nächsten Kapitel genauer untersucht werden.

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt Wiesbaden: „Bevölkerung nach dem Gebietsstand“. <http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelk erung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.psml>. (letzter Zugriff: 22.09.2010).

2 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: „Bevölkerung“. Wiesbaden 2004. S. 20f..

3 Vom ersten demographischen Übergang sprach man zur Zeit der Industrialisierung, wo aufgrund verbesserter Lebensumstände die Sterberate und anschließend die Geburtenrate sank.

4 Vgl. Statistisches Bundesamt Wiesbaden: „Bevölkerung Deutschlands bis 2050“. Wiesbaden 2006. S. 27.

5 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: „Die demografische Lage in Deutschland 2008“. Wiesbaden Jahr unbekannt. S. 2.

6 Vgl. Köller, Olaf: „Das Gymnasium zwischen Elitebildung und Förderung der Vielen: Welche Pädagogik braucht das Gymnasium?“. Hohengehren 2007. S. 16.

7 Vgl. Statistisches Bundesamt Wiesbaden: „Allgemeinbildende Schulen - Schüler/innen nach Schulart“. <http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/ BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/Content75/AllgemeinbildendeSchulenSchulartenSchueler, templateId=renderPrint.psml>. (letzter Zugriff: 22.09.2010).

8 Vgl. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder: „Schüler, Klassen, Lehrer und Absolventen der Schulen 1999 bis 2008“. Berlin 2008. S. X.

9 Vgl. Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, S. 27. 7

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656091448
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184365
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Schlagworte
Demografie Bevölkerungsentwicklung Sekundarstufe Gymnasium Schülerrückgang Demographie

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