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Rechtliche und ökonomische Aspekte bei Entwicklung und Betrieb von Open Source Software

Bachelorarbeit 2011 68 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rechtliche Grundlagen der Open Source-Software
2.1 Definition Open Source
2.1.1 Abgrenzung zu proprietärer Software
2.1.2 Abgrenzung zu weiteren Softwarearten
2.2 Open Source Lizenzmodelle
2.2.1 Lizenzen mit strenger Copyleft-Klausel
2.2.2 Lizenzen mit beschränkter Copyleft-Klausel
2.2.3 Lizenzen ohne Copyleft-Klausel
2.2.4 Weitere Lizenzierungen
2.3 Rechtsverbindlichkeit von Open Source Lizenzen
2.3.1 Urheberrechte
2.3.2 Anspruchsgrundlage bei Lizenzverletzung

3 Die Entwicklergemeinde der Open Source Software
3.1 Die Historie des Open Source Modells
3.2 Motivation der privaten Entwickler
3.3 Anreizfaktoren der Unternehmen

4 Geschäftsmodelle auf der Basis von Open Source Software
4.1 Die Wertschöpfung von Software
4.2 Komplementäre Dienstleistungen
4.3 Komplementäre Produkte
4.3.1 Komplementäre Software
4.3.2 Komplementäre Hardware
4.3.3 Sonstige Geschäftsmodelle
4.4 Bewertung der Geschäftsmodelle

5 Einsatz von Open Source Software im öffentlichen Sektor
5.1 Schwäbisch Hall
5.1.1 Hintergrund und Motivation der Einsatzentscheidung
5.1.2 Ablauf der Migration und aktueller Stand
5.2 München
5.2.1 Hintergrund und Motivation der Einsatzentscheidung
5.2.2 Ablauf der Migration und aktueller Stand
5.3 Das Auswärtige Amt
5.3.1 Hintergrund und Motivation der Einsatzentscheidung
5.3.2 Ablauf der Migration und aktueller Stand
5.4 Chancen und Risiken aus der Praxiserfahrung

6 Fazit und Ausblick

Anhang
A.I Kriterien zur Erfüllung der Open Source Definition
A.II Qualitativ-Strategischer Kriterienkatalog der Stadt München

Quellenverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1 Unterschiede der Softwarearten

Abbildung 2.1 Häufigkeit der verwendeten Open Source Lizenzen

Abbildung 4.1 Wertschöpfung von Software

Abbildung 4.2 Komplementäre Dienstleister

Abbildung 5.1 Zielsetzungen einer Migration auf Open Source Software

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Thema Open Source Software ist längst nicht mehr nur für talentierte Hobbyprogrammierer ein interessantes Gebiet. Namhafte Unternehmen wie IBM, Sun Microsystems oder auch HP beteiligen sich aktiv an der Entwicklung von quelloffener Software, indem sie ihre Produktpallette um quelloffene Software erweitern oder Quellcodes ihrer Programme freigeben. Im Gegenzug setzen immer mehr private und öffentliche Organisationen, wie Google, BMW, das Auswärtige Amt oder die bayrische Landeshauptstadt München Open Source Software und Betriebssysteme in unterschiedlichsten Bereichen ihrer Geschäftsprozesse ein.

Darüber hinaus findet die sog. freie Software auch auf politischer Ebene eine Unterstützung im besonderen Maße. So hat bspw. das Bundesverwaltungsamt speziell das „Kompetenzzentrum Open-Source-Software“1 ins Leben gerufen, um den Einsatz von Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung zu fördern. Auch der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft sieht es als eine Pflicht, die Freiheit von Software als Schützenswert anzuerkennen und die Entwicklung und Nutzung von Open Source Software zu fördern, um den aufkommenden Chancenungleichheiten hinsichtlich der Zugriffsmöglichkeiten auf Informationstechnologien, der sog. „Digitalen Kluft“, entgegenzuwirken.2

Die zunehmende Bedeutung von Open Source Technologien wird ebenfalls ersichtlich, wenn die Aufmerksamkeit betrachtet wird, die der CEO von Microsoft, Steve Ballmer, diesen Programmen entgegenbringt. Dieser beschrieb im Jahre 2001 einer amerikanischen Tageszeitung das Open Source Betriebssystem Linux und dessen Lizenzmodell als ein „Krebsgeschwür, das in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt“3. Der CEO des international erfolgreichsten Softwareherstellers, sieht die lizenzgebührenfreie Open Source Software als ernstzunehmende Bedrohung am Markt,4 was damit einhergeht, dass zu vielen kommerziellen Produkten aus dem Hause Microsoft mittlerweile ebenbürtige oder sogar bessere Open Source Alternativen vorhanden sind.

In jüngster Zeit zeigen jedoch auch Schlagzeilen wie „Westerwelle beerdigt Linux“5 oder „München zeigt Geduld und erhöht Budget für LiMux“6, dass der Einsatz von quelloffenen Technologien auch problematisch sein kann. Aufgrund dieser Aktualität befasst sich die vorliegende Arbeit mit den rechtlichen und ökonomischen Aspekten bei der Entwicklung und dem Betrieb von Open Source Software.

Im Blickpunkt des zweiten Kapitels stehen zunächst rechtliche Grundlagen der Open Source Software. Hierzu wird vorab eine definitorische Abgrenzung des Begriffs Open Source Software vorgenommen. Im Rahmen dessen werden charakteristische Merkmale von Open Source Software und wesentliche Unterschiede zu anderen Softwarearten aufgezeigt. Darüber hinaus werden die gängigsten Lizenzmodelle und die damit einhergehenden rechtlichen Verpflichtungen der Anwender und Entwickler von Open Source Software erläutert.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, aus welchen Gründen qualitativ hochwertige und bei Millionen von Anwendern beliebte Programme, wie die Büroanwendung OpenOffice.org, der Webbrowser Mozilla, das Datenbankverwaltungssystem MySQL oder Betriebssysteme wie Linux kostenlos angeboten werden. Im Rahmen dieser Fragestellung wird einleitend der historische Hintergrund der Softwareentwicklung beschrieben. Darauf aufbauend wird anhand des ökonomischen Theorems der Nutzenmaximierung von Individuen erläutert, welche Motivation Entwickler haben, Zeit, Arbeit und Geld in die Entwicklung von Programmen zu investieren, deren Quellcode für jedermann frei zugänglich ist. Dabei findet eine getrennte Betrachtung der Anreizfaktoren der privaten Entwicklergemeinde und der Unternehmen statt.

Im vierten Kapitel wird beleuchtet , wie Unternehmen eine Software kommerzialisieren, die ohne Lizenzgebühren von jedermann genutzt, verändert und weitergebenen werden darf. Auf Grundlage der Wertschöpfung von Software werden Geschäftsmodelle von Unternehmen vorgestellt, die mittels komplementärer Angebote zu Open Source Software, Profite erwirtschaften. Dabei werden ergänzende Dienstleistungen und Produkte vorgestellt.

Anhand von drei Einrichtungen aus dem öffentlichen Sektor gibt das fünfte Kapitel einen Einblick über die Vorteile und Risiken bei einem Einsatz von Open Source Software. Hierzu werden die individuellen Hintergründe der Migrationsentscheidungen und Erfahrungen des Umstellungsprozesses der Stadtverwaltungen Schwäbisch Hall, der Landeshauptstadt München und des Auswärtigen Amts beschrieben.

Abschließend wird im sechsten Kapitel ein zusammenfassender Überblick über die beschriebenen Aspekte bei der Entwicklung und dem Betrieb von Open Source Software dargestellt und ein Ausblick über künftige Entwicklungen hinsichtlich Open Source Software gegeben.

2 Rechtliche Grundlagen der Open Source-Software

Im Rahmen der Untersuchung sind zunächst der Begriff Open Source-Software zu definieren und Unterschiede zu anderen Softwaremodellen abzugrenzen. Entscheidende Kriterien hierfür sind einerseits die Verfügbarkeit des Quellcodes und andererseits die zu entrichtenden Lizenzgebühren.7

Ferner werden im Folgenden verschiedene Ausprägungen von Softwarelizenzen hinsichtlich ihrer charakteristischen und rechtlichen Eigenschaften, die Entwickler und Anwender betreffen, vergleichend gegenübergestellt.

2.1 Definition Open Source

Der Begriff Open Source wurde 1998 durch die Open Source Initiative (OSI) geprägt. Das Leitbild der OSI ist es, die Open Source Bewegung zu stärken um eine qualitativ hochwertige, zuverlässige und flexible Software zu entwickeln. Dabei soll insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen und privaten Sektor in den Bereichen der Technologien und Lizenzmodelle die Entwicklung von wirtschaftlichen und strategischen Vorteilen durch Open Source Software ermöglicht werden.8

Um eine Konformität mit der Open Source Definition zu gewährleisten und das Prädikat „OSI-approved“9 zu erhalten, ist zusammenfassend folgender Kriterienkatalog10 zu erfüllen:

- Zunächst muss eine freie Weitergabe des Programmcodes gewährleistet sein. Der Quellcode darf beliebig verschenkt oder verkauft werden, wobei jedoch beim Verkauf keine Gebühren für Lizenzen abgegolten werden dürfen. Des Weiteren ist ein freier Zugang zum Quellcode erforderlich, welcher in einer nachvollziehbaren Form zu verbreiten ist, so dass damit und mit Segmenten davon beliebig gearbeitet werden kann.
- Darüber hinaus sollen aus Open Source Software abgeleitete Werke unter den selben Lizenzbestimmungen weiter vertrieben werden wie das Originalprogramm. Da diese Bestimmungen Veränderungen und Derivate zulassen, muss ein Werk, welches auf ein Open Source Programm basiert nicht ebenfalls Open Source sein.
- Ein weiteres Kriterium ist die Unversehrtheit des Source Codes, d.h. Originalcode und veränderter Code müssen unterscheidbar sein. Dies dient beispielsweise dem Schutz des Entwicklers und seines Rufs. Zudem muss eine Formulierung in der Lizenz die Weitergabe der modifizierten Software explizit erlauben.
- Ferner dürfen nach der OSI weder Personengruppen noch Anwendungs- felder hinsichtlich der Nutzung und Mitarbeit an der Weiterentwicklung eines Open Source Projekts ausgeschlossen werden. Demnach ist auch die kommerzielle Nutzung eines Open Source Projekts nicht untersagt.
- Schließlich schützt die Open Source Definition auch die Neutralität eines Open Source Produkts. Hierfür sind Beschränkungen hinsichtlich unter- stützter Technologien, Schnittstellen und Produktpakete untersagt. Es dürfen weder bestimmte ausgeschlossen noch vorgeschrieben werden.11

2.1.1 Abgrenzung zu proprietärer Software

Das Hauptmerkmal proprietärer Software ist die Geheimhaltung ihres Quellcodes. In der Literatur wird die proprietäre Software auch als Closed Source12 oder kommerzielle13 Software bezeichnet. Genau genommen wird die proprietäre Software jedoch erst zur kommerziellen Software, wenn die Nutzung kostenpflichtig ist, sprich Lizenzgebühren zu entrichten sind. Die wohl bekanntesten Beispiele hierfür sind Microsoft Produkte wie das Betriebssystem Windows oder die Microsoft Office Software. In der Praxis fallen diese Eigenschaften oft zusammen - müssen aber nicht.14

Das Interesse des Herstellers, dieses Produktgeheimnis zu verbergen, ist nachvollziehbar, wenn berücksichtigt wird, welche Menge an Produktions- faktoren wie Arbeit, Zeit und Geld in der Entwicklung einer Software steckt und Unternehmen eine Gewinnerzielung beabsichtigen. Die Software wird dem Anwender ausschließlich in kompilierter Form, sprich als maschinenlesbares Binärprogramm, verkauft. Diese Version lässt eine Verwendung zu, gewährt jedoch keinen Einblick in die Programmierung, um Anpassungen oder Änderungen durchzuführen. Darüber hinaus werden in der Regel dem Nutzer durch Lizenzbestimmungen jegliche Vervielfältigungen, Weiterverbreitungen, Modifikationen oder Dekompilierungen untersagt. Mit dem Kauf wird also lediglich ein Nutzungsrecht zugesprochen, wobei Rechtsinhaber und somit Eigentümer der Software der Anbieter bleibt.15

Der Nachteil für den Nutzer ist die starke Abhängigkeit vom Hersteller. Da der Anwender selbst den Quellcode nicht einsehen oder ändern kann, liegt es ausschließlich in der Hand des Herstellers bei Softwarefehlern, Weiterentwicklungen oder Anpassungen an individuelle Bedürfnisse, Änderungen vorzunehmen.16

2.1.2 Abgrenzung zu weiteren Softwarearten

Neben den zwei eindeutigen Softwarearten Open Source Software und proprietäre Software gibt es zahlreiche Zwischenformen, die im Folgenden zu Open Source Software abgegrenzt werden.

Public Domain Software

Bei diesem Softwaremodell verzichtet der Autor auf sämtliche Urheberrechte bzw. stellt die Software der Allgemeinheit zur Verfügung.17 Im Vergleich zu Open Source Software werden folglich keinerlei urheberrechtliche Verfügungs- bzw. Verwertungsrechte gewahrt. Die Software kann beliebig, verändert, verkauft oder auch in proprietäre Software umlizenziert werden. Außerdem besteht bei der Public Domain Software im Gegensatz zu Open Source Software keine Verpflichtung zur Veröffentlichung des Quellcodes.18

Freeware

Bei Freeware handelt es sich um proprietäre Software, die kostenlos angeboten wird. Dabei stellt dieses Verschenken von Software eine Marketingstrategie des Unternehmens dar, um eine hohe Bekanntheit und eine starke Marktposition zu erreichen. Dieser Effekt soll insbesondere den eigenen komplementären oder kommerziellen Produkten von Vorteil sein. Populäre Beispiele sind der Micro- soft Internet Explorer und der Adobe Acrobat Reader. Das kostenlose Angebot bezieht sich lediglich auf die Nutzung. Dem Anwender werden im Gegensatz zu Open Source Software keinerlei Modifikationen oder kommerzielle Verwendungszwecke gestattet. Darüber hinaus wird der Quellcode in der Regel nicht veröffentlicht, sondern weiterhin vom Hersteller geheim gehalten.19

Freie Software

Freie Software (engl. Free Software) bezieht sich im Gegensatz zu Freeware nicht auf den Preis, sondern auf die Freiheiten des Anwenders. Das Leitmotiv hierbei ist die Informationsfreiheit beim Umgang mit Software. Dem Anwender werden die Freiheiten gewährt, die Software beliebig zu verwenden, den frei zugänglichen Quellcode zu studieren, zu modifizieren und zu verbreiten. Im Gegenzug ist der Anwender jedoch verpflichtet jede Änderung und Erweiterung des Programms weiterzugeben. Diese explizite Pflicht zur Weitergabe ist mit der Open Source Definition nicht konform.20

Shareware

Shareware stellt weniger eine eigene Softwareart, sondern viel mehr ein besonderes Vertriebsmodell von Herstellern für proprietäre bzw. kommerzielle Software dar. Dabei wird eine Software zu Testzwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Version ist je nach Lizenzbestimmungen funktional oder zeitlich beschränkt. Für die vollwertige Nutzungsfähigkeit ist eine bestimmte Lizenzgebühr zu entrichten. Die besondere Vorteilhaftigkeit besteht für den Anwender darin, dass er vor dem Kauf der Software die Möglichkeit hat, diese zu testen.21

Shared Source Software

Die Shared Source Software bzw. das Shared Source Licensing Program ist die Reaktion von Microsoft auf den wachsenden Erfolg des Open Source Modells und die damit einhergehenden Wünsche der eigenen Kunden nach einem besseren Zugang zum Quellcode.22 Die eigenständigen Lizenzmodelle bestehen aus Programmen unterschiedlichster Microsoft-Produkte, die alle den Zugriff zum Sourcecode bzw. zu Teilen davon gewähren. Im Gegensatz zum Open Source Modell ist dieser Zugriff jedoch lediglich einem auserwählten Personenkreis, wie z.B. akademischen und staatlichen Institutionen, Software- entwicklern oder Hardwarepartnern gestattet. Weitergehende Nutzungsrechte, wie beispielsweise Modifizierungen oder Weitergabe von Programmcodes, sind von Microsoft stark eingeschränkt und lediglich in Ausnahmefällen erlaubt.23

Die Öffnung des Quellcodes stellt für Microsoft einerseits eine vertrauens- bildende Maßnahme24 für eigene Kunden dar, andererseits soll hauptsächlich Geschäftskunden die Möglichkeit zur Mitarbeit gewährt werden, ohne dabei die eigenen Urheberrechte zu gefährden. Das Konzept der Shared Source wird von Microsoft mittlerweile soweit verfolgt, dass OSI zertifizierte Open Source Lizenzen, die „Microsoft Public License“ und die „Microsoft Reciprocal License“, entwickelt wurden.25

Folgende Tabelle 2.1 gibt einen abschließenden Überblick über die wesentlichen Unterschiede der zuvor dargestellten Softwarearten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1 Unterschiede der Softwarearten26

2.2 Open Source Lizenzmodelle

Aktuell gibt es 67 von der Open Source Initiative genehmigte Lizenzen,27 die alle den Kriterienkatalog der OSI erfüllen und somit dem Nutzer uneingeschränkten Zugang zum Quellcode und dessen Modifizierung und Weiterverbreitung gewähren.

Jedoch unterscheiden sich die Open Source Lizenzen untereinander zum Teil erheblich. Verursacht wird dies durch die so genannte Copyleft-Klausel, dem Pendant zum Copyright der proprietären Software. Während die CopyrightLizenzen das Ziel haben wirtschaftliche Investitionen zu schützen und somit Nutzungs- und Vervielfältigungsrechte stark einschränken bzw. gänzlich verbieten, wirken Copyleft-Regelungen genau entgegengesetzt. Die Copyleft stellt folglich eine Schutzklausel dar, die sicherstellt, dass eine Weitergabe von Open Source Derivaten erfolgt und zwar unter denselben Lizenzbedingungen. Damit wird das Ziel verfolgt, Entwicklungen von Open Source Software weiterhin als frei zugängliche Software beizubehalten.28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1 Häufigkeit der verwendeten Open Source Lizenzen29

Abbildung 2.1 stellt die Häufigkeit der in Open Source Projekten verwendeten

Lizenzen dar. Es wird deutlich, dass lediglich neun dominierende Lizenzen 92% der Open Source Projekte abdecken. Im Folgenden werden diese Lizenzmodelle anhand ihrer Copyleft Abstufungen charakterisiert.

2.2.1 Lizenzen mit strenger Copyleft-Klausel

Bei dieser strengen Ausprägung werden Lizenznehmer dazu verpflichtet, abgeleitete Software unter der selben Lizenzbestimmung wie die Ursprungslizenz zu verbreiten. Damit wird vor allem verhindert, dass aus Open Source Software proprietäre Software wird.30

GPL - GNU General Public License

Das bekannteste Lizenzmodell mit strengem Copyleft-Effekt ist die GNU General Public License (GPL). Dieser Grundtypus31 der meisten der Open Source Lizenzen enthält zwei Prinzipien: Bei Weitergabe der Software muss der gesamte Quellcode des Programms veröffentlicht werden und jede Modifikation an einer GPL Software muss ebenfalls unter GPL lizenziert werden. Eine Verwendung von Fragmenten einer GPL unterlegenen Software ist folglich nicht für proprietäre Zwecke erlaubt. Dadurch wird das geistige Eigentum der Open Source Gemeinde geschützt und eine kontinuierliche Entwicklung und Verbreitung von Softwarederivaten gewährleistet.32

Die GPL hat zur Konsequenz, dass jedes Programm, das bspw. auf eine Programmbibliothek zugreift, die unter der GPL steht, ebenfalls mit der GPL lizenziert werden muss. In der Praxis führt diese Eigenschaft zu Schwierigkeiten, wenn eine GPL lizenzierte Software mit anderen, nicht GPL kompatiblen, Lizenzen kombiniert werden soll, da eine Umlizenzierung dieser ohne das Einverständnis des Urhebers nicht möglich ist.33

Diese Unvereinbarkeit kann aber umgangen werden, wenn proprietäre Software über Schnittstellen mit Open Source Software kommuniziert und sich so deren Funktionen bedient. Darüber hinaus gelten diese Vorgaben der GPL lediglich im Falle einer Weiterverbreitung der modifizierten Software.

[...]


1 Vgl. http://www.oss.bund.de/ueber-uns.

2 Vgl. http://www.itu.int/wsis/docs2/tunis/off/7.html.

3 http://www.theregister.co.uk/2001/06/02/ballmer_linux_is_a_cancer/.

4 Vgl. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Steve-Ballmer-fuehlt-sich-durch-Linux-bedroht- 80135.html.

5 http://www.sueddeutsche.de/digital/auswaertiges-amt-ende-einer-it-revolution-westerwelle- beerdigt-linux-1.1060734.

6 http://derstandard.at/1289608111528/Muenchen-zeigt-Geduld-und-erhoeht-Budget-fuer- Limux.

7 Vgl. Wichmann, T. (2005), S.3; Hennig, S. (2009), S. 8.

8 Vgl. http://www.opensource.org/about.

9 Vgl. http://www.opensource.org/; Wichmann, T. (2005), S.10.

10 Folgender Kriterienkatalog siehe auch http://www.opensource.org/docs/osd; Gläßer, L.(2004), S. 22 ff.

11 Originaler Kriterienkatalog der OSI siehe im Anhang A.I.

12 Siehe auch Wichmann, T. (2005), S. 4.

13 Vgl. Hennig, S. (2009), S. 7; Bertschek. I./Döbler T. (Hrsg.) (2005), S.63.

14 Beispielsweise kann Open Source Software kommerziell sein, obwohl der Quellcode jedem zugänglich ist. Hierbei bieten Unternehmen kostenpflichtige Dienstleistungen in Form von Wartung und Support an. Solch ein Geschäftsmodell wird in Kapitel 4 dieser Arbeit erläutert. Aber auch kostenlos vertriebene Software - z.B. Freeware - kann "proprietär" sein, wenn der Lizenznehmer nicht dieselben Nutzungsfreiheiten wie bei Open Source Software erwerben kann.

15 Vgl. Renner, T. et. al. (2005), S. 15.

16 Siehe auch Kharitoniouk, S./Stewin, P. (2004), S. 3.

17 Diese Softwareart kommt aus dem angloamerikanischen Raum. Nach deutschem und europäischem Recht ist ein Verzicht auf sämtliche Rechte, wegen der persönlichkeits- rechtlichen Komponente, nicht möglich. Daher wird die Public Domain Software als Einräumung eines einfachen Nutzungsrechts an jedermann ausgelegt, welche dem Lizenz- nehmer eine unbeschränkte Verwertung dieser gewährt. Die Urheberpersönlichkeitsrechte verbleiben aber bei dem Urheber.

18 Ähnlich Mundhenke, J. (2007), S. 46, Jaeger, T./Metzger, A. (2006), S. 5.

19 Vgl. Mundhenke, J. (2007), S. 47.

20 Vgl. Gläßer, L. (2004), S.17.

21 Vgl. Renner, T. et. al. (2005), S. 14 f.

22 Vgl. Mundhenke, J. (2007), S. 47.

23 Ähnlich Jaeger, T./Metzger, A. (2006), S.7.

24 Siehe auch Gläßer, L. (2004), S.18.

25 Vgl. Jaeger, T./Metzger, A. (2006),S. 7.

26 Eigene Darstellung in Anlehnung an Gläßer, L. (2004), S. 20.

27 Vgl. http://www.opensource.org/licenses/alphabetical (Stand 26.04.2011).

28 Vgl. Gläßer, L. (2004) S. 26 f.

29 Eigene Darstellung mit den Daten von http://www.blackducksoftware.com/oss/licenses#top20 (Stand 15.02.2011).

30 Vgl. Jaeger, T./Metzger, A. (2006),S. 4.

31 Vgl. Jaeger, T./Metzger, A. (2006), S. 20; Saleck, T. (2005), S. 68.

32 So Gläßer, L. (2004), S. 28 f.

33 So Renner, T. et al. (2005), S. 20.

Details

Seiten
68
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656078296
ISBN (Buch)
9783656078678
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183418
Institution / Hochschule
Universität Ulm – Institut für angewandte Informationsverarbeitung
Note
1,0
Schlagworte
Open Source Quelloffene Technologien GPL LiMux Software Lizenzmodelle Copyleft quelloffen rechtlich ökonomisch open source Software Lizenz Migration München Schwäbisch Hall Auswärtiges Amt Open Source Software

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Titel: Rechtliche und ökonomische Aspekte bei Entwicklung und Betrieb von Open Source Software