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Corporate Finance: Kapitalbeschaffung

Seminararbeit 2011 32 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Überblick über die Finanzierungsarten

3 Innenfinanzierung
3.1 Finanzierung aus Umsatzerlösen
3.1.1 Selbstfinanzierung
3.1.1.1 Offene Selbstfinanzierung
3.1.1.2 Stille Selbstfinanzierung
3.1.1.3 Beurteilung der Selbstfinanzierung
3.1.2 Finanzierung mittels Abschreibungen
3.1.3 Finanzierung mittels Pensionsrückstellungen
3.2 Finanzierung durch sonstige Kapitalfreisetzungen

4 Außenfinanzierung
4.1 Finanzierungsphasen eines Unternehmens
4.2 Eigenfinanzierung
4.2.1 Beteiligungsfinanzierung von Unternehmen ohne Zugang zur Börse
4.2.2 Private Equity und Venture Capital
4.2.3 Beteiligungsfinanzierung von Unternehmen mit Zugang zur Börse
4.3 Fremdfinanzierung
4.3.1 Kurzfristige Fremdfinanzierung
4.3.1.1 Handelskredite
4.3.1.1.1 Lieferantenkredit
4.3.1.1.2 Kundenanzahlung
4.3.1.2 Bankkredite
4.3.1.2.1 Bankkredite als Geldkredite
4.3.1.2.1.1 Kontokorrentkredit
4.3.1.2.1.2 Diskontkredit
4.3.1.2.1.3 Lombardkredit
4.3.1.2.2 Bankkredite als Kreditleihen
4.3.1.2.2.1 Akzeptkredit
4.3.1.2.2.2 Avalkredit
4.3.1.2.3 Kredite im Auslandsgeschäft
4.3.1.2.3.1 Rembourskredit
4.3.1.2.3.2 Negoziierungskredit
4.3.2 Langfristige Fremdfinanzierung
4.3.2.1 Bankdarlehen
4.3.2.2 Schuldscheindarlehen
4.3.2.3 Anleihen
4.3.2.3.1 Industrieobligationen
4.3.2.3.2 Wandelanleihen
4.3.2.3.3 Optionsanleihen
4.3.2.3.4 Gewinnschuldverschreibungen
4.3.2.4 Staatliche Kreditförderung
4.3.3 Kreditsubstitute
4.3.3.1 Factoring
4.3.3.2 Forfaitierung
4.3.3.3 Asset Backed Securities
4.3.3.4 Leasing
4.4 Mezzanine-Finanzierung
4.4.1 Equity Mezzanine
4.4.1.1 Vorzugsaktien
4.4.1.2 Genussrechte
4.4.1.3 Atypisch stille Beteiligungen
4.4.2 Hybride Formen von Mezzanine-Kapital
4.4.3 Debt Mezzanine
4.4.3.1 Typisch stille Beteiligungen
4.4.3.2 Partiarische Darlehen
4.4.3.3 Gesellschafterdarlehen
4.4.3.4 Verkäuferdarlehen
4.4.3.5 Nachrangdarlehen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Finanzierungsarten nach der Kapitalherkunft

Abbildung 2: Beispielhafte Kalkulation eines Angebotspreises zur Erfassung finanzieller Gegenwerte für die Innenfinanzierung

Abbildung 3: Wirkung von Pensionsrückstellungen

Abbildung 4: Phasen des Lebenszyklus eines Unternehmens

Abbildung 5: Ablauf des offenen und stillen Factorings

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Unternehmen produzieren Güter oder erstellen Dienstleistungen und beteiligen sich so an der Volkswirtschaft eines Landes. Um überhaupt produzieren zu können, müssen Produktionsfaktoren wie Maschinen, Werkstoffe und Mitarbeiter bereitgestellt werden. Dies erfordert genügend finanzielle Mittel, die die Unternehmen bereits im Voraus aufbringen müssen, d.h. eine Kapitalbeschaffung von Eigen- oder Fremdkapital ist notwendig. Kapitalbeschaffung im weitesten Sinn wird definiert als „die Bereitstellung von finanziellen Mitteln jeder Art einerseits zur Durchführung der betrieblichen Leistungserstellung und Leistungsverwertung und andererseits zur Vornahme bestimmter außerordentlicher finanztechnischer Vorgänge wie z.B. die Gründung, Kapitalerhöhung, Börsengang, Fusion, Umwandlung, Sanierung und Liquidation.“1

Unternehmen haben viele verschiedene Möglichkeiten Kapital zu beschaffen, dazu zählt neben der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung auch die Finanzierung durch Sacheinlagen. Jedoch sollten bei der Wahl des optimalen Finanzierungsinstruments das Volumen des Kapitalbedarfs und auch die Kapitalkosten Berücksichtigung finden.2

Die Finanzierungsentscheidung hängt aber auch von den Kriterien Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit ab. So ist es den Unternehmen neben einer angemessenen Rentabilität (Gewinn bzw. Jahresüberschuss im Verhältnis zum eingesetzten Kapital) auch wichtig liquide Mittel zur Verfügung zu haben, um bestehenden und künftigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Ein weiteres Kriterium ist die Sicherheit, d.h. Unternehmen müssen immer den Verschuldungsgrad berücksichtigen, wenn sie sich für eine Art der Kapitalbeschaffung entscheiden. Zusätzlich möchten Betriebe unabhängig und flexibel bleiben und keine neuen Mitspracherechte bilden, die sie eventuell in ihren Entscheidungen einengen könnten.3

In dieser Arbeit wird zuerst ein kurzer Überblick über die verschiedenen Finanzierungsarten gegeben, um anschließend genauer auf Innen- und Außenfinanzierungsmöglichkeiten einzugehen. Grundsätzlich soll ein breiter Überblick über die Finanzierungsmöglichkeiten gegeben und deren Ausgestaltung sowie die Vor- und Nachteile, die sich für Unternehmen ergeben, erläutert werden.

2 Überblick über die Finanzierungsarten

Um einen Überblick über die unterschiedlichen Finanzierungsformen zu bekommen, werden sie anhand verschiedener Kriterien systematisiert. Eine Einteilung der Finanzierung nach Eigen- oder Fremdkapital, also nach der Kapitalart, ist genauso möglich wie nach der Fristigkeit (unbefristet, kurz-, mittel-, langfristig) oder nach den unterschiedlichen Anlässen.4

Weit verbreitet ist die Systematisierung der Finanzierungsmöglichkeiten nach der Kapitalherkunft, auf die auch die vorliegende Arbeit aufbaut. Abbildung 1 zeigt, dass bei dieser Einteilung unterschieden wird, ob Kapital von außerhalb in das Unternehmen zufließt (Außenfinanzierung) oder ob es von innen kommt, d.h. aus eigener Kraft (Innenfinanzierung). Zusätzlich muss bei beiden Arten der Kapitalbeschaffung zwischen Fremd- und Eigenfinanzierung unterschieden werden.

Bei der Einlagen- und Beteiligungsfinanzierung wird Eigenkapital von außen durch die Eigentümer bzw. Anteilseigner in das Unternehmen eingebracht. Das Kapital ist unbefristet verfügbar, beteiligt sich sowohl am Gewinn als auch am Verlust des Betriebs und räumt dem Kapitalgeber i.d.R. ein Mitspracherecht ein. Die Kreditfinanzierung wird charakterisiert durch eine befristete Kapitalüberlassung von außen und zählt deshalb zur Fremdfinanzierung. Der Gläubiger hat, unabhängig vom Unternehmenserfolg, einen Anspruch auf Zinszahlungen und die Tilgung des Kredits zum vereinbarten Termin.5

Des Weiteren zählen Mischformen (Mezzanine-Kapital) zur Außenfinanzierung, die jedoch aufgrund ihrer besonderen Ausgestaltungen nicht eindeutig dem Eigen- oder Fremdkapital zugeordnet werden können.

Im Gegensatz zur Außenfinanzierung bezeichnet die Innenfinanzierung den Zufluss an finanziellen Mitteln, der aus dem betrieblichen Umsatzprozess und durch Kapitalfreisetzungen innerhalb des Unternehmens entsteht. Die Selbstfinanzierung, die zur Finanzierung aus Umsatzerlösen gehört, führt dem Unternehmen Eigenkapital zu. Abweichend dazu zählt die Finanzierung mittels Pensionsrückstellungen zur Fremdfinanzierung, da die begünstigten Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Pensionszahlungen haben. Eine präzise Zuordnung zu Eigen- oder Fremdkapital ist für die Finanzierungen mittels Abschreibungen und durch sonstige Kapitalfreisetzungen nicht möglich, da keine Veränderung des Kapitalbereichs eintritt.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Finanzierungsarten nach der Kapitalherkunft

Quelle: in Anlehnung an Olfert, K., Reichel, C.: Finanzierung, 14. Aufl., Ludwigshafen (Rhein) 2008, S. 33.

3 Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung wird dem Unternehmen über die betrieblichen Umsatzprozesse Kapital zugeführt. Dieses Kapital fließt zwar „von außen zu, aber lediglich in Form des Rückflusses bereits einmal investierter Mittel bzw. in Form von Umsatzgewinnen“7. Es wird unterschieden zwischen der Finanzierung aus Umsatzerlösen, die zu einer Vermögensbildung z.B. durch nicht entnommene Gewinne führt, und der Vermögensumschichtung, die gebundenes Kapital freisetzt. Die Innenfinanzierung ist eine günstige Finanzierungsform, da die Mittel im Unternehmen bereits vorhanden sind und deswegen kein teures Kapital von außen aufgenommen werden muss.

3.1 Finanzierung aus Umsatzerlösen

Die Finanzierung aus Umsatzerlösen ist die gängigste Form der Innenfinanzierung und auch unter den Begriffen Überschuss- oder Cashflow-Finanzierung bekannt. Um eine interne Kapitalbeschaffung durchführen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein (siehe Abb. 2). Zum einen müssen Gewinnmargen, Rückstellungen sowie Abschreibungen in die Angebotspreise einkalkuliert werden, zum anderen müssen die Produkte auch zu diesem Angebotspreis verkauft werden. Letztendlich führen die Umsatzerlöse zu einer Einzahlung, d.h. dem Unternehmen fließen die kalkulierten finanziellen Gegenwerte in Liquidität zu, die dann für die Innenfinanzierung verwendet werden können. Diese Art der Kapitalbeschaffung führt zu einer Bilanzverlängerung, da zusätzliches Kapital im Unternehmen gebildet wird.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispielhafte Kalkulation eines Angebotspreises zur Erfassung finanzieller Gegenwerte für die Innenfinanzierung

Quelle: Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 458.

3.1.1 Selbstfinanzierung

Eine Selbstfinanzierung erfolgt durch zurückbehaltene, d.h. nicht ausgeschüttete Gewinne. Daraus folgt, dass ein Unternehmen nur dann eine solche Art der Kapitalbeschaffung durchführen kann, wenn es auch Gewinne erwirtschaftet. Je nachdem, ob der zurückbehaltene Gewinn in der Bilanz ausgewiesen wird oder nicht, kann zwischen offener und stiller Selbstfinanzierung unterschieden werden.

3.1.1.1 Offene Selbstfinanzierung

Bei der offenen Selbstfinanzierung wird der in der Bilanz und GuV ausgewiesene Gewinn vollständig oder teilweise einbehalten und nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass der ausgewiesene Gewinn der Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer sowie der Gewerbesteuer unterliegt und somit für die Kapitalbeschaffung nur der Gewinn nach Steuern zur Verfügung steht. Die Entscheidung über die Gewinnverwendung kann entweder freiwillig oder aufgrund gesetzlicher Vorschriften erfolgen.9

Werden Bilanzgewinne bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften nicht ausgeschüttet, so erfolgt eine Gutschrift auf den Kapitalkonten der einzelnen Inhaber. Da bei diesen beiden Rechtsformen Rücklagen in der Bilanz nicht gesondert ausgewiesen werden, führt eine Gewinnthesaurierung direkt zu einer Erhöhung des Eigenkapitals.10

Um zu verhindern, dass sich die Gesellschafter den kompletten Jahresüberschuss ausschütten lassen, sind Kapitalgesellschaften mit festem Nominalkapital an verschiedene gesetzliche Vorschriften zur Rücklagenbildung gebunden. Durch die Bildung von Rücklagen kann der Ausschüttungsbetrag gesenkt und so finanzielle Mittel zur Selbstfinanzierung im Unternehmen gebunden werden.

Laut § 266 HBG sind folgende offene Rücklagen vorgesehen:

- Kapitalrücklagen
- Gewinnrücklagen
- Gesetzliche Rücklage
- Rücklage für eigene Anteile
- Satzungsmäßige Rücklagen
- Andere Gewinnrücklagen

Die Kapitalrücklagen haben bei der Selbstfinanzierung aus versteuertem Gewinn keine Bedeutung, da dort Agiobeträge, die bei der Ausgabe von Aktien, Wandel- und Optionsanleihen erzielt werden, und Zuzahlungen, die Gesellschafter in das Eigenkapital einbringen, eingestellt werden.11 Aus diesem Grund wird hier nur auf die Gewinnrücklagen eingegangen.

Die gesetzliche Rücklage ist nur bei der AG bzw. KGaA gesetzlich vorgeschrieben. § 150 Abs. 2 AktG sieht vor, dass 5 % des um den Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten Jahresüberschusses darin eingestellt werden müssen, bis die gesetzliche Rücklage und die Kapitalrücklage zusammen 10 % oder den in der Satzung bestimmten höheren Teil des Grundkapitals erreichen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die gesetzliche Rücklage aufgelöst und für die Finanzierung eingesetzt werden (siehe § 150 Abs. 3 und 4 AktG).

Von der Pflicht zur Bildung einer Rücklage für eigene Anteile (§ 272 Abs. 4 HGB) sind alle Kapitalgesellschaften gleichermaßen betroffen. Diese Rücklage stellt eine Ausschüttungssperre dar, die gewährleisten soll, dass der Erwerb eigener Anteile nicht zur Rückzahlung von Grund- oder Stammkapital oder Rücklagen mit satzungsmäßiger Bindung führt. Die Rücklage kann aus vorhandenen, frei verfügbaren Gewinnrücklagen oder aus dem Jahresüberschuss erfolgen und muss bereits bei der Bilanzaufstellung gebildet werden. Die Höhe der Rücklage ergibt sich aus der Bewertung der eigenen Anteile auf der Aktivseite der Bilanz und eine Auflösung darf nur erfolgen, wenn die eigenen Anteile ausgegeben, veräußert oder eingezogen werden.12

Satzungsmäßige Rücklagen müssen Kapitalgesellschaften bilden, wenn sie aufgrund der Satzung dazu verpflichtet sind. Diese Rücklagen können entweder zweckfrei oder für einen bestimmten Zweck, z.B. für größere Investitionen im Anlagevermögen gebildet werden.

In die anderen Gewinnrücklagen werden alle Gewinnrücklagen eingestellt, die in keiner anderen Kategorie erfasst wurden. Hier kommt das Recht zum Tragen, dass wenigstens über einen Teil des Jahresüberschusses frei entschieden werden darf, ob er ausgeschüttet wird oder nicht. Die Einstellung in andere Gewinnrücklagen bei der AG bzw. KGaA wird in § 58 AktG genau geregelt.13

3.1.1.2 Stille Selbstfinanzierung

„Die stille Selbstfinanzierung erfolgt durch Einbehaltung nicht ausgewiesenen Gewinns. Der Gewinnausweis wird durch bewusste bilanzpolitische Maßnahmen verringert, wodurch stille Reserven entstehen. Da die stillen Reserven erst bei ihrer Auflösung der Ertrag- bzw. Körperschaftsteuer unterliegen, erfolgt die stille Selbstfinanzierung aus noch unversteuertem Gewinn.“14

Stille Reserven können durch die Unterbewertung von Vermögensgegenständen (Aktiva) oder durch die Überbewertung von Verbindlichkeiten (Passiva) entstehen. Dies kann z.B. erfolgen, wenn im Anlagevermögen zu hohe Abschreibungen vorgenommen oder im Umlaufvermögen zu niedrige Herstellungskosten angesetzt werden. Zusätzlich können auf der Passivseite der Bilanz zu hohe Rückstellungen oder Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden, um so bewusst stille Reserven zu schaffen.15

Die stille Selbstfinanzierung soll noch einmal an einem Beispiel erläutert werden. Wird ein Firmenwagen, der für 30.000 € gekauft wurde, auf sechs Jahre abgeschrieben, so wird der Gewinn jährlich um 5.000 € geschmälert und demzufolge verringert sich auch die Steuerbelastung. Nach sechs Jahren ist der Firmenwagen komplett abgeschrieben und taucht in der Bilanz nur noch mit einem Euro als Erinnerungswert auf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wagen i.d.R. aber nicht wertlos, sondern hat noch einen Zeitwert von z.B. 8.000 €. Dieser Betrag stellt eine stille Reserve dar, die aus der Bilanz nicht ersichtlich ist und erst aufgedeckt wird, wenn der Firmenwagen zum Zeitwert verkauft wird.

Bei der stillen Selbstfinanzierung erfolgt die Versteuerung erst, wenn die stillen Reserven aufgedeckt werden. Es ist jedoch zu beachten, dass dadurch keine Steuerersparnis sondern nur eine Steuerstundung zustande kommt. Diese Steuerstundung hat den Vorteil, dass dem Unternehmen bis zur Realisierung der stillen Reserven mehr Liquidität zur Verfügung steht. Zusätzlich zu den Steuerzahlungen werden auch die Gewinnausschüttungen in die Zukunft verschoben.16

3.1.1.3 Beurteilung der Selbstfinanzierung

Die Selbstfinanzierung stellt für Unternehmen eine günstige Form der Eigenkapitalfinanzierung dar. Die Betriebe sind nicht an Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen gebunden und müssen keine Sicherheiten stellen, außerdem sind sie unabhängig vom Kapitalmarkt und von Fremdkapitalgebern. Ferner ändern sich durch die Selbstfinanzierung die Herrschaftsverhältnisse nicht, es müssen keine Vorschriften für die Verwendung der aufgebrachten finanziellen Mittel beachtet werden und die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nimmt aufgrund der gestärkten Eigenkapitalausstattung zu. Zudem ist auch der Steuerstundungsvorteil bei der stillen Selbstfinanzierung nicht zu vergessen, der sich positiv auf die Rentabilität und Liquidität eines Unternehmens auswirkt. Trotzdem darf nicht davon ausgegangen werden, dass die Selbstfinanzierung kostenlos ist, denn die Opportunitätskosten einer Alternativinvestition sollten berücksichtigt werden. Darüber hinaus kann es passieren, dass Fehlinvestitionen getätigt werden, da Entscheidungen subjektiv oder zu wenig fundiert getroffen werden.17

3.1.2 Finanzierung mittels Abschreibungen

Abnutzbares Anlagevermögen, z.B. Gebäude oder Maschinen, verliert im Laufe der Zeit an Wert und muss daher i.d.R. nach Ablauf der Nutzungsdauer ersetzt werden (Ersatzinvestition). Mithilfe der Abschreibung, die eine nicht ausgabenwirksame Aufwendung darstellt, werden liquide Mittel angesammelt, die dann für die Ersatzinvestition herangezogen werden können. Voraussetzung dafür ist, dass die Abschreibungen in die Angebotspreise einkalkuliert werden und als Gegenwerte über die Umsatzerlöse wieder in das Unternehmen zurückfließen. Die Finanzierung aus Abschreibungen ist eine Finanzierung aus Vermögensumschichtung, da gebundene Finanzmittel in liquide Mittel zurückgeführt werden. Aus diesem Grund nimmt der Wert des Anlagevermögens ab und der Wert des Umlaufvermögens nimmt zu (Aktivtausch).18

Abschreibungsgegenwerte haben einen Finanzierungseffekt, da diese nicht angespart und für die Ersatzinvestition des Anlagegegenstandes nach Ablauf der Nutzungsdauer verwendet werden müssen, d.h. sie sind nicht zweckgebunden. Wenn sie stattdessen zwischenzeitlich auch anderweitig in Form von liquiden Mitteln eingesetzt werden, dann spricht man von einem Kapitalfreisetzungseffekt. Zur Finanzierung aus Abschreibungen zählen allerdings nur diejenigen Abschreibungen, die dem tatsächlichen Wertminderungsverlauf des Wirtschaftsgutes entsprechen.

Übersteigt die Abschreibung die tatsächliche Wertminderung, so entstehen stille Reserven, die zu einer stillen Selbstfinanzierung führen.19

Werden die Abschreibungsgegenwerte nicht für Ersatzbeschaffungen, sondern für Erweiterungsinvestitionen verwendet, so führt der Kapitalfreisetzungseffekt zu einer Kapazitätserweiterung (Lohmann-Ruchti-Effekt). Die freigesetzten Abschreibungsbeträge werden kontinuierlich in neue Investitionen angelegt und somit ist keine Finanzierung mit externem Eigenoder Fremdkapital notwendig.20

Für die Theorie des Kapazitätserweiterungseffekts gelten viele Annahmen, die in der Realität nicht immer eintreten, deshalb sollte die Bedeutung nicht überschätzt werden. So ist es eine unabdingbare Voraussetzung, dass die Abschreibungsgegenwerte über die Umsatzerlöse in das Unternehmen zurückfließen. Zudem kann es nur zu einer Kapazitätserweiterung kommen, wenn freigesetzte Mittel wieder in das Anlagevermögen investiert werden. Des Weiteren werden konstante Wiederbeschaffungskosten angenommen und der technische Fortschritt wird nicht berücksichtigt. Eine Ersatzinvestition, die im Vergleich zur Erstinvestition höhere Wiederbeschaffungskosten, jedoch den identischen technischen Stand aufweist, führt demnach zu einer Reduzierung des Kapazitätserweiterungseffekts. Außerdem muss beachtet werden, dass eine Investition in das Anlagevermögen i.d.R. auch zu einer Ausweitung des Umlaufvermögens führt und dies wiederum erfordert z.B. höhere Lagerbestände oder mehr Arbeitskräfte. Um das zusätzliche Umlaufvermögen finanzieren zu können, muss das Unternehmen die Abschreibungsgegenwerte eventuell auf Anlage- und Umlaufvermögen verteilen und eine geringere Kapazitätserweiterung in Kauf nehmen. Letztendlich hängt jedoch jede Erweiterung der Kapazität von den Absatzmöglichkeiten ab.21

3.1.3 Finanzierung mittels Pensionsrückstellungen

Unternehmen können ihren Arbeitnehmern im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung eine vertragliche Alters-, Invaliden- oder Hinterbliebenenversorgung zusichern. Diese Zusicherung kann über verschiedene Wege erfüllt werden, einer davon ist die Bildung von Pensionsrückstellungen. Dafür werden während der Beschäftigungsdauer des Arbeitnehmers Kapitalbeträge zurückgestellt, die für das Unternehmen einen Aufwand darstellen und erst nach Erreichen des Versorgungsalters zu einer Auszahlung führen. Durch die zeitliche Differenz zwischen Bildung und Auflösung der Pensionsrückstellungen entsteht der Finanzierungseffekt. Jedoch muss auch hier wieder die Voraussetzung erfüllt sein, dass die Rückstellungen in die Angebotspreise einkalkuliert und über die Umsatzerlöse in Form von liquiden Mitteln in das Unternehmen zurückfließen.22

Damit die Pensionsrückstellungen steuerlich anerkannt werden, müssen sie nach versicherungsmathematischen Grundsätzen berechnet werden, dafür sind unter anderem die wahrscheinliche Lebenserwartung sowie Zinsen und Zinseszinsen zu berücksichtigen. Die Berechnung des Barwerts der zukünftigen Pensionszahlungen erfolgt mit dem gesetzlichen Mindestzinssatz von 6 % p.a.. Werden die Pensionsrückstellungen nach den steuerrechtlichen Vorschriften berechnet, so vermindern sie in Form von Aufwendungen den Gewinn und es entsteht ein Steuerstundungseffekt.23

Anhand der Abbildung 3 lässt sich die Wirkung der Pensionsrückstellungen erklären, die sich in drei Phasen gliedert. In Phase I werden deutlich mehr Rückstellungen gebildet als Pensionszahlungen erfolgen, deshalb ist der Finanzierungseffekt sehr hoch. Das Unternehmen kann dieses Kapital zwischenzeitlich für andere Zwecke nutzen. Dieser Fall tritt z.B. bei einem jungen Unternehmen auf, da anfangs viele Arbeitnehmer eingestellt werden und nur wenige in den Ruhestand gehen. In Phase II entsprechen die Zuführungen zu Pensionsrückstellungen den Pensionszahlungen, es entsteht somit kein zusätzlicher Finanzierungseffekt. Sobald die Pensionszahlungen die Rückstellungsbildungen übersteigen, spricht man von einem negativen Finanzierungseffekt, der zu einer Abnahme der finanziellen Mittel führt (Phase III).24

[...]


1 Wöhe, G. u.a.: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S. 5.

2 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 8.

3 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 9 ff.

4 Vgl. Olfert, K., Reichel, C.: Finanzierung, 14. Aufl., Ludwigshafen (Rhein) 2008, S.31.

5 Vgl. Atzmüller, A. u.a.: Innovative Finanzierung im Klein- & Mittelbetrieb. Grundlagen & Praxisbeispiele, Graz, Wien 2004, S. 17 ff.

6 Vgl. Wöhe, G. u.a.: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S. 22 f.

7 Wöhe, G. u.a.: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S. 17.

8 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 457 f.

9 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 465.

10 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 461.

11 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 465.

12 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 464.

13 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 464.

14 Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 466.

15 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 467.

16 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 465.

17 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 469 f.

18 Vgl. Schäfer, H.: Unternehmensfinanzen. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S. 470.

19 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 471 f.

20 Vgl. Übelhör, M., Warns, C.: Grundlagen der Finanzierung, 3. Aufl., Heidenau 2004, S. 55.

21 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 475.

22 Vgl. Wöhe, G. u.a.: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S. 425.

23 Vgl. Perridon, L., Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14. Aufl., München 2007, S. 477.

24 Vgl. Übelhör, M., Warns, C.: Grundlagen der Finanzierung, 3. Aufl., Heidenau 2004, S. 61.

Details

Seiten
32
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656084068
ISBN (Buch)
9783656084303
Dateigröße
921 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183887
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen – European School of Finance
Note
1,3
Schlagworte
Finanzierungsarten Innenfinanzierung Außenfinanzierung Eigenfinanzierung Fremdfinanzierung Mezzanine-Finanzierung

Autor

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Titel: Corporate Finance: Kapitalbeschaffung