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Der Chatroom als Raum der Möglichkeiten

Selbstkonzept und Selbstdarstellung in virtuellen Umgebungen

Bachelorarbeit 2008 49 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

INHALT

1. EINFÜHRUNG

2. BEDEUTUNG DES SELBSTKONZEPTES
2.1 DEFINITIONEN DES SELBSTKONZEPTES
2.2 ZUM BEGRIFF DER IDENTITÄT

3. SELBSTDARSTELLUNG IM REALEN LEBEN
3.1 ZUM BEGRIFF DER SELBSTDARSTELLUNG
3.2 IMPRESSION MANAGEMENT
3.3 AUSGEWÄHLTE THEORIEN DER SELBSTKONZEPTFORSCHUNG
3.3.1 THEORIE DER SYMBOLISCHEN SELBSTERGÄNZUNG
3.3.2 SELBST-DISKREPANZ-THEORIE

4. SELBSTDARSTELLUNG IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN
4.1 CHARAKTERISTIK AUSGEWÄHLTER UMGEBUNGEN
4.1.1 WEB-CHAT
4.1.2 3D-WELT „SECOND LIFE“
4.2 MÖGLICHKEITEN DER SELBSTDARSTELLUNG IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN
4.2.1 NICKNAME UND AVATAR ALS IDENTIFIZIERUNGSREQUISITE
4.2.2 SIMULATION UND IMAGINATION IM WEB-CHAT
4.2.3 IMPRESSION MANAGEMENT IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN
4.2.4 SYMBOLISCHE SELBSTERGÄNZUNG UND SELBSTDISKREPANZEN IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN
4.2.5 IDEALISIERTE SELBSTDARSTELLUNG

5. AUSBLICK

6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG

Was ist das Besondere an der Selbstdarstellung einer Person und welche Einflüsse können verschiedene Umgebungen auf diese Selbstdarstellung haben? Was ist die Selbstdarstellung überhaupt? Das Praxisprojekt „Selbstkonzept & Studienrelevante soft Skills - Entwicklung einer interaktiven Assessment Center Umgebung“ gab den Anstoß zur vorliegenden Arbeit. Das Ziel des Praxisprojektes war es, einen Prototypen für ein virtuelles Assessment Center zu entwickeln, in dem es möglich sein soll, bestimmte Sozialkompetenzen der Besucher zu untersuchen und diese gegebenenfalls zu bewerten. Als virtuelle Umgebung diente die dreidimensionale online Welt „Second Life“.

EXKURS

Der Anspruch an das zu entwickelnde virtuelle Assessment Center war, dass es mit den gleichen Methoden arbeiten sollte, wie Assessment Center im realen Leben, die für Berufsbewerber üblich sind. Das bedeutet, der Teilnehmer soll Aufgaben oder Übungen absolvieren, bei deren Ausführung sich bestimmte Verhaltensweisen beobachten lassen. In real existierenden Assessment Centern für Berufsbewerber wird dieses Verhalten üblicherweise durch offensichtliche oder versteckte Beobachter beobachtet und anschließend bewertet. Entsprechend dieser Funktionsweise sollte also auch das Assessment Center in der virtuellen Umgebung „Second Life“ funktionieren.

Die Konzeption des Assessment Centers für „Second Life“ bestand darin, Situationen und Aufgaben zu erstellen, die auf ausgewählte Sozialkompetenzen abzielen, und die die entsprechenden Sozialkompetenzen auch beobachtbar machen. Das heißt der Teilnehmer soll bestimmte Aufgaben erfüllen, zu deren erfolgreichen Bewältigung, der Besitz der gewählten Sozialkompetenz notwendig ist. Die Voraussetzung für eine realistische Beobachtung ist natürlich, dass der Teilnehmer nicht weiß, worauf die Aufgaben abzielen und er somit sein Verhalten nicht entsprechend beeinflussen kann.

Die ausgewählten Sozialkompetenzen, auf die die Übungen und Aufgaben abzielen sollten, waren: Kritikfähigkeit, Ausdrucksvermögen, Überzeugungskraft, Auftreten, Kooperationsvermögen und Einfühlungsvermögen.

Die Operationalisierung der gewählten Sozialkompetenzen erfolgte durch bestimmte Handlungen, in denen sich die entsprechende Sozialkompetenz allgemeinhin äußert. Hierzu war zuvor Recherchearbeit zu leisten, um heraus zu stellen, wodurch sich die gewählten Sozialkompetenzen überhaupt auszeichnen. So wurde zum Beispiel Kooperationsvermögen unter anderem durch die Bereitschaft Kompromisse einzugehen operationalisiert. Anhand dieser Operationalisierung wurde für jede einzelne Sozialkompetenz ein Beobachtungsbogen entwickelt, mit dessen Hilfe sich die gewählten Sozialkompetenzen beobachten lassen. Um die Validität (Messgenauigkeit) im Beobachtungsbogen zu berücksichtigen, sind die Beobachtungskriterien, also die Fragen und Handlungen, die einer Sozialkompetenz laut Operationalisierung entsprechen, so gewählt worden, dass sie sich gegenseitig kontrollieren und bedingen. Wenn also ein Beobachtungskriterium laut der Beobachtung stark ausgeprägt ist, müsste das gegenteilige Beobachtungskriterium gar nicht ausgeprägt sein, damit anhand der Messung überhaupt eine Aussage getroffen werden kann. Gemäß dieser in psychologischen Forschungen unabdingbarer Validität wurde immer auch das Gegenteil eines Beobachtungskriteriums gemessen, um der Messung einen wissenschaftlichen Anspruch zu verleihen.

Da sich Sozialkompetenzen nicht nur in einer bestimmten Situation zeigen, sondern sich durch die gesamten Handlungsweisen einer Person ziehen, sollte die Ausprägung jeder Sozialkompetenz in mindestens zwei Übungen beobachtet werden. Dementsprechend sollten Übungen gewählt werden, in denen sich mehrere der gewählten Sozialkompetenzen beobachten lassen.

Die Entwicklung des Assessment Centers erforderte nun, die Erarbeitung von Übungen, die den in der Konzeption festgelegten Bedingungen entsprechen und sich in der virtuellen Umgebung „Second Life“ umsetzen lassen.

Die fünf entwickelten Übungen sind zum einen ein Interview und eine Gruppendiskussion sowie eine heimliche Übung, bei der der Teilnehmer nicht weiß, dass er an einer Übung teilnimmt und sein Verhalten beobachtet wird. Darauf folgt, dass der Teilnehmer in der Gruppe ein Labyrinth erfolgreich absolvieren und im Anschluss daran zwei verschiedene Briefe schreiben muss.

Beim Interview werden die Sozialkompetenzen Auftreten, Ausdrucksvermögen und Kritikfähigkeit beobachtet. Bei der Gruppendiskussion werden ebenfalls die Kritikfähigkeit, vor allem aber das Kooperationsvermögen und die Überzeugungskraft beobachtet.

Die heimliche Übung zielt vor allem auf das Einfühlungsvermögen ab und bei der Absolvierung der Übung Labyrinth steht das Kooperationsvermögen und die Überzeugungskraft im Vordergrund. Die Briefe sollen abschließend einen Eindruck vom Ausdrucksvermögen und vom Einfühlungsvermögen des Teilnehmers geben.

Die Implementierung im Anschluss an die konzeptionelle Arbeit erfolgte wie bereits erwähnt in der virtuellen Welt „Second Life“,

Abb.1. Startbild des Programmes "Second Life“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zu deren Bedienung die Installation eines Programmes und eine bestehende Internetverbindung nötig ist.

Abbildung 1 zeigt das Startbild des zu installierenden Programmes „Second Life“. In dieses loggt sich der Nutzer mit Hilfe seines registrierten Namens ein und kann, sofern die Internetverbindung besteht, sich in der virtuellen Welt bewegen und mit anderen kommunizieren.

Das Besondere an dieser Umgebung ist, dass man sie aktiv mitgestalten kann. In dieser Welt ist eine eigene Skriptsprache integriert, mit deren Hilfe man seinen Avatar, also seinen virtuellen Vertreter der eigenen Person, verändern oder sogar Gebäude gestalten und aufbauen kann.

Diese Besonderheit war Voraussetzung für die Verwendung dieser Online-Welt für den zu entwickelnden Assessment-Center- Prototypen. Die Implementierung bestand also in der Gestaltung eines Ortes mittels der integrierten Scriptsprache, an dem das Assessment Center durchgeführt und getestet werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2. Übungsraum für die Briefe-Übung

Abbildung 2 und Abbildung 3 zeigen zwei der in „Second Life“ entstandenen Räumlichkeiten für das Assessment Center. Abbildung 2 zeigt den Übungsraum, in dem der Teilnehmer die letzte Übung bewältigt und mit dem Schreiben zweier verschiedener Briefe sein Ausdrucks- und Einfühlungsvermögen unter Beweis hid hbd stellen muss.

Abb.3. Open-Air Umgebung für die Labyrinth-Übung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 zeigt das Labyrinth, das sich außerhalb des Assessment Center Gebäude befindet und welches der Teilnehmer mit Hilfe der anderen Teilnehmer absolvieren muss.

Mit Hilfe des in „Second Life“ integrierten Voice Chats, ähnlich wie Internet Telefonie, können die Teilnehmer mit einander kommunizieren. Mit Hilfe eines TeamSpeak Servers können die kommunizierten Inhalte für die Beobachtung aufgezeichnet und später in Ruhe ausgewertet werden.

Der Prototyp des Assessment Centers wurde dem entsprechend implementiert und im Anschluss auf seine Funktionsweise getestet. Die Funktionen des Prototypens gleichen den Erwartungen der Studenten und das Praxisprojekt wurde mit der erfolgreichen Entwicklung und Implementierung dieses Prototypen, eines virtuellen Assessment Centers, für bestimmte Sozialkompetenzen abgeschlossen.

Während der Entwicklung des Prototypen stellten sich unterschiedliche Fragen, hinsichtlich der Bewertung der dargestellten Sozialkompetenzen. Denn wie authentisch lassen sich die Sozialkompetenzen in einer solchen Umgebung wirklich messen? Was beobachtet man eigentlich? Schließlich können für eine solche Beobachtung wichtige Indikatoren, wie Körpersprache, Gestik und Mimik nicht beobachtet werden. Lediglich die textuelle beziehungsweise verbale Kommunikation mittels des Voice-Chats lassen sich hier beobachten und bewerten.

Diese Tatsache stellte die Studenten vor die Frage, wie realitätsnah ihre Beobachtungen in der virtuellen Umgebung überhaupt werden können beziehungsweise, ob sich die Beobachtungen, die sie machen, überhaupt auf den Menschen vor dem Computer, der am virtuellen Assessment Center teilnimmt, übertragen lassen.

Dieser Fragestellung möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit widmen, indem ich mich mit der Selbstdarstellung einer Person im realen Leben und der in virtuellen Umgebungen beschäftige und zu erklären versuche, ob und inwiefern und vor allem warum sich diese voneinander unterscheiden können.

2. BEDEUTUNG DES SELBSTKONZEPTES

Um klären zu können, was genau die Selbstdarstellung eines Menschen ist und wie sie sich entwickelt, ganz gleich in welcher Umgebung, ist zunächst die Begrifflichkeit des Selbstkonzeptes eines Menschen zu erläutern. Denn eine Auffassung von sich selbst zu haben und sich dem eigenen individuellen Selbst bewusst zu sein, ist eine logische Voraussetzung für die Darstellung des eigenen Selbst gegenüber anderen Menschen.

Das Selbstkonzept stellt ein eigenes Forschungsgebiet in der Psychologie dar, die Selbstkonzeptforschung (z.B. Mummendey, 1995; Higgins, 1987; Wicklund, 1985). Im Folgenden Kapitel sollen verschiedene Erklärungsansätze erläutert werden, was unter dem Selbstkonzept eines Menschen zu verstehen ist. An dieser Stelle muss herausgestellt werden, dass verschiedene Ansätze und Bedeutungszusammenhänge für die Erläuterung des Selbstkonzeptes eines Menschen vorliegen. Eine einheitliche, übergreifende Darstellung des Selbstkonzeptes ist bislang nicht beschrieben worden, so dass ich zwei verschiedene Ansätze erläutern und mich im Anschluss auf einen Ansatz als Grundlage für diese Arbeit konzentrieren möchte.

2.1 DEFINITIONEN DES SELBSTKONZEPTES

Hans Dieter Mummendey (1995) beschreibt in seinem Buch Psychologie der Selbstdarstellung das Selbstkonzept als die Gesamtheit der auf die eigene Person bezogenen Beurteilungen, mit mehr oder weniger überdauernden Eigenschaften, die man der eigenen Person zuschreibe. Er beschreibt das Selbstkonzept also als eine subjektive Sicht eines Individuums, in der sich eine Person selbst Eigenschaften und Merkmale zuschreibe und sich somit als bestimmte Person auffasse.

Hier wird das Selbstkonzept nicht als homogene Struktur (Mummendey, 1995) aufgefasst, sondern vor allem als eine Struktur, die aus Teilkonzepten bestehe und welche je nach bestimmter Situation aktiviert würden, um spezifische Selbstbilder der eigenen Person zu produzieren (Mummendey, 1995). Staudinger (2000) schließt sich dieser Auffassung an und schreibt hierzu, dass verschiedene Situationen oder auch die innere Verfasstheit einer Person jeweils verschiedene Teile dieser dynamischen Struktur des Selbstkonzeptes aktivierten und sie in den Vordergrund rückten.

Werner Greve (2000) beschreibt das Selbstkonzept als eine geordnete Wissensstruktur, die eine Person von sich selbst habe. Die einzelnen Wissensbausteine dieser Wissensstruktur ließen sich nach Greve (2000) nach drei Dimensionen ordnen. Die erste Dimension sei hier die zeitliche Perspektive, das hieße dass zum Selbstkonzept eines Menschen mehr gehöre, als das aktuelle Selbst. Greve (2000) schließt in diese zeitliche Perspektive das Selbst ein, das eine Person in der Vergangenheit verkörpert hat, das, was sie aktuell verkörpert und das, was sie in der Zukunft noch verkörpern wird.

Die zweite Dimension sei bei Greve die Unterscheidung zwischen realem und möglichem Selbst. Es gebe für jede Facette des Selbst denkbare Alternativen (Greve, 2000). Der potentielle Umfang des möglichen Selbst sei demnach wesentlich größer als der des realen Selbst.

Ausgehend von der zweiten Dimension leitet Greve die dritte Dimension ab, in der der beschreibenden Ebene immer eine evaluierende gegenüberstehe, die die gesammelten Inhalte einer Person bewerte. Dies bedeute im Einzelnen, dass man zum einen die biografischen Aspekte seines Selbstbildes und zum anderen die wahrgenommene Unterscheidung zwischen dem realen und dem möglichen Selbst evaluiere. Somit bedauere man einige Facetten des eigenen Selbst wohingegen man mit anderen wiederum zufrieden sei.

Diese drei Dimensionen beschreiben nach Greve (2000) das Selbstkonzept einer Person mit der Entstehung eines Selbstbildes und auch dessen eventuelle Veränderung, je nach Bewertung durch die evaluierende Ebene. Das Ergebnis der Evaluierung sei folglich ein Konzept, das ein Mensch von sich selbst habe, wie er sich auch im Hinblick auf vergangene oder zukünftige Entwicklungen sehe.

Diese Auffassung stellt das Selbstkonzept als ein ausdifferenziertes System dar. Die Taxonomie erweitert also die Vorstellung, das Selbstkonzept bestünde aus selbst zugeschriebenen Eigenschaften und Merkmalen, um die beschriebenen drei Dimensionen. Die Erweiterung besteht vor allem in der zeitlich überdauernden Evaluation der Eigenschaften und Merkmale, die eine Person hatte, hat oder haben kann.

Mit der zweiten Dimension, der Unterscheidung zwischen realem und möglichem Selbst, spricht Greve einen ganz zentralen Aspekt in der Selbstkonzeptforschung an. Nämlich, dass im Selbstkonzept einer Person auch Wünsche integriert werden können und dass eine Person folglich Selbstentwürfe entwickelt, wie sie sein könnte (Bayer/ Gollwitzer, 2000).

Diese Integration von Wünschen und Möglichem deutet auf ein bekanntes Modell der Selbstkonzeptforschung hin. Nämlich auf die Differenzierung zwischen dem, was man ist, dem, was man gerne sein möchte, und dem, was man glaubt, dass es andere von einem erwarten.

In der Selbstkonzeptforschung werden diese Differenzierungen als RealSelbst, Ideal-Selbst und Soll-Selbst bezeichnet (Higgins, 1987). Inwiefern diese Differenzierungen Auswirkungen auf das Selbstkonzept einer Person und der daraus resultierenden Selbstdarstellung haben können, werde ich im Kapitel über ausgewählte Theorien der Selbstkonzeptforschung näher erläutern.

Für die vorliegende Arbeit möchte ich die Ansichten Greves zur dreidimensionalen Taxonomie des Selbstkonzeptes als Grundlage verwenden, da dieser die zeitliche Komponente von Eigenschaften und deren Evaluation mit berücksichtigt. In dieser Arbeit bezeichnet das Selbstkonzept also eine konzeptionelle Vorstellung einer Person von sich selbst unter Berücksichtigung aller zeitlich überdauernden und nicht überdauernden Merkmale und deren Bewertung, die sich eine Person zuschreibt.

2.2 ZUM BEGRIFF DER IDENTITÄT

Im Folgenden möchte ich darlegen, warum ich in dieser Arbeit die Begrifflichkeit des Selbstkonzeptes gewählt habe und nicht den weitaus geläufigeren Begriff der Identität.

Der Begriff des Selbstkonzeptes und der der Identität könne laut Mummendey (1995) als synonym angesehen werden, wobei festzuhalten bliebe, dass der Begriff der Identität eher soziologischer und der des Selbstkonzeptes psychologischer Tradition seien (Mummendey, 1995). Die Tradition der beiden Begriffe ist zwar ein Aspekt für die Verwendung des Begriffes Selbstkonzept in dieser Arbeit, jedoch ist sie nicht der ausschlaggebende Grund, sondern die eigentliche Bedeutung des Begriffs Identität.

Der Begriff Identität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet eine völlige Übereinstimmung von Dingen, Personen oder anderem (Kraif & Schoch, 2007). Im Bezug auf einen Menschen müsste dies also bedeuten, dass ein Mensch stets mit sich selbst identisch also übereinstimmen müsse. Misoch (2004) erläutert den Begriff der Identität als eine vollständige Übereinstimmung eines Objekts oder Subjekts in allen Einzelheiten mit sich selbst und die auf relativer Konstanz von Verhaltensmustern und Einstellungen beruhende einheitliche Betrachtung seiner selbst (Misoch, 2004). Misoch (2004) betont hierbei, dass die Konstanz der Verhaltensmuster als relativ anzusehen sei. Doch wie verhält es sich mit der Übereinstimmung mit sich selbst in allen Einzelheiten?

Nicola Döring (2003) schreibt zur Begrifflichkeit der Identität, dass sie als komplexe Struktur anzusehen sei, die aus einer Vielzahl einzelner Elemente bestehe, von denen je nach Situation Teilmengen aktiviert würden. Diese Teilmengen seien laut Döring (2003) als Teil-Identitäten zu verstehen. Somit besitze eine Person nicht nur eine wahre Identität, sondern eine Vielzahl von Teil-Identitäten (Döring, 2003).

Diese Auffassung der Teil-Identitäten, die sich von einander auch stark unterscheiden können (Döring, 2003), deckt sich nicht mit der von Misoch (2004) betonten relativen Konstanz von Verhaltensmustern und der Übereinstimmung mit sich selbst in allen Einzelheiten sowie mit der eigentlichen Wortbedeutung des Begriffes Identität (Kraif & Schoch, 2007).

Festzuhalten ist , dass der Begriff des Selbstkonzeptes die Auffassung von Teilmengen, die sich unterschiedlich zu einander verhalten können, sehr viel mehr unterstützt, denn der Begriff Konzept ist ebenfalls lateinischen Ursprunges und bezeichnet das Zusammenfassen (Kunkel- Razum, Auberle, Osterwinter et al., 2006). Der Begriff des Selbstkonzeptes kann also genau wie der der Identität die Zusammenfassung konsistenter und übereinstimmender

Persönlichkeitsaspekte bedeuten und zusätzlich im Gegensatz zur Identität auch die Zusammenfassung nicht übereinstimmender Teilmengen oder Teilkonzepte (Mummendey, 1995) zu einem großen Ganzen. Daher erscheint der Begriff des Selbstkonzeptes hier bezeichnender und er ist für die folgenden Gedanken dieser Arbeit ebenso geeigneter.

3. SELBSTDARSTELLUNG IM REALEN LEBEN

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die Selbstdarstellung einer Person in einer virtuellen Umgebung. Doch um diese näher betrachten zu können, ist zunächst zu klären, was unter der Selbstdarstellung an sich überhaupt zu verstehen ist, also was die Selbstdarstellung einer Person im realen Leben bedeutet, wie sie sich äußert und wodurch sie beeinflusst wird. Diese Aspekte sollen im folgenden Kapitel näher beleuchtet werden. Zunächst jedoch möchte ich den Begriff der Selbstdarstellung näher erläutern.

3.1 ZUM BEGRIFF DER SELBSTDARSTELLUNG

Mummendey (1995) beschreibt die Selbstdarstellung ihrer Definition nach als die Darstellung des Individuums gegenüber einem Publikum. Dies impliziert also, dass die Interaktion mit einem Publikum, also einer oder mehrerer Personen, als Voraussetzung für eine Darstellung des Selbst angesehen werden kann. Die Selbstdarstellung kann also als Ausdruck des eigenen Selbst gegenüber anderen angesehen werden. Dieser Ausdruck kann auf vielerlei Ebenen geschehen, wie zum Beispiel Gestik, Mimik, der Stimmlage, dem verbalen Ausdruck wie auch der Kleidung und des gesamten Auftretens.

Misoch (2004) betont, dass die Prozesse der Selbstdarstellung im realen Leben meist an die direkte Präsenz des Subjektes gebunden seien. Der Körper, dessen Merkmale und die von ihm gesendeten Zeichen würden damit zu den zentralen Aspekten der Selbstdarstellung unter realweltlichen und -räumlichen Bedingungen (Misoch, 2004). Hier unterscheidet Misoch (2004) drei Ebenen der Selbstdarstellung im realen Leben.

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Details

Seiten
49
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656081463
ISBN (Buch)
9783656081630
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183689
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Lehrstuhl für Kognitionspsychologie
Note
1.0
Schlagworte
Selbstdarsstellung Online-Umgebungen Impression Management Selbstkonzept im Internet

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