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Die Entstehung des Buchdrucks

Schrift und Layout

Hausarbeit 2008 25 Seiten

Buchwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I HISTORISCHER HINTERGRUND: DIE ENTSTEHUNG DES BUCHDRUCKS IN EUROPA
1 Ende des Mittelalters - Beginn einer großen Entwicklung
1.1 Europa und das Buch im 15. Jahrhundert
1.2 Johannes Gutenberg - Leben und Werk
2 Wirkung des Buchdrucks
2.1 Luther und das Buch im 16. Jahrhundert
2.2 Das Buch und seine mediale Entwicklung

II DIE ENTSTEHUNG DES BUCHDRUCKS: DAS GEDRUCKTE BUCH
1 Inkunabeln
2 Die Schrift des gedruckten Buches
2.1 Die Schrift im 15. Jahrhundert
2.1.1 Textura
2.1.2 Schwabacher
2.2 Die Schrift des 16. Jahrhunderts ….…
2.2.1 Fraktur
2.2.2 Antiqua
2.3 Deutsche Schriften in der Neuzeit
3 Das Layout des gedruckten Buches
3.1 Das handschriftenorientierte Layout im 15. Jahrhundert
3.2 Ökonomisierungsprozesse im Buchdruck
3.3 Aldus Manutius
3.4 Grundlegende gestalterische Entwicklungen der Inkunabelzeit

Resümee

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

Vorwort

Die vorliegende Arbeit über die Entstehung des Buchdrucks mit Schwerpunkt Schrift und Layout beschäftigt sich mit der technischen Innovation des Buchdrucks - vorwiegend in Europa durch Johannes Gutenberg - und mit der daraus resultierenden Weiterentwicklung der äußeren Erscheinung des gedruckten Buches ab Mitte des 15. Jahrhunderts.

Da die Entstehung des Buchdrucks heute synonym mit Gutenbergs Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern verwendet wird, spreche ich im Folgenden grundsätzlich von Letzterem und erwähne explizit, wenn es sich um andere Druck- formen handelt.

Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert: Zum Einstieg wird der historische Hintergrund - mit der Entstehung des Buchdrucks u.a. in China bis hin zur euro- päischen Drucktechnik nach Johannes Gutenberg - behandelt, der zweite Teil zeigt die Entwicklungen im gestalterischen Umgang mit den Inkunabeln1 auf. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Entwicklung der Schrift und des Layouts von den Anfängen des Buchdrucks bis hin zum frühneuzeitlichen und modernen Buch.

Die Beschäftigung mit den europäischen - vor allem den deutschen - Inku- nabeln setzt ein fundiertes (historisches) Hintergrundwissen voraus: Wer hatte über- haupt die Möglichkeiten zu drucken, geschweige denn überhaupt den Druck zu erfinden? Was hatte Gutenberg, was andere nicht hatten - welche Möglichkeiten standen ihm offen? Wie war die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation in Europa und besonders in Deutschland? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Teil I: ‚historischer Hintergrund’. Der Schwerpunkt, die Geschichte des Layouts und der Schrift wird aufgrund dieser Informationen ausführlich im Teil II - ‚das gedruckte Buch’ - vertieft und erläutert. Das Thema Layoutentwicklung wird getrennt von der Schrift behandelt, da beide Entwicklungen weitgehend nicht voneinander ab- hängig waren.

Die Erfindung des Buchdrucks in Europa ist datiert um das Jahr 1450 und als Erfinder nennt man Johannes Gutenberg2. Sein Werk und Werken hat eine ganze Lawine an Neuerungen - im Umgang mit Büchern - langsam ins Rollen gebracht, wie zum Beispiel die Entwicklung der mittelalterlichen Kodices, die nach Tradition handgeschrieben und aufwändig verziert waren, zu gegliederteren und übersicht- licheren frühneuzeitlichen Büchern, die ihre (äußere) Gestalt bis heute weitgehend beibehalten haben. Die Erfindung des Buchdrucks ist eine wesentliche Zäsur in der Verbreitung des Wissens durch das Medium Buch und dadurch auch der Lesefähigkeit auf der ganzen Welt.

I HISTORISCHER HINTERGRUND:
DIE ENTSTEHUNG DES BUCHDRUCKS IN EUROPA

1 Ende des Mittelalters - Beginn einer großen Entwicklung

1.1 Europa und das Buch im 15. Jahrhundert

Kennzeichen des Mittelalters (ca. 500-1500 n.Chr.) sind eine hierarchisch und ständisch gegliederte Gesellschaftsordnung, die Macht von Kaiser und Papst und die Allgegenwärtigkeit der christlichen Glaubenslehre.3

Im 15. Jahrhundert aber befand sich Europa in einer Aufbruch- und Umbruch- stimmung. Diese Zeit markierte das ausgehende kirchlich beherrschte Mittelalter; eine Zeit zwischen Gotik und Renaissance - zwischen Altem und Neuem. Eine neue Ära brach an; alte Werte zerfielen, auch die Reichsgewalt des Kaisers. Der Ruf nach sozialer und religiöser Erneuerung und Unabhängigkeit wurde laut. Der Mensch zeigte mehr Interesse am Irdischen, welches im Mittelalter (Erde, Irdisches=‚Tal der Leiden’) eher schlecht angesehen wurde. Es zählte nicht länger nur die Gemeinschaft der Christen, sondern das Individuum erlangte Bedeutung. Neue Kenntnisse wurden in neu errichteten Universitäten gelehrt und das Interesse für historisches Wissen belebt. Der Mensch des dunklen Mittelalters wurde aktiv. Erfindungen und Entdeckungen dieses Jahrhunderts ebneten den Weg in die Frühe Neuzeit.4

Der Drang nach Bildung schloss zu dieser Zeit (vor 1450) jedoch nicht die Möglichkeit des Verbreitens des Wissens mit ein. Bücher waren sehr selten und kosteten ein Vermögen, da sie einzeln handschriftlich, meist von Mönchen, angefertigt werden mussten (vereinzelt gab es auch gedruckte Blockbücher5 ). In der Lösung dieser Problematik witterte Gutenberg das große Geschäft.

1.2 Johannes Gutenberg - Leben und Werk

700 Jahre vor Gutenberg wurde der Buchdruck in China erfunden, zu dieser Zeit hatten die Skriptorien6 in Europa gerade ihre Blütezeit. Die Technik des Druckens verbreitete sich schnell in die umgebenen Staaten aus, z.B. in die Mongolei und Tibet. Der älteste Fund eines chinesisches Blockdruckerzeugnisses stammt aus dem Jahre 868 und ab 1040 wurde in China mit beweglichen Lettern gedruckt.7 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das chinesische Druckverfahren Gutenbergs Erfindung beeinflusste. Doch wer dieser Mensch, der zum Mann des Jahrtausends gewählt wurde, überhaupt?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Johannes Gutenberg8

Über das Leben des um 1400 als Johannes Gensfleisch in Mainz geborenen Johannes Gutenberg (Abb.1) ist wenig bekannt. Wahrscheinlich ist, dass er eine Ausbildung an einer Klosterschule genoss und später studierte. Anhaltspunkte dafür sind unter anderem seine Lateinkenntnisse. Er arbeitete als Goldschmied und stellte Pilgerspiegel her. Obwohl er ein Patriziersohn war, war er handwerklich begabt.

Um 1450 entwickelte er ein Verfahren, mit dem man Bücher schneller und preiswerter herstellen konnte. „Das umstürzend Neue, das Gutenbergs Erfindung ausmachte, war indes die Bewältigung des komplizierten technischen Problems des Letterngusses und die Anwendung der dabei gewonnenen praktischen Erfahrungen für das bis dahin noch nicht bekannte ‚Schreiben mit Typen’ (Typographie).9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Das Handgießinstrument10

Entscheidend für die Typographie war die Erfindung des Handgießinstruments (Abb.2). Mit diesem Handgießinstrument wurden die einzelnen Buchstaben (Typen) gefertigt. Diese Innovation ermöglichte eine Massenherstellung und einen Druck mit beweglichen Lettern, „damit war es jetzt ohne Schwierigkeiten möglich, Buchstaben aus Blei oder einer Bleilegierung in fast beliebiger Zahl mit identischem Bild aus einer Matrize aus härterem Metall [...] zu gießen.11

Zu seinen ergänzenden Erfindungen zählen der Setzkasten, in den die wieder- verwendbaren Typen eingeordnet wurden, und die Druckerpresse (Spindelpresse).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Schema einer Type12

„Gutenberg hatte keine Früchte seiner Erfindung ernten können. Er geriet bald für lange Zeit in Vergessenheit und wurde später als Erfinder zunächst in Frage gestellt.13 “ Er starb 1468 völlig mittellos.

Das älteste Werk Johannes Gutenbergs ist das um 1445 entstandene „Fragment zum Weltgericht“. 1455 stellte er die Arbeit seines bedeutendsten Werkes, die 42- zeilige Bibel („B42“) fertig (siehe II/2.1.1 und Anhang B).

2 Wirkung des Buchdrucks

2.1 Luther und das Buch im 16. Jahrhundert

„Die Geschichte der Buchdruckerkunst ist untrennbar mit der Verbreitung der Heiligen Schrift verbunden14 “, schreibt Füssel. Und tatsächlich waren die ersten gedruckten Bücher liturgische Texte (z.B. Gutenbergbibel).

Martin Luther (1483-1546) nutzte den Druck zur Verbreitung seiner neuen Botschaften (Reformation15 ) an die Gläubigen. Die Presse konnte in ganz Deutsch- land vom legendären Thesenanschlag von Wittenberg gegen den Ablasshandel be- richten. Zudem lag Luthers Bibelübersetzung 1534 in gedruckter Form vor (Abb.4) und konnte von vielen Menschen in verschiedenen Orten gelesen werden. Nicht nur diese bis dato erste deutsche Bibel, sondern auch ihre zahlreichen Raubdrucke bahnten sich ihren Weg zu den Menschen. Zudem trugen Einblattdrucke, wie Zeitungen und Flugblätter, zur Verbreitung der lutherischen Glaubenslehre bei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Lutherbibel16

Der Erfolg der Lutherbibel ist nicht nur der erstmaligen Übertragung des Bibel- textes ins Deutsche zu verdanken, sondern auch der neuen Drucktechnik, mit der die „Gute Nachricht“ schnell weit verbreitet werden konnte. Einen weiteren posi- tiven Effekt, den die Lutherbibel und ihre Verbreitung mit sich brachte führt Gööck folgendermaßen an: „Mit der Bibelübersetzung schenkte Luther der deut- schen Nation eine allen Stämmen gemeinsame Nationalsprache, die es bis dahin nicht gegeben hatte.17 “ Er machte die heilige Schrift allen Menschen zugänglich.

Luthers Lehre gegen Ablasshandel und Willkür der Kirche fand Anklang in allen Teilen Deutschlands. Die neue Drucktechnik trug dazu bei, eine Abspaltung von der römischen Kirche zum protestantischen Glauben innerhalb kürzester Zeit und in einem flächenmäßig großen Gebiet zu vollziehen.

2.2 Das Buch und seine mediale Entwicklung

„Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern ist das unsterbliche Werk des Mainzers Johannes Gutenberg.18 “ und „das Schreibwesen [erfuhr] durch die Erfindung [...] Johannes Gutenberg[s] eine ungeahnte Bereicherung.19

Zitate wie diese gibt es in wissenschaftlicher Fachliteratur zuhauf. Sie zeigen die Wichtigkeit der Innovation des Buchdruckverfahrens weltweit auf. Der Buch- druck selbst läutete, sicherlich in Zusammenhang mit anderen Faktoren (z.B. Entdeckungen, der Zerfall alter Werte), den Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit ein. Die „Schwarze Kunst“, wie man Gutenbergs Druckverfahren be- zeichnet, verbreitete sich innerhalb weniger Monate und Jahre von Deutschland, über Europa, in die ganze Welt. Der französische Gelehrte Fichet (1433-1480), der im Jahre 1470 die erste Druckerpresse in Frankreich errichtete, sagte zu dieser Zeit über die deutschen Buchdrucker: „Sie strömten in die Welt, wie einst die Krieger dem Bauch des Trojanischen Pferden entstiegen.20

Medientheoretisch gesehen, ist das Buch Jahrhunderte lang neben weiteren Druckerzeugnissen, wie Flugblätter oder Zeitungen, das einzige Medium, das die Menschen verbindet und mit dem man Neuigkeiten und Geschichten aller Art, überall hin, an alle Menschen gleichermaßen in relativ kurzer Zeit bringen konnte. Bücher waren nicht nur für die Kirche von äußerster Wichtigkeit, die damit ihre Lehre verbreitete, sondern mit der Zeit auch immer bedeutender für Wissenschaft und Technik - Wissen konnte viel schneller an viel mehr Menschen verbreitet werden. Gleichzeitig entwickelte sich das Buch auch zu einem Medium der Unterhaltung. Die Graphik in Abbildung 5 (s.u.) zeigt die Mediengeschichte in Deutschland auf; bis in die Neuzeit - bis zur Entstehung u.a. des Fernsehens und des Radios - war das Buch das primäre und alltägliche Medium der Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt.

Die Buchdruckerkunst ebnete den Weg für die Schriften der Reformation, der Aufklärung und der modernen Wissenschaft und trug somit zur Verbreitung verschiedener Lehren und Weltauffassungen bei. Das Publizieren wurde weiter- entwickelt und es entstand eine vom Buchdruck unterstütze mediale Massen- kommunikation. Nach und nach wurden immer mehr Bücher, Einblattdrucke, Zeitungen, etc. produziert und brachten eine - für diese Zeit gewaltige - „Infor- mationslawine21 “ ins Rollen.

[...]


1 Inkunabeln: Früh-/ Wiegendrucke zwischen 1450 und 1500. Vgl. Rautenberg 2003, S. 276

2 Er hatte nie seinen Namen unter ein Druckerzeugnis gesetzt, weshalb es heute schwer ist, seine Werke auf ihn zurückzuführen. Vgl. Pollard 1993, S. 35

3 Vgl. Barth 2007, S. 7

4 Vgl. Gööck 1977, S. 73-77

5 Blockbuch: Aus der Oberfläche eines Holzklotzes wurden eine Abbildung oder einige Textzeilen herausgeschnitten, eingefärbt und wie ein Stempel auf das Papier gedrückt. Vgl. Barth 2007, S. 192

6 Skriptorien sind mittelalterliche Schreibstuben, in denen Mönche Bücher abschrieben.

7 Vgl. Kollmar-Pauelenz, S.195-196

8 Füssel 1999, Umschlagvorderseite

9 Sturm 1993, S. 62

10 http://gutenberg.de/erfindun.htm

11 Kapr 1987, S. 121

12 Kapr 1987, S. 127

13 Gööck 1977, S. 77

14 Füssel 1999, S. 114

15 Refomation: Keine Revolution, sondern eine Bewegung für die Wiederherstellung der alten Christlichkeit. Eine Lehre gegen Willkür und für die ausschließliche Geltung der Heiligen Schrift und des Gewissens. Vgl. Gööck 1977, S. 106

16 Gööck 1977, S. 105

17 Gööck 1977, S. 104

18 Gööck 1977, S. 73

19 Sturm 1993, S. 62

20 Gööck 1977, S. 77

21 ebd., S. 77

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656083719
ISBN (Buch)
9783656083771
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183721
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Buchwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Gutenberg; Buchdruck Schrift Layout Druck

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