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Entstehung und Entwicklung des Beamtentums in Deutschland

Essay 2011 20 Seiten

Organisation und Verwaltung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtliche Entwicklung

3 Hauptpflichten der Beamten

4 Vergleich von Angestellten und Beamten

5 Das Bild der Beamten in der Gesellschaft

6 Fazit

Quellenverzeichnis

Anhangverzeichnis

1 Einleitung

In jeder Kultur und jedem Staat gab es Staatsdiener, die die wichtigsten Aufgaben des Staates erfüllten und dem Wohl der Allgemeinheit dienten. Unter dem Begriff Staatsdiener werden die Beamten1 verstanden. „Beamte und Beamtinnen sind Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treuverhältnis stehen. Sie sollen hoheitsrechtliche oder andere Aufgaben und Befugnisse wahrnehmen“ (Grottian, P. / Narr, W. 1996: 132).

Diese Hausarbeit handelt über das Thema: Entstehung und Entwick- lung des Beamtentums in Deutschland. Dabei wird die Frage gestellt, welche Funktionen und Dysfunktionen das Beamtentum in Deutsch- land hat.

In der letzten Zeit wurde das Bild des Beamtentums negativ darge- stellt. Es wird kritisiert, dass Missmanagement in öffentlichen Organi- sationen, unnötig verzögerte Sachbearbeitung, mangelnde Effizienz, parteipolitischer Ämterpatronage und Verschwendung von Steuergel- dern auf die Arbeitsweise der Beamten zurückzuführen ist. Diese Kri- terien schaden dem Image des Berufsbeamtentums (vgl. Tiedemann, J. 2004: 9). Auch Max Weber übt Kritik an der Bürokratie in öffentli- chen Verwaltungen und nicht an der Privatwirtschaft. Nach Weber spielt das Beamtentum eine wesentliche Rolle in der Bürokratie, da die Bürokratie die Herrschaft mittels bürokratischen Verwaltungsstabs ist und deren Typus ist die Behörde mit Beamten. Seine Definition lautet: „Beamte bilden den typischen Verwaltungsstab rationaler Ver- bände, seien dies politische, hierokratische, wirtschaftliche oder sonstige." ( Weber, M. 1980: 126). Die Bürokratie ist heute nicht auf die öffentliche Hand beschränkt, sondern auch in manchen Teilen auf die Privatindustrie. Daraus folgt die Frage, ob noch die Notwendigkeit besteht, eine bürokratische Verwaltung zu haben und ob die über- kommenen Strukturen des Berufsbeamtentums den spezifischen Auf- gaben der Staatstätigkeit entsprechen (vgl. Mommsen H. 1996: 20).

Außerdem werden häufig Beamte mit Angestellten verglichen, da sowohl Beamte als auch Angestellte im öffentlichen Dienst arbeiten und dabei die gleichen Aufgaben erfüllen. Allerdings genießen Beamte gegenüber Angestellten mehr Vorteile. Daher wird folgende These formuliert: Werden Beamte in Zukunft durch Angestellte abgelöst und ist das Idealbild der Beamten noch aktuell?

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird auf die Entstehung und Entwick- lung des Berufsbeamtentums eingegangen. Darin wird ein Überblick über die Post- und Bahnprivatisierung gegeben. Des Weiteren werden die Hauptprinzipien der Beamten, insbesondere deren wichtigste Pflichten dargestellt. Anschließend erfolgt ein Vergleich zwischen Beamten und Angestellten. Damit wird auch ein konkreter Überblick zur Funktion und Dysfunktion des Beamtentums gegeben. Im an- schließenden Kapitel wird auf das Bild der Beamten in der Gesell- schaft eingegangen. Die Ausarbeitung schließt mit einem Fazit ab, wo auf die hier formulierte Fragestellung und These eine Antwort ge- geben wird.

2 Geschichtliche Entwicklung

Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, ist das Berufsbeamtentum eng mit der Bürokratie verbunden. In der heutigen Zeit ist die Kritik an Bürokratie und Beamtentum immer noch aktuell. Im Folgenden wird der historische Hintergrund aufgezeigt, um daraus Aufschluss über deren Funktion und Dysfunktion zu geben.

Die Geschichte des Beamtentums blickt auf eine lange und bewährte Tradition zurück. Beamte existierten schon in Antike. In einer Zeit, als die Menschen in einer Gemeinschaft zusammenlebten und Arbeitsteilung betrieben.

Auch in Deutschland hat das Beamtentum eine lange Entstehungsge- schichte. Ihren Anfang nimmt sie vom Diener des Königs über den Diener des Staates hin zum republikanischen und demokratischen Beamten. Die Wurzeln des deutschen Berufsbeamtentums liegen in der Regierungszeit von Friedrich Wilhelm I. von Preußen. In dieser Zeit diente der Beamte „… mit Leib und Leben, mit Hab und Gut, mit Ehre und Gewissen“, wie der König es verlangte (vgl. Wagner, F. 2002: 8). Die Beamten waren loyal gegenüber dem König, es gab keinen Staatsdienst wie heute. Erst seit 1794 regelte das preußische allgemeine Landrecht, dass Beamten nicht mehr Diener des Königs, sondern des Staates sind. Die Beamten des frühen 19. Jahrhunderts waren das, was wir heute als politische Beamte kennen. Die politi- schen Beamten hatten eine Treupflicht gegenüber der Regierung, d.h. sie waren gegenüber ihrer Staats- oder Regierungspartei treu erge- ben (vgl. Wunder, B 1996: 43). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Berufsbeamtentum von den Alliierten abgeschafft und wenig spä- ter erneut eingeführt. Mit der Zeit wurde der Status der Beamten durch Verfassung und Gesetze gefestigt.

Daraus folgt: „Das Beamtentum in Deutschland ist daher eng mit dem Staat verflochten und hat mit seiner Kontinuität wesentlich zur Stabi- lisierung und zur Stabilität der jeweiligen Macht- und Staatsstrukturen beigetragen“ (Tiedemann, J. 2004: 9).

Neben der geschichtlichen Entwicklung sind auch neuere Entwicklun- gen des Beamtentums im letzten Jahrhundert zu erwähnen. Bedeu- tende Punkte sind die Privatisierung der Deutschen Bundespost, der Bundeseisenbahnen und der Flugsicherung. Seit 1993 wurde versucht das Beamtentum auf Kernaufgaben der Verwaltung zu konzentrieren, jedoch konnte dieses Vorhaben nicht ganz erfolgreich abgeschlossen werden. Trotz der Schwierigkeiten sank sich die Zahl der Beamten in Unternehmen wie Deutsche Post, Deutsche Telekom und Deutsche Bundesbahn. Mehr als die Hälfte der damaligen Bundesbeamten leis- ten heute ihre Arbeit in privatwirtschaftlichen Unternehmen (vgl. Faust, F. / Klöckner, B. 2005: 27). Damit haben sich die Tätigkeits- strukturen der Beamten von der Gemeinwohlorientierung zur Gewinn- orientierung verändert. Dadurch erfüllen Beamte keine Staatsaufga- ben mehr, vielmehr arbeiten sie wie Angestellte in Wirtschaftsunter- nehmen, die nach Gewinnmaximierung streben (vgl. Pechstein M. 1999: 9). Allerdings gibt es auch Zielkonflikte bei Privatisierungen von Staatsunternehmen. Dabei ist das zentrale Problem, dass Beam- te Diener des Staates sind und ihre Tätigkeit nicht bzw. nur schwierig in Einklang mit wirtschaftlichen Arbeitsweisen zu bringen ist. Ihre gewohnte Arbeitsweise gestaltet sich im Umsetzen von Regularien aus Gesetzen. Zudem haben sie einen Eid abgelegt, gegenüber dem Staat loyal zu sein und nicht gegenüber einem Wirtschaftsunterneh- men. Dadurch ergibt sich die grundsätzliche Dysfunktion des Beam- tentums. Im Ergebnis wird versucht, weniger Beamte in privaten Be- reichen zu beschäftigen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen bei teil- oder vollverstaatlichten Unternehmen, wie z.B. der Deutschen Bahn oder der Deutschen Post (vgl. Blanke, T. / Sterzel, D. 1999: 29ff).

[...]


1 Im Folgenden werden Beamte und Berufsbeamte synonym verwendet.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656076421
ISBN (Buch)
9783656076285
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183433
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation
Note
2,5
Schlagworte
Beamten Beamtentum Geschichtliche Entwicklung Angestellten Vergleich

Autor

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Titel: Entstehung und Entwicklung des Beamtentums in Deutschland