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Die Bemühungen und Opfer der Albaner zur friedlichen Lösung der Konflikte mit anderen Ethnien auf dem Balkan

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 21 Seiten

Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Wurzeln der Konflikte bei den Balkanvölkern

3. Bemühungen der Albaner zur konstruktiven Konfliktlösung seit den 90er Jahren bis heute

4. Regeln bei der Vermittlung und Versöhnung bei Konflikten

5. Schlussfolgerung im Kontext der Regeln zur friedlichen Konfliktlösung im Rahmen der albanisch-serbischen Vermittlungen

6. Fazit

“Die Wahrheit kann nicht geschönt, geschützt, noch gerechtfertigt werden (gestützt auf die Logik der politischen der Gewalt oder des wirtschaftlichen, politischen karrieristisch okkupatorischen Interesses verschiedener politischer Gruppen oder Clans), allein indem die Folgen "bilanziert" werden, denn ohne vorherige eingehende und umfassende Analyse der Ursachen, die zu diesen Folgen geführt haben, ist diese Wahrheit unvollständig, subjektiv, amoralisch und einseitig.”1.

1. Einleitung

Gestützt auf das obige Zitat können wir sagen, dass nur dann, wenn wir die tatsächlichen Ursachen oder Quellen zwischenethnischer Konflikte rational analysieren, wir auch entsprechend spezifische Lösungen für sie finden und erarbeiten.

Es ist bekannt, dass die Albaner als älteste Ethnie auf dem Balkan im Verlauf der Geschichte des öfteren Bemühungen unternommen und Opfer erbracht haben, um den Frieden in der Region zu wahren. Diese Opfer zur Lösung dieser zwischenethnischen Konflikte haben sie mit dem Verlust und dem Zusammenschrumpfen ihrer von ihren unmittelbaren Vorfahren, den Illyrern, ererbten Gebiete bezahlt (als letztes hat man aus diesem Grund auf 2500 ha verzichtet und sie Mazedonien überlassen)2.

Daher wird zu Recht die Frage aufgeworfen, wann und warum Konflikte zwischen den Albanern und den übrigen Ethnien auf dem Balkan entstanden sind? Die kürzeste und häufigste Antwortet bei den Balkanbewohnern würde Besetzung und längerer Kampf um diese Territorien lauten. Doch zu Beginn möchte ich sagen, dass wenn wir von den Antworten dieser Menschen zu den historischen Rechten ausgehen würden, die sich auf Ereignisse gründen, die vor Hunderten von Jahren stattgefunden haben, dann würden Deutschland, Luxemburg, Frankreich oder Tschechien als römisches Siedlungsgebiet zum Römischen Reich gehören, und der gesamte Balkan sowie der größte Teil der arabischen Staaten zum Osmanischen Reich usw...

Bekanntlich gehören nicht nur die Albaner, sondern auch die übrigen Balkanvölker nicht allein geographisch, sondern auch kulturell zu Europa, daher würde eine gegenseitige Entwicklungszusammenarbeit sie zu europäischer Kulturvielfalt führen. Das albanische Volk gehört drei Glaubensrichtungen an: dem Islam, dem römisch-katholischen und dem orthodoxen Glauben. Und auch die Tatsache, dass sich nach dem II. Weltkrieg auf albanischem Territorium mehr Juden befanden als vor dem Krieg, spricht für das Bestreben der Albaner, sich mit den unterdrückten Völkern zu solidarisieren und an der Seite der Schutzlosen zu stehen, auch dass sie den von der Ausrottung bedrohten Juden den eigenen Schutz anboten3.

Der Balkan wird aufgrund der verschiedenen ethnischen Gruppen, die dort leben, im Verlauf der Geschichte als Herd zahlreicher Konflikte angesehen. Doch gleich zu Beginn möchte ich hervorheben, dass der Tatsache, dass sich in den Kriegen der 90er Jahre auf dem Balkan eine ethnische Gruppe, die Serben, in sämtlichen Siedlungsgebieten Ex-Jugoslawiens im permanenten Krieg mit den übrigen Ethnien befand, besondere Bedeutung zukommt, um sich dem Problem direkt und auf wissenschaftliche Art und Weise anzunähern. Der (serbische) Staat, das (serbische) Volk kämpfte gegen Slowenen, Kroaten, Bosnier und Albaner. Die west- und mitteleuropäischen Staaten schauten diesem Konflikt und dieser ethnischen Säuberung mehr oder weniger tatenlos zu4.

Seit dem Beginn des Konflikts zwischen den Völkern Ex-Jugoslawiens in den 90er Jahren traten auch ihre historischen Unterstützer auf die Bühne, so ergriffen die Russen, die Franzosen, Griechen usw. für die Serben Partei, die Deutschen nahmen die Kroaten in Schutz. Was die Albaner betraf, so geht man davon aus, dass USA die einzigen waren, die seit langem ihre Besorgnis über die Verletzung der Rechte der ethnischen Albaner zum Ausdruck gebracht hatten. Sie hatten bereits früher einige Resolutionen verabschiedet, wie z.B.: 1986, 1989, während die aus dem Jahr 1990 auch ihre Sorge über die wirtschaftliche Lage im Kosovo zum Ausdruck brachte. Daher dürfen wir nicht vergessen, dass die Grenzen, die auf der Konferenz von Dayton in den Gebieten Ex-Jugoslawiens gezogen wurden, mit Waffengewalt und dem Segen der früheren Verbündeten erreicht worden waren. Zu Recht sagen wir, dass die Kriege zwischen den jugoslawischen Völkern eine mehrfache Bedrohung in der Nähe der EU-Grenzen schufen; als Folge gab es zahlreiche Flüchtlinge, ein Anwachsen des illegalen Waffen- und Drogenhandels sowie der organisierten Kriminalität usw. im allgemeinen. Daher war die EU zusammen mit der NATO, mit den USA an der Spitze, gezwungen, politisch zu intervenieren und von außen einige militärische Aktionen gegen die hegemonistischen serbischen Kräfte zu unternehmen, die unter der Führung von Milošević Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an sämtlichen Nachbarn verübten5.

Bedauerlicherweise haben bei den ethnischen Gruppen des Balkans in der Geschichte Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit zur Konfliktlösung durch ernsthafte und aufrichtige Verhandlungen gefehlt und fehlen weiterhin. Bei ihnen haben sich vielmehr die sogenannten “Phänomene des Ethnozentrismus” gezeigt und sie bestehen weiterhin. Unter diesen Phänomenen versteht man das Bemühen, dass jede fragliche ethnische Gruppe die Eigenschaften der eigenen ethnischen Gruppe höher bewertet als die der anderen ethnischen Gruppierungen und die der anderen akzeptierte sie mit begrenzter Fähigkeit, also mittels Selbstisolation in der eigenen Subkultur. Das bedeutet also, dass der Mensch auf dem Balkan bzw. die ethnische Gruppe die Haltung der anderen entsprechend des eigenen Wertesystems beurteilte, das nachhaltig von der Kultur beeinflusst worden ist, in der er im Einklang mit den eigenen Normen lebt. Es besagt aber nicht, dass bei den Menschen, die im Verhältnis zu anderen Kulturen offen sind, keine kulturellen Einflüsse auftreten können, die die Kommunikation erschweren und behindern6.

Neben der Tatsache, dass bei den ethnischen Gruppen des Balkan historisch eine zwichenethnische Kommunikation fehlte, war die Propaganda jedoch stets verbreitet. Dieser Begriff stammt von dem lateinischen ‘propagare’, was ursprünglich so viel wie ‘verbreiten’ bedeutet; er bezeichnet eine absichtlich und systematisch betriebene Methode, eine Widerspiegelung oder Einsicht zu schaffen, um mit Kenntnissen zu manipulieren und die Haltungen zu dirigieren, mit dem Ziel, die erwünschten propagandistischen Reaktionen zu schaffen7. Die Propaganda wurde von den anti-albanischen Staaten zu hegemonistischen Zwecken entwickelt; diese hatten die Assimilierung und Zerstörung der albanischen Existenz in den Siedlungsgebieten des Balkans zum Ziel. Insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert war die politische Propaganda der großserbischen Regierungen ein kompromissloses Mittel in ihren Händen, um Einfluss auf ihre Anhänger und Wähler zu erringen, und sie versuchten so, die öffentliche Meinung für sich zu einzunehmen. Hier ist z.B. die Rede von den serbisch-jugoslawischen Regierungen, die propagierten, der Kosovo sei angeblich die Wiege Serbiens oder dessen heilige Erde usw. Aber die Propaganda, die die serbischen und griechischen Regierungen und wissenschaftlichen Akademien verbreiteten und bedauerlicherweise immer noch verbreiten, über angebliche “historische Rechte über den Kosovo und die Tschameria”, sind, wenn auch uralt, wissenschaftlich unzutreffend. Daher sehen wir es als angebracht an, in der Folge einige wichtige Fakten darzustellen, die inzwischen von der Mehrheit der nationalen und internationalen Historiker und Wissenschaftler bezüglich des Ursprungs der Ethnien auf dem Balkan, der historischen Herrschaft auf ihm sowie der Bestrebungen des albanischen Volkes, mit den benachbarten Volksgruppen zusammenzuleben, akzeptiert sind, um dann sowohl unter historischen, wissenschaftlichen, aber auch juristischen und politischen Gesichtspunkten herzuleiten, dass die Albaner bei der Wahrung des Friedens und der guten Nachbarschaft zu den übrigen Völkern des Balkan ein Stabilitätsfaktor waren, sind und sein werden.

2. Geschichte der Wurzeln der Konflikte bei den Balkanvölkern

Es ist bekannt, dass die illyrische (albanische) Bevölkerung seit dem Fall der illyrischen Territorien unter römische Herrschaft im Jahr 168 v. Chr. in die Position der Unterworfenen geraten ist. Dieser Zustand der Besatzung dauerte (in einigen Teilen) bis zum Ende des 20. Jahrhunderts an, so z.B.: Ost-Kosovo, Ilirida (albanischer Teil Mazedoniens), Tschameria usw., hier können wir sagen, dass sie auch heute noch nicht die Freiheit und Demokratie genießen wie die übrigen europäischen und amerikanischen Völker. Der Unterschied dieser mehr als tausendjährigen Besatzung lag lediglich im Wechsel der Besatzer. Bekanntlich wurde das Römische Reich 395 durch König Theodosius in zwei Teile geteilt. Die albanischen Territorien wurden durch das byzantinisch-römische Reich des Ostens besetzt8. Charakteristisch ist das zwischen Albanern und Römern bewahrte Dokument, welches besagte, dass gleich wer der Sieger in den Kriegen zwischen ihnen sein würde, der Triumphator sich gegenüber dem Unterlegenen friedlich zu zeigen hätte. Bedauerlicherweise wurden diese Versprechungen jedoch durch die Römer nach den Siegen nicht eingehalten, denn sobald sich das Volk, welches von den Römern die “Albes” genannt wurde, aus seinem besetzten Gebiet zurückzog, wurde die vollkommene Zerstörung der öffentlichen und privaten albanischen Wohnsitze angeordnet9.

Ende des X. Jahrhunderts wurde das gesamte Gebiet des Byzantinischen Reiches vom Schwarzen Meer bis zur Adria von den bulgarischen Zaren Samuel und Simeon beherrscht10. Bulgarien war im Jahr 1396 unter die türkische Herrschaft gefallen und blieb bis zum Jahr 1878 besetzt11.

Sämtliche Historiker, ja sogar die serbischen, sehen es als erwiesen an, dass die Serben bis zum XII. Jahrhundert nicht in den Kosovo gelangt waren12, bis im Jahr 1189 der serbische Fürst Nemanja den Kosovo besetzt hatte. Daher ist ein Teil der Historiker der Ansicht, dass der albanisch-serbische Konflikt aus dieser historischen Periode analysiert werden müsste, da sie ihnen zufolge als die Zeit des Auftretens der Wurzeln des Konflikts angesehen werden kann. Der serbischen Propaganda zufolge wäre festzustellen, dass in der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 die Serben den Krieg gegen die Türken verloren hätten, damit hätten sie auch das “Herz Serbiens” verloren13. Die wissenschaftlich erwiesene Wahrheit dieser Schlacht ist jedoch, dass in ihr eine sogenannte Balkanallianz sämtlicher Völker, die dort lebten, (d.h. auch der Albaner wie Gjergji II. Balsha, Teodor Muzaka, Gjon Kastrioti usw), gekämpft hatte14.

Ende des XII. Jahrhunderts entstand der erste albanische Feudalstaat, der Staat von Arber in Mittelalbanien. In den folgenden Jahrhunderten, insbesondere nach dem Tod Stefan Dušans, entstehen weitere Feudalstaaten15. Nach der Besetzung Serbiens im Jahr 1459 durch die Osmanen heißt es, dass auch sein Name vergessen worden sei. Dieses Phänomen, dass dieser Name für Serbien nicht bekannt war, hat bis zu den Türkenkriegen der Habsburger in den Jahren 1718-1739 angedauert16. Im XV. Jahrhundert war Albanien unter der Führung von Skanderbeg das einzige Land auf dem Balkan, das gegen die türkische Besatzung kämpfte17.

Nach der Eroberung des Balkans durch das Osmanische Reich wurde diese Halbinsel in zwei territoriale Verwaltungseinheiten (militärische Verwaltungseinheiten) aufgeteilt: in das Vilajet RUMELIEN, die Teile des Balkan, zu denen auch die albanischen Gebiete gehörten, und das Vilajet ANATOLIEN (Kleinasien). Vom XV. Jahrhundert an teilte sich die Balkanhalbinsel auf zwei Vilajete auf: Das von RUMELIEN – welches das Gebiet von Istanbul im Osten bis nach Mitrovica im Westen umfasste, während sich auf der anderen Seite des Flusses Iber das Vilajet Bosnien befand18.

Wie sehr die Nachbarvölker im Jahr 1870 im Kampf gegen die Albaner verbunden waren, davon zeugt auch die Militärkonvention zwischen Griechenland und Serbien vom 28. Februar 1868, in der in Artikel 4 vorgesehen war, dass “Griechenland und Serbien in größter Geheimhaltung außerordentliche Truppen, jede von ungefähr 5000 Personen, organisieren sollten”. Diese Kräfte wurden in albanische Nationaluniformen gekleidet und verübten Verbrechen an den Serben im Kosovo und den Griechen auf dem Epirus. Dann wurden die Albaner vor Europa dieser Verbrechen bezichtigt und zu Anarchisten erklärt19.

Was die Wahrung der Beziehungen zwischen den Serben und den Albanern des Kosovo anbelangt, so gibt es Angaben, dass letztere auch die orthodoxen serbischen Kirchen schützten. Verlässliche Quellen besagen, dass die Beziehungen zwischen beiden Völkern im Kosovo gegen Mitte des XIX. Jahrhunderts dank der albanischen Bereitschaft zu einem gemeinsamen Leben - so wie auch schon früher bis zu den serbisch-türkischen Kriegen der Jahre 1876-1878 - gut gewesen sind20.

Ab dem Jahr 1878 jedoch, als Serbien auf dem Berliner Kongress zu Lasten albanischer Gebiete als unabhängiger Staat anerkannt wurde, führte es eine terroristische und genozidale Kampagne gegen die albanische Bevölkerung in der Gegend von Toplica durch. Der serbische König Milan Obrenović hatte an die Serben appelliert: “Je mehr Albaner ihr aus dem Land vertreibt, umso größere Patrioten werdet ihr sein”21. So begannen im Jahr 1863 die gewaltsamen Vertreibungen der Albaner aus ihren Siedlungsgebieten durch die Serben. Allein in den letzten 3 Tagen des Jahres 1978 vertrieb Serbien die albanische Bevölkerung aus über 700 Dörfern des Sandschak Niš, einem Bestandteil des Vilajets Kosovo22. Daher sagen wir, dass die Kosovo-Frage ihren Ursprung in der Krise des Ostens bzw. auf dem Berliner Kongress (1878) hat, auf dem Beschlüsse zur Aufteilung der ethnischen albanischen Territorien gefasst wurden, und hier beginnt auch die Problematik des Kosovo.

Es war dies die Periode der anhaltenden Schwächung des Osmanischen Reiches, als die Balkankönigreiche Serbien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland am 12. Mai 1912 ein Bündnis für den Kampf gegen die türkischen Kräfte auf dem Balkan schufen, das "Balkanallianz" genannt wurde. Der allgemeine Aufstand der Albaner, der sich in den Jahren 1909-1912 von Norden nach Süden ausbreitete, und die Bestrebungen der albanischen Patrioten, die Unabhängigkeit Albaniens auszurufen, ermunterten die Regierungen auf dem Balkan, auf ihren Gebieten kriegerische Aktivitäten gegen die türkischen Kräfte zu beginnen und später dann die alten Träume der Aufteilung Albaniens zu verwirklichen23. Einen großen Versuch unternahmen ab dem XX. Jahrhundert die chauvinistischen griechischen Kreise mit Fanar an der Spitze mit Propaganda, griechischer Sprache, Schule und Kirche bis hin zur militärischen Aggression in den Jahren 1912-1916, um alle Gebiete Südalbaniens in die griechische Landkarte einzuverleiben, wobei sie behaupteten, dass "die Bewohner dieser Landstriche Griechen wären".

Serbien besetzte jedoch im Jahr 1912 das Gebiet der Albaner bis hin zur Adria24, da es diesen das Gebiet neidete, über das Kadare sagt: “Es ist also ein Land, zwischen Venedig, Rom und Athen gelegen, es hat eine hervorragende geographische Lage, es besitzt ein beneidenswertes Klima, verfügt über zahlreiche Naturschätze, hat die vielleicht schönsten Strände des Kontinents. Wir vergessen, was der Jahrhunderte währende Alptraum der Länder bedeutet, die keinen Meerzugang besitzen, ohne die in der Tiefe der Kontinente isoliert gelegenen Länder zu erwähnen, ohne die weiten Landstriche dieser Erde zu erwähnen, die mit Gestrüpp, Wüsten und Betrübnis gefüllt sind und drei Viertel des Erdballs abdecken (...)”25.

Nach zahlreichen Bemühungen und Opfern versammelten sich die Albaner aus allen ethnischen Gebieten unter der Führung von Ismail Qemali zur Nationalversammlung in Vlora, die am 28. November 1912 die nationale Unabhängigkeit Albaniens und die Einigung aller albanischen ethnischen Gebiete in einem einzigen Nationalstaat ausriefen. Doch bedauerlicherweise wurden im März und April des Jahres 1913 in London die Grenzen Albaniens ohne die Hälfte der ethnischen Siedlungsgebiete festgelegt. Serbien erhielt den gesamten historischen Kosovo mit seiner Hauptstadt Skopje; Griechenland annektierte die Bezirke Florina und Kosturi zusammen mit der Tschameria, und Montenegro gab man Plava, Gucina, Hoti und Gruda.26. Daher bestünde nach einigen anderen Autoren der Anspruch der Kosovoalbaner auf einen unabhängigen Staat aufgrund der Geschichte des Vilajets Kosovo aus den Jahren 1877-1913, während die Serben das historische Recht auf Reintegration des Kosovo in Serbien aufgrund des Bestehens der serbischen Herrschaft in Serbien im Zeitraum 1913 -1999 beanspruchen würden27.

Diese Lage, die als Ergebnis der Ungerechtigkeiten der Konferenz von London (1913) entstand, wird in Bezug auf die Albaner als einer der Hauptgründe für die Konflikte zwischen den Albanern und den Nachbarvölkern auf dem Balkan angesehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser ungerechte Akt die Hauptursache für die beinahe einhundert Jahre währenden Wirrnisse in dieser Region ist, eine Folge des Unverständnisses und der nicht realen Bewertung der historischen Umstände auf dem von den Großmächten in Unordnung gebrachten Balkan., die den großserbischen Hegemonismus gegenüber den Bestrebungen der übrigen Völker, die nach Freiheit und Unabhängigkeit strebten, unterstützt hatten und sich auf den illusorischen Selbstbetrug der Serben über ihre angeblich unbesiegbare Macht auswirkten 28.

Mit dem Zusammenbruch der österreichich-ungarischen Monarchie und des Osmanischen Reiches gewann die Mehrzahl der Balkanvölker die Unabhängigkeit und schuf ihre Staaten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fand die Pariser Friedenskonferenz statt (1919-1929), die von den Siegermächten organisiert worden war, um die Bedingungen für den Frieden festzulegen. Bei dieser Konferenz wurde jedoch die Integration des Kosovo in Serbien mit militärischen Mitteln verwirklicht, eingeschlossen das Gebiet Ost-Kosovos (die Bezirke Bujanovc, Presheva und Medvegja). Dies alles war von den orthodoxen nationalistischen serbischen Kreisen im Kosovo gemeinsam mit den serbischen Wissenschaftlern und Publizisten vorprogrammiert worden29.

Es ist allgemein bekannt, dass die serbische Politik gegen die Albaner im XX. Jahrhundert zwischen Assimilierung und Deportation schwankte. Im Zeitraum 1919 – 1941 vermochte das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen 276 489 Albaner aus dem Kosovo in die Türkei vertreiben und rund 85 000 slawische Kolonisatoren mit 17.679 Familien ansiedeln30.

Im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) leisteten die Albaner ganz allgemein einen bedeutenden Beitrag zum Scheitern des italienisch-deutschen faschistischen Blocks; bis Kriegsende zählten die antifaschistischen Kräfte allein in Albanien 70.000 Soldaten, im Kosovo waren es rund 50.000.31. Dank der Positionierung der Albaner an der Seite der Antifaschistischen Koalition sowie gestützt auf die Erklärung der antifaschistischen Großmächte durch die Atlantikcharta (August 1942) hegten die Albaner sowohl im Kosovo als auch in Albanien die Hoffnung, dass nach dem Krieg das Prinzip der Selbstbestimmung und die nationalen Rechte der Völker respektiert würden. Gestützt auf die Prinzipien der Atlantikcharta beschlossen die kommunistischen und die nationalistischen Delegierten des Kosovo gemeinsam mit den serbischen und montenegrinischen Kommunisten aus dem Gebiet des Kosovo am 1. Januar 1944 auf der in Bujan abgehaltenen Konferenz, dass nach Kriegsende im Kosovo das Prinzip der Selbstbestimmung respektiert werden sollte. Die Konferenz von Prizren wurde hingegen am 8-10 Juli 1945 zusammengerufen, um den Eindruck zu erwecken, dass die Bevölkerung des Kosovo der Annektierung an Serbien zustimmen würde32. Entsprechend dieser in Belgrad ausgearbeiteten Resolution wurde beschlossen, dass die Republik Serbien die Provinz Kosovo (den engeren Kosovo) zusammen mit den Bezirken Bujanovc, Presheva und Medvegja erhalten sollte, die Republik Mazedonien den südlichen Teil des Kosovo annektieren sollte, d.h. die Bezirke Skopje, Tetovo, Gostivar, Kërçova, Kumanova, Dibra, Struga, Ohrit, Prespa, Përlep und Manastiri; während Montenegro den nordwestlichen Teil des Kosovo mit Plava, Gucina, Rozhaja, Ulqin und Tivar erhielt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb also mehr als die Hälfte des albanischen Volkes außerhalb der Grenzen des Nationalstaats. Ein großer Teil verblieb im Rahmen Jugoslawiens, der übrige Teil in Griechenland. Bei der Konferenz von Jalta am 11. Februar 1945 wurde beschlossen, dass Jugoslawien in den Grenzen des alten Königreichs der Karađorđević wiederherzustellen, wodurch der albanischen Bevölkerung im Kosovo, in der Dukagjin-Ebene, in Westmazedonien das Recht verwehrt wurde, ihren freien Willen im Rahmen des Prinzips der doch so sehr propagierten Selbstbestimmung der Völker zum Ausdruck zu bringen. Daher wurde von den erwähnten Staaten erneut damit begonnen, Gewalt und Terror gegen diese Bevölkerung zu verüben.

[...]


1 Hyseni, Mehdi: http://www.albaniapress.com/lajme/14265/STEFANOVIQI-SERB--U-PRIT-ME-KAFE-KURSE-ALBINET-E-VETEVENDOSJES--ME--KERBAC-%E2%80%93-KJO-ESHTE--PAVARESI-NGA-SERBIA.html (20.05.2011).

2 Korkuti, Muzafer / Anamali, Skender / Gjinari, Jorgji: Ilirët dhe gjeneza e shqiptarëvet, Tirana, 1969.

3 Hazizolli, Eriola: “Si shpetuam hebrenjte nga Holokausti”, ne Koha e Jone, Samstag, 26. Januar 2008. siehe: http://www.kohajone.com/artikull.php?idm=18316 [04.04.2011].

4 Altermatt, Urs: Etnonacionaizmi në Europë, Zürich, Tirana 2002, übersetzt von: Ardian Klosi, Bashkim Lahi, S. 12. Orig. Titel: Ethnonationalismus in Europa, 1996, Zürich

5 Bajraktari, Jusuf: Serbia pengesë serioze në çdo fazë zhvillimi, Bota Sot, dieses Referat wurde bei der wissenschaftlichen Tagung “Die Rolle der Albaner in der Balkanregion" vorgetragen, die am 24 Januar 2010 in Moskau abgehalten wurde, in: http://www.botasot.info/def.php?category=20&id=97664 (27.04.2011).

6 Souris, Nina / Hunscha, Sonja: Kommunikative Intelligenz von Prof. Ipke Wachsmuth und Timo Sowa, Sommersemester 2002, Universität Bielefeld - Technische Fakultät, 17. Mai 2002, S. 10.

7 Norstedt in: From the persian Gulf to Kosovo – War Journalism and Propaganda. In: European Journal of Communication 15 (2000), ff.. 383–404.

8 Melčić, Dunja: Der Jugoslawien-Krieg: Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen, Wiesbaden 2007, S. 122.

9 Römische Geschichte, Band 1, übersetzt mit kritischen und erklärenden Anmerkungen von Konrad Heusinger, Braunschweig, 1821, S. 53.

10 Ndarurinze, Renate: Albanien entdecken: auf den Spuren Skanderbegs, Berlin, 2008, S. 37

11 Drinov, Marin: Ethnologia Balkanica, Sofia, Münster, New York, 2000, S. 147.

12 Funke, Hajo / Rhotert, Alexander: Unter unseren Augen: Ethnische Reinheit. die Politik des Milosevic Regimes und die Rolle des Westens, Berlin 1999, S .64.

13 Zeihe, Julia: Der UN-Sicherheitsrat zwischen Reformbedarf und Selbstblockade, Interventionsstrategien und Selbstblockade, Norderstedt 2007, S. 20.

14 Christine von Kohl: Albanien, München, 1998, S.73.

15 Shuteriqi, Dhimiter S.: Historia e Letersise Shqipe, Prishtina 2006.

16 Lukan, Walter/ Trgovcevic, Ljubinka/ Vukcevic, Dragan: Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung, Geschichte, Sprache und Literatur - Kultur - Politik - Gesellschaft - Wirtschaft - Recht, Böhlau, Wien, Köln, Weimar, Frankfurt am Main, S. 131.

17 Runciman, Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, München 1966, S. 50.

18 Gashi, Musa: Some Facts About Kosova - Disa fakte mbi Kosovën, Skopje, 1997.

19 Bajrami, Hakif: Politika e shfarosjes se shqitareve dhe kolonizimi serb i Kosoves (1844-1995), Prishtina, 1995, S. 13.

20 ASANU, br. 13576/1-2, Uspomene Nikole Popovića iz Gračanice na Kosovu pod Turcima, gesammelt von Janićije Popović 1914.

21 Andryszewski, Tricia: Kosovo- The splintering of Yugoslavia, Brookfield (USA), 2000, S. 11.

22 Bajrami, Hakif:, S. 13.

23 http://www.kombi.im/cameria/e-verteta-e-%E2%80%9Cfshehur%E2%80%9D-e-pretendimit-grek-per-vorio-epirin.html (03.04.2011). E vërteta e fshehur e pretendimit grek për Vorio Epirin.

24 Pašić, Nikola: Dokumenti o spolnjoj politici, 5/3 , Beograd, S. 252.

25 http://www.kulturserver-hamburg.de/home/illyria/i.php3?s=a&p=kadare_mijevjecari_trete (08.05.2011).

26 Dokuments Diplomatique Francais, 3eme seri, t. VI,d.nr.25, Anexe p.50, d.nr.49,d.nr.256,d.nr.301.

27 Riedel, Sabine: Die Erfindung der Balkanvölker: Identitätspolitik zwischen Konflikt und Integration, Wiesbaden 2005, S. 69.

28 Bajraktari, Jusuf: Serbia pengesë serioze në çdo fazë zhvillimi, Bota Sot, dieses Referat wurde bei der wissenschaftlichen Tagung “Die Rolle der Albaner in der Balkanregion" vorgetragen, die am 24 Januar 2010 in Moskau abgehalten wurde, in: http://www.botasot.info/def.php?category=20&id=97664 (27.04.2011).

29 Oliver Jens Schmitt: Kosovo: kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, Wien, Köln, Weimar, 2008, f.165.

30 Bajrami, Hakif:, S. 13.

31 Llabjani, Kreshnik: Ngjarjet me te rendesishme qe percollen Kosoven deri ne pavaresi, in: http://www.albatlanta.com/webpub/publications/viewpub.asp?ID=1509 (23.03.2011).

32 Studime historike: Instituti i Historisë (Akademia e Shkencave e RPS të Shqipërisë), Universiteti Shtetëror i Tiranës. Instituti i Historisë e Gjuhësisë – 1990.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656086826
ISBN (Buch)
9783656086673
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184062
Institution / Hochschule
Universität Wien – Strafrecht und Kriminologie
Note
Schlagworte
Albaner Friedliche Konfliktlösung Albanien Kosova Ilirida Cameria Malesia e Madhe

Autor

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Titel: Die Bemühungen und Opfer der Albaner zur friedlichen Lösung der Konflikte mit anderen Ethnien auf dem Balkan