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Der Gutenberg Buchdruck

Revolutionierung der Wissenstradierung

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wissensvermittlung vor Gutenberg

3. Der Gutenberg Buchdruck
3.1 Die Erfindung des Buchdrucks – Revolutionierung der Wissensvermittlung
3.2 Einführung und Ausbreitung der neuen Informationstechnologie
3.3 Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft

4. Die Gleichzeitigkeit von Handschrift und Buchdruck

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur .

1. Einleitung

Wer hätte es für möglich gehalten, dass ein technisches Verfahren aus dem Mittelalter noch in der Gegenwart unseren Alltag so entscheidend prägt. Die Nutzung von Büchern hat in unserer Gesellschaft nicht ab sondern viel mehr zugenommen. Gedruckte Literatur begleitet uns unser Leben lang und begegnet einem Jeden in unterschiedlichster Art und Weise. Dabei spielt es keine Rolle ob es die morgendliche Zeitung, die Anleitung für ein technisches Gerät, das Schulbuch oder der Roman auf dem Nachtisch ist. Obwohl es zugegebener Maßen in den letzten Jahrhunderten zu mehreren technischen Abwandlungen oder Weiterentwicklungen kam, beruhen alle diese Medien auf dem ursprünglichen Verfahren des Gutenberg Buchdrucks.

Zweifellos war die Umsetzung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert ein Meilenstein der Menschheitsgeschichte. Neben der Entdeckung des Rades oder der Erfindung des Computers bildete diese technische Neuerung einen bedeutenden kulturhistorischen Einschnitt in das Leben der Menschen.

Allerdings war Gutenberg nicht der Erfinder des Buchdrucks, der schon 400 Jahre zuvor Einzug in China erhielt und dessen technische Idee schon einige Zeit vor ihrer Verwirklichung in Europa bekannt war. Doch war dem Goldschmied und Spiegelmacher aus Mainz die Umsetzung eines neuen Verfahrens mit beweglichen Lettern gelungen, was das Schriftwesen und schließlich einen Großteil des gesellschaftlichen Lebens in Europa revolutionieren sollte.

„Die Buchdruckerkunst ist ein Faktum, von dem ein zweiter Teil der Welt- und Kunstgeschichte datiert, welcher von dem ersten ganz verschieden ist.“[1] Mit diesen Worten beschrieb Johann Wolfgang von Goethe den Augenblick der Einführung des Gutenberg Buchdrucks, dem er den Beginn einer neuen Ära nachsagte.

Wie sich dieser Wandel vor etwa 550 Jahren genau vollzog, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. In der folgenden Betrachtung soll hierbei besonders der Einführung und Ausbreitung sowie der Folgen der neuen Methode zur Wissensüberlieferung nachgegangen werden. Die Darstellung früherer Verfahren wird weiteren Aufschluss über den revolutionären Charakter der technischen Neuerung bringen. Am Ende soll zusammenfassend das Resultat der Untersuchung dargestellt und eine Wertung bzw. eine Stellungnahme zum Wirken Gutenbergs vorgenommen werden.

2. Wissensvermittlung vor Gutenberg

Die Übermittlung von Wissen, Nachrichten, Gesetzen oder Geboten auf schriftlichen Weg reicht bis in das 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. In dieser Zeit waren Stoffe, die leicht bearbeitet werden konnten, wie Baumrinde, Palmblätter, Knochen, Holz oder Steine, gängige Schriftträger. Die Informationen wurden durch Schreib- und Druckverfahren auf die Materialien gebracht. Ein weitaus feinerer Beschreibstoff aus dieser Zeit war das Papyrus, das aus der Papyrusstaude gewonnen wurde. Aufgrund seiner leichten und auch dünnen Beschaffenheit war dieses Material in der Handhabung um einiges bequemer als die vorweg genannten Alternativen. Auch war es möglich den Papyrus zu großen Flächen zusammenzusetzen, auf denen eine große Menge von Informationen geschrieben werden konnte. Die langen Bahnen waren leicht aufzurollen, wodurch die erste Form einer kompakt beschriebenen Schriftensammlung, einem Buch, entstand. Der Papyrus entwickelte sich damit zu dem am meisten verwendeten Schriftenträger seiner Zeit und blieb bis in das hohe Mittelalter ein besonders für Urkunden, den so genannten Bullen, gern verwendetes Material.[2] Ein weiteres und vermutliches älteres Verfahren zur Informationsübermittlung war das Schreiben auf Tierhaut, die durch Gerben zu Leder verarbeitet wurde. Ähnlich wie der Papyrus konnte auch das Pergament aufgerollt werden. Dieses als robuster geltende Material wurde vor allem seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. durch die Merowinger für die Herstellung von Urkunden verwendet und setzte sich als bevorzugter Schriftenträger für christliche Literatur durch. Der entscheidende Vorteil des Pergaments war seine Recyclingfähigkeit. Die alten Texte konnten leicht abradiert und durch neue ersetzt werden.

Neben dem Pergament und dem Papyrus wurden auch Tonscherben und Wachstafeln bevorzugt benutzt. Sie waren alltagstauglich, ausreichend für kurze Aufzeichnungen, schnell verfügbar und vor allem kostengünstig in ihrer Anschaffung. Wachstafeln, in die die Informationen eingekratzt wurden, waren einfach wieder zu verwenden und blieben über das Mittelalter bis in die Neuzeit in Gebrauch.[3]

Die erstmalige Verwendung von Papier wurde auf das 3. Jahrhundert n. Chr. in China datiert. Das aus Baumrinde oder alten Textilstoffen hergestellte Material breitete sich rasch in Asien im 6. und 7. Jahrhundert und über die arabische Welt schließlich auch in Europa im 10.-13 Jahrhundert aus. Die Europäer übernahmen die ursprüngliche Herstellungsmethode, verbesserten aber die Technik des Verfahrens. Durch das mit Wasserkraft betriebene Stampfwerk konnte innerhalb kürzerer Zeit teilweise mechanisch eine größere Menge des neuen Schriftträgers hergestellt werden. Eine weitere entscheidende Verbesserung gegenüber dem asiatischen und arabischen Papier brachte die Leimung mit tierischen Knochen, wodurch das europäische Papier widerstandsfähiger wurde. Damit war ein geeigneter Schriftträger als wichtige Grundvoraussetzung für den Buchdruck entwickelt worden.[4]

Neben den bereits erwähnten Papyrus- und Pergamentrollen, den so genannten Buchrollen, entstand eine weitere Buchform, der Kodex, der die Rolle ab dem 4. Jahrhundert mehr und mehr verdrängte und noch in der Gegenwart verwendet wird. Vorteil des herkömmlichen Buchs ist die bessere Handlichkeit, Übersichtlichkeit und die Beidseitige Verwendung des Schriftmaterials. Der Kodex ist aus der Bindung mehrere Wachstafeln, die in Holzklötzern, lateinisch caudex, eingearbeitet waren, entstanden. Zunächst wurde das Wachs hauptsächlich durch Pergament, aber auch durch Papyrus und später durch Papier ersetzt.[5] So entstand das bestmögliche und kostengünstigste Format, in das sich hervorragend eine Fülle von Informationen notieren ließ und das in Verbindung mit Papier eine weitere Voraussetzung für den Buchdruck bildete.

Bevor Gutenberg sein Verfahren Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte, gab es bereits verschieden Druckverfahren, die aus dem asiatischen Raum stammten. Ein Beispiel für die Vorläufer des europäischen Buchdrucks war die Holzdrucktechnik, bei der Zeichen für Zeichen aus einer Holzplatte geschnitzt und diese anschließend als Block gedruckt wurde. Diese Blockdrucke wurden bereits im 8. Jahrhundert in Asien durchgeführt. Ein weiteres Beispiel ist das Sandgussverfahren. Hierbei wurden hölzerne Lettern gefertigt, die in eine Schlammasse gedrückt wurden. In die daraus entstandene Gussform wurde flüssiges Kupfer oder auch Ton gegossen, woraus nach dem Aushärten die fertige Letter entstand. Diese Kupfer- bzw. Tonlettern wurden in einen Bambusrahmen geklemmt und so seitenweise zusammengestellt. Nachteil dieser Methode waren die unregelmäßigen Formen der Lettern, die so nur mit großer Mühe gerahmt werden konnten. Hier zeigt sich jedoch, dass es in Asien bereits im 14. Jahrhundert Druckversuche mit frei beweglichen Lettern gab, lange vor den Versuchen Gutenbergs.[6]

Im griechisch-römischen Altertum waren Bücher nur der gebildeten Gesellschaftsschicht, im Mittelalter fast ausschließlich nur der Geistlichkeit zugänglich. Das lag hauptsächlich daran, dass es die Mönche waren die in ihren Klöstern die Schreib- und Buchkultur pflegten und die Vervielfältigung der Bücher in aufwendiger Abschrift durchführten. Aber auch Bibliotheken ließen in eigens dafür eingerichteten Schreibwerktstätten Bücher vervielfältigen. Daraus entstand schließlich ein richtiges Gewerbe, das sich mit der Herstellung von Abschriften nach Bestellung beschäftigte. In Schreibstuben, so genannten Skriptorien, wurden überwiegend Kopien älterer Bücher von den Sciptoren, den Schreibern, angefertigt.[7] Häufig duplizierte Literatur waren vor allem Gesetz- und Religionsbücher, wie die Bibel. Allerdings wurde stets auf eine originalgetreue Abschrift geachtet, sodass das Schreiben eine verantwortungsvolle und ehrenhafte Aufgabe wurde. Besonders schwer war es ein durchweg sauberes und gleich bleibendes Schriftbild zu erstellen.

Bei der Herstellung eines Buches fielen einzelne Arbeitsschritte auf unterschiedliche Positionen, sodass man von einer Arbeitsteilung sprechen kann. Die handwerkliche Arbeit verrichteten die Laienbrüder, das Schreiben oblag den Mönchen und für die Malerei, die Herstellung von Tinte und Farben waren die so genannten Illuminatoren, Pictoren oder auch Farbreiber zuständig. Das bis dahin hauptsächlich verwendete Pergament wurde von Pergamentherstellern, so genannten Pergamentern oder Buchfellern, Berufe die aus dem Handwerk des Gerbers hervorgingen, hergestellt.[8] Mit der Zeit entwickelten sich die Klöster so zu regelrechten Bildungszentren mit Bibliotheken und Ausbildungsstätten. Die Mönche hatten nicht nur die Aufgabe die Bücher zu Vervielfältigen, sondern auch zu sammeln und mit ihrer Hilfe wissenschaftliche Studien zu betreiben.

Mit zunehmender Nachfrage entwickelte sich das Abschreiben der Bücher zu einem immer größeren Berufzweig, in dem längst nicht mehr nur Mönchen und Bibliotheksangehörige tätig waren. So entstanden in den Städten Werkstätte, in denen Schreiber und Bildmaler Literatur für die breite Masse vervielfältigten. Aber nicht nur die Zunft des Schreibens sondern auch die der Pergament- und Tintenhersteller prosperierte. Der Bedarf an Bücher war so groß, dass selbst Universitäten eigene Schreiber beschäftigten und Studenten oft selbst von dringend benötigten Büchern Abschriften anfertigten.[9]

Einerseits deutete die Entwicklung im Bereich der Schriftträger und deren Formate die bevorstehende Umstellung von der Abschrift zum Druckverfahren an. Andererseits lies das blühende Gewerbe der Buchvervielfältigung einen anderen Schluss zu. Dennoch dürfte Gutenberg ideale Voraussetzungen für sein Verfahren vorgefunden haben. Der Anstoß für die Einführung des Buchdrucks wurde bereits in Asien gemacht, wodurch der nächste Schritt der Europäer nur noch eine Frage der Zeit war. Wie unerwartet es den ein oder anderen traf und welche Probleme daraus resultierten soll im weiteren Verlauf geklärt werden.

3. Der Gutenberg Buchdruck

Die Einführung des typographischen Verfahrens im Druckwesen durch Johannes Gutenberg führte wie bereits mehrfach erwähnt zu einer Revolutionierung der Wissenstradierung. Die rasche Ausbreitung der Vervielfältigungsmethode hatte aber auch entscheidende Auswirkungen auf das Leben der Menschen und deren Gesellschaftssystem. Neben einer Vielzahl von Vorteile waren es aber ebenso negative Nachwirkungen, die die technische Neuerung mit sich brachte. Daher ist es notwendig sich ein Gesamtbild von Nutzen und Wirkung aber auch von den Beweggründen, die zur Realisierung des Verfahrens führten, zu machen.

3.1 Die Erfindung des Buchdrucks – Revolutionierung der Wissensvermittlung

Die bisherigen Betrachtungen haben gezeigt, dass sich bis zu der Einführung des Gutenberg Buchdrucks ein umfangreiches Gewerbe mit der Vervielfältigung von Büchern herausgebildet hat. Die Schulung bzw. Ausbildung der Schreiber wurde stetig verbessert und die zunehmende Herstellung von Büchern hatte zu einer Standardisierung der Schreibtätigkeit geführt. Diese erreichte mit der Einführung der karolingischen Minuskel im 8. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Damit hatte sich eine einheitliche Schrift mit klarem und leicht lesbarem Schriftbild herausgebildet. Darüber hinaus sollten Ausbildungstraditionen bestimmte Techniken und Verfahren erhalten, um ein konstantes Erscheinungsbild der Bücher zu gewährleisten. So entstand schließlich ein sehr altes traditionelles Kunsthandwerk, das sich über Jahrhunderte hinweg stetig weiter entwickelt und schließlich bewehrt hat.[10]

Den Spekulationen von Michael Giesecke zu Folge erkannte Gutenberg die Mängel dieses Systems, das er vermutlich für überholungsbedürftig hielt. Gerade in dem Risikofaktor Mensch soll Gutenberg den Hauptschwachpunkt festgestellt haben. Demnach waren die Fähigkeiten der Schreiber von deren Tagesform und auch Ausbildung, die oft auch ungenügend war, abhängig. Zudem steigerte die hohe Auftragslage den Zeitdruck, unter dem die Qualität vieler Abschriften hinsichtlich der Form und des Inhaltes litt. Für Giesecke lag das Motiv Gutenbergs daher weniger in der Entwicklung eines schnellen und billigen Vervielfältigungssystems sonder viel mehr in dem Willen die standardisierte Schreibtätigkeit zu mechanisieren, worin Gutenberg die Behebung der soeben aufgeführten Fehlerquellen und die Verwirklichung eines gleichmäßigen und harmonischen Schriftbilds gesehen haben soll.[11]

Früher Versuche zur Umsetzung eines Druckverfahrens beruhten ebenfalls auf der Idee auf mechanischem Weg mittels Holz- oder Metallstempel zu drucken. Gutenberg reichte diese Verfahrensweise nicht aus, da hierbei immer noch der Mensch, der größte Fehlerfaktor, benötigt wurde um die Stempel manuell zu fertigen. Das revolutionäre an seinen Überlegungen war die Ersetzung des Schreibers durch eine Maschine, die Erstellung von Literatur ohne das Zutun des Menschen.[12]

[...]


[1] Vgl. Kästner, Ingrid: Johannes Gutenberg, Leipzig 1978, S. 5.

[2] Vgl. Funke, Fritz: Buchkunde: Ein Überblick über die Geschichte des Buches, München 1992, S. 54.

[3] Vgl. ebd., S. 55.

[4] Vgl. Funke, Fritz, S. 55-63.

[5] Vgl. ebd., S. 66-70.

[6] Vgl. Giesecke, Michael: Der Buchdruck in der frühen Neuzeit: Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Memmingen 1994, S. 73-77.

[7] Vgl. Pies, Eike: Die weiße und die schwarze Kunst: Berufe rund ums Buch, Solingen 2002, S. 12.

[8] Vgl. ebd. S. 6-11.

[9] Vgl. Funke, Fritz, S. 74-98.

[10] Vgl. Giesecke, Michael, S. 134-136.

[11] Vgl. ebd., S.136 ff.

[12] Vgl. Giesecke, Michael, S. 138 ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656080831
ISBN (Buch)
9783656081180
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183701
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
gutenberg buchdruck revolutionierung wissenstradierung

Autor

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Titel: Der Gutenberg Buchdruck