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Die Amerikanische Revolution - Eigenverschulden Großbritanniens?

Seminararbeit 2006 20 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Gliederung:

Einleitung

I. Zwei Ideologien im Widerspruch
1) Die Amerika-Politik Großbritanniens (1763)
2) Die amerikanischen Kolonien unter britischer Herrschaft (1763)

II. Von passivem zu aktivem Widerstand: Die Vorgeschichte des Krieges
1) Der »Sugar Act« (1764)
2) Die Zuspitzung des Konflikts durch den »Stamp Act« (1765)
3) Eskalation des Aufruhrs: »The Boston Massacre« (1770)

Zusammenfassung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Mit der Entdeckung der “Neuen Welt” eröffnete sich den Europäern, die stark und Willens genug waren, sich der Herausforderung der Besiedlung und Urbanisierung neuen Landes fern der Heimat zu stellen, ungeahnte Möglichkeiten. Nach anfänglichen Enttäuschungen, hervorgerufen durch beschwerliche klimatische Verhältnisse und das Nichtvorhandensein reicher eingeborener Handelspartner oder großer Edelmetallvorkommen, setzte die Besiedlung des nördlichen Kontinents schließlich dennoch ein. Neben spanischen und französischen Niederlassungen etablierten sich nun auch britische Siedlungen. Entlang der Ostküste entstanden bis zum Jahre 1733 dreizehn Kolonien die der englischen Krone unterstanden.1 Neben den »Navigation Acts « von 1651, 1660 und 1696, die den Handel der Kolonien einschränken und der britischen Kontrolle unterwerfen sollten,2 stellten vor allem die Kolonialkriege schwere Belastungen für die britischen Kolonien dar. Die Kolonisten genossen zwar den Schutz der Krone, mussten dieser allerdings in ihren Kämpfen gegen Spanien oder Frankreich im nordamerikanischen Raum ebenso beistehen. Mit dem Friedensschluss von Paris im Jahre 1763 endete der “Siebenjährige Krieg” mit einem überragenden Sieg Englands. So schien die Vorherrschaft der britischen Krone in Nordamerika auf lange Zeit gesichert. Doch dies sollte sich schon bald als Trugschluss herausstellen.

Nach dem Sieg über Frankreich gedachten die meisten Siedler diesen Sieg auch auszunutzen und weiter Richtung Westen vorzudringen. Doch am 7. Oktober unterzeichnete König George III die Proklamation von 1763, die den Kolonisten alle privaten Landkäufe verbot und das Territorium jenseits des Appalachen-Gebirges militärischer Kontrolle unterwarf. Es folgten viele weitere Gesetze wie der »Sugar Act« oder der »Stamp Act«, die den Kolonisten Steuern und Zölle auferlegten.

Die Unstimmigkeiten, die aus diesen Maßnahmen resultierten, gipfelten in offenen Revolten. Der Widerstand gegen die, in den Augen der meisten Kolonisten zu Unrecht erlassenen, britischen Gesetze wurde immer offener. Zwei Ideologien prallten aufeinander und mussten entweder durch gegenseitiges Einvernehmen oder gewaltsame Auseinandersetzung, bei dem sich eine der Ideologien durchsetzen würde, ausgefochten werden.3

Die Frage ist nun, inwieweit sich Großbritannien den Abfall seiner amerikanischen Kolonien selbst zuzuschreiben hatte. Hätte der Krieg zwischen den Kontrahenten bspw. durch mehr Einsicht seitens des britischen Parlaments verhindert werden können? Oder war es einzig und allein der Freiheitsgedanke, der Gedanke der Unabhängigkeit, der die Kolonien dazu veranlasste sich vom britischen Empire zu lösen? Dachte Großbritannien tatsächlich, mit den amerikanischen Kolonien, die zum Großteil von ihren eigenen Bürgern bevölkert wurden, genauso verfahren zu können wie mit allen anderen Kolonien zuvor? War die Unabhängigkeit von Seiten der Kolonien überhaupt gewollt oder durch die von Großbritannien geschaffenen Verhältnisse der letzte Ausweg zur Bewahrung ihrer grundlegenden Rechte?

Ich werde versuchen auf das eine oder andere Ereignis, wie den »Stamp Act« oder das »Boston Massacre«, etwas näher einzugehen, um so eine Antwort auf meine Fragen zu finden.

Ferner werde ich in der vorliegenden Hausarbeit die neue deutsche Rechtschreibung verwenden und englische Eigennamen oder bestimmte Bezeichnungen »kursiv« halten.

I. Zwei Ideologien im Widerspruch

1) Die Amerika-Politik Großbritanniens 1763

Der Siebenjährige Krieg, oder der »French and Indian War« (1754-1763) wie er in Amerika hieß, endete für Großbritannien mit einem großartigen Sieg über Frankreich und steigerte die Macht des British Empire in ungekanntem Maße. Nach einer weiteren Hürde, die sich in Form eines großangelegten Indianeraufstandes äußerte,4 erlangte Großbritannien die Vorherrschaft über den nordamerikanischen Raum.5

Wie alle Kriege forderte auch dieser seine Opfer und brachte umfangreiche Kosten mit sich. Die Restauration des Staatshaushaltes hatte Priorität. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Spanien, das einen großen Vorrat an Gold- und Silberbarren besass, musste Großbritannien überwiegend durch gewinnbringenden Handel seine Staatskasse füllen. Das System des Merkantilismus, auf dem die Wirtschaft Großbritanniens basierte, sorgte in erster Linie dafür, dass es dem Mutterland gut ging. Die Kolonien waren für die Bereitstellung von Rohstoffen und Gütern, die im Mutterlande weiterverarbeitet wurden, verantwortlich und sollten wiederum fertige Manufakturwaren aus dem Mutterland importieren. Durch die »Navigation Acts « von 1651, 1660 und 1696 wurde dieses System per Gesetz festgeschrieben und es den Kolonien ferner untersagt, mit dem Ausland Handel zu treiben. Alle Waren mussten direkt nach England verschifft und durften ausschließlich in englischen Schiffen transportiert werden, um durch den Handel innerhalb des britischen Imperiums die größtmögliche Gewinnspanne für das Mutterland zu erzielen. Die Kolonien mussten ihre Waren und Rohstoffe günstig abgeben, konnten allerdings von den Verbindungen englischer Kaufmänner auf dem europäischen Markt profitieren, da sie feste Abnehmer für die Güter der Kolonisten hatten. Mit nichteuropäischen Waren wie Reis, Indigo oder Tabak gelang es den amerikanischen Kolonien sogar indirekter Marktführer zu werden.6 Hinzu kam die Verdopplung der stationierten Truppen in Nordamerika, um die neu eroberten Gebiete auch wirksam verteidigen zu können.7

In den Jahren nach dem Siebenjährigen Krieg kam diesem System des Merkantilismus eine noch gewichtigere Rolle zu als zuvor. Die Ausgaben stiegen, aber gleichzeitig war das Limit zur Erhebung von Steuern und Zöllen im Heimatland erreicht. Das durch den Krieg entstandene finanzielle Loch in der britischen Staatskasse musste demnach durch die Erhebung von Steuern in anderen Teilen des Reiches gestopft werden. Lord Bute, der neue Schatzkanzler Großbritanniens, war wie viele andere Briten der Ansicht, dass die Truppen in den Kolonien vor allem zum Schutz selbiger da wären und die Kolonisten sich somit an der Unterhaltung der Truppenverbände, indem sie diese beherbergten und ernährten, beteiligen müssten. Mit den »Quartering Acts« 1765 wurde dieses per Gesetz festgeschrieben.8 Außerdem sei der Krieg in Nordamerika in erster Linie zum Schutz der amerikanischen Kolonien geführt worden. Somit hätten diese mit zur Sanierung des Staatshaushaltes beizutragen. Diese Auffassung teilten die Kolonisten keineswegs, was zu erster Verbitterung führte.9

Im April des Jahres 1763 wurde Lord Bute durch den überzeugten Merkantilisten George Grenville ersetzt.10 Eine Reihe von Erlässen (siehe Punkt II-1 und II-2), die zu immer größerem Unmut in den Kolonien führten, folgte dessen Amtsantritt. Da alle Erlässe vom Parlament durchgesetzt wurden, hätten sich die Kolonisten als Bürger der britischen Krone diesen fügen müssen. Da die Kolonien selbst allerdings kein Mitspracherecht im Parlament für sich beanspruchen konnten, dachten sie auch nicht daran, die ohne ihre Mitwirkung erlassenen Gesetze anzuerkennen.

2) Die amerikanischen Kolonien unter britischer Herrschaft

Nach endgültiger Beendigung des »French and Indian War« war der Weg für die Kolonisten frei, um neues Land jenseits der bisherigen provisorischen Grenzen zu erforschen und zu besiedeln. So dachten sie zumindest. Doch Großbritannien hatte andere Ansichten bezüglich des neu erworbenen Landes. Weitere 15 Infanteriebataillone wurden auf dem Kontinent stationiert,11 deren Unterhaltung zudem auch noch die Kolonien mitfinanzieren sollten. Ferner sollten sie für die Kosten eines Krieges belangt werden, den sie selbst mitbestritten hatten. Das neu erworbene Land jenseits der Appalachen wurde unter die militärische Kontrolle der Briten gestellt und es wurde den Kolonisten verwehrt dort zu siedeln. Es musste für die Kolonisten so aussehen, als ob England sie den hart erkämpften Sieg gegen die Franzosen nun nicht ausnützen ließ. Auch wenn die zusätzlich stationierten Truppenverbände auch zum Schutz der Kolonien da gewesen sind, schien ihr Hauptzweck doch die bessere Kontrolle der Kolonien und deren Handel zu sein.12

Entgegen den britischen Vorstellungen zogen es die meisten Kolonisten vor, sich selbst zu versorgen. Die teuren Importwaren Großbritanniens wurden nur in nötigem Maß gekauft, denn über Jahrzehnte hinweg hatten sich die unterschiedlichsten Wirtschaftszweige herausgebildet. Die amerikanischen Kolonisten wollten sich wie bisher selbst verwalten und ihre ökonomische Entwicklung vorantreiben. Selbstverständlich sahen die Menschen dabei auf das neu erworbene Land und die Ausschaltung von Frankreich und Spanien als Störfaktoren ihrer weiteren ökonomischen Expansion und Erschließung des Kontinents durch weitere Besiedlung eigener Landsmänner. Gewinnbringende Landspekulation und Abbau von unentdeckten Ressourcenvorkommen standen ebenso in Aussicht. Viele Möglichkeiten das neue Land zu nutzen wollten ergriffen werden, schließlich hatte sich die Bevölkerung der amerikanischen Kolonien unglaublich vermehrt. Im Jahr 1713, in dem etwa 330.000 Einwohner die Kolonien bewohnten, waren es noch vergleichbar überschaubare Verhältnisse. Im Gegensatz dazu waren es im Jahr 1763 schon mehr als fünf Mal so viele. Ein Ende dieses gigantischen Bevölkerungswachstums war nicht in Sicht und bereits ein Jahrzehnt später sollte dieses sich wieder um eine halbe Million vergrößert haben.13 Die Kolonien wurden über viele Jahrzehnte des Aufbaus ohne starke Kontrolle durch die Engländer immer eigenständiger und wollten diese Eigenständigkeit letztendlich nicht mehr hergeben. Das Jahr 1763 war nur der Anfang eines tiefgehenden Zwiespalts zwischen den Vorstellungen Großbritanniens und denen der immer eigenständiger werdenden amerikanischen Kolonien. Thomas Jefferson erklärte 1774 die Sichtweise der Kolonien vor ihrem Mutterland so: „[...] America was conquered, and her settlements made and firmly established, at the expense of individuals, and not of the British public. Their own blood was spilt in acquiring lands for their settlement, their own fortunes expended in making that settlement effectual. For themselves they fought, for themselves they conquered, and for themselves they have right to hold.”14 Schon 1763 muss der Gedanke der von Großbritannien unabhängigen Weiterentwicklung in zunächst wirtschaftlicher Sicht in den Köpfen vieler vorgeherrscht haben. Anders ist der folgende Boykott, der in offenem Aufruhr mündete, nicht zu erklären.

[...]


1 Vgl. Hans R. Guggisberg, Geschichte der USA, Stuttgart 2002, S. 9ff.; Charles A./Mary R Beard, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Zürich 1948, S. 13ff.

2 Vgl. Oliver M. Dickerson, The Navigation Acts and the American Revolution, New York 1963, S. 7ff.

3 Vgl. Hans R. Guggisberg, a. a. O., S. 31ff.

4 Dem Indianeraufstand konnte nur mit größeren Truppenaufgeboten Einhalt geboten werden. Nach seinem Anführer, Häuptling Pontiac, wurde der Aufstand »Pontiacs Rebellion« genannt. Siehe dazu: William Gee White/D. Duane Cummies, Inquiries into American History: The American Revolution, USA [Erscheinungsort unbekannt] 1973, S. 52-56.

5 Vgl. Ebd., S. 14.

6 Vgl. William Gee White/D. Duane Cummies, a. a. O., S. 18ff. sowie Oliver M. Dickerson, a. a. O., S. 34ff.

7 Vgl. William Gee White/D. Duane Cummies, a. a. O., S. 23.

8 Vgl. Harry M. Ward, The American Revolution, Nationhood Achieved, 1763-1788, New York 1995, S. 40.

9 Vgl. ebd. sowie Hans R. Guggisberg, a. a. O., S. 34.

10 Siehe zur Einsetzung George Grenville’s: P. D. G. Thomas, British Politics and the Stamp Act Crisis, The first phase of the American Revolution, 1763-1767, London 1975, S. 1-20.

11 Vgl. John Shy, Toward Lexington, The Role of the British Army in the Coming of the American Revolution, New Jersey 1965, S. 52.

12 Vgl. Hans R. Guggisberg, a. a. O., S. 33f.

13 Vgl. William Gee White/D. Duane Cummies, a. a. O., S. 49ff.

14 Adrienne Koch/William Peden (Hrsg.), The Life and Selected Writings of Thomas Jefferson, New York 1944, S. 294.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656084037
ISBN (Buch)
9783656084020
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183897
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
USA Sugar Act Stamp Act Boston Tea Party Boston Massacre Amerikanische Revolution England Großbritannien Kolonialpolitik Revolution

Autor

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