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Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952

Der konservativ-militärische Widerstand, der 20. Juli und die Themen Eidbruch, Landesverrat und „Dolchstoß“

Magisterarbeit 2007 105 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand und Quellenlage
1.2.1 Forschungsstand
1.2.2 Quellenlage

2.Autobiographische Texte
2.1 von Schlabrendorff: „Zehn Gerechte“ für Deutschland
2.2 von Hassell: „Das andere Deutschland“
2.3 Gisevius: „So... geht... es... nicht!“

3.Der 20. Juli in Gesamtdarstellungen und Aufsätzen
3.1 Pechel: Die ‚Vielfalt’ innerhalb des Widerstandes und der 20. Juli
3.2 Rothfels: Der 20. Juli in universalgeschichtlicher Perspektive
3.3 Zeller: Der Held Stauffenberg
3.4 Meine>
3.5 Strölin: Gegen eine neue „Dolchstoßlüge“

4.Die ‚Gegenseite’
4.1 Otto Ernst Remer: Der „Eidtreue“
4.2 Die Zeitschrift „Nation Europa“: Die ‚ewig Gestrigen’
4.2.1 Die geschichtliche Hypothek des Eidbruches
4.2.2 Verrat und „Dolchstoß“ als Mittel und Zweck

5.Der „Remer-Prozeß“: Ein Freispruch für den 20. Juli
5.1 Bauers Plädoyer: Das „Dritte Reich“ als „Unrechtsstaat“
5.2 Die Gutachten: Wissenschaftliche Expertisen über moralisches Verhalten
5.2.1 Die Moraltheologen: Widerstand als Recht und moralische Pflicht
5.2.2 Der militärische Sachverständige: Die Einmaligkeit des erlaubten Eidbruches
5.2.3 Der Sachverständige für die Motive: Das gute Gewissen Deutschlands
5.2.4 Der historische Sachverständige: Die militärische Lage und der „Dolchstoß“

6 Schlussbetrachtung: Verräter oder Patrioten? – Der konservativ-militärische Widerstand in der Nachkriegszeit

7. Quellen und Literatur
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1. Einleitung:

Am Mittag des 20. Juli 1944 legte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Aktentasche mit der Bombe unter den massiven Holztisch der Baracke im Führerhauptquartier, in der an diesem Tag die Lagebesprechung stattfand. Er ließ sich mittels eines Telefonanrufes hinausbitten und wartete die Explosion ab. Als die Bombe detoniert war, begab er sich mit seinem Adjutanten Hans Bernd von Haeften auf dem schnellsten Weg nach Berlin, um nach dem Tod des „Führers“ einen Staatsstreich, gelenkt durch die eigens dafür entwickelte Befehlskette des Notfallplanes „Walküre“, durchzuführen.

Kurz nach Mitternacht wandte sich Adolf Hitler an das deutsche Volk, um diesem mitzuteilen, dass er einem Schicksal entgangen sei, „das nicht für mich Schreckliches in sich barg, sondern das den Schrecken für das deutsche Volk gebracht hätte“.[1] Er dankte „der Vorsehung und meinem Schöpfer“, dass er in seiner „Arbeit“ weiter fortfahren könne.[2]

Nachdem der bei solchen Anlässen obligatorische „Badenweiler Marsch“ verklungen war, meldete sich der Reichsmarschall des „Großdeutschen Reiches“, Hermann Göring, zu Wort.[3] Er forderte die „Ausrottung dieser Verräter“, es seien „die gleichen Jämmerlinge, die die Front zu verraten und zu sabotieren versuchten“, wer sich an „diesem Verbrechen“ beteilige, stelle sich „außerhalb jeder soldatischen Ehre, außerhalb von Eid und Treue“. Abschließend sprach dann noch der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, von „feiger Treulosigkeit“ und „gemeinste[m] Verrat“, um zu versichern: „Die Kriegsmarine steht getreu ihrem Eid in gewohnter Treue zum Führer“.

Diese und ähnliche Äußerungen, die noch folgten, stellten eine schwere Hypothek für die gesellschaftliche Wahrnehmung des Widerstandes nach dem Krieg dar. Nach der Niederlage – als solche erlebte die übergroße Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Befreiung – stand weniger die Frage „Für oder gegen den Führer?“, die eine Gruppe von Offizieren am Abend des 20. Juli in der Bendlerstraße gestellt hatte[4], im Zentrum der Auseinandersetzung mit und um den Widerstand. Denn die Personen, die weiterhin in solchen Kategorien dachten, waren nicht die eigentlichen Adressaten derjenigen, die sich nun um ein positives Bild vom Widerstand bemühten.

Die Zielgruppe der überlebenden Widerständler und Angehörigen von Hingerichteten, die versuchten, das öffentliche Bild zu beeinflussen, war vielmehr die Masse der Bevölkerung, die „mindestens zeitweilig in Konsens mit dem vergangenen Regime gelebt“[5] hatte. Sie war auch infolge von zwölf Jahren nationalsozialistischer Propaganda in weitgehender Unkenntnis über den Widerstand geblieben und wies deshalb eine lebensweltliche Distanz zu diesem Thema auf. Zumal auch klar gesagt werden muss, dass die Akteure des 20. Juli 1944 gegen den „seinerzeitigen Willen der Mehrheit ihrer Landleute“ gehandelt hatten.[6] Hans Mommsen betont, dass sich der deutsche Widerstand, insbesondere unter den Bedingungen des Krieges, in eklatantem Gegensatz zur nationalen Einstellung der Bevölkerung befunden habe und „daher tendenziell immer Hochverrat und Landesverrat zugleich [war]“[7]. Das hieraus resultierende „Akzeptanzdefizit“ des Widerstandes vom 20. Juli spiegelte sich auch in den zeitgenössischen Meinungsumfragen wieder.[8]

1. 1 Fragestellung

In dieser Arbeit soll das Bild vom konservativ-militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus untersucht werden, wie es Autoren verschiedener Couleur in den Jahren 1945-1952 zeichneten. Dabei kommt den Kontroversen, die sich um das Thema rankten, eine besondere Bedeutung zu. Denn in ihnen zeigt sich, welche Aspekte einerseits als besonders legitimationsbedürftig und andererseits als besonders geeignet für dieses Unterfangen eingeschätzt wurden. Das erste Ziel musste sein, überhaupt die Existenz eines deutschen Widerstandes in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen – eine Tatsache, die immer wieder von Autoren beklagt wurde.[9]

Als Symbol für den (umstrittenen) Widerstand[10] kristallisierte sich bereits früh die Verschwörung vom 20. Juli 1944 heraus.[11] Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage: Wie versuchten Autoren für die Verbreitung eines positiven Bildes vom Widerstand in der deutschen Öffentlichkeit zu sorgen und welchen Hindernissen mussten sie dabei entgegentreten? Welches Bild wurde in den frühen Standardwerken entworfen?

Die Auseinandersetzungen um die Bewertung des 20. Juli 1944 waren – wie es Norbert Frei formuliert – Teil eines „Erinnerungskampfes“ innerhalb der [west]deutschen Gesellschaft.[12] Frei erklärt, dass die seit den sechziger Jahren in der Geschichtswissenschaft vorherrschende „Kritik an der ‚Kanonisierung’ des militärischen Widerstandes“ in der Nachkriegszeit ergänzungsbedürftig sei:

„Vor allem zweierlei gilt es festzuhalten: zum einen, daß die ‚Kanonisierungs’-Kritik ihre Berechtigung und Überzeugungskraft im wesentlichen aus ihrer analytischen Konzentration auf den historisch-wissenschaftlichen Diskurs bezog; zum anderen und daraus folgend, daß die politische Funktion und die sozialpsychologischen Entstehungsbedingungen der frühen Widerstands-Historiographie weitgehend außerhalb ihres Blickfeldes geblieben waren.“[13]

Er macht dies als Ursache dafür aus, dass die von den politischen Repräsentanten in den fünfziger Jahren vollbrachte Leistung zu wenig Beachtung gefunden habe, „die die normative Durchsetzung einer wenigstens prinzipiellen Anerkennung der Legitimität des Widerstandes gegen Hitler damals bedeutete“.[14] In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass die hier angesprochene „Leistung“ bereits auf einer im Vergleich zur unmittelbaren Nachkriegszeit veränderten sozialpsychologischen Grundlage erbracht wurde, für die maßgeblich die in dieser Arbeit zu besprechenden Autoren verantwortlich waren.

In den öffentlichen Diskursen der unmittelbaren Nachkriegszeit spielten moralische Fragen eine bedeutende Rolle: „Musste ein einmal geleisteter Eid nicht unter allen Umständen gehalten werden?“ und: „Handelten Widerständler, die Kontakt zum feindlichen Ausland aufnahmen, während Soldaten an allen Fronten kämpften, nicht gegen ihre patriotische Pflicht gegenüber Staat und Volk und waren demnach schlicht Verräter?“[15]

In der vorliegenden Arbeit wird so vorgegangen, dass zunächst die nicht nur für die Historiker, sondern für jegliche Beschäftigung mit dem Widerstand vom 20. Juli grundlegenden Quellentexte vorgestellt werden, um im zweiten Schritt die Deutung des Widerstandes in zusammenfassenden Darstellungen und Aufsätzen zu untersuchen. Daraufhin sollen Angriffspunkte, denen das vermittelte Bild vom Widerstand durch Kritiker ausgesetzt war und die argumentative Zurückweisung der Vorwürfe behandelt werden.

Die Darstellung endet mit dem Prozess gegen Otto Ernst Remer im Jahr 1952, in dem auch dessen Partei, die Sozialistische Reichspartei (SRP), verboten wurde. In diesem vom Braunschweiger Generalstaatsanwalt Fritz Bauer maßgeblich betriebenen Prozess liefen die drei zentralen Rechtfertigungsdiskurse um Eid, Verrat und „Dolchstoß“ zusammen. Dabei zeigt sich, dass eine argumentative Behandlung dieser drei Aspekte einen Einfluss auf das weitgehend negative Bild vom Widerstand versprach, weil sie verbreitete Vorbehalte konkret aufgriff und zu widerlegen versuchte. Außerdem unterstreicht die Bedeutung dieser Diskurse, dass das Thema Widerstand trotz des ihm innewohnenden Potentials, die allseits abgelehnte Kollektivschuld zu bestreiten, aus einer defensiven Grundposition heraus angegangen werden musste.[16]

Zusätzlich zum Bemühen um die prinzipielle Anerkennung eines ‚Rechts auf Widerstand’ mussten auch eine Reihe von sachlichen Kontroversen geführt werden. Diese betrafen die Planung und Ausführung des Attentates und des Staatsstreiches vom 20. Juli, die politischen und militärischen Ziele der Verschwörer und die Beurteilung von verschiedenen Symbolfiguren des Widerstandes, wie Ludwig Beck, Carl Goerdeler und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Hinzu kamen Differenzen in der Bewertung des bürgerlich-militärischen Widerstandes, die durch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen politischen Lagern bedingt waren. Auch diese sachliche Kritik konnten Autoren nicht unberücksichtigt lassen, denen an einer Würdigung des Widerstandes gelegen war, unbeschadet dessen, ob es ihnen in erster Linie um das Andenken der Verstorbenen oder eher um eine Schuldentlastung der Deutschen oder um eine positive Traditionsbildung mit Blick auf den neuen Staat ging.

1. 2 Forschungsstand und Quellenlage

1. 2. 1 Forschungsstand

Zum Forschungsstand ist festzustellen, dass das historiographische Interesse an Widerstandsgeschichtsschreibung und -darstellung der Nachkriegszeit zunächst stark durch den Wandel geprägt war, den die Behandlung des Themas Widerstand zu Beginn der sechziger Jahre erfuhr.[17] Im Zuge einer kritischer werdenden Auseinandersetzung mit dem Widerstand, den – zu Recht als wenig demokratisch erkannten – politischen Vorstellungen, der Tatsache, dass spätere Verschwörer zunächst Anhänger und Unterstützer des Nationalsozialismus gewesen waren, wurde vor allem die Exkulpationsfunktion betont, die Konzentration auf den 20. Juli und auf rein ethische Motive kritisiert. Die Tatsache, dass ein positives Bild in der Öffentlichkeit in der direkten Nachkriegsphase erst einmal verbreitet werden musste, fand hingegen kaum Beachtung. Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Entwicklungen wurden gewissermaßen im Zuge einer geschichtswissenschaftlichen ‚Nabelschau’ vernachlässigt.

Demgegenüber betont Peter Steinbach, der sich in diversen Aufsätzen mit der Rezeptionsgeschichte des deutschen Widerstandes auseinandergesetzt hat, dass in den fünfziger Jahren (...) das „Bild vom Widerstand umkämpft, umstritten und zutiefst gefährdet“ war, wobei er dem „Remer-Prozeß“ im Rahmen dieser Kontroversen eine wichtige Funktion zuweist.[18] Zum Prozess selbst ist vor allem Rudolf Wassermann[19] heranzuziehen, während Franz Gress und Hans-Gerd Jaschke dessen Beurteilungen größtenteils übernehmen und vornehmlich das Ziel verfolgen, den Prozess in die „Strukturen politischer Justiz gegen rechts“ in der Geschichte der Bundesrepublik einzuordnen.[20]

In einem kurzen Aufsatz macht Jürgen Danyel auf die Bemühungen dreier Akteure aufmerksam, die sich in der frühen Phase bemühten, gesellschaftliche Akzeptanz für den Widerstand über den 20. Juli hinaus zu erreichen: Die VVN, das Projekt von Richarda Huch „Für die Märtyrer der Freiheit“ und die Forschungsgemeinschaft des „Andern Deutschland“ von Wolfgang Müller.[21] Seine Untersuchung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Organisation der „Erinnerungsarbeit“.

Die umfangreichste Untersuchung zur Literatur aus der unmittelbaren Nachkriegszeit findet sich bei Regina Holler, die sich auf die Frage konzentriert, wie mit geschichtlichen Erfahrungen Politik gemacht wird.[22] Um dies zu untersuchen, wertet sie die geschichtswissenschaftlichen Arbeiten, die öffentlichen Reden[23] und die Zeitungsberichterstattung aus, wobei ihr Fokus auf dem 20. Juli als Gedenktag liegt. Holler gelingt es eindrucksvoll, Tendenzen der Instrumentalisierung des Themas zu politisch-moralischer Schuldentlastung und der Überbetonung ethischer Motive deutlich zu machen.[24] Allerdings neigt sie bei ihrem Bemühen, ein möglichst geschlossenes Bild zu zeichnen, fast zwangsläufig ein wenig dazu, abweichende Äußerungen unberücksichtigt zu lassen. Die These, dass Sabotage und Verrat in den ersten Veröffentlichungen „so gut wie keine Rolle [spielen]“[25] und allein die „ethische Motivation“ im Vordergrund stand, soll in dieser Arbeit korrigiert werden.

Christoph Dipper argumentiert in seinem Aufsatz „ Das Bild des Widerstandes in der bundesrepublikanischen Gesellschaft “ aus der von Norbert Frei als ergänzungsbedürftig bezeichneten, rein auf die Geschichtswissenschaft fokussierten Perspektive, wenn er angibt, mit dem Vorwurf des Landesverrates seien nicht die bürgerlichen Widerstandskreise, sondern ausschließlich die „Rote Kapelle“ belegt worden.[26] Dass er stattdessen mit Verweis auf den „Remer-Prozeß“ die Auffassung vertritt, es sei versucht worden, den Widerstand „um Beck, Goerdeler und Stauffenberg“ mit dem Vorwurf des Hochverrates zu diskreditieren, muss als falsch zurückgewiesen werden, da es in diesem Prozess in erster Linie um den Vorwurf des Landesverrates und nicht des Hochverrates ging.[27]

Auch Jan Eckel widmet sich in seiner Analyse der Behandlung des Widerstandsthemas durch die „intellektuelle Nachkriegslandschaft Westdeutschlands“ vor allem den Tendenzen der Viktimisierung und Exkulpation der deutschen Bevölkerung in frühen Texten über den Widerstand, während er eine Analyse der Behandlung des Verratsvorwurfes bewusst ausspart.[28] Er betont, das Thema habe die Möglichkeit geboten, „Geschichts- und Gegenwartsdeutungen zu entwerfen, die für eine konstruktive Umstellung auf die neuen politischen und ideologischen Zeitverhältnisse hilfreich waren“.[29] In der vorliegenden Arbeit werden anders als bei Eckel nicht das Entlastung- und Legitimationspotenzial des Widerstandsthemas, sondern die Rechtfertigungsbemühungen, die dem Thema selbst gewidmet wurden, im Vordergrund stehen.

Die ältere Darstellung von Regine Büchel kann gewissermaßen als Gegenstück zu Eckel gelesen werden, da sie weitgehend die gleichen Autoren behandelt, aber dabei von der These ausgeht, diejenigen, die eine Abwehr des Kollektivschuldvorwurfes mit Hilfe der ‚Opposition’ versucht hätten, seien in den ersten Jahren nach dem Krieg „auf einsamem Posten“ gewesen.[30] Sie behandelt also eher die Schwierigkeiten, den Widerstand zu würdigen als dessen Entlastungspozenzial und bietet einen guten Überblick über die Literatur zum 20. Juli.

Auf Literatur zu einzelnen Personen wird im Verlauf der Arbeit hingewiesen. Keine der genannten Arbeiten stellt speziell die Rechtfertigungsdiskurse in den Fokus der Betrachtung. In der Regel wird lediglich konstatiert, dass den Vorwürfen Eidbruch und Landesverrat zu begegnen war. Mit welchen Argumenten dies konkret geschah, ist ein wesentlicher Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

1. 2. 2 Quellenlage

Bereits die frühe Übersicht über die Widerstandsliteratur von Franz Ahrens verzeichnete nahezu vierhundert Titel.[31] Ein mögliches Problem besteht also weniger in einem Mangel als in einem Übermaß an Quellen, auch wenn sich viele frühe Publikationen speziell mit KZ-Erlebnisberichten und kirchlichem Widerstand, beziehungsweise dem Kirchenkampf befassten. Die Quellen sind deshalb nach ihrer Relevanz für den öffentlichen Diskurs zu bewerten. Hierbei ist der Kreis der Rezipienten, die Stellung und Reputation der Autoren und die Stärke der Argumentation von Bedeutung.

Es kann nicht überraschen, dass sich vor allem ehemalige Beteiligte, Mitwisser oder Angehörige zu Wort meldeten. Ihnen war bewusst, dass in der Öffentlichkeit nur wenig über den Widerstand bekannt war. Zudem sollte das Andenken der Verstorbenen bewahrt werden. Eine Folge davon war, dass viele Texte bestimmte Personen in den Mittelpunkt stellten. Der Widerstandsdiskurs war zunächst fast ausschließlich lebensgeschichtlich geprägt.[32] Die Zahl autobiographischer Beiträge speziell zum Staatsstreich vom 20. Juli war dadurch begrenzt, dass die meisten Beteiligten danach dem NS-Regime zum Opfer gefallen waren.

Regina Holler weist darauf hin, dass die Veröffentlichungen über den deutschen Widerstand aufgrund von Publikationsbeschränkungen der Alliierten in der frühen Nachkriegszeit überwiegend im Ausland erschienen und für das Publikum bis 1947 „unerreichbar bzw. unerschwinglich“ gewesen seien, weshalb erst danach eine „ernsthafte Unterrichtung des deutschen Volkes über den Widerstand“ möglich geworden sei.[33] Sie betont außerdem, dass man es bis 1954 mit einer außerordentlich schwierigen Quellenlage zu tun gehabt hätte.

Dem Verfügbarmachen von Informationen kam deshalb eine weit größere Bedeutung zu, als einer detaillierten historischen Quellenkritik. Dies ist einer der Gründe, warum für die frühe Phase, eine Trennung von Fachhistorie und anderen Quellen nicht als sinnvoll erscheint. Das publizistisch vermittelte Bild des Widerstandes wurde zunächst von denjenigen geprägt, die mindestens eine geistige Affinität zum Thema besaßen, in der Regel aber von Personen, die auf Informationen aus erster Hand zurückgreifen konnten. Auch die meisten Historiker, die sich des Themas annahmen, waren mehr oder weniger negativ vom NS-Regime betroffen gewesen, so wie beispielweise Gerhard Ritter, der Verbindungen zu Carl Goerdeler unterhalten hatte und zeitweise im Gefängnis gewesen war, oder Friedrich Meinecke, der Kontakt zu Ludwig Beck gehabt hatte. Ein Anstoss, Gesamtdarstellungen zu erarbeiten, lag neben der persönlichen Betroffenheit – Rudolf Pechel war in Haft gewesen, Hans Rothfels ins Exil gedrängt worden – auch darin, auf diese Weise zeigen zu können, dass der Widerstand durch alle gesellschaftlichen Lager und Schichten gegangen war.

2. Autobiographische Texte

Die nun folgenden Schriften nahmen aufgrund ihres Quellenwertes über Jahre hinweg eine Schlüsselrolle für die Bewertung des konservativ-militärischen Widerstandes ein.[34] Eine Tatsache, die sich darin widerspiegelt, dass außer Historikern und Publizisten auch die Gegner des Widerstandes auf sie Bezug nahmen. Bei diesen drei Autoren spielten die Themen Eid und Verrat eine eher untergeordnete Rolle. Es ging ihnen in erster Linie darum, ihre Erlebnisse und Bewertungen mitzuteilen. Die Texte erschienen außerdem zu einem so frühen Zeitpunkt, dass noch keine Reaktionen auf diesbezügliche Vorwürfe möglich waren, beziehungsweise nötig erschienen.

2. 1 von Schlabrendorff: „Zehn Gerechte“ für Deutschland

Fabian von Schlabrendorff war bereits als Student Ende der 1920er Jahre ein Gegner der Nationalsozialisten und suchte schon früh Mitstreiter in sämtlichen politischen Lagern. So war er sowohl mit dem Sozialisten und Herausgeber des „ Widerstand “ Ernst Niekisch als auch mit dem, wie er selbst es ausdrückte, „stockkonservativen“ Regimegegner Ewald von Kleist befreundet.[35] Während des Krieges war er Adjutant von Henning von Tresckow, der als Oberst in der Heeresgruppe Mitte tätig war. Nach 1945 arbeitete er wie vor dem Krieg als Jurist und bekleidete zwischen 1967 und 1975 das Amt eines Richters am Bundesverfassungsgericht. Seine eigene Rolle im Widerstand – er schmuggelte eigenhändig eine Bombe in ein Flugzeug, das Hitler von der Ostfront zurück ins Hauptquartier bringen sollte, aber der Zünder versagte – soll im Rahmen dieser Arbeit nicht im Detail dargestellt werden. Sein Buch „ Offiziere gegen Hitler “, im Sommer 1945 niedergeschrieben, wurde von Gero von Schulze Gaevernitz bearbeitet und herausgegeben. Es erlebte bereits in den ersten Nachkriegsjahren vier Auflagen und wurde auch in den USA verlegt.

Von Schlabrendorffs Buch ist die wichtigste Quelle für den mit dem Namen Henning von Tresckow verbundenen Widerstand in der Heeresgruppe Mitte.[36] Die Arbeit beeindruckt durch ihre Zurückhaltung bezüglich der eigenen Person, wenn es dem Autor gelingt, den von ihm selbst verübten Bombenanschlag auf Hitler und seine Folter im Gestapo-Gefängnis ohne Pathos zu schildern. (S. 64-75) Trotzdem könnten gerade seine Schilderungen des Verhaltens von Mitgefangenen im Gefängnis und insbesondere seine Charakterisierung von Tresckows als Bausteine zu einer gewissen Heroisierung des Widerstandes betrachtet werden. In diesem Kontext ist auf ein durch den Autor überliefertes Zitat von Tresckows hinzuweisen, das in der Widerstandsliteratur der fünfziger Jahre in nahezu jeder größeren Darstellung einen festen Platz einnahm. Laut von Schlabrendorffs Überlieferung sagte ihm sein Vorgesetzter am Tag nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944:

„Jetzt wird die ganze Welt über uns herfallen und uns beschimpfen. Aber ich bin nach wie vor der felsenfesten Überzeugung, daß wir recht gehandelt haben. Ich halte Hitler nicht nur für den Erzfeind Deutschlands, sondern für den Erzfeind der Welt. Wenn ich in wenigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und mein Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, daß Gott auch Deutschland um unsertwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“[37] (S. 129)

An diesem Zitat beeindruckte vor allem das Unbedingte der Haltung, die auf ethischen Überzeugungen beruhte, als deren letzte und einzig verbindliche Instanz das christliche Gewissen fungierte. Nach von Tresckow ging es den Verschwörern um nichts weniger als die Rettung Deutschlands und selbst nach dem Scheitern des Staatsstreiches sprach er der Aktion noch das Potenzial zu, sie als Sühneleistung für die deutschen Verbrechen auffassen zu können. In christliche Metaphorik gekleidet beschrieben von Treschow beziehungsweise von Schlabrendorff das ‚Vermächtnis’ des 20. Juli.

Die Schrift von Schlabrendorffs enthielt viele scharf formulierte Urteile über hohe Militärs, die aus Opportunismus und Charakterschwäche eine Mitwirkung am Widerstand abgelehnt hätten, und war demzufolge nicht dazu angetan, die Wehrmacht in Gänze in ein positives Licht zu rücken: „Besonderes Gewicht legte er darauf, klarzustellen, daß sein Bericht in keiner Weise als ein Versuch aufzufassen sei, die politische Haltung der deutschen Wehrmacht gegenüber dem Nationalsozialismus zu rechtfertigen.“[38] Ebenso wenig beschönigend las sich seine Einschätzung großer Teile der Bevölkerung, die auch Rothfels in seiner „ Opposition “ aufgriff:[39]

„Mit der Zeit mußten wir erkennen, daß das deutsche Volk in drei Gruppen eingeteilt werden konnte: in Nazis, Nichtnazis und Antinazis. Die Nichtnazis waren beinahe schlimmer als die Nazis. Ihr mangelnder Charakter hat uns mehr zu schaffen gemacht als die Willkür und Brutalität der Nazis. Viele anfängliche Gegner des Nationalsozialismus glaubten, die ihnen vorgesetzte Dosis der neuen ‚Weltanschauung’ aus Taktik schlucken zu müssen, in der Annahme, auf diese Weise das drohende Gesamtübel verhindern zu können. Um das vermeintlich Schlimmere zu verhüten, wurde das geringere Übel akzeptiert. So gerieten viele von ihnen auf eine schiefe Ebene. (S. 24)

In dieser Sichtweise war kein Platz für Verständnis gegenüber Personen, die erst kurz vor dem Untergang des „Dritten Reiches“ auf die Seite der Gegner gewechselt waren. Das ‚Mitmachen’ wurde als das bezeichnet, was es war, eine Unterstützung der Nationalsozialisten, selbst wenn mancher dies nicht bezweckt hatte und nur ‚Schlimmeres verhüten’ wollte.

Der von Schlabrendorff beschriebene und ihm aus eigener Anschauung bekannte Teil des Widerstandes umfasste an bedeutenden Persönlichkeiten außer von Tresckow vor allem Beck und Goerdeler, die er als „den Kopf“ und „das Herz“ der deutschen Widerstandsbewegung titulierte (S. 59), außerdem den Kreisauer Kreis und den Widerstand in den Reihen der militärischen Abwehr um Hans Oster und Wilhelm Canaris. Während die „zivile Gruppe“ innerhalb des Widerstandes Hitler auch noch 1943 habe verhaften wollen, sei die „militärische Gruppe“ um Beck, Oster und Olbricht überzeugt gewesen, dass es als „‚Initialzündung’“ für einen Staatsstreich nötig wäre, Hitler zu töten. (S. 64) Die Militärs, allen voran Beck, hätten gewusst, wie „die Stimmung der deutschen Truppe“ einzuschätzen sei. Aus diesem Grund hätten sie mit der Ermordung Hitlers zwei Ziele verfolgt: Die Soldaten von ihrem Eid auf Hitler zu lösen und „den Bann“ zu brechen, der von seiner Person immer noch auf einen „erheblichen Teil des deutschen Volkes“ ausging. (S. 64) Von Tresckow sei derjenige gewesen, dem man zutraute, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Der Autor schilderte verschiedene Attentatspläne, die auf seinen Vorgesetzten zurückgingen und aus banalen Gründen nicht zur Ausführung gelangt waren. Einmal konnte nicht schnell genug ein Zünder für die Bombe aufgetrieben werden (S. 76), ein anderes Mal besuchte Hitler eine Ausstellung nicht lange genug, um eine Bombe rechtzeitig zur Detonation zu bringen.

Von Schlabrendorff betonte immer wieder, wie wichtig nicht-militärische Erfahrungen und Interessen hinsichtlich der ethischen Motivation zum Handeln bei denjenigen Militärs gewesen waren, die Widerstand geleistet hatten. Sein Urteil über Stauffenberg fiel äußerst positiv aus:

„Stauffenbergs Kampf gegen Hitler war im Christentum verankert. Aus sittlicher Überzeugung war er zum Kämpfer gegen Hitler geworden. Wenige Besprechungen genügten, um uns [von Schlabrendorff, von Tresckow, Oster] klar zu machen, daß in Stauffenberg ein Nachfolger für Oster gefunden war, dessen innere Einstellung, Umsicht, Ruhe, Klarheit, Zähigkeit, Tapferkeit, dessen fachmännisches Wissen und Können ihm zum „Geschäftsführer“ der Widerstandsbewegung wie geboren erscheinen ließen.“ (S. 80)

Wie es möglich gewesen war, dass er selber im Unterschied zu allen eben Genannten den Rachefeldzug Hitlers überlebt hatte, wurde in einer besonders eindrucksvollen Episode des Buches geschildert: Während seines eigenen Prozesses vor dem Volksgerichtshof starb dessen berüchtigter Präsident Roland Freisler vor seinen Augen. Freisler hielt die Prozessakten des Falles von Schlabrendorff in seinen Händen, als er bei einem Bombenangriff im Keller des Volksgerichtshofes von einem herunterfallenden Balken erschlagen wurde. (S. 133ff.) Ohne Freislers Tod wäre das Todesurteil wohl unausweichlich gewesen.

Fabian von Schlabrendorff lieferte einen Tatzeugenbericht vom Widerstand in der Heeresgruppe Mitte, welcher die ethischen Motive und den heldenhaften Einsatz der Beteiligten in den Vordergrund stellte. Er entwarf das Bild einer verschworenen Gemeinschaft, die bewusst das Risiko des Scheiterns eingegangen sei, um das deutsche Volk vor der Geschichte zu entlasten. In der Nachkriegszeit eignete sich diese Beschreibung zur Schuldentlastung gegenüber den Siegermächten. Er zeichnete dabei allerdings keineswegs das Bild einer deutschen „Opfer-Nation“[40], sondern beschrieb im Gegenteil gerade die Verhaltensmuster von Passivität und Kooperation mit dem Regime als vorherrschend in der NS-Zeit, die dem Widerstand das Leben schwer gemacht hätten.

2. 2 von Hassell: „Das andere Deutschland“

Der konservative Diplomat Ulrich von Hassell war von 1932 bis 1938 deutscher Botschafter in Rom, bevor er im Gefolge der Blomberg-Fritsch-Krise in den Wartestand versetzt wurde. Von Hassell wird mit Beck und Goerdeler, zu denen er nach seiner Emission Kontakt aufnahm, zum Kreis der sogenannten „Honoratioren“ innerhalb des Widerstandes gezählt. Er war zwischenzeitlich von den Verschwörern als möglicher Außenminister vorgesehen.[41] Am 8. September 1944 wurde von Hassell vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Ulrich von Hassells Tagebücher, die unter dem symbolträchtigen Titel „ Vom andern Deutschland “ zuerst 1946 in Zürich und 1949 in Freiburg durch seine Frau Ilse von Hassell veröffentlicht wurden, umfassten den Zeitraum von 1938 bis 1944.[42] Mit den Tagebüchern lag eine erste umfangreiche Quelle aus dem Inneren der bürgerlich-militärischen Widerstandsbewegung vor, was der Öffentlichkeit sogar via Rundfunk mitgeteilt wurde.[43] In seiner Besprechung in der „ Historischen Zeitschrift “ bezeichnete Paul Kluke die Tagebücher als die „bei weitem wertvollste Quelle“[44] zum deutschen Widerstand und nach Rothfels spiegelten sie „besser vielleicht als irgendein sonst verfügbares Dokument den Antrieb des Gewissens wider, der in Menschen aller Stände lebendig war“.[45]

Es ist nicht bekannt, ob von Hassell ursprünglich eine Veröffentlichung seiner Tagebücher geplant hatte, die, wie Rothfels bemerkte, „ebenso überraschend durch die Tatsache ihrer Existenz wie die ihrer Erhaltung sind“.[46] Es erscheint allerdings als sehr unwahrscheinlich, dass er das Risiko einer möglichen Entdeckung, das auch Rothfels mit seiner Äußerung andeutete, und damit zugleich zu befürchtenden Auswertung durch die Gestapo auf sich (und seine Familie) genommen hätte, ohne die Absicht, ein Zeugnis über die ‚Opposition’ überliefern zu wollen.[47] Nichtsdestotrotz waren die Tagebücher nicht etwa inhaltlich oder stilistisch vom Schreiber im Hinblick auf eine spätere Veröffentlichung bearbeitet oder erkennbar mit der Intention verfasst worden, eine bestimmte Lesart vorzugeben.[48]

Aus der Innenansicht offenbarte sich ein Portrait der deutschen Eliten während der NS-Zeit, das alles andere als schmeichelhaft war. Insbesondere das Bild des Militärs, das von Hassell überlieferte, war verheerend, wie auch Kluke feststellte: „Hassells ganze Verachtung aber gilt den Generalen, den ‚Josephs’ [von Hassells Ausdruck für die Generäle, d. V.], ihrer bodenlosen Subalternität, der seltsamen ‚Mischung von Helden und Sklaven’, der jammervollen Feigheit, womit sie die unter vier Augen ausgesprochenen Erkenntnisse jederzeit wieder verleugneten.“[49] Hoffnungen auf ein Handeln der führenden Generalität durchzogen das Tagebuch wie ein roter Faden.[50]

Generell war in den frühen Veröffentlichungen von Zeitzeugen die Kritik an den hohen Offizieren stark ausgeprägt – der einfache Soldat wurde allenfalls gelegentlich im Kontext der Eidproblematik erwähnt, worauf später noch einzugehen ist. Es wurde also keineswegs ein beschönigendes Bild verbreitet, welches die Wehrmacht in ihrer Gesamtheit zum Gegenspieler des NS-Regimes stilisiert hätte.[51]

Von Hassells Schrift setzte stellenweise Kontrapunkte zum sonst verbreiteten Bild, das eine gradlinige, von Beginn an vorhandene Widerstandstätigkeit vieler Mitglieder der Eliten beschrieb. Des Weiteren sind seine Beschreibungen einzelner Protagonisten des deutschen Widerstandes hervorzuheben, die doch erheblich von dem Bild abwichen, das in Texten entworfen wurde, die auf die ethischen und christlichen Motive der Widerständler und den ‚Opfergang’ für Deutschland fokussiert waren. Darin lag ein wesentlicher Unterschied zu von Schlabrendorff, der negative Aspekte ausblendete und außerdem nicht über so enge Kontakte wie von Hassell verfügt hatte. Der Charakter des Tagebuches mit seinen spontan formulierten Eindrücken bestimmte den Ton. Von Hassells Beschreibung Goerdelers, der immer wieder durch das Adjektiv „sanguinisch“ charakterisiert wurde, hat vermutlich ihren Teil zur Wahrnehmung Goerdelers als zwar äußerst bemühtem, aber weltfremdem und unrealistischen ‚Motor’ der Widerstandsbewegung beigetragen.[52]

In diesem Zusammenhang soll die kurze, aber prägnante Schilderung der sogenannten „großen Aussprache“ zwischen Beck, Goerdeler, von Hassell und Johannes Popitz einerseits und Angehörigen des Kreisauer Kreises um Helmuth James Graf von Moltke bei Peter Graf Yorck von Wartenburg erwähnt werden. Dort bezeichnete von Hassell Goerdeler, dessen politische Ansichten mit denen der Kreisauer kollidierten, sogar als „eine Art Reaktionär“:

„Recht interessant, aber im Grunde wenig befriedigend, eine große Aussprache der ‚Jungen’ und ‚Alten’ bei W. [Peter York]. Die ‚Jungen’, die im Gegensatz zu den ‚Alten’ nach Außen als Einheit auftreten, wurden geistig von dem sehr witzigen, angelsächsisch und pazifistisch denkenden Hellmann [Hellmuth Moltke] geführt. (...) Geibel [Beck] leitete, reichlich weich und zurückhaltend. Scharfer, von Pfaff [Goerdeler] bewußt, aber erfolglos verschleierter Gegensatz zwischen ihm und den ‚Jungen’ vor allem auf sozialem Gebiet. Pfaff ist doch eine Art Reaktionär.“[53] (S. 236/ 237)

Das Zitat war nicht bloß wenig schmeichelhaft für Goerdeler, sondern stellte auch einen Gegensatz innerhalb des Widerstandes heraus, der von vielen Autoren mehr oder weniger bewusst heruntergespielt wurde. Gerade die gemeinsamen Ziele und Überzeugungen der unterschiedlichen Gruppen bildeten in vielen Darstellungen ein Leitmotiv, welches erleichterte, die These von der ‚Vielfalt’ innerhalb des Widerstandes mit der These, es habe sich um eine geschlossene ‚Bewegung’ gehandelt, zu verknüpfen.[54] Dies war auch von Bedeutung, weil man den Eindruck vermeiden wollte, die Ziele seien ausschließlich negativ, duch den Wunsch Hitler zu beseitigen, definiert gewesen.

Auch von Hassells Beschreibung Ludwig Becks wurde zu einer Grundlage für die Beurteilung dieser wichtigen Persönlichkeit des Widerstandes. Denn in Anbetracht der schlechten Quellenlage war das Zeugnis von Hassells, dem wegen der Form des Tagebuches eine besondere Glaubwürdigkeit zugebilligt wurde, eine Fundgrube für alle, die etwas aus dem Binnenleben der ‚Opposition’ erfahren wollten. Er vermisste bei Beck Entschlusskraft und Durchsetzungsvermögen, seine Führung sei zu schwach, er als Persönlichkeit zu zurückhaltend gewesen. (S. 235) Dieses Urteil wurde zum Beispiel von Kluke übernommen, der sich auf ein bekanntes Zitat von Hassells stützte, das die mangelnde Tatkraft Becks in einen historischen Vergleich kleidete: Beck habe sich „im Laufe der Zeit immer mehr als reiner ‚Clausewitz’ ohne eine Spur ‚Blücher’ oder ‚York’ erwiesen“.[55] (S. 286) Kluke stellte, zusätzlich gestützt auf eine weitere ähnliche Charakterisierung Becks, die grundsätzliche Frage: „Ist ein so zuchtvoller Mensch wirklich das geeignete Haupt einer Widerstandsbewegung gegen einen wüsten und hemmungslosen Diktator?“[56]

Bei aller Skepsis gegenüber Goerdeler und Beck wusste sich von Hassell allerdings mit beiden einig in der Überzeugung, „für die deutsche Zukunft“ auch in verfahrener Lage alles Mögliche zu versuchen. Seine Stellungnahme diente anderen Autoren als Beleg für die ethischen Antriebskräfte des Widerstandes. Er notierte am 13. November 1943:

„Mit ihm [Beck] und mit Pfaff [Goerdeler] war ich auch einig über die unerhört schwierige Hauptfrage, ob es nämlich nicht schon zu spät sei, so daß es richtiger sein würde, die Katastrophe ablaufen zu lassen: Trotz allem ist es schon aus sittlichen Gründen für die deutsche Zukunft e r f o r d e r l i c h, wenn auch nur irgendwelche Möglichkeit und Aussicht besteht, noch v o r h e r den Versuch zu machen. (Vor allem wesentlich: dadurch ermöglichtes sofortiges Gerichtsverfahren gegen die Parteiverbrecher)“. (S. 267. Hervorheb. i. O.)

Zwei Personen, deren Widerstandstätigkeit stark umstritten war, bekamen von Hassell kein sonderlich gutes Zeugnis ausgestellt. Einerseits war deutlich seine große Enttäuschung spürbar, dass der mit ihm befreundete Staatssekretär Ernst von Weizsäcker „nicht den Absprung zu wirklicher Opposition fand“.[57] Zum anderen war seine Haltung zum ehemaligen Reichsbankpräsidenten und Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht von großer Skepsis geprägt, vor allem, gegenüber dem bei ihm erkannten überzogenen Ehrgeiz, selbst Regierungschef werden zu wollen. (S. 272; S. 283) Eberhard Zeller, der wie später deutlich werden wird, großen Wert auf die Einigkeit innerhalb des Widerstandes legte, versuchte den Gegensatz zwischen von Hassell und von Weizsäcker zu relativieren, indem er die Aussagen der Tagebücher aus „der Dramatik des Augenblicks“ erklärte und den Gegensatz zwischen der Vorsicht des „im Amt Gebundene[n]“ und dem „oft sehr unvorsichtige[n] Konspirieren des Draußenstehenden“ hervorhob.[58]

In Ulrich von Hassells postum veröffentlichten Tagebüchern zeigte sich zwar das moralisch bessere „andere Deutschland“, aber es traten auch viele Schwächen und Unzulänglichkeiten aus dem Kreis des Widerstandes hervor. War von Hassell bei aller Subjektivität ein kritischer Chronist des konservativ-militärischen Widerstandes, so wurde seine Darstellung – sicherlich auch ob der Tatsache, dass der Autor dem NS-Regime zum Opfer gefallen war – doch allseits positiv aufgenommen.

Ganz anders erging es da Hans Bernd Gisevius, dessen fast zeitgleich publizierte Schrift scharf angegriffen wurde. Die beiden Männer trafen nach dem Attentat noch einmal aufeinander, und zwar in doppeltem Sinne, persönlich und in ihren Werken. Beide begegneten sich wenige Tage nach dem Putschversuch im Berliner Grunewald. In einem kurzen Anhang der Tagebücher gab von Hassells Sohn Wolf Ulrich die Eindrücke seines Vaters von diesem Treffen wieder: Gisevius sei, ob des Scheiterns des Umsturzversuches „von Bitterkeit erfüllt und tief niedergeschlagen gewesen“, er habe sich darüber beklagt, „daß man ihn und seine besonderen Freunde[59] in der Schlußphase der Vorbereitungen und zukünftigen Planung ausgeschaltet hätte“.[60]

Ulrich von Hassell, der an den Planungen zum 20. Juli ebenfalls nicht mehr beteiligt gewesen war, verstand den Putschversuch trotz seines Mißlingens als ein moralisches Zeichen: „Mein Vater sah vor allem die Tat, die der Welt wenigstens noch in letzter Stunde den Kampf des anderen Deutschland offenbart hatte. Es bedrückte ihn, daß nun schon so früh Vorwürfe in den Vordergrund zu treten drohten.“[61] [62] Diese Vorwürfe ließen in der Tat nicht lange auf sich warten.

2.3 Gisevius: „So... geht... es... nicht!“

Hans Bernd Gisevius war Beamter bei der Politischen Polizei in Preußen, wo er den Aufbau der Geheimen Staatspolizei mitverfolgte. Am 30. Juni 1934 wurde er dort Zeuge von Ermordungen während des sogenannten Röhm-Putsches. Während des Krieges fungierte Gisevius in der Schweiz, wo er im Dienst der militärischen Abwehr tätig war, als Kontaktmann der Verschwörer zum amerikanischen Geheimdienst. Er kam erst wenige Tage vor dem Attentat auf Hitler nach Berlin. 1947 sagte er als Zeuge vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg aus.

Sein Buch „Bis zum bittern Ende“, das in zwei Bänden den Zeitraum vom 30. Juni 1934 bis zum 20. Juli 1944 darstellt, nahm eine Schlüsselstellung unter den frühen Veröffentlichungen zum Widerstand ein. Die Bände erschienen bereits 1946 und 1947 in der Schweiz, weitere Auflagen folgten in kürzester Zeit, bis sie 1948 auch in Deutschland auf den Markt kamen, wo sie schon vorher große Beachtung gefunden hatten.[63]

Das Werk richtete sich nicht nur von seinem Stil her, „besonders in der Form wörtlich wiedergegebener Unterhaltungen und dramatischer Szenen im Kriminalromanstil“[64], an ein breites Publikum, sondern Gisevius bot dem Leser auch einen einzigartig detaillierten Augenzeugenbericht von den Geschehnissen des 20. Juli in der Bendlerstraße. Zeller meinte, Gisevius habe als erster zu den Vorgängen des 20. Juli geschrieben „und damit die öffentliche Meinung des In- und Auslandes nachhaltig bestimmt“.[65] Sein diesbezüglicher Erlebnisbericht und die Tatsache, dass Gisevius bereits seit 1938 an Anschlags- und Putschplanungen beteiligt gewesen war – er war sogar zeitweise als Staatssekretär im Falle eines erfolgreichen Staatsstreiches vorgesehen –, machten sein Buch zu einer unverzichtbaren Quelle. Deshalb war es für andere Autoren, von denen viele ihm gegenüber starke Vorbehalte hatten und ihn vehement kritisierten, gar nicht möglich, sein Werk einfach zu ignorieren. Auf dieser Kritik an Gisevius soll im Folgenden der Fokus der Untersuchung liegen, da sie auch zwei wesentliche Aspekte der Darstellung des 20. Juli betraf, nämlich das Bild von Stauffenberg und die ‚handwerkliche’ Beurteilung des Putsches.

Ein Faktor, der augenscheinlich zu der überaus heftigen Kritik[66] an Gisevius beigetragen hat, war – ein Eindruck, dem sich der Leser in der Tat nur schwer entziehen kann, – eine Überakzentuierung der eigenen Rolle. Rudolf Pechel schrieb in der „ Deutschen Rundschau “ von einer „qualvollen Lektüre“, wenn Gisevius „von seiner, ach so bedeutenden Persönlichkeit und der Rolle spricht, die er gespielt zu haben meint“.[67] Die Angriffe von Pechel waren polemisch und stellenweise mit beißendem Sarkasmus formuliert. Er empfand es insbesondere als ungehörig, dass sich Gisevius Lob und Anerkennung in Form von selbst kolportierten Aussagen anderer Verschwörer zukommen ließ, „deren Mund für immer verschlossen ist“.[68] Außerdem wurde Gisevius seine Zeit bei der Gestapo zu Beginn der dreißiger Jahre von anderen Autoren vorgehalten.[69] Pechel schrieb, Gisevius sei, obwohl er „die Methoden und den Charakter dieser Verbrecherorganisation ganz klar erkannt hat, nicht aus eigener Initiative, sondern weil er unbeliebt war, ausgeschieden“.[70] Die Schärfe dieser und anderer Angriffe ist nur erklärbar, wenn man Gisevius` Thesen betrachtet.

Gisevius` Darstellung von Stauffenberg stand in eklatantem Widerspruch zu den ansonsten meist sehr positiven Schilderungen anderer Autoren. Obwohl beide sich kaum gekannt hatten, sie trafen sich nur wenige Male – zum ersten Mal am 12. Juli 1944 (S. 318ff.) – basierte seine Einschätzung weitgehend auf persönlich gewonnenen Eindrücken. Am 20. Juli und in den Tagen davor gerieten beide einige Male verbal leicht aneinander. (S. 339/ 40; S. 341; S. 381; S. 385) Dass Stauffenberg auch seinerseits Vorbehalte gegen Gisevius hatte und diesen nicht in alle Details des Putschplanes einweihen wollte, steht ebenfalls außer Frage.[71]

Gisevius beschrieb Stauffenberg in fragwürdiger Diktion als vom „Nazismus“ geprägten fanatischen „Draufgänger“, als „Typ des „‚neuen’ Generalstäblers, so wie ihn sich Hitler nicht besser wünschen könnte“. (S. 319) Stärksten Widerspruch erntete er für seine These, Stauffenberg habe mit Hilfe seiner Widerstandstätigkeit versucht, „die durch seine Verstümmelung erzeugten Minderwertigkeitskomplexe überzukompensieren“.[72] (S. 319) Erst die militärische Niederlage habe ihm „je die Binde von den Augen gerissen“ und aufgrund dieser späten Einsicht habe er geglaubt, „nun in der Übersteigerung seines Sendungsgefühls (...), alles in einem sein zu müssen: Soldat, Politiker, Tyrannenmörder, Retter des Vaterlandes“. (S. 323)

Die Beschreibung Stauffenbergs als eines „‚wahren’ National-Sozialisten, wobei für ihn [Stauffenberg] der Tonfall auf dem ‚Sozialisten’ liegt“ (S. 315), die Gisevius gab, wurde von ihm noch dahingehend ergänzt, dass er ihn zum hauptsächlichen Verfechter der sogenannten „Ostlösung“ erklärte. Eine Feststellung, die bei den überwiegend konservativen Anhängern Stauffenbergs Protest hervorrufen musste; Zeller bezeichnete die „Ostlösung“ als eine „Legende“, die auf Gisevius zurückginge.[73]

Die „Ostlösung“, die Gisevius meinte als Präferenz Stauffenbergs erkannt zu haben, bedeutete separate Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion.[74] Die allgemeine Tendenz im Kreis der Verschwörer hingegen war, wenn irgend möglich, Verhandlungen mit den Westmächten anzustreben, wozu allerdings ebensowenig eine realistische Perspektive bestand.[75] Gisevius Einschätzung in dieser Frage basierte insbesondere auf der Meinung Dritter, Goerdelers (S. 314) und seines Freundes Oberst Hansens, und den eigenen Eindrücken beim ersten Treffen mit Stauffenberg, bei dem dieser allerdings, wie er Gisevius gegenüber selbst äußerte, den „advocatus diaboli“ spielte.

Gisevius aber glaubte, bei Stauffenberg ein doppeltes Spiel zu durchschauen: „Als ob ich nicht an dem Eifer, mit dem er seine Gedanken entwickelt, verspürte, in welcher Richtung diese weiterarbeiten!“[76] (S. 321) Gisevius ging in seiner Darstellung allerdings weit darüber hinaus, Stauffenberg lediglich taktische Fehleinschätzungen bezüglich möglicher ausländischer Partner vorzuhalten. Die besondere Brisanz seiner Deutung lag darin begründet, dass er in Stauffenberg und anderen Personen seines näheren Umfeldes – insbesondere Adam von Trott zu Solz und Fritz von der Schulenburg – ‚lupenreine’ national gesinnte Sozialisten zu erkennen meinte.

Letztlich verband sich die These von der „Ostlösung“ mit der einer „radikale[n] Ostorientierung“ (S. 332) Stauffenbergs und seines Kreises, denen er unter Verweis auf ein Gespräch mit Goerdeler unterstellte, lediglich eine Diktatur durch eine andere ersetzen zu wollen: „Weder will er [Stauffenberg] auf das Totalitäre verzichten, noch auf das Militärische, noch auf den Sozialismus.“ (S. 315) Stauffenbergs Ziel sei eine Revolution, die mit Errichtung einer (sozialistischen) „Militärdiktatur“ ende, gewesen. (S. 315; S. 328) Gisevius verstand die „Ostlösung“ also letztlich als Versuch, die Unterstützung der Roten Armee für ein kommunistisches Deutschland zu gewinnen. Viel schärfer konnte man die Symbolfigur des (konservativ-militärischen) Widerstandes nicht angreifen.

Rothfels wandte sich prinzipiell gegen diese Interpretation und erklärte, „daß Stauffenberg (...) eher in einer universalen Perspektive als in einer militärischen oder nationalistischen lebte“,[77] und weiter hieß es bei ihm: „Sein Denken und Planen galt der Befreiung aller Völker, die unter tyrannischer Herrschaft litten, und sicherlich nicht einer Ersetzung der Hitlerschen Diktatur durch die Stalins.“[78]

Nach Gisevius setzte sich der von ihm erkannte außenpolitische Widerspruch – die Gruppe um Beck und Goerdeler besaß keinerlei Affinitäten zur geschilderten „Ostlösung“ – sogar in einen handfesten Gegensatz innerhalb des Widerstandes um. Der Autor machte sich die Einschätzung des befreundeten Oberst Hansen zu eigen, „diese politisierenden Obersten wollen sozusagen einen Putsch im Putsch veranstalten, indem sie neben das von ihnen abgelehnte Kabinett Goerdeler sogenannte Militärbevollmächtigte einsetzen, die in den ersten Wochen ‚Ordnung schaffen’ sollen“. (S. 360) Mehrfach betonte Gisevius, dass vor Stauffenbergs Eintritt in die Verschwörung die Zivilisten um Goerdeler die politische Führung unangefochten inne gehabt hätten. (u. a. S. 314/ 315) Die Tatsache, dass der Oberst in diesen Fragen ein Mitspracherecht reklamierte, wurde auch von niemandem bestritten, aber im Zusammenhang mit den ihm von Gisevius zugeschriebenen Intentionen musste das auf Leser mehr als bedenklich wirken.

Als irritierend und zugleich bezeichnend für Gisevius´ politische Vorstellungswelt seien hier noch zwei Aspekte herausgestellt, die seinen Hang zum Polarisieren unterstreichen. So ernannte er Goerdeler – wohl auch, um den Kontrast zu Stauffenberg noch stärker erscheinen zu lassen –, zu einem vorbildlichen Verfechter der Demokratie. (S. 314/ 315) Außerdem wurde sein Verständnis der Unterschiede zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus nicht recht deutlich, was auch eine Ursache dafür gewesen sein dürfte, dass ihm diese Unterscheidung in Bezug auf Stauffenberg schwer fiel. Trotz seiner mit Nachdruck vorgetragenen These von dessen „Ostorientierung“ beschrieb er seine politischen Ziele im Unterschied zu denen der „Zivilisten“ um Goerdeler mit der Farbenkombination „braun-grau“. Der militärische Aspekt trat hier also gleichberechtigt neben den nationalsozialistischen, während die Farbe Rot ungenannt blieb:

„So zwiespältig sind die revolutionären Dinge (...), daß wir jetzt, Juli 1944, bei dem Paradoxon angelangt sind: hier ein soldatischer Revolutionär – und letzten Endes kämpft er für die Weiterführung der braun-grauen Legalität; dort jene antirevolutionären Zivilisten – und gerade darum sind sie glaubwürdige Vorkämpfer für etwas Neues.“ (S. 324)

Der zweite Punkt neben der (politischen) Charakterisierung Stauffenbergs, der die Gemüter erregte, betraf Gisevius´ Bewertung der Vorbereitung und Durchführung des Staatsstreiches vom 20. Juli. Bereits im Vorwort kündigte Gisevius an, „so schonungslos über den 20. Juli zu schreiben, wie er sich nun einmal abgespielt hat, auch auf die Gefahr hin, dadurch diesen Tag und manche seiner Gestalten zu entheroisieren.“[79] (S. 9) Sein Fazit lautete:

„Am Morgen nach dem 20. Juli beginnt – die Tragödie des 20. Juli. Denn nicht das mißglückte Attentat, nicht der gescheiterte Putsch können als Tragödie empfunden werden. Dazu ist zuviel Unzulänglichkeit am Werke, zuviel Unachtsamkeit, zuviel Unentschlossenheit, zuviel blinder Glaube an blinden Gehorsam. Nichts geschieht an diesem Tage ganz. Alles bleibt im Halben stecken.“ (S. 437)

An anderer Stelle war von einem „Gespensterputsch“ die Rede. (S. 426) Gisevius weigerte sich, das Schicksal für das Scheitern des 20. Juli verantwortlich zu machen, und betonte, dass der Staatsstreich selbst nach dem fehlgeschlagenen Attentat noch hätte gelingen können. Er sah einen Mangel an „Koordination, Entschlußkraft und Achtsamkeit“ als die entscheidenden Faktoren an. (S. 9) Diese Einschätzung stand in hartem Kontrast zu anderen Bewertungen, die aufzuzeigen suchten, wie unglücklich das Attentat gescheitert war und dass der Putsch daraufhin keine Erfolgsaussichten mehr gehabt hätte.[80] Unter einer solchen Prämisse erschien der Aufstand als ein moralisches Zeichen, als ein ‚Opfergang’. Gisevius stellte sich explizit gegen solche Deutungen. Auch die deutsche „Opposition“ müsse sich, wie das übrige Volk, einer historisch-kritischen Bewertung stellen und auch sie würde dann auf der „historischen Waagschale als zu leicht befunden“. (S. 447)

[...]


[1] Max Domarus: Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band II: Untergang, 2. Halbband 1941-1945, Wiesbaden 1973, S. 2127-2129, S. 2129.

[2] Ebd., S. 2128.

[3] Die folgenden Zitate von Göring und Dönitz bei Hans Bernd Gisevius: Bis zum bitteren Ende. Vom 30. Juni 1934 bis zum 20. Juli 1944, Frankfurt/M. 1964 , S. 414/ 415.

[4] Heinrich Walle: Der 20. Juli 1944. Eine Chronik der Ereignisse von Attentat und Umsturzversuch, in: Peter Steinbach/ Johannes Tuchel (Hg.): Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933-1945, Bonn 2004, S. 505-521, S. 519.

[5] Klaus-Jürgen Müller/ Hans Mommsen: Der deutsche Widerstand gegen das NS-Regime. Zur

Historiographie des Widerstandes, in: Klaus-Jürgen Müller (Hg.): Der deutsche Widerstand 1933-1945, Paderborn [u. a.] 1986, S. 13-21, S. 13.

[6] Norbert Frei: 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewußtsein der Deutschen, München 2005, S. 133.

[7] Hans Mommsen: Die Opposition gegen Hitler und die deutsche Gesellschaft 1933-1945, in: Müller: Widerstand, S. 22-39, S. 24.

[8] Vgl. Frei: 1945, S. 133ff.; zu den frühesten Umfragen über die Haltung zum Nationalsozialismus, s. Arnulf Kutsch: Einstellungen zum Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit. Ein Beitrag zu den Anfängen der Meinungsforschung in den westlichen Besatzungszonen, in: Publizistik 40 (1995), S. 415-447.

[9] Vgl. dazu Regina Holler: 20.Juli 1944. Vermächtnis oder Alibi? Wie Historiker, Politiker und Journalisten mit dem deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus umgehen. Eine Untersuchung der wissenschaftlichen Literatur, der offiziellen Reden und der Zeitungsberichterstattung in Nordrhein-Westfalen 1945-1986, München [u. a.] 1994, S. 74; s. auch Müller/ Mommsen: Widerstand, S. 13/ 14.

[10] Der Verfasser legt in dieser Arbeit folgende Definition von „Widerstand“ zugrunde, die Holler: Vermächtnis, S. 50/ 51 vorschlägt: „Widerstand meint (...) einen Kampf gegen das nationalsozialistische Regime, d. h. seine Funktionäre oder Institutionen. Dieser Kampf muß als letztes Ziel nicht den Sturz der Regierung meinen, sondern kann der Schwächung des Staates gelten. Kampf heißt die Anwendung sowohl gewaltfreier Mittel als auch die von Gewaltmitteln. Widerstand wird verstanden als bewußtes politisches Handeln.“ Unangepasstes und abweichendes Verhalten fällt unter die Begriffe „Verweigerung“ und „Protest“.

[11] Vgl. dazu Günter Plum: Widerstand und Resistenz, in: Martin Broszat/ Horst Möller (Hg.): Das Dritte Reich: Herrschaftsstruktur und Geschichte. Vorträge aus dem Institut für Zeitgeschichte, München 1983, S. 248-273, S. 250ff.

[12] Frei: 1945, S. 144.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Müller/ Mommsen: Widerstand, S. 13.

[16] Zur Kollektivschuldthese vgl. v. a. Frei: 1945, S. 145-155.

[17] Hier sind vor allem folgende zwei Aufsätze zu nennen: Hans Mommsen: Gesellschaftsbild und Verfassungspläne des deutschen Widerstandes, in: Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Vier historisch-kritische Studien, Köln/ Berlin 1966, S. 73-167; Hermann Graml: Die außenpolitischen Vorstellungen des deutschen Widerstandes, in: ebd., S. 15-72.

[18] Peter Steinbach: Widerstandsdiskussion und Widerstandsforschung im Spannungsfeld politischer Entwicklungen, in: Kirchliche Zeitgeschichte, 1. Jhg. (1988), H. 1, S. 29-50, S. 35; zur Rezeptionsgeschichte vgl. auch ders.: Widerstand im Widerstreit. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Erinnerung der Deutschen, 2. erw. Aufl., Paderborn 2000.

[19] Rudolf Wassermann: Zur Auseinandersetzung um den 20.Juli 1944. Der Remer-Prozeß als Meilenstein der Nachkriegsgeschichte, in: ders.: Recht, Gewalt, Widerstand. Vorträge und Aufsätze, Berlin 1985, S. 36-64.

[20] Franz Gress/ Hans-Gerd Jaschke: Politische Justiz gegen rechts: Der Remer-Prozeß 1952 in paradigmatischer Perspektive, in: Rainer Eisfeld/ Ingo Müller (Hg.): Gegen Barbarei. Essays Robert M. W. Kempner zu Ehren, Frankfurt/M. 1989, S. 453-478, S. 454.

[21] Jürgen Danyel: Bilder vom „anderen Deutschland“. Frühe Widerstandsrezeption nach 1945, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 7 (1994), S. 611-621.

[22] Holler: Vermächtnis, S. 16.

[23] Die Reden wurden schwerpunktmäßig erst nach 1952/ 53 gehalten.

[24] Ihre Kapitelüberschrift für die Historiographie des Untersuchungszeitraumes 1945-1954 lautet denn auch „Wider die Kollektivschuld“.

[25] Holler: Vermächtnis, S. 47.

[26] Christof Dipper: Verräter oder Helden? Das Bild des deutschen Widerstandes in der

bundesrepublikanischen Gesellschaft; in: Holger Afflerbach/ Christoph Cornelißen (Hg.): Sieger und Besiegte. Materielle und ideelle Neuorientierungen nach 1945, Tübingen 1997, S. 297-314, S. 301/ 302.

[27] Dipper: Verräter, S. 301. Remer hatte betont, dass er „Hochverrätern aus Gewissensnot“ seine Achtung nicht versage und das Gericht hatte dies nicht in Frage gestellt; s. Urteil des Landgerichts Braunschweig vom 15. März 1952 in der Strafsache gegen Generalmajor a. D. Remer wegen übler Nachrede, in: Herbert Kraus (Hg.): Die im Braunschweiger Remer-Prozeß erstatteten moraltheologischen und historischen Gutachten nebst Urteil, Hamburg 1953, S. 105-136, S. 111-113.

[28] Jan Eckel: Intellektuelle Transformationen im Spiegel der Widerstandsdeutungen, in: Ulrich Herbert (Hg.): Wandlungsprozesse in Westdeutschland, Göttingen 2002, S.140-176, S. 141 mit Anm. 3.

[29] Ebd., S. 141.

[30] Regine Büchel: Der deutsche Widerstand im Spiegel von Fachliteratur und Publizistik seit 1945, München 1975, S. 14.

[31] Franz Ahrens: Widerstandsliteratur – Ein Querschnitt durch die Literatur über die Verfolgungen und den Widerstand im Dritten Reich, Hamburg 1948.

[32] Vgl. dazu Eckel: Transformationen, S. 142/ 143.

[33] Holler: Vermächtnis, S. 70. Sie stützt sich dabei auf die zeitgenössische Einschätzung von Friedrich Siegmund-Schultze: Die deutsche Widerstandsbewegung im Spiegel der ausländischen Literatur, Stuttgart 1947.

[34] S. dazu Büchel: Widerstand, S. 8/ 9.

[35] Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler. Nach einem Erlebnisbericht Fabian von Schlabrendorffs bearb. u. hrsg. v. Gero von Schulze-Gaevernitz, Zürich 1946, S. 21-24. Im Folgenden werden die Textstellen im fortlaufenden Text im Klammern angegeben.

[36] Vgl. Holler: Vermächtnis, S. 73.

[37] Ganz oder teilweise zitiert u. a. bei Rudolf Pechel: Deutscher Widerstand, Erlenbach/ Zürich 1947, S. 245; Hans Rothfels: Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung, Krefeld 1949, S. 99/ 100; Karl Strölin: Verräter oder Patrioten? Der 20. Juli 1944 und das Recht auf Widerstand, Stuttgart 1952, S. 45; Eberhard Zeller: Geist der Freiheit. Der Zwanzigste Juli, 2. Aufl., München 1954, S. 136/ 7.

[38] Vorwort des Herausgebers Gero v. Schulze Gaevernitz, in: Schlabrendorff: Offiziere, S. 19.

[39] Rothfels: Opposition, S. 36 u. S. 39.

[40] Vgl. zu diesem Begriff Eckel: Transformationen, S. 140.

[41] Ulrich von Hassell: Vom andern Deutschland, Zürich 1948, S. 271; Belege im Folgenden in Klammern im Text angegeben; zu den Plänen, ihn zum Außenminister zu machen, s. Hans Mommsen: Geleitwort, in: Ulrich von Hassell: Die Hassell-Tagebücher: 1938–1944. Aufzeichnungen vom Andern Deutschland, hrsg. v. Friedrich Hiller von Gaertringen. Nach der Hs. rev. und erw. Ausg., Berlin 1988, S. 16; vgl. zu Hassells Laufbahn u. Widerstandstätigkeit Gregor Schöllgen: Ulrich von Hassell, in: Rudolf Lill/ Heinrich Oberreuter (Hg.): 20. Juli. Porträts des Widerstands, akt. u. überarb. Neuausg., Düsseldorf/ Wien 1994, S. 219-237.

[42] Bei der hier benutzten Ausgabe handelt es sich bereits um die vierte, die 1948 ebenfalls in Zürich erschien; zu den Gründen, warum so viele frühe Werke zum Widerstand im Ausland, insbesondere in Zürich publiziert wurden, s. Büchel: Widerstand, S. 14.

[43] Einführung, in: Hassell: Hassell-Tagebücher, S. 20.

[44] Paul Kluke: Der deutsche Widerstand. Eine kritische Literaturübersicht, in: HZ 169 (1949), S. 136-161, S. 144.

[45] Rothfels: Opposition, S. 109. Rothfels, ein Verehrer Bismarcks, konnte eine gewisse Bewunderung nicht verhehlen, als er von Hassell als einem Diplomaten sprach, „der noch in der echten Überlieferung Bismarcks lebte“, ebd., S. 108.

[46] Ebd., S. 108; Hassell ist postum von Ernst von Weizsäcker vorgeworfen worden, wie unvorsichtig es gewesen sei, Tagebücher zu führen, Einführung, in: Hassell: Hassell-Tagebücher, S. 28; vgl. dazu auch Zeller: Geist, Anm. 75, S. 343.

[47] S. zum Versteck der Tagebücher das Nachwort von Ilse von Hassell, in: Hassell: Deutschland, S. 298-300.

[48] Bemerkungen zur Edition, in: Hassell: Hassell-Tagebücher, S. 41-45, S. 42. Eine Bearbeitung der Erstausgabe durch den Verleger Max Hürlimann und Ilse von Hassell fallen im Rahmen einer Gesamtinterpretation wenig ins Gewicht, ebd., S. 43/4.

[49] Kluke: Widerstand, S. 144.

[50] Einführung, in: Hassell-Tagebücher, S. 35/ 36.

[51] Rothfels: Opposition, S. 87 gab die Klagen über „Armeekommandeure und –gruppenführer“ von Gisevius, Goerdeler und von Schlabrendorff wieder.

[52] Hassell: Hassell-Tagebücher, u. a. S. 133, S. 135, S. 138, S. 144; vgl. dazu Mommsen: Geleitwort, in: ebd., S. 14/ 15.

[53] Namenseinfügungen nach Tarnnamen i. O.; vgl. auch ebd., S. 171, wo er über die „unmodernen“ Vorstellungen Goerdelers schrieb; zu Gegensätzen zwischen den Widerstandsgruppen, s. auch S. 235.

[54] Holler: Vermächtnis, S. 77/ 78.

[55] Kluke: Widerstand, S. 143.

[56] Ebd., Anm. 1.

[57] Kluke: Widerstand, S. 143; vgl. auch Mommsen: Geleitwort, S. 17.

[58] Zeller: Geist, Anm. 75, S. 343.

[59] Gemeint sind der Berliner Polizeipräsident Graf Helldorf und Reichskriminaldirektor Arthur Nebe, d. V.

[60] Wolf Ulrich von Hassell: Nach dem 20. Juli, in: Hassell: Deutschland, S. 294-297, S. 294.

[61] Ebd.

[62] Gisevius: Ende, S. 326. Im Folgenden werden die Belege aus der Ausgabe von 1947 in Klammern im Text angegeben.

[63] Gisevius behauptete in einer späteren Ausgabe, die Alliierten hätten die Drucklegung seines Buches in Deutschland bis 1948 sabotiert, Hans Bernd Gisevius: Bis zum bitteren Ende, Frankfurt/M. 1964, S. 302.

[64] Rothfels: Opposition, Anm. 12, S. 210; vgl. auch: Kluke: Widerstand, S. 150 mit Anm. 1.

[65] Zeller: Geist, S. 328/ 9. Er nannte Gisevius´ Werk eine „unentbehrliche Quelle“, die aber „mit mehr kritischem Vorbehalt gelesen“ worden sei als jede andere, ebd.; Pechel: Widerstand, S. 251 sprach sogar von einer „weltweiten Verbreitung“ des Buches.

[66] Vgl. dazu auch Holler: Vermächtnis, S. 72.

[67] Der Artikel ist nicht namentlich gekennzeichnet, aber aufgrund seines Inhaltes, vor allem der Thesen zu Hjalmar Schacht, Edgar Jung und zu Gisevius eindeutig Pechel zuzuordnen: Rudolf Pechel: Ich, Hans Bernd Gisevius, in: Deutsche Rundschau, 69. Jhg. (1946), H. 3, S. 245/ 6, S. 245.

[68] Ebd.

[69] Zu Gisevius` beruflicher Karriere, s. Peter Hoffmann: Widerstand – Staatsstreich – Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, 4. neu überarb. u. erg. Aufl., München/ Zürich 1985, S. 111ff.; zu seiner Widerstandstätigkeit, ebd., S. 295ff.

[70] Pechel: Gisevius, S. 245.

[71] S. u. a. Pechel: Widerstand, S. 181: „Das Bild, das Gisevius von Stauffenberg zeichnet, ist verzerrt. Verzerrt aus dem Ressentiment, daß Stauffenberg ihn völlig ablehnte.“ Ähnlich äußerte sich Rothfels: Opposition, Anm. 168, S. 234; auch Gisevius selber betonte in einer späteren Auflage die gegenseitige Ablehnung, Gisevius, Ende, 1964, S. 317.

[72] Dieser Passus findet sich interessanterweise in späteren Auflagen nicht mehr, so in jener von 1964; Kritik an Gisevius` These bei Zeller: Geist, Anm. 35, S. 376; Pechel: Widerstand, S. 181; Rothfels: Opposition, Anm. 168, S. 234.

[73] Zeller: Geist, S. 372.

[74] Die von Gisevius favorisierte „Westlösung“ beinhaltete ein separates Waffenstillstandsangebot der Oberbefehlshaber an der Westfront an Eisenhower bei gleichzeitigem Verzicht auf das Attentat, Gisevius: Ende, 1964, S. 355.

[75] Vgl. Hoffmann: Widerstand, S. 308.

[76] Vgl. dazu Hoffmann: Widerstand, S. 745; Zeller moniert, dass dieses eine Gespräch für Gisevius gereicht habe, um die „Mär vom ostorienierten, machthungrigen Generalstabsobersten in die Welt zu setzen“, Eberhard Zeller: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild, Paderborn [u. a.] 1994, S. 249/50.

[77] Rothfels: Opposition, S. 154; dort auch das folgende Zitat.

[78] Ähnlich äußerte sich z. B. auch Walter Görlitz: Die deutsche Militäropposition 1938 bis 1945, in: Frankfurter Hefte, 4. Jhg. (1949), H. 3, S. 230-237, S. 234: „Hitlers Sturz durfte in seiner [Stauffenbergs] Vorstellung niemals Stalins Sieg zur Folge haben.“

[79] Vgl. zu diesem Unterfangen zusätzlich Gisevius: Ende, 1948, S. 443, S. 447, S. 450.

[80] Vgl. Zeller: Geist, S. 284ff.; Pechel benennt zwar auch Defizite, hält aber Hitlers Überleben für entscheidend im Hinblick auf das Scheitern des Putsches, Pechel: Widerstand, S. 240f.

Details

Seiten
105
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656084099
ISBN (Buch)
9783656084327
Dateigröße
974 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183883
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichtswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Widerstand gegen den Nationalsozialismus Rezeption des Widerstands gegen den Nationalsozialismus Bundesrepublik in der Nachkriegszeit Vergangenheitsbewältigung Aufarbeitung

Autor

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Titel: Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952