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Sind Conditional Cash Transfers eine Möglichkeit nachhaltige Entwicklung zu generieren?

Untersuchung anhand des brasilianischen Programmes Bolsa Familia

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 24 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

3. CONDITIONAL CASH TRANSFERS

4. DAS BEISPIEL BOLSA FAMÍLIA б
4.1 Aufbau und Implementierung von Bolsa Família
4.2 Auswirkungen von Bolsa Família
4.2.1 Positive Effekte
4.2.2 Probleme

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Brasiliens Regionen: Human Development Index 2000

Abbildung 2: Expansion von Bolsa Família

Abbildung 3: Durchschnittseinkommen in Brasilien 2001

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht über die Staffelung der Bezüge von Bolsa Família

Tabelle 2: Übersicht über die Ausgaben der Cash Transfers

Tabelle 3: Armut nach Regionen 2000

1. Einleitung

Ein ewig wiederkehrendes Thema in der Entwicklungszusammenarbeit ist die Frage nach nachhaltiger Entwicklung und wie man diese hervorrufen kann. In den letzten zwei Jahrzehnten hat ein neues Phänomen die Hoffnung erweckt, dass man das Ziel mit seiner Hilfe erreichen kann. Die Rede ist von Conditional Cash Transfers, Zahlungen an die Ärmsten einer Gesellschaft, an deren Ausschüttung jedoch Bedingungen geknüpft sind. Mit diesem Mittel wird versucht, das Verhalten von einzelnen zu ihrem und dem der gesamten Gesellschaft zu verändern. Besonders in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Ernährung verspricht man sich große Impulse, die eine nachhaltige Entwicklung generieren können. Inwieweit dies der Fall ist, wird die nachfolgende Analyse mit der Fragestellung „Sind Conditional Cash Transfers eine Möglichkeit nachhaltige Entwicklung zu generieren? Untersuchung anhand des brasilianischen Programmes Bolsa Família“ zeigen.

Die Arbeit beginnt mit einer Definition von nachhaltiger Entwicklung. Es wird deutlich gemacht, dass Entwicklung ein multidimensionaler Begriff ist, welcher nicht einfach zu messen ist. Sowohl ökonomische als auch soziale Aspekte werden behandelt und durch den capabilities-Ansatz von Sen erweitert. Abschließend werden die Millennium Development Goals vorgestellt. Daraufhin werden Conditional Cash Transfers erörtert. Es wird dargestellt, wie eng diese mit einigen der Millennium Development Goals verknüpft sind. Neben den erhofften Verbesserungen wird auch die Kritik an Conditional Cash Transfers dargelegt. Es gibt zwei Arten von Conditional Cash Transfers, diejenigen, welche von der Regierung selbst implementiert werden und solche, die durch Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in das Land gebracht werden. Aus Platzmangel wird in dieser Arbeit nur der Fall behandelt, dass die eigene Regierung ein Conditional Cash Transfer Programm entwirft.

Nachdem der theoretische Hintergrund erläutert wurde, wird das brasilianische Fallbeispiel Bolsa Família untersucht. Zu Beginn wird die Entstehung und Implementierung des Programmes vorgestellt. Daraufhin folgt die Analyse der Auswirkungen, welche das Programm hat. Hierbei werden zuerst die Erfolge aufgezeigt. Im Anschluss werden dann die Probleme verdeutlicht, welche sich im brasilianischen Kontext ergeben. Die Arbeit endet mit einem zusammenfassenden Fazit.

2. Nachhaltige Entwicklung

Entwicklung ist ein häufig gebrauchter Begriff, welcher jedoch äußerst unterschiedlich interpretiert wird. Daher ist es notwendig, eine Definition von Entwicklung zu erarbeiten. Auguste Comte sah Entwicklung als „ordnend und zielbewusst in Marktprozesse“ eingreifen (Kolland 2007: 7). Wer diese regulierende Kraft sein soll, dafür gab es zahlreiche Vorschläge im Laufe der Zeit ohne dass ein Konsens geschaffen wurde. Nun gilt es zu klären, was heute mit „ordnend und zielbewusst“ gemeint ist. Dieter Nohlen definiert Entwicklungspolitik als „die Summe aller Mittel und Maßnahmen [...], die von Entwicklungsländern und Industrieländern eingesetzt und ergriffen werden um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Entwicklungsländer zu fördern, d.h. die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zu verbessern“ (in Nuscheler 2006: 76). Anhand dieser Definition wird deutlich, dass die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Umstände der Bevölkerung als Entwicklung gesehen werden kann. Betrachtet manjedoch die Weltbank, stößt man auf eine andere Definitionen von Entwicklung. Für die Weltbank ist lediglich das Pro - Kopf - Einkommen relevant, wenn es um den Entwicklungsstand und die Förderungswürdigkeit eines Landes geht (Nuscheler 2006: 103). Die Weltbank orientiert sich somit an Adam Smith. Dies ist jedoch problematisch, da hier keine Rücksicht auf die Verteilung innerhalb der Nation genommen wird. Und da schon Smith festgestellt hat, dass es für eine Gesellschaft wichtig ist, dass zumindest der größte Teil der Bevölkerung am Wohlstand teilhat[1], darf die Einkommensverteilung nicht außer Acht gelassen werden. Doch auch diese beiden Variablen sind nicht extensiv genug. Der Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen nutzt mehr als 70 verschiedene Parameter zur Messung von Entwicklung. Dies ermöglicht ein differenziertes Bild einer Nation, wenn auch kein vollständiges (United Nations 2011). Problematisch ist, dass die Indikatoren keine absoluten Rückschlüsse auf die Qualität des Lebens zulassen. So können sich beispielweise jugendliche Schulabgänger, trotz abgeschlossener Ausbildung, auf Grund von Arbeitslosigkeit nicht entfalten und ihre erlernten Kenntnisse nicht anwenden. Auch Geschlechterunterschiede, sowie Unterschiede der Altersklassen werden nicht berücksichtigt. Sen versuchte mit seinem Ansatz, diesen Defiziten gerecht zu werden und definiert Entwicklung als “process of expending the real freedoms people enjoy” (de Haas 2007: 2). Diese Freiheiten beschreibt Sen durch “human capabilities”, womit er meint, dass Menschen die Fähigkeiten erlangen müssen, ihr Leben so zu gestalten, dass es einen Wert für sie erhält und auch lebenswert wird. Indem hier die Lebensqualität in den Vordergrund gestellt wird, wird der Entwicklungsbegriff deutlich weiter gefasst als es von der Weltbank getan wird. Doch auch der Human Development Index wird durch diesen Ansatz erweitert, da hier auch Aspekte wie „social well-being, poverty alleviation, income inequality, gender equality and universal access to primary education, health care and meaningful employment“ beinhaltet sind (de Haas 2007: 2).

Diese Entwicklung ist laut dem Brundtland - Berichtjedoch nur als nachhaltig zu bezeichnen, wenn folgendes gilt: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“ (in Nuscheler 2006: 383). Dies bedeutet, dass auch die capabilities der zukünftigen Generationen gestärkt werden müssen und dass es eben nicht genügt, eine kurzfristige Verbesserung der Lebensumstände zu erreichen.

Um eine nachhaltige Entwicklung weltweit zu generieren, wurden die Millenium Development Goals (MDGs) geschaffen. Die Vereinten Nationen haben acht große Ziele formuliert, welche es bis 2015 umzusetzen gilt. Diese betreffen die Bereiche Armut, Bildung, Geschlechterfragen, Gesundheit der Kinder sowie Mütter, der Kampf gegen Epidemien (besonders HIV), Erhalt der Umwelt und das Ziel der globalen Partnerschaft auf Augenhöhe . Im Folgenden wird deutlich werden, dass Conditional Cash Transfers eng mit einigen dieser MGDs verknüpft sind.

3. Conditional Cash Transfers

Wie der Name schon sagt, sind Conditional Cash Transfers (CCTs) Zahlungen, die an Bedingungen geknüpft werden. Der Grundgedanke lautet, dass einerseits die extreme Armut gemildert werden muss, gleichzeitigjedoch auch eine Perspektive geschaffen werden soll, die die Abhängigkeit von Transferzahlungen mindert. Dies geschieht durch einen Aufbau des Humankapitals, welches dazu dienen soll, die intergenerationale Armut zu überwinden. Um dies zu erreichen, sind die Bedingungen besonders auf die Kinder ausgerichtet. So ist eine der häufigsten Bedingungen, dass die Kinder regelmäßig die Schule besuchen. Indem eine „Bezahlung“ für den Schulbesuch stattfindet, wird es den Menschen die in extremer Armut leben erleichtert, auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zu verzichten. Diese Kondition hilft somit, das MDG der Bildung sowie der Reduktion von Armut und Hunger zu erreichen (Kornacki 2005: 26). Laut den Millenium Development Goals wird angestrebt, dass „children everywhere, boys and girls alike, will be able to complete a full course of primary schooling”[2] [3] [4]. In diesem MDG ist die Geschlechterfrage schon eingeschlossen und auch CCTs versuchen häufig, diese zu inkorporieren, indem beispielsweise die Zahlungen für Mädchen, die die Schule besuchen, höher ausfallen als die für Jungen. Dies ist notwendig, da in vielen Ländern, die Bildung eines Mannes traditionell als wertvoller gilt als die einer Frau, so dass ein Ausgleich geschaffen werden muss (Son 2008:7). CCTs nehmen noch in einem weiteren Aspekt Bezug auf die Geschlechterfrage, da meist die Zahlungen an eine weibliche Person im Haushalt getätigt werden, da Frauen häufiger dafür sorgen, dass das Geld dem ganzen Haushalt und besonders den Kindern zu Gute kommt. Es findet somit eine Stärkung der Rolle der Frau und Mutter statt. Weitere Berührungspunkte zwischen CCTs und MDGs finden sich bezüglich der Gesundheitsvorsorge von Kindern als auch von Müttern, da häufige Bedingungen die regelmäßige medizinische Untersuchung von Kindern und Müttern (pränatal als auch Nachsorge) sind. Ebenfalls weit verbreitet sind verpflichtende Impfungen von Kindern (Kornacki 2005:26).

[...]


[1] “No society can surely be flourishing and happy, of which by far the greater part of the numbers are poor and miserable” (Adam Smith in Heilbronner 1999:60/61).

[2] http ://www.un.org/millenniumgoals/index.shtml

[3] Conditional Cash Transfers können sowohl von Regierungen als auch von Organisationen der Enwicklungszusammenarbeit implementiert werden. Hier werden nur CCTs von Regierungen untersucht, da sich bezüglich nicht staatlicher Akteure weitere Schwierigkeiten ergeben, welche hier nicht ausführlich behandelt werden können. Für weitere Informationen siehe Javad 2011.

[4] http://www.un.org/millenniumgoals/education.shtml

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656082576
ISBN (Buch)
9783656082880
Dateigröße
6.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183806
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Schlagworte
Conditional Cash Transfers CCT Bolsa Familia nachhaltige Entwicklung Brasilien

Autor

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