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Szenen einer Ehe: Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus

Essay 2011 5 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Macht oder Ohnmacht der PR?

Szenen einer Ehe: Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus

Dem Verhältnis zwischen Public Relations und Journalismus wird in der kommu- nikationswissenschaftlichen Forschung viel Aufmerksamkeit zuteil. Das Haupter- kenntnisinteresse liegt dabei auf der Analyse des Zusammenwirkens dieser bei- den publizistischen Teilsysteme bei der Generierung und Präsentation berichtenswerter Nachrichten. Während Public Relations-Aktivitäten als „Selbst- darstellung partikularer Interessen und speziellen Wissens durch Informationen“ definiert werden können, kann der Journalismus als „Fremddarstellung sowie als Funktion des Gesamtinteresses und allgemeinen Wissens“ gelten (Baerns 2009: 287). Bereits in dieser Definition kommt ein auf den ersten Blick hinsichtlich der Ziele und Vorgehensweisen antagonistisch anmutendes Verhältnis der beiden Systeme zum Ausdruck, welches enormes Konfliktpotential zu bergen scheint. Und doch: Ohneeinander geht es nicht. Denn während Public Relations betrei- bende Organisationen oder Personen auf der einen Seite „in erheblichem Maße auf die Veröffentlichung und Verbreitung [ihrer] Botschaften über die Massenme- dien angewiesen sind“, und daher „einen großen Teil [ihrer] Aktivitäten auf die Medienarbeit“ ausrichten, sind sie auf der anderen Seite „wichtige Informations- quellen der Massenmedien“, die „teils unverzichtbares Ausgangsmaterial für Ver- öffentlichungen“ liefern (Schulz 2002: 530). Bei der Analyse dieser ‚Liebesbezie- hung‘ stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage: Wer von beiden hat eigent- lich die Hosen an? Wer hat die Macht?

Der PR wurde und wird immer wieder große Macht unterstellt. PR kreiert Inhalte, platziert Botschaften und prägt Meinungen. Hochbezahlte PR-Berater sorgen für ein positives öffentliches Bild der ihnen anvertrauten Unternehmen, Organisationen und Personen. PR sorgt für öffentliche Aufmerksamkeit. PR stei- gert Verkaufszahlen. PR entscheidet Wahlen. Kurz: PR ist ein ernstzunehmender Machtfaktor in modernen Informations- und Wissensgesellschaften. Dabei trifft sie auf fruchtbaren Boden: Sich verschlechternde ökonomische Rahmenbedin- gungen und der Zwang zur Tagesaktualität schaffen in vielen Redaktionen ein Arbeitsklima, in dem der Abdruck vorgefertigter PR-Meldungen nicht als Verrat am eigenen Berufsstand, sondern schlicht und ergreifend als willkommene Ent- lastung wahrgenommen wird. Doch ist die Macht der PR wirklich so groß? Glaubt man der Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns, kann die Antwort nur lauten: Ja. Baerns, PR-Forscherin und Begründerin der ‚Determinationsthese‘, konnte in ihren Untersuchungen u.a. einen hohen Einfluss politischer PR auf die Medienberichterstattung zur nordrhein-westfälischen Landespolitik nachweisen (vgl. Baerns 1985). Nach Baerns beschränkt sich die journalistische Bearbei- tungsleistung demnach vor allem auf das Kürzen des PR-Materials und dessen schnelle Verbreitung, eine ausführliche Eigenrecherche finde kaum statt. Sie schloss daraus, dass PR sowohl die Themensetzung als auch indirekt das Timing der medialen Berichterstattung unter Kontrolle habe.

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Details

Seiten
5
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656085201
Dateigröße
328 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183968
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Kommunikationswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
PR Public Relations Journalismus Öffentlichkeitsarbeit Strategische Kommunikation Strategische Kommunikation und Macht Intereffikationsmodell Determinationsthese Macht der PR Ohnmacht der PR Mediensystem PR-System Publizistik Social Web Web 2.0 Journalistik Medienwandel Unternehmenskommunikation

Autor

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Titel: Szenen einer Ehe: Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus