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Bremen - Osterholz: Jugendliche in einem sozialen Brennpunkt

Bachelorarbeit 2008 34 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen eines sozialen Brennpunktes

3. Strukturelle Entstehung sozialer Brennpunkte

4. Zentrale Probleme sozialer Brennpunkte
4.1 Formen und Voraussetzungen der Segregation
4.2 Armutsrisiko und Armutskonzepte

5. Junge Menschen in sozialen Brennpunkten- Das Quartier als Lernraum

6. Merkmale des Stadtteils Bremen- Osterholz
6.1 Wohnbauliche Charakteristiken und Bevölkerungsstruktur
6.2 soziale und wirtschaftliche Lage
6.3 Soziale Segregation in Osterholz

7. Maßnahmen zur Überwindung sozialer Benachteiligung junger Menschen
7.1 Jugendpolitik und die Schulsituation in sozialen Brennpunkten
7.2 Das integrierte Handlungskonzept in Osterholz- Tenever
7.3 Das Projekt Zukunftslabor der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Wer Armut ertragen kann, ist reich genug „ 1

Doch die moralische Verpflichtung dieser Aussage wird in manchen städtischen Gebieten in Deutschland besonders für junge Menschen auf eine harte Probe gestellt. In Deutschland ist in den letzten Jahren ein ökonomischer Strukturwandel zu beobachten. Als Folge daraus, nimmt soziale Ungleichheit in Städten zu. Durch verschärfte Segregation entstehen Quartiere, die von Arbeitslosigkeit und sozialer Diskriminierung geprägt sind. Folgen hiervon sind Armut und abnehmende Zukunftschancen, die sich besonders nachteilig bei Jugendlichen und Kindern auswirken. In Institutionen wie Schule und Familie sind die misslichen Lebensbedingungen in einem sozialen Brennpunkt deutlich zu erkennen.

Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung: Welche Faktoren machen die Erscheinung eines sozialen Brennpunktes aus und inwiefern ist die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten problematisch? In Anlehnung daran sollen politische und sozial ausgerichtete Maßnahmen von Institutionen um die Lebenssituation und Zukunftschancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten positiv zu beeinflussen aufzeigen, welche Möglichkeiten der Gegensteuerung es von politischer und sozialpolitischer Seite bestehen. Das praktische Beispiel des Stadtteils Bremen- Osterholz dient exemplarisch zur Verdeutlichung der Lebensbedingungen in sozialen Brennpunkten und politischer und sozialer Stadtteilarbeit.

Im zweiten Kapitel wird der Begriff „sozialer Brennpunkt“ zunächst definiert. Es wird aufgezeigt, welche Erscheinungsformen ein solches Viertel tatsächlich hat. Die strukturelle Entstehung von sozial benachteiligten Stadtvierteln erfolgt im dritten Kapitel. Zentrale Determinanten eines sozialen Brennpunktes wie Segregation und Armut werden als Kernprobleme im vierten Kapitel vorgestellt.

Nachdem im fünften Kapitel der Blick auf die problematische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Institutionen wie Familie und Schule gerichtet wird, erfolgt die Beschreibung des Stadtteils Bremen- Osterholz anhand der wohnbaulichen, wirtschaftlichen und sozialen Situation im sechsten Kapitel der Arbeit Um aufzuzeigen welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit sich die Situation in sozialen Brennpunkten verändert, wird im siebten Kapitel das Stadtentwicklungskonzept in der Problemsiedlung Osterholz-Tenever im Rahmen des bundesweiten Projekts „Soziale Stadt“ vorgestellt. Dieses Projekt hat das Ziel, diverse Handlungsfelder des Stadtteils zu versbessern. Im besonderen Fokus der Projekte im Rahmen des Handlungskonzepts stehen Kinder, Jugendliche sowie Migrantinnen und Migranten. Des Weiteren wird der Fokus auf ein kulturelles Schulprojekt in Osterholz gerichtet, um ein Beispiel für schulische und kulturelle Aktivitäten als gedankliche Umsetzung der „Sozialen Stadt“ zu demonstrieren. Aus diesem Grund sollen die Projekte in dieser Arbeit ohne wertende Ausführungen und lediglich als Maßnahmen zur Förderung junger Menschen in einem sozialen Brennpunkt dargestellt werden. Da sich beide Projekte noch in der Umsetzung befinden, gibt es bisher keine evaluierten Daten über den Einfluss dieser Engagements.

Im abschließenden Fazit sollen die Ergebnisse der Ausarbeitung zusammenfassend dargestellt werden. Es soll deutlich werden, wie ein sozialer Brennpunkt in Städten entsteht und warum es für junge Menschen nachteilig sein kann, dort aufzuwachsen.

2. Definitionen eines sozialen Brennpunktes

Im Folgenden soll durch die Betrachtung diverser Autoren die Begrifflichkeit „sozialer Brennpunkt“ anhand verschiedener Merkmale abgegrenzt werden um die Verwendung des Begriffs in dieser Arbeit zu verdeutlichen.

Es ist zu erfassen, welche Bedingungen eines Stadtteils zu einer Schlechterstellung der Bewohner dieser Stadtteile führen und durch welche Umstände es zu einem Status sozialer Benachteiligung kommen kann. Laut des Deutschen Städtetages sind soziale Brennpunkte Wohngebiete, in denen Faktoren, die die Lebensbedingungen ihrer Bewohner und insbesondere die Entwicklungschancen beziehungsweise Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen negativ bestimmen, gehäuft auftreten, besonders eine mangelhafte soziale Infrastruktur, unzulängliche Wohnungen, schlechte Bausubstanz, soziale Belastungen wie niedriges Einkommen oder Armut, hohe Arbeitslosigkeit und/oder (bezogen auf die Wohnbevölkerung anderer Wohngebiete) überproportionale Anteile infolge gesellschaftlicher Ausgrenzungsmechanismen stigmatisierter Menschen (z. B. Aussiedler, Ausländer, Asylsuchende).2

Eine strukturelle Erklärung eines sozialen Brennpunkts liefert Günter Bell in seiner Untersuchung zweier sozial benachteiligter Stadtteile in Nordrhein Westfalen. Er stellt den Bezug zum wirtschaftlichen und räumlichen Strukturwandel in Städten her und leitet daraus negative Folgen für die Stadtteile ab. Bell sieht in ökonomischen Restrukturierungsprozessen neue Erscheinungsformen der räumlichen und sozialen Ungleichheit. Daraus folgend nennt Bell den Begriff Segregation als unerlässliche Folge von der Konzentration bestimmter Bevölkerungsgruppen in Teilräumen einer Stadt. Die Segregation ist als ungleiche Verteilung der Wohnstandorte verschiedener sozialer Gruppen im städtischen Raum zu verstehen.3 Weiterhin äußert sich Bell über sogenannte Armutsquartiere. Grundlegend findet sich in solchen Vierteln eine klassische Armutsbevölkerung wie Arbeitslose und Langzeitarbeitslose, kinderreiche Familien sowie marginal Beschäftigte, Jugendliche und Rentner. Eine weitere Bestimmungsgröße von Armutsquartieren ist ein dramatisch hoher Anteil an Menschen, die staatliche Transferleistungen wie Hartz IV erhalten.4 Auch Blasius und Friedrichs wenden sich in ihrem Buch „Leben in benachteiligten Wohngebieten“ Armutsvierteln zu, welche sie als soziale Brennpunkte bezeichnen. Ähnlich wie bei Bell beinhaltet hier ein sozialer Brennpunkt eine überdurchschnittliche Anzahl von Haushalten, die Sozialhilfe empfangen sowie einen überdurchschnittlichen Anteil an Arbeitslosen. Des Weiteren benennen Blasius und Friedrichs schlechte Wohnungsausstattung und niedrige Schulbildung als Indikator sozialer Brennpunkte.5 Zur Definition eines sozialen Brennpunkts sind nach Betrachtung der Autoren bestimmte Merkmale unerlässlich. Eine überdurchschnittliche Anzahl an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern6 sowie ein hoher Anteil an Ausländern bzw. Aussiedlern ist zentrale Bedingung eines sozialen Brennpunkts in dieser Arbeit. Dazu kommen eine schlechte Wohnungssituation sowie negative Sozialisationsbedingungen für Kinder und Jugendliche und dadurch bedingt schlechtere Chancen auf dem Arbeitsund Ausbildungsmarkt.

Im Verlauf dieser Arbeit wird erläutert, inwiefern sich das Zusammenspiel dieser Determinanten negativ auf die Bevölkerung von sozialen Brennpunkten auswirkt. Besonders die beiden zentralen Begriffe Segregation und Armut werden als Hauptprobleme herausgestellt und untersucht. Armut beschreibt eine Situation wirtschaftlichen Mangels7. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit definiert Menschen als „arm, wenn sie nicht über das Minimum an monetärem und nicht-monetärem Einkommen verfügen, welches zur Deckung des Nahrungsmittelbedarfs und zur Befriedigung der übrigen Grundbedürfnisse erforderlich ist. Soziale, ökonomische und ökologische Bestimmungsgründe sind dabei untrennbar miteinander verbunden.“8 Der Armutsbegriff wird in Kapitel 4 in relative und absolute Armut unterschieden. Daraufhin wird analysiert, welche Art von Armut auf urbane Brennpunkte in Deutschland zutreffend ist.

Im folgenden Kapitel wird näher auf die strukturelle Entwicklung Deutschlands und die daraus resultierende Entstehung sozial benachteiligter Stadtviertel eingegangen.

3. Strukturelle Entstehung sozialer Brennpunkte

Bei einem sozialen Brennpunkt handelt es sich grundsätzlich um einen Stadtteil in dem, neben anderen Faktoren, bestimmte Bevölkerungsgruppen mit bestimmten sozialen und wirtschaftlichen Merkmalen gehäuft auftreten. Zu dieser Gruppe sind Arbeitslose, Ausländer bzw. Aussiedler und Sozialhilfeempfänger zu zählen. Offen bleibt die Frage, wie es zu einer Entwicklung eines Stadtteils zu einem sozial benachteiligten Quartier kommen kann. In Umrissen wurde bereits im vorherigen Kapitel ein struktureller Ansatz Günther Bells benannt, der die Ursachen im wirtschaftlichen und sozialen Wandel in Deutschland sieht. Laut Bell ist die Spaltung von Stadtregionen in stagnierende und prosperierende Teile die Folge eines ökonomischen Strukturwandels.9 Diese Überlegung soll im Folgenden verfeinert werden.

Seit den 80er Jahren ist in Deutschland eine Destabilisierung zu verzeichnen, welche einem Strukturwandel zu Grunde liegt. Die Globalisierung der Wirtschaft und Telematisierung der Kommunikation gingen einher mit der rasanten Wende von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Auch Christian Warner beschäftigt sich in seinem Buch „Strukturwandel, Arbeitsmarkt und Sozialstaat in Deutschland“ (2007) mit dem strukturellen Wandel und geht besonders auf die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ein. Neben den Chancen, die mit dem soziostrukturellen Wandel in Deutschland und Europa verbunden sind, wie höhere Bildungsmöglichkeiten und Expansion, weist er im besonderen auf soziale Risiken hin, die sich für die Bürger ergeben. Bezugnehmend auf Pilz (2004) stellt Warner heraus, dass sich seit den 70er Jahren ein neuer Arbeitsbegriff etabliert hat und weist auf den Bedeutungsverlust des Normalarbeitsverhältnisses hin. Hiermit ist eine „unabhängige, sozialversicherungspflichtige, unbefristete und außerhäusliche Vollbeschäftigung“ gemeint, woran sich auch die traditionelle Familienform mit einem männlichen Versorger orientierte.10 Laut Warner erodierte das „Normalarbeitsverhältnis“ Mitte der 70er Jahre mit der erstarkenden Frauenbewegung, dem Wandel der Familie und steigender Arbeitslosigkeit. Als weiteren Aspekt des strukturellen Wandels nennt Warner die Etablierung von Teilzeitarbeit und Leiharbeit sowie geringfügigen Beschäftigungen. Damit einhergehend beschreibt er eine Verschiebung des Erwerbstätigkeitsschwerpunkts von der Industrie zur Dienstleistung.11

Unter Betrachtung der genannten strukturellen Veränderungen wird deutlich, dass diese Entwicklung nicht nur positive Folgen für die Menschen haben kann. Die Gefahr Arbeitsplätze und dadurch soziale Bindungen zu verlieren, stieg beträchtlich an. Den Menschen ging eine Sicherheit verloren. Traditionelle familiäre Strukturen brachen, da die Notwendigkeit des Ortswechsels unerlässlich wurde um in der Arbeitsplatzsituation zu bestehen. Die Folge: Immer mehr Menschen verloren soziale Netze und konnten aufgrund von Armut nicht mehr aufgefangen werden.

Statistische Untersuchungen im Rahmen des Projekts „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ vom Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport in NRW von 1998 ergaben, dass es schon damals neben einem harten Kern ein breites Spektrum von Haushalten gab, die an der Armutsschwelle lebten bzw. Armut kennengelernt haben. Von der Gruppe unter der Armutsschwelle lagen in Westdeutschland 27% Arbeitslose, 20% Ausländer und 33% der Alleinerziehenden. Haushalte mit fünf und mehr Personen kamen auf einen Wert von 23%.12 Aus dieser Situation folgt unweigerlich eine Spaltung der Städte in Armut und Wohlstand. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei Betrachtung des Wohnraums. Menschen, die mit weniger Geld auskommen müssen, können dementsprechend weniger Geld für eine Wohnung ausgeben. Daraus folgt eine Vielzahl an schlecht ausgestattetem Wohnraum, der aufgrund fehlender Aufmerksamkeit der Politik oft stark sanierungsbedürftig ist. Außerdem geht die Zahl der Sozialwohnungen ständig zurück, so dass Haushalte, die auf sie angewiesen sind, in wenigen Vierteln mit günstigen Wohnungen konzentriert werden.13. Wer sich eine bessere Wohnung leisten kann, wird voraussichtlich nicht in einem solchen Wohngebiet bleiben. Dies zeigt sich auch aufgrund der Bildungseinrichtungen. Da viele Migranten von Armut betroffen sind, leben zahlreiche Familien in strukturschwachen Gebieten, dementsprechend hoch ist der Anteil an ausländischen Schülern mit nicht- deutscher Herkunftssprache in den Schulen. Bildungsorientierte Eltern sehen dadurch die Zukunft ihrer Kinder gefährdet und verlassen die Quartiere. Die Folge ist, dass Viertel entstehen, in denen sich die sozialen Probleme konzentrieren.14

Was kann bisher zur Entstehung und Erscheinung eines sozialen Brennpunkts gesagt werden? Aufgrund des Strukturwandels und dem damit einhergehenden Verlust von Arbeitsplätzen sind in einem Stadtgebiet einige Gruppen der Gesellschaft besonders von Armut bedroht. Beispiele hierfür sind Migranten, Arbeitslose und Alleinerziehende. Diese Gruppierungen haben geringe finanzielle Mittel zur Verfügung und müssen in schlecht ausgestatteten Wohnungen leben. Die Folge ist eine Konzentration dieser Gruppen in einem solchen Stadtviertel, weil der Wohnraum dort bezahlbar ist. Da sich das Stadtbild durch die schlecht ausgestatteten, sanierungsbedürftigen Wohnungen entsprechend verändert, verliert dieses Viertel für Menschen in anderen Situationen an Attraktivität. Aufgrund der, wie bereits erläutert hohen Anzahl an Migrantenkindern in den dort ansässigen Schulen, wandern die besser gestellten Familien ab, um ihren Kindern einen anderen Lebensraum zu bieten. Es erfolgt demnach eine soziale Segregation in der Stadt.

4. Zentrale Probleme sozialer Brennpunkte

4.1 Formen und Voraussetzungen der Segregation

Nach dem im vorherigen Kapitel die strukturelle Entwicklung eines Stadtteils zu einem sozialen Brennpunkt dargestellt wurde, werden im Folgenden die Formen und Voraussetzungen der Segregation erörtert.

Häussermann bezeichnet eine Stadt als Funktionsraum mit verschiedenartigen Nutzungen wie Gewerbe- und Wohngebiete, Geschäftsräume in Innenstadtlage und Fabriken am Stadtrand. Arbeitsplätze konzentrieren sich demnach in verschiedenen Gebieten der Stadt. Diesen Umstand bezeichnet Häussermann als funktionale Segregation, da sich verschiedene Funktionen an verschiedenen Orten in der Stadt konzentrieren. Einerseits wird diese Entwicklung von Entscheidungen privater Unternehmen beeinflusst, die sich ihren Standort anhand von Bodenpreisen und der symbolischen Bedeutung dieses Standorts auswählen. Andererseits ist es ein Ergebnis der Stadtplanung, die zum Ziel hat, einander störende Funktionen räumlich getrennt zu halten.15

Relevant für diese Fragestellung ist aber vor allem die soziale Segregation. Laut Häussermann ist eine Stadt ebenso ein Sozialraum. Mit sozialer Segregation wird die Konzentration bestimmter sozialer Gruppen auf bestimmte Teilräume einer Stadt oder Stadtregionen gemessen. Analytisch ausgedrückt ist das Maß an Segregation umso höher, je stärker die Streuung der Wohnstandorte von Angehörigen einer Gruppe von der strategischen Zufallsverteilung dieser Gruppe abweicht. Die sozialräumliche Struktur einer Stadt ist ein Ergebnis komplexer Prozesse. Im Verlauf dieser Prozesse finden unterschiedliche soziale Gruppen und Milieus ihren Ort in der Stadt bzw. bekommen diesen zugewiesen.16 Es gibt wohlhabende und ärmere Stadtviertel, Arbeiterviertel und solche, die Haupteinzugsgebiet für Migranten sind. Strohmeier benennt in seiner Publikation „Segregation in den Städten“(2006) den Begriff der „sozialen Segregation“ als Beschreibung der Konzentration von Wohnbevölkerung mit bestimmten Merkmalen in unterschiedlichen Teilräumen einer Stadt. Gemessen werden räumliche Unterschiede von Arm und Reich.17 Er beschreibt das Phänomen als städtisch und verweist darauf, dass Segregation vor allem in unteren sozialen Schichten als Problem zu sehen sei, weil sich hier Merkmale benachteiligter sozialer Lagen kleinräumig konzentrieren. Von Armutssegregation betroffen sind vor allem innerstädtische Mischgebiete mit einem großen Altbaubestand, vielfach ehemalige Arbeiterviertel, die unmittelbar vom industriellen Strukturwandel betroffen sind, und in Stadtrandlage liegende Großsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus der 1960er bis 1980er Jahre.18. Es existiert somit eine soziale Ungleichheit in den Stadtgebieten. Dies führt zu Distinktionsbedürfnissen19 der verschiedenen Milieus. Es treffen verschiedene Klassen, Schichten und ethnische Gruppen aufeinander, die räumliche und symbolische Konflikte wie Banden- und Revierkämpfe, austragen.20 Eine wichtige zivilisatorische Leistung besteht nun darin, eine Integration der verschiedenen Gruppen auf engem Raum zu ermöglichen. Die Folgen von Segregation sind essentiell.

[...]


1 Altdeutsches Sprichwort

2 vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Sozialer_Brennpunkt

3 Vgl. Häußermann/Siebel, Differenzierung, 2002: in: Bell, Günter:“ Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in sozialen Brennpunkten“ Eine Untersuchung zweier Stadtteile in NRW in: Duisburger Beiträge zur soziologischen Forschung Nr. 4, Universität Duisburg-Essen, 2004

4 Vgl. Ebenda

5 Vgl. Blasius, Jörg, Friedrichs, Jürgen: Leben in benachteiligten Wohngebieten, , Leske und Budrich: Opladen 2000

6 Vergleichsweise Hartz IV nach SGB 2

7 Neubauer, J.: Armut und Arbeitslosigkeit: Universität Duisburg 2004

8 Universität Frankfurt: Armut, Definitionen, Konzepte und Indikatoren, zusammengestellt durch das Pilotprojekt Armutsbekämpfung 1998

9 Vgl. Bell, Günter:“ Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in sozialen Brennpunkten“ Eine Untersuchung zweier Stadtteile in NRW in: Duisburger Beiträge zur soziologischen Forschung Nr. 4, Universität Duisburg-Essen, 2004

10 Vgl. Pilz 2004 in Warner, Christian: Strukturwandel, Arbeitsmarkt und Sozialstaat, Grin Verlag: 2007

11 Vgl. Warner, Christian: Strukturwandel, Arbeitsmarkt und Sozialstaat, Grin Verlag: 2007

12 Vgl. Bülte, Ralf und Pesch, Franz, Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport (Hrsg.): Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf- Ressortübergreifendes Handlungsprogramm der Landesregierung NRW, Wuppertal 1998

13 Richter, Ingo: Begrüßung in: Bruhns, Kirsten und Mack, Wolfgang (Hrsg.), Aufwachsen und Lernen in der Sozialen Stadt, Leske und Budrich, Opladen 2001

14 Häußermann, Hartmut, Desintegration durch Stadtpolitik in: Integration-Desintegration, aus Politik und Zeitgeschichte, 2006

15 Vgl. Häussermann, Hartmut, Siebel, Walter: Stadtsoziologie- Eine Einführung, ,Campus Verlag Frankfurt/New York: 2004

16 Vgl. Ebenda

17 Strohmeier, Klaus Peter, Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Segregation in den Städten, Bonn 2006

18 Vgl. ebenda

19 Vgl. Bonacker, Thorsten: Detailliertere Informationen sozialwissenschaftliche Konflikttheorien: eine Einführung ; [Lehrbuch], VS Verlag, 2005: Gesteigertes Abgrenzungsbedürfnis durch unterschiedliche Werte, Erziehungsstile, Arten der Lebensführung bedingt durch verschiedene Schichtzugehörigkeit

20 Vgl. Häussermann, Hartmut, Siebel, Walter: Stadtsoziologie- Eine Einführung, ,Campus Verlag Frankfurt/New York: 2004

Details

Seiten
34
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656088370
ISBN (Buch)
9783656088714
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184141
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
Armut Sozialisation Bremen Brennpunkt Strukturpolitik Statistik

Autor

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Titel: Bremen - Osterholz: Jugendliche in einem sozialen Brennpunkt