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Chinas Durst nach globalen Ressourcen

Konfliktpotential und ökonomische Konsequenzen

Seminararbeit 2011 28 Seiten

VWL - Konjunktur und Wachstum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chinas Rohstoffsituation
2.1 Der Rohstoffkonsum
2.2 Das Versorgungsdilemma

3. Die Rohstoffsicherung
3.1 Going Abroad-Strategie
3.2 Arten der Rohstoffsicherung

4. Implikationen
4.1 Konsequenzen für den Weltmarkt
4.2 Exportbeschränkungen und Marktverzerrung
4.3 Konsequenzen für die Förderländer
4.4 Bi- und multilaterale Kooperation versus politische Konflikte
4.5 Zahlungsbilanz- und Wechselkursimplikationen

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Chinas Energiekonsum

Abbildung 2: Importentwicklung von wichtigen Rohstoffen

Abbildung 3: Das Versorgungsdilemma Chinas

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chinas Öl- und Gasbeteiligungen 2002-2010

Tabelle 2: Chinas Kredit gegen Rohstoffverträge 2009-2010

Tabelle 3: Verwendung wichtiger Grundstoffe mit Exportbeschränkungen

Tabelle 4: Exportquoten auf seltene Erden

Tabelle 5: Exportzölle auf wichtige Rohstoffe 2010

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Chinas boomende Wirtschaft lechzt nach Rohstoffen aus Afrika. Öl-Deals mit Despoten, Schuldenerlass für Schurkenstaaten, Waffen für Islamisten: Peking mischt mit seiner neuen Afrika-Politik das geostrategische Machtgefüge auf. Die USA und Europa zürnen - sie sehen eigene Geschäfte gefährdet.“

(Kazim, 2007)

Diese Einleitung eines Spiegelonlineartikels steht sinnbildlich für die Betrachtungsweise der westlichen Medien in Bezug auf die Rohstoffpolitik der Volksrepublik China. Dieses Zitat fasst die gegenwärtigen Probleme knapp zusammen. Während sich die politischen Akteure medial hauptsächlich um die Wahrung der Menschenrechte und die Unterwanderung ihrer Sanktionspolitik Gedanken machen, müssen die Wirtschaftsvertreter häufig zusehen, wie chinesische Unternehmen sich Rohstoffe sowie Aufträge in amerikanisch- europäischen Einflusssphären sichern. Auf allen Kontinenten verstärkt China seine Anstrengungen. Besonders vor der eigenen Haustür im südchinesischen Meer ist die Tonart im Territorialstreit mit Vietnam, um die Spratly-Inseln, rauer geworden. In diesem Seegebiet werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. Regelmäßig kommt es zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen Forschungsbooten und Küstenpatrouillen. Peking bezeichnet das Südchinesische Meer mittlerweile als nationales Kerninteresse. Diese Bezeichnung wurde sonst nur für Tibet, Xinjiang und Taiwan gewählt (vgl. Schmidt, 2011; Die Zeit, 2011). Auch im Umgang mit den eigenen Ressourcen, wie den seltenen Erden vollzog China einen Strategiewechsel. So wurde vor Jahren der Weltmarkt mit Niedrigpreisprodukten überschwemmt und sich ein chinesischer Weltmarktanteil von 97% geschaffen. Seit geraumer Zeit hingegen senkt die Regierung die Exportquoten und erhöht die Exportsteuern dieser elementaren Rohstoffe für wichtige Zukunftstechnologien und verknappt so das Angebot auf dem Weltmarkt (vgl. Köhn, 2011). Neben diesen in den Medien häufig geschilderten Faktoren hat der Rohstoffhunger Chinas weitaus tiefgreifendere Auswirkungen auf die Welt.

Diese Arbeit soll untersuchen, welche Bedeutung das Nachfragewachstum in China für die Weltwirtschaft besitzt. So spielen neben den Preissteigerungen auch die Angebotsstrukturveränderungen sowie die Umweltbelange eine Rolle. Diese Veränderungen müssen nicht immer zum Nachteil der restlichen Welt sein. Die internationale Literatur ist in diesem Themengebiet hauptsächlich auf den Energieverbrauch und dessen Entwicklung beschränkt. Eine direkte und tiefgründige Erforschung der Auswirkungen hat bis jetzt, bis auf wenige Ausnahmen, noch nicht statt gefunden. Eine mögliche Erklärung ist, dass wir momentan noch am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Einleitend in die Thematik werden im Kapitel 2 der vergangene und der zukünftige Rohstoffverbrauch geschildert. Auf die Herkunft der Rohstoffe wird ebenfalls eingegangen. Das Kapitel 3 gibt dem Leser einen Überblick über die Rohstoffbeschaffungsstrategie. Das darauffolgende Kapitel stellt die lokalen bzw. globalen Auswirkungen der Rohstoffbeschaffung dar.

2. Chinas Rohstoffsituation

2.1 Der Rohstoffkonsum

Die Volksrepublik China hat in den letzten Jahren eine rasante wirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1975 mehr als vervierzehntfacht. Mittlerweile leben etwa 20% der Weltbevölkerung in China, die immer mehr Rohstoffe verbrauchen (vgl. Hong, 2010, S.414). China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft und hatte in den Jahren 2009 und 2010 ein Wirtschaftswachstum von 8,7% und 10,3% (vgl. Jiang/Sinton, 2011, S.10). Es ist mit seinem Angebot an billigen Arbeitskräften zur Werkbank der Welt geworden und ist der größte Importeur von Eisenerz, Kupfer und Mangan sowie der zweitgrößte Importeur von Rohöl, Aluminium, Zink und anderen bedeutenden Rohstoffen (vgl. Song/Li, 2009, S. 122).

Die steigende Bevölkerungszahl und das Wirtschaftswachstum sind die treibenden Kräfte, die hinter dem steigenden Verbrauch von Rohstoffen stehen. Das starke Wirtschaftswachstum wurde vor allem durch die exportorientierte Industrieproduktion, welche sehr energieintensiv ist, vorangetrieben (vgl. Konan/Zhang, 2008, S. 383). Die fortschreitende Urbanisierung und die Einkommenszunahme verändern besonders die Energiekonsumgewohnheiten. Bis zum Jahre 2025 werden 822 Mio. Chinesen in urbanen Gebieten wohnen. Das sind 291 Mio. Chinesen mehr als 2005. Der Transportsektor wird am stärksten wachsen. So fuhren 1980 auf Chinas Straßen nur 2 Mio. Autos, 2007 waren es bereits 42 Mio. Autos und für 2020 wird mit ca. 123 Mio. Autos gerechnet. Damit würden im Jahr 2020 jedoch nur 86 von 1000 Chinesen über ein Auto verfügen (vgl. Hong, 2010, S. 414).

Rohstoffkonsum und Struktur

Die Abbildung 1 zeigt den Verbrauch fossiler und erneuerbarer Rohstoffe in den Jahren 1980 bis 2030. Die Angaben sind in Mio. Tonnen Öläquivalent (Mtoe) angegeben. Der rasant angestiegene Rohstoffhunger wird sich auch in den folgenden Jahren weiter fortsetzten. Laut der Prognose des IEEJ steigt der Energiekonsum von 2007 bis 2020 um 42%. Wie ersichtlich, sind die Rohstoffe Kohle und Öl die Hauptenergielieferanten. Gas wird neben diesen beiden in der Zukunft eine ebenfalls bedeutende Rolle spielen. Die Kohle ist der bedeutendste fossile Brennstoff Chinas und machte 2007 noch 73% des gesamten Energieverbrauchs aus. Öl erreichte 20% und Gas lediglich nur 3,3%.

Abbildung 1: Chinas Energiekonsum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Hong, 2010, S. 417.

Auch das zukünftige Nachfragewachstum wird durch diese Brennstoffe gedeckt werden. Die Nuklearenergie sowie die erneuerbaren Energien werden weiter ausgebaut und gefördert. Jedoch werden diese bis 2020 jeweils nur 5% des gesamten Energiekonsums stillen. Global betrachtet, stand China bereits 2007 für ca. 16% des weltweiten Energiekonsums. Langfristig wird davon ausgegangen, dass es ab 2025 eine konstante Rate von ca. 20% des Weltkonsum einnehmen wird (vgl. Hong, 2010, S. 417). Der pro Kopf Energieverbrauch liegt noch immer noch ein Drittel unterhalb des Weltdurchschnitts von 11,8 Barrel/Öläquivalent (vgl. Konan/Zhang, 2008, S. 385). Ein Problem ist es, dass ein Großteil der Rohstoffe importiert werden müssen. Das Land verfügt nur über 12,6% der Weltkohlereserven und 1,3% der Weltgas- und -ölreserven (vgl. ebenda, S. 383). Bis 1993 war China Rohölexporteur. Heutzutage stammen 50% der Rohölimporte aus dem Nahen Osten. China ist mit 10% am Weltkonsum der zweitgrößte Ölkonsument hinter den USA. China besitzt die größten nachgewiesenen Kohlereserven der Welt. Seit 2007 kann der Bedarf nicht mehr aus den eigenen Vorkommen gedeckt werden, sodass die Kohle aus Australien, Indonesien und Vietnam importiert werden muss. Gas wird die dritte Säule in der Rohstoffversorgung der Zukunft sein. Die Regierung versucht die Bedeutung von Gas zu fördern. Gas besitzt eine bessere Umweltbilanz als Kohle und Öl und kann zudem aus den nahgelegenen zentralasiatischen Nachbarländern importiert werden (vgl. Konan/Zhang, 2008 S. 386-388). Neben dem starken Verbrauchsanstieg bei den Energierohstoffen haben auch andere Grundstoffe starke Wachstumszahlen zu verzeichnen.

Abbildung 2: Importentwicklung von wichtigen Rohstoffen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Vgl. Song/Li, 2009, S. 123.

Die Abbildung 2 zeigt, dass gerade für die Industrie wichtige Stoffe wie z.B. Kupfer-, Eisen- oder Manganerze starke Importmengenzuwächse zu verzeichnen haben und die Abhängigkeit vom Ausland stark gewachsen ist.

2.2 Das Versorgungsdilemma

Die Volksrepublik China wird, aufgrund des oben geschilderten zunehmenden Rohstoffhungers, seine Abhängigkeit gegenüber dem Ausland weiter erhöhen. Nach den derzeitigen Gegebenheiten findet der Bezug von Rohstoffen größtenteils aus Afrika und dem Nahen Osten durch Schiffstransporte statt. Somit ist China sehr stark von den internationalen Seewegen abhängig (vgl. Zweig/Bi, 2005, S. 29). Die Straße von Malakka, die Sundastraße und die Philippinische See bilden die Nadelöhre der chinesischen Versorgungswege. Nicht nur die Rohstoffe, sondern auch der gesamte Handel mit Afrika, Europa und dem Nahen Osten passieren diese Regionen, die somit zu den strategisch wichtigen Gebieten für die chinesische Regierung gehören. 2006 stammten 45% des Öls aus dem Nahen Osten und 32% aus Afrika (vgl. Hong, 2010, S. 417).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das Versorgungsdilemma Chinas

Quelle: Vgl. Jiang/Sinton, 2011, S. 30.

Die Abbildung 3 verdeutlicht diese Problematik. Als Alternative zu dieser Versorgungssituation bieten sich die öl- und gasreichen zentralasiatischen Staaten und Russland an. China verfügte jedoch bis 2005 über keine grenzüberschreitende Pipeline. Verhandlungen über den Bau von Pipelines nach Russland oder Kasachstan verliefen lange Zeit erfolglos (vgl. Zweig/Bi, 2005, S. 29). 2010 verfügte China schließlich über drei grenzüberschreitende Öl- und Gaspipelines. Das Land Myanmar liefert Gas und Öl nach Südchina, Nordostchina erhält Öl aus Russland und Turkmenistan sowie Kasachstan liefern Gas nach Westchina (vgl. Jiang/Sinton, 2011, S. 30-34).

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Details

Seiten
28
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656084129
ISBN (Buch)
9783656084341
Dateigröße
1011 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183880
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
China Ressourcen China Afrika Seltene Erden Öl Rohstoffsicherung Rohstoffversorgung

Autor

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