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Bonhoeffers Ethik im Gegensatz zum nationalsozialistischen Weltbild

Ethik als Verantwortung

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Kurze Biografie (bis 1940)

3 Bonhoeffers Ethik

4 Die nationalsozialistische Weltanschauung

5 Bonhoeffers Ethik im Gegensatz zu Euthanasie und Zwangssterilisation

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Hausarbeit soll die Thematik von Dietrich Bonhoeffers „Ethik im Widerspruch zum nationalsozialistischen Weltbild“ behandeln. Im Rahmen der Veranstaltung „Dietrich Bonhoeffer: Schöpfung und Fall“ an der Universität Bremen haben wir uns im Wintersemester 2010/2011 bei Prof. Dr. Pietsch mit Dietrich Bonhoeffer auseinandergesetzt. Wenn man sich mit Dietrich Bonhoeffer befasst, so kommt man, alleine schon aus biografischen Gründen, nicht herum, sich mit seinem hohen ethischen Anspruch zu beschäftigen, den er nicht nur schriftlich darlegte, den er vor allem auch vorlebte. Diese Tatsache, dass er sich, bezogen auf seinen ethischen Anspruch, offiziell gegen den Nationalsozialismus stellte und die Verbrechen offen anklagte, führte letztendlich auch zu seinem Tod.

Ich versuche in der Hausarbeit aufzuzeigen, was Bonhoeffers Ethik ausmachte und in welchem Gegensatz diese zur nationalsozialistischen Weltanschauung stand. Des Weiteren werde ich versuchen, meine Ausführungen stets im historischen Kontext darzustellen, da dieser, bei einer solchen Fragestellung, meiner Meinung nach einen hohen Stellenwert haben muss, da die historischen Ereignisse zu jener Zeit zu einschneidend waren und sie bewusst oder unbewusst das damalige Leben diktierten.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, was mich zu dieser Fragestellung bewogen hat. Es ist die Tatsache, dass Dietrich Bonhoeffer seiner inneren Überzeugung folgte, obwohl er sich über die Gefahren, die dieser Sachverhalt bot, im Klaren war. Es scheint, als wenn seine innere Überzeugung als Theologe ihm keine andere Wahl ließ, als dieses Menschheitsverbrechen anzuklagen.

Ich möchte kurz aufzeigen, wie ich diese Hausarbeit gliedere. Zuerst möchte ich die Biografie Bonhoeffers bis 1940 kurz darstellen, weil er ab 1940 konkrete Entwürfe zur christlichen Ethik unter dem Einfluss des NS-Regimes niedergeschrieben hatte. Daraufhin werde ich die Grundzüge Bonhoeffers Ethik darlegen, um sie anschließend mit dem nationalsozialistischen Menschenbild zu vergleichen oder besser gesagt gegenüberzustellen. Diese Gegenüberstellung möchte ich anhand der Euthanasie- und Zwangssterilisationsgesetze durchführen. Ich möchte auch vorwegnehmen, dass der Rahmen einer Hausarbeit nicht ausreicht, um Bonhoeffers Ethik detailliert zu untersuchen und darzustellen.

2 Kurze Biografie (bis 1940)

Die Zwillinge Dietrich und Sabine Bonhoeffer werden am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Die Eltern Paula und Karl Bonhoeffer haben noch sechs weitere Kinder. Karl Bonhoeffer ist Mediziner, der über einige Umwege schließlich Professor für Psychiatrie und Neurologie in Berlin wird. Die Familie Bonhoeffer zieht 1912 von Breslau nach Berlin.

„Nach Breslau, einer Stadt am Rande des Deutschen Reiches, wird Berlin eine Weltmetropole, die Heimatstadt der großen Familie Bonhoeffer. […] Für Dietrich Bonhoeffer bleibt sie die wichtigste Stadt seines Lebens. Hier lebt seine Familie, hier geht er zur Schule, studiert und lehrt er an der Hochschule und Universität. Berlin ist zugleich das Zentrum der politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit und des Kirchenkampfes.“[1]

1923 beginnt Dietrich mit dem Studium der Theologie in Tübingen. Nach zwei Semestern wechselt er an die Universität Berlin. Er absolviert jedoch vorher einen dreimonatigen Studienaufenthalt in Rom. Mit der Arbeit "Sanctorum communio. Eine Untersuchung zur Soziologie der Kirche" promoviert Dietrich Bonhoeffer 1927.[2] Im Januar 1928 legt Bonhoeffer das Erste theologische Examen ab und tritt in Barcelona sein Vikariat an. „Für die praktische seelsorgerische Arbeit in der Gemeinde entwickelt der junge Vikar ein eigenes Konzept. Die religiöse Betreuung der Kinder und Jugendlichen liegen ihm besonders am Herzen.“[3]

1929 wird Bonhoeffer Assistent an der Berliner Theologischen Fakultät. Die Rückkehr nach Deutschland fällt Bonhoeffer schwer. Er registriert, dass Berlin sich verändert hat. “Die Gefahren, die Deutschland durch die radikalen Kräfte von links und rechts bedrohen, sieht er wohl am Horizont aufsteigen. Aber ihm ist klar, dass weglaufen keine Alternative sei.“[4] 1930 macht Bonhoeffer sein Zweites theologisches Examen und habilitiert. Des Weiteren reist er für einen Studienaufenthalt in die USA.

Am 01.02.1933, zwei Tage nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler, hält Dietrich Bonhoeffer einen Vortrag im Radio mit dem Titel „Wandlung des Führerbegriffs in der jungen Generation“, in dem sich keine Spur von Zustimmung zum Führerbegriff finden lässt.[5] 1934 nimmt Dietrich Bonhoeffer an der ökumenischen Tagung auf Fanö (Dänemark) teil und hält dort seine Friedensrede, um vor der drohenden Kriegsgefahr zu warnen.[6] Im Jahre 1935 bitten ihn Vertreter der Bekennenden Kirche nach Deutschland zurückzukehren, indem man ihn mit der Leitung von Predigerseminaren in Finkenwalde beauftragt.[7] Die Bekennende Kirche erklärt Christentum und NS-Rassenideologie als unvereinbar.

1937 erfolgt die Schließung der Priesterseminare in Finkenwalde durch die Gestapo.[8] Mitte 1939 hält Bonhoeffer sich wieder in den USA auf, doch Bonhoeffer reist, gegen den Rat vieler Freunde, trotz oder gerade wegen der drohenden Kriegsgefahr, nach Deutschland zurück.[9] Aufgrund der Tatsache, dass Bonhoeffer das Priesterseminar illegal weiterführte, erhält er 1940 Rede- und Schreibverbot. Des Weiteren schließt sich Bonhoeffer dem militärisch-politischem Widerstand um Admiral Wilhelm Canaris an, der Bonhoeffer, um ihn vor einer drohenden Einberufung zum Militär zu schützen, als Mitarbeiter der militärischen Abwehr in das Oberkommando der Wehrmacht beruft.[10]

Im November 1940 wird Bonhoeffer vom Bruderrat der Bekennenden Kirche für die Arbeit an seinem Buch über Ethik freigestellt.[11]

3 Bonhoeffers Ethik

Zunächst sollte der Begriff „Ethik“ einmal dargestellt werden. Laut Dudendefinition bedeutet Ethik: “Normen und Maximen der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten.[12] Die Ethik von Dietrich Bonhoeffer wird gemeinhin als christozentrische oder christonome charakterisiert. Aber was heißt christozentrisch bzw. christonom? Nun, dieses soll in der nun folgenden Darstellung von Bonhoeffers Ethik aufgezeigt werden.

Für Bonhoeffer war Ethik nicht etwas, was das tägliche Leben beeinflussen oder bestimmen sollte. Aber sie sollte in Ausnahmefällen zum Tragen kommen und dann Grundlage für Entscheidungen sein.

„In solchen Zeiten wird das Ethische zum Thema. Das bringt einerseits eine erfrischende Vereinfachung der Lebensprobleme, eine Zurückführung auf große Grundlinien mit sich, eine Nötigung zu klaren inneren Entscheidungen und Stellungnahmen; die Diskussion wird unter solchen Umständen stärker als sonst von Gesinnung, Werteurteile, Überzeugungen, Beteuerungen, durch die Ausbrüche natürlicher Entrüstung und vorbehaltloser Bewunderung bestimmt sein; es findet eine allgemeine Reduktion auf das Grundsätzliche und damit Einfache statt, das Interesse an den wirklichen Lebensvorgängen […] tritt stark zurück hinter dem Prinzipiellen.“[13]

Des Weiteren sagt Bonhoeffer, dass der Sinn der Ethik nicht darin besteht aufzuzeigen, was sein sollte, aber nicht ist, sondern eher soll die Ethik die Grenzen des Sollens aufzeigen und dadurch Lebenshilfe geben.[14] Soweit zu Bonhoeffers Ansichten bezüglich der Funktion oder Daseinsberechtigung von Ethik.

Da Bonhoeffer protestantischer Theologe war, ist es auch nicht verwunderlich, dass seine Ethik auf einer stark christlichen Weltanschauung basiert. Für Bonhoeffers Ethik nimmt die Nachfolge Jesu eine zentrale Rolle ein. „ Bonhoeffer interessiert sich nicht abstrakt und allgemein dafür, was ein für allemal gut sein soll, sondern die Schlüsselfrage, um die er immer und immer wieder dreht, ist die Frage, wie Christus unter uns heute und hier Gestalt gewinnt (Ethik 91).“ [15] Hieraus kann entnommen werden, dass Bonhoeffer in seiner Ethikvorstellung keine ewigen Wahrheiten und Werte zum Ausdruck bringen möchte, vielmehr steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Nachfolge Jesu gelebt werden kann.

Für Bonhoeffer musste das menschliche Friedenstiften dem gewaltlosen Weg Gottes entsprechen, ja Christen hätten nur nachträglich zu vollziehen, was Gott bereits getan hat: den Weg gewaltloser Liebe zu beschreiten.“[16]

Bonhoeffer konkretisiert weiter, wie der Einzelne dieses verfolgen sollte. Der Einzelne sollte sich zurücknehmen, auf sein Recht auf Gewalt verzichten und Gottes Willen und Liebe geschehen lassen.[17] Es ist vor allem die Nächstenliebe die Bonhoeffer thematisiert und genau dieses ist der Weg Jesu.

[...]


[1] Ackermann. 2005. S.22

[2] Vgl. Deutsches Historisches Museum. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BonhoefferDietrich/

[3] Ackermann. 2005. S. 32

[4] Ackermann. 2005. S. 39

[5] Ackermann. 2005. S. 75

[6] Vgl. Deutsches Historisches Museum. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BonhoefferDietrich/

[7] Vgl. Ackermann. 2005. S. 149

[8] Vgl. Neuenschwander. 2006. http://www.bonhoeffer.ch/artikel/ethik-im-vorletzten-2013-ein-gespraech-mit-dietrich-bonhoeffer1/

[9] Vgl. Ackermann 2005. S. 177-180

[10] Vgl. Ackermann 2005. S. 187

[11] Vgl. Ackermann 2005. S. 188

[12] Baer, Wermke. 2002. S. 282

[13] Bonhoeffer nach Tödt. 1992. S. 370

[14] Vgl. Bonhoeffer nach Tödt. 1992. S. 372

[15] Neuenschwander. 2006. http://www.bonhoeffer.ch/artikel/ethik-im-vorletzten-2013-ein-gespraech-mit-dietrich-bonhoeffer1/

[16] Mokrosch, Johannsen, Gremmels. 2003. S. 126

[17] Vgl. Mokrosch, Johannsen, Gremmels. 2003. S. 126

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656082781
ISBN (Buch)
9783656083085
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183732
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
bonhoeffers ethik gegensatz weltbild verantwortung

Autor

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