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Interventionsfeld der Sozialen Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung am Beispiel der Hospizbewegung

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. demografische Entwicklung

3. Gedanke der Hospizbewegung
3.1 Hospizformen
3.1.1 ambulante Hospize und Hospizdienste
3.1.2 Stationäre Hospize
3.1.3 Tageshospize
3.2 Vor- bzw. Nachteile: Hospiz und Palliativstation im Vergleich
3.2.1 Vorteile
3.2.2 Nachteile
3.3 rechtliche Hintergründe

4. Phasen des Sterbens
4.1 Abwehr
4.2 Auflehnung
4.3 Verhandlung
4.4 Depression
4.5 Annahme
4.6 Dimensionen des Todes nach Pattison

5. Bedürfnisse und Wünsche Sterbender
5.1 auf physischer Ebene
5.2 auf psychischer Ebene
5.3 auf sozialer Ebene
5.4 auf spiritueller Ebene

6. Interventionsfeld der hospizlichen Sozialen Arbeit

7. Herausforderung an die Soziale Arbeit

8. Zusammenfassung

9. Quellenverzeichnis

Abstract

Das Interventionsfeld der Sozialen Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung am Beispiel der Hospizbewegung ist das Thema dieser Seminararbeit. Zunächst werden die aktuellen Umstände, z.B. der Umgang mit dem Thema Sterben und Tod in der (post-)modernen Gesellschaft aufgezeigt. Im Folgenden zeigt sich anhand der demografischen Entwicklung zunehmender Handlungsbedarf in der Weiterentwicklung und Förderung der hospizlichen Einrichtungen. Daraufhin wird der Grundgedanke der Hospizbewegung aufgezeigt und am Beispiel des Straubinger Franziskus Hospiz-Vereins verdeutlicht. Die typischen Hospizformen werden kurz dargestellt und im Anschluss dazu werden die jeweiligen Vor- bzw. Nachteile von Hospiz und Palliativstation in Opposition zueinander gesetzt. Bevor auf die Situation Sterbender, basierend auf den Phasen und Dimensionen des Sterbens und auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Wünsche eingegangen wird, werden rechtliche Hintergründe umrissen. Abschließend wird ein breites Interventionsfeld der Sozialen Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung dargestellt und die daraus entstehenden Herausforderungen an die Sozialarbeit skizziert.

1. Einleitung

„Es gibt nur eine Kette, die uns gefesselt hält, nämlich die Liebe zum Leben. Wir dürfen sie nicht von uns weisen, aber wir müssen ihren Druck mindern, damit uns unter dem Druck der Umstände nichts zurückhalte und hindere bereit zu sein, unverzüglich das zu tun, was einmal doch geschehen muss.“

(Seneca)

In der postmodernen Gesellschaft sind Themen wie das Sterben, der Tod und die Trauer aus dem Fokus des allgemeinen Interesses gerückt. Diese Prozesse werden bürokratisiert, institutionalisiert und auf diese Weise verschleiert, so dass das Kollektiv den Tod eines Einzelnen entweder nicht wahrnimmt oder ihm keinerlei Bedeutung zukommen lässt.[1]

Dem tatsächlichen, physischen Tod geht i.d.R. das sog. soziale Sterben, z.B. „(…) durch Degradierung und Exklusion (…)“[2] voraus. Deshalb ist es wichtig, dass die Soziale Arbeit den Handlungsbedarf im Bereich der Sterbebegleitung erkennt und sich diesem Thema mit einem breit gefächerten Aufgabegebieten verstärkt annimmt.

Im Zentrum dieser Seminararbeit steht das Interventionsfeld der hospizlichen Sozialen Arbeit, das sowohl mit den möglicherweise auftretenden ‚Phasen eines Sterbenden‘, als auch auf dessen Wünsche und Bedürfnisse ganzheitlich und angemessen reagieren muss.

Da sich die Soziale Arbeit in ihren Grundzügen als Begleiter von Menschen in problematischen Lebensumständen und Situationen definiert, drängt sich die Frage auf, weshalb sie in Deutschland noch keine feste/eindeutige Rolle im Bereich der Sterbebegleitung spielt. Es sollte daher im Interessensfeld der Sozialarbeit liegen, einen klaren Standpunkt im Bereich Hospiz und palliative care zu beziehen.

Im Laufe dieser Arbeit wird auf geschlechtsspezifische Unterscheidungen, wie z.B. der Patient/die Patientin, verzichtet um einen konstanten Lesefluss zu gewährleisten. Die homogene Verwendung des maskulinen Genus schließt also die Möglichkeit einer femininen Akteurin nicht aus.

2. demografische Entwicklung

Es steht außer Frage, dass sich der Trend der demografischen Entwicklung in Deutschland dahingehend verstärkt, dass es zu einer zunehmenden Überalterung der Gesellschaft in den nächsten Jahrzenten kommen wird.[3] Um dieser Entwicklung auf psychosozialer und kultureller Ebene adäquat gerecht zu werden, bedeutet dies, dass dem Sterbeprozess in Zukunft mit einem höheren gesellschaftlichen Stellenwert begegnet werden muss, denn „Die Veränderung der Sterbedeutungen muss […]infolge eines veränderten Morbiditäts- und Mortalitätsspektrums gesehen werden.“[4]

Im Jahr 2010 betrug die Einwohnerzahl in Deutschland rund 81,8 Mio.[5], die Anzahl der Verstorbenen lag bei 858 768.

Die folgende Grafik[6] gibt Aufschluss über die Todesursachen in Deutschland im Jahr 2010 und soll an dieser Stelle kurz umrissen werden. An zweiter Stelle der Todesursachen liegen nach Erkrankungen des Kreislaufsystems mit einem Anteil von 41,1%, bösartige Neubildungen, also hauptsächlich Krebserkrankungen, die mit einem Anteil von 25,5% etwas über ein Viertel der gesamten Sterbefälle verursachen.

Bezieht man die Grafik[7] über die Veränderung der Todesursachenstruktur in Deutschland mit ein, so kann man deutlich ablesen, dass diese Ursache von erheblicher Relevanz ist, da bei den sog. bösartigen Neubildungen eine eindeutig steigende Tendenz zu erkennen ist. Da es sich hauptsächlich um Krebserkrankungen, die allgemein betrachtet und gewöhnlicher weise von einem schweren und langen Verlauf gekennzeichnet sind, handelt, muss es zu einer steigenden Popularität hinsichtlich des Themenkomplexes der Sterbebegleitung kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Gedanke der Hospizbewegung

Obwohl der Hospizgedanke bereits seit Beginn des Christentums besteht, konnte er erst gegen Ende des 20ten Jahrhunderts in Deutschland Fuß fassen.[8] Nachhaltig beeinflusst wurde die Hospizarbeit in Deutschland durch Kübler-Ross, die das Thema in die Öffentlichkeit rückte. Die ersten hospizlichen Einrichtungen wurden in den 80er Jahren gegründet. Die Hospizbewegung kann ebenfalls als eine Art Bürgerbewegung gesehen werden, da sich hauptsächlich Ehrenamtliche aus Überzeugung in diesem Bereich betätigen. Als Hintergrund ist das Anliegen, dass der Sterbende eine ganzheitliche und angemessene Versorgung erfährt.[9] Seit 1992 kann die Hospizarbeit zum Teil durch die Kranken- und Pflegekassen mitfinanziert werden.[10] Mittlerweile zeichnet sich deutlich ab, dass die Hospizbewegung erfolgreich ist, denn „Alleine in Deutschland sind 80.000 Freiwillige in die Hospizarbeit eingebunden“.[11]

Alle existierenden Hospizformen weisen mindestens fünf gemeinsame Qualitätskriterien auf. Das erste Kennzeichen besteht darin, dass die Würde des Sterbenden und seiner Angehörigen während dieser Phase und auch darüber hinaus, bei nachfolgender Trauerbegleitung gewahrt wird. Das zweite Kennzeichen ist die interdisziplinäre, berufliche Ausrichtung der Helfer, wodurch eine vielschichtige Versorgung auf verschiedensten Ebenen gewährleistet wird. Das folgende Qualitätsmerkmal richtet sein Augenmerk auf die ehrenamtlichen Helfer, deren Ziel es ist, neben der Begleitung eines Sterbenden, das Thema Tod, Sterben und Trauer wieder zurück in das Bewusstsein der Gesellschaft zu holen. Als viertes Kriterium wird die Kenntnis der palliativen Medizin aufgeführt, die notwendig ist, um den Schwerkranken hinsichtlich seiner Symptomkontrolle und Schmerztherapie angemessen begleiten zu können. Das letzte Kriterium steht für eine kontinuierliche Versorgung, die auf zeitlicher Ebene uneingeschränkt ist.[12] Diese Qualitätskriterien lassen sich mit der lebensbejahenden Grundidee, die die aktive Sterbehilfe eindeutig ausschließt und der Bemühung, dass das Sterben eines Betroffenen in seinem Zuhause ermöglicht wird, ergänzt.[13]

3.1 Hospizformen

Das Lexem ‚Hospiz‘ steht nicht für eine Einrichtung, sondern für ein „ganzheitliches Unterstützungskonzept für sterbende Menschen und ihre Angehörigen.“[14] Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen ambulanten Hospizen und Hospizdiensten, stationären Hospizen und Tageshospizen, auf die im Folgenden kurz eingegangen wird.

[...]


[1] vgl. Feldmann 2004, S. 81f

[2] a.a.O., S. 147

[3] vgl. Franke o.J., S187

[4] Dinkel, zitiert nach Dreßke 2010, S. 386

[5] http://www.indexmundi.com

[6] http://www.destatis.de

[7] http://www.bib-demografie.de

[8] http://www.tabuthema-sterben.de

[9] http://www.dhpv.de/themen_hospizbewegung.html

[10] http://www.pflegewiki.de

[11] Heller, Heimerl, Huseboe, 2007, S. 576

[12] vgl. Student 2007, S. 27f

[13] vgl. Seeger o.J., S. 154

[14] Student 2007, S. 86

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656075134
ISBN (Buch)
9783656075530
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183304
Note
Schlagworte
Hospiz Palliative Care Interventionsfeld

Autor

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